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Lebendige Seelsorge

 

THEMA

Pastorale Herausforderungen im multikulturellen Schweden

Von Klaus P. Dietz SJ

Weltkirche im Reagenzglas – die dänische Diasporakirche im Umbruch

Von Eva Maria Nielsen

Kirche in Dänemark und Schweden – gleich und verschieden

Die Replik von Klaus P. Dietz SJ auf Eva Maria Nielsen

Auf ins Gelobte Land

Die Replik von Eva Maria Nielsen auf Klaus P. Dietz SJ

Finnland – Kampf um die Zukunft der Wohlfahrtsgesellschaft und der Kirche

Von Kai Henttonen

PROJEKT

Von der nordischen Diaspora lernen

Von Sibylle Hardegger

INTERVIEW

Den Neuanfang wagen

Ein Gespräch mit Schwester Katarina OSB

PRAXIS

Konvertiten und Konversion in Schweden

Von Dominik P. Terstriep SJ

Von der Sehnsucht nach mehr

Von Philip P. Geister SJ

Graswurzel-Caritas

In Schweden ist Caritas Gemeindeaufgabe

Von Schwester Birgit Stollhoff CJ

Katholisches Leben im Norden

Einblicke - Einsichten - Anstöße Von Veronika Pielken

Bewegtes Mecklenburg

Zur Geschichte der Kirchen im Nordosten Deutschlands

Von Matthias Kleiminger

FORUM

Das Hemd ist uns näher als der Fremde

Furchen ziehen in der Angstgesellschaft Von Paul M. Zulehner

POPKULTURBEUTEL

Lifehack

Von Bernhard Spielberg

NACHLESE

Glosse von Erich Garhammer

Buchbesprechungen

Impressum

Hildegard Wustmans Mitglied der Schriftleitung

Liebe Leserin, lieber Leser,

woran denken Sie, wenn von Skandinavien die Rede ist? An Nordlichter, Elche und Elfen, Pippi Langstrumpf, an die Kriminalfälle, die Kurt Wallander löst, an Design oder ein spezielles Möbelgeschäft, an sozialstaatliche Modelle? In dieser Ausgabe der Lebendigen Seelsorge wollen wir eine andere Perspektive einnehmen und dabei vor allem die Situation der katholischen Kirche im Norden in den Blick nehmen.

Am Anfang des Heftes stehen die Beiträge von Klaus P. Dietz SJ und Eva Maria Nielsen, die von ihren Erfahrungen aus Schweden und Dänemark berichten. In ihren Beiträgen werden Aspekte benannt, die die katholische Kirche im gesamten skandinavischen Raum prägen: die Erfahrung, eine Minderheit zu sein und fast ausschließlich von Menschen mit Migrationserfahrungen gebildet zu werden. Kai Henttonen lebt in Finnland und er lenkt in seinem Beitrag die Perspektive auf den Sozialstaat, daraus resultierende Herausforderungen für die evangelisch-lutherische Kirche und ihr diakonisches Engagement. Der Jesuit Dominik Terstriep ist Pfarrer in St. Eugenia in Stockholm. Er berichtet aus dem Alltag der Pfarrgemeinde und beleuchtet dabei besonders das Thema der Konversion. Philip P. Geister SJ ist Rektor des Newman-Instituts in Uppsala und zugleich ein gefragter Exerzitienbegleiter. Sein Beitrag ergründet die Sehnsucht vieler Menschen nach „mehr“. Sr. Birgit Stollhoff CJ lebt erst seit Kurzem in Stockholm und Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden stehen ihr deutlich vor Augen. In ihrem Beitrag erläutert sie dies am Beispiel der Caritasarbeit. Veronika Pielken ist von Skandinavien fasziniert und sie stellt den Leser/innen ihre Perspektivenwechsel und Lernerfahrungen durch Begegnungen zur Verfügung. Der Norden beginnt nicht erst an der Ostsee. Matthias Kleiminger beschreibt in seinem Beitrag die wechselvolle Geschichte der katholischen Kirche im Nordosten Deutschlands.

Sibylle Hardegger berichtet von einem erfolgreichen Projekt im Auftrag des Bonifatiuswerkes zur Implementierung der Freiwilligenarbeit und im Interview gewährt Sr. Katarina OSB Einblicke in einen besonderen Konversionsprozess.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und vielleicht können wir den vielfältigen Assoziationen zum Norden mit diesem Themenheft einige neue hinzufügen.

