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Lauras Heimsuchung (Unheimlicher Roman)

Lauras Heimsuchung

 

von Pete Hackett

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author (Peter Haberl)

© 2012 der Digitalausgabe 2012 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

 

»Hallo, Laura. Schön, dich wieder einmal zu sehen.«

Die dunkle Stimme erklang hinter Laura Phillip. Sekundenlang lauschte sie dem Klang hinterher. Ihre Freundin Susanne, die soeben gesprochen hatte, schwieg jetzt. Ihr Blick ging an Laura vorbei und war auf den Sprecher gerichtet.

Lauras Finger verkrampften sich um das Sektglas, das sie in der Hand hielt. Einen Moment hatte sie das Empfinden, als würde ihre Wirbelsäule versteifen. Ihr schmales, rassiges Gesicht verschloss sich und in ihre grünlichen Augen trat ein kühles Glitzern. Fast marionettenhaft langsam drehte sie sich um. Ihr Blick erfasste den Mann, der vor ihr stand. Er war groß, sein Gesicht war rundlich, sie sah seinen Doppelkinnansatz und die glatt zurückgekämmten, blonden Haare. Eine Art von Widerwillen stieg in ihr hoch. »Oh, Stefan. Wie geht es dir?«

Es war eine rein rhetorische Frage. Tatsächlich interessierte sie es nicht, wie es ihm ging. Das Thema Stefan Groß war für sie abgeschlossen. Die seelischen Wunden, die er ihr gerissen hatte, waren verheilt. Obwohl sich Laura bemühte, gelang es ihr nicht, ihre Unbehaglichkeit, die das Treffen mit Stefan in ihr hervorrief, zu überspielen. Sie hatte die vollen Lippen zusammengepresst und in ihren Mundwinkeln hatte sich ein herber Zug festgesetzt.

Um sie herum waren Stimmengewirr und Gelächter. Die Party war voll im Gang. Susanne veranstaltete sie anlässlich ihres fünfundzwanzigsten Geburtstags. Die Wohnung hatte sich in einen Hort der guten Laune und des Amüsements verwandelt.

Stefan Groß lächelte. »Es geht mir nicht schlecht«, antwortete er. »Was ich auch von dir hoffe.«

»Danke. Ich kann nicht klagen. Ich habe gehört, dass du seit einem halben Jahr in Heidelberg lebst. Hat es dich beruflich dorthin verschlagen?«

Stefan nickte. Sein Lächeln wirkte jetzt ein wenig starr. »Ich habe dort einen gut bezahlten Job angenommen. Außerdem habe ich in Heidelberg eine Frau kennen gelernt …«

Er brach ab. Sein Lächeln wirkte jetzt aufgesetzt. Er hob sein Glas und prostete Laura zu. »Ich freue mich wirklich, dich wieder einmal gesehen zu haben.«

Stefan Groß schwang herum und ging zu einer Gruppe von Leuten, die beim Fenster stand und die sich ausgesprochen zu amüsieren schien.

Laura atmete tief durch. Sie spürte, dass Susannes Blick auf ihr Gesicht gerichtet war.

»Geht es dir gut?«, fragte die Freundin.

Laura nippte an ihrem Glas. Die sprudelnde Flüssigkeit prickelte auf der Zunge. »Ja. Die Sache mit Stefan ist Geschichte. Warum hast du ihn eingeladen?«

»Wir sind alte Freunde.«

Laura verzog die Lippen. Sie fühlte sich nicht mehr wohl hier. Am liebsten wäre sie nach Hause gegangen. Aber dafür hätte Susanne sicher kein Verständnis aufgebracht. Darum entschied sie sich zu bleiben. Aber sie schwor sich, Stefan so gut es ging aus dem Weg zu gehen.

Susanne lachte hell auf. Sie griff nach Lauras Arm und zog sie mit sich fort zu einer Gruppe von jungen Leuten, die die Sitzgruppe belagerten. Irgendjemand schien einen Witz gemacht zu haben, denn stürmisches Gelächter empfing die beiden hübschen Frauen.

Laura konnte ihre Gedanken nicht von Stefan lösen. Sie fühlte sich beobachtet. Die junge Frau hörte die Gespräche um sich herum, doch sie konnte sich nicht darauf konzentrieren. Und dann kreuzte sich ihr Blick mit dem von Stefan. Sekundenlang starrten sie sich an. Laura blickte weg. Im nächsten Moment ärgerte sie sich darüber. Es gab für sie keinen Grund, seinem Blick nicht standzuhalten. Er war es, der sie betrogen und belogen hatte.

