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Lassiter - Folge 2162

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Moira und die Himmelhunde
  4. Vorschau

Moira und die Himmelhunde

Die junge Frau sah aus wie ein Cowboy – fein herausgeputzt wie für eine männliche Bühnenrolle. Letzteres lag an dem kurzgeschorenen schwarzen Haar, von dem nur ein Rand unter dem cremefarbenen Stetson hervorlugte. Der Rest ihres Kostüms bestand aus buntkariertem Hemd, dunkelblauer Denimhose und hochhackigen braunen Reiterstiefeln mit silbernen Sporen. Aus dem Holster ihres Patronengurts ragte ein Revolverkolben mit Elfenbeingriffschalen. Sie ritt einen Grauschimmel und näherte sich auf einem Weg, der durch das Grasland führte.

Emmett Culver tränkte sein Pferd an einem Creek. Das Wasser plätscherte flach über ein Kiesbett und glitzerte im Sonnenlicht. Culver blickte zu der Reiterin auf. Sie zügelte ihren Grauschimmel auf der anderen Seite des Bachlaufs, in einer Lücke des Buschwerks am Ufer.

»Was tust du hier?«, fragte sie von oben herab.

»Die Frage gebe ich zurück«, erwiderte der hochgewachsene blonde Mann.

Sie lachte. »Stell dir vor, von mir kriegst du eine Antwort.« Sie zog ihren edlen Colt.

Emmett Culver blieb äußerlich ruhig. Scheinbar unbeeindruckt löste er die Wasserflasche vom Sattelzeug seines Rappen, schraubte sie auf und goss den schalen Restinhalt in den Creek. Dann ging er in die Knie und begann seelenruhig, die lederummantelte Flasche nachzufüllen.

»Könnte sein«, brummte er, »dass der Schuss nach hinten losgeht.«

Sie stieß einen zornigen Laut aus und fauchte: »Spiel dich nicht auf, Fremder. Ich kann mit dem Colt genauso gut umgehen wie jeder aufgeblasene Kerl.«

Sie beließ es nicht bei der Behauptung. Bevor er etwas entgegnen konnte, krümmte sie den Zeigefinger unter dem Abzugsbügel. Gleichzeitig ließ sie den Sechsschüsser ein Stück abwärts rucken. Der Schuss krachte. Ein scharfer, grellroter Blitz zuckte aus der Mündung. Die Kugel fuhr in den Kies, ließ Wasser und Steinsplitter aufspritzen. Ein Teil davon schlug Emmett Culver ins Gesicht.

»Verdammt!«, fluchte er, schleuderte die Wasserflasche ins Gras und schnellte mit einem flachen Sprung hinterher. Er rechnete mit dem zweiten Schuss, als er sich abrollte. Doch es blieb still. Unbehelligt federte er auf die Beine, den eigenen Revolver schussbereit im Hüftanschlag.

Der Sattel des Grauschimmels war leer, die Reiterin im Cowboydress nicht mehr zu sehen. Dafür erscholl ihre Stimme klar und deutlich.

»Wenn ich wollte, wärst du jetzt tot, Fremder. Aber damit würde ich mir ins eigene Fleisch schneiden, denn dann hätte ich ja nichts mehr von dir.«

Culver spähte nach links und rechts. Sie musste sich irgendwo dort drüben in die Büsche geschlagen haben. Und weit konnte sie auf keinen Fall gekommen sein. Dazu hatte die winzige Zeitspanne nicht gereicht. Am liebsten hätte er seine Wut hinausgebrüllt. Dieses raffinierte kleine Biest hatte ihn ausgetrickst – ausgerechnet ihn.

Er hatte ihn seinem Leben schon die tödlichsten Gefahren gemeistert. Aber ausgerechnet hier, im öden Briscoe County, Texas, musste ihm der schlimmste Fehler seines Lebens passieren. Er hatte das Miststück falsch eingeschätzt.

