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Lassiter - Folge 2195

Lassiter und die Gaukler

Philadelphia, Pennsylvania

Der Mann in dem makellos sitzenden dunklen Anzug mit der schmalen schwarzen Fliege schwitzte stark. Zu seiner Erleichterung zitterten wenigstens seine Finger nicht, als er einen dicken Umschlag aus der Innentasche seiner Jacke zog. Er riss die Lasche auf und schüttelte mehrere kunstvoll bedruckte Scheine daraus hervor.

»Das sind zwanzig Schuldverschreibungen der Regierung der Vereinigten Staaten im Wert von jeweils fünfhundert Dollar«, sagte er heiser. »Also zehntausend Dollar. Sie sind so gut wie Bargeld. Jede Bank von der Ost- bis zur Westküste akzeptiert sie.«

Er schob das schmale Bündel in den Umschlag zurück und warf ihn in die Mitte des Tisches auf einen stattlichen Haufen aus Dollarscheinen, Silber- und Goldmünzen. »Was sagen Sie dazu, Gentlemen?«

»Ich bin raus«, murmelte der Mann zu seiner Rechten, seines Zeichens Kongressabgeordneter von Virginia, und ließ sein Blatt sinken.

Der Mann zu seiner Linken, ein wohlhabender Fabrikbesitzer aus Philadelphia, schüttelte nur wortlos den Kopf und warf seine Karten auf den Tisch.

»Das ist eine Menge Geld, Senator«, stellte der dritte Spieler auf der anderen Seite des runden Tisches fest. »Ist es einem Senator der Vereinigten Staaten denn überhaupt gestattet, mit Schuldverschreibungen als Einsatz zu pokern?«

»Lassen Sie das nur meine Sorge sein, Mr. Shoemaker«, erwiderte der Senator gepresst und schielte verstohlen in die Runde. »Ich weiß besser als Sie, was ein Senator der Vereinigten Staaten tun darf und was nicht.«

Dabei wusste er genau, dass er gerade seine politische Karriere riskierte. Sollte er das Spiel verlieren und jemals öffentlich werden, dass er mit Staatspapieren gepokert hatte, würden seine Wähler ihn zum Teufel schicken und seine politischen Freunde ihn wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Selbst wenn er das veruntreute Geld noch am selben Tag aus eigener Tasche zurückzahlte.

Shoemaker zuckte die Achseln. »Wie Sie wollen«, sagte er ruhig, ein unauffälliger Mann mittleren Alters, der einen nicht mehr allzu neuen Straßenanzug trug, und einen schwarzen Hut mit breiter Krempe, die seine Augen fast verdeckte. Er bückte sich und stellte die braue Ledertasche, die zwischen seinen Beinen gestanden hatte, vor sich auf den Tisch.

Die anderen Männer beobachteten ihn gebannt.

»Mit Ihren zehntausend Dollar haben Sie um dreitausend erhöht. Also muss ich noch einmal siebentausend Bucks aufbringen, um im Spiel zu bleiben. Richtig?«

Der Senator leckte sich nervös die Lippen. »Richtig.«

»Dann wollen wir mal sehen, ob ich überhaupt noch so viel Geld dabei habe.«

Shoemaker öffnete die Schnallen der beiden Lederriemen, klappte die schwere Ledertasche auf und nahm mehrere Geldbündel daraus hervor, die er in die Mitte des Tisches schob. »Das müssten viertausend sein«, sagte er.

Ein Grinsen schlich sich auf die Lippen des Senators. »Dann fehlen aber noch einmal dreitausend«, erklärte er. »Wenn Sie die nicht aufbringen können, sind Sie leider draußen.«

»Ich habe zwar keine Greenbacks mehr«, erwiderte Shoemaker, »aber ich schätze, das hier tut es auch.« Er förderte drei auf den ersten Blick unverkennbar schwere Wildlederbeutel aus den Tiefen seiner Tasche zu Tage und schüttete ihren Inhalt auf den Tisch.

Eine Flut großer, matt schimmernder Goldmünzen ergoss sich auf die Tischplatte. Einige rollten in den aus Geldscheinen und anderen Münzen bestehenden Einsatz hinein, ein paar andere fielen über die Tischkante zu Boden.

Der Senator und die beiden Männer, die aus dem Spiel ausgestiegen waren, bückten sich automatisch, um die heruntergefallenen Goldeagles im Wert von fünfzig Dollar pro Stück aufzuklauben.

