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Lassiter - Folge 2111

Angels höllisches Spiel

Die Nacht dämmerte herauf über Dodge City. Jimmy Owens sattelte sein Pferd. Seine Hände waren ein wenig feucht und sein Herz klopfte ein bisschen schneller als sonst. Er steckte Schwefelhölzer, alte Zeitungen und zerrissene Hemden in die rechte Satteltasche. Klar war er aufgeregt, war ja sein erster Job für den Feuerkojoten. Die Petroleumflaschen versenkte er in die linke Satteltasche. Ganz allein würde er reiten. So lief das immer, wenn jemand neu in die Bande des Feuerkojoten aufgenommen wurde: Den ersten Job hatte man ganz allein zu erledigen. Lief alles glatt, kam man auf die begehrteste Gehaltsliste zwischen Wichita und Pueblo.

Jimmy packte den Zügel des Pferdes, setzte die Stiefelspitze in den Steigbügel, wollte sich in den Sattel schwingen. Da plötzlich krachte ein Schuss …

Sofort ließ Jimmy sich fallen. Sein Revolver lag in seiner Faust, noch bevor er im Staub des Hinterhofes aufschlug. Er spannte den Hahn, feuerte ungezielt in Richtung der Stallungen, von wo die verdammte Kugel herangeheult war.

Keiner schoss zurück.

Jimmy lauschte, sein Atem flog. Etwas Nasses klatschte ihm ins Gesicht. Er rümpfte die Nase, schnüffelte: Petroleum. »Teufel auch …!« Die Kugel aus dem Hinterhalt hatte die Petroleumflasche in der Satteltasche getroffen!

Jimmy schoss erneut auf den Pferdestall. Irgendwo hinter den Fenstern dort lauerte der unbekannte Schütze. Der Schusslärm heulte noch durch die Dämmerung, da rollte er sich bereits hinüber zum Regenwasserfass. Auch diesmal blieb sein Schuss unerwidert.

Er lag jetzt in guter Deckung hinter dem Fass und vor der Hauswand. »Zeig dich!«, zischte er leise. »Zeig dich endlich, du verdammter Bastard!«

Er zielte ins Ungefähre und pfiff nach seinem Pferd. Aus dessen Sattelholster ragte sein Karabiner – den wollte er haben; dann würde er dem verdammten Feigling, der dort hinter den Stallfenstern lauerte, schon das Lebenslicht …

»Lass den Colt fallen, Owens.« Ein Gewehrlauf bohrte sich ihm in den Nacken. »Dann spar ich mir eine Kugel und du dir die Audienz beim Teufel.« Ganz steif wurde Jimmy. »Oder willst du wirklich schon zur Hölle fahren?«

Die Stimme des Fremden klang gleichmütig; und zugleich so, als würde der Kerl da hinter ihm keinen Spaß verstehen. Jimmy ließ den Revolver fallen.

»Und jetzt steh auf.« Jimmy erhob sich, der Gewehrlauf bohrte sich jetzt in seinen Rücken. Sein Pferd stand inzwischen beim Regenwasserfass und soff. Ohne den Gewehrlauf zu senken, machte der Fremde einen Schritt an ihm vorbei zum Pferd und untersuchte die Satteltaschen. Dabei sah er ihm die ganze Zeit ins Gesicht.

Ein großer Kerl war das, dem er da aus unerklärlichen Gründen in die Falle gegangen war: kantiges Gesicht, blaue Augen, sandfarbenes Haar. Aus seinem rechten Gürtelholster ragte der Kolben eines Remington. Das fabrikneue Schießgerät in seinen Händen stammte aus der Waffenmanufaktur von Winchester Repeating Arms Company. Jimmy kannte sich aus.

Der Mann riss das Papier aus der Satteltasche. »Welche Farm solltest du diesmal abfackeln?« Er zerrte die alten Hemden heraus und die Schwefelhölzer; alles warf er auf den Hof.

