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Lauter Kröten und kein Kuss in Sicht

Kerstin Kropac,
Jahrgang 1973, arbeitet als freie Fernsehjournalistin für WDR, ZDF und MDR. Sie hat bereits zahlreiche Sachbücher veröffentlicht und schreibt für Jugendliche in der Arena-Reihe »Mein Leben«.
Noa Kropac
ist 2001 geboren und schreibt, seit sie einen Stift in der Hand halten kann. Sie hat bereits den Schreibwettbewerb AbraPalabra gewonnen.

Die beiden sind ein schreibendes Mutter-Tochter-Duo und legen mit Lauter Kröten und kein Kuss in Sicht ihren ersten Roman vor. Sie leben in Hamburg.

Inhalt

Liste Nr. 1: »Das bin ich mit 30«

Liste Nr. 2: »Was ab morgen anders werden muss«

Liste Nr. 3: »Was in meinem Leben eindeutig schiefläuft«

Liste Nr. 4: »Warum Tori meine herzallerliebste und beste Freundin ist und für immer bleiben soll«

Liste Nr. 5: »Was hat Jaqueline, was ich nicht habe (aber gerne hätte)?«

Liste Nr. 6: »Wenn jetzt eine gute Fee käme und ich drei Wünsche freihätte, würde ich mir wünschen«

Liste Nr. 7: »Was macht man, wenn einen die ganze Welt für schräg hält (inklusive der besten Freundin) und sich der Traumprinz einfach nicht in einen verlieben will?«

Liste Nr. 8: »Was ab morgen wirklich anders wird«

Letzte Liste: »Das bin ich mit 30«

Liste Nr. 1:
»Das bin ich mit 30«

glücklich verheiratet mit: Finn

Kinder: ein Mädchen (Amy oder Mia) und ein Junge (Bennet oder Justus)

Haus: weiß und alt, von Rosensträuchern überwuchert, kleiner Vorgarten mit Froschteich (wichtig!) Beruf: Märchenerzählerin oder Schriftstellerin Beruf Mann: egal, vermutlich Fußballstar (oder Fußballtrainer)

Haustiere: zwei Katzen

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Man sollte eigentlich meinen, mit dreizehn Jahren, vier Monaten und zwanzig Tagen kennt man das Zehn-Finger-System. Oder? Theoretisch tue ich das auch. Nur leider ist die Praxis noch nicht in meinen Fingern angekommen.

Ich – mit vollem Namen Lisa Marlene Walther – sitze neben meiner besten Freundin Tori auf dem Bett in meinem Zimmer. Viktoria – wie ihre Eltern meine Freundin ursprünglich mal genannt hatten – im Schneidersitz wie ein indischer Yogi, ich normal, weil mir im Schneidersitz immer die Füße einschlafen.

Wir beide haben unsere Laptops auf dem Schoß und tippen, was das Zeug hält. Na ja, genau genommen tippt eher Tori, was das Zeug hält. Bei mir befindet sich der Laptop zwischen dem Tippen der einzelnen Buchstaben vermutlich schon kurz vorm Stand-by-Modus. Tori hat schon mit acht Jahren (als jüngste Teilnehmerin aller Zeiten!) einen »Schneller Tippen«-Kurs belegt, deshalb tanzen ihre Finger geradezu über die Tastatur, während ich mit spitzen Zeigefingern (immerhin mit beiden!) auf die Tasten pikse, als wollte ich sie aufspießen.

Wir arbeiten gerade an unserem Finnland-Referat, das in zweieinhalb Wochen in Erdkunde fällig ist, wobei ich – das muss ich leider zugeben – ein bisschen abgelenkt bin. Tori dagegen ist mit Feuereifer dabei.

»Wusstest du, dass sie in Finnland Gummistiefel-Weitwurf-Meisterschaften veranstalten?«, fragt sie mich begeistert und schiebt mir ihren Laptop rüber, damit ich mir ein Foto von verschrobenen Finnen bei ihrer verschrobenen Meisterschaft ansehen kann.

Ich brumme nur. Meine Gedanken sind von finnischen Gummistiefeln etwa so weit entfernt wie meine Füße von einem Paar angesagter, aber viel zu teurer Ugg-Boots.

Denn statt nach Finnland-Infos suche ich im Netz gerade nach etwas ganz anderem.

