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Lebendige Seelsorge 6

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Matthias Sellmann Mitglied der Schriftleitung

Liebe Leserin, lieber Leser,
manche und mancher hat eventuell den resignierten Eindruck, dass die gegenwärtigen Umbauten der verfassten Kirche chaotisch und richtungslos verlaufen. Viele Metaphern nehmen den deutlich gefühlten Mangel an Navigationssicherheit auf. „Wir fliegen nur noch auf Sicht“, hörte ich neulich. Oder: „Wir bräuchten jetzt Wege. Wegweiser, vor allem selbsternannte, haben wir genug.“

Dieses Heft will zur kirchenentwicklerischen Fahrfreude beitragen. Es behauptet, dass sich im gegenwärtigen Umbau von kirchlicher Organisation eine neue Größe meldet, die sowohl Motor- wie Navi-Qualität besitzt: das Sakrament der Taufe.

Die Logik von Taufe kombiniert kreativ genau jene Faktoren, in denen wir eine attraktive und zeitgerechte Kirchengestalt vermuten können: Selbstbestimmung und Partizipation, Gemeindebezug und persönliches Charisma, religiöses Ritual und familiäres Kasual, Mystik und Gesellschaftsgestaltung, Biografie und Eschatologie. Und all dies in denkbar einfachsten Zeichen: Wasser und Geist.

Entdecken Sie mit Ihrer Lektüre neu die oft vergessene kirchebildende Kraft der Taufe! Je nach Ihrem Interesse profitieren Sie von milieupastoraler Analyse, exegetischer Information, Berichten über liturgische und katechetische Umsetzungen, weltkirchlichen Bezügen oder einem pastoralplanerischen Gespräch. Gegen den Strich und genau deswegen lesenswert: die ostdeutsche Würdigung der Ungetauften.

Wie auch immer, als Motto kann gelten: Taufe – alles andere ist nur Wasser! Mit den besten Wünschen für Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr

Ihr

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Prof. Dr. Matthias Sellmann, Mitglied der Schriftleitung

Milieusensibel taufen

Impulse für eine differenzierende Praxis der Initiation

Wenn die Taufe die Initiation in „die Kirche“ ist, der Begriff „Kirche“ aber gerade kein monolithisches Ganzes, sondern eine vielfältig-verschiedene Größe meint: muss dann nicht auch die Praxis der Taufspendung in hohem Maße und voller Akzeptanz differenzierend sein? Doch, meint das evangelische „Handbuch Taufe“, das ein genau auf die verschiedenen sozialen Milieus abgestimmtes Tauf-Manual vorschlägt – und damit der Einsicht in eine milieusensible Pastoral eine neue Konkretionsstufe verleiht. Heinzpeter Hempelmann

Unsere Gesellschaft ist bekanntlich segmentiert und fragmentiert. Heutige Modelle sozialer Ungleichheit arbeiten weniger mit Schicht- als mit Milieumodellen. Diese sind qualitativ angelegt und erfassen neben den üblichen soziodemografischen Informationen auch die mentalen Lagen und werthaften Grundorientierungen. Die enorme Erkenntniserweiterung durch diese Milieumodelle auch für die Pastoralplanung und Pastoraltheologie ist durch die bekannten Sinus-Kirchenstudien seit dem Jahr 2006 immer wieder demonstriert worden (Hempelmann 2012, 2013; Sellmann 2012).

Die Rede von der Kirche ist also in doppelter Weise von falscher Abstraktheit: sowohl hinsichtlich derer, die Kirche repräsentieren und Subjekte kirchlichen Handelns sind, aber vorwiegend (mindestens im evangelischen Bereich) postmateriell geprägt sind, und hinsichtlich der Adressaten kirchlichen Handelns, die allen Milieus zugehörig sind. Das Taufhandeln ist ein exemplarisches kirchliches Handlungsfeld, auf dem die möglichen Konflikte manifest werden.

