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Lassiter - Folge 2118

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Lassiter und die Peitschenlady
  4. Vorschau

Lassiter und die Peitschenlady

Diane trat vor den Spiegel und prüfte das Zweitwichtigste für den bevorstehenden Abend: ihr Aussehen. Ihre Frisur, ihr Make-up, den Sitz ihres Kleides. Alles bestens. Sie trat einen Schritt zurück, fuhr sich über Taille und Hüften, drehte sich, öffnete schließlich doch noch einen Knopf ihres Dekolletees.

Sie ging zum Tisch, stellte das Bein auf den Stuhl, hob den Kleidersaum und prüfte das Wichtigste für den bevorstehenden Abend: den Sitz des Kampfmessers im Stiefelschaft und das Knieholster mit der kleinen einschüssigen Derringer-Pistole.

Zum Schluss noch einmal der obligatorische Blick in die Handtasche: Unter allerhand Frauentand verborgen, lag darin die Spritze mit dem Betäubungsmittel und der 44.er von Smith & Wesson.

Und ein Stück Papier mit dem Text für das Telegramm nach Washington. Sie nahm es aus der Tasche, las es noch einmal. In nur zehn Worten enthielt die Nachricht das Wesentliche dessen, was sie bisher über den Killer herausgefunden hatte: Name, Aussehen, Zukunftspläne.

Das Problem war nur: Der Kerl saß unten im Hotel-Saloon und wartete auf sie. Ausgeschlossen, jetzt noch ins Telegraphenamt zu marschieren, womöglich noch an seiner Seite. Dann hätte Diane ihm auch gleich ihre wahre Identität enthüllen können.

Was also tun?

Das Telegramm morgen aufgeben, was denn sonst.

Sie ging zur Tür, hatte schon die Klinke in der Hand und überlegte kurz. Und wenn sie den Abend nun nicht überleben sollte?

Diane Rudolph war viel zu abgebrüht, um damit auch nur im Entferntesten zu rechnen. Gerade deswegen jedoch, weil sie ohne Gefühlswallung auch an das Unwahrscheinlichste denken konnte, war sie auch fähig, nützliche Vorbereitungen für den unwahrscheinlichsten Fall zu treffen.

Sie faltete also das Papier mit dem Telegrammtext, ging zum Schrank und nahm ihren Hut heraus, den sie im Sattel zu tragen pflegte.

Später im Saloon lächelte sie dem Mann zu, mit dem sie verabredet war. Er lehnte an der Theke. Himmel, wie charmant dieser Killer grinsen konnte! »Den hat mein Vormieter auf dem Zimmer vergessen«, sagte sie und reichte der jungen Saloonerin den Hut. »Er wird ihn sicher abholen die Tage.«

Lächelnd rutschte sie danach auf den Barhocker neben dem Mann, den sie seit zwei Tagen bezirzte. Der hatte sich extra schön gemacht für Diane, war frisch rasiert, trug einen teuren hellen Anzug und eine dieser modernen Melonen.

Diane ließ sich zu einem Drink einladen, machte ihm Komplimente und nahm seine Komplimente entgegen. Danach plauderten sie ein wenig, tranken Whisky – Diane tat wenigstens so – und verließen, als es auf sechs Uhr zuging, den Saloon.

Ihr Ziel war der Jason’s Capital Saloon, wo drei Musiker von der Ostküste zum Tanz aufspielten. Bald drehte Diane sich in den Armen des Mörders auf der Tanzfläche; kein schlechter Tänzer, der Kerl, alles war recht war.

Diane lächelte ihm unentwegt ins glatt rasierte Gesicht. Sie wusste genau, woran er dachte: an sein Zimmer im Obergeschoss des Jason’s Capital Saloon. Genauer gesagt: an sein Bett darin.

Das zu wissen, störte Diane wenig, denn sie arbeitete seit Tagen daran, dass er an nichts anderes mehr dachte als daran, sie zu vögeln. Auch dass er schon seit zwei Minuten seine Finger nicht mehr von ihrem Hintern nehmen wollte, störte sie nicht.

Dieses Spielchen war unangenehm, aber notwendig, denn der Kerl sollte lebend ins Netz gehen. Man wollte an seine Hintermänner herankommen. Ansonsten hätte Diane längst zugegriffen, doch das wäre der Gesundheit des Mannes möglicherweise schlecht bekommen.