»All right«, sagte er und zwang sich mühsam zur Ruhe. »Wenn du willst, dass ich am Leben bleibe, dann komm raus.«

»Einverstanden«, erwiderte sie bereitwillig. »Meine Bedingung lautet: Lass die Waffe fallen. Dann bin ich gleich bei dir.«

Er zerknirschte einen Fluch auf den Zähnen. Er konnte nicht feststellen, wo sie steckte. Es war ihm unmöglich, den Klang ihrer Stimme zu orten. Es musste an der Dichte des Buschgürtels liegen, der sich am anderen Ufer des Bachs entlangzog. Unterbrochen wurde das Gebüsch nur durch eine Lücke von etwa fünf Yard Breite an der Stelle, an der Emmett Culver seinen Rappen tränkte. Auch auf seiner Seite des Creeks führte der Weg durch Grasland, das hier allerdings nur von vereinzelten Sträuchern durchsetzt war.

An der Furt verbreiterte sich der Weg ein wenig. Offenbar wurde die Stelle öfter als Rastplatz und Pferdetränke benutzt. Und wie es schien, kannte sich die forsche Reiterin hier bestens aus.

»Einverstanden!«, rief er laut genug, damit sie es richtig verstand. Er bückte sich und ließ den Sechsschüsser vor seinen Stiefelspitzen ins Gras sinken. Dann richtete er sich auf und hob beide Hände in Kopfhöhe.

»Wunderbar«, ließ sich die Unsichtbare vernehmen. »Jetzt mach zwei Schritte nach rechts, aus deiner Sicht gesehen.«

Hölle und Teufel, dieses kleine Miststück wusste, was es wollte. Ohne seine Wut zu zeigen, befolgte Culver auch diese Anweisung. Natürlich hatte sie mitgekriegt, dass er Rechtshänder war. Nun, da der Revolver links von ihm lag, konnte er ihn wesentlich schwerer erreichen, als wenn er zu seiner Rechten gelegen hätte. Die nächste Überraschung erlebte er, bevor er seinen Ärger wegen ihres Überrumpelungsmanövers verdaut hatte.

Sie trat hinter dem Gebüsch hervor – auf der linken Seite der Furt.

Eine Sekunde lang kniff er entnervt die Augen zusammen und presste die Lippen aufeinander. Als er die Augen wieder öffnete, stand sie am anderen Ufer, genau gegenüber, keine drei Yard entfernt. Ihr Colt steckte im Holster. Sie hatte die Hände in die Hüften gelegt, die Beine leicht gespreizt.

»Ich weiß, was du jetzt denkst«, sagte sie spöttisch überlegen. »Du denkst, du könntest deinen Revolver aufheben und mich abknallen. Aber glaube mir, du würdest es nicht schnell genug schaffen. Also sei vernünftig und höre, was ich dir zu sagen habe.« Sie machte eine wohlwollende Handbewegung. »Die Hände kannst du runternehmen.«

Er tat es und grinste. »Gibt es noch weitere Vergünstigungen?«

Sie überhörte die Frage. »An meiner Antwort warst du wohl nicht interessiert.«

»An welcher Antwort?«, entgegnete er stirnrunzelnd. »Auf welche Frage?«

»Hast du so ein kurzes Gedächtnis, oder tust du nur so?« Sie schüttelte missbilligend den Kopf. »Wir haben uns gegenseitig gefragt, was wir hier tun. Und im Gegensatz zu dir war ich bereit, zu antworten. Ich bin es noch.«

»Dann lass hören.«

»Ich will dich zu deinem Glück zwingen.« Sie setzte ein verheißungsvolles Lächeln auf, und mit einem tiefen Augenaufschlag fügte sie hinzu: »Ich mache dir ein Angebot, das du von einer Frau so schnell nicht wieder bekommst. Du kannst es also unmöglich ablehnen.« Sie setzte sich in Bewegung. Mit wiegenden Hüften schritt sie durch das knöcheltiefe Wasser auf Emmett Culver zu. Der Kies im Bachbett knirschte unter ihren Stiefelsohlen.

Culver blinzelte verdutzt. »Wie kann ich ein Angebot ablehnen, wenn ich noch gar nicht weiß, was es ist?«

Wortlos begann sie, ihr Hemd aufzuknöpfen. Sie tat es äußerst geschickt. Es sah aus, als brauchten die Kuppen ihrer schlanken Finger das schimmernde Perlmutt der Knöpfe lediglich zu berühren, um sie aus den Knopflöchern gleiten zu lassen. Als sie den buntkarierten Stoff mit beiden Händen auseinanderzog, sprangen ihre Brüste regelrecht hervor. Straff nachfedernd behielten sie ihre Form bei, und die Nippel entwickelten ein sichtbares Eigenleben, indem sie zu mehr als doppelter Größe anwuchsen.