SOZIALWISSENSCHAFTEN UND THEOLOGIE

Theologie und Sozialwissenschaften müssen zugleich unterschieden und sorgsam aufeinander bezogen werden. Es finden sich unterschiedliche Gegenstandskonstitutionen, etwa von „Kirche“, die nicht einfach identifiziert werden können. Sozialwissenschaftliche Befunde von Kirche sind nicht eo ipso theologische. Die Einsicht in die Segmentierung von Kirche in Lebenswelten, die kaum Berührung miteinander haben, widerspricht als solche noch nicht der theologischen Überzeugung von der Einheit der Kirche. Spannend wird es dort, wo man beide Perspektiven aufeinander bezieht. Distanz zur Kirche(ngemeinde) bedeutet nicht eo ipso – geistliche – Distanz zur Kirche, will man nicht unter der Hand aus einem sozialwissenschaftlichen ein theologisches Urteil machen. Sozialwissenschaftliche Befunde über Kirche sind zwar nicht theologische, aber theologische Rede über aktuelle Kirche kann nicht verantwortlich geschehen, ohne diese Befunde zu berücksichtigen.

Kirche kann, beispielsweise auch für ihr Taufhandeln, nicht an den Barrieren und Brücken, den Go’s und No-Go‘s, den Do’s und Don‘ts, den Orten und Un-Orten vorbeigehen, die für die jeweiligen Lebenswelten spezifisch sind und die sie ja als Milieu-Kirche ebenfalls bestimmen und unterscheiden. Die falsche Abstraktheit in der Rede über Kirche zeigt sich hier in einer weiteren Hinsicht: es gibt bei den verschiedenen Handlungsfeldern, speziell auch bei den Kasualien wie der Taufe, nicht die kirchliche Handlung. Es gibt aus sozialwissenschaftlicher Sicht bestimmte Haltungen und Prägungen, Traditionen und Erwartungen, die im konkreten Vollzug konfligieren, ohne dass dafür unmittelbar theologische Gründe erkennbar sind.

WELCHER ZEITPUNKT IST DER RICHTIGE?

Ein schönes Beispiel stellt die Frage dar, ob Taufen am Samstagnachmittag stattfinden sollen und etwa von familiären Zusammenkünften umrahmt werden können. Die Interessen der Tauffamilien sind evident. Das Milieu der bürgerlichen Mitte favorisiert diese zeitliche Ansetzung, weil sie auch die Anreise der Großfamilie von weiter her ermöglicht und Taufe als Teil eines Familienfestes erkennen lässt. Viele Hauptamtliche reagieren avers auf eine solche „familiäre Vereinnahmung“ des heiligen Taufaktes, der die Taufe aus der Sphäre des Sakralen in das Familiale hineinholt und damit Kindertaufe noch ein Stück weit unkalkulierbarer macht. Natürlich spielt neben dem ästhetischen Unbehagen auch ein pragmatischer Grund eine Rolle für die weit verbreitete Abneigung gegen Taufen am Samstagnachmittag. Es kommt ja zu einer zusätzlichen zeitlichen Belastung und Inanspruchnahme. Die Abwehr entsprechender Taufwünsche wird aber nicht alltagsästhetisch-empfindungsmäßig, sondern theologisch begründet: Taufen geschehen in die Gemeinde hinein, und die ist am Samstag-Nachmittag (eher) nicht präsent. Dabei bleibt unberücksichtigt: (a) Kirchliche Ordnungen haben bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Haustaufen nicht nur erlaubt, sondern theologisch begründet; (b) die familiäre Einbettung einer Taufe lässt wenigstens ein Stück weit die zentrale ekklesiologische Bestimmung von Kirche als familia Dei Realität werden. Dem gegenüber ist die Taufe von Kindern aus kirchengemeindenfernen Milieus ein Geschehen, das sozial für die betroffenen Familien im Regelfall für ihre Anbindung keine Bedeutung hat. Es handelt sich aus sozialwissenschaftlicher Perspektive um einen theologisch verschleierten Fall eines Konfliktes von Milieulogiken und entsprechenden Prägungen bzw. Erwartungen.