Diane hegte nicht den geringsten Zweifel daran, dass ihre Falle perfekt und der Mann so gut wie erledigt war. Ein wenig nervös machte sie allerdings, dass der Kollege noch nicht aufgetaucht war, den Washington angekündigt hatte. Jedenfalls sah sie auf der Tanzfläche und im ganzen Saloon niemanden, auf den die Beschreibung aus dem Telegramm gepasst hätte.

Schließlich geschah, was Diane schon früher erwartet hätte – ihr Tänzer nahm plötzlich die Hände von ihrem Hintern, küsste sie, hakte sich danach bei ihr unter und führte sie zur Treppe. An seiner Seite stieg sie die Stufen hinauf.

Sie musste sich zwingen, nicht zurück zur Tanzfläche und in den Saloon zu blicken. Wie die ganze Zeit schon tat sie tunlichst alles, um bloß nicht das Misstrauen des gefährlichen Mannes an ihrer Seite zu erregen.

Fakt blieb: Diane konnte nicht sicher sein, dass der Kollege pünktlich in den Saloon gekommen war, als sie das Zimmer des Mörders betrat. Nun gut – er kannte die Zimmernummer. Und notfalls musste sie eben zum Townmarshal gehen und seine Hilfe einfordern, wenn sie den Kerl betäubt und gefesselt hatte.

Während ihre gutaussehende Beute abschloss, ging sie zum Waschtischspiegel, um sich frisch zu machen. Sie frischte ihr Parfüm auf, zog den Lippenstift nach und beobachtete den Kerl dabei im Spiegel. Lächelnd zog er sich das Jackett aus und trat sich die Stiefel von den Füßen.

Blitzschnell ließ Diane die Spritze in ihrem Kleiderärmel verschwinden. Noch ein Blick in die weit geöffnete Handtasche: Der Hahn des Smith & Wesson war gespannt.

Sie drehte sich um, löste zwei weitere Knöpfe ihres Dekolletees und streckte die Arme nach dem Kerl aus. »Komm schon, starker Mann. Nimm mich endlich.«

Das ließ der Kerl sich natürlich nicht zweimal sagen – er kam zu ihr, schloss sie in die Arme und küsste sie, als hätte er seit Wochen keine Frau mehr gehabt. Schon beim Tanz hatte sie gespürt, wie scharf er auf sie war. Jetzt griff er ihr an die Brüste und den Hintern, und sie ließ es geschehen. Diane wusste ja, dass es gleich vorbei sein würde.

Sie drehte sich, zog ihn weg vom Spiegel und hin zum Bett. Dabei fummelte sie die Spritze aus ihrem Ärmel und bekam sie mit der Rechten zu fassen. Gut so.

Brauchen den Mann unbedingt lebend, hatte es im Telegramm aus Washington geheißen. Kein Problem für eine wie Diane.

Diane zielte auf die Schlagader des vor Lust längst Rasenden; ihre Waden berührten schon die Bettkante. Sie wollte sich auf die Matratze fallen lassen und ihn mit sich ziehen.

Plötzlich zog der Mann das Knie hoch und rammte es ihr in den Unterleib. Diane blieb Luft weg, sie klappte zusammen. Er drosch ihr die Faust ins Gesicht, entriss ihr die Spritze und warf sie bäuchlings aufs Bett.

Im nächsten Moment kniete er auf ihrem Rücken, riss ihr das Kleid vom Leib, drückte ihr schließlich ihre eigene Derringer-Pistole in den Nacken und fuchtelte mit der Spritze vor ihren Augen herum.

Nicht die Spur eines Lächelns lag noch in seinen Zügen – grausam, kantig und hart war sein Gesicht. »Für wen arbeitest du?« Er setzte ihr die Spritze an die Halsschlagader. »Für wen? Raus damit!«

***

Mitten in Kansas City traf Armstrong auf eine exotische Szenerie: Drei Planwagen mit je vier Pferden standen da leicht schräg hintereinander auf dem Platz vor der Bahnstation. Eine Menschentraube vervollständigte die Wagen zu einem Kreis, und zwischen Zuschauern und Gespannen gaben eine Handvoll Tiere und Menschen allerhand Kunststücke zum Besten.