»W-i-e s-t-i-r-b-t e-i-n …« Leider finde ich die Buchstaben nicht so schnell, wie ich sie finden möchte. Vor allem das fiese »V« scheint sich ständig einen neuen Platz zu suchen. »… V-e-r-g-i-f-t-e-t-e-r?«

Als Tori mir misstrauisch über die Schulter schmult, zuckt sie entsetzt zusammen. »Wie stirbt ein Vergifteter?!«, ruft sie. Dann schüttelt sie den Kopf. »In zweieinhalb Wochen erwartet der Hartmann von uns einen einstündigen Vortrag über Finnland und du denkst nur an Finn?«

Tja, wenn ich noch einen Beweis bräuchte, dann hätte ich ihn jetzt: Tori ist meine perfekte, meine absolut perfekte beste Freundin. Den Zusammenhang zwischen Finn und einem Vergiftungstod erkennt definitiv nur sie. Es ist aber auch echt schwer, sich auf Erdkunde zu konzentrieren, weil ich bei FINNland doch jedes Mal an ihn erinnert werde. An meinen Finn. Hätten wir uns bloß bei Schweden gemeldet oder bei Norwegen! Ich seufze.

Finn ist definitiv der coolste Junge dieser Welt. Er sieht nicht nur ultrasüß aus, er ist auch richtig lustig. Und total beliebt. Wenn ich ihn sehe, fühle ich mich ständig, als ob ich lachen oder weinen müsste. Oder beides gleichzeitig. Meine Pausen verbringe ich seinetwegen so oft wie möglich in der Nähe der Fußball-Ecke und ich habe Finn sogar schon zweiundachtzig Kurznachrichten geschrieben. Aber sie alle wieder gelöscht. Weil sie irgendwie nicht richtig waren. Nicht perfekt.

Und leider ist es bis jetzt noch nicht zu mehr gekommen. Genau genommen grüßen wir uns nicht einmal, wenn wir uns irgendwo begegnen. Es ist … schwierig.

Und deshalb suche ich jetzt im Internet nach Vergiftungstoden. Das ist meine letzte Hoffnung!

Schnaufend klappt Tori ihren Laptop zu und sieht mich ernst an. »Mal ehrlich, Lisa. Wenn du das Referat jetzt vergeigst, bekommst du womöglich eine Fünf auf dem Zeugnis. Und dann bleibst du vielleicht noch sitzen und gehst nicht mal mehr mit Finn in eine Klasse! Das willst du doch nicht!«, versucht Tori mich zu motivieren.

Doch ihre Taktik ist wirklich durchschaubar. Sitzen bleiben wäre natürlich der Super-GAU … Aber Tori weiß genauso gut wie ich, dass das nicht passieren wird. Ich bin zwar nicht so eine gute Schülerin wie sie (außer in Deutsch – da bin ich sogar besser), aber längst nicht versetzungsgefährdet.

Und prompt schiebt Tori hinterher: »Noch kriegst du immer gerade so die Kurve! NOCH!« Dabei hebt sie drohend den Zeigefinger und ich zucke zusammen. Kann Tori etwa meine Gedanken lesen?

Ich schaue sie flehend an. »Ich hab’s gleich. Versprochen! Nur noch zwei Minuten. Okay?«, bettele ich. »Sobald ich das mit dem Sterben recherchiert habe, such ich alle finnischen Seen zusammen, die es gibt. Das verspreche ich dir.«

Tori verknotet ihren Pferdeschwanz neu und lächelt mich an. Dann sagt sie: »Solange ich es nicht bin, die den Vergiftungstod sterben muss …«

Nein, das muss sie natürlich nicht. Sondern ich.

Keine Angst, ich will mich nicht aus Liebeskummer umbringen, das wäre natürlich totaler Schwachsinn. Nein, das mit dem Vergiften ist Teil meines Masterplanes in Sachen Finn, den ich Tori bereits gestern in der Pause erörtert habe.

Ich habe mir nämlich fest vorgenommen, nach sieben Monaten endlich über das Stadium von zweiundachtzig gelöschten Textnachrichten hinauszukommen. Und dazu werde ich auf eine Taktik meiner verstorbenen Uroma zurückgreifen, die besagt, dass ich einfach nur unserer Familientradition folgen und zur Prinzessin werden muss, damit es mit den Jungs klappt.

Uromas exakte Worte waren: »Wenn du willst, dass ein Junge sich in dich verliebt, musst du seine Prinzessin sein. Er muss der strahlende Held sein, der dich rettet. Dann klappt es mit der Liebe!« Meistens hat sie sich dann in ihrem Schaukelstuhl zurückgelehnt, gelächelt und an ihrem feinen goldenen Ring gespielt, den sie am kleinen Finger trug. Das machte sie immer, wenn sie an ihren verstorbenen Mann Reinhold dachte.

Bei den beiden war es eine hochromantische Liebe auf den ersten Blick gewesen: Damals kam mein Uropa wie ein Prinz auf einem weißen Pferd über das Feld galoppiert, auf dem meine Uroma gerade mit dreckigen Händen Kartoffeln ausbuddelte. Dann hat er sie gesehen, ihr seinen starken Arm gereicht und sie erlöst. Ganz märchenhaft. So hat sie das zumindest immer erzählt.

