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Lassiter - Folge 2235

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Lassiter und der gefallene Sheriff
  4. Vorschau

Lassiter und der gefallene Sheriff

Am Vormittag nahm Louis McNamara zwei Texaner fest, weil sie im Golden Hole Restroom einem Mädchen an die Titten gegrapscht hatten. Gegen Mittag hängte er in der Stadt die neuesten Steckbriefe der Donovanbande aus. Danach aß er mit Mary zu Mittag und stritt mit ihr wegen dem Hochzeitstermin. Anschließend ging er zur New Kansas Bank, wo er mit Will Carter die Sicherung eines Geldtransportes besprechen wollte. Durch die Hintertür betrat er die Bank – und dann lief der Tag aus dem Ruder. Sein ganzes Leben lief aus dem Ruder ab diesem Augenblick.

Drei Kunden warteten im Schalterraum. Einer zählte gerade das Geld, das Carter ihm über den Tresen geschoben hatte. Louis güßte, ging ins Nebenzimmer und goss sich einen Whisky ein. Nebenan knarrte plötzlich die Eingangstür und irgendjemand brüllte: »Überfall!«

Das Whiskyglas schon an den Lippen, erstarrte Louis und lauschte. »Flossen hoch!«, rief eine Männerstimme. »Wer sich rührt, ist tot!« Schritte hallten über Bodendielen. Louis McNamara stellte das Glas ab. »Bitte nicht schießen!«, hörte er eine Frau wimmern. Er zog seinen .45er Colt. »Bitte nicht schießen, Mister, mein krankes Kind wartet zuhause auf mich …«

»Halt’s Maul!« Nebenan raschelte und scharrte es – jemand warf seine Satteltasche oder etwas in der Art über den Schaltertresen. Louis spannte den Hahn.

»Auf den Boden mit euch, alle drei!«, zischte die Männerstimme. »Zack, zack! Wer Mätzchen versucht, ist fällig!«

Wieder raschelte es, diesmal waren es eindeutig Kleider. Die Leute schienen zu gehorchen. Vernünftig. Louis huschte zur Wand und spähte durch das Sichtloch, durch das Carter manchmal den Schalterraum zu beobachten pflegte, wenn sein Kassierer an der Kasse arbeitete.

»In die Mochilla mit deinen Dollars«, schnarrte eine gedämpfte Stimme nebenan. »Banknoten, Münzen, Gold. Alles, was du hast! Mach schon!«

Louis McNamara, der Sheriff von Great Bend, sah einen Mann in langem braunen Saddlecoat vor dem Schalter stehen und mit seinem Revolver herumfuchteln. Ein dunkles Halstuch verhüllte die untere Hälfte seines Gesichts. Der Mann war verflucht nervös. Wenn er nicht fuchtelte, zielte er auf Will Carter.

Eine Frau und zwei Männer lagen so reglos am Boden, als würden sie schlafen. Carter, der Bankdirektor, tat das einzig Vernünftige: Er stopfte brav die Dollarnoten in eine Satteltasche.

Louis trat von der Wand weg, dachte fieberhaft nach. Wenn er jetzt den Kassenraum stürmte, war der arme Carter womöglich ein toter Mann. Oder er selbst. Weder die eine noch die andere Aussicht gefiel ihm. Er dachte an Mary und die Hochzeit und beschloss, auf Nummer sicher zu gehen.

Er sah zum Fenster. Zwei Pferde standen auf der Mainstreet vor der Bank. Nur auf einem, einem Rappen, hockte ein Reiter. Ein kleiner hagerer Bursche und noch ziemlich jung, wie es aussah. Nicht einmal Bartstoppeln konnte der Sheriff von Great Bend an seinem Kinn entdecken.

Der Frischling hatte den Kragen seines Saddlecoats hochgeschlagen und sich den Hut tief ins Gesicht gezogen. Er hielt das reiterlose Pferd, einen Apfelschimmel, am Zügel fest und blickte unruhig nach allen Seiten. Ein Karabiner lag vor ihm über dem Sattel.

Louis wusste Bescheid.

Er steckte seinen Colt weg, schlich geduckt zum Waffenschrank und nahm ein Gewehr heraus. Eine siebenschüssige Büchse von Spencer, Kaliber 50. Sie war geladen. Mit ihr schlich er zum Fenster. Er wunderte sich, wie ruhig er dabei blieb.