»Ich weiß nicht, wovon du redest, Kerl!« Jimmy tat empört. »Wer bist du überhaupt?«

»Lassiter. Einfach nur Lassiter.« Der Mann warf einen Blick auf das vom Petroleum durchfeuchtete Leder der linken Satteltasche, leider nur einen kurzen. »Ich bin hinter dem Scheißkerl her, der seit sieben Monaten den Arkansas rauf und runter eine Farm nach der anderen anzündet.« Aus schmalen Augen belauerte er Jimmy. »Jetzt habe ich ihn, wie es aussieht.«

»Ich habe noch nie …«

»Steig auf!« Mit einer Kopfbewegung deutete der Mann auf Jimmys Pferd. »Wir reiten zum Sheriff. Morgen geht’s nach Kansas City und in spätestens vier Wochen hängst du.«

»… eine einzige Farm angezündet!«

»Dann wolltest du es also zum ersten Mal tun!« Der Mann riss Jimmy herum und drückte ihn gegen die Hauswand. »Das erste Mal muss man es allein machen, stimmt’s?« Jimmy hörte Handschellen klirren. »Habe ich also einen goldrichtigen Tipp gekriegt.« Der Mann riss ihn erneut herum, stieß ihn gegen die Wand. »Und wer ist dein Auftraggeber?«

Jimmy schielte hinunter auf den Winchesterlauf; der bohrte sich ihm jetzt in den Hals. »Auftraggeber?« Sollte er tatsächlich einem US-Marshal vor die Flinte gelaufen sein? »Du musst da was falsch verstanden haben, Lassiter.«

»Welche Farm sollte diesmal dran glauben?« Feindselig musterte der Kerl ihn. »Die von Cavendish und seiner Familie?« Jimmy schluckte und schwieg. »Wohin sollst du kommen, wenn die Farm heruntergebrannt ist?« Der Mann namens Lassiter durchsuchte seine Taschen. »Wo erwartet dich dein Auftraggeber?«

»Es gibt keinen Auftraggeber für irgendetwas«, presste Jimmy zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus, als der Kerl seinen Gewehrlauf gar zu grob in seinen Hals bohrte. »Folglich wartet auch keiner irgendwo auf mich.«

»Dir werden die Ammenmärchen schon noch vergehen!« Der Kerl namens Lassiter zog ein Stück Papier aus seiner Westentasche, entfaltete es und las murmelnd. »Crosstrail Room, Wichita … Da haben wir es ja! Und eine Wegbeschreibung zur Farm des guten Mr. Cavendish ist auch dabei.« Er steckte das Papier weg. »Hey, Owens! Ich kenne ein paar Leute, die mussten wegen zweifelhafterer Beweise an den Galgen.«

Jimmy Owens verfluchte sich im Stillen dafür, dass er den Papierfetzen nicht gleich verbrannt hatte, nachdem er die Nachricht des Feuerkojoten gelesen hatte. Dabei hatte Reynolds ihm genau das eingeschärft.

Reynolds war die rechte Hand des Feuerkojoten; er hatte ihm die Nachricht seines Bosses überbracht.

»Mach dir keine Sorgen, Owens.« Der Mann feixte unfreundlich. »Dein Boss wird nicht vergeblich im Crosstrail Room warten. Ich werde ihn von dir grüßen. Wie heißt er? Name und Beschreibung, los!«

Jimmy schwieg. »Dann redest du eben mit dem Sheriff.« Der Fremde namens Lassiter stieß ihn zum Regenwasserfass und zum Pferd. »Wenn du wüsstest, wie schlecht der auf Leute wie dich zu sprechen ist. Steig schon auf!«

Jimmy hätte heulen können, so sehr schämte er sich für diese Schlappe. »Du musst mir die Handschellen öffnen, sonst komme ich nicht hoch in den Sattel.« Noch keinen einzigen Auftrag erledigt und schon erwischt.

Der Mann löste ihm Waffengurt und Hosenbund. Bei einem Fluchtversuch hätte Jimmy jetzt die Hose verloren. Die Handschellen klirrten. Die Rechte fesselte der Kerl ihm an den Sattelgurt, die Linke war endlich frei.

