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Lebensanker in gesellschaftlichen Umbrüchen

Lebensanker in gesellschaftlichen Umbrüchen

Vorwort

1. Wissend oder suchend: eine entscheidende Weichenstellung?

2. Unsicherheitserfahrungen in einem global geöffneten Orientierungsrahmen

3. Lebensdeutung auf der Grundlage eines naturwissenschaftlichen Weltbildes

4. Leben in der digitalisierten Gesellschaft

5. Standortsuche in neuen sozialen Strukturen

6. Wie zu Hause in alten und neuen Welten

7. Lebensanker in unruhigen Gewässern. „Die Glocke ist weg“

8. Solidarität als religiös unabhängige kulturelle Errungenschaft

9. Selbstwertprobleme in individualisierten Gesellschaften

10. Jeder Mensch ist angstbesetzt

11. ´Glauben an` oder Vertrauen in Geborgenheit und das Miteinander

12. Leiden/Tod; Wie leben, dass mein Leben Sinn macht

13. Miteinander suchen auf Augenhöhe

14. Religiös erziehen

1. Grundlinien

2. Gottesbilder

3. Wissen und Glauben

4. Beten als Ausdruck von Glauben

5. Ein spezifischer religiös-spiritueller Beitrag

Nachwort. biografische Anmerkungen

Lebensanker in gesellschaftlichen Umbrüchen

Vorwort

Die anschließend niedergelegten Gedanken sind als persönliche Reflexion über das eigene Leben gedacht. Sie haben keineswegs den Anspruch, lebens-philosophisch, soziologisch oder theologisch zu überzeugen. Sie sind ein Versuch zu reflektieren, wie sich die eigene Sicht auf das Leben und die ‚Selbstfindung‘ in einer Zeitphase großer gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Veränderungen entwickelt hat. Was in Form von Behauptungen formuliert ist, sollte vielmehr als Ausdruck der eigenen Standortsuche und als Einladung zum Dialog verstanden werden. Die vorliegenden Überlegungen enthalten größere Abschnitte des Schriftstückes „Weltbilder im Wandel und unser spiritueller Kompass“1.

1 Wissend oder suchend: eine entscheidende Weichenstellung?

Die Beziehungen zwischen den Menschen werden in hohem Maße durch Grundhaltungen bestimmt: ob wir mit der Haltung von Wissenden den Mitmenschen begegnen oder aber mit einer Grundhaltung von Suchenden, die den Mitmenschen mit anderen Erfahrungen auf Augenhöhe begegnet, wissend, dass alles Wissen weitere Fragen aufwirft und dass wir immer Suchende bleiben. Wir erfahren so die Gemeinsamkeit, das Verbindende im Suchen und nicht im Wissen.

In vielen Ländern wird inzwischen das soziale Miteinander auf der rechtlichen Basis demokratischer Regeln geordnet und gesteuert. Diese Regeln sollten Unrecht und Gewalt verhindern; sie sollten verhindern, dass Menschen in bestimmten Situationen die Grenzen des moralischen Instinktes, der in kulturellen Traditionen niedergelegt ist, überspringen. Neben den politisch sozialen Regelwerken stützen auch religiös kulturelle Normen ein sozial angepasstes Verhalten. Darüber hinaus bleibt immer die Frage, ob sich die Menschen in den so geregelten Sozialsystemen zu ‚besseren‘ Menschen entwickeln. Ändert sich deren genetische und epigenetische Grundlage, so dass sie in allen möglichen Lebenslagen und gesellschaftlichen Verhältnissen gerechter und humaner handeln?

Haller R.2 ist der Meinung, dass „jeder Mensch in sich seine Abgründe hat“ und dass es nicht gelingen kann, die „Persönlichkeitszüge (so) zu verändern“, so dass Unrecht und Gewalt verhindert werden.

Ist es auch nicht möglich, dass eine spirituell religiöse Erfahrung das an sich gewaltfähige, gewaltgeneigte EGO öffnet, den Menschen davon befreit? Wir ahnen die in einem derartigen Ansinnen versteckte Gefahr, wollten wir annehmen, dass es uns zu besseren Menschen macht oder dass wir die Befreiung als unsere Leistung zu verbuchen glaubten. Es würde uns in eine verhängnisvolle Position von besseren, sozialeren, wissenderen Menschen bringen und damit ein solidarisches Miteinander torpedieren. Spirituell-religiöse Erfahrung, die aus Vertrauen erwächst, in allen Situationen wie auch in unserer gegebenen EGO-Verfassung im Grunde des Lebens (‚Gott‘) angenommen, aufgefangen und geborgen zu sein, gibt Kraft und macht frei für das Miteinander ohne dass es uns als bessere Menschen ausweist.