»Die Münzen!«, zischte nebenan der Bandit. »Ein bisschen flott, Mann!«

»Sie kriegen Ihr Geld, Mister«, hörte Louis den armen Carter sagen. »Nur nehmen Sie den Revolver herunter. Nicht, dass er noch losgeht.«

»Halt’s Maul und schmeiß die Dollars in die Mochilla!« Dollarmünzen klimperten. Louis ging neben dem Fenster in die Knie und legte das Gewehr an. Durch die Scheibe hindurch zielte er auf das Pferd ohne Reiter.

Louis McNamara war ein großer sehniger Mann von nicht ganz dreißig Jahren. Er hatte langes schwarzes Haar und ein kantiges Gesicht mit freundlichen blauen Augen, deren Lider oft so tief hingen, als wollte er sie jeden Moment schließen. Das verlieh seiner Miene einen etwas gelangweilten, ja harmlosen Zug.

Louis McNamara war nicht harmlos, weiß Gott nicht.

Ein paar Jahre lang hatte er mit der US-Kavallerie den Indianern in den Rocky Mountains von Colorado und Wyoming das Leben schwer gemacht. Zuletzt als Captain. Seit vier Monaten hütete er jetzt in Great Bend als Sheriff das Gesetz.

Bis auf den üblichen Ärger mit den Cowboys aus Texas hatte es noch keine nennenswerten Schwierigkeiten gegeben. Einen Banküberfall sowieso nicht.

»Her mit der Tasche!«, zischte nebenan der Bankräuber. »Was glotzt du mich so an?«

»Bitte, Mister, ich werde mich hüten …«

»Halt’s Maul und glotz nicht!« Ein Schuss krachte, jemand stieß einen unterdrückten Schrei aus, dann polterte ein schwerer Körper zu Boden. Louis biss auf die Zähne.

Zugleich hörte er die schweren Schritte nebenan zur Eingangstür hasten. Im nächsten Moment rannte der vermummte Bandit draußen vor dem Fenster zu seinem Apfelschimmel, setzte den Stiefel in den Steigbügel und machte Anstalten, die Satteltasche über den Sattel zu werfen.

Mit einer einzigen Bewegung stieß Louis den Gewehrlauf durchs Fensterglas und drückte ab. Die Ohren fielen ihm zu, als zeitgleich mit dem Klirren zerspringenden Glases der Schuss explodierte.

Draußen auf der Mainstreet riss der Bankräuber die Arme hoch, kippte nach hinten weg und schlug samt seiner prallvollen Mochilla im Staub der Mainstreet auf.

Louis nächster Schuss pflügte die Straße zwischen den beiden Pferden um. Der zweite Reiter machte nicht einmal mehr den Versuch, nach seinem Karabiner zu greifen. Er riss seinen Rappen herum und gab ihm die Sporen.

Der reiterlose Apfelschimmel folgte ihm zunächst und schleifte den angeschossenen Bankräuber, dessen Stiefelspitze im Steigbügel hing, hinter sich her. Louis zielte auf den jungen Burschen und drückte ab. Der aber bückte sich tief über die Mähne seines Pferdes und hieb dem Tier die Sporen in die Flanken.

Louis schoss und schoss. Gewehrkugeln heulten über die Mainstreet. Nach dem dritten Schuss zuckte der flüchtende Reiter zusammen, nach dem fünften flog sein Hut davon und Louis sah blondes Langhaar flattern.

Dann sah er nichts mehr, denn der Bursche riss seinen Rappen herum und bog in den Reitweg ein, der zum Fluss führte. Weg war er.

Louis stieß einen Fluch aus, sprang auf und rannte in den Schalterraum. Carter lag verkrümmt hinter dem Tresen. Sein Kopf lag in einer Blutlache. Louis sah sofort, dass er tot war.

Er setzte über den Tresen, rannte zur Eingangstür. Die Leute am Boden hoben die Köpfe. Draußen bückte er sich nach der mit Banknoten und Münzen vollgestopften Mochilla und warf sie sich über die Schulter. Ihr Gewicht fühlte sich gut an. Und einen Wimpernschlag lang gefiel es ihm, sich vorzustellen, er würde mit dieser Satteltasche um die Schulter nun auf ein Pferd steigen und davonreiten können.

Hundertfünfzig Schritte entfernt stand der Apfelschimmel des Bankräubers auf der Straße. Der Kerl hing noch immer mit dem rechten Stiefel im Steigbügel. Er rührte sich nicht. Leute stiegen vom Sidewalk, versammelten sich um ihn – der Barber, der Salooner, die Frau des Pferdehändlers und etliche andere.