Sie spürte, wie sehr sie das Treffen mit ihm aufwühlte. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie ihn liebte. Als sie ihm auf die Schliche kam, war ihre Liebe in Hass umgeschlagen. Aber auch dieser Gemütszustand verging und Laura stand der Sache mit Stefan nur noch gleichgültig gegenüber.

An diesem Abend schien sich das schlagartig geändert zu haben. Erinnerungen stiegen in der jungen Frau hoch und hielten sie fest im Griff. Sie versuchte die Bilder, die aus den Nebeln der Vergangenheit stiegen, zu verdrängen. Es gelang ihr nicht.

Die Zeit verrann. Laura hatte es vermieden, Stefan anzusehen. Sie hatte versucht, sich mit Desinteresse zu wappnen. Es war ihr jedoch nicht verborgen geblieben, dass Stefans Interesse ausschließlich ihr galt. Die junge Frau verspürte Anspannung. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. Es war nach Mitternacht. Laura gähnte und wandte sich an Susanne. »Bist du mir böse, wenn ich mich verabschiede?«

Susanne schaute sie verblüfft an. »Du wirst doch nicht schlapp machen.«

»Ich bin müde«, murmelte Laura. »Es war eine anstrengende Woche.«

»Es ist wegen Stefan, nicht wahr?«

»Du irrst dich. Wie ich schon sagte …«

»Ich glaube dir kein Wort.«

»Ich bin wirklich müde, Susanne«, beteuerte Laura und erhob sich. »Ich werde dich im Laufe des Tages anrufen.«

Auch Susanne erhob sich. »Ich denke, du bist nicht umzustimmen.« Sie zuckte mit den Schultern. »Wahrscheinlich war es ein Fehler, Stefan einzuladen. – Wie kommst du nach Hause? Deinen Wagen solltest du nicht mehr benutzen. Immerhin hast du einige Gläser Sekt getrunken.«

»Ich rufe ein Taxi«, versetzte Laura. »Sei mir nicht böse, Susanne. Aber …«

Laura verstummte und vollführte mit den Händen eine hilflose Geste.

»Es war ein Fehler«, murmelte Susanne. »Es tut mir leid.«

Laura lachte gezwungen auf. »Mach dir keine Gedanken.« Dann umarmte sie ihre Freundin, wandte sich ab und verließ das Wohnzimmer. Im Flur befand sich die Garderobe. Laura nahm ihre dünne Jacke vom Haken und schlüpfte hinein.

»Du gehst schon?«

Es riss die junge Frau regelrecht herum. Von ihr unbemerkt war Stefan Groß in den Flur getreten. Er grinste schief. Seine blauen Augen funkelten.

Laura schluckte mühsam und fing sich. »Es ist nach Mitternacht, und ich bin müde. Ich wurde in der vergangenen Woche im Betrieb ziemlich gefordert. Außerdem habe ich wohl ein Glas Sekt zu viel getrunken. Ich bin wie benebelt.«

»Dann solltest du nicht mehr deinen Wagen benutzen«, gab Stefan zu bedenken.

»Habe ich auch nicht vor«, antwortete Laura. »Ich werde ein Taxi rufen. Mein Auto kann ich morgen holen.«

»Mein Wagen steht vor der Tür«, erklärte Stefan. »Ich habe mich mit dem Trinken zurückgehalten. Was hältst du davon, wenn ich dich nach Hause fahre?«

»Nicht nötig«, stieß Laura hervor.

»Warum können wir nicht normal miteinander umgehen, Laura?«, fragte Stefan fast bekümmert. »Sicher, du bist nicht gut auf mich zu sprechen. Aber …«

»Ich bin darüber hinweg«, fiel ihm Laura ins Wort.