Jeremy Armstrong hielt sein Pferd an. Er hatte Zeit.

Eine junge Frau – schlank, langhaarig, schön – fesselte sofort seine Aufmerksamkeit. Sie tanzte mit einem halbwüchsigen Braunbären. Danach pfiff sie drei Englische Hunde und einen Dachshund herbei, rief Kommandos, knallte mit ihrer Peitsche und ließ die Hunde durch einen brennenden Reif springen.

Der Bär stand neben ihr, drehte sich um sich selbst und klopfte die Pranken gegeneinander, als würde er Beifall klatschen. Während die junge Frau rhythmisch ihre Peitsche knallen ließ, beobachtete sie mit strengem Blick die durch ihren Feuerreif springenden Hunde und den tanzenden Bären.

Anschließend traten ein Zwei-Meter-Weib und ein weißhaariger Mann auf, schlugen Saltos und jonglierten mit Fackeln. Der Weißhaarige verbog seinen Körper, als hätte er die geschmeidigen Glieder eines Knaben.

Die Menschenmenge applaudierte und war begeistert. Armstrong auch; in den Rocky Mountains, in der Prärie oder im Großen Becken, wo seine Arbeit ihn gewöhnlich hinführte, gab es weder Zirkusvorstellungen noch Varieté-Theater.

Und schöne Frauen wie diese Lady mit der Peitsche schon gar nicht.

Schließlich trat ein zweiter, jüngerer Mann vor die Zuschauer und verblüffte sie mit Zaubertricks. Er ließ Eier verschwinden, Kaninchen aus dem Nichts auftauchen und zog einem halbwüchsigen Zuschauer zu dessen Erschrecken eine kleine Schlange aus der Jackentasche. Am Schluss wedelte er mit weißen Handschuhen eine Art Nebel aus seinem Zylinder.

Ein schöner Anblick, und ein seltener dazu. Vor allem die junge Frau war der schönste Anblick von allen. Inzwischen lehnte sie am mittleren Wagen, und Bär und Hunde lagen ihr zu Füßen. Jeremy Armstrong betrachtete sie mit unverhohlenem Entzücken.

Sie trug ein knielanges, mit weißen Rüschen gesäumtes rotes Kleid über einer schwarzen Wildlederhose. Über dem ärmellosen Kleid trug sie eine lange Weste, ebenfalls aus schwarzem Wildleder. Ein rotes Tuch hielt ihr das lange dunkle Haar aus dem Gesicht.

Die Frau hatte dunkelblaue Augen, einen schönen, großen Mund und ein beinahe kantiges Gesicht mit hochstehenden Wangenknochen. Auf einmal hob sie den Blick und sah zu Armstrong herüber. Einen Atemzug lang schauten sie einander an, und die Peitschenlady erwiderte sein Lächeln.

Jeremy Armstrong hatte dem Treiben des bunten Völkchens noch keine halbe Stunde lang zugeschaut, da war er auch schon bis über beide Ohren verliebt in die Lady mit der Peitsche. Natürlich blieb er bis zum Ende der enttäuschend kurzen Vorstellung.

Nach dem Schlussapplaus erklärte der weißhaarige Mann, der seinen Körper so unglaublich verbiegen konnte, dass seine Schaustellertruppe die beste in ganz Amerika sei und man sie am Nachmittag des folgenden Tages im Innenhof des Missouri-Hotels ausgiebiger bewundern könne, wenn man wolle. Außerdem werde seine Tochter Lucy beim hoch verehrten Publikum nun einen Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt einsammeln.

Danach lief die junge Frau durch die Reihen, hielt den Leuten einen Hut hin und bedankte sich für den warmen Regen aus Scheinen und Münzen, der sich prompt in ihn ergoss. Jeremy Armstrong legte zwei Dollar hinein und sah der Schönen tief in die Augen dabei. »Bis morgen Abend, Miss Lucy«, sagte er leise.

Sie nickte lächelnd und hielt seinen Blick einen Moment länger fest, als es notwendig gewesen wäre.