Emmett Culver konnte nicht umhin, es interessiert zu betrachten.

»Nun?«, fragte die Reiterin keck. »Was hältst du davon?«

»Schön anzuschauen«, erwiderte er. »Ist das dein Angebot?«

»Du lieber Himmel!«, rief sie und lachte wieder. »Willst du dich damit etwa zufriedengeben? Ich biete dir alles an, was ich habe – Leib und Seele sozusagen.«

»Alles?«, wiederholte Culver misstrauisch. »Die Sache hat doch einen Haken!«

»Nein, nein.« Sie schüttelte heftig den Kopf. »Nur eine kleine Bedingung muss ich stellen. Eigentlich ist es nicht der Rede wert. Es ergibt sich praktisch von selbst, und es wird dir nicht …«

»Du redest zu viel«, unterbrach Culver sie. »Komm schon, heraus damit.«

»Es wird dir nicht schwerfallen«, vollendete sie beharrlich ihren Satz. »Nimm mich mit. Bring mich von hier weg – weit, weit weg. Du reitest doch sowieso weiter, habe ich Recht? Du bist nur auf der Durchreise, stimmt’s? Kein vernünftiger Mann könnte in diesem gottverlassenen County Wurzeln schlagen. Also wirst du nichts dagegen haben, dass ich mich dir anschließe. Wenn du willst, bleibe ich bei dir. Aber wenn du irgendwann von mir die Nase voll hast, kann ich mich auch allein durchschlagen. In Chicago beispielsweise, oder in einer anderen großen Stadt dürfte das kein Problem sein.«

Culver hob abwehrend die Hand, wollte ihren Redeschwall stoppen.

Doch die Mühe blieb ihm erspart.

Plötzliches Hufgetrappel brach aus einer Bodensenke hervor, weniger als eine halbe Meile entfernt, und es näherte sich rasch.

Die Reiterin zuckte zusammen, erbleichte. Hastig stopfte sie die Brüste zurück ins Hemd und knöpfte es mit fliegenden Fingern zu. Diesmal sah es weniger elegant aus. Sie begann vor Anstrengung zu zittern – und vor Angst, es nicht rechtzeitig zu schaffen.

»Was ist los?«, fragte Culver.

Der Reiter war bereits zu sehen. Seine Silhouette schälte sich aus einer Staubwolke heraus.

»Wir müssen fliehen!«, stieß die junge Frau hervor. »Das ist mein Vater, der da kommt. Schnell! Beschütze mich. Nimm mich mit! Bitte! Er ist nicht der beste Reiter. Wir können ihm entkommen.« Sie warf sich herum, wollte auf den Grauschimmel zu.

Culver machte einen schnellen Schritt vorwärts und hielt sie fest. »Moment mal«, sagte er scharf. »Das ist dein Vater? Sehe ich es richtig, wenn ich vermute, dass er dich zurückholen will?«

»Was denn sonst?«, schrie sie und versuchte, sich loszureißen. »Er hält mich wie eine Gefangene. Wenn du mir nicht hilfst, dann – dann …« Schluchzend hielt sie inne und ließ den Kopf sinken, als sie einsehen musste, dass sie gegen die Körperkraft des Mannes nicht ankam.

»Dann wird er dir schon nicht den Kopf abreißen«, sagte Culver. »Egal, welchen Ärger du mit ihm hattest – ich habe kein Recht, dich mitzunehmen. Das wäre nämlich Entführung.«

Neuer Wille erwachte in ihr. »Na und?«, schrie sie. »Dann entführe mich doch! Nichts wünsche ich mir mehr!« Sie stemmte sich gegen seinen Griff, versuchte, ihn mit sich zu zerren. Doch ebenso gut hätte sie versuchen können, eine Eiche zu entwurzeln.

Die Hufgeräusche schwollen an. Der Mann im Sattel war bereits deutlicher zu erkennen. Er trug einen schwarzen Anzug und eine schwarze Melone.

»Ich weiß nicht mal, wie du heißt«, erklärte Culver und ließ es besänftigend klingen.

»Jewel«, schniefte sie.