Ihre Prof. Dr. Hildegard Wustmans, Mitglied der Schriftleitung

Pastorale Herausforderungen im multikulturellen Schweden

Dag Hammarskjöld, Pippi Langstrumpf, Alfred Nobel, Henning Mankell – schwedische Namen klingen (immer noch?) gut in deutschen Ohren. Schweden als Modell eines Sozialstaates erschien vor einer Generation als Vorbild. Dagegen stellte Peter Englund, der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie (2009–2015), selbstkritisch fest: „Deutschland ist Schweden für Erwachsene.“ Auch die Katholiken in Schweden haben lange Zeit aufgeschaut zur wohlgeordneten, initiativreichen Kirche in Deutschland. Sie hingen am finanziellen Tropf des Bonifatiuswerkes und des Ansgarwerkes, deutscher Ordensgemeinschaften und Diözesen. Auch pastoral orientierte sich die kleine katholische Kirche oft an den Traditionen und Erneuerungen der großen Schwesterkirche in Deutschland. Heute ist es beinahe umgekehrt. Die Kirche in Schweden kann von einer Erfolgsgeschichte sprechen, mit blühenden Gemeinden, geglückter Integration und viel Optimismus. Die multikulturelle Minderheitskirche in stark säkularisierter Umwelt ist ein interessantes Modell für andere europäische Diözesen. Klaus P. Dietz SJ

Als Papst Johannes Paul II auf seiner Skandinavienreise 1989 die St. Lars-Kirche in Uppsala besuchte, stellte sich der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Thomas Szendrö, vor: „Heiliger Vater! Ich bin in Ungarn geboren und getauft. Ich bin also 100%-iger Ungar. Aber ich bin in dieser Gemeinde in Schweden aufgewachsen und fühle mich 100%-ig als Schwede. Das bedeutet, dass ich 200%-ig katholisch bin!“ Diese scherzhafte, aber doch stolze Behauptung ist bezeichnend für einen Großteil der aktiven Katholiken Schwedens.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat das skandinavische Land in vorbildlicher Weise Migranten aufgenommen. Sie kamen in ständig neuen Wellen: katholische Polen aus den KZ (1945, später als Flucht vor dem kommunistischen Regime) – deutschsprachige Arbeitssuchende (1946–50) – Gastarbeiter aus Italien und Kroatien (1950–60) – Ungarn nach der Revolution (1956) – Tschechen (1968) – Lateinamerikaner, besonders Chilenen (1970–80) – Afrikaner (1980–) – arabische Christen (2000–), besonders als Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien in den letzten Monaten. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Schweden das europäische Land, das die meisten Migranten aufgenommen hat. Der Zustrom hat natürlich die kleine Anzahl der Katholiken vervielfacht. Vor dem Krieg gab es etwa 5.000 Gemeindemitglieder im Bistum Stockholm, heute sind 110.000 registriert (bei einer Dunkelziffer von 150.000). Die Hälfte sind Einwanderer der ersten oder zweiten Generation.

Klaus P. Dietz

deutscher Jesuitenpater; lebt seit 45 Jahren in Schweden; war Pfarrer in Uppsala, Järfälla und St. Eugenia Stockholm; Mitglied beim Pastoralteam von St. Eugenia; Dekan von Stockholm und Superior der Jesuiten von Stockholm.

INTEGRATION ALS HERAUSFORDERUNG DER SEELSORGE

Das starke Wachstum bringt natürlich Probleme mit sich. Und die Zahlen steigen. Man braucht Räume, um die vielen Gläubigen für Gottesdienst, Religionsunterricht und andere Aktivitäten aufzunehmen. Es werden neue Kirchen gebaut oder leer stehende der schrumpfenden Freikirchen gekauft. Dazu kommt noch eine Reihe von Außenstationen, wo regelmäßig Gottesdienste stattfinden, meistens in evangelischen Kirchen, die den katholischen Gläubigen gratis zur Verfügung gestellt werden.

Normalerweise werden die Gemeindemessen in Schwedisch gefeiert. Monatlich werden in fast allen Pfarreien auch Gottesdienste in anderen Sprachen angeboten: Polnisch, Spanisch, Kroatisch, Arabisch und Englisch. Seltener sind Messen für Vietnamesen, Philippiner, Koreaner und Gehörlose. Trotz aller Schwierigkeiten der verschiedenen Kulturen und Sprachen kann man von einer geglückten Integration sprechen. Das gilt für die kleinen und mittelgroßen Pfarreien. Man sitzt nebeneinander im Gottesdienst und spricht miteinander beim anschließenden Kirchenkaffee, dem „achten Sakrament der schwedischen Katholiken“. Man feiert gemeinsame Feste mit kulinarischen oder musikalischen Beiträgen verschiedener Länder und man erlebt als Einwanderer, dass man in einer fremden Kultur etwas Heimat spürt. Dieses urdeutsche Wort „Heimat“, das in seinen Klängen in keiner anderen Sprache mit einem einzigen Wort übersetzt werden kann, ist für Einwanderer eine soziale und kulturelle Wirklichkeit in unseren katholischen Gemeinden.

