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Leben und Tod

Stefan Lamboury

Leben und Tod

Kurzgeschichtensammlung


Für meine Familile die an mich glaubt und mich immer unterstüzt hat.


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Vorwort des Autors

 Liebe Leser:

Da bin ich wieder, Sie können sich glaube ich gar nicht vorstellen, wie froh ich bin wieder hier zu sein. Ich hoffe Sie lesen die Zeilen während Sie vor dem Bildschirm sitzen und  noch überlegen, ob Sie das Werk kaufen sollen oder nicht. Diese Kurzgeschichtensammlung wurde ursprünglich vor über fünf Jahren veröffentlicht. Jedoch habe ich die Sammlung überarbeitet, sodass Sie falls Sie die alte Version gelesen haben hier einige neue und neu überarbeitete Geschichten finden werden. Ich habe außderdem einige alte Geschichten rausgeschmissen, die mir heute einfach nicht mehr gefallen. Außerdem finden Sie hier zum ersten Mal einen Anhang, in dem ich verrate, wie ich auf die einzelnen Geschchten gekommen bin. 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieses Buches. 

Schönen Gruß

ST.L

Langsamer Tod

Warum? Warum gerade ich?, solche Gedanken quälten Sally jeden Tag. Vor zwei Jahren im August hatte Sally die Diagnose erhalten. Sie war unheilbar krank. Die Ärzte hatten Leberkrebs bei ihr festgestellt. Anfangs hatten man versucht die Krankheit mit Chemotherapie zu bekämpfen. Eines Tages hatte Sally keinen Nerv mehr auf die immer wiederkehrenden Untersuchungen der Ärzte. Sie wollte nicht wie viele andere Patienten um jeden Preis am Leben gehalten werden. Viele Menschen hatte Sally gesehen, nicht zuletzt ihre Mutter, die an Krebs gestorben war. Zum Schluss hatte sie wie ein körperliches Wrack auf dem Krankenbett gelegen. Musste künstlich ernährt werden und bestand nur noch aus Haut und Knochen.

So ein Schicksal wollte Sally nicht, sie wollte die Zeit die ihr noch blieb so intensiv wie möglich mit ihrem Mann erleben. Sie war ihrem Mann sehr dankbar, er hatte ihr in den vergangenenen Wochen und Monaten viel Kraft gegeben. Er war für sie da, hörte ihr zu und las ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. An einigen Tagen war Sally gut drauf, an diesen Tagen merkte man ihr die Krankheit nicht an. Sie sprühte vor Energie und man hatte den Eindruck, sie sei völlig gesund. Es gab aber auch Tage, an denen sie unter so starken Schmerzen litt, dass sie nicht einmal die Kraft hatte alleine zu essen, geschweige denn zur Toilette zu gehen. An solchen Tagen schämte Sally sich vor ihrem Mann, aber nicht nur vor ihm, auch vor sich selbst. Wenn sie dalag wie ein kleines hilfloses Kind, das nichts selber erledigen konnte. Obwohl sie wusste, dass sie sich vor ihrem Mann nicht zu schämen brauchte. Sally hatte keine Angst, vor dem Tod. Aber sie hatte Angst, dass ihr Mann sie eines Tages verlassen würde, weil er nicht mehr konnte. Sie fürchtete, dass er mit einer anderen Frau durchbrennen könnte. Sex hatten sie seit dieser Krankheit keinen mehr gehabt. Sally hatte einfach keine Lust mehr auf Sex. Ihr Mann verstand das sehr wohl, er hatte sie auch nie bedrängt, oder ihr deswegen Vorwürfe gemacht. Trotzdem war die Angst da. Sie wusste es war verrückt sich darüber Sorgen zu machen sie versuchte sich immer wieder einzureden, dass Mike so was etwas nicht tun würde. Aber dennoch war sie da. Die Angst.

Die Angst vor dem Allein sein, die Angst davor alleine sterben zu müssen, ohne jeden Beistand.

Sie wusste noch wo sie ihn kennen gelernt hatte. Es war auf einer grünen Wiese im Sommer gewesen. Sie hatte ihr Blumenkleid an und trug blondes kurzes Haar mit Naturlocken. Sie war zur Wiese gefahren um dort für sich alleine ein Picknick zu machen. So was hatte sie früher oft gemacht. Eines Tages hatte ein großer schlanker Mann in einem weißen T-Shirt sie angesprochen. Er war ihr von Anfang an sympathisch gewesen. Er setzte sich zu ihr, sie hatten sich unterhalten und viel gelacht.

Und was war jetzt? Jetzt war sie nur noch ein dahin vegetierendes etwas, ein vom Krebs zerfressener Körper, dessen Uhr langsam aufhörte zu ticken.

Eines Tages rief Sally ihren Mann zu sich, der gerade dabei war das Mittagessen zu kochen. Mike eilte zu ihr. Das Schlafzimmer bestand aus einem großem Ehebett, und zwei kleinen Nachtischen aus Kiefernholz. Die Wände wie auch die Decke waren weiß und kahl. Die Fenster weit geöffnet.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Mike.