Jeremy Armstrong fühlte sich seltsam leicht, als er wieder in den Sattel stieg. Außerdem klopfte sein Herz ein wenig schneller als sonst. Noch einmal sah er sich um, bevor er sein Pferd auf die Mainstreet lenkte. Mit dem Hut in der Rechten sammelte die Schöne noch immer Geld ein.

Eigentlich hätte er sie gleich für heute Abend zum Essen oder auf einen Drink in einem Tanzsaloon einladen sollen. Schade, dass so viele Leute um sie herum gestanden hatten; sonst hätte er es gewagt. Doch morgen war ja auch noch ein Tag, und eine Woche würde er mindestens noch in Kansas City bleiben.

Er ritt zum Hafen hinunter. Dort, am Ufer des Missouri, erwartete ihn gegen Abend sein neuer Auftraggeber: ein baptistischer Reverend. Armstrong sollte ihn und einen Teil seiner Gemeinde über die Rocky Mountains nach Sacramento bringen, wo die andere Hälfte der Gemeinde eine Kirche gebaut hatte.

Die frommen Leute wollten lieber einen Scout nehmen und mit Pferd und Wagen in die neue Heimat ziehen, statt mit der Eisenbahn zu fahren. Die Dampflok hielt der Reverend für Teufelszeug. Armstrong sollte es recht sein.

Weil es erst Nachmittag war und sein Magen knurrte, hielt er sein Pferd vor einem großen Saloon an, der ziemlich teuer aussah; genau das richtige für Jeremy Armstrong nach vier Wochen Wildnis.

Nachdem er das Pferd am Hitchrack festgemacht und Gewehr und Gepäck geschultert hatte, stieg er zum Sidewalk hinauf. Jason’s Capital Saloon hieß der Laden; Armstrong trat ein.

Noch nicht viel los an Tischen und Theke, nur im von Rauchschwaden verhangenen Spielzimmer brüteten ein Dutzend Männer an zwei Tischen über ihren Karten. Ansonsten nur vereinzelte Gents, fast alle in teuren Anzügen.

Das weibliche Geschlecht – es zog Armstrong nach so vielen Wochen Einsamkeit magisch an – war nur durch ein einziges Exemplar vertreten, und das stand hinter der Theke.

Nach rechts und links grüßend stapfte der Scout genau dorthin und bestellte Steaks, Kartoffeln und Whisky. Den Drink bekam er sofort, das Essen eine Viertelstunde später.

Das weibliche Wesen, das ihm beides servierte, hatte rotes Haar und grüne Augen und war ziemlich hübsch. Jedoch nicht halb so hübsch wie die rassige Lady mit der Peitsche auf dem Platz vor der Bahnstation.

Jeremy Armstrong war ein großer, kräftig gebauter Mann von etwas mehr als dreißig Jahren. Er hatte kurzes, dunkles Haar, von Sonne und Regen gegerbte Haut und sehr helle graue Augen. Den größten Teil seines Lebens hatte er im Sattel oder eingerollt in Mantel und Decken unter dem Sternenhimmel verbracht.

Er kratzte gerade die letzten Bratkartoffeln von seinem Teller, als sich neben ihm ein Mann über die Theke beugte und die Rothaarige ansprach. »Ihr Vater erzählte mir, dass Mrs. Rudolph etwas für mich hinterlegt hätte, Rosemary.«

»Einen Hut, ja.« Die junge Saloonerin verdrehte die Augen und seufzte. »Arme Mrs. Rudolph …« Und dann wieder an den Mann gewandt: »Aber Ihren Namen hat sie nicht erwähnt. Sie sagte nur, ihr Vormieter habe den Hut im Zimmer liegen lassen.«

»So ist es«, erwiderte der Mann mit rauer Stimme. »Für genau den soll ich den Hut ja abholen.«

Die junge Frau verschwand daraufhin in der Küche und kehrte mit einem Hut zurück, der neu aussah. Der Mann bedankte sich und zog sich an einen Fenstertisch zurück.

Während Armstrong bezahlte, beobachtete er den Kerl aus den Augenwinkeln. Mit seinen staubigen Stiefeln und Hosen und seiner abgewetzten Jacke sah er nicht aus, als würde er allzu oft unter Dächern und in Betten schlafen. Den Hut drehte er in seinen Händen und betrachtete ihn dabei, wie andere Leute interessante Bilder betrachten; oder Rechnungen, die sie nicht verstehen.