Jimmy packte das Sattelhorn, zog sich auf sein Tier. Und wieder krachte ein Schuss. Er sah das Mündungsfeuer drüben auf dem Nachbarhaus, er sah den Fremden sich zwischen Pferd und Fass werfen. Dann stürzte er, sah den Abendhimmel über sich kreisen, stürzte und stürzte und sah schließlich gar nichts mehr.

***

Angelina »Angel« Copperfield schritt die Treppe hinunter, die Männer im Saloon klatschten in die Hände, pfiffen, schwenkten die Hüte und riefen »Bravo!«, »Endlich!«, »Gottes Engel schwebt herab zu uns!«, und ähnliches Zeug.

Wie immer genoss sie es in vollen Zügen, winkte nach allen Seiten, verschenkte nach allen Seiten ihr hinreißendes Lächeln. Unten angekommen, reichte sie dem Pianisten die Hand zum Kuss, stellte sich neben ihn und stieß ihn mit einem kecken Hüftschwung gegen die Schulter.

Die Männer im Crosstrail Room gerieten schier außer sich vor Verzückung. Der Pianist griff in die Tasten – und los ging es. Kaum ließ Angel ihre helle Stimme erklingen, herrschte Stille im größten Saloon von Wichita. Nicht einmal mehr Gläser hörte man klirren.

Angelina Copperfield hatte kastanienrotes Haar und eine Gestalt von derart vollendeter Weiblichkeit, dass den Männern in der Regel der Atem stockte, wenn sie die Sängerin zum ersten Mal sahen. Und sie zeigte gern, was Gott ihr an Schönheit zugeteilt hatte: Nur ein kurzes, ärmelloses Kleidchen bedeckte ihren herrlichen Körper.

Sie sang ein spanisches Liebeslied. Ihre Mutter, eine Spanierin, hatte ihr beides beigebracht: das Singen und dieses Lied. Seit drei Monaten sang Angel im Crosstrail Room und die Männer von Wichita lagen ihr genauso schmachtend zu Füßen, wie die fremden Cowboys, die zurzeit in großen Scharen in die Kuhstadt einfielen.

Sie sang ihr halbes Repertoire durch: ein Lied von den tapferen Fischern an der Pazifikküste, ein Lied von der Orangenernte in Mexiko, ein Soldatenlied, ein Lied vom einsamen Cowboy und natürlich jede Menge Liebeslieder.

Auch ein paar flotte Nummern hatte sie drauf, und bald fingen die Männer an zu tanzen. Der Pianist musste mächtig in die Tasten greifen. Als ihm zu heiß wurde und er den Frack auszog, sah Angel, dass sein Hemd bereits durchgeschwitzt war.

Hin und wieder traf sich ihr Blick mit dem des Salooners. Der stand hinter seiner Theke und strahlte. Seit Angel in seinem Saloon sang, machte er das Geschäft seines Lebens.

Auch die Mädchen auf der Tanzfläche und an den Tischen wirkten extrem zufrieden: Angelinas Anblick und ihre Lieder machten den Männern Lust auf Liebe, und fast alle Mädchen hier taten es für Geld.

Angelina machte es nie für Geld; jedenfalls nicht so direkt. Den meisten galt sie als unberührbar. Genau das erzählte der Salooner jedem: dass sie göttlich sang, göttlich aussah und eigentlich nicht zu haben war. Angel hatte nichts dagegen.

Zwei Zugaben sang sie noch, dann war genug. Die Männer klatschten begeistert und ließen sie hochleben. Ein Violinist gesellte sich zu dem Pianisten, die Musik geriet nun ein wenig volkstümlicher, und wer wollte, konnte weiter nach Herzenslust das Tanzbein schwingen.

»Der Bürgermeister würde sich glücklich schätzen, dich an seinem Tisch als Gast begrüßen zu dürfen«, raunte ihr der Salooner ins Ohr, während sie an der Theke das zweite Glas Wasser hinunterstürzte. Er wies auf einen großen, runden Tisch in der Mitte des Saloons. Männer in Fräcken und mit Melonen hockten dort.