Gold erzielte bei fast allen Männern dieselbe Wirkung. Kaum jemand war immun gegen seine Magie.

Als sie sich wieder aufrichteten, hatte Shoemaker die restlichen Münzen, die einzelnen Dollarscheine und die Notenbündel des Einsatzes in der Mitte des Tisches zu einem Haufen zusammengeschoben und den Umschlag mit den Schuldverschreibungen wie zur Krönung auf der Spitze des Geldberges platziert. »Okay, Senator«, sagte er. »Dann lassen Sie mal sehen, was Sie haben.«

Der Politiker atmete tief durch. Eigentlich konnte nichts mehr schief gehen. Er hatte vier Damen auf der Hand. Die Wahrscheinlichkeit, dass sein Gegner ihn mit vier Königen, vier Assen oder gar einem Royal Flash überbot, war verschwindend gering. Verschwindend gering, aber nicht gänzlich ausgeschlossen.

Diesmal konnte er das Zittern seiner Finger nicht unterdrücken, als er die Karten auf den Tisch legte. »Vier bezaubernde Ladys«, verkündete er.

Der Fabrikbesitzer stieß ein anerkennendes Pfeifen aus, der Kongressabgeordnete schüttelte ungläubig den Kopf.

»Und, Mr. Shoemaker, was haben Sie zu bieten?«, fragte der Senator lauernd.

Eine Weile herrschte Schweigen, während Shoemaker seinen Gegenspieler unter der breiten Hutkrempe hervor reglos anstarrte.

»Glückwunsch, Senator«, sagte er schließlich mit bewundernswerter Gelassenheit und legte seine Karten mit der Rückseite nach oben auf den Tisch. Er beugte sich vor und schüttelte dem Politiker die schweißnasse Hand. Obwohl er gerade ein kleines Vermögen verloren hatte, war seine Hand im Gegensatz zu der des Politikers trocken und ihr Druck fest.

»Kompliment, Mr. Shoemaker«, erwiderte der Senator, während er die Arme weit ausbreitete und den Schatz auf dem Tisch zu sich heranzog. Erst jetzt spürte er, wie sehr ihn die Spannung aufgewühlt hatte. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und seine Kehle war staubtrocken. »Sie tragen Ihren Verlust mit Fassung.«

»Mal gewinnt man, mal verliert man«, murmelte Shoemaker philosophisch. Er erhob sich, ergriff seine Ledertasche und berührte die Krempe seines schwarzen Hutes grüßend mit den Fingerspitzen. »Ich werde diesen Abend bestimmt nicht so schnell vergessen. Und Sie vermutlich auch nicht. Gentlemen.« Er nickte den Männern knapp zu, drehte sich um und verließ die kleine Sitznische des Hotels.

Die drei Männer sahen ihm nach, wie er die Lobby des Hotels durchquerte und in der kalten regnerischen Nacht von Philadelphia verschwand.

»Sie hätten ihm wenigstens noch einen Drink zum Abschied anbieten können, Senator«, meinte der Kongressabgeordnete. Er drehte einen Goldeagle zwischen den Fingern und betrachtete versonnen die Prägung der schweren Goldmünze. »Schließlich haben Sie den armen Burschen ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Wahrscheinlich ist er jetzt völlig pleite.«

Der Senator grinste. »Wenn er es nicht so eilig gehabt hätte, zu verschwinden, hätte er sich auf meine Kosten volllaufen lassen können.«

»Auch wenn Sie ein unschlagbares Blatt hatten, war das doch ziemlich gefährlich, Senator«, gab der Fabrikant zu bedenken. Er zündete sich ein Zigarillo an und blies eine Rauchwolke in die Luft. »Nachdem Sie bereits Ihr gesamtes Bargeld gesetzt hatten, auch noch die Schuldverschreibungen zu riskieren …«

»Ich hatte die Lage stets im Griff«, behauptete der Senator selbstgefällig, während er nach einem Kellner winkte. »Bringen Sie uns eine Flasche von dem besten Scotch, den Sie auf Lager haben«, verlangte er. »Wäre ich nicht die ganze Zeit sicher gewesen, dass ich die Runde gewinne«, fuhr er fort, nachdem der Keller davongeeilt war, »hätte ich die Schuldverschreibungen natürlich niemals gesetzt. Ich würde doch nicht leichtfertig das mir anvertraute Geld meiner Wähler veruntreuen.«

Der Kellner kehrte mit einer Flasche Single Malt zurück, die ungefähr so viel kostete wie ein guter Zuchthengst, und schenkte den drei Männern ein.