Leider war mein Uropa schon tot, bevor ich zur Welt kam. Trotzdem habe ich fast das Gefühl, ihn gekannt zu haben, weil Uroma immer so viel von ihm gesprochen hat. Sie hat die tollsten Sachen erzählt. Zum Beispiel, wie er sich den strengen Lehrer meiner Oma (die ja seine Tochter ist) geschnappt hat, als der »seine kleine Jutta« (also meine Oma) verprügeln wollte. (Früher ist das nämlich erlaubt gewesen, dass Lehrer Kinder schlagen. Zumindest gesetzlich. Mein Uropa hat das nicht erlaubt. Keiner durfte seine Kinder anfassen!)

»Da hat der fiese Lehrer vor Angst geschlottert, als mein Reinhold ihn am Kragen hatte!« Uroma hat jedes Mal gelacht, wenn sie das erzählt hat. Dabei war ihr der Stolz über ihren verwegenen Reinhold anzusehen. Aber sie hat noch mehr erzählt: von ausschweifenden Tanzabenden und aufregenden Italien-Reisen. Nach Rimini. Oder Bibione. (Damals war Italien anscheinend so exotisch wie heute die Fidschi-Inseln.)

Auch ihre Hochzeit muss märchenhaft gewesen sein: Meine Uroma trug ein selbst genähtes weißes Prinzessinnen-Brautkleid, bei dem ihre Schleppe so lang war wie die von der britischen Queen Elizabeth. Ganze sechs Meter! Da mussten vier Freundinnen hinterherrennen und die Schleppe tragen. Und bei der Trauung hat Reinhold ihr diesen goldenen Ring angesteckt. Am kleinen Finger – weil er woanders nicht gepasst hat.

Mittlerweile trage ich den Ring. Weil Uroma ihn mir vererbt hat. Allerdings passt er bei mir an den linken Ringfinger. Fast liebevoll streiche ich über das schmale Goldband.

Was für eine romantische Geschichte!

Aber der eigentliche Knaller ist: Meine Uroma hat immer steif und fest behauptet, das mit der Prinzessinnen-Nummer läge mir im Blut, weil ich – jetzt kommt’s! – die direkte Nachfahrin der Prinzessin Wilhelmine vom lauschigen Winkel zu Österreich sei. Sie war sozusagen meine Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Uroma (fünfundzwanzig Urs!). Man denkt ja immer, die Gebrüder Grimm hätten Märchen erzählt. Aber das stimmt nicht, hat Uroma immer gesagt. Die haben nur etwas übertrieben – mit den Drachen und so. Aber es ist alles wahr, was in ihren Büchern steht. Uroma hat stets steif und fest behauptet, Grimms Märchen seien so was wie meine Familienchronik. Sozusagen.

Natürlich habe ich dann gefragt, warum ich nicht mehr in einem Schloss wohne. Aber auch dafür gibt es eine Erklärung. »Das ist ein bisschen dumm gelaufen«, hat mir Uroma erklärt. »Vor etwa einhundert Jahren wurden in Österreich die Monarchie und der ganze Adelskram abgeschafft. Und leider hat unsere Familie damals noch in Österreich gelebt. Damit waren unsere ganzen schönen Titel weg.«

Ich hab’s im Internet nachrecherchiert: Das mit den abgeschafften Adelstiteln in Österreich stimmt.

Aber was noch besser ist: Die Prinzessinnen-Masche, also das mit der Liebe auf den ersten Blick, hat in meiner Familie Tradition! Wenn sie nicht gestorben wären, lebten meine sämtlichen Vorfahren nämlich noch heute glücklich zusammen.

Die einzigen bekannten Scheidungsfälle in meiner Familie sind:

1. Meine Oma Jutta – die hat meinen Opa Rainer bei der Arbeit kennengelernt. Er war ihr Chef. Und irgendwann wollte er wohl, dass sie ihm auch zu Hause den Kaffee kocht.

2. Meine Mutter – das muss ich noch genau recherchieren, aber sie hat meinen Vater Walther über so eine Brief-Geschichte getroffen. Auf jeden Fall auch nichts Märchenhaftes.

Kein Wunder, dass diese beiden Liebesgeschichten in die Brüche gegangen sind. Was lerne ich also daraus? Meine Uroma hat recht: Ich muss die Prinzessin geben!

Wobei das ohne Pferd, Schloss und Krone gar nicht so einfach ist. Vor allem bei den heutigen Prinzen. Finn zum Beispiel hat bisher wahrscheinlich nicht mal mitgekriegt, dass ich seit zwei Jahren und sieben Monaten mit ihm in dieselbe Klasse gehe. Zumindest gibt es keinen Hinweis darauf, dass er es bemerkt hätte …

Deswegen müssen jetzt dringend radikalere Methoden her. Eine Vergiftung ist perfekt!

