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Lassiter Sammelband 1826

Inhalt

Jack Slade
Lassiter - Folge 2359
Eigentümlich ergriffen blickte Ed Hardegan dem Mann nach, der soeben seine Anwaltskanzlei verlassen hatte. Er war kein gewöhnlicher Klient gewesen, hatte sich mit dem Namen Lassiter vorgestellt und sich damit als Beauftragter der Brigade Sieben ausgewiesen. Es waren nur wenige Worte gewechselt worden, dann hatte Lassiter seine Unterlagen entgegengenommen und war gegangen.

Umso überraschter war Hardegan, als die Tür seines Office wenige Minuten später erneut aufschwang. Erst dachte er, der große Mann mit den wie versteinert wirkenden Zügen wäre zurückgekommen, doch schon einen Augenblick darauf sah er ein fremdes Gesicht im Eingang.
"An sich wollte ich gerade abschließen", meinte Ed Hardegan. "Kann ich Ihnen trotzdem irgendwie weiterhelfen?"

Der Unbekannte lächelte versonnen. "Das können Sie", sagte er. "Da bin ich ganz sicher."


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Lassiter - Folge 2360
Der Zug fuhr bergab. An den Waggonfenstern glitten Waldhänge vorüber, die Räder ratterten monoton. "Große Straße", sagte Clint Tiffany und legte sein Blatt auf die Sitzbank. Seine Mitspieler fluchten und Tiffany strich den Pot ein. "War mir ein Vergnügen, Gentlemen." Er stand auf und stelzte zum Fenster ganz vorn im Waggon. Dort stand die Blonde, mit der er schon seit Cheyenne Blicke austauschte. Sie tat, als schaue sie in die Wildnis hinaus. In Wirklichkeit, da war er sicher, wartete sie darauf, dass er sie ansprach. "Noch drei Stunden bis Bitter Creek", sagte er. "Kann man Sie kennenlernen, Ma'am?"
"Wenn Sie sich beeilen?" Sie lächelte. "Ich steige nämlich in Bitter Creek aus." Mitten in den Bergen?, wollte Tiffany fragen, doch plötzlich kreischten die Bremsen. Der Ruck schleuderte Tiffany und die Frau in eine Sitzbank. Kurz darauf stand der Zug still.


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Lassiter - Folge 2361
Der grauhaarige Kassierer, dem der Lauf des schussbereiten Peacemakers an die Schläfe gedrückt wurde, zitterte am ganzen Leib. "Bitte, Mr. Jones!", keuchte er. "Wenn Sie wissen, wo der Schlüssel ist, dann sagen Sie's ihnen!"
Rob Jones, der Bankvorsteher, stand vor dem Aktenschrank neben der Verbindungstür, die Hände hoch in die Luft gereckt. Links neben ihm kniete Wisby, der Laufbursche, und schwitzte Blut und Wasser.
Vor ihnen, im Kundenraum der Monk & Blossom Bank, standen die Bankräuber: zwei Gestalten mit geschlitzten Masken vor dem Gesicht. Sie warteten auf die Reaktion des Vorstehers.
"Der Direktor hat ihn", sagte Jones leise. "Er trägt den Schlüssel immer am Mann."
"Du lügst!", gellte die Stimme einer Frau.
Im nächsten Augenblick krachte ein Schuss und der Graukopf am Schalter brach tot zusammen.


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Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Blutschwur des Outlaws
  4. Vorschau

Der Blutschwur des Outlaws

Eigentümlich ergriffen blickte Ed Hardegan dem Mann nach, der soeben seine Anwaltskanzlei verlassen hatte. Er war kein gewöhnlicher Klient gewesen, hatte sich mit dem Namen Lassiter vorgestellt und sich als Beauftragter der Brigade Sieben ausgewiesen. Es waren nur wenige Worte gewechselt worden, dann hatte Lassiter seine Unterlagen entgegengenommen und war gegangen.

Umso überraschter war Hardegan, als die Tür seines Office wenige Minuten später erneut aufschwang. Erst dachte er, der große Mann mit den wie versteinert wirkenden Zügen wäre zurückgekommen, doch schon einen Augenblick später sah er ein fremdes Gesicht im Eingang.

»An sich wollte ich gerade abschließen«, meinte Ed Hardegan. »Kann ich Ihnen trotzdem irgendwie weiterhelfen?«

Der Unbekannte lächelte versonnen. »Das können Sie«, sagte er. »Da bin ich ganz sicher.«

Halbherzig erwiderte Hardegan das Lächeln. Der Kerl war ihm nicht geheuer. Er machte auf den Rechtsanwalt unwillkürlich den Eindruck eines Taschenspielers, der immer noch ein zusätzliches Ass im Ärmel hatte.

Eingehend betrachtete Ed Hardegan sein Gegenüber. Er trug einen scharf ausrasierten Backenbart, der ihn älter erscheinen ließ, als er in Wirklichkeit war. Der Anwalt und Notar schätzte den Mann auf knappe dreißig. Auffällig war seine Haltung, die seine innere Anspannung verriet. Jemand wie er war ständig auf der Hut und verstand es, nicht nur mit seinen Fäusten, sondern auch mit seinem Colt umzugehen. Die Frage, die sich förmlich aufdrängte, war, was dieser Kerl in Hardegans Büro zu suchen hatte.

»Sind Sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten?«, wollte Hardegan wissen. »Haben Sie bereits einen Gerichtstermin und brauchen anwaltlichen Beistand?«

Das Lächeln des Fremden verstärkte sich. Als wollte er seinen nachfolgenden Worten das entsprechende Gewicht verleihen, legte er seine Rechte auf den Knauf seines Revolvers. »Ich kann mich ganz gut selbst verteidigen.«

»Also schön«, erwiderte der Anwalt, warf einen Blick auf die Standuhr in der hinteren Ecke seines Büros und ärgerte sich, nicht unmittelbar hinter Lassiter seine Räumlichkeiten verschlossen zu haben. »Kommen Sie zur Sache. Ich habe wirklich nur wenig Zeit.«

Wortlos drehte sich der späte Besucher um, zog die Jalousie über der Tür herunter und drehte den Schlüssel im Schloss. Dann wandte er sich wieder Hardegan zu. »Darum sollten Sie sich keine Sorgen machen. Ich denke, wir werden ungestört sein.«

Eine eisige Klaue griff nach Ed Hardegans Herz. Der Fremde machte ihm Angst. Das Verschließen der Tür war nicht nur die dramatische Geste eines Klienten, der ein Geheimnis bewahren wollte. Es war Ausdruck einer Gesinnung, die sich gegen Hardegans Leben richtete. Und erstmals fürchtete der Anwalt um seine Unversehrtheit.

»Was … was wollen Sie, Mister?«, brachte Hardegan stockend hervor.

»Nennen Sie mich Terry«, sagte der Mann und strich mit den Fingerkuppen über seinen Bart. Das Ergebnis stellte ihn offensichtlich nicht zufrieden, denn er fügte hinzu: »Der Barbier sollte seine Messer wetzen, bevor er auf seine Kunden losgeht. – Hassen Sie es nicht auch, für stümperhafte Arbeit hart verdiente Dollars hinzublättern, Ed?«

Hardegan war nicht erstaunt, dass der Kerl seinen Vornamen kannte, schließlich stand er auf dem zierlichen Messingschild gleich neben der Eingangstür. »Ja«, bestätigte er eilig. »Schlechte Arbeit verdient keinen Lohn.«

»Eigentlich wollte ich mich mit Ihnen nicht über die Dienstleistungsbranche unterhalten, Ed …«

Hardegan schluckte hart. »Was möchten Sie wissen? Immer raus damit! Wir sind unter uns.«

Der Mann, der sich als Terry vorgestellt hatte, wanderte ein paar Schritte durch das Office, drehte Hardegan seinen Rücken zu, um einige Wandbilder anzuschauen, und kam schließlich auf den Anwalt zu. Auf der Ecke eines wuchtigen Schreibtischs ließ er sich nieder. »Ihr letzter Kunde …« Kurz hielt er inne, überlegte und fragte: »Sagt man in Ihrem Gewerbe eigentlich Kunde? Sie haben doch sicherlich eine bestimmte Bezeichnung.«

»Klient«, stellte der Rechtsanwalt richtig und konnte seine Nervosität kaum mehr im Zaum halten. »Letztlich läuft es auf dasselbe hinaus, aber ein Advokat ist nun mal kein Schmied.« Hardegans verlegenes Lächeln konnte nur oberflächlich seine Unsicherheit verbergen. Er strich über sein leicht gewelltes Haar und rückte die Brille auf seiner Nasenspitze zurecht.

