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Lassiter - Folge 2201

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Die Rückkehr des toten Häuptlings
  4. Vorschau

Die Rückkehr des toten Häuptlings

Die Sonne stand bereits so tief am Horizont, dass das gewaltige Lagerfeuer zuckende Schatten über den Boden tanzen ließ. Sämtliche Einwohner der indianischen Siedlung hatten sich in der Mitte des Dorfes versammelt. Alle Augen waren auf den Mann gerichtet, der wenige Schritte neben der Feuerstelle stand und einen rhythmischen Singsang von sich gab. Seine mit magischen Zeichen bemalte Haut glänzte schweißnass. Plötzlich verstummte der Gesang des Schamanen. Runa-Ho-Kralu nahm eine Handvoll Pulver aus einem Lederbeutel und schleuderte es in die Flammen. Das Feuer färbte sich grün. Funken stoben in den Himmel. Für einen Moment herrschte vollkommene Stille.

„Haben die Geister zu dir gesprochen?“, fragte schließlich eine Stimme aus der Menge.

„Ja.“ Der Zauberpriester starrte in die Glut. »Die Geister reden von Tod und Verderben.«

Wieder folgten mehrere Sekunden absoluten Schweigens. Erst als das Weinen eines Säuglings das Knistern der Flammen übertönte, setzte unter den versammelten Stammesmitgliedern nervöses Murmeln ein. Bisher hatten sie das Ritual mit andächtiger Ruhe verfolgt. Doch die Botschaft, die der Schamane ihnen verkündet hatte, war so beunruhigend, dass das anfängliche Flüstern zu einem wilden Durcheinander von Stimmen anschwoll.

Runa-Ho-Kralu fuhr um hundertachtzig Grad herum. Ruckartig breitete er die Arme aus. »Schweigt!«, herrschte er seine Zuhörer an. Seine Silhouette zeichnete sich dunkel gegen das Grün der Flammen ab. »Oder wollt ihr die Geister mit eurer Respektlosigkeit erzürnen?«

Seine Worte verfehlten nicht ihre Wirkung. Erneut breitete sich Schweigen wie ein Tuch über die Reihen der Dsitsita aus.

Als das Feuer allmählich wieder seine natürliche Farbe annahm, ließ Runa-Ho-Kralu langsam die Hände sinken. Sein Atem ging schwer, als hätten ihn die vergangenen Minuten äußerste Kraft gekostet.

Die Augen seiner Stammesgenossen waren auf ihn geheftet. In den meisten Blicken lag ein Ausdruck von Schrecken, aber auch stummer Ratlosigkeit. Ein Junge stellte schließlich die Frage, die den gesamten Stamm interessierte. »Was hat das zu bedeuten, Runa-Ho-Kralu?« Er zwirbelte verlegen an dem polierten Stein herum, der an einem Lederband um seinen Hals hing.

Doch es war nicht der Schamane, der nun seine Stimme erhob. »Die Antwort ist nicht schwer, Jagga-Ilty.« Ein Krieger trat aus den Reihen der Zuhörer hervor. Tokka-Ytty war eine großgewachsene, imposante Erscheinung. An seinem nackten Oberkörper traten beeindruckende Muskelpakete hervor, als er sich vor dem Jungen aufbaute. Der musste den Kopf in den Nacken legen, um seinem Gegenüber ins Gesicht sehen zu können. »Die Geister wollen uns warnen. Vor einem geplanten Verrat!«

»Ein Verrat?«, wiederholte Jagga-Ilty. »Was für ein Verrat denn?«

»Der Verrat, der an unserem Volk begangen werden soll!« Tokka-Ytty redete so laut, dass längst klar war, dass er nicht nur zu dem Jungen, sondern zu der gesamten Versammlung sprach. »Der Verrat, der der Untergang deiner Brüder und Schwestern sein wird!«

»Aber …«, Jagga-Iltys Finger krallten sich um den Stein, »… wer würde denn so etwas tun?«

Der indianische Redner machte eine bedeutungsschwere Pause, bevor er zu einer Antwort ansetzte. »Er!« Er zeigte auf einen Mann, der an einer zentralen Stelle des Festplatzes saß. Der Felsen, auf dem er sich niedergelassen hatte, war mit mehreren Fellen gepolstert. Der Sitzende trug Wildlederhosen, die in Höhe der Knie mit Fransen verziert waren. Genau wie seine männlichen Stammesgenossen hatte er das Ritual mit freiem Oberkörper verfolgt. Aber der prächtige Kopfputz, dessen Federn seinen Schädel wie ein Strahlenkranz einrahmten, wies ihn als Anführer seines Volks aus. Links und rechts neben dem Felsen hockten zwei junge Krieger im Schneidersitz. Im Gegensatz zum Häuptling, der ohne jede Regung auf den Vorwurf reagierte, hatte sich die Miene einer der beiden Wachen schlagartig verfinstert.