Plötzlich platzt Tori mit einem lauten Aufstöhnen in meine Gedanken. »Diese Namen kann sich echt kein Mensch merken: Päijänne. Inarijärvi.« Genervt bläht sie ihre Wangen auf und verschwindet wieder hinter ihrem Laptop.

Ich verzichte auf eine Antwort und träume stattdessen weiter. Im Märchen – also bei den echten Prinzessinnen – gibt’s so was wie Liebeskummer gar nicht. (Es gibt nicht mal so was wie Finnland-Referate. Da ist die Welt eindeutig in Ordnung.)

Die echten Prinzessinnen legen sich vergiftet in den Wald und – flupps! – schon taucht der nächste Prinz auf. Der verliebt sich natürlich sofort unsterblich. Und zwar rappizappi.

Im Märchen ist immer alles gut – mal abgesehen davon, dass arme Eltern ihre Kinder im Wald aussetzen und böse Wölfe arme Großmütter oder Geißlein auffressen … Zumindest siegt am Schluss immer das Gute. Prinz und Prinzessin sehen sich, verlieben sich und leben bis ans Ende ihrer Tage glücklich zusammen. Da funkt höchstens mal eine blöde Stiefmutter dazwischen. Oder hässliche Stiefschwestern. Aber die kann ja eh keiner leiden.

Und all das ist der Grund, warum ich im Internet nach Vergiftungstoden suche. Damit ich morgen schneewittchengleich vor Finns Augen in einen (scheinbar!) vergifteten Apfel beißen und anschließend in seine Arme sinken kann. Er wird selbstverständlich einen Riesenschreck kriegen, weil er in dem Moment begreifen wird, wie viel ich ihm bedeute. Dann wird er den Apfel aus mir herausschütteln, mich retten und auf sein Schloss führen (oder zumindest in sein Zimmer). Dann werden wir uns zum ersten Mal küssen … und bleiben glücklich zusammen bis an unser Lebensende. Wie es bei meinen Vorfahren war.

Vor lauter Vorfreude muss ich lächeln.

Tori schaut von ihrem Laptop auf. »Mensch, Lisa!« Sie klingt vorwurfsvoll. »Kannst du mir nicht endlich bei diesem blöden Referat helfen? Deine zwei Minuten sind doch schon längst um.«

Ich zucke hilflos mit den Schultern. »Ganz kurz noch, okay?« Dabei lege ich den Kopf schief und ziehe eine Schnute. »Ducky face« nennt Tori das. Sie muss lachen, weil ich dabei offenbar eher albern als süß aussehe. Gut zu wissen!

»Pass auf: Ich schlage dir einen Deal vor«, sage ich, die gute Stimmung ausnutzend, und schiebe meinen Laptop entschlossen zur Seite. »Erst gehen wir zusammen einen roten Apfel kaufen und dann machen wir dieses dämliche Referat weiter.«

»Okay!«, seufzt Tori ergeben. Wahrscheinlich sieht sie ein, dass alles andere jetzt ohnehin keinen Sinn macht. Wir krabbeln von meinem Bett.

Während ich in meine pinken Filz-Hausschuhe schlüpfe, fällt mein Blick nach draußen – es ist ein nassgrauer Tag. Die Häuser und Gärten unserer Siedlung liegen unter einem Niesel-Nebelschleier versteckt. Da bekommt man schon vom Rausgucken eine Gänsehaut!

Weil unser Haus ein wenig erhöht steht, kann ich bei gutem Wetter bis zu Toris Haus gucken – und das liegt immerhin eine Bushaltestelle entfernt. Heute erkenne ich gerade so unseren Vorgarten. Und da … Moment mal! Da ist doch jemand! Ich beuge mich vor. Und erkenne meine Mutter, die in ihrem dunkelblauen Regenmantel vor unserem Haus steht und den Rasen bearbeitet. Ich wundere mich, dass sie schon zu Hause ist, denn donnerstags kommt sie eigentlich etwas später aus ihrer Praxis. Noch viel mehr aber frage ich mich, was sie bei diesem Sauwetter draußen im Garten treibt. Mama hasst Regen. Und sie ist nicht gerade eine leidenschaftliche Gärtnerin.

Gemeinsam poltern Tori und ich die Treppen nach unten ins Erdgeschoss, wo im Flur schon meine zerlatschten Schneestiefel auf mich warten. Es wird wirklich Zeit, dass es wärmer wird – schon allein, damit ich diese ollen Dinger nicht mehr anziehen muss. Die sehen wirklich verboten aus! Aber meine neuen Nikes will ich mir bei diesem Wetter auch nicht versauen … Also lasse ich sie im Karton und schlüpfe stattdessen in die Stiefel.