DIE HERAUSFORDERUNG EINER KONTEXTU-ALISIERUNG DES EVANGELIUMS ALS KIRCH-LICHE AUFGABE IN DEUTSCHLAND

Durch den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte sind Kulturen und Subkulturen ohne Interaktion mit Kirche und Christentum entstanden. Die beiden Kirchen haben im Bereich des hedonistischen, adaptiv-pragmatischen, expeditiven und Performer-Milieus aber teilweise noch Mitgliederzahlen, die prozentual der Verteilung der Milieus in der Bevölkerung entsprechen. Gleichzeitig gilt, dass diese Lebenswelten kaum oder keinen Bezug zum kirchlichen Leben haben, das weithin traditionsorientiert, konservativ oder bürgerlich geprägt ist. So sehr Kirche verwurzelt und daheim ist in den traditions-orientierten Milieus, so sehr sie es – mindestens in Teilen – gelernt hat, sich in der Moderne zu beheimaten, so sehr fremdelt sie vielfach angesichts postmoderner, sehr schnell als unchristlich verworfener Prägungen. Hier wartet eine Kommunikationsaufgabe, die die herkömmliche Missionstheologie unter den Begriff der Kontextualisierung fasst. Das betrifft nicht so sehr den klassischen Gottesdienst, der sich primär als Submilieuveranstaltung darstellt; es betrifft vor allem die kirchlichen Handlungsfelder, die – wie Taufe, Bestattung und ggf. Konfirmation und Kommunion – die große Masse der Kirchenmitglieder betreffen und mit denen Kirche breit und weit in diese Gesellschaft hineinragt.

Milieusensibles Taufhandeln zielt darauf ab, mit dieser für die Kirche zentralen und fundamentalen, gleichzeitig die ganze Breite der Kirchenmitglieder erreichenden Interaktion möglichst nahe bei den Menschen zu sein. Die Kommunikation des Evangeliums im „Wortzeichen“ (Brenz) Taufe hat immer konkrete Adressaten. Diese lassen sich mit Hilfe der Lebensweltforschung erstaunlich präzise differenzieren. Aus der sozialwissenschaftlichen Wahrnehmung der Segmentierung unserer Gesellschaft ergibt sich die Frage, welche Konsequenzen ein adressatenbezogenes kirchliches Handeln aus diesen Erkenntnissen moderner Soziologie zieht. Konkret bedeutet es, das Taufhandeln, soweit möglich und sinnvoll, lebensweltlich zu formatieren, speziell die Brücken zu nutzen, die sich aus der Wahrnehmung unterschiedlicher Lebenswelten ergeben, sowie die Barrieren zu bearbeiten, die sich ja ebenso zeigen.

GRUNDFRAGEN DES PROJEKTES

Das Netzwerk churchconvention (www.church-convention.de) und das Tangens-Institut für Kulturhermeneutik und Lebensweltforschung (www.eh-tabor.de/tangens-institut) verfolgen im Auftrag und mit Unterstützung der Evangelischen Kirchen in Baden und Württemberg die Frage, inwiefern der Milieusegmentierung Bedeutung für kirchliches Handeln zukommt. Diese Fragestellung gilt deskriptiv und normativ.

Zunächst: inwiefern prägt die Zugehörigkeit zu bestimmten Milieus ganz konkret die Abläufe im Taufkasual? Inwiefern lassen sich die beobachteten Phänomene mit Hilfe der Milieuperspektive erklären? Milieusensibles Taufhandeln fängt schon im Vorfeld an: welche Personen sollte man zum Taufgespräch ins Pfarrhaus bitten (weil sie sich womöglich schämen, den Pfarrer zu Hause unter „ärmlichen Verhältnissen“ zu empfangen; PRE; TRA / Abkürzungen siehe Tabelle am Schluss des Beitrags)? Wen sollte man zu Hause besuchen, weil das Wohnzimmer der selbstverständliche Mittelpunkt des familiären Lebens ist (BÜM; PRA)? Mit wem verabredet sich die Pfarrerin am dritten Ort, weil es so etwas wie ein Wohnzimmer in der entsprechenden Lebenswelt nicht gibt und man in Szenekneipen „zuhause“ ist (EPE; HED)? Umgekehrt ist dann die Fragestellung sinnvoll: wenn es Barrieren gibt, die nicht theologischer, sondern (alltags-)ästhetischer Natur sind, wie lassen diese sich umgehen oder vermeiden, und positiv formuliert: wo gibt es Brücken in die kirchengemeindefernen Taufmilieus hinein?

Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD hat in einer seiner letzten Untersuchungen zum Taufaufschub darauf hingewiesen, dass weiterhin fast alle Kinder von verheirateten evangelischen Eltern getauft werden, dass umgekehrt Kinder von evangelischen Müttern, die nicht verheiratet sind, überwiegend nicht getauft werden (Taufquote hier bei 25%). Das Taufverhalten ist also stabil, wo sich demographisch der größte Geburtenrückgang zeigt, im Bereich der BÜM und der KET. Es bricht ein bei Familien mit Alleinerziehenden, die sich oft Milieus mit prekären Lebensverhältnissen zuordnen lassen. Die Milieuperspektive zeigt: es handelt sich nicht (primär) um eine theologisch zu bewertende Kirchenferne. Vielfach geht es um die artikulierte Sorge, den materiellen Erfordernissen, die eine Kindertaufe mit sich bringt (Kosten für das Kleidchen, die Feier etc.) und den ästhetischen Erwartungen durch die Taufgemeinde nicht entsprechen zu können. Maßgebend für den Taufaufschub sind also v.a. soziale und lebensweltliche Gründe. Bestätigt wird die Relevanz dieser milieudifferenzierten Betrachtungsweise durch die hohe Akzeptanz und das Profil von Tauffesten, die es erlauben, diese Defizite zu beheben, etwa indem sie eine komplette Infrastruktur für Taufe und Tauffeier anbieten. Bei dem 2009 in Ulm durchgeführten Tauffest beispielsweise lag der Anteil der alleinerziehenden Familien, die die Taufe nachgeholt haben, bei sensationellen 45%. Es waren Singles, Verwitwete, Geschiedene, die die Taufe aufgeschoben hatten, weil sie sich zu ihrer Durchführung in sozialer und lebensweltlicher Hinsicht nicht in der Lage sahen, und die nun die „passende“ Gelegenheit nutzten. Die Tatsache, dass inzwischen 46% der Kinder in prekäre Lebensverhältnisse hineingeboren werden, ist eine Überlebensfrage für eine Volkskirche (Handbuch Taufe, 53ff.).

SENSIBILITÄT FÜR UNTERSCHIEDLICHE LEBENSWELTEN

Zu beachten ist von vornherein, dass diese Fragestellungen zweistrahlig sind. Entgegen dem vielfach gegebenen Selbstverständnis als TheologIn bringt auch der bzw. die Hauptamtliche eine Milieuprägung mit entsprechender Lebensweltlogik, vorausgesetzten Verhaltenskonventionen und Kommunikationsevidenzen bis hin zu Ekelschranken und Distinktionsgrenzen mit. So kann der Hausbesuch im konservativ-etablierten Milieu postmaterielle und sozialkritische Reflexe oder auch einfach Unterlegenheitsgefühle auslösen, wenn die bzw. der Hauptamtliche einen Raum betritt, für dessen Einrichtung das eigene Jahresgehalt nicht ausreichen würde. Umgekehrt werden charakteristische Erfahrungen der Hilflosigkeit für Situationen benannt, in denen verbale Kommunikation als der erwartete Standardfall nicht oder nicht so einfach möglich sind: etwa dann, wenn man in eine Wohnung kommt und der laut laufende Fernseher nicht leise gemacht wird, das zu taufende Kind ständig Aufmerksamkeit fordernde Interaktionen veranlasst oder einfach der Zustand der Wohnung einen kleinen ästhetischen Schock herbeiführt: wie kann man so leben? Es versteht sich von selbst, dass solche und viele andere protokollierte Erfahrungen von Bedeutung für das Verhalten, die Kommunikation und auch die Fähigkeit sind, theologische Anliegen zu artikulieren und zu vertreten. Je milieusensibler Hauptamtliche sind, umso eher können sie mit den eigenen Prägungen und denen anderer, sowie den sich daraus ergebenden potentiellen Konflikten oder Missverständnissen umgehen.