»Auf Sie, Senator«, sagte der Kongressabgeordnete.

Sie stießen miteinander an und tranken genüsslich.

»Was hatte der Bursche eigentlich für ein Blatt auf der Hand, dass er so hoch gereizt hat?«, fragte der Fabrikant plötzlich. Er beugte sich über den Tisch und drehte Shoemakers Karten um.

Vier Könige und ein Joker blickten den drei Männern entgegen.

Dem Fabrikbesitzer fiel der Zigarillo aus dem Mund. »Vier Könige …«, krächzte er. »Der Bursche hat Sie geschlagen, Senator. Er hat das Spiel gewonnen, nicht Sie!«

»Aber warum …?«, begann der Senator. Seine Stimme versagte. Er räusperte sich und versuchte es noch einmal. »Warum ist er dann einfach verschwunden und hat mir den Jackpot überlassen?«

»Und wo kommt der Joker her?«, fragte der Kongressabgeordnete ratlos. »Ich habe persönlich alle Joker aus dem Blatt entfernt, nachdem wir uns darauf geeinigt hatten, ohne Joker zu spielen.«

»Die wichtigste Frage ist doch«, stieß der Senator hervor und blickte in Richtung der Ausgangstür, als erwartete er, dass Shoemaker jeden Moment zurückkommen und den Gewinn für sich beanspruchen würde, »warum er einfach gepasst hat?«

Plötzlich runzelte der Kongressabgeordnete die Stirn. Er ergriff einen zweiten Goldeagle und schlug ihn gegen den anderen. »Hören Sie das?«, erkundigte er sich.

»Was?«, fragte der Fabrikant irritiert zurück.

»Der Klang ist viel zu hell«, erklärte der Kongressmann. Er schob sich eine der Münzen seitlich in den Mund, bis mit den Eckzähnen darauf, zog das Geldstück wieder hervor und starrte es an.

Obwohl er kräftig zugebissen hatte, war nicht die kleinste Kerbe in der golden schimmernden Oberfläche zu sehen. Dann kratzte er mit der Kante einer Münze mehrmals über die Oberfläche einer anderen und begutachtete das Ergebnis aus schmalen Augen.

»Und?«, fragte der Senator heiser, obwohl er die Antwort bereits ahnte.

»Das ist kein Gold«, erwiderte der Abgeordnete aus Virginia fassungslos. »Wahrscheinlich Bronze mit einem dünnen Überzug aus poliertem Messing.« Er ergriff eins der Geldbündel und riss die Banderole ab, die die Scheine zusammenhielt.

Nur die jeweils ersten Scheine auf beiden Seiten des Bündels waren echte Dollarnoten, der Rest bestand aus Fälschungen, die nicht einmal sonderlich geschickt gemacht waren.

Trotzdem hatten sie ihren Zweck erfüllt.

Nachdem sie auch die restlichen Bündel überprüft hatten, wussten die Männer, warum Shoemaker einfach verschwunden war.

»Aber warum hat er nicht einfach sein Blatt aufgedeckt und den Gewinn eingestrichen?«, murmelte der Fabrikbesitzer ratlos. »Er hatte das Spiel doch gewonnen.«

»Vielleicht, weil er befürchtete, dass ich die Schuldverschreibungen nicht so ohne weiteres aufgeben …« Der Senator stockte mitten im Satz und wurde bleich. »Der Umschlag!«, flüsterte er. Er nahm ihn vom Tisch. Seine Finger zitterten so sehr, dass er zweimal ansetzen musste, um ihn zu öffnen und seinen Inhalt auszuschütteln.

Shoemaker musste den Austausch blitzschnell bewerkstelligt haben, als sich seine Mitspieler gebückt hatten, um die heruntergefallenen falschen Goldeagles vom Boden aufzuklauben.

Statt der Schuldverschreibungen fiel nur ein einzelner weißer Bogen Papier auf den Tisch. Von dem Blatt grinste den Männern ein mit schwarzer Tusche gezeichneter Joker entgegen. Darunter stand in elegant geschwungener Handschrift ein einzelner Satz geschrieben:

Ich hoffe, Sie hatten einen ebenso unterhaltsamen Abend wie ich, Gentlemen.