Als wir die Haustür öffnen, schlägt uns ein eiskalter Wind entgegen. »Kaum zu glauben, dass laut Kalender schon Frühling ist!«, murrt Tori und zieht den Reißverschluss ihrer Jacke bis zur Nase hoch. Sogar mir wäre danach, die Tür jetzt schnell wieder zuzuhauen und stattdessen in der Küche einen warmen Marshmallow-Kakao zu trinken. (Den hat Papa neulich von seiner Amerika-Reise mitgebracht. Mmmmhhh!) Aber nein: Ohne Apfel kein Schneewittchen – ich habe also keine andere Wahl. Mutig trete ich dem Sturm und Regen entgegen. Tori folgt mir widerwillig.

Draußen im Garten sieht meine Mutter von ihrer Arbeit auf, als sie uns hört. Sie ist vor Anstrengung ganz rot im Gesicht. Fast so rot, wie ich mir meinen Schneewittchen-Apfel vorstelle. Ich sehe sie fragend an und schon wettert sie los: »Da hat man ausnahmsweise mal früher Feierabend. Aber anstatt diese geschenkten Stunden für sich zu nutzen und zu genießen, muss man bei diesem Wetter raus in den Garten. Immerhin ist der Boden nicht mehr gefroren!«

Mit dem letzten Satz rammt meine zierliche Mutter eine große Schaufel in den ehemals schönen Rasen und springt wie wild mit den Füßen darauf herum. Dabei erinnert sie mich an einen zornigen Gartenzwerg. Und das nicht nur, weil sie tatsächlich nicht sehr groß ist. Sogar ich überrage meine Mutter inzwischen locker um einen halben Kopf. Mama schnauft. Dann wischt sie sich mit ihrer schmutzigen Hand eine lange braune Haarsträhne aus dem Gesicht und beginnt erneut damit, auf der Schaufel herumzuspringen.

Tori und ich bekommen große Augen. »Was machst du denn da?«, fragen wir wie aus einem Mund.

Ich bin ja froh, dass unsere Hecken so hoch und dicht gewachsen sind, dass keiner meine Mutter bei ihrer merkwürdigen Gartenarbeit beobachten kann. Doch dann schießt mir ein wonnewatteweicher Gedanke in den Kopf. »Bekommen wir endlich einen Pool im Garten?« Ich strahle meine Mutter an. Aber die sieht mich an, als ob ich sie auf Mittelhochchinesisch angesprochen hätte.

Okay, wohl kein Pool.

»Ich bin froh, wenn ich das hier in die Erde bekomme, und du fragst nach einem Pool!«, knurrt sie und wedelt dabei mit einer Plastikröhre, die aussieht wie das Ding, in das ich immer meine Kunstbilder rolle, damit sie nicht zerknittern.

Tori tritt interessiert näher. »Was ist das?«

Stumm signalisiere ich meiner besten Freundin: Abstand halten, sonst kommt Mama womöglich auf die Idee, dass wir ihr helfen könnten!

»Das ist eine Maulwurfsfalle«, erklärt Mama und wedelt noch wilder mit der Röhre. »Schaut mal da: Kaum ist offizieller Frühlingsbeginn, versaut mir so ’n Vieh den ganzen Garten. Habe ich heute Morgen entdeckt!«

Tori und ich sehen uns um. Eigentlich versaut nur Mama den Garten.

»Ich seh nix!«, sage ich deshalb wahrheitsgemäß. »Also nichts von dem Maulwurf.«

Aber dann entdeckt Tori einen mickrigen Maulwurfshügel direkt neben Mamas Großbaustelle und ruft: »Da!«

Allerdings sieht Mamas Erdhaufen viel schlimmer aus als der von dem kleinen Maulwurf. Ich überlege, wie ich ihr das beibringen soll, ohne sie noch mehr zu frustrieren.

Genau wie Tori scheint auch Mama heute meine Gedanken lesen zu können. Sie holt tief Luft. »Wehret den Anfängen!«, deklamiert sie und wischt sich schon wieder eine nasse Haarsträhne aus dem schlammverschmierten Gesicht. »Erst ein kleiner Hügel. Und bald sieht der ganze Garten aus wie eine Buckelpiste. Ich hab das alles schon erlebt!« Damit rammt sie den Spaten noch einmal mit Wucht in die Erde.

Ein bisschen sieht unser Garten schon jetzt aus wie eine Buckelpiste, finde ich.