Einer in weißem Hemd und schwarzer Weste stand auf und kam zu ihr an die Theke. »Mein Name ist Kirk Reynolds. Darf sich Sie zu unserem Tisch führen, Miss Copperfield?« Er verneigte sich sogar ein bisschen, was Angel sehr gut gefiel. »Mr. Sherman möchte sie auf einen Drink einladen.« Er feixte. »Wir alle wollen das.«

»Das kann ja noch ein heiterer Abend werden«, flötete Angel, reichte ihm den Arm und ließ sich zu besagtem Tisch führen. Louis Sherman – so hieß der Bürgermeister; das wusste Angel inzwischen.

»Gentlemen?« Reynolds präsentierte sie, wie ein Präsident seinen Staatsgast präsentierte; Angel hatte das mal in Mexiko City gesehen. »Miss Copperfield erweist uns die Ehre.«

Die Männer standen sogar auf und lüfteten ihre Hüte, um sie zu begrüßen. Der Bürgermeister küsste ihr die Hand. Reynolds rückte ihr den Stuhl zurecht, damit sie Platz nehmen konnte, jemand fragte nach ihren Wünschen, jemand bestellte Sekt, und dann ging ein warmer Regen aus Komplimenten auf Angel nieder.

Der Abend entwickelte sich genauso, wie sie es liebte.

Sie erzählte von sich, von den Liedern die sie gesungen hatte, von ihrer Mutter, von Spanien, wo sie einen Teil ihrer Jugend verbracht hatte. Die Männer hofierten sie, hingen an ihren Lippen, zogen sie freilich auch mit ihren Blicken aus.

Eine wie Angel erschütterte das nicht weiter.

Am gierigsten glotzte dieser Reynolds sie an. Ein kräftig gebauter Mittvierziger mit gepflegtem Schnurrbart, akkurat gescheiteltem dunklem Haar, breitem Gesicht und Pranken statt Händen. Genau der Typ Kerl, den Angel nicht mochte.

Der Bürgermeister dagegen – ein wirklich interessanter Mann. Dazu nicht unattraktiv. Und was für schöne Hände er hatte! Und diese grauen Eisaugen, denen rein gar nichts zu entgehen schien! Angeblich sei er reich – auch nicht zu verachten.

Schließlich erhob sich Reynolds und bat sie um einen Tanz.

»Sehr gern gelegentlich, Mr. Reynolds.« Süßlich lächelnd wies sie ihn ab. »Aber ich denke doch, dass meinem Gastgeber der erste Tanz gehört!« Angel mimte die Superhöfliche, und Mr. Bürgermeister wurde sogar ein wenig rot. Vor Freude wahrscheinlich. Jedenfalls erhob er sich und führte Angel zur Tanzfläche.

Angel atmete auf. Aus den Augenwinkeln sah sie den Schatten, der über Reynolds Gesicht flog. Doch was ging sie die Befindlichkeit dieses Kotzbrockens an? Hauptsache, sie war ihn los.

Der Bürgermeister stellte sich nicht einmal ungeschickt an beim Tanzen, führte gut, roch vor allem gut und wusste durchaus charmante Dinge zu sagen. Angel drückte sich enger an ihn, gab ihm ihre Rundungen zu spüren. Ob er als Liebhaber ähnlich gut war, wie als Tänzer?

Es blieb nicht bei einem Tänzchen, und die beiden kamen sich zwangsläufig näher. Die Leute von Wichita, die den Bürgermeister kannten, tuschelten bereits. In seinen Augen sah Angel die Lust, und das gefiel ihr.

»Ich hörte, du seiest nicht käuflich?«, flüsterte er während eines Tanzes ins Ohr.

»Genau so ist es, mein lieber Louis. Ich bin wirklich nicht käuflich.«

»Das spricht sehr für dich.« Er lächelte wie ein Gentleman. »Einerseits.« Er zuckte mit den Schultern. »Andererseits auch ein wenig schade.«

»Das heißt ja nicht, dass ich einen zärtlichen Mann nicht zu schätzen wüsste.« Sie drückte sich an ihn. »Und etwas Schönes schenken darf man mir auch, wenn man unbedingt will. Oder mich in die Lage versetzten, mir etwas Schönes zu kaufen.«

»Was wünscht du dir denn, Angel?«, seine Rechte lag schon halb auf ihrem Popo. Schön warm fühlte sich das an.