Tokka-Ytty wartete ab, bis er sich sicher sein konnte, auch die Aufmerksamkeit des letzten Zuhörers auf sich gelenkt zu haben. Sogar das Weinen des Säuglings war mittlerweile verstummt. »Nu-Ka-Halep wird das Volk der Dsitsita ins Verderben stürzen«, fuhr er schließlich mit seiner Anklage fort. »Die Geister der Ahnen haben das erkannt. Nun haben sie zu Runa-Ho-Kralu gesprochen, um uns zu warnen. Wir müssen auf sie hören. Denn die Geister wissen, was ist, was war und auch was sein wird. Deshalb mahnen sie uns, Nu-Ka-Halep nicht weiter zu folgen. Denn der Pfad, den er beschreitet, ist der falsche Pfad.«

Ein empörter Aufschrei schloss sich der kurzen Rede an. »Wie kannst du so etwas sagen, Tokka-Ytty?«, rief eine junge Frau, die sich nur eine Sekunde später einen Weg durch ihre Stammesgenossen bahnte. Das einzige Kleidungsstück, das sie am Leib hatte, war ein bestickter Lendenschurz. So war deutlich zu erkennen, dass ihr schlanker, durchtrainierter Körper vor Wut bebte. Ihr langes, schwarzes Haar fiel ihr weit bis über die Schultern. Es wurde von dem verzierten Stirnband nur notdürftig gebändigt. Die Feder, die darin steckte, wippte beim Näherkommen aufgeregt hin und her. »Deine Worte sind wie Fliegen, die sich von faulem Fleisch ernähren. Schmutzig und lästig.« Als sie nur zwei Schritte von ihm entfernt stehenblieb, funkelten ihre Augen mit dem Feuer um die Wette. »Warum suchst du dir also nicht einen Haufen Dreck? Bei dem sind deine Lügen besser aufgehoben.«

Ihr Gegenüber bedachte sie mit einem herablassenden Lächeln. »Und deine Zunge ist flink wie ein Wiesel, Sassa-Bani«, entgegnete Tokka-Ytty. »Doch manchmal läuft sie schneller, als dein Kopf folgen kann. Denn wenn es anders wäre, hättest du erkannt, dass ich die Wahrheit spreche.«

»Deine Wahrheit ist wie der Nebel, der am Morgen über den Wiesen treibt. Wenn das klare Licht der Sonne darauf fällt, löst er sich in nichts auf.« Die junge Indianerin reckte kämpferisch das Kinn in die Höhe. »Das wird auch mit deinen Lügen geschehen.«

»Meine Lippen sind nicht mit Lügen beschmutzt.«

»Ach ja? Und weshalb behauptest du dann, dass Nu-Ka-Halep unser Volk verrät? Jeder weiß, dass er ein weiser Stammesführer ist, der für die Dsitsita sorgt, wie eine Bärin für ihre Jungen.«

»Ich kenne keine Bärin, die ihre Jungen direkt in die Arme des Jägers treibt.«

»Das würde er niemals tun.«

»Und doch trifft er sich mit dem weißen Mann, um das Land unserer Ahnen an ihn zu übergeben. Kann es einen größeren Verrat an seinem Volk geben?«

»Das Land ist kein Geschenk an den weißen Mann. Es ist ein fairer Handel. Unser Volk wird Nutzen davon haben.«

»So sprichst du nur, weil Nu-Ka-Halep dein Vater ist«, knurrte Tokka-Ytty. »Das hat deinen Geist verblendet.«

»Nu-Ka-Halep ist auch dein Vater.« Die junge Frau spuckte die Worte aus, als würde ihr diese Tatsache tiefsten Ekel bereiten. »Warum erkennst du dann nicht, dass deine Gedanken ein Irrtum sind?«