»Und wie alt bist du?«

»Einundzwanzig.«

»Also gerade mal volljährig«, folgerte der hochgewachsene blonde Mann.

»Deswegen ja!« Sie schluchzte laut auf. »Deswegen habe ich ja endlich das Recht, aus diesem verfluchten County abzuhauen – zu verschwinden, und zwar für immer!«

»Sicher.« Culver nickte. »Aber ohne mich. Ich werde hier tun, was ich tun muss.« Er zeigte ihr seine Entschlossenheit, indem er ihre Oberarme kräftiger umfasste. »Ich gebe dich deinem Dad zurück, Jewel, wie es sich gehört.«

»Nein!«, schrie sie. »Begreifst du denn nicht? Du musst mich retten! Ich flehe dich an! Ich bin verloren, wenn du mich nicht rettest.« Wieder versuchte sie vergeblich, sich seinem eisenharten Griff zu entwinden.

»Kommt nicht in Frage«, sagte er hart. »Erst einmal ist es meine Pflicht, dich deinem Vater zu übergeben. Tue ich es nicht, ist der Tatbestand der Entführung erfüllt. Daran ändert auch deine Volljährigkeit nichts.«

Der Hufschlag war inzwischen zum Donner geworden. Jewels Vater ritt ein großrahmiges braunes Kavalleriepferd. Es trug das Brandzeichen der US Army, wie Culver mit fachmännischem Blick feststellte, als der Mann es zügelte. Trotz der sommerlichen Hitze trug er Handschuhe aus feinem, schwarzem Leder.

»Jewel!«, sagte er barsch. »Du kommst sofort mit mir nach Hause. Los, aufsitzen!« Mit einer Kopfbewegung deutete er auf den Grauschimmel. Dann richtete sich sein Blick auf den Mann, der die junge Frau noch immer festhielt.

»Ich gebe Ihnen Ihre Tochter zurück, Sir«, sagte Culver. »Es ist nicht so, wie es vielleicht aussieht. Ich habe sie nur daran gehindert, wegzulaufen.«

»Verdammter Mistkerl«, zischte Jewel niedergeschmettert.

»Ist schon in Ordnung«, sagte ihr Vater, an Culver gewandt, und lächelte wohlwollend. »Sie sind nicht der Erste, bei dem sie es versucht. Das kennen wir schon. Deshalb – vielen Dank für Ihre Unterstützung.«

»So ist das also.« Emmett Culver schüttelte ernüchtert den Kopf. Er stieß Jewel von sich, zu ihrem Pferd hin.

»Nein!«, schrie sie und stolperte auf den Grauschimmel zu. »Nein!« Verzweifelt versuchte sie, ihr Gleichgewicht zu halten.

Culver wandte sich ihrem Vater zu. Der elegant gekleidete Mann auf dem Kavalleriepferd hatte seinen Revolver gezogen, einen vernickelten Colt. Culver konnte es nicht fassen. Er hatte schon eine Menge erlebt, aber dass ein Vater seine aufmüpfige Tochter mit vorgehaltener Waffe nach Hause zwingen wollte …

Der Stahl des Waffenlaufs funkelte silbern, als er geschwenkt wurde. Ungläubig starrte Culver auf den lederummantelten Zeigefinger, der sich krümmte. Culver reagierte noch, blitzschnell wie immer und doch nicht schnell genug. Er wusste es, als der Mündungsblitz aus dem Lauf stach wie eine Feuerlanze, die ihn durchbohren würde.

Ein Ruck lief durch seinen Körper.

Er wusste nicht, wo ihn die Kugel getroffen hatte, denn er spürte keinen Schmerz. Aber er wusste, dass ihn die Kugel getroffen hatte – weil es keinen anderen Grund dafür geben konnte, dass Jewels gellender Entsetzensschrei immer leiser wurde, obwohl sie nicht aufhörte, sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Das Krachen des Revolvers erschien nebensächlich; es verklang, während das Sonnenlicht gleichzeitig von der Schwärze der Nacht ausgelöscht wurde.

Emmett Culver begriff noch, dass diese Nacht für ihn kein Ende haben würde.

Dann war nichts mehr.