Auch für schwedische Konvertiten ist es eine Realität: man hat ein geistliches Zuhause. Das er leben sie in der Schönheit der Liturgie, in der Tiefe des Gebetslebens und in der weltweiten katholischen Gemeinschaft. Dazu kommt die Bereicherung durch das Zusammensein mit ausländischen Mitchristen. So ist die katholische Kirche eines der besten Modelle von Integration in Schweden. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt.

EIN FASS MIT LÖCHERN

Eine Statistik über die Zahl der Einwanderer in Uppsala zeigt, dass unter ihnen etwa 23.000 Lateinamerikaner sind, von denen mindestens 17.000 katholisch getauft sein müssten. Im Register der Pfarrei gab es (1997) höchstens 2.000 und an der spanischen Messe nahmen nur 1–200 teil. Als Erklärung genügt es nicht, auf die Einstellung von mehrheitlich linksorientierten Lateinamerikanern hinzuweisen, die mit den Erfahrungen polnischer Pfarrer nicht immer „kompatibel“ ist. Der hauptsächliche Grund ist die Anpassung an die säkularisierte Umwelt. „Man“ besucht nicht Gottesdienste, „man“ kennt kein Tischgebet oder andere christliche Traditionen, „man“ spricht nicht von Religion oder Gott. Diese agnostische Atmosphäre beeinflusst viele Einwanderer, die oft Gewohnheitschristen sind. Der Virus der Säkularisation steckt an.

MINDERHEIT IN EINER SÄKULARISIERTEN GESELLSCHAFT

Katholiken machen nur 1,1% der Bevölkerung aus. In den Medien und in der Schule führt das Christentum ein Schattendasein. Erst durch die immer stärkere Präsenz der Moslems ist die Fra ge eines religiösen Lebensstils ins allgemeine Bewusstsein getreten, allerdings mit dem Aspekt des „Nicht-Schwedischen“ und Bedrohlichen. Für eine Reihe von Gewohnheitschristen ist die Situation des Andersseins dagegen zu einem Impuls geworden, sich stärker mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen und sich in der Gemeinde einzubringen und dann auch eindeutiger als Katholik zu bekennen. So scheiden sich die Geister: entweder den Glauben neu zu entdecken oder von ihm Abstand zu nehmen. Gesundschrumpfen? Vielleicht. Aber neben den Engagierten gibt es eben eine große Zahl von Katholiken, die – mit ihren getauften Kindern – der Kirche leider verloren gehen. Vor allem die dritte Generation muss stets neu evangelisiert werden.

JUNGE KATHOLIKEN IN SCHWEDEN

Auch in der Jugendarbeit des Bistums kann man einen Seufzer kaum unterdrücken. Über den Daumen gepeilt kann man pessimistisch behaupten: von 100 Getauften werden 60 ihre erste Kommunion empfangen, 40 gefirmt und 20 katholisch verheiratet. Wie in anderen europäischen Ländern werden die Jugendlichen nach der Firmung „unsichtbar“. Sportverbände, Jugendorganisationen und Freikirchen erfahren in ähnlicher Weise, dass der Übergang von der neunjährigen Grundschule zum dreijährigen Gymnasium einen Mitgliederschwund mit sich bringt. Die Bindung an die Familie wird schwächer, die Orientierung an Gleichaltrigen stärker. Hinzu kommen aufgrund der Pubertät die Spannungen mit den Eltern. Und wenn ein Teenager der einzige Christ in der Klasse ist, zumal als Katholik, als Mitglied der „stockkonservativen Kirche“, wird er leicht zur Zielscheibe kritischer sexualethischer Fragen. Da liegt es nahe, sich anzupassen. Oft leben katholische Jugendliche in zwei Welten: die eine ist geprägt von Schule, Medien und schwedischer Gesellschaft, die andere von Familie, Jugendgruppe und Pfarrei. Stärkere Persönlichkeiten werden dabei aber engagierter in ihrer katholischen Identität. Das erlebt man vor allem bei arabischen Christen, die das christliche Leben in muslimischen Ländern erfahren hatten.