Leitend für das Projekt milieusensiblen kirchlichen Handelns sind folgende Fragen, Erfahrungen, Thesen und Themenstellungen:

image Mit dem Taufkasual (wie mit anderen Handlungen, v.a. Bestattung, aber auch Konfirmation/Kommunion und im abgeschwächten Rahmen bei der Trauung) ragt Kirche in die Mitte einer sich immer mehr säkularisierenden Gesellschaft hinein. Der Taufe und den Erfahrungen, die Menschen, die sich sonst eher weniger zum Leben der Gottesdienstgemeinde halten, bei dieser Gelegenheit mit „Kirche“ machen, kommt große und prägende Bedeutung zu. Taufe ist – je nach Perspektive – missionarisch bzw. hinsichtlich der Mitgliederbindung von Relevanz.

image Im Taufhandeln stoßen gleichzeitig verschiedene Milieus aufeinander: das jeweilige des Hauptamtlichen und das (ggf. auch mehrere) der Tauffamilie. Das Taufkasual ist potentiell und aktual konfliktträchtig. Die Milieuperspektive hilft, wenigstens einige dieser Konflikte zu verstehen, und kann anleiten, zumindest ein paar Konfliktlinien zu entschärfen.

image Dahinter steht die provokative Frage, ob manche Konflikte wirklich theologische Ursachen haben oder nicht vielmehr niederschwelliger zu sehen sind: als differente (alltags-)ästhetische oder lebensweltliche Orientierungen. Wo kann der hauptamtlich mit der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums Beauftragte nicht weichen, und wo liegen theologische Postlegitimationen von Traditionen ohne Ewigkeitsbedeutung vor?

image Was sind umgekehrt Zumutungen, die die Kirche ihren Mitgliedern und Adressaten nicht ersparen kann? Theologisch präziser gesprochen: was ist das „reine“, pure, unverzichtbare Evangelium und was sind kulturell variable, auf eine bestimmte Zeit bezogene Formate? Wo passt sich Kirche inakzeptabel an? Und wo steht sie vor der missionstheologisch interessanten Aufgabe einer Kontextualisierung des Evangeliums in (vor allem postmodern geprägte) Lebenswelten hinein, die sich als eher kirchenfern sehen? Hier hat sie Mitglieder, die sie nicht verlassen haben, die mit unterschiedlichen Gründen an ihrer Kirchenmitgliedschaft festhalten, die sich aber in einer Lebenswelt bewegen, die bisher eher wenig durch die Interaktion mit dem Evangelium geprägt ist.

image Der Ansatz ist theologisch mit der Zumutung verbunden, dass man (a) tatsächlich von der Sozialwissenschaft lernen und profitieren kann, dass also (b) die Position der Theologizität nicht ausreicht. Diese hält die Reflexion auf die mentalen, sozialen und anderen empirischen Rahmenbedingungen der Kommunikation des Evangeliums für überflüssig, ja eigentlich häretisch, weil das Evangelium eine an sich gegebene Größe sei, deren Kommunikation keinen Bedingungen unterliegt und durch den Heiligen Geist selbst geschieht. Es ist der Blick auf die Kommunikationsreflexionen des Paulus, der allen alles geworden ist, um auf alle Weise einige zu retten (1 Kor 9,22) oder des lebendigen Gottes selber, der sich in die menschliche Lebenswelt hineinbegibt und Mensch wird, um mit Menschen zu kommunizieren (Phil 2,5ff.), der hier eine andere, inkarnatorische, von der modernen Missionstheologie aufgenommene alternative Spur weist.

DAS „HANDBUCH TAUFE“

Das Handbuch Taufe hat zwei Teile. Der erste Teil „Auf dem Weg zu einer milieusensiblen Taufpraxis“ (11–61) spricht zunächst sensible theologische Fragen an: was kann Sozialwissenschaft beitragen für das kirchliche Kasualhandeln? Wie müssen wir überhaupt theologische und sozialwissenschaftliche Gegenstandskonstitution einander zuordnen? Besteht nicht bei dieser rezipientenorientierten Fragestellung die Gefahr, das Evangelium anzupassen, nur um es „den Leuten recht zu machen“? Auf eine Einführung in das SINUS-Milieu-Modell folgt dann ein erster tabellarischer Überblick (20–32), wie sich die Zugehörigkeit zu einer Lebenswelt auf die Perspektive auf Kirche auswirkt und auf welche Erwartungen an PfarrerInnen man im jeweiligen Milieu trifft: ist der Pfarrer der Hirte, der es schon recht macht (TRA), der hoffentlich gebildete und professionelle Vertreter einer wichtigen gesellschaftlichen Institution (KET), der ...

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