Kurz darauf haben Tori und ich uns vor meiner wütenden Mutter und dem 360-Grad-Regen in den Biomarkt unserer Siedlung geflüchtet. Dort begutachten wir die verschiedenen Äpfel in der Auslage. Es war Toris Idee, hier einzukaufen. Ich wäre ja noch ein Stückchen weiter zum normalen Supermarkt gelaufen. Aber Tori meinte, ich solle mich schließlich nicht wirklich vergiften – wegen der ganzen Pestizide und so und weil ich den Apfel ja nicht schälen könne … Meinetwegen. Von meinem Schneewittchen-Plan ist sie allerdings nicht wirklich überzeugt. Noch nicht!

»Und du willst das echt durchziehen?«, erkundigt sie sich gerade ungefähr zum dritten Mal, seitdem wir losgegangen sind. »Ich meine, so richtig drauf verlassen kannst du dich aber nicht, dass Finn sich in dich verliebt, nur weil du ihm Schneewittchen vorspielst.«

Och nee! Ich seufze. Jetzt will sie mir wieder meine Schneewittchen-Idee ausreden.

Gelangweilt greife ich nach einem Braeburn, der allerdings nicht rot genug ist. »Ich weiß gar nicht, was du gegen meine Märchen-Taktik hast. Im Märchen haben die Prinzessinnen jedenfalls nicht solchen Stress wie wir: Nachricht schicken. Warten. Oh, er hat schon eine andere.« Ich lege den Apfel zurück und begutachte stattdessen die Boskoops aus der Nachbarkiste. »Nein! Da läuft das mit der Liebe völlig problemlos. Anschauen, verlieben, heiraten – aus die Maus! Und genauso will ich das auch. Ich muss Finn nur das richtige Prinzen-Gefühl geben. Dafür muss ich die hilflose Prinzessin spielen. Damit er mich retten kann, verstehst du? Jungs mögen das.«

»Ich glaube eher, du hast da bei deiner Uroma was falsch verstanden«, widerspricht meine Freundin und greift in die Kiste, auf deren Schiefertafel »Topaz« steht. »Hier, die sind lecker. Die nehmen meine Eltern auch immer.«

Ich ziehe die Augenbrauen hoch, dann erkläre ich: »Aber mein Apfel soll rotbackig sein. Nicht lecker. Ich mache ja eh nur einen Biss.« Mit Nachdruck lege ich den Apfel zurück in die Kiste und suche weiter nach einem, der noch rotbackiger ist. »Meine Uroma ist ja nicht die Einzige, bei der es so funktioniert hat!«, erkläre ich und drehe an meinem goldenen Ring. Doch schon die Apfelsuche ist gar nicht so einfach. Welcher Apfel ist denn nun der beste für meine Schneewittchen-Aktion? Blöd, dass die Gebrüder Grimm das nicht genauer beschrieben haben! Sie hätten ruhig mal die Sorte verraten können, so à la »Und dann spritzte die böse Hexe das Gift in den Elstar …« oder so.

»Ich glaube trotzdem nicht, dass das klappt«, beharrt Tori.

Doch mal ehrlich: Meine Freundin ist nicht gerade eine Expertin in Liebesdingen. »Du hast dich noch nicht mal getraut, Max eine Nachricht zu schreiben«, erinnere ich sie. Sie schwärmt nämlich schon seit neunzehn (!) Monaten für Max aus der Achten. Es hat uns sehr viel Mühe und noch mehr Schokolade gekostet, um einem Mädchen aus seiner Klasse seine Handynummer zu entlocken. Das ist inzwischen drei Wochen her und war anscheinend völlig umsonst. Denn Tori plant ihre erste SMS gründlicher als jeder Astronaut seinen Mondflug! Wahrscheinlich ist Max längst verheiratet mit fünf Kindern, bis sie sich für einen passenden Text entschieden hat. Zumindest halte ich ihr das immer vor – als Ansporn sozusagen. (Auch wenn ich es ja selbst nicht besser gemacht habe. Bis jetzt!)

Doch da strafft Tori ihre Schultern und sieht mich stolz an. »Und ob ich ihm geschrieben habe!«, kontert sie mit leuchtenden Augen.

Jetzt schaue ich mindestens so überrascht wie Cinderella, als aus ihrem Kürbis plötzlich eine Kutsche wurde. Meine Freundin hat ihrem Schwarm tatsächlich eine SMS geschickt! Einem Jungen aus der Achten! Offenbar haben meine Vorträge über Max und seine fünf Kinder geholfen. Tori ist schon jetzt meine Heldin!

»Was hast du ihm denn geschrieben?«, frage ich aufgeregt und verliere sogar für einen Moment das Interesse an sämtlichen Äpfeln im Biomarkt. Tori sieht sich kurz um, als ob sie Angst hätte, dass uns der Gemüsemann belauschen könnte. (Tatsächlich sieht er gerade zu uns rüber.)