»Dann sollten wir Frieden schließen«, meinte Stefan lächelnd. »Es wäre mir sehr viel daran gelegen.«

Ihr entging nicht das stumme Flehen in seinem Blick. Laura fragte sich, ob es echt war. Er hatte ihr monatelang Sand in die Augen gestreut. Darum fiel es ihr schwer, jetzt zu ihm Vertrauen zu fassen. Ihr Blick irrte ab, und wieder erzürnte sie die Tatsache, dass es ihr nicht gelang, ihm mit den Augen Paroli zu bieten. Es war, als würde sein Blick in ihr Hirn eindringen und ihre geheimsten Gedanken ergründen. Laura hatte das Gefühl, hypnotisiert zu werden. Und wie unter einem inneren Zwang nickte sie und sagte: »Meinetwegen. Du weißt ja, wo ich wohne.«

»Du kannst dir gar nicht vorstellen, was du mir für eine Freude bereitest.«

Stefan Groß zog seine Jacke an, dann öffnete er für Laura die Korridortür. Sie trat an ihm vorbei hinaus ins Treppenhaus. Er zog die Tür zu, dann stiegen sie nebeneinander die Treppe hinunter. Als sie ins Freie traten, empfing sie eine laue Nacht. Es war Mai und die Tage waren schon ziemlich warm.

Stefan Groß fuhr einen großen BMW. Per Fernbedienung öffnete er die Wagentüren. Laura setzte sich auf den Beifahrersitz und gurtete sich an. Sie konnte sich des Gefühls nicht erwehren, einen Fehler zu begehen. Aber sie war nicht stark genug, um die Sache abzubrechen.

Stefan Groß klemmte sich hinter das Steuer.

 

*

 

Die Gestalt war im schwarzen Schatten, der in der Durchfahrt herrschte, kaum auszumachen. Die Dunkelheit, die sie umgab, mutete fast stofflich und greifbar an. Es war ein Mann, der stoßweise durch die Nase atmete. Er beobachtete, wie Stefan Groß und Laura in den BMW stiegen. Der Motor wurde gestartet, die Lichter gingen an.

Die schemenhafte Gestalt in der Finsternis reckte die Schultern. Dann hob sie den Blick. Der Himmel war bewölkt. Vor dem kugelrunden Vollmond war die Wolkendecke aufgerissen. Das kalte Mondlicht lag auf den Dächern der umliegenden Häuser.

Der BMW fuhr los. Die düstere Gestalt setzte sich in Bewegung. Die Dunkelheit schien sie auszuspucken. Sie lief zu einem Kleinwagen, riss die Tür auf und warf sich hinein. Der Motor heulte auf. Von dem BMW waren nur noch die rot glühenden Rücklichter zu sehen. Der Kleinwagen folgte der schweren Limousine.

 

*

 

»Wohin fährst du? Das ist nicht die Richtung, in der ich wohne.«

Stefan Groß schwieg verbissen. Sie hatten die Wohngegend hinter sich gelassen und nun bogen sie auf die Landstraße ein. Die Lichtkegel der Scheinwerfer krochen vor dem Wagen her über den Asphalt. Zu beiden Seiten der Straße befanden sich Wiesen, Felder und Äcker. Langsam kletterte die Tachonadel in die Höhe.

»Halt an!«, stieß Laura hervor. »Ich will sofort aussteigen.« Ihre Stimme klang scharf und fordernd. Sie verspürte einen unangenehmen Druck in der Magengegend und ihr wurde klar, dass sie niemals in den BMW hätte steigen dürfen. »Du sollst anhalten!«

Jetzt brach Stefan Groß sein Schweigen. »Ich muss mit dir reden, Laura. Es ist mir klar geworden, als ich dich heute wieder gesehen habe. Ich habe erkannt, welch dumme Fehler ich gemacht habe. Du musst mich anhören.«

»Ich wüsste nicht, was es zwischen uns noch zu bereden gäbe!«, fauchte Laura. Zorn stieg in ihr hoch. »Kehr um und fahr in die Stadt zurück. Auf der Stelle!«

»Bitte, Laura …«

»Willst du dich etwa für deine Gemeinheiten und Unverschämtheiten entschuldigen?«, brach es über Lauras zuckende Lippen. Sie lachte auf; ein galliger Laut. »Das brauchst du nicht. Du …«

Stefan unterbrach die junge Frau: »Ich will nur, dass du mich anhörst, Laura. Wir fahren zu dem Platz im Wald, an dem wir beide so schöne Stunden erlebt haben. Du kannst das doch nicht vergessen haben.«

»Es ist aus und vorbei, Stefan. Zu entschuldigen brauchst du dich nicht, denn ich habe dir längst verziehen. Wir beide waren eben nicht füreinander bestimmt. Dass unsere Beziehung in die Brüche ging, betrachte ich als Fügung des Schicksals. Ich habe mich damit abgefunden.«

»Einige Dinge muss ich klären«, murmelte der Mann. Er fuhr schnell. Als er einen Blick in den Rückspiegel warf, sah er die Scheinwerfer eines Wagens, der ihnen folgte. Er fand daran nichts ungewöhnlich.