»Weil wir aus dem Schoß verschiedener Mütter gekommen sind.« Tokka-Ytty bedachte sie mit einem verächtlichen Blick. »Das Blut meiner Mutter war rein. Das hat mir einen klaren Verstand geschenkt. Durch deine Adern strömt dagegen auch das Blut der weißen Kojoten, die in unser Land eingedrungen sind. Kein Wunder, dass du Nu-Ka-Haleps Verrat gutheißt.«

Sassa-Bani fiel es schwer, die Beherrschung nicht zu verlieren. Sie ballte die Hände so fest zu Fäusten, dass die Adern an ihren Unterarmen hervortraten. »Mein Verstand ist klar genug, um zu erkennen, weshalb du unseren Vater beschuldigst«, fauchte sie. »Du möchtest seinen Platz einnehmen. Doch das wird niemals passieren. Niemand weiß, wen er zu seinem Nachfolger bestimmt hat – aber dich ganz sicher nicht. Nu-Ka-Halep ist stolz und mächtig wie ein Adler. In seinem Nest ist kein Platz für eine schmutzige Krähe wie dich.«

Tokka-Yttys rechte Hand fuhr in die Höhe. Für einen Moment sah es aus, als habe er vor seine Halbschwester zu schlagen. Einer der Leibwächter des Häuptlings sprang auf die Füße, um der jungen Frau zu Hilfe zu kommen. Doch sein Eingreifen war nicht nötig. Tokka-Ytty beschränkte sich darauf, Sassa-Bani wie einem harmlosen Tier über den Kopf zu streicheln.

»Du hältst mich für eine Krähe?«, fragte er mit kaltem Lächeln. »Es gibt tatsächlich stolzere Vögel.« Seine Finger legten sich unter ihr Kinn. »Aber du solltest immer daran denken, dass eine Krähe geschickt genug ist, um einer Schlange mit einem Schnabelhieb den Kopf zu spalten.«

Die Augen der jungen Frau verengten sich zu schmalen Schlitzen. »Willst du mir etwa drohen?«

»Droht ein Bär einem Lachs, wenn er am Flussufer steht?«

Bisher hatte der Stammesführer den Streit wortlos verfolgt. Aber nun war der Moment gekommen, an dem er sich zum Einschreiten entschloss. »Genug!« Er schnellte von seinem Platz auf. »Ich verbiete euch, die Geister noch länger mit eurem Streit zu beleidigen. Einen solchen Frevel werde ich nicht dulden.« Nu-Ka-Haleps Blick wanderte zwischen den beiden Halbgeschwistern hin und her. »Meine Entscheidung ist gefallen. Darum ist es nicht klug, durch böse Worte den Zorn der Geister zu beschwören.« Bevor sie die Chance auf eine Erwiderung hatten, wendete sich der Häuptling um und verschwand in einem Zelt. Seine beiden Wachen folgten ihm mit kurzem Abstand.

***

Der Sweetwater River zog sich wie ein silbernes Band durch sein Bett. Die Nacht war sternenklar. Der Vollmond stand als leuchtende Scheibe über den Rand der Hügelkette. Sein Licht war so stark, dass die Bäume am Flussufer lange Schatten warfen, die bis auf das Wasser reichten.

Die Gestalt unter einem der Redcedartrees stand so regungslos da, dass sie kaum zu erkennen war. Erst als der langgezogene Ruf eines Bartkauzes im Wald ertönte, löste sie sich von ihrem Platz neben dem Stamm. Eine Hand trichterförmig an die Lippen gelegt, erwiderte Tokka-Ytty den Vogellaut.

Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis ein zweiter Mann aus dem Waldstück kam. Beinahe lautlos trat er ans Flussufer.

»Du kommst spät, Boru-Nesa«, begrüßte ihn Tokka-Ytty. »Was ist der Grund? Haben die Geister den Samen des Zögerns in deine Seele gepflanzt?«

»Nein.« Sein Stammesbruder machte eine abwehrende Geste. »Boru-Nesa fühlt und denkt wie Tokka-Ytty. Das war so. Das wird so bleiben.«

»Gut.« Dessen zufriedenes Nicken zeichnete sich gegen das Glitzern des Flusses ab. »Bist du dir sicher, dass dir niemand gefolgt ist?«

»Boru-Nesa hat das Dorf so leise verlassen wie eine Schlange im Gras. Nicht einmal die Hunde haben die Köpfe gehoben.«