Deshalb beugt sich Tori ganz dicht zu mir und flüstert: »›Hi.‹«

Irritiert sehe ich sie an: »Hi???? Du hast drei Wochen nachgedacht und ihm dann ›Hi!‹ geschrieben?«

Tori ist keine Heldin. Sie ist ein Überraschungsei! Da ist man auch gespannt, was drinsteckt – und enttäuscht, was rauskommt. Skeptisch frage ich: »Und was hat er darauf geantwortet?«

Tori verzieht ihr Gesicht: »›Wer bist du?‹«

Jetzt ist mir auch klar, warum sie bisher keinen Mucks davon erzählt hat, und ich beiße mir auf die Lippen. Tori sieht ziemlich unglücklich aus.

Tröstend lege ich einen Arm um ihre Schultern. »Und was hast du dann geschrieben?«, frage ich behutsam weiter und wappne mich für das, was da noch kommen mag.

Hoffentlich wird’s besser!

Meine Freundin zieht ihre Nase kraus. Jetzt schämt sie sich. Nase kratzen ist bei ihr Nachdenken. Nase kräuseln Schämen. »Ich habe geschrieben: ›Ein Mädchen aus deiner Schule.‹«

Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, doch ich ahne: Jetzt wird’s immer peinlicher. »Und dann? Mensch, Tori, lass dir doch nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen!«

»Dann wollte er wissen, welches von den fünfhundertsechsunddreißig Mädchen ich bin.«

Betroffen sehe ich meine Freundin an, dann drücke ich sie tröstend an mich. Das klingt ja nicht sehr vielversprechend … und ausgerechnet Tori will mir Liebes-Ratschläge geben?

Da halte ich mich lieber an meine Uroma: Die hat immerhin einen Erfolg vorzuweisen. Das scheint auch Tori endlich einzusehen. Sie seufzt abgrundtief. »Ach, vielleicht hat deine Uromi doch recht«, murmelt sie unglücklich.

»Hat sie«, erwidere ich siegesgewiss. »Und pass auf, wenn es bei Finn klappt, ziehen wir das Gleiche bei Max durch. Am besten nehmen wir gleich zwei Äpfel.«

Damit ziehe ich beschwingt zwei Jonagold-Prachtexemplare aus der kunstvoll aufgestapelten Pyramide heraus und halte sie Tori stolz unter die Nase. Die sieht mich entsetzt an. Genauer gesagt schaut sie entsetzt über meine linke Schulter. Und dann höre ich es auch schon poltern. Hinter mir setzt sich der ganze Apfelberg in Bewegung wie eine Lawine. Die Apfellawine poltert über den Kistenrand und bedeckt in null Komma nix den Boden. Unzählige rotbackige Jonagolds kullern links und rechts an meinen Füßen vorbei. Ich verziehe das Gesicht und würde in diesem Augenblick einem Schneewittchenapfel in Sachen Röte garantiert alle Ehre machen. Auweia!

Da, wo vorher die schöne Apfel-Pyramide war, steht jetzt ein zorniger Ladenbesitzer. Wie kommt der denn so schnell hierher?

»Erst alles antatschen und jetzt auch noch alles runterschmeißen!«, poltert er drauflos und stemmt seine Hände in die Seiten.

»Fallen die nicht eh vom Baum?«, versucht Tori, ihn zu beschwichtigen.

Der Ladenbesitzer schüttelt wütend den Kopf. »Nein, die werden gepflückt. Jonagold sind sehr empfindlich.« Das »sehr« zieht er regelrecht drohend in die Länge.

Betreten schaue ich auf die verbeulten Äpfel am Boden. Ich schlucke. »Dann kaufe ich sie eben«, verkünde ich tapfer.

Unglücklich sammele ich mit Tori alle Äpfel in die Papiertüten, die uns der Besitzer reicht. Je mehr Äpfel ich auflese, desto heißer wird mir: Hoffentlich reicht mein Geld überhaupt! Meine beiden schönen Äpfel lege ich zurück. Für die reicht es garantiert nicht mehr.

An der Kasse erfahre ich: Es reicht nicht einmal für die Äpfel vom Boden. Gut, dass Tori noch ein paar Münzen dabeihat, und lieb, dass sie sie mir leiht! Als wir mühsam unsere Euros und Cents zusammenkratzen, scheint der Ladenbesitzer fast Mitleid mit uns zu bekommen. Zum Abschied schenkt er uns eine Zimtstange, die wir unbedingt mitkochen sollen, damit das Apfelmus besser schmeckt. Und dann überreicht er uns sogar noch zwei besonders rotbackige Jonagold-Äpfel: »Hier, die sind richtig schön. Die schenke ich euch.«

Dann hält er uns die Tür auf (wahrscheinlich um sicherzugehen, dass wir auch wirklich verschwinden). Mit einem Seufzer schnappt Tori sich die beiden vollen Papierbeutel mit den Apfelmus-Äpfeln, während ich stolz die beiden schönen Äpfel in meinen Händen betrachte und zufrieden aus dem Laden marschiere.