»Du brauchst keine Angst zu haben«, murmelte Stefan. »Ich will nichts weiter, als mit dir sprechen. Du sollst wissen, wie sehr mir alles leid tut.«

Von jetzt an schwiegen die beiden jungen Leute. Bei Laura legten sich nach und nach Zorn, Unsicherheit und Misstrauen. Von der Seite betrachtete sie Stefans Gesicht. Diesen Mann hatte sie einmal geliebt. Ihre Gefühle für ihn waren jedoch gestorben. Sie empfand nichts mehr für ihn. Er hatte sie enttäuscht und zutiefst verletzt. Sie hatte einen Schlussstrich gezogen. Jetzt war er wieder in ihr Leben getreten. Was wollte er? Er hatte ihre Neugier geweckt. In ihr war plötzlich unruhige Erwartung.

Empfand sie doch noch mehr für ihn als sie sich eingestehen wollte? Unsinn!, schoss es ihr durch den Sinn. Vergessen und vorbei! Er hat dich viel zu sehr gekränkt. Okay, okay. Lass ihn sich rechtfertigen. Du wirst ihm noch einmal sagen, dass du ihm nicht mehr böse bist. Und dann wird er dich nach Hause fahren.

Stefan Groß bog nach rechts ab. Wald begann, in den sich die schmale, unbefestigte Straße bohrte. Ein rundes Schild wies darauf hin, dass der Weg für Kraftfahrzeuge und Motorräder gesperrt war. Stefan Groß interessierte es nicht. Die Fahrbahn war holprig. Laura wurde durch und durch geschüttelt. Erneut bog der Mann ab. Und dann erreichten sie die kleine Lichtung. Stefan Groß bremste und schaltete den Motor aus. Die Scheinwerfer erloschen. Er öffnete seinen Gurt und lehnte sich auf dem Sitz zurück.

Kurze Zeit des Schweigens verstrich.

»Ich denke, du willst mit mir sprechen«, ergriff Laura das Wort und öffnete ebenfalls ihren Gurt. Er engte sie ein.

»Das ist richtig«, murmelte Stefan Groß und wandte sich ihr zu. »Ich wollte dich um Verzeihung bitten, Laura. Ich habe dich belogen und betrogen. Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich dich liebe. Es lässt mich nicht mehr los.«

»Ich habe dir längst verziehen«, erwiderte Laura. »Vergessen kann ich jedoch nicht, was du mir angetan hast.«

»Bist du wieder in einer Beziehung?«

»Bis vor drei Wochen war ich mit einem Mann namens Roland Mendel zusammen. Er ist Rechtsanwalt und hat hier in der Stadt vor knapp einem Jahr eine eigene Kanzlei eröffnet.«

»Zwischen euch läuft nichts mehr?«

»Nein. Ich habe das Verhältnis beendet. Roland ist ein Egoist, er ist autoritär und exzentrisch. Ich habe das im Laufe von drei Monaten herausgefunden und die Sache beendet.« Laura lächelte. »Ich glaube, ich gerate immer an die falschen Männer.«

»Es gelingt mir nicht, dich zu vergessen, Laura«, wechselte Stefan Groß unvermittelt das Thema.

»Gib dir keine Mühe«, sagte Laura mit hartem Unterton. Ihre Stimme klang entschieden. »Jedes weitere Wort in dieser Sache wäre in den Wind gesprochen. Als ich damals das Verhältnis mit dir beendete, war das unumstößlich.«

»Ich habe mich geändert, Laura. Ich weiß jetzt, dass es wichtigere Dinge gibt im Leben als irgendwelche Frauen zu erobern und …«

Stefan Groß verstummte, als ein durchdringendes, lang gezogenes Heulen erschallte. Es steigerte sich zu einem schrillen Misston. Trotz der geschlossenen Autofenster war es deutlich zu hören gewesen. Ebenso abrupt, wie es eingesetzt hatte, brach es wieder ab.

»Was war das?«, fragte Laura. Sie verspürte Beklemmung. Ihr Herz schlug schneller.