»Dieser Klient«, griff Terry den Begriff auf und betonte ihn sonderbar, »was hat er von Ihnen gewollt?«

Hastig hob Ed Hardegan beide Arme. »Darüber darf ich nichts sagen. Anwaltliche Schweigepflicht, wenn Sie verstehen.«

»Natürlich verstehe ich. Aber glauben Sie mir eins: Es ist mir völlig gleichgültig.«

Hardegan wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Trotzdem versuchte er, sich zu behaupten. »Ich kann und werde Ihnen nichts über meine Klientel mitteilen! Diese Menschen haben mir ihr Vertrauen ausgesprochen. Zudem bin ich an meinen Kodex gebunden.«

»Dachte ich’s mir doch!«, gab Terry zur Antwort. »Sie wollen mir eine offene und ehrliche Aussage verweigern, weil Ihr Pflichtgefühl Sie davon abhält. Wie aber steht es mit Ihrem Überlebensinstinkt? Wird er sich ebenfalls derart störrisch zeigen?« Übergangslos lag ein schwerer Revolver in Terrys Hand. Die Mündung wanderte von Hardegans Stirn hinab zu seinem Bauch, schwenkte einige Male hin und her und verharrte schließlich auf seinem rechten Oberschenkel.

»Bitte, Mister!«, stieß Ed Hardegan aus. »Tun Sie nichts, was Sie im Nachhinein bereuen werden! Wollen Sie denn nicht begreifen, dass ich Ihnen nichts sagen kann?«

Ein Schuss donnerte. Gnadenlos fraß sich die Kugel in Hardegans Bein, riss ein Loch in seine Hose und hinterließ einen Krater aus aufgeworfenem Fleisch. Schreiend zuckte der Anwalt zurück, krachte rücklings gegen die Wand und presste beide Hände auf die Wunde. Als er wieder aufsah, waren Tränen aus Schmerz und Verzweiflung in seinen Augen.

»Das tut weh, nicht wahr?«, sagte Terry gelassen, und es lag kein Spott in seiner Stimme. »Es ist ganz anders als in diesen kitschigen Romanen. Vergleichbar mit einem Nagel, der Ihnen durch die Hoden getrieben wird. Der Schmerz ist nur die eine Seite der Medaille, das Wissen, unwiderruflich gezeichnet zu sein, die andere.«

»Töten Sie mich nicht, Mister!«, entfuhr es Ed Hardegan. Mit Mühe hielt er sich auf den Beinen. Zwischen seinen Fingern, die sich auf das Einschussloch pressten, pulste tiefrotes Blut hervor.

»Warum sollte ich Sie töten?« Terry hob seine Brauen und schüttelte verwundert den Kopf. »Tote reden nicht! Aber ich will, dass Sie reden. Und irgendwann erreicht jeder Mann den Punkt, an dem er sich nur eine einzige Frage stellt: Ist mein Schweigen es wert, den Rest meines Lebens als Krüppel zu verbringen?«

»Was … haben Sie vor?« Hardegans Blick verschleierte sich. Schon jetzt war der Schmerz kaum zu ertragen, aber er hielt ihm stand. Was konnte Terry schon aufbieten, um seine Pein zu steigern …?

»Ich nehme Ihnen Ihre Zehen und Finger, jeden einzelnen und in strenger Reihenfolge. Danach werde ich Ihre Arme und Beine unbrauchbar machen. Sollten Sie im Anschluss immer noch für sich behalten wollen, was ich wissen möchte, sind Ihre Augen dran …« Freudlos lachte er auf. »Sie wären allerdings der Erste, der bis dahin durchhält.«

»Sie sind eine Bestie!«, keuchte Hardegan. »Wie kann sich jemand an den Qualen seiner Mitmenschen weiden?«

Terry winkte ab. »Es macht mir keine Freude, das dürfen Sie mir glauben. Es ist ein notwendiges Übel, in dem ich eine gewisse Meisterschaft erlangt habe. Aber auch für mich hat es Rückschläge gegeben, die mich eine Zeit lang frustriert haben. Dieser Farmer etwa, der seinen Grundbesitz nicht verkaufen wollte, hat sich so lange verstümmeln lassen, bis er nicht mehr sprechen konnte. Irgendwie war er geistig weggetreten. Ich musste ihn erschießen.«

»Sie haben mein Mitgefühl«, presste Hardegan hervor, schluckte aber seinen Sarkasmus herunter, als sich die Revolvermündung auf seine Stiefelspitze richtete.

»Wie sieht es aus, Ed? Gehen wir über zur nächsten Runde, oder ist Ihnen etwas eingefallen, das mich interessieren könnte?«

»Du sollst verrecken, du miese Drecksau!«, gellte der Anwalt.

Terry drückte ab. Hardegans Stiefelspitze platzte auf. Ein Schrei, der nur noch entfernt an den eines Menschen erinnerte, hallte von den Wänden wider. Haltlos brach Hardegan zusammen und wälzte sich kreischend am Boden. »Lassiter!«, schrie er. »Der Mann heißt Lassiter! Er ist hinter einem Kerl namens Sonny Red her und auf dem Weg nach Colorado Springs!«

Der eiskalte Schütze zeigte sich beeindruckt. »Sie beantworten bereits Fragen, die ich noch gar nicht gestellt habe. Verzeihen Sie meine Verwirrung, aber das ist neu für mich. Ich hatte angenommen, es mindestens bis zum zweiten Fuß zu schaffen.«

Eine Erwiderung blieb Ed Hardegan schuldig. Das Ziehen, Stechen und Brennen seiner Verletzungen wollte ihm die Besinnung rauben. Vergleichbares hatte er nicht im Entferntesten mitgemacht. Daher hörte er Terrys letzte Worte wie durch einen Watteschleier, der sich schützend vor sein Bewusstsein gelegt hatte.

»Das war’s dann wohl, Ed. Ich bin heilfroh, dass du mich nicht zum Äußersten gezwungen hast. Manchmal widert mich meine Arbeit wirklich an.«

Ein Schlüssel wurde herumgedreht, eine Tür aufgezogen und sanft wieder geschlossen. Das verhaltene Pfeifen einer fröhlichen Melodie drang an Ed Hardegans Ohren.

Eine Weile noch blieb der Rechtsanwalt liegen, bis er sich unter Ächzen und Stöhnen aufstemmte, an seinen Schreibtisch setzte und seinen Körper lang ausstreckte. Und plötzlich war es nicht mehr nur der Schmerz, der unaufhörlich durch seinen Körper raste, sondern auch eine Erkenntnis, die nicht minder gravierend war.

Er hatte einen Agenten der Brigade Sieben verraten.

Das würde nicht ohne Konsequenzen bleiben.

***

Flagstaff lag zwanzig Meilen hinter Lassiter und Colorado Springs geradewegs voraus. Gemächlich ritt der Brigade-Agent in die Stadt ein und fand schon nach kurzer Zeit ein Hotel, in dem er sich niederlassen konnte. Er bezahlte für eine Woche im Voraus, hoffte aber, den Auftrag früher zum Abschluss zu bringen. Auf seinem Zimmer holte er die Dokumente hervor, die er von Ed Hardegan erhalten hatte, und setzte sich aufs Bett.