BLÜHENDE GEMEINDEN

Vielleicht ist die Wirklichkeit heller als die Statistik. Denn bei einem Besuch eines Gottesdienstes kann jeder feststellen, wie Jung und Alt und ganze Familien in der Kirche beisammen sind – wie etwa in den 50er Jahren in Deutschland. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es kaum theologisch geschulte Angestellte in den Pfarreien. Die Priester sind angewiesen auf den freiwilligen Einsatz von Laien, die selbständig und verantwortlich auf verschiedenen Gebieten mitarbeiten. Zum Beispiel gibt es in allen Gemeinden ehrenamtliche Katecheten, die außerschulischen Religionsunterricht für die 7 bis 16-Jährigen erteilen. Sie erhalten durch Katolska Pedagogiska Nämnden, die religionspädagogische Zentrale des Bistums, regelmäßig Schulung und – für unsere bescheidenen Verhältnisse – ausgezeichnetes Material für den Unterricht. Ähnlich positiv kann man die Jugendarbeit auf Bistumsebene beurteilen.

CHANCE UND PROBLEM: DIE NATIONALEN MISSIONEN

In Schweden wird die Messe in 17 verschiedenen Sprachen gefeiert. Für Einwanderer ist das eine willkommene Hilfe, ab und zu Gebete und Gesänge, Beichte und Predigt in ihrer Muttersprache zu erleben. Die nationalen Seelsorger reisen kreuz und quer durchs Land, um ihre Landsleute zu besuchen. Nicht immer ist die Frage der Gottesdienstzeiten und der Kollekten genau geregelt, sodass Spannungen mit dem Ortspfarrer entstehen können.

Anders ist die Situation in Stockholm, Göteborg und Malmö. Dort existieren größere sprachliche Seelsorgeeinheiten, die jeden Sonntag ihre eigene Messe feiern und auch eigenen Religionsunterricht erteilen. Als extremes Beispiel kann die polnische Mission in Stockholm genannt werden: jede der drei Sonntagsmessen in der gemieteten evangelischen St. Johanneskirche sammelt bis zu 1.000 Teilnehmer. Und 750 Kinder nehmen am polnischen Religionsunterricht teil. Das sind beinahe so viele wie die Kinder und Gottesdienstbesucher der Dompfarrei und der Pfarrei St. Eugenia zusammen. Das bedeutet, dass diese Anzahl von Polen in den beiden Hauptkirchen keinen Platz hätte. Allerdings verbleiben sie und ein paar andere Einwanderergruppen als fremde Oasen in der katholischen Landschaft. Das eigentliche Problem dabei sind die Kinder, die Religion nur in der Sprache ihrer Eltern erleben und auf Schwedisch „kirchlich sprachlos“ sind. Und wenn sie dann als ältere Jugendliche vor die innere Wahl gestellt sind, schwedisch oder „ausländisch“ zu sein, fällt oft mit der Anpassung an die Gleichaltrigen nicht nur die Sprache, Tradition und Essgewohnheit der Eltern, sondern auch die Religion weg.

Orientalisch-katholische Kirchen haben ihre eigenen Riten und eigene Gemeinschaften. Durch die Flüchtlingswogen der letzten Jahre ist die Zahl der Mitglieder stark gewachsen. Die Stadt Södertälje südlich von Stockholm hat faktisch mehr irakische Migranten aufgenommen als die ganze USA. Arabisch sprechende katholische Christen benötigen Kirchen und Zentren, um ein religiöses Zuhause für die neuen Mitglieder zu schaffen. Obwohl sie also ihr eigenes kirchliches Leben haben, sind sie in der katholischen Jugendarbeit stark engagiert und beeinflussen deutlich Leitung und Zeitschrift von Sveriges Unga Katoliker.