Moralische oder mit Sanktionen gestützte soziale Regeln steuern unsere Verhaltensweisen und ermöglichen ein Maß an Sicherheit im Miteinander. Eine spirituelle Erfahrung, die aus dem Vertrauen erwächst, mit dem eigenen Wesen und Handeln angenommen und geborgen zu sein, nährt den Wunsch, eins zu werden mit diesem bergenden Sein (‚Gott‘) und drängt uns damit zu einer wohlwollenden, solidarischen Herzenshaltung: einander anzunehmen, wie wir vertrauen, angenommen zu sein.

Auf der religiös-/spirituellen Ebene spielen diese Grundhaltungen eine besondere Rolle. In den traditionellen religiösen Botschaften steckt ein zweifacher Anspruch:

dass eine Botschaft direkt von Gott an die Menschen (durch einen Vermittler) gegeben wurde, bzw. dass die Botschaft/Lehre/Aufklärung durch die Erleuchtung eines Menschen zustande gekommen sei

dass Menschen mit der Weitergabe dieser Botschaft beauftragt wurden und diesen eine besondere Position zur Unterweisung der Menschen zukommt. Damit verbindet sich der Anspruch, mit einem menschlich unüberprüfbaren Auftrag ausgestattet zu sein, in besonderer Weise erleuchtet und wissend zu sein

Wohl könnten Menschen aus diesen Botschaften ein tieferes Verständnis der menschlichen Situation gewinnen, aber darin steckt auch die Versuchung, mit angemaßtem Sendungsbewusstsein und Wissen andere belehren und führen zu sollen. Damit übergehen wir den `Weg von unten`. Unsere inneren Sehnsüchte, unsere Wunden und Kränkungen bleiben verschüttet3. Die Botschaft kann so nicht Menschen wirklich nahe kommen.

Wie wird sich die allzugängliche Informationsflut in den individualisierten Gesellschaften auf ein religiös/spirituelles Engagement der Menschen auswirken? Wird man sich in institutionelle, hierarchisch organisierte religiöse Traditionen zurückziehen, die so vertraute Burg verteidigen, weil man in einer Öffnung den Weg ins Verderben befürchtet? Oder werden immer mehr Menschen, denen die gewohnten Wegweisungen und Bindungen abhanden kommen, ohne einen persönlichen spirituell/religiösen Anker frei floaten? Werden die Herausforderungen durch die neuen Unsicherheiten und die individuell zugängliche Informationsflut eine ehrliche, unvoreingenommene und an den menschlichen Lebensfragen ansetzende Suche nach gemeinsamen Lebenswerten und -hoffnungen verstärken?

2 Unsicherheitserfahrungen in einem global geöffneten Orientierungsrahmen

Die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und technischen Grundlagen unserer Lebensführung haben sich in den nordatlantischen Ländern in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Unsere ideellen Instrumente, religiöse und politische, die unsere Lebenssicht getragen haben, mit denen wir uns zugehörig wussten, sind instabiler, gar beliebiger geworden durch die individualisierte Existenzgestaltung, die digitalisierte Kommunikation und die Meinungsvielfalt, die Öffnung in Weltanschauungen und Lebensdeutungen.

Die Welt erscheint voller Möglichkeiten und Bedrohungen, die Zukunft voller Unsicherheiten. Wir erleben die neuen Möglichkeiten und Herausforderungen ohne die Grundlagen alter Sicherheiten und Bindungen.