Neben schriftlichen Notizen fand er in seinem Dossier auch einen Steckbrief vor. Den beiliegenden Erläuterungen entnahm Lassiter, dass es sich um Jahre altes Archivmaterial handelte. Das abgebildete Konterfei, das auf einer blassen Fotografie beruhte und mit feinen Strichen nachgezeichnet worden war, mochte demnach nicht zwingend dem gegenwärtigen Aussehen des Gesuchten entsprechen. Dennoch regte sich in dem Brigade-Agenten eine fast schon vergessene Erinnerung, die ihm das Antlitz des Outlaws seltsam vertraut erscheinen ließ.

Sonny Red, las Lassiter den Namen des Mannes, der in großen ausgebleichten Lettern oberhalb der ausgelobten Fangprämie stand. Damals war sein Kopf noch zweitausend Dollar wert gewesen, was sich angesichts der langen Liste seiner Straftaten eher bescheiden ausmachte. Nach seiner Festnahme hatte er zwei Jahre in einem County-Jail verbracht, hatte vier Jahre mit anderen Gefangenen Gleisbauarbeiten durchgeführt, war auf freien Fuß gesetzt und sechs Monate später bereits wieder eingebuchtet worden. In dieser kurzen Zeit hatte er seinem Konto schwere Körperverletzung, Raubmord, Mord und diverse Kleindelikte von Nötigung bis Erpressung hinzugefügt. Das hatte ihm weitere neun Jahre Zuchthaus eingebracht, allerdings nicht in einem normalen Gefängnis, sondern in einer Strafkolonie der US-Army.

In diesem Zusammenhang stellte sein neustes Vergehen für Lassiter keine große Überraschung dar. Sonny Red, ehemals Sergeant der Unionstruppen, hatte in aller Öffentlichkeit einen hochdekorierten Major samt Adjutanten erschossen und war dabei mit einer Brutalität vorgegangen, die sich mit seinen früheren Taten bei der Army deckte. Auch zu diesen Vorfällen der Vergangenheit gab es umfangreiche Auflistungen, die Lassiter einen guten Eindruck davon gaben, mit wem er es zu tun hatte. Während seiner Armeezeit hatte Sonny Red eine Vielzahl an Disziplinarstrafen wegen Befehlsverweigerung, Misshandlung von Untergebenen und unverhältnismäßiger Gewaltanwendung gegen den Feind erhalten. Lediglich sein verbissener Einsatz im Kampf sowie seine hohe Erfolgsquote hatten schlimmere Maßnahmen verhindert.

Ein richtiger Sonnenschein, dachte Lassiter und legte seine Dokumente beiseite. Er streckte sich auf dem Bett aus und verschränkte seine Arme hinter dem Kopf. Alle möglichen Gedanken zogen an ihm vorüber, und sie hatten hauptsächlich mit Whiskey und Frauen zu tun.

Nebenbei überlegte er, wie er Sonny Red am besten aufspüren konnte. Den Major hatte er in einem Kaff namens Englewood erschossen, das etwa auf halber Strecke zwischen Denver und Colorado Springs lag. Die Brigade vermutete allerdings, dass Red auf seiner Flucht die Hauptlinie der Kansas-Pacific-Railroad meiden würde, was Denver für den Gesetzlosen zur Tabuzone machte. Zwangsläufig musste er auf die Nebenstrecken ausweichen, sodass Lassiter lediglich die Railway Station vor Ort im Auge behalten musste. Lief es gut, würde er Sonny Red rasch dingfest gemacht haben, lief es hingegen schlecht, war der Killer bereits über alle Berge.

Lassiter wollte keine Zeit verschwenden und sprang auf. Er nahm seinen Remington zur Hand, überprüfte die Beweglichkeit von Hahn, Trommel und Abzug und wollte sein Zimmer verlassen. Plötzlich aber ließen ihn laute Rufe und spitze Schreie auf der Mainstreet innehalten. Der Agent wanderte zum Fenster, zog die Vorhänge auseinander, blickte hinunter und glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können.

Eine junge Frau mit langen dunklen Haaren war in einen Faustkampf mit zwei ebenfalls jungen Burschen verwickelt. Allein diese Tatsache rechtfertigte einen Laut der Verblüffung, doch erstaunlicher war, dass die Frau wie ein Kerl austeilte. Ihre Widersacher landeten zwar den ein oder anderen Schlag, konnten die Auseinandersetzung aber nicht für sich entscheiden und mussten derbe Hiebe schlucken.

Amüsiert betrachtete Lassiter die Szene einige Sekunden, entschied sich dann aber dazu einzugreifen, bevor sich das Blatt für die resolute Kämpferin wendete. Keine halbe Minute brauchte er bis zur Straße, sah aber auf Anhieb, dass er zu spät gekommen war. Ächzend und stöhnend lagen die beiden Kerle im Staub, rafften sich aber in Windeseile auf, als sie Lassiter bemerkten, der breitbeinig dastand, die Fäuste in die Hüften gestemmt hatte und sie verächtlich anfunkelte.

»Sie haben kein gutes Auge bei der Wahl Ihrer Liebschaften«, sagte der Agent zu der attraktiven Brünetten.

»Diese Schlappschwänze wollten mir an die Wäsche!«, regte sie sich auf und wischte sich einen Blutfaden aus dem Mundwinkel. »Und Ihnen rate ich auch, Ihre Finger bei sich zu behalten.«

Der Mann der Brigade Sieben trat näher. »Lassiter«, stellte er sich vor, tippte an die Krempe seines Stetsons und setzte ein entwaffnendes Lächeln auf.

»Myriel Wintergate«, nannte auch die Frau ihren Namen.

»Darf ich Sie zu einem Drink einladen?«, fragte Lassiter freundlich.

»Warum?«, entfuhr es Myriel abwehrend. »Glauben Sie, leichteres Spiel zu haben, wenn Sie mich betrunken machen?«

»Ich glaube«, erwiderte Lassiter ruhig, »dass Sie nach der Aufregung ein wenig Entspannung vertragen könnten. Außerdem sind betrunkene Frauen nun wirklich nicht mein Fall, Miss Wintergate.«

Myriel gab einen verächtlichen Laut von sich und murmelte: »Sie können mir viel erzählen.« Ihre Abneigung aber legte sich. »Sie können mir im Saloon einen spendieren. Er ist nur ein paar Schritte entfernt.«

Wenige Minuten später saßen sie sich an einem kleinen runden Tisch gleich neben dem Eingang des Saloons gegenüber. Lassiter hatte sich einen Whiskey bestellt und seiner Begleiterin einen Sherry. Ehe er ihr zuprosten konnte, hatte Myriel ihr Glas bereits in einem Zug geleert und leckte über den Rand. »Was führt Sie nach Colorado Springs?«, fragte sie. »Wollen Sie ein günstiges Grundstück erwerben, eine Ranch kaufen oder sich einfach in den Trubel werfen?« Sie lachte hell auf. »Beim Straßenfest in wenigen Tagen wird sich die Stadt in ein Tollhaus verwandeln.«

»Nichts von alldem«, antwortete Lassiter ausweichend.

Mit verschwörerischem Blick beugte sich Myriel Wintergate vor, hob eine Hand vor ihren Mund und flüsterte: »Hat Ihre Frau Sie sitzen lassen? Sind Sie ein verzweifelter Familienvater auf der Suche nach dem verlorenen Glück?«

»Ich bin geschäftlich in der Stadt«, meinte Lassiter und machte eine abwehrende Geste. »Aber genug von mir. Was ist mit Ihnen? Wie kommt es, dass Sie sich so gut verteidigen können?«

Wieder ließ Myriel ein helles Lachen erklingen, aber dieses Mal lag keine Heiterkeit darin. »Wenn ich ehrlich sein soll«, begann sie, musterte ihr Gegenüber und schien mit dem Befund zufrieden, »ist es eine Art Trotzreaktion. Meine Familie ist wohlhabend, mein Leben behütet. Normalerweise kann ich keinen Schritt tun, ohne dass meine Eltern davon wissen.«

»Also sind Sie ausgebüxt und haben zwei Jungs provoziert, um ihnen aufs Maul zu hauen?« Es war Frage und Feststellung in einem.