„G-g-ib mir meine Ta-Ta-Tabletten!“, stotterte sie.

Seine Frau sah aus wie eine lebende Tote. Sie war schweißgebadet, ihr Nachthemd klebte an ihrem Körper. Mike reichte ihr eine Tablette und sagte: „Hier nimm, danach geht es Dir wieder besser.“

Sally nahm sie zitternd ein und spülte sie mit einem Glas Wasser, welches Mike ihr einflößte hinunter, anschließend sagte sie: „Es geht zu- zu En- Ende.“

„Nein, Du darfst nicht sterben, Du musst bei mir bleiben bitte.“

Mike konnte sich nicht mehr zurückhalten, er begann zu weinen, heiße Tränen liefen seine Wangen herunter. Er nahm seine Frau in den Arm. Ein letztes Mal, drückte sie ihren Mann und gab ihm einen Kuss.

Die Leichenhalle

"Los komm.", trieb Daniel seinen Kumpel an.

"Ich komm ja schon.", sagte Paul während er um die Ecke bog. Hoffentlich war die Leichenhalle nicht abgeschlossen, bis jetzt war Daniel immer nur tagsüber in der Totenhalle gewesen. Viele Kinder in seiner Klasse hatten Angst vor dem Tod und erst Recht davor, mit einer Leiche in einem Raum zu sein. Sie gaben immer damit an, was sie schon alle für Filme gesehen hatten, Tanz der Teufel, Friedhof der Kuscheltiere oder die Nacht der reitenden Leichen, aber keiner von ihnen hatte je eine wirkliche Tote zu Gesicht bekommen. Auf der Schule würde man sie als Helden und harte Kerle verehren, wenn sie damit protzen konnten, mitten in der Nacht in eine Leichenhalle gegangen zu sein. Daniel stellte sein Fahrrad vor dem schmiede eisernen Tor ab und holte eine Taschenlampe aus seiner Jackentasche. Der Lichtkegel konnte die Finsternis kaum durchdringen. Langsam näherte er sich dem Eingang, während Paul ihm folgte. Den Schlüsel zur Leichenhallte hatte Daniel von seinem Vater geklaut, der hier als Friedhofswärter arbeitete.

"Meinst Du nicht, dass Dein Vater in der Nähe ist? Vielleicht sollten wir besser an einem anderem Tag wiederkommen.", sagte Paul.

"Hast Du etwa Angst? Du kannst ja hier draußen warten, dann gehe ich da halt alleine rein.", protzte Daniel.

"Ich doch nicht.", erwiderte Paul, wobei er hoffte, dass sein Freund das kurze Zögern in seiner Stimme nicht gehört hatte.

Für eine Sekunde spielte Paul mit dem Gedanken einfach abzuhauen und nach Hause zu fahren. Die Sache gefiel ihm immer weniger. Die Taschenlampe in seiner Hand zitterte. Der Schrei eines Uhus hallte von den Bäumen, und ließ Paul frösteln. Was war das? War das der Ruf eines Untoten? Es hatte sich nicht irdisch angehört, solche Geräusche machte kein sterbliches Wesen oder?

"H- h- Hast Du das auch gehört?", fragte Paul.

"Was, meinst Du? Was soll ich gehört haben?"

"D- d- das Rufen."

"Welches Rufen?"

Paul überlegte, ob er Daniel von dem Geräusch erzählen sollte. Entschied sich aber dagegen, wahrscheinlich würde Daniel dann mitbekommen, dass er fast schon panische Angst hatte und das wollte Paul nicht. Er hatte keine Lust, für ein Feigling gehalten zu werden.

"Hast Du doch Angst?", fragte Daniel, als ob er Pauls Gedanken gelesen hätte.

"Nein ich habe keine Angst.", behauptete Paul.

"Hast Du jawohl, ich habe es doch an Deiner Stimme gehört. Paul hat Angst, Paul hat Angst."

Paul ballte die Hände zu Fäusten, wenn sein Freund nicht bald die Schnauze hielt, könnte er morgen nur noch Flüssignahrung zu sich nehmen.

"Halt die Fresse, ich habe keine Angst.", fauchte Paul, wobei er feuerrot anlief.

"Ist doch schon gut entschuldige bitte, das war doch nur Spaß."

Daniel reichte die Paul die Hand. Dieser ergriff sie und der Streit war vergessen. Sie gingen an Gräbern vorbei, die Flammen der Grabkerzen nahmen Paul ein wenig die Furcht. Vor einem kleinen rechteckigem Gebäude blieben sie stehen. Paul schlug das Herz bis zum Halse, sollten sie wirklich da rein gehen? Was war wenn eine der Toten... . Schluss damit sagte sich Paul und atmete tief ein. Die kühle Luft durchströmte seine Lunge, er schloss die Augen. Was konnte denn schon geschehen, die Leute da drin waren tot, und Tote konnten nicht umherwandeln. Sowas ging nur in Filmen. Ohne zu Zögern lief Daniel auf die Leichenhalle zu, sein Herz hüpfte vor Freude. Daniel legete eine Hand auf die Klinke, und steckte den Schlüssel ins Schloss. Der Riegel sprang mit seinem leisen Klicken zurück. Daniel drückte die Klinke nach unten und sah sich nach seinem Freund um."Kommst Du?", fragte er , während er mit aller Kraft an der Tür zog.

