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Lassiter - Folge 2126

Lassiters Höllenfahrt

Die Kutsche rollte langsam den Anstieg hinauf. William Tagger spürte brennenden Durst. Er fragte seinen Bewacher, ob er etwas zu trinken haben könne. Der Deputy tat, als hätte er nichts gehört. »Ich komme um vor Durst«, keuchte Tagger.

Der Mann mit dem Stern spielte mit seinem Colt. Er hieß Nat Brady, ein ungehobelter Klotz mit harten Muskeln und einem Hang zu Grausamkeiten. Die ganze Fahrt über hatte er seinen Gefangenen wie Luft behandelt.

Durch das Fenster sah Tagger auf die hügelige Prärielandschaft hinaus. Er wandte den Kopf, als er es glucksen hörte. Brady trank aus der Feldflasche. Dann packte er die Flasche weg, nahm wieder seinen Colt und ließ die Trommel rotieren. Taggers Kehle brannte wie Feuer. Am liebsten hätte er Brady den Hals umgedreht.

Will Tagger merkte, wie seine Unruhe wuchs.

Eben hatte die Kutsche die Kuppe des Hügels erreicht, den Humber Hill. Es ging wieder schneller voran. Die Bäume am Wegesrand beschatteten den Trail. Nirgendwo war ein Mensch zu sehen.

Gleich würden sie da sein: Jim Calder, Rick Beckett, Olsson, der Schwede und der clevere Hyde, den sie »Babyface« nannten.

Auf Taggers Männer war Verlass. Sie würden kommen und ihn aus dieser verdammten Kutsche holen. Calder hatte es ihm geschrieben, auf einem winzigen Zettel, den er ins Jail geschmuggelt hatte. Zwei Wörter standen darauf: Humber Hill.

Tagger leckte sich über die spröden Lippen. Aus den Augenwinkeln beobachtete er seinen Bewacher. Brady hantierte mit dem Colt herum.

Will Tagger schloss die Augen. In seiner Fantasie war er bereits ein freier Mann. Doch er durfte sich nichts anmerken lassen. Für Optimismus war es zu früh. Wenn sein Bewacher Verdacht schöpfte, konnte es noch einmal brenzlig werden.

Außer Brady war da noch der Kutscher. Der Mann auf dem Fahrersitz hatte eine schussbereite Winchester neben sich liegen. Tagger wusste nicht, wie gut der Mann damit umgehen konnte.

Doch seine Leute waren keine Anfänger. Sie würden den Kutscher als Ersten aufs Korn nehmen, noch bevor er das Gewehr an sich reißen konnte.

Tagger dehnte seinen Brustkorb. Der brennende Durst quälte ihn. Der Mistkerl von einem Deputy ließ ihn mit voller Absicht darben.

Will Tagger glaubte den Grund zu kennen: Brady neidete ihm seine Affäre mit der Arztgehilfin Monica Spratt. Alle wussten, dass der Deputy ein Auge auf die kesse Rotblonde geworfen hatte. Seit Wochen scharwenzelte er um sie herum, raspelte Süßholz und versuchte, sich mit ihr zu verabreden.

Die Krankenschwester war auf sein Werben nicht eingegangen. Sie hatte ihm die kalte Schulter gezeigt.

Und eines Abends war Monica Spratt mit ihm, Tagger, ins Bett gestiegen!

Jemand musste Brady davon erzählt haben. Er lauerte Monica auf und verpasste ihr eine Abreibung. Zwei Wochen lief sie hinkend und mit einem blauen Auge herum.

Dann fand Brady heraus, wer hinter dem Überfall auf den Geldtransport am Osage River steckte. Die Aktion ging auf Taggers Konto. Zusammen mit dem Schweden hatte er den Coup durchgezogen. Alles war perfekt gelaufen. Ein Bilderbuch-Überfall, ohne Zeugen, ohne Tote und ohne Verfolger. Eine rundum saubere Sache.

So dachten sie.

Drei Tage später tauchte Brady mit dem Sheriff auf. Sie verhafteten zuerst den Schweden, dann Tagger. Vermutlich hatten die Sternträger einen Tipp bekommen. Bei der Durchsuchung von Taggers Zimmer kam eine verräterische Banderole zum Vorschein, dazu ein Geldschein, auf dem ein ausgefuchster Banker ein Zeichen gekritzelt hatte.