»Wir haben ein wenig geschäkert, aber dann wollten die Kerle mehr«, erklärte Myriel, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. »Ja, vielleicht haben Sie sogar Recht. Vielleicht wollte ich wirklich nur ein bisschen Dampf ablassen. Mein Dasein kann manchmal wirklich frustrierend sein.«

»Andere Frauen Ihres Alters wären froh, eine gesicherte Zukunft zu haben«, hielt Lassiter dagegen. »Was ist so schlimm daran, sorgenfrei in die Zukunft zu blicken?«

»Sie wollen wissen, was Schlimmes daran ist?«, platzte es aus der Dunkelhaarigen heraus. »Ich sage es Ihnen, Mister Lassiter! Von früh bis spät werde ich bemuttert und gegängelt! Was ich auch tue, es ist nie richtig. Das betrifft die Etikette bei Tisch, die Wahl meiner Kleidung und tausend andere Sachen mehr. Sogar meinen zukünftigen Ehemann haben meine Eltern bereits ausgewählt und lassen keine Gelegenheit aus, mich mit ihm zu verkuppeln. Es ist die reinste Schikane! Ich will etwas erleben, von der Freiheit der gewöhnlichen Bürger kosten und mich in wilde Abenteuer stürzen! Ist das wirklich so schwer zu verstehen?« Lauernd schaute Myriel den Agenten an.

Lassiter winkte ab. »Es liegt mir fern, Sie zu verurteilen. Sie wissen selbst am besten, was Sie wollen.«

Für einige Augenblicke trat Schweigen ein, in denen Myriel Wintergate verlegen den Blick senkte, sich schließlich sprunghaft erhob und verabschiedete. »Ich muss los! Danke für den Likör.« Ohne ein weiteres Wort verließ sie eilig den Saloon.

Der Brigade-Agent schaute ihr nach, bis sie seinem Blickfeld entschwand. Er zahlte die Drinks und machte sich auf den Weg zum Bahnhof, musste aber immer wieder an Myriel denken. Irgendetwas sagte ihm, dass sie sich nicht zum letzten Mal gesehen hatten.

***

Einen Blick in den Saloon warf Myriel Wintergate nicht mehr. Dieser Lassiter war weder interessant genug gewesen, um sich länger mit ihm zu unterhalten, noch hatte er sie von seinem Äußeren her übermäßig angesprochen. Und er hatte geredet, als wäre er ihr Vater. Diese Daddy-Typen mochten im Bett sicher eine Menge Erfahrung mitbringen, aber eine junge Frau wie Myriel erwartete doch noch ein bisschen mehr von einem Mann. Da hätte sie ja auch gleich jauchzend Rupert heiraten können, diesen affektierten Allergiker, den Myriels Eltern für sie ausgesucht hatten.

Im Gehen rieb die Brünette über ihre Handknöchel und zuckte bei der Berührung zusammen. Erst jetzt bemerkte sie, was sie sich zugemutet hatte. Die Knochen der lüsternen Burschen waren hart wie Eichenholz gewesen, doch Myriel hatte blindlings auf sie eingedroschen. Ihren Übermut würde sie noch ein paar Tage bedauern.

Sie beschleunigte ihren Schritt. Wenn alles gut ging, war sie wieder zu Hause, ehe ihre Eltern zurückkehrten. Zwar zeigte sich Myriel ihrem Vater und ihrer Mutter gegenüber gern einmal trotzig, aber heute hatte sie keine Lust darauf, dass der Haussegen schief hing. Sie musste nur schnell zu ihrem Appaloosa, den sie in einer Seitenstraße untergestellt hatte, und dem Hengst die Sporen geben. Inez, ihre Haushälterin, würde sie nicht verraten, dafür verstanden sich die beiden Frauen zu gut.

Die Seitenstraße war schon in greifbarer Nähe, als sich eine Hand auf Myriels Schulter legte und sie zum Halten zwang. Wütend wirbelte sie herum, rechnete mit den zwei Strolchen, die sich die Wunden geleckt und ihr aufgelauert hatten, und starrte mit zornfunkelnden Augen in das Gesicht eines völlig Fremden. Eine scharfe Äußerung lag Myriel auf der Zunge, doch ehe sie den Mund öffnen konnte, zog der Kerl sie vom Boardwalk in den Zugangsflur eines Wohnhauses.

»Ein Glück, dass ich Sie noch erwische!«, stieß er aus und blickte gehetzt über seine Schulter. »Ich hatte Sie zwischenzeitlich aus den Augen verloren und schon mit dem Schlimmsten gerechnet!«

»Sie haben mich beobachtet?« Argwöhnisch verengte Myriel ihre Augen und blickte den Bärtigen an. Er trug so etwas wie einen Vollbart, nur hatte er sich die Kinnpartie glatt rasiert. Es sah aus, als wäre sein Schnurrbart eine Verlängerung seiner Koteletten.

»Ihre Auseinandersetzung mit den beiden Raufbolden war nicht zu übersehen«, erklärte der Mann. »Ebenso wenig dieser große Kerl, der sich an Sie herangemacht hat.«

»Sie meinen Lassiter?«, fragte Myriel. »Was geht es Sie an, mit wem ich meine Freizeit verbringe?«

»In diesem Fall eine Menge …« Noch sagte er nicht den Grund, wischte lediglich mit dem Handrücken über seine Stirn und schüttelte verhalten seinen Kopf. »Wo sind meine Manieren? Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Terry.«

Myriel Wintergate blieb skeptisch. »Terry wer

»Brackston. Terry Brackston.« Ein schüchternes Lächeln huschte über seine Züge und verschwand ebenso schnell, wie es gekommen war. »Dieser Lassiter ist ein ausgebuffter Halunke. Ich bin schon seit einer halben Ewigkeit hinter ihm her. Für einen Moment hatte ich Angst, dass Sie die Begegnung mit ihm nicht überleben.«

Das alles war neu für Myriel, und rechten Glauben schenkte sie Brackstons Worten nicht. »Er hat auf mich einen völlig harmlosen Eindruck gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein gesuchter Verbrecher ist.«

Brackston presste seine Lippen aufeinander und nickte kaum merklich. »Der Schein trügt in diesem Fall, Mrs ….«

»Miss!«, korrigierte Myriel und nannte ihren Namen.

»Miss Wintergate, dieser Mann ist kein gewöhnlicher Krimineller. Er scheint Schutz von ganz oben zu haben. Mit gewöhnlichen Mitteln ist ihm nicht beizukommen. Deshalb muss ich äußerst vorsichtig sein und darf mich ihm vorerst nicht offen zeigen.«

»Sie sind Sheriff?«

»US-Marshal«, meinte Brackston, holte seinen Stern aus der Tasche seiner Weste und zeigte Myriel das silberne Abzeichen. »Ich trage ihn nicht offen sichtbar, um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf mich zu ziehen. Hier draußen gibt’s eine Menge Halsabschneider, die nur allzu gerne einen wie mich auf den Boothill verfrachten möchten.«

»Ich verstehe«, sagte Myriel. Mit einem Mal spürte sie eine brennende Leidenschaft in sich. Erneut witterte sie das große Abenteuer und wollte tief eintauchen in das Geheimnis, das Brackston umgab. Sie konnte sich kaum vorstellen, was dieser Mann schon alles gesehen und erlebt haben musste. Vielleicht war er der Schlüssel in jene Welt, die sie wie nichts anderes herbeisehnte. Eine Welt jenseits von Normen und Vorschriften – und vor allem weit weg von ihren spießigen Eltern.

»Warum lächeln Sie?«, fragte Terry Brackston und holte Myriel aus ihren Tagträumen zurück.