KEINE DURCHSCHNITTSSCHWEDEN

Bischof Hubertus Brandenburg (1923–2009) erklärte gern deutschen Gästen mit einem Lächeln: „Wir Katholiken sind eine kleine Minorität in Schweden. Wir sind allerdings überrepräsentiert in zwei Bereichen: in der Schwedischen Akademie und in den Gefängnissen.“ Unter den „Achtzehn“ der Schwedischen Akademie, die u. a. jährlich den Nobelpreisträger in Literatur wählen, befanden sich bis vor Kurzem vier profilierte Schriftsteller – alle Konvertiten: Östen Sjöstrand, Birgitta Trotzig, Gunnel Vallqvist und Torgny Lindgren. Sie waren bekannt als Katholiken. Dagegen wusste man in der Öffentlichkeit wenig über die religiöse Überzeugung der übrigen Akademie-Mitglieder. Und es ist lange her, dass ein Bischof der lutherischen Schwedischen Kirche Mitglied war – früher eine Selbstverständlichkeit. Die katholische Kirche übt offenbar eine Anziehungskraft auf die geistige Elite (Professoren, Diplomaten, Journalisten, Ärzte usw.) aus. Denn der christliche Glaube wird intellektuell dargestellt und ermöglicht Perspektiven über den nationalen „Ententeich“ hinaus. Dass auch verhältnismäßig viele Strafgefangene katholisch sind, hat andere Gründe: relativ gesehen ist die Zahl der Ausländer in Gefängnisanstalten größer als die der Schweden. Spricht man mit einem der 13 Gefängisseelsorger des Bistums, erfährt man, dass Chilenen, Litauer, Polen u. a. als junge Männer ins Land gekommen sind, als Arbeitsuchende, Drogenabhängige oder Abenteurer, die leichter in die Kriminalität gleiten als Durchschnittsschweden. Sie und ihre Familien sind eine pastorale Herausforderung.

ORDENSGEMEINSCHAFTEN

Die Vielzahl der Nationalitäten in den Gemeinden – in den drei wichtigsten Gemeinden sind es 70–80 – spiegelt sich auch in der Priesterschaft. Der Bischof Anders Arborelius OCD ist der erste schwedische Bischof seit der Reformation. Ungefähr 35 von 164 Priestern sind in Schweden geboren. Die anderen kommen in erster Linie aus Polen (70?), nur 10 sind Deutsche. 82 sind Weltpriester und 82 Ordenspriester. Unter dem weiten Spektrum der 17 männlichen Ordensgemeinschaften dominieren die polnischen Franziskaner (OFM, OFMCap, OFMConv), Salesianer und Oblaten. Sie haben die Verantwortung für eine Reihe von Pfarreien sowie die polnischen Missionen. Die 12 Jesuiten aus Deutschland und Schweden nehmen Schlüsselstellungen ein, u. a. durch die Leitung der Philosophisch-Theologischen Hochschule Newman-Institut, der Kulturzeitschrift Signum, des Priesterseminars, der Gemeinden St. Eugenia in Stockholm und St. Lars in Uppsala. Die Unbeschuhten Karmeliter in Südschweden haben durch ihre Veröffentlichungen geistlichen Einfluss über den katholischen Bereich hinaus ausgeübt, vor allem durch P. Wilfrid Stinissen OCD (1927–2013).

Die 164 Ordensschwestern gehören zur Hälfte zu aktiven und zur Hälfte zu kontemplativen Gemeinschaften. Grob gesagt sind die kontemplativen schwedisch und die aktiven ausländisch. Die aktiven Ordensschwestern helfen normalerweise in Seelsorge, Kindergarten und Pfarrarbeit mit, während die kontemplativen – Benediktinerinnen, Karmelitinnen und Birgittinerinnen – Klöster leiten, die für Gäste eine geistliche Oase darstellen. Bayrische Schulschwestern haben zwei Grundschulen errichtet, die heute zur Diözese gehören. Ohne Zweifel ist die Ausstrahlung der Ordensschwestern bedeutend in der schwedischen Gesellschaft. Sie ergänzen wohltuend das traditionelle Priesterbild in Schweden.

Neuere kirchliche Bewegungen wie Focolare, Opus Dei, Christkönigs-Institut und Neokatechumenat setzen eigene Akzente. Trotz aller Verschiedenheit zeigt sich bei Diözesanveranstaltungen und Dekanatstreffen eine oft fröhliche Einheit unter den Priestern und Ordensleuten. In einer Minoritätskirche hat man eben nicht viel Kraft und Lust zu innerkirchlichen Auseinandersetzungen.

SONDERFALL EUGENIA

Das „Norrland“ umfasst mehr als die Hälfte Schwedens. Nördlich von Uppsala gibt es nur vier Pfarreien mit relativ wenigen Gläubigen, aber mit enormen Abständen. Eine befreundete Familie z.B. besuchte jahrelang die monatliche Messe in Östersund – 250 km hin und 250 km zurück, und zwar auf Landstraßen. Ganz anders ist die Situation in der ersten katholischen Gemeinde Schwedens, Sankta Eugenia in Stockholm. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind daraus immer neue Pfarreien entstanden. Heute besteht das Bistum Stockholm aus 44 Gemeinden. St. Eugenia im Herzen von Stockholm ist die größte, mit 9.500 Katholiken innerhalb der Gemeindegrenzen. Dazu kommen 2.200, die außerhalb wohnen, sich aber in St.

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