»Umso besser.« Trotz der Beteuerung seines Gegenübers sprach Tokka-Ytty auch weiterhin mit gesenkter Stimme. »Gibt es Neuigkeiten von Nu-Ka-Halep? Du bist ständig in seiner Nähe und kennst deshalb seine Pläne. Hat er seinen Entschluss noch einmal überdacht, nachdem die Geister ihn gewarnt haben?«

»Nein. Beim zweiten Morgengrauen bricht Nu-Ka-Halep auf zur Stadt des weißen Mannes.«

»Damit habe ich schon gerechnet.« Tokka-Ytty nickte zufrieden. »Nu-Ka-Halep kann stur wie ein Maultier sein. Aber es ging ja auch nicht darum, ihn zu überzeugen. Runa-Ho-Kralus Gespräch mit den Geistern sollte den Rest unseres Stamms auf die Veränderungen vorbereiten, die es schon bald geben wird.« Er verschränkte die Arme vor der Brust. »Schon bald wird eine neue Zeit anbrechen. Ein neuer Anführer wird an der Spitze der Dsitsitas reiten.«

»Wird sein Name Tokka-Ytty sein?«

»Das hast du richtig erkannt, Boru-Nesa.« Er legte seinem Gegenüber eine Hand auf die Schulter. »Aber damit das geschieht, brauche ich deine Hilfe. Wenn du mich unterstützt, werden die Geister dich reich belohnen. Noch nach unzähligen Monden wird dein Name bei den Dsitsita mit Ehrfurcht ausgesprochen werden.«

»Was muss Boru-Nesa tun?«

»Erinnerst du dich, worüber wir gesprochen haben, als der Mond das letzte Mal sein Gesicht verdunkelt hat?«

Der Leibwächter des Stammesoberhaupts legte sich zwei Finger gegen die Stirn, als Zeichen, dass er wusste, wovon Tokka-Ytty sprach.

»Nun ist die Zeit gekommen, um zu handeln. Wenn Nu-Ka-Halep in der Stadt der weißen Männer ist, ist die Gelegenheit günstig, den Willen der Geister zu erfüllen. Wer wird ihn dorthin begleiten?«

»Boru-Nesa.« Der Krieger schlug sich mit der Faust gegen die Brust. »Danka-Mutu«, nannte er dann den Namen des zweiten Leibwächters. »Und Sassa-Bani.«

Als seine Halbschwester erwähnt wurde, schnaubte Tokka-Ytty verärgert auf. »Ich hätte mir denken können, dass diese lästige Natter ihm nicht von den Fersen weicht. Aber das wird uns nicht daran hindern, unseren Plan in die Tat umzusetzen. Notfalls müssen wir die Schlange eben unschädlich machen. Traust du dir das zu?«

»Boru-Nesa fürchtet keinen Gegner«, erwiderte der Leibwächter entrüstet. »Keinen anderen Krieger, kein wildes Tier – warum dann eine schwache Squaw?«

»Sehr gut.« Tokka-Yttys Rücken straffte sich. »Ich verlasse mich auf dich. Wir machen es so, wie wir es besprochen haben. Sobald ihr in der Stadt des weißen Mannes angekommen seid, werden …« Er verstummte abrupt, denn hinter einem der Bäume war ein kurzes Blinken zu sehen gewesen. Das Mondlicht war dort auf einem metallischen Gegenstand reflektiert worden.

Tokka-Ytty reagierte sofort.

Mit zwei schnellen Schritten war er bei dem Baum. Seine rechte Hand fuhr nach vorn und krallte sich in den Oberarm der Gestalt, die sich dort verborgen gehalten hatte.

»Nonno-Hattep«, stieß Tokka-Ytty hervor, als er seinen Stammesbruder erkannte. Es war ein Heranwachsender, der an der Schwelle zum Erwachsensein stand. »Was hast du hier zu suchen?« Er schüttelte ihn so kräftig, dass das Amulett aus poliertem Silber, das er um den Hals trug, hin und her baumelte. Es war das Schmuckstück, in dem sich das Mondlicht gefangen hatte.