***

Conrad Brunswick betrat Moira Flanagans Salon und warf den kugelrunden Hut mit geübtem Schwung auf einen der Garderobenhaken. Die Halbglatze des schlanken Mannes, umgeben von einem handtellerbreiten dunklen Haarkranz, schimmerte im Schein der Wandlampen. Er drückte die Tür mit der Schulter ins Schloss, zupfte die Handschuhe von den Fingern und warf sie auf die Kommode neben dem Garderobenständer. Dunkelbraune und schwarze Altersflecken bedeckten seine Handrücken dicht an dicht, weshalb er sie in der Öffentlichkeit nicht mehr zeigen mochte. Es war ein Makel, der sich mit seinen dreiundvierzig Jahren viel zu früh eingestellt hatte. Deshalb zeigte er seine Hände nur in vertrauter Umgebung unverhüllt.

»Komm her«, sagte Moira mit ihrer rauchigen Stimme. »Ich habe dir einen Whisky eingeschenkt. Zum Runterspülen allen Ärgers.«

»Du weißt, dass das Zeug nicht hilft«, erwiderte Brunswick. »Aber ich lehne nicht ab, weil ich niemals etwas ablehnen könnte, das du mir anbietest.«

»Ach, du liebe Güte!« Sie lachte. »Wenn du mir solche Komplimente machst, musst du mindestens ein unerfreuliches Erlebnis gehabt haben – ich meine, abgesehen von dem Ärger mit Jewel.«

Er nickte und seufzte, zog das Jackett aus und hängte es auf. Auf dem Weg zur Hausbar befreite er sich von Krawatte, Kragen, Chemisette und Manschetten und warf alles in einen Sessel. Auch den Revolvergurt nahm er ab und legte ihn dazu. Nur noch mit Unterhemd, Hose und Stiefeln bekleidet schwang er sich auf einen der Barhocker. Moira schob ihm das Whiskyglas zu. Sie wusste, dass er es liebte, von ihr bedient zu werden wie von einer Bartenderin. Für sich selbst hatte sie einen Rotwein eingeschenkt, der aus der besten Lage Kaliforniens stammte.

Sie prosteten sich zu. Einen Moment lang betrachtete Brunswick die Frau über den Rand seines Glases hinweg. Eine Flut rostroter Locken fiel ihr bis auf die Schultern. Sie war das, was man wohl eine feurige Schönheit nannte. Ja, sie war die grandioseste Eroberung, die er je gemacht hatte. Wie sehr das in jeder Lebenslage zutraf, stellte sie im nächsten Moment wieder einmal unter Beweis. Nachdem sie beide einen Schluck getrunken hatten, verließ sie wortlos ihren Platz hinter dem kleinen Tresen.

Mit wiegenden Schritten kam sie nach vorn und setzte ein verheißungsvolles Lächeln auf. Zusammen mit ihrer Aufmachung war es die pure Verführung – und so prickelnd und aufregend, wie er es sich wünschte. Nun, da er sie in voller Schönheit vor sich sah, zum Greifen nah, geriet sein Blut in Wallung, und er vergaß auf der Stelle alles, was sich an diesem Tag ereignet hatte. Mit einem Ruck kippte er den Rest seines Whiskys hinunter, stellte das Glas ebenso ruckartig weg und konnte nichts anderes mehr tun, als seine Geliebte anzustarren.

»Mein Gott«, sagte er heiser. »Was für eine hinreißende Frau du doch bist!«

Sie antwortete nicht. Vielmehr senkte sie ihren Blick tiefer in den seinen und zupfte scheinbar gedankenverloren an den Rüschenrändern ihrer Korsage. Deren schwarzer Satin schimmerte im Lampenschein, und der weiße Perlenbesatz an der Vorderseite glitzerte, wie, um auf das größte und bedeutendste aller Geheimnisse hinzuweisen.

Die Perlen begannen mit einer senkrechten Linie zwischen den Körbchen, die ihre Brüste wie auf muldenförmigen Präsentiertellern trugen. Nach unten verbreiterte sich der Perlenbesatz tropfenförmig, um dann wie eine kristallene Pfeilspitze auf das Ziel aller Männerträume zu zeigen. Zugleich formte der schimmernde Stoff dort ein schwarzes Dreieck, das in seiner Form jenem entsprach, das es verhüllte. Schon aus geringer Entfernung konnte so der Eindruck entstehen, dass Moira den begehrenswertesten Teil ihres Körpers unbedeckt präsentierte.

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