»Nichts weiter«, meinte sie versonnen, »aber …« Die junge Frau suchte nach den richtigen Worten. »Ich fühle mich leicht und beschwingt und bin noch ganz kribblig, wenn ich daran denke, in welcher Gefahr ich mich befunden habe.«

»Ich hätte nur im äußersten Notfall eingegriffen«, raunte Brackston, »denn das hätte meine Aufgabe erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Ich habe das Gesetz gebrochen, das ich zu schützen gelobt habe, nur um auf der Fährte dieses Kerls zu bleiben. Ich kann nicht riskieren, kurz vor dem Ziel zu scheitern.«

»Aber wie wollen Sie jetzt weiter vorgehen?«

Brackston zuckte die Achseln. »Ich kann mich mit den Schießkünsten dieses Hundesohns nicht messen. Wenn ich ihn erledigen will, muss ich ihn in eine Falle locken. Aber er ist gerissener als tausend Schakale.«

Myriel Wintergates Herz pochte bis zum Hals und wollte ihre Brust schier sprengen. Sie hatte eine Erwiderung auf der Zunge liegen, doch vor lauter Aufregung brachte sie keinen Ton heraus.

»Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Miss Wintergate?« Spürbare Sorge lag in Terry Brackstons Stimme.

»Ich tue es!«, platzte es plötzlich aus ihr heraus. »Ja, ich bin ganz sicher! Es ist die richtige Entscheidung!«

Brackston zog die Brauen zusammen. »Wovon reden Sie?«

»Die Falle! Sie haben eben davon gesprochen! Sie wollen Lassiter in einen Hinterhalt locken! Und ich helfe Ihnen dabei!«

Falls Myriel begeisterte Zustimmung erwartet hatte, sah sie sich getäuscht. Brackstons Züge gefroren förmlich. »Hören Sie, Miss, ich habe nicht von einem Picknick im Grünen gesprochen, sondern von der Festnahme eines ungemein gefährlichen Gewaltverbrechers. Selbst meine Chancen, ihn zu schnappen, stehen fifty-fifty. Ihre hingegen …« Er sprach nicht aus, was ihm im Kopf herumging.

Die Brünette ließ sich nicht einschüchtern. »Ich habe nicht gesagt, dass ich mich mit einem Revolver auf ihn stürzen will. Mir stehen andere Möglichkeiten zur Verfügung.«

Verständnislos sah Brackston sie an. »Als da wären …?«

»Ich bin eine Frau!« Stolz reckte Myriel ihr Kinn vor. »Reicht Ihnen das als Antwort?«

Lange Sekunden sagte Terry Brackston nichts, doch in seinen Augen erkannte die Dunkelhaarige, dass er sie nicht abweisen würde.

Das Triumphgefühl überwältigte Myriel. Das Abenteuer, das vor ihr lag, würde alles übertreffen, was sie sich in ihren kühnsten Träumen ausgemalt hatte.

***

Strafkompanie Fort Davenport, Winter 1871

Durch die Ritzen der Barackenwände pfiff der Wind und blies unaufhörlich Schneeflocken ins Innere. Bis zu einem halben Meter hatten sich die Wehen bereits aufgetürmt, doch keiner der Gefangenen nahm mehr davon Notiz. Zusammengekauert saßen und lagen sie auf ihren Pritschen, eingewickelt in dünne Leinendecken, die kaum den Zweck erfüllten, für den sie gedacht waren. Kaum jemand wagte zu schlafen, aus Angst, nicht mehr zu erwachen. Noch größer aber war die Angst, der Müdigkeit bald schon nicht mehr widerstehen zu können, denn mit einem Abflauen der urplötzlich aufgetretenen Kältewelle war vorerst nicht zu rechnen.

»In einer Stunde ist Appell!«, rief Sonny Red durch den Raum, und sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass es ihm Freude bereitete, die schlotternden Gestalten mit derlei Aussagen zu drangsalieren.

»Halt’s Maul, Sonny! Du musst genauso raus wie wir!« Ex-Sergeant Peter O’Hara lugte unter der Decke hervor, die er sich bis über den Kopf gezogen hatte. Sein enormer Leibesumfang war während der Zeit seiner Inhaftierung sichtbar eingeschmolzen, aber er brachte immer noch ein stolzes Gewicht auf die Waage. Und unter der Fettschicht seiner Oberarme arbeiteten stahlharte Muskeln.

»Mir macht’s aber nichts aus«, konterte Red. »Ich bin schon gespannt, wer von euch als Nächstes ins Gras beißt. Ich tippe mal auf Max.«

Maximilian Riley, vor seiner Gefangennahme Lieutenant mit makelloser Dienstbilanz und achtbarer Herkunft, horchte auf. Er blinzelte in die Dunkelheit, die nur von einem wacker gegen die Böen ankämpfenden Talglicht erhellt wurde, und räusperte sich lautstark. Aufgrund seiner schmächtigen Statur setzte ihm die Kälte am meisten zu, und jeder wusste zudem, dass seine Sehkraft von Tag zu Tag abnahm. Irgendwann würde er nicht einmal mehr die einfachsten Arbeiten ausführen können.

»Mach dich ruhig über mich lustig«, sagte er bibbernd. »Von euch allen bin ich vermutlich der Einzige, der auf den Schlachtfeldern seine Menschlichkeit nicht eingebüßt hat. Wenn ich vom Schöpfer abberufen werde, habe ich ein reines Gewissen.«

Sonny Reds Lachen mischte sich mit einem Windstoß, der eine Wolke aus weißen Flocken in die Baracke trieb. »Hört ihn euch an, den barmherzigen Samariter, der eine Handvoll Santee-Sioux vor der US-Kavallerie versteckt hat. Ich hätte dich am nächsten Baum aufgeknüpft, verfluchter Verräter!«

»Es waren Frauen und Kinder!«, verteidigte sich Riley. »Sie wären gnadenlos abgeschlachtet worden, um Gottes willen!«

»Die armen Kleinen«, höhnte Red. »Während ihre Väter Hunderte weißer Siedler niedergemetzelt haben, wolltest du dafür Sorge tragen, dass die nächste Generation von Kriegern heranwächst.« Kurz hielt er inne. Als er erneut das Wort ergriff, troff seine Stimme vor Hass. »Weißt du, was ich mit den Weibern und den Bälgern angestellt habe? Kannst du dir vorstellen, was ein einziges Messer unter zwanzig kreischenden Rothäuten anrichtet?«

»Hör auf!«, schrie Riley, vor Abscheu und Kälte zitternd. »Du bist eine verdammte Bestie!«

»Und du spuckst auf die Gräber der toten Siedlerfamilien!«, fauchte Sonny Red. »Ich hoffe, du verreckst noch vor Einbruch des Frühjahrs!«

»Schluss jetzt!«, schnitt O’Haras Stimme scharf durch die Holzbaracke. »Uns geht es schon dreckig genug, da brauchen wir nicht noch aufeinander loszugehen!«

Stumm rutschte Sonny Red von seiner Pritsche. Auf der Decke, die er um seine Schultern gelegt hatte, war eine dünne Schicht aus gefrorenen Schneekristallen. »Willst du mir den Mund verbieten, Fettwanst?«, zischte er. »Du bist wohl immer noch nicht drüber weggekommen, dass sie dir die Abzeichen von der Uniformjacke gerissen haben.«

»Treib’s nicht zu weit, Sonny!«, entgegnete O’Hara und richtete sich zur vollen Größe auf. »Mit einem Großmaul wie dir mache ich kurzen Prozess.«

Red zog seine Nase hoch, spuckte aus und warf seine Decke beiseite. »Na, komm schon! Zeig’s mir!« Im selben Moment trat er das Talglicht aus und sprang vor. Trotz der lähmenden Kälte in seinen Gliedern hatte er kaum etwas von seiner Beweglichkeit eingebüßt. Wuchtig rammte er seinen Schädel vor O’Haras Brust und brachte den Mann aus dem Gleichgewicht. Rücklings krachte er auf seine Pritsche, Sonny Red obenauf. Das Metallgestell gab nach und barst mit metallischem Kreischen.