Louis spuckte aus und ging zu ihnen. Gewissensbisse plagten ihn. Hätte er doch zuerst den Kassenraum stürmen und den Scheißkerl erschießen sollen? Vielleicht. Der arme Carter hätte dann wenigstens eine Chance gehabt.

Die Leute machten ihm Platz. Er ging vor dem Bankräuber in die Hocke. Der lag auf dem Rücken und rührte sich nicht. Tot. Louis nahm an, dass seine Kugel ihn von hinten direkt ins Herz getroffen hatte. Blut sickerte rechts und links der Rippen in den Straßenstaub.

Du hattest doch, was du wolltest, du Arschloch, dachte Louis McNamara. Warum musstest du noch auf Will schießen? Er zog ihm das Halstuch aus dem Gesicht. Der Mann trug Bart und Schnauzer. Es wäre so einfach gewesen, mit dem Geld abzuhauen. Wenn ein dummer Zufall dir nicht den neuen Sheriff von Great Bend in die Quere geschickt hätte.

Er stand auf und betrachtete das Gesicht des Toten. Er kannte es. Von einem der Steckbriefe, die er vor dem Mittagessen aufgehängt hatte.

»Das ist doch einer von der Donovanbande«, sagte der Salooner.

»Korrekt.« Louis McNamara machte kehrt, um zurück zur Bank zu gehen. Als Sternträger hatte er keinen Anspruch auf das Kopfgeld. Schade. »Sagt jemand dem Totengräber Bescheid? Wir brauchen zwei Särge und zwei Gräber.«

***

Der Abend dämmerte bereits über Great Bend herauf, als Lassiter mit seinem Gefangenen in die Stadt am Walnut Creek hineinritt. Dem Mann steckte eine Kugel aus Lassiters Remington zwischen den Rippen. Er war schwach und fieberte und würde sich in seinem Zustand kaum bis Kansas City im Sattel halten können.

Sie ritten an einer kleinen weißen Kirche vorbei. Eine Menge Leute strömten aus dem Friedhof neben ihr, etliche ganz in Schwarz. »Hättest besser zielen sollen, dann könntest du mich jetzt dort abliefern.« Lassiters Gefangener deutete auf die Gräber. »Weil du nicht schießen kannst, muss ich jetzt im Knast verrecken.« Seine Stimme klang brüchig und heiser. Er spuckte Blut in den Staub der Mainstreet.

»Keine Sorge, Adams.« Lassiter tippte sich an den Hut, weil ein paar Männer mit schwarzen Zylindern ihm Grüße zuriefen. »Du wirst am Galgen sterben.«

»Leck mich …« Wieder spuckte der Mann namens Luke Adams. Er gehörte zu einer Bande von Zugräubern, hinter der Lassiter her war. Frauen aus der Trauergesellschaft musterten ihn mit angewiderten Mienen. Adams feixte, schob den Daumen zwischen Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Faust und grüßte mit einer obszönen Geste.

Lassiter achtete nicht darauf. Sein Blick wanderte längst über die Fassaden von Great Bend. Dreihundert Schritte entfernt entdeckte er das Office des Sheriffs. Vier Männer verschwanden darin; vermutlich kamen sie von der Beerdigung.

Vor dem Office hielt er sein Pferd an und stieg ab. Zwei junge Frauen in hochgeschlossenen schwarzen Kleidern tänzelten auf dem Sidewalk heran, die jüngere rothaarig, die ältere brünett. Beide trugen schwarze Hüte und hatten ihr Haar im Nacken zu Dutts geflochten.

Neben der Tür zum Office blieben sie stehen. Die Brünette beugte sich zum Türfenster und spähte hindurch. »Er pokert schon wieder!«, zischte sie. »Dachte ich es mir. Und natürlich steht die Whiskyflasche auf dem Schreibtisch. So einen will ich heiraten? Ich muss verrückt sein.«

Lassiter grinste in sich hinein und band seinen Gaul am Hitchrack fest. Die Frauen mochten zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Jahre alt sein. Allerhand Kurven wölbten ihre Trauerkleider an Hüften, Hintern und Busen. Der Mann von der Brigade Sieben hätte nicht zu sagen vermocht, welche er hübscher fand.

»Niemand zwingt dich, den Sheriff zu heiraten, Mary«, sagte die Rothaarige.