Armstrong nickte ihm zu, bevor er den Saloon verließ. Er bestieg sein Pferd und ritt an den Missouri hinunter.

Gedränge herrschte am Hafen, denn ein Flussdampfer hatte gerade angelegt. Die von Bord gegangenen Passagiere stiegen in wartende Kutschen oder strebten der Innenstadt entgegen. Vor dem Landungssteg hatte sich eine lange Warteschlange gebildet.

Etwas abseits der Anlegestellen entdeckte Armstrong die Planwagen der Baptisten. Auf einem der Wagen saß ein Mann an einem Piano und spielte eine Melodie, die der Scout noch nie gehört hatte. Leute standen vor dem Wagen und hörten ihm zu.

Er fragte einen Mann nach Reverend Taylor. Der deutete auf einen massigen Gentleman, der mitten in der Wagenburg stand und gestenreich mit einem weißhaarigen, drahtigen Mann redete. Er trug einen dunkelgrünen Frack und einen schwarzen Zylinder und hatte buschige Koteletten und einen grauen Rauschebart.

Armstrong lenkte sein Pferd in die Wagenburg und ritt auf die beiden Männer zu. Im Näherkommen hörte er den Weißhaarigen sagen: »Ich bitte Sie, Reverend, ich übernehme auch die Hälfte des Geldes für den Scout!«

»Nichts da!«, schnaubte der Reverend. »Wir reisen nicht mit Tänzern und Zauberern!«

»Wir sind Künstler!« Der Weißhaarige rang flehend die Hände. »Ganz normale Menschen! Die Union Pacific Railroad will uns nicht transportieren und zu viert und mit nur drei Wagen ist der Weg an die Westküste einfach zu gefährlich!«

Armstrong traute seinen Augen kaum: Es war niemand anderes als der biegsame Akrobat, der dort beim Reverend vorsprach, der Vater der schönen Lucy. »Sie sind doch ein Christenmensch!«, rief er, und es klang fast schon ein wenig verzweifelt. »Geben Sie Ihrem Herz einen Ruck!«

»Kommt nicht in Frage!«, beschied ihm der Reverend so knapp wie barsch.

Der Weißhaarige drehte sich um und stapfte an Armstrong vorbei aus der Wagenburg.

Der Scout stieg vom Pferd, und der Reverend musterte ihn neugierig. »Es ist im Westen nicht üblich, jemanden abzuweisen, der sich einem Treck anschließen will, Sir.« Armstrong tippte sich an den Hut. »Ich bin Jeremy Armstrong. Sie haben mir nach Cheyenne telegraphiert, weil Sie einen Scout brauchen.«

»Mr. Armstrong!« Der Reverend breitete die Arme aus und fasste ihm bei den Schultern. »Ich freue mich!« Auf Armstrongs kritische Bemerkung ging er gar nicht ein. »Jetzt sind wir bald vollzählig!«

Henry Taylor war einen halben Kopf größer als der Scout und wohl doppelt so schwer. Er wies auf die knapp zwanzig Planwagen und erklärte, dass eine Familie aus Kansas und ein Geschäftsmann aus Ohio sich dem Treck angeschlossen hätten. Nun warte man noch auf einige Gemeindemitglieder aus St. Louis.

»Ich habe viel Gutes über Sie gehört, Mr. Armstrong.« Taylor legte ihm den Arm um die Schulter und gebärdete sich überhaupt recht väterlich, während er ihn von Wagen zu Wagen führte und seinen Leuten vorstellte. »Man sagte mir, in den Rocky Mountains und der Prärie kennen Sie sich besser aus als in Ihrer Westentasche!«

»Sagen wir ähnlich gut, Reverend. Und im Großen Becken zum Glück auch, denn das müssen wir durchqueren, wenn Sie nach Sacramento wollen.«

***

Ein seriös und teuer gekleideter Mann stieß die Schwingtür auf: Melone, heller Frack, gepflegter Schnauzer, Monokel im Auge. Die Beschreibung passte genau.

Er blickte sich um, entdeckte Lassiter und kam zu ihm an den Tisch. Das Monokel fiel ihm aus dem Auge aufs Revers.

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