»Widerliche fette Ratte!«, keuchte Red und ließ abwechselnd seine Fäuste niedersausen. Sie gruben sich in teigige Gesichtshaut und zertrümmerten Knochen.

O’Hara schrie gequält auf, aber er war nicht hilflos. Seine Pranken schossen in die Finsternis und bekamen Sonny Reds Kehle zu packen. Mühelos hielt O’Hara seinen Gegner auf Abstand und schleuderte ihn im Anschluss über sich hinweg. Im hohen Bogen flog Red durch die Luft, knallte gegen einen Kerl, der teilnahmslos auf seiner Pritsche saß, und riss ihn mit sich zu Boden.

Mehrere der Insassen waren aufgesprungen, hatten ihre Lethargie überwunden und feuerten die Kämpfer mit johlenden Rufen an. In der Dunkelheit flammte ein Kerzenlicht auf, dann zwei und drei. Schützend deckten die Männer die kleinen Flammen mit ihren Körpern gegen die Zugluft ab, denn sie wollten keinesfalls die Auseinandersetzung verpassen, die sich bereits im Vorfeld abgezeichnet hatte. Lange aber konnten sie sich nicht an dem Spektakel ergötzen.

Polternd wurde die Barackentür aufgetreten. Unter dem Heulen einer Schneeböe stürzte eine Handvoll Soldaten hindurch, allen voran First Sergeant Nicholas Kopelsky. Zwei Corporals mit Pechfackeln postierten sich bei der Tür, die restlichen Uniformierten gingen auf O’Hara und Red los. Gnadenlos prügelten sie mit den Kolben ihrer Karabiner auf die Aufsässigen und einige Unbeteiligte ein, bis diese sich nicht mehr rührten.

»Sieh mal einer an!«, raunte Kopelsky und fletschte seine Zähne. »Sonny Red hat mal wieder zum Tanz aufgerufen.« Hart krallten sich seine Finger in Reds Haarschopf. »Tagsüber, wenn andere schuften, ruht sich der Herr anscheinend aus, um in der Nacht für Stimmung zu sorgen.«

»Friss Scheiße, dämlicher Polacke!«, stieß Red aus und fing sich noch im selben Augenblick einen derben Faustschlag ein, der seine Oberlippe aufplatzen ließ.

First Sergeant Kopelsky grinste hinterhältig. »Du hast Major von Kleists Geduld lange genug auf die Probe gestellt. Ich werde ihm eine Bestrafung empfehlen, nach der dir die Flausen endgültig vergangen sein werden.«

»Ich freue mich jetzt schon drauf!«, ächzte Red und spie einen Schwall Blut auf Kopelskys Uniformjacke. Der Sergeant ließ sich jedoch nicht provozieren, und auf seiner Miene spiegelte sich lediglich die diebische Freude wider, wenn er an die bevorstehende Disziplinarmaßnahme dachte.

»Wie würde es dir gefallen, mit einem vierzig Pfund schweren Holzbalken einen Tag lang im Kreis zu laufen?«, fragte er hämisch. »Ich werde extra für dich einen Corporal abstellen, der dir mit dem Ochsenziemer einen überbrät, sobald du in die Knie gehst oder umfällst.« Seine Hand ging hoch zum Mund, und mit seinem Daumennagel schabte Kopelsky über seine Unterlippe. »Doch wenn ich es recht überlege, scheint es mir angebrachter, dich eine Woche in die Grube zu werfen …«

Die Grube! Sonny Red erstarrte. Von allen Bestrafungen, die kein Todesurteil nach sich zogen, war diese die grausamste. Lieber wäre er zwei Tage lang an seinen Daumen aufgehängt worden.

Er fühlte sich brutal bei den Schultern gepackt und in die Höhe gezerrt. Vier Uniformierte nahmen ihn und O’Hara in ihre Mitte und trieben sie erbarmungslos in die eisige Kälte. Bis zur Verkündung des Urteils würde man sie in einer Zelle des Wachhäuschens unterbringen, denn für Major von Kleist gab es keine Veranlassung, vor sieben Uhr am Morgen seine Unterkunft zu verlassen.

***

Es war bereits der zweite Tag, den Lassiter bei der Railway Station zubrachte. Einen dritten würde es nicht geben, denn der Agent musste schon jetzt davon ausgehen, dass Sonny Red sich abgesetzt hatte. Erkundigungen beim Station Clerk und bei den umliegenden Läden waren ergebnislos verlaufen. Niemand hatte eine Person gesehen, auf die die Beschreibung des flüchtigen Mörders zutraf. Auch das Herumreichen des vergilbten Steckbriefs hatte nichts an der Situation geändert.

Noch einmal ließ sich Lassiter vom Station Clerk die Fahrpläne zeigen. Gegen Mittag würde ein Zug der Union Pacific eintreffen. Er würde etwa eine Stunde Aufenthalt haben, auf seiner Weiterreise den Nordosten New Mexikos streifen, bis er schließlich in Fort Worth, Texas anlangte. Auf einer Karte schaute sich Lassiter die Route an und sah, wie schon am Tag zuvor, ein halbes Dutzend Nebengleise, die in abgelegene Ortschaften weitab der Hauptstrecke führten und dort endeten. Mit der Kutsche oder zu Pferd konnte Sonny Red von dort aus für immer verschwinden. Innerlich stellte sich Lassiter bereits auf eine lange Jagd ein, denn eines war gewiss: Diesen Mörder würde er nicht entkommen lassen.

»Haben Sie gefunden, was Sie suchten?«, wollte der Mann am Fahrkartenschalter wissen, schob seine Finger unter seine Schirmmütze und kratzte sich das krause weiße Haar.

»Nichts, was ich nicht schon gestern entdeckt hätte«, brummte Lassiter abwesend. Mit seiner Fingerspitze folgte er auf der Karte einem Schienenstrang nach Tres Piedras. In den nahen Bergen würde es für Sonny Red kein allzu großes Problem darstellen, nahezu unauffindbar zu sein. Es gab dort tausend Verstecke und ebenso viele Möglichkeiten für einen Hinterhalt.

Einen letzten Blick warf Lassiter auf den Fahrplan und wollte ihn dem Station Clerk zurückgeben, doch der Greis saß nicht mehr an seinem Platz. Verwundert legte der Agent das Klemmbrett auf den Tresen des Schalters zurück, beugte sich vor, um dahinter zu blicken, und spürte plötzlich den kalten Stahl eines Revolverlaufs an seiner Schläfe.

»Mach nur eine Bewegung, Freundchen«, zischte eine kratzige Stimme, »und dein Schädel platzt auf wie eine geröstete Erdnuss!« Den Worten folgte ein klimperndes Geräusch in Lassiters Rücken. Eine zweite Person hatte die Tür des Schalterraums geschlossen und verriegelt.

Der Kerl mit der Waffe trat seitlich hervor und nahm den Lauf von Lassiters Kopf. Die Mündung war aber weiterhin auf ihn gerichtet. »Na, kennst du mich noch?«, fragte der junge Bursche höhnisch.

Lassiter hob seinen Blick und nickte. »Wenn ihr nicht gerade Prügel von kleinen Mädchen bezieht, wollt ihr wohl gern mal selbst austeilen.«

Der Mann gegenüber von dem Agenten verzerrte sein Gesicht in aufflackerndem Jähzorn. »Ich jag dir eine Kugel in deine Visage!«, schrie er und spannte den Abzug seines Sechsschüssers.

»Warte noch, Josh!«, rief sein Kumpan ihm zu. »Wir wollen doch noch ein bisschen Spaß mit der Kakerlake haben.« Rasch griff er zu und zerrte Lassiters Remington aus dem Holster.