Die Würfel waren gefallen.

Auf Geheiß des Richters sollten sie nach Bella Vista gebracht werden. Dort würde der Prozess stattfinden. Der rachsüchtige Brady prophezeite ihnen zehn Jahre im Zuchthaus von Fort Yuma.

Drei Tage vor der Überführung gelang dem Schweden die Flucht aus dem Jail. Er, Tagger, war dagegen im letzten Moment überwältigt worden.

Wasser gluckste. Brady hatte schon wieder die Flasche am Hals. Er trank gierig, als hätte er ewig nichts mehr bekommen. Die Hälfte des Wassers verschüttete er auf seine Jacke.

Ich werde dich eigenhändig abknallen, du Bastard, dachte Tagger.

Brady warf einen Blick nach draußen. Dann hämmerte er gegen die Wand.

»Anhalten, Jake!«

Der Kutscher zügelte die Pferde.

Will Tagger war irritiert. Sie hatten gerade vor einer Stunde Rast gemacht. Was hatten seine Bewacher vor?

Brady knuffte ihn in die Seite. »Los! Raus mit dir!«

»Warum?«

»Weil du pinkeln musst, Sonny!«

»Nein, ich muss nicht pinkeln«, erklärte Tagger.

»Doch, das musst du!«

Taggers Herz schlug schneller. Er sah, dass der stämmige Deputy den Revolver hob. Ganz langsam, mit einem hämischen Grinsen, spannte Brady den Hahn.

Er grinste. »Steig aus! Du willst dir doch nicht in die Hosen machen, oder?«

Will Tagger hob seine gefesselten Hände. Mühsam schob er den Riegel beiseite. Die Tür sprang auf. Er glitt vom Sitz und hüpfte ins Freie.

Jake, der Fahrer, zog die Bremse. Er war ein kleiner Mann, dessen Gesicht Tagger an einen Dachs erinnerte. Das schwarzweiß gestreifte Hemd, das er trug, verstärkte den Eindruck noch.

Lässig griff Jake nach der Winchester. Er repetierte.

Tagger stand da und wartete. Die Zeit schien stillzustehen.

Da kam Brady um das Fuhrwerk herum. Er nahm seinen Hut ab und fächelte sich Luft zu. In der anderen Hand hielt er seinen Sechsschüsser. Die Mündung zeigte auf Taggers Brust.

»Verdammte Hitze«, raunte der Fahrer. »Kein guter Tag zum Sterben.«

»Das seh ich anders, Jake«, erwiderte Brady. Er wies zum Himmel hinauf. »Sonne, wolkenloser Himmel, da ist das Sterben doch das größte Glück, oder?«

Auf einen Schlag wurde Tagger klar, was Brady vorhatte. Der Dreckskerl war noch fieser, als er geglaubt hatte.

»Das könnt ihr nicht bringen«, sagte er dumpf. »Ihr sollt mich nach Bella Vista schaffen, so hat’s der Sheriff befohlen. Macht gefälligst euren Job!«

»Er meint, wir sollen unseren Job machen«, sagte Jake und nahm das Gewehr hoch.

»Genau das tun wir jetzt.« Brady machte die Augen schmal. »Wir ersparen Uncle Sam eine Menge Geld. – Los, Tagger, ab mit dir in die Büsche!«

»Nein.«

»Du weigerst dich?« Brady kam näher.

»Ihr Hunde verpasst mir eine Ladung Blei in die Rücken!«

»Auf der Flucht erschossen.« Brady setzte seinen Hut auf. »Kein Hahn wird nach dir krähen, du Hurensohn.«

Will Tagger rührte sich nicht vom Fleck.

Brady trat ganz dicht an ihn heran. Jäh spürte Tagger die Mündung des Colts in seiner Magengegend. In den Augen des Deputies funkelte namenloser Hass. Die Augen eines Mörders. Auch Männer, die Dienstmarken trugen, waren gegen Bösartigkeit nicht gefeit.