Die andere schlich von der Tür weg. »Ich dachte, so ein Sheriff könnte eine gute Partie sein. Zumal er doch jahrelang für die Army geritten ist.« Verächtlich blies sie die Backen auf. »In Wahrheit ist er arm wie eine Kirchenmaus. Alles verspielt, alles versoffen.«

Die andere zuckte mit den Schultern. »Wenn du ihn nicht willst, nehme ich ihn, Schwesterherz.«

»Dich würde Louis niemals heiraten, Patricia.«

Lassiter ging zu Adams’ Pferd und band es fest.

»Und warum nicht?« Die Rothaarige zog einen Schmollmund.

»Ganz einfach«, flötete die Brünette. »Weil er dich für ein Flittchen hält.«

Lassiter half seinem verwundeten Gefangenen aus dem Sattel. Adams stöhnte und ächzte.

»Das hast du ihm eingeredet!«, zischte die Rothaarige.

»Das haben ihm die Spatzen auf den Dächern ins Ohr gepfiffen!«

»Ich wette mit dir, dein Louis würde sich gern von mir verführen lassen.«

»Das sähe dir ähnlich, du Flittchen!«, keifte die Blonde. »Einen Mann verführen, der verlobt ist! Aber glaub mir, Louis denkt genau so wie ich: erst die Trauung, dann die eheliche Bettgemeinschaft!«

»Dass ich nicht lache!«

»Probier es doch aus!«, zischte die Blonde. »Ab sofort ist er nämlich wieder frei!«

Beide Frauen stemmten die Fäuste in die Hüften und blitzen einander an. Bis Adams’ Fluchen und Stöhnen ihre Aufmerksamkeit weckte.

»’n Abend, Ladys.« Lassiter tippte sich an den Hut und zog den schwankenden und ächzenden Banditen sich her zum Sidewalk hinauf. Er hatte Adams Handschellen angelegt.

»Wen bringen Sie denn da?«, fragte die Rothaarige.

»Arbeit für den Sheriff«, sagte Lassiter.

»Ich muss ihn auch sprechen«, erklärte die Brünette mit dem schönen Namen Mary, »und ich war zuerst da!« Die junge Frau stieß die Tür auf und stürmte ins Office. Sie hatte kaum die Tür hinter sich zugeworfen, da hörte Lassiter sie auch schon zetern.

»Da drin hängt wohl der Haussegen ein bisschen schief, was?« Lassiter grinste.

»Kann man so sagen.« Jede Spur von Wut war aus den Zügen der Rothaarigen gewichen. Sie lächelte Lassiter ins Gesicht. »Ich heiße Patricia, nennen Sie mich Pat.« Es war ein verführerisches Lächeln, und Lassiter wurde es mächtig warm ums Herz.

»Lassiter, einfach nur Lassiter.« Der Mann von der Brigade Sieben tippte sich an den Hut.

»Und der da?« Mit gerunzelter Stirn taxierte sie Lassiters Gefangenen. »Was hat er angestellt?«

»Nimm mir die Handschellen ab, Lassiter«, ächzte Adams, »dann zeige ich dem Weibsbild, was ich mit seinesgleichen schon so alles angestellt habe.«

»Widerlich!« Die Rothaarige wich zurück.

»Er ist verwundet und hat Fieber«, sagte Lassiter. Im Office hörte er noch immer die kreischende Stimme der zeternden Blonden. »Könntest du einen Arzt ins Office schicken, Pat?«

»Für den?« Mit angeekeltem Gesicht musterte sie den Gefangenen von den Stiefelspitzen bis zur Hutkrempe. »Aber nur, weil du es bist, Lassiter.« Sie wich zu den Stufen des Sidewalks zurück. »Ich muss sowieso zur Arbeit in den Golden Hole Restroom. Da ist der Doc nach der Beerdigung sicher gleich hingegangen.«

Sie sprang die Stufen hinunter und eilte über die abendliche Mainstreet. Lassiter schaute ihr hinterher. »Leckeres Weib, was?«, ächzte neben ihm Adams.

»Damit ist’s für dich vorbei.« Lassiter drehte sich um und riss ihn hinter sich her zum Office. Drinnen erklang noch immer Gezeter. Lassiter kümmerte sich nicht darum, klopfte und öffnete die Tür.