»Ich will fischen«, entgegnete Nonno-Hattep und wies zu einem Kanu, das ein wenig flussaufwärts am Ufer festgemacht war. »Bei Vollmond kommen die Fische so nah an die Oberfläche, dass man sie mit bloßen Händen fangen kann.«

»Wie lange stehst du schon hinter dem Baum?«

»Nicht lange. Ich habe eine Bewegung beim Fluss gesehen. Ich dachte, ein Bär ist dort auf Futtersuche. Deshalb habe ich mich versteckt. Meine Seele wurde leicht wie ein Vogel, als ich erkannte, dass kein Bär, sondern Männer aus meinem Volk am Ufer stehen.«

Trotz der Erklärung hielt Tokka-Ytty den jungen Krieger noch immer fest gepackt. »Hast du gehört, worüber wir gesprochen haben?«

»Ihr habt von Nu-Ka-Halep geredet«, entgegnete Nonno-Hattep. »In der Stadt des weißen Mannes soll sich der Willen der Geister …« Er brach ab, als ihm urplötzlich klar wurde, dass er sich mit seiner Ehrlichkeit in ernste Schwierigkeiten gebracht hatte. »Euer Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben«, beteuerte er. »Ich werde schweigen wie ein …«

Weiter kam er nicht, denn Tokka-Ytty hatte ihn bereits kräftig herumgewirbelt. Nonno-Hatteps Schädel prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Die Knie des jungen Kriegers knickten ein. Er wäre zu Boden gesackt, hätte Tokka-Ytty ihn nicht aufgefangen und ihn sich blitzschnell über die Schulter geworfen. »Folge mir«, raunte er Boru-Nesa zu.

Mit seiner menschlichen Fracht auf dem Rücken watete Tokka-Ytty in den Fluss, bis ihm das Wasser bis zu den Oberschenkeln reichte. Er ließ Nonno-Hattep von seiner Schulter gleiten. »Steh nicht rum, sondern hilf mir«, forderte er seinen Begleiter auf, während er den Bewusstlosen unter die Wasseroberfläche drückte. Boru-Nesa kam zu ihm in den Fluss.

Das kalte Wasser ließ Nonno-Hattep wieder zu sich kommen. Er begann zu strampeln und sich aufzubäumen, um zurück an die Luft zu kommen. Doch gegen seine beiden kräftigen Widersacher hatte er nicht den Hauch einer Chance. Gemeinsam hielten sie ihn fest, bis seine Bewegungen immer weniger wurden und schließlich vollständig aufhörten. Als sie endlich von ihm abließen, wurde der leblose Körper von der Strömung erfasst und davon getrieben.

»Er wusste zu viel«, erklärte Tokka-Ytty ungerührt, nachdem Nonno-Hattep aus ihrer Sichtweite verschwunden war. »Deshalb musste er sterben.«

»Aber was ist, wenn Nonno-Hatteps Überreste gefunden werden?«, wendete Boru-Nesa ein.

»Man wird glauben, dass er beim Fischen verunglückt ist. Nur du, ich und die Geister kennen die Wahrheit. Aber die Geister kämpfen an unserer Seite. Deshalb werden sie schweigen und sich Nonno-Hatteps Seele annehmen.« Tokka-Ytty drehte sich um und stapfte zurück zum Ufer. »Komm mit. Wir müssen zurück ins Dorf. Diese Nacht hat zu viele Ohren.«

Sein Begleiter blickte sich unbehaglich um, als rechne er jeden Moment damit, einen weiteren Beobachter am Waldrand zu entdecken, dann schloss er sich ihm eilig an. Es dauerte nicht mal eine Minute, bis nur noch das leise Rauschen des Sweetwater River das einzige Geräusch war, das den Ort des Verbrechens erfüllte.

***

»Gefalle ich dir?«, wollte Martha Woodrose mit samtener Stimme wissen.

»Das kann man wohl sagen«, bestätigte Lassiter. »Du siehst einfach atemberaubend aus.« Hätte er etwas anderes gesagt, wäre das eine glatte Lüge gewesen. Die junge Lady, die lasziv am Türrahmen lehnte, sah aus, als sei sie einem sehnsuchtsvollen Männertraum entstiegen. Sie trug nichts außer einem Paar schwarzer Netzstrümpfe, hochhackigen Stiefelletten und einem verführerischen Lächeln auf den Lippen.

Die Sünde selbst hätte nicht schöner sein können. Die endlos langen Beine gingen über in einen runden, prallen Hintern, den auch ein begnadeter Bildhauer nicht ...

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