»Was soll der Zirkus?«, krähte Jake. »Ziehen wir Taggers Abgang nicht unnötig in die Länge. In Las Casas ist große Party, das größte Fest seit Jahren. Das will ich nicht verpassen. – Geh beiseite, Nat, ich mach das!«

Ich will nicht sterben. Taggers Fäuste zuckten.

Brady riss ein Knie hoch, traf ihn in den Unterleib.

Der harte Stoß ließ Tagger taumeln. Er krümmte sich wie ein Wurm auf dem heißen Herdring. Loser Sand knirschte unter seinen Sohlen.

Trotz des Schmerzes waren all seine Sinne bis zum Äußersten gespannt. Wo blieben seine Leute? Er musste Zeit schinden. Jetzt entschied jede Minute, vielleicht sogar jede Sekunde.

»Okay«, sagte er mühsam beherrscht, »wenn ihr mich umlegen wollt, bitte schön. Ich bin kein Spielverderber. Aber jeder zum Tode Verurteilte hat noch einen letzten Wunsch. Den darf man ihm nicht abschlagen.«

Die beiden selbsternannten Henker wechselten einen kurzen Blick.

»Wenn’s schnell geht«, meinte Jake.

Brady sagte: »Also gut, Sonny! Wir sind ja keine Unmenschen. Sollst deinen letzten Willen haben. Du willst Wasser, nehme ich an.«

William Tagger schüttelte den Kopf, obwohl er vor Durst fast umkam. Er musste sich etwas wünschen, was seinen Tod länger hinauszögerte als ein paar hastige Schlucke aus der Feldflasche.

»Ich will eine Zigarette«, erklärte er. »Lasst mich noch eine rauchen, und dann macht, was ihr wollt.«

Der Kutscher griff unter seine Weste. Aus einer zerdrückten Packung Lobo Negro nahm er eine Zigarette und steckte sie dem Todeskandidaten zwischen die Lippen. Brady riss ein Zündholz an.

Tagger bemühte sich, nicht zu heftig an dem Glimmstängel zu saugen. Nachdem er drei Züge inhaliert hatte, war ihm, als wenn er irgendwo Hufschläge hörte.

Die Jungs, dachte er, die Jungs sind da!

Auch seine Begleiter mussten die Geräusche hören, aber sie maßen ihnen keine große Bedeutung bei. Jake, der Kutscher, ließ sein Gewehr sinken und lehnte sich lässig an das große Hinterrad.

Brady fächelte sich Luft zu. »Mach hin, Tagger!«, knurrte er.

Tagger spürte, wie ihm der Schweiß über das Gesicht lief. Er hoffte inständig, dass es seine Leute waren, die da kamen. Beidhändig nahm er die Zigarette aus dem Mund. Er starrte auf die Glut und sah, dass seine Hände zitterten.

Die Hufschläge waren nicht mehr zu hören.

Will Tagger hustete. Er hatte das Gefühl, als verbrenne er von innen. Beißender Rauch ließ seine Augen tränen. Er leckte sich die Tränen von den Lippen. Der salzige Geschmack war widerlich.

»Schluss jetzt!«, schnappte Jake, der Fahrer.

Beide Männer hoben ihre Waffen.

»Geh zu den Bäumen hinüber!«, befahl Brady.

Tagger spuckte den Zigarettenrest aus. Die Kippe glühte ein Loch in sein Halstuch. Er achtete nicht darauf. Langsam, als trüge er eine Riesenlast, setzte er einen Fuß vor den anderen.

Plötzlich knallte es, viermal nacheinander, in schneller Folge.

Die Zugpferde wieherten vor Schreck. Auch Tagger erschrak. Doch die Schüsse galten nicht ihm. Sie kamen aus dem Waldstreifen auf der anderen Seite des Trails.

Für einen Moment schloss Tagger erleichtert die Augen. Dann riss er den Kopf herum.

Jake, der Kutscher, hing über dem Rad wie eine Marionette. In seiner Hemdbrust klafften zwei große Einschusslöcher. Brady war auf die Knie gesunken. Er hielt beide Hände auf seinen Bauch gepresst und röchelte. Sein Revolver war zu Boden gefallen.

In Taggers Gesicht stahl sich ein böses Grinsen.

Er steuerte auf Brady zu, hob den Colt auf und presste die Mündung gegen die Stirn seines Erzfeindes. Brady leistete keine Gegenwehr.