Eine persönliche Sicht der Welt zu gewinnen, zu entdecken, wer wir selbst sind und in unserer Beziehung zu den Mitmenschen, wohin wir selbst unterwegs sind, gehört zum Kern unserer Persönlichkeit. Ein Leben lang, und nicht nur in unserer jugendlichen Entwicklungsphase, stellt sich uns die Frage, wer wir sind, wo wir stehen und wie wir unsere Lage in einem größeren Ganzen einordnen. Die persönliche Standortfindung, das persönliche „im Lot sein“ geschieht nicht einmalig für das Leben, wir suchen es ständig neu indem wir Veränderungen um uns herum wahrnehmen, reflektieren und uns weiterentwickeln. Wir sind durch unsere Herkunft genetisch unterschiedlich dafür ausgestattet, erhalten unterschiedliche erzieherische Impulse und durchlaufen unsere je eigenen persönlichen Erfahrungen. Wir erleben Zugehörigkeits- sowie Rollenchancen und Hindernisse4. Wir verorten uns im engeren und weiteren sozialen Zusammenhang, ethnisch, politisch, religiös und in Bezug auf gesamtgesellschaftliche Zukunftschancen und –bedrohungen. Um in unserer Sinngebung offen zu bleiben, müssen wir uns bewusst sein, an welchen „Ankern“ von Vorstellungen unsere Sinngebung hängt.

J. Honerkamp5 folgt den Überlegungen des großen Physikers W. Heisenberg indem er feststellt, dass jeder Mensch in der Frage „nach dem richtigen Leben und Zusammenleben der Menschen“ ….„früher oder später gewisse Einstellungen zur ‚Grundlage des Lebens‘ machen muss, um in etwaigen Lebenssituationen auch zu Entscheidungen fähig zu sein“.

Die Lebensgefühle vieler Menschen in den wohlhabenden nordatlantischen Ländern werden in letzter Zeit zunehmend belastet durch einen Mix aus umfassenden Unsicherheiten und Ängsten vor zukünftigen Entwicklungen.

Vor allem die klimatischen Veränderungen nähren tiefe Befürchtungen. Aus der Forschung wissen wir inzwischen, dass es Leben vernichtende Katastrophen gegeben hat, allein insofern erscheinen sie auch in der Zukunft möglich. Umweltbelastungen durch die industrielle Produktion und durch unser Verbraucherverhalten haben sich so etabliert, dass ein radikaler Ausstieg nicht mehr machbar erscheint, zu spät kommt und aus nationalen und unternehmerischen Interessen nur eingeschränkt oder gar nicht akzeptiert wird. So mehren sich die Stimmen, die die Menschheit unaufhaltsam auf eine gigantische Katastrophe zusteuern sehen; zumindest glaubt man sich einig in der Wahrnehmung, dass eine weitere Entwicklung so nicht ohne Katastrophe erfolgen könne. Ein radikales Zurück aus den inzwischen gewachsenen Strukturen ist nicht vorstellbar. Aus den gewachsenen Strukturen entwickelten sich Interessenkonflikte, weil sie nicht frühzeitig in ihrer Entstehung verhindert oder ausgeräumt wurden. Dies gilt für eine Reihe politischer, ethnischer aber auch marktwirtschaftlicher, finanzpolitischer und datentechnischer Konflikte. Zur Bewältigung der Konflikte fehlen gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Bewertungsmaßstäbe.

Der technische Fortschritt, die Mobilität und die digitalisierte Kommunikation fördern die wirtschaftliche, politische und soziale Vernetzung. Dies begünstigt grenzüberschreitende Kapitalströme, Produktions- und Arbeitsplätze, - damit auch wirtschaftlichen Konkurrenzkampf, Unsicherheit in der persönlichen Existenzgestaltung und großstädtische Konzentration, dazu auch grenzüberschreitende Umweltbelastungen und Kriminalität. Wir erleben uns als Bürger/Innen innerhalb nationaler Gesellschaften und erfahren den Macht- und Kontrollmangel der staatlichen Organe gegenüber den Global Players von Unternehmen, Finanzagenten und digitalen Agenturen. Wir erleben die Schwierigkeiten zu politischem Konsens oder auch zur Organisation gemeinsamer Interessen im persönlichen Umfeld.

Radikal verändert haben sich auch die ideellen Grundlagen unserer Lebensorientierung. Menschen leben heute weit weniger in nicht näher hinterfragten politischen oder religiösen ideologischen Weltbildern. Die ältere Generation mag sich wundern, wie weit dies zur Zeit ihrer Kindheit durchaus noch üblich war. Das naturwissenschaftliche Wissen lädt uns heute ein, uns selbst als Teil der Natur zu erleben, in gleicher Weise den Zufällen und ursächlichen Bedingungen im Lebenskampf ...

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