»Jungs«, sagte der Mann der Brigade Sieben gelangweilt, »was, zum Henker, wollt ihr eigentlich von mir? Wenn ich euch eine verpasst hätte, könnte ich euren Ärger noch verstehen, aber die kleine Lady hat euch ganz ohne mein Zutun fertiggemacht.«

»Aber du hast es gesehen!«, ereiferte sich Josh. »Stimmt’s nicht, Warren?«

»Yeah, dämlich geglotzt hat er und sich hingestellt, als wollte er mit uns die Straße aufwischen.«

»Ich hätte euch höchstens den Hosenboden strammgezogen«, erklärte Lassiter, »aber ihr Knirpse habt mir leidgetan.«

Der Knauf des Remington krachte in Lassiters Rücken. »Knirpse?«, kreischte Warren hysterisch und schlug erneut zu. Doch dieses Mal ließ Lassiter ihn nicht ungeschoren davonkommen. Blitzschnell ging er in die Knie und stieß seinen Ellbogen nach hinten. Warrens Schmerzensschrei ging einher mit dem Brüllen von Joshs Revolver. Die Kugel fegte durch den Schalterraum und durchschlug die Glasscheibe der Eingangstür.

Sofort wirbelte Lassiter auf dem Absatz herum und nahm seinen Gegner in den Schwitzkasten. Fest umklammerte er die Faust des Kerls, in der er den Remington des Agenten hielt, und drehte seinen Arm kraftvoll zur Seite. Die Mündung des Revolvers zeigte nun unmittelbar auf Josh.

»Habt ihr schon gefrühstückt, Jungs?«, fragte Lassiter im Plauderton. »Ich spendiere euch eine Portion blaue Bohnen.«

»Warren! Nimm die Kanone runter, verdammt! Du wirst mich noch abknallen!«

»Ich kann doch nicht!«, stieß der Angesprochene verzweifelt hervor. »Der Mistkerl ist stark wie ein Ochse!«

»Scheiße, Scheiße, Scheiße!«, schrie Josh, drehte sich dem Fenster zu, durch das er klammheimlich eingestiegen sein musste, und schwenkte wieder zu seinem Kumpan herum.

»Denk nicht mal dran, durch das Fenster nach draußen zu springen«, warnte Lassiter, »denn ich habe sechs kleine Freunde, die alle schneller sind als du.« Er meinte es nicht ernst, machte sich aber einen Spaß daraus, die Burschen gar zu kochen. An Warren gewandt, sagte er mit leichtem Tadel: »Du musst deine Hand ruhig halten, Jungchen. Du wirst nichts treffen, wenn du zitterst wie ein altes Weib.«

Warrens Stimme bekam einen weinerlichen Klang. »Bitte, Mister, ich will nicht auf meinen Freund schießen …«

Lassiter nickte. »Natürlich nicht …« Mit eisernem Griff und in nur einer einzigen Bewegung entwand er dem jungen Mann den Remington, stieß ihn unsanft von sich und nahm Josh ins Visier. Nicht mehr als zwei Lidschläge hatte der Agent für seine Aktion benötigt. »Wie sieht es aus, Josh? Drücken wir aufs Geratewohl ab, oder gehen wir auf die Straße und regeln das auf traditionelle Art und Weise?«

»Ich … ich …«, stotterte der Bursche und war merklich blass um die Nase geworden. Der Colt in seiner Hand war nur noch ein lästiges Anhängsel, dem er kaum mehr Beachtung schenkte. »Wir wollten Ihnen nichts tun, Mister, ehrlich! Es sollte nur ein großer Spaß werden! Glauben Sie mir, wir sind keine Mörder!«

»Ich mag Leute mit Humor«, gestand Lassiter. »Ich mache selbst gern Scherze. Aber wenn du nicht auf der Stelle dein Schießeisen wegwirfst, wirst du feststellen, dass ich auch eine weniger freundliche Seite habe!«

Josh zuckte zusammen. Nicht unter Lassiters Worten, sondern unter einem Hieb, der seine empfindlichste Stelle getroffen hatte. Der Colt entglitt seinen Fingern und polterte auf die Dielen.

»Das wird dich lehren, mich hinterrücks niederzuschlagen!«, krähte der Station Clerk und stemmte sich schnaufend in die Höhe. »Außerdem drischst du zu wie meine fünfjährige Enkelin!«

Lassiter ließ seinen Remington um den Finger kreiseln und stach ihn ins Holster. Dann packte er Warren am Kragen und winkte Josh zu sich heran. »Ihr geht zum Sheriff und beichtet ihm, was ihr getan habt. Wenn ihr Reue zeigt, gibt’s mildernde Umstände und ein paar Wochen Gemeindearbeit. Morgen werde ich nachfragen, ob ihr euch gemeldet habt. Und gnade euch Gott, sollte der Sheriff nicht wissen, wovon ich rede …«

Stolpernd stürmten Josh und Warren aus dem Schalterraum. Hinter seinem kleinen Tresen kicherte der greise Clerk. »Diese Lausebengel! Die Jugend ist auch nicht mehr das, was sie mal war.«

»Oftmals sind es die Eltern, die ihren Kindern nicht den rechten Weg weisen«, erwiderte Lassiter. »Führung braucht eine strenge und gerechte Hand. Die Gefängnisse sind voll mit jenen, bei denen diese Hand versagt hat.« Mit knappem Gruß trat er auf den Bahnhofsvorplatz und blickte hinüber zu der Turmuhr, die zwanzig vor zwölf anzeigte. Es war fast sicher, dass Sonny Red nicht mehr auftauchen würde.

»Wollen Sie unser beschauliches Nest schon verlassen?«, klang hinter Lassiter eine Stimme auf, die ihm nur allzu bekannt vorkam.

Behäbig drehte er sich um. »Miss Wintergate. Sie scheinen keine Gelegenheit auszulassen, ihrem prunkvollen Heim den Rücken zu kehren.«

»Lassen Sie die Witze!« Silberhell lachte die Brünette auf. »Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich Sie gestern einfach habe sitzen lassen. Sie müssen ja gedacht haben, ich hätte keinerlei Manieren.«

»Zwingen Sie mich nicht zu sagen, was ich gedacht habe«, antwortete Lassiter schmunzelnd. »Sind Sie gekommen, um sich für den Drink zu revanchieren?«

Ein geheimnisvoller Ausdruck trat in die Augen der jungen Frau. »Auch das«, flüsterte sie verheißungsvoll. »Auch das, Mister Lassiter …«

***

Sie hatten gelacht und sie hatten getrunken – und Lassiter hatte keine Ahnung, weshalb er plötzlich allein mit Myriel auf seinem Hotelzimmer war.

Hatte es an den Whiskeys gelegen oder an ihrem jugendlichen Charme? Vermutlich war die einfachste Erklärung, dass Lassiter seit geraumer Zeit keine Frau mehr gehabt hatte. Er sehnte sich nach intimer Zweisamkeit und hatte die Gelegenheit beim Schopf ergriffen. Die Signale, die Myriel ausgesandt hatte, waren von einem erfahrenen Liebhaber kaum zu übersehen gewesen. Mit nacktem Oberkörper stand er vor ihr und vibrierte vor Erregung.

»Hältst du mich für ein Flittchen?«, fragte Myriel Wintergate mit einem Mal und hielt beim Aufknöpfen ihrer strahlend weißen Bluse inne.

Lassiter hob bedauernd seine Hände. »Wie soll ich dir diese Frage beantworten, wenn du selbst nicht weißt, wie du dich siehst?«

Für einen Moment war Myriel irritiert, gewann aber rasch ihre Selbstsicherheit zurück. »Und wenn schon!«, meinte sie kokett. »Ich bin, wie ich bin! Und ich weiß, dass ich dich will, Lassiter!« Sie riss sich die Bluse vom Leib und entblößte ihre nackten vollen Brüste. Der feine Stoff glitt über ihre Schultern, als sie sich mit wiegenden Hüften Lassiter näherte, elegant ihre Arme um seinen Nacken legte und seinen Kopf zu sich heranzog. Kreisend umschmeichelte ihre Zungenspitze seine Lippen.