Die Waffe brüllte auf.

Tagger wandte sich von dem Toten ab.

Zwischen den Bäumen kamen drei Männer hervor. Olsson, der Schwede, ging voran, dicht gefolgt von Jim Calder und Rick Beckett. Alle drei hielten Gewehre in den Händen. Aus den Läufen züngelte Rauch.

»Tut mir leid, old boy!«, rief der Skandinavier. »Wir wollten schon viel früher hier sein. Die Furt am Osage River war aber nicht passierbar. Mussten einen Umweg machen.« Er grinste. »Als Wiedergutmachung haben wir eine nette kleine Überraschung für dich!«

Tagger mimte den harten Knochen. Keiner brauchte zu merken, dass er gerade tausend Ängste ausgestanden hatte.

»Schon okay, Leute«, sagte er großspurig. »Ich wär mit den beiden Typen auch allein fertig geworden. – Wo habt ihr Babyface gelassen?«

Der Schwede lachte rau. »Er ist in meiner Bude in Las Casas geblieben, die Wiedersehensparty vorbereiten. Wirst Augen machen, Will.«

»Du machst mich neugierig, Olsson«, sagte Tagger und sah die Männer der Reihe nach an. »Was ist das für eine Überraschung? Eine heiße Lady?«

»Nein, Will. Kein Weib, sondern ein todsicherer Plan«, versetzte der Blonde. »Der Plan für eine Entführung, um genau zu sein. Wenn wir das Lösegeld eingeheimst haben, sind wir aus dem Gröbsten raus und können uns zur Ruhe setzen.«

Während Will Tagger sich satt trank, hörte er zu, was seine Kumpane ausbaldowert hatten. Der närrische Hyde hatte sich in den Kopf gesetzt, einen waschechten Senator zu entführen!

Tagger fand das Vorhaben zu gewagt, eine Nummer zu groß für sie. Doch er hütete sich, seine Meinung laut zu äußern. Die Jungs könnten denken, dass er sich drücken wollte.

Er wartete erst einmal ab.

***

Die Frau hieß Marsha Bell und arbeitete als Sängerin in der Temple Bar.

Zuerst war es ihre Stimme, auf die Lassiter aufmerksam geworden war. Sie klang rauchig und tief, aber auf weibliche Weise. Der wohltönende Klang schmeichelte seinen Ohren. Das erste Lied, das er von ihr hörte, war ein Goldgräbersong, wie er schon vor etlichen Jahren aus rauen Männerkehlen an den Ufern des Sacramento erklungen war.

Lassiter war hingerissen.

Als Marsha Bell Pause machte, ging er zu ihr und lud sie zu einem Glas Champagner ein. Sie stellten sich an die Theke und plauderten.

Das war vor vier Stunden gewesen.

Jetzt lag Lassiter auf dem Rücken in seinem Zimmer und sah zu, wie sich die brünette Evastochter auf ihm bewegte.

Marsha hatte die Wirbelsäule weit zurückgebogen. Mit beiden Händen stützte sie sich auf die Bettränder. Auf ihren wippenden Brüsten glänzte ein dünner Schweißfilm. Die Spitzen auf ihren braunen Vorhöfen reckten sich keck in die Luft.

Lassiter erhöhte das Tempo und Marsha passte sich rasch der neuen Stoßfrequenz an. Sie hielt die Augen geschlossen. Lange Haarsträhnen klebten auf ihren geröteten Wangen.

»Ja … ja … ja … ja!«, stöhnte sie.

Immer wieder klatschten ihre Leiber gegeneinander.

Auf einmal bäumte Marsha sich auf. Sie riss die Augen auf und starrte Lassiter an, als wäre er ein Wesen aus der Fabelwelt. Ihre Wangen rundeten sich, erschlafften, rundeten sich wieder. Marsha begann zu zittern, als säße sie auf einem Rüttelpult.

»Gott im Himmel!«

Lassiter packte sie um die Taille. Er wusste, was die Glocke geschlagen hatte: Sie erlebte mehrere Orgasmen hintereinander. Es dauerte nicht einmal eine Minute, dann kam auch er.

Marsha ließ sich schnaufend auf ihn sinken.

Es war vorbei.

Lassiter küsste sie zärtlich.