"Ich komme ja schon.", sagte Paul. Im Innerem war es stockdunkel.

"Mach doch mal ein bisschen Licht ich sehe ja gar nichts.", maulte Daniel.

"Eine Sekunde."

Paul fuhr mit den Fingern die Wand entlang, hier musste es doch einen Schalter geben oder?

"Wo bleibt das Licht?", drängelte Daniel weiter.

"Ich habs ja gleich, kannst Du Dich vielleicht ein wenig gedulden, danke.", sagte Paul.

Die Halle wurde von Licht durchflutet, als Paul den Schalter betätigte. Die Halle war in sechs Räume aufgeteilt. Zu beiden Seiten fanden sich jeweils drei Räume, in denen Leichen aufbewahrt werden konnten. Zur Zeit war nur die erste Kammer auf der linken Seite belegt, die restlichen Räume waren leer.

Fasziniert starrten Daniel und Paul auf die Leiche in der Kammer. Es war eine ältere Frau um die 80. Sie trug ein blaues Abendkleid und schwarze Lackschuhe mit fast fünf Zentimetern hohen Absätzen. Auf ihre Händen waren noch die Spuren von Altersflecken zu sehen. Um ihren Hals trug sie eine weiße Perlenkette. Auf ihrem linken Ringfinger steckte ein goldener Ring. Es schien fast so, als schlafe sie nur.

Daniel verfiel in lautes Gelächter, als er die Frau auf dem Totenbett liegen sah. Die Sache war nicht einmal halb so aufregend wie er gedacht hatte.

Mit schnellen Schritte näherte er sich der Dame und sagte: "Na und traust Du Dich auch die Frau anzufassen so wie ich?"

Paul brachte keinen Ton heraus, er stand nur wie erstarrt im Eingang, und schaute die Frau mit weit aufgerissen Augen an, während sämtliche Farbe aus seinem Gesicht wich.

"Was ist los? Hast Du Dir vor Angst in die Hose gemacht?", fragte Daniel.

Paul warf seinem Freund einen Blick zu und gab ihm zu verstehen, dass er sich die Frau noch mal ansehen sollte. Als Daniel der Frau ein weiteres mal ins Gesicht sah, schlug sie die Augen auf. Im Bruchteil einer Sekunde setzte sich die Dame auf und packte ihn mit der rechten Hand am Nacken. Der Griff war stärker als Daniel vermutet hätte. Kalter Schweiß floss seinen Nacken hinab, als er sah wie die Frau ihren Mund öffnete und eine Reihe verfaulter Zähne zum Vorschein kamen. Der Geruch von Verwesung schlug ihm entgegen und ließ ihn würgen.

"Hilf mir Paul, bitte Hilf mir!" schrie Daniel mit Tränen in den Augen.

Ein stechender Schmerz fuhr ihm in die Kehle, als sich ihre Zähne in seine Haut gruben und ein Rinnsal Blut die Totendecke befleckte. Daniel verdrehte die Augen, sodass nur noch das Weiße zu erkennen war. Sämtliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Sein Körper zappelte in ihren Fängen, wie eine Fliege im Spinnen-Netz. Mit Fäusten schlug er auf die Frau ein, doch sie schien die Schläge überhaupt nicht zu spüren, während er mit jeder verstrichenen Minute schwächer wurde. Daniels Finger gruben sich in die Totendecke. Ein erstickendes Gurgeln entwich seiner Kehle. Warum waren sie hierher gekommen? fragte er sich, wieso waren sie nicht im Zelt geblieben? Die Frau ließ von ihm ab, und sein Körper sackte zu Boden. Ein Blutlache hatte sich auf den Boden gebildet, Daniels Augen blickten starr auf seinen Freund. Warum hast Du mir nicht geholfen? Warum hast Du mich sterben lassen?, schienen sie Paul zu fragen. Paul schlug das Herz bis zum Halse. Die Frau drehte den Kopf und sah Paul aus leeren Augen an. Dann setzte sie sich auf und verließ den Sarg. Die Absätze ihrer Schuhe klackten auf den Fliesen, als sie auf den Jungen zukam. Als Paul sah wie die Tote immer näher kam, fiel die Starre von ihm ab und er stürzte zur Tür. Mit schweißnassen Händen packte er den Türknauf und drückte ihn nach unten. Was war hier los? Wieso war die Tür verschlossen? Sie war doch offen gewesen. Wie war so etwas möglich? Panik stieg in Paul auf und er begann an der Tür zu rütteln. "Hilfe ist da draußen jemand? Hilfe, ich bin hier drin, hilft mir bitte einer." Tränen liefen seine Wangen hinab. Es würde ihn niemand hören.

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