Hinter mir höre ich Tori grummeln: »Jetzt habe ich mein ganzes Taschengeld für Äpfel ausgegeben!«

Ich drehe mich zu ihr um: »Aber selbst gekochtes Apfelmus schmeckt doch super!«, versuche ich sie aufzumuntern. Und rumms! Mit gehörigem Schwung pralle ich gegen etwas Weiches: einen großen jeansblauen Jungen. Gleichzeitig sehe ich wie in Zeitlupe meine schönen Äpfel durch die Luft fliegen, ich kreische auf. Hilflos mit den Armen rudernd, versuche ich beide zu fangen und muss entsetzt mit ansehen, wie der erste mit einem lauten »Platsch!« auf dem Boden aufschlägt. Ich bin wie erstarrt.

»Den können wir nicht einmal mehr zum Apfelmuskochen nehmen. Der ist Matsch!«, stellt Tori hinter mir trocken fest.

Den Tränen nahe starre ich zu Boden.

»Sorry, ich hatte wirklich keine Chance auszuweichen!«, sagt eine zerknirscht klingende Jungenstimme.

Als ich aufsehe, erkenne ich Robert, den Sohn des Ladenbesitzers. Er geht auch auf unsere Schule – mit Max in dieselbe Klasse. Deshalb setzt Tori auch sofort ihr breitestes Tori-Strahlen auf und sagt: »Die letzte Ausgabe der Schülerzeitung war echt spannend!«

Robert ist der Chefredakteur unserer neuen Schülerzeitung. »Danke!«, sagt er lächelnd und reicht mir dann einen Apfel. »Wenigstens einen konnte ich fangen.«

Robert ist zu meinem Glück nämlich auch noch der Star unserer Basketball-Schulmannschaft. Dankbar nehme ich den Apfel an mich. Nun habe ich wenigstens noch einen schönen Apfel zum Vergiften!

Mir wird wieder ganz warm ums Herz. Wie ein lieb gewonnenes Kuscheltier presse ich ihn an mich, damit ihm bloß nichts passiert, während wir schließlich aus dem Königskinderstieg in den Klabautermannweg einbiegen.

Die Straßen in unserer Siedlung haben alle so nette Namen. Tori wohnt in der Burgwedelgasse. Und ich im Wunderbrunnen. Alle Häuser sind rot verklinkert und haben weiße Fensterläden mit einem kleinen ausgesägten Vögelchen in der Mitte. Es sieht kuschelig und gemütlich aus.

Ich bin mir ganz sicher, dass meine Mutter unser Haus ausgesucht hat. Die mag so was. Papa findet eher moderne Häuser schön.

Es ist ein Riesenglück, dass wir hierhergezogen sind. Denn so habe ich Tori kennengelernt. Auf dem Spielplatz. Kaum, dass wir alleine sitzen konnten. Seitdem waren wir eigentlich immer zusammen. Beim Babyschwimmen, im Kindergarten, auf der Grundschule und jetzt auf dem Gymnasium.

Vorsichtig – damit ich bloß nicht den letzten heilen Apfel verliere oder die Apfelmus-Äpfel ein weiteres Mal runterfallen – hake ich mich bei meiner Schwester-Freundin unter. Ich könnte mir ein Leben ohne meine Tori niemals vorstellen. Mit einem wohligen Bauchgefühl sehe ich zu ihr hinüber und freue mich darauf, dass wir uns gleich einen gemütlichen Nachmittag machen werden – in unserem warmen Haus, mit einem warmem Kakao und meinem vor lauter Finn-Verliebtheit noch viel wärmeren Bauch. Morgen wird mein Verliebtmachungs-Plan glücken.

Da reißt Tori die Augen auf und bleibt ruckartig stehen. »Oh Gott, was ist denn hier passiert?« Wir stehen vor unserem Gartentor und ich sehe sofort, was sie meint. Inzwischen sieht unser kompletter Vorgarten aus wie ein frisch gepflügter Kartoffelacker. Wie viele Röhren will meine Mutter denn verlegen?!?

Aber immerhin ist mit dem Rasen auch der Maulwurfshügel verschwunden. Hoffentlich beruhigt sich Mama jetzt wieder, auch wenn es nicht danach aussieht: Aufgeregt läuft sie im Zickzack-Kurs um die hässlichen Erdhaufen herum und presst das Telefon ans Ohr. »Aber ich schaffe das nicht!«, ruft sie aufgebracht. Dabei schaut sie unglücklich auf ihre schmalen Hände, die so knallrot und von Schwielen überzogen sind, dass ich es sogar im Nieselregen mit etwas Abstand gut erkennen kann.

»Was meinen Sie?

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