»Die erste Runde geht an dich«, sagte er.

Sie richtete sich auf, während sie um Atem rang. Eine Weile blickte sie ihn forschend an.

»Wie meinst du das?«, fragte sie dann.

Er strich ihr das Haar aus den Augen. »Es gibt doch noch eine Runde, eine für mich, oder?«

Sie sagte nichts. Die Augen zusammengekniffen, betrachtete sie ihn. Offenbar glaubte sie, er habe sich einen Scherz mit ihr erlaubt.

Doch Lassiter meinte es ernst. Er hob den Kopf und liebkoste ihren linken Busen. Er wartete, dass seine Gespielin auf seine Zärtlichkeiten einging.

Doch Marsha verharrte in ihrer Pose. Erst als er eine ihrer Brustspitzen in den Mund saugte, bewegte sie sich.

»Bei allen Teufeln, Lassiter! Was ist in dich gefahren? Hältst du mich für eine Sexmaschine?«

Im Zimmer herrschte ein trübes Halbdunkel. Die Vorhänge waren zugezogen. In der Mitte klaffte ein schmaler Spalt. Ein Streifen Sonnenlicht fiel auf den Boden. Von der Festwiese am Rand der Stadt erklang vom Wind verzerrtes Glockengeläut.

Marsha wälzte sich aus dem Bett. Sie trat an den Lehnstuhl, auf dem ihr Kleid hing. Als sie danach griff, setzte Lassiter sich auf.

»Du willst gehen?«, fragte er.

Sie wandte sich ihm zu. »Wir hatten eine schöne Zeit. Aber alles hat ein Ende. Was soll ich noch hier?«

»Du könntest mich küssen.«

»Das habe ich, und zwar kräftig. Ich hab das Gefühl, als hätt ich Fransen am Mund.«

»Und? Hast du?« Er grinste.

Sie ging nicht auf seinen Humor ein. Hastig schlüpfte sie in ihr Kleid und zog die Schuhe an. Mit wenigen Handgriffen sortierte sie ihre unordentlichen Haare. Dann band sie sich einen Pferdeschwanz.

»Ich will, dass du bleibst, Marsha«, sagte er.

Sie lächelte müde. »Ich bin seit zweieinhalb Stunden hier. Davon habe ich zwei geschlagene Stunden mit dir im Bett verbracht. Hast du denn immer noch nicht genug?«

Er erhob sich, trat zu ihr und nahm ihr gerötetes Gesicht in die Hände. Als er seinen Kopf neigte, um sie zu küssen, bog sie abwehrend den Hals zurück. Seine gespitzten Lippen fanden kein Ziel.

»Ich muss gehen«, sagte sie leise.

»Du willst gehen. Aber warum?«

»Ich muss meinen Auftritt vorbereiten.«

»Ach, was, es ist erst Mittag. Die Temple Bar hat noch geschlossen. Wir könnten irgendwo einen Happen essen, wenn du magst.«

»Ich mag aber nicht.«

»Wie wär’s mit einem Abstecher auf den Festplatz? Es heißt, ein Wissenschaftler aus England sei angereist, mit einem Gasballon. Bestimmt lässt er das Monstrum heute von der Leine. Ein Mensch geht in die Luft – ein Schauspiel, das man sich nicht entgehen lassen darf.«

»Geh allein«, sagte Marsha.

»Warte!«

»Ade.«

Die Tür fiel ins Schloss. Marsha Bell war verschwunden.

***

Lassiter war frisch rasiert und duftete nach Lavendel, als er das Hotel verließ. Er wollte zur Temple Bar, um mit Marsha zu reden. Ihr plötzlicher Abgang nach dem Rendezvous hatte ihn stutzig gemacht. Er wollte eine Erklärung.

Der Himmel spannte sich in strahlendem Blau über Las Casas. In der Stadt herrschte ein buntes Treiben. Das Volksfest hatte eine Menge Leute angelockt: Touristen, Rancharbeiter, Cowboys, Glücksritter, Satteltramps, Bürohengste, Revolvermänner – und schöne Frauen. Auf den Sidewalks polterten die Schritte wie ein Trommelfeuer.

Lassiter blieb an einem Zügelholm stehen.

Auf der anderen ...

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