»Hörte sich an wie ein Wolf«, erklärte Stefan Groß, schüttelte den Kopf und fügte hinzu: »Aber hier gibt es keine Wölfe. Vielleicht ein streunender Hund. Mach dir keine Gedanken, Laura. Hier im Auto sind wir sicher.«

»Es klang ganz nah«, meinte Laura.

»Mach dir keine Sorgen. Wie ist es, Laura? Gibst du mir noch eine Chance?«

»Lass uns von hier verschwinden«, drängte die junge Frau. »Hier ist es mir nicht geheuer. Das Heulen eben …«

»Solange ich bei dir bin brauchst du dich nicht …«

In diesem Moment wurde die Beifahrertür aufgerissen. Ein wütendes Fauchen erklang, Laura wurde gepackt und aus dem Auto gezerrt. Sie schrie entsetzt auf. Einzelheiten konnte sie nicht erkennen. Sie registrierte lediglich zwei phosphoreszierende Punkte – Augen, die sie mit einem teuflischen Ausdruck anstarrten.

Ein gefährliches Grollen stieg aus der Kehle des Angreifers. Schaler Atem streifte das Gesicht der jungen Frau. Dann erhielt sie einen Schlag und sie fiel zu Boden. Zum Entsetzen gesellte sich die Verzweiflung. Wie eine alles verschlingende Welle überschwemmte sie Lauras Bewusstsein. Das Herz wollte ihr in der Brust zerspringen.

In dem Moment tauchte Stefan Groß auf. Er warf sich auf den großen Schemen, der sich nach Laura bücken wollte. »Lauf weg, Laura!«, brüllte der Mann. Er schlug nach dem Kopf der Bestie. Seine Fäuste trafen auf Widerstand. Mit einem gefährlichen Knurren wandte sich der unheimliche Angreifer Stefan Groß zu. »Laura, mein Gott, verschwinde!« Stefans Groß' Stimme überschlug sich geradezu.

Wie im Trance kam Laura auf die Beine. Sie sah die beiden Gestalten miteinander ringen. Und jetzt konnte sie durch die Dunkelheit den Wolfskopf des Angreifers erkennen. Ein ächzender Laut des ungläubigen Staunens entrang sich der Frau. Wie von Schnüren gezogen setzte sie sich in Bewegung. Mechanisch setzte sie einen Fuß vor den anderen. Jeglichen Gedankens, jeglichen Willens beraubt taumelte Laura zwischen die Bäume. Ein dicker Teppich aus Moos und abgestorbenen Föhrennadeln schluckte ihre Schritte. Die Panik peitschte sie vorwärts. Tiefhängende Zweige streiften ihr Gesicht und sie hatte jedes Mal das Empfinden, von eiskalten Fingern berührt zu werden.

Und dann erklang wieder das furchtbare Heulen. Als wäre sie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen, hielt Laura an. Der Heulton stieß gespenstisch durch den Wald und drohte ihr das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Ihre Zähne schlugen wie im Schüttelfrost aufeinander. Und einen Moment fragte sie sich, ob das alles nicht nur ein böser Traum war.

Aber die Finsternis war Realität, ebenso wie die erschreckende Stille, die nach dem Heulen eingekehrt war, wie der Geruch von Harz und die Äste, die wie Totenhände nach ihr zu greifen schienen.

Lauras Puls jagte das Blut durch ihre Adern. Ihre Knie waren weich und sie spürte das Zittern ihrer Hände. Womit hatte sie es zu tun? Es war die Gestalt eines Menschen gewesen – eines Mannes, der den Kopf eines Wolfes besaß. Maskerade?

Lauras Atem ging schnell. Ihre Lungen pumpten. Ihr Hals war wie ausgetrocknet. Nicht der geringste Laut war mehr zu hören. Die junge Frau hatte keine Ahnung, wie weit sie sich vom Auto entfernt hatte. Sie wusste auch nicht, wie viel Zeit verstrichen war, seit sie von dem Unhold aus dem BMW gezerrt wurde.

Was war aus Stefan Groß geworden?

Laura erschauerte. Eine unsichtbare Hand schien sie zu würgen. Stille und Dunkelheit, die sie umgaben, verstärkten das Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit.

Die junge Frau versuchte, Klarheit in ihr Denken zu bringen. Sie hatte keine Chance. Ihre Atmung beruhigte sich. Sie lauschte angespannt.

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