Die Brünette stand mitten im Office, hatte die Fäuste in die Hüften gestemmt und schimpfte: »… bildest du dir wirklich ein, dass ich einen Kerl heirate, der dem Whisky und dem Glückspiel verfallen ist? Das kannst du vergessen, Louis!«

Die vier Männer rund um den Schreibtisch hielten sich an ihren Karten oder ihren Gläsern fest und machten betretene Gesichter. Am betretensten guckte der Sternträger aus Hemd und Weste.

»Und damit du es mir auch glaubst …« Die aufgebrachte Frau namens Mary kramte etwas aus ihrer Handtasche, stürmte zum Schreibtisch und knallte einen Ring neben die Münzen in der Mitte. »Hier ist der Verlobungsring. Aus und vorbei!«

Sie fuhr herum und stürmte an Lassiter und Adams vorbei aus dem Office. Wie ein einziger langgezogener Seufzer ging es durch die Runde der Männer am Schreibtisch. Am lautesten seufzte der Sternträger.

Von rechts beugte sich ein Mann in braunem Frack und mit Melone zu ihm hinüber, nahm die Zigarre aus dem Mund und klopfte ihm auf die Schulter. »Sei froh, dass du sie los bist, Louis.« Die anderen versuchten zu grinsen. »Eine gewaltige Furie vor dem Herrn, die große Caregie-Tochter.«

»Mein Name ist Lassiter.« Der Mann von der Brigade Sieben tippte sich an den Hut. »Tut mir leid, dass ich störe. Ich habe hier jemanden für den Sheriff. Sein Name ist Luke Adams.« Er schob seinen Gefangenen zu seiner Sitzbank neben der Tür zum Zellentrakt. Wie ein nasser Sack plumpste Adams auf die Sitzfläche und verbarg stöhnend das Gesicht in den Händen.

»Der steckbrieflich gesuchte Zugräuber Adams?« Der Sheriff runzelte die Stirn und sprang auf. »Das nenne ich einen Fang, Mister!« Er kam zu Lassiter und Adams. »Ist er verletzt?«

»Meine Kugel steckt irgendwo zischen seinen Rippen. Der Arzt ist unterwegs. Sperren Sie ihn ein, Sheriff.«

»McNamara«, sagte der Sternträger. »Louis McNamara. Gratuliere, Mr. Lassiter.« Der Sheriff deutete zu einer Holztafel, an der ein gutes Dutzend Steckbriefe hing. »Fünfhundert Dollar Belohnung, wenn mich nicht alles täuscht.«

»Hole ich mir morgen ab.« Mit seinem Auftraggeber hatte Lassiter vereinbart, die Fünfhundert als Spesen für den nächsten Auftrag einzustecken.

Die Tür wurde aufgestoßen, ein kleiner Mann mit Zylinder stürmte herein. »Wo ist der verwundete Galgenstrick?« Sein Blick blieb an dem bleichen Mann in Handschellen hängen. »Und wer bezahlt mich?«

»Ich bring ihn in seine Zelle, Doc.« Der Sheriff riss Adams von der Bank. »Ihr Honorar übernimmt der Staat Kansas!«

»Ich gehe in den Saloon hinüber. Bin müde und hungrig«, sagte Lassiter. »Vermietet man dort auch Zimmer?«

***

»Danke dir, mein Junge.« Lassiter drückte dem jungen Halbblut erst eine Dollarnote und dann die Zügel der beiden Pferde in die Hand. »Und falls ich zufrieden bin, gibt’s noch mal einen Dollar, bevor ich weiterreite.«

»Verlassen Sie sich auf mich, Sir.« Der junge Indianer strahlte und führte die Pferde in den Hof hinter dem Golden Hole Restroom. Dort lagen die Stallungen.

Lassiter betrachtete die Fassade des zweistöckigen Holzhauses. Sie sah relativ neu aus. Alles in Great Bend sah ziemlich neu aus: Siedler hatten die Stadt erst vor ein paar Jahren gegründet. Dafür war sie allerdings schon recht groß.

Die Winchester auf der rechten, die Mochilla auf der linken Schulter und seine Bündel aus Mantel und Decken unter den Arm geklemmt, betrat er den Saloon. Die Talglampen, die tief von der Decke in die Rauchschwaden hinein hingen, brannten schon. Knapp die Hälfte der Tische war besetzt. Viele Leute trugen schwarz.

Wie es seine Gewohnheit war, ging Lassiter zur noch völlig unbevölkerten Theke und legte seine Sachen auf einen Barhocker.

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