Der Mann der Brigade Sieben spürte, dass sich ihre Brustwarzen steil aufrichteten. Mit seinem Mund umschloss er den von Myriel und bemerkte angenehm berührt, wie sie das züngelnde Liebesspiel genoss. Lustvoll öffnete sie ihren Mund und war die Hingabe in Person.

Aber auch Lassiter ließen die Liebkosungen nicht kalt. Ganz im Gegenteil sogar. Sein Pint wurde hart wie Stein und drängte sich fordernd gegen Myriels Unterleib. Ihre heißen Küsse überwältigten ihn, und er packte ihre Hüften, streichelte zärtlich darüber und öffnete ihre Jeans. Dann gruben sich seine Finger unter ihren Hosenbund und tasteten über nackte Haut, bis er bemerkte, dass sie keine Unterwäsche trug.

»Zieh dich aus«, hauchte Myriel. »Ich will dich lieben, wie Gott uns geschaffen hat.« Noch während sie es sagte, streifte sie ihre Hose hinab bis zu den Kniekehlen, legte sich aufs Bett und zerrte sich die Stiefel von den Füßen. Lassiter war ihr behilflich, die Hose vollständig über ihre Schenkel zu ziehen. Achtlos warf er sie zu Boden und entkleidete sich ebenfalls. Er beugte sich hinab, saugte sich an ihren rosigen Knospen fest und knetete ihre wogenden Brüste. Sein Pint rieb über ihren Schoss und entlockte Myriel ein ums andere Mal ekstatisches Stöhnen. Ihre festen Schenkel umklammerten seinen Rücken, öffneten sich weit und warteten begierig darauf, dass er sie ausfüllte.

»Bitte nimm mich, Lassiter!«, keuchte Myriel selbstvergessen. »Ich will dich tief in mir!«

Der Brigade-Agent ließ sich Zeit und verwöhnte den Körper der Mittzwanzigerin mit Händen, Mund und Zunge. Bald aber wurde das Verlangen in ihm so stark, dass er sich nicht mehr zurückhalten konnte. »Nimm ihn in deine Hand«, flüsterte er, »und führ ihn dir ein.«

Myriels Rechte bekam die erigierte Lanze zu fassen. Sie strich darüber, erhöhte den Druck und verlieh ihr neue Größe. Stöhnend, keuchend und zuckend trieb sie sie zwischen ihre hungrigen Schenkel.

Lassiter glitt in die Brünette hinein. Ihre nackten Fußsohlen spürte er an seinen Rippen, wie sie ihn streichelten, kurz darauf losließen und sich in die Höhe reckten.

»Stoß mich durch, Lassiter!«, bettelte Myriel. »Besorg’s mir!«

Myriel Wintergate war jung, schön und leidenschaftlich. Lassiter hätte sich keine bessere Partnerin wünschen können. Ihr Becken bewegte sich im Takt seiner Stöße. Fast schon fürchtete er, sie könnte vor ihm zum Orgasmus kommen, so wild gebärdete sie sich unter ihm.

»Gib’s mir!«, stieß sie hemmungslos aus.

Lassiter ignorierte das Kribbeln in seinen Lenden und wollte nur, dass die laszive Dunkelhaarige zum Höhepunkt kam.

»Aaahh! Jaaa!« Ungestüm warf Myriel ihren Kopf von einer Seite zur anderen, krallte ihre Finger in das Laken und schien jegliche Kontrolle über ihren Körper zu verlieren. Sie entwand ihre Beine in einer hektischen Bewegung Lassiters Umklammerung, legte ihre Füße in seinen Nacken und übte starken Druck darauf aus. Der Mann der Brigade Sieben gab ihm nach, denn er wusste, dass die Brünette ihn auf sich haben wollte, Haut an Haut, nackt und ungestüm.

Ihr Kopf ruckte hoch. Der entrückte Blick ihrer Augen war eine stumme Aufforderung, die sie gleich im Anschluss mit Worten unterstrich. »Küss mich, Lassiter! Küss mich heiß und innig!«

Myriels Beine schlangen sich um Lassiters muskulösen Rücken. Nur zu gern ging Lassiter auf seine Gespielin ein und verwöhnte die empfindlichsten Stellen ihres bebenden Leibes mit seinen Händen.

Die Frau war ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Die Zügel ihrer Leidenschaft hatte sie längst aus der Hand gegeben, hatte Moral und Anstand fortgeworfen wie lästigen Ballast und fieberte nur noch ihrem Orgasmus entgegen. Selten hatte Lassiter eine derart hemmungslose Frau beglückt.

»Ich komme!«, schrie Myriel und bäumte sich auf. »O Gott, ich komme!«

Auch Lassiter war nicht in der Lage, sich zurückhalten, und ergoss sich machtvoll in die junge Frau. Ihre Lustschreie hallten von den Wänden des Hotelzimmers wider. Es dauerte Minuten, bis sie aus der Welt orgiastischer Ekstase wieder in die Wirklichkeit herabgestiegen war und Lassiter aus halb geschlossenen Augen sehnsuchtsvoll ansah.

»Das war der reine Wahnsinn«, wisperte sie ihm zu. Nur langsam beruhigte sich ihre Atmung.

»Du bist eine Frau nach meinem Geschmack«, meinte Lassiter und streichelte über ihren Bauch. Noch hatte er sich nicht von ihr gelöst, und die Kraft seiner Lenden war ebenfalls noch nicht versiegt. Er dachte sogar daran, sie ein zweites Mal zu verwöhnen, doch plötzlich hatten die Augen in ihrem erhitzten Gesicht einen eigentümlichen Ausdruck, den er nicht deuten konnte.

»Ich hätte nicht gedacht, dass du so gut bist«, lobte Myriel und setzte sich auf. »Eigentlich bist du nämlich gar nicht der Typ Mann, der mich anspricht. Aber es gab … gewisse Umstände, die mich veranlasst haben, meine Vorbehalte abzulegen …«

In Lassiter schlug eine Alarmglocke an. Noch während er aufsprang und einem warnenden Instinkt folgte, der ihn zu seiner Waffe drängte, wurde die Zimmertür aufgetreten. Ein Fremder mit geladenem Colt stand im Eingang, grinste hämisch und feuerte ohne Warnung.

Siedend heiß schrammte die Kugel über Lassiters Schläfe. Und obwohl sie ihn nur gestreift hatte, glaubte der Mann der Brigade Sieben, der Angreifer hätte mit einem Amboss auf ihn eingedroschen.

Die Umgebung verschwamm. Lassiters Muskeln wurden schwer und ließen jede seiner Bewegungen in gespenstischer Langsamkeit ablaufen. Der Gurt mit seinem Remington war höchstens zwei Yards entfernt, doch ihm kam es vor, als würde er eine Ewigkeit benötigen, um ihn zu erreichen.

Warm rann das Blut von seiner Schläfe über die Wange, sammelte sich am Kinn und tropfte von dort auf den Boden. All das bemerkte er mit absoluter Klarheit, aber es gelang ihm nicht, seinen Revolver zu ergreifen.

»Wird … wird er sterben, Terry?« Es war Myriels Stimme, und an ihrem Tonfall ließ sich echte Besorgnis heraushören.

»Der wird leben«, erwiderte Terry. »Lange genug wenigstens, damit sich ein alter Freund bei ihm bedanken kann.«

In Lassiters Ohren rauschte das Blut. Er wusste nicht, wovon der Kerl sprach, aber offensichtlich gab es noch eine alte Rechnung, die beglichen werden musste.

Nackt brach Lassiter vor dem Stuhl zusammen, über dessen Lehne sein Patronengurt hing. Einmal noch kämpfte er gegen die Bewusstlosigkeit an und wusste im selben Moment, dass es aussichtslos war.

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