***

Drei Stunden später saß der Senator allein mit dem Rest des sündhaft teuren Scotchs in seinem Hotelzimmer und trank hin und wieder einen Schluck, doch das betäubende Gefühl der Trunkenheit wollte sich nicht einstellen.

Er konnte sich nicht einfach an die örtliche Polizei wenden und den Verlust der ihm anvertrauten Schuldverschreibungen melden. Genauso gut hätte er politischen Selbstmord begehen können.

Dabei war der Verlust der zehntausend Dollar nicht einmal das Schlimmste. Seine Familie besaß große Ländereien in Maryland und würde das Geld ohne große Schwierigkeiten aufbringen können. Was viel schwerer wog, war der Schaden, den sein Ruf nehmen würde, wenn allgemein bekannt wurde, was er getan hatte.

Also hatte der Senator den Abgeordneten und den Fabrikbesitzer beschworen, Stillschweigen über den Vorfall zu bewahren. Zum Glück hatte das Pokerspiel in einer abgetrennten Sitznische des Foyers ohne fremde Zuschauer stattgefunden.

Danach hatte er im Hotel, wo er als prominenter Stammgast eine Vorzugsbehandlung genoss und auf Verschwiegenheit zählen konnte, Nachforschungen nach dem geheimnisvollen Shoemaker angestellt – ohne sich natürlich näher zum Grund seines Interesses zu äußern.

Die bisherigen Ergebnisse waren niederschmetternd.

Bei Shoemaker – falls das überhaupt der richtige Name des Mannes war – schien es sich um ein Chamäleon zu handeln. Wen auch immer man fragte, jeder beschrieb ihn anders.

Da erging es dem Senator und seinen Freunden nicht anders. So konnten sie sich weder darauf einigen, wie alt, wie groß, noch wie dick oder dünn der geheimnisvolle Fremde gewesen war. Seine Augen unter der breiten Hutkrempe hatte keiner genau gesehen. Nur darin, dass er einen Schnurrbart gehabt hatte, bestand Einigkeit. Was aber kaum eine Hilfe war, denn ein Schnauzer ließ sich in wenigen Minuten abrasieren.

Abgesehen davon konnte der Senator nicht die Polizei mit der Suche nach Shoemaker beauftragen.

Aber es gab eine Alternative. Er war seit seiner Jugend mit dem derzeitigen Justizminister eng befreundet und wusste von einer geheimen Spezialtruppe des Ministeriums: der Brigade Sieben. Spezialisten, die immer dann losgeschickt wurden, wenn die örtlichen Sheriffs, die Bundesmarshals oder US-Rangers überfordert waren.

Der Justizminister und seine Männer würden sich diskret um die Angelegenheit kümmern.

Um die Schuldverschreibungen zu Bargeld zu machen, musste Shoemaker sie bei Banken einlösen. Natürlich war es auch möglich, dass er sie mit erheblichem Verlust an Hehler verkaufte, aber selbst so würde er Spuren hinterlassen.

Da konnte man ansetzen. Und offenbar war Shoemaker kein Anfänger. Ein Profi wie er hatte garantiert früher schon so manches Ding gedreht. Vielleicht handelte er ja nach einem bestimmten Muster, durch das sich seine Spur aufnehmen ließ.

***

Vier Monate später im Eureka County, Nevada

Chuck Billingsworth schnalzte aufmunternd mit der Zunge. »Los, meine Kleinen!«, rief er. »Nicht so faul! Wir haben noch einen weiten Weg vor uns!«

Die beiden Maultiere drehten kurz die Ohren nach hinten und beschleunigten gehorsam ihre Schritte.

Der alte Chuck lächelte zufrieden. Immer wieder hatte man ihm gesagt, Maultiere eigneten sich nicht als Gespann für einen Karren, aber er hatte allen Kritikern das Gegenteil bewiesen. Lilly und Lulu, wie er seine Maultiere nannte, harmonierten prächtig miteinander, waren ausdauernd, robust und genügsam. Die idealen Tiere für einen Händler, der ständig im kargen, steinigen Hochland der Diamond Mountain Range von Nevada unterwegs war.

»Wie lange brauchen wir noch, Chuck?«, fragte die junge Frau auf dem Kutschbock neben dem alten Händler.

»Drei Stunden bis zum Lager Hell’s Claim und dann noch einmal drei Stunden bis nach Eureka. Keine Angst, wir werden noch vor Sonnenuntergang ankommen, und ich fahre euch direkt zum Hotel Fortune Inn, wo hübsche junge Dinger wir ihr vor den Nachstellungen der Digger sicher sind.«

»Da hörst du es, Spring Moon«, sagte die junge Frau zu ihrer Freundin, die neben ihr auf dem schmalen Kutschbock saß. Beide waren Indianerinnen aus dem Volk der Shoshonen, doch im Gegensatz zu Spring Moon, die auf den ersten Blick eindeutig als Indianerin zu erkennen war, hatte die andere Frau trotz ihrer dunkel gebräunten Haut und dem tiefschwarzen Haar leuchtend blaue Augen. Ein Erbe ihres weißen Großvaters, der eine Shoshonin zur Frau genommen, einige Jahre bei ihrem Stamm gelebt hatte und kurz nach der Geburt seiner Enkelin gestorben war.

Von ihm hatte sie den christlichen Namen Wendy erhalten, ihr Stammesname dagegen lautet Blue Bird.

Wendy – oder Blue Bird – war sich selbst nicht sicher, welchen Namen sie bevorzugte. Zu Hause im Reservat nannte sie sich selbstverständlich bei ihrem Stammesnamen, aber wenn sie einmal in die Städte der Weißen fuhr, wechselte sie automatisch zu Wendy.

»Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee war, mit dem Alten in die Stadt zu fahren«, erwiderte Spring Moon in ihrer Muttersprache. »Dein Bruder wird toben, wenn er von der Jagd zurückkommt und feststellt, dass wir verschwunden sind.«

»Vielleicht lenkt es ihn von uns ab, dass sich die anderen Männer betrunken haben«, murmelte Wendy halb im Scherz. »Du weißt ja, wie sehr er das verabscheut.«

Chuck lauschte aufmerksam dem Gespräch der beiden jungen Shoshoninnen, ohne sich anmerken zu lassen, dass er sie verstehen konnte. Für einen Händler war es beim Feilschen äußerst hilfreich, wenn die Geschäftspartner nicht ahnten, dass man genau wusste, wo ihre Schmerzgrenze beim Kaufen und Verkaufen lag.

Diesmal aber hatte er ein schlechtes Gewissen, die beiden jungen Frauen hinters Licht zu führen. Was nicht nur daran lag, dass er sie heimlich belauschte, sondern vor allen Dingen daran, dass er zwei Kisten Whiskey ins Duck Water Reservat gebracht hatte – wohl wissend, was passieren würde.

Dabei war es nicht seine Idee gewesen. Er trieb seit Jahren Handel mit den ortsansässigen Indianern, tauschte Lebensmittel und Werkzeuge gegen Felle und indianischen Schmuck, der sich in den großen Städten des Ostens und an der Westküste immer größerer Beliebtheit erfreute.

Chuck Billingsworth war ein einfacher, aber kein dummer Mann. Er wusste, dass es sich auf lange Sicht auszahlte, fair zu bleiben. Doch dann hatte ihm Bob St. Claire ein Angebot gemacht, das er einfach nicht hatte ausschlagen können.

»Wenn du das nächste Mal zu den Shoshonen rausfährst, möchte ich, dass du genügend Whiskey mitnimmst, um den ganzen Stamm gründlich abzufüllen«, hatte der schlanke Mann mit den langläufigen Revolvern gesagt, der die rechte Hand des örtlichen Silberbarons war.

»Aber Whiskey an die Indianer verkaufen …«, hatte Chuck eingewandt.

»Lass das nur meine Sorge sein. Kein Mensch wird davon erfahren. Und es wird dich auch nicht einen Cent kosten. Den Whiskey besorge ich dir. Betrachte ihn einfach als Geschenk an deine rothäutigen Freunde.«

Chuck war nicht ganz wohl bei dem Gedanken gewesen. Die Regierung sah es nicht gern, wenn die Indianer Alkohol tranken, andererseits aber war es nicht verboten, Whiskey zu verkaufen.

»Du musst mir im Gegenzug nur einen kleinen Gefallen tun«, hatte Bob St. Claire, der stets elegant in Schwarz gekleidet war, hinzugefügt.

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