»So manches, mein lieber Louis.« Sie zog seinen Kopf herunter zu sich, bis sein Ohr fast ihre Lippen berührten. »Lass uns unter vier Augen darüber sprechen.«

»Und wo?«

»Auf meinem Zimmer. Nummer sieben. Ich gehe in etwa einer halben Stunde nach oben. Warte noch eine weitere halbe Stunde und dann folge mir dann.«

***

Auf dem Dach gegenüber dem Hinterhof fand Burt Rubynac, der Hilfssheriff von Dodge City, eine Patronenhülse. Im Hof darunter fiel der Schein von Lassiters Öllampe auf eine Zigarillokippe. Sie lag dort zwischen Abdrücken von Stiefeln und Hufen.

»Sie waren zu dritt gewesen«, sagte Larry Turner, der Sheriff von Dodge City. Auf der anderen Seite des Hofes leuchtete er den Weg zum Stall nach Spuren ab. »Mindestens zu dritt.«

Lassiter nickte nur stumm. Die kurze Schießerei steckte ihm noch in allen Knochen. Gleich die erste Kugel hatte seinen Gefangenen erwischt. Der Kerl auf dem Dach musste ein Scharfschütze gewesen sein. Vielleicht ein Kavallerieveteran?

Auf der anderen Seite der Gasse trugen der Barber und der Totengräber Jimmy Owens Leiche zu einem Pferdewagen. Männer von der Bürgerwehr leuchteten ihnen mit Fackeln den Weg aus. Eine Menge Leute standen herum und glotzten.

»Niemand hat was gesehen«, sagte Rubynac, ein großer Kerl mit dunklem Haar und breitem Unterkiefer. Er kletterte vom Dach, ging zum Hoftor und winkte zum Doc hinüber, der den Männern mit dem Sarg folgte.

»Ich schon.« Lassiter hielt eine der Zigarillokippen in den Lampenschein – pechschwarzer Tabak, rotes Papierband, mexikanische Marke. »Ich hab Mündungsfeuer auf dem Dach und am Hoftor gesehen.« Er stand auf und streifte das rote Papierband von der Kippe. »Und einen Reiter auf einem Apfelschimmel.«

Von den anderen hatte er nicht mehr als ein paar undeutliche Umrisse erkennen können. Aus seiner Winchester hatte er auf die Kerle geschossen. Er hätte wetten können, dass er mindestens einen getroffen hatte.

»Sie hatten es auf Jimmy Owens abgesehen, und nur auf ihn.« Lassiter steckte das rote Zigarilloband in die Brusttasche seines Hemdes. »Sonst hätten sie mir ein ordentliches Feuergefecht geliefert. Doch sie sind auf und davon, kaum dass Owens getroffen am Pferd hing.«

Beim Stall drüben stellte der Sheriff seine Öllampe auf einem Fenstersims ab. An der Hauswand riss er ein Schwefelholz an und hielt die Flamme unter die Zigarette in seinem Mundwinkel. »Sie hätten Jimmy Owens niemals auf eigene Faust auflauern dürfen.« Der Sheriff machte ein strenges Gesicht. Das war nicht ganz einfach, denn er hatte Glubschaugen, eine Himmelfahrtsnase und sehr weiche Züge. »Das war ein Fehler, Lassiter.«

»Schon möglich.« Lassiter ging zu seinem Pferd. Für ihn gab es nichts mehr zu tun in Dodge City.

»Wie kamen Sie überhaupt auf Owens?«, wollte Rubynac wissen, der Hilfssheriff.

»Nur so ein Gefühl.« Lassiter reichte ihm die Öllampe und stieg in den Sattel.

Das war nicht einmal die halbe Wahrheit. Der Farmer selbst, Cavendish, hatte ihm den Hinweis auf Owen gegeben. »Meine Tochter hat Jimmy letzten Sommer abgewiesen«, hatte der alte Cavendish erzählt, »und ich wollte diesem Tagedieb keine Arbeit auf der Farm geben.«

Ein Unbekannter hatte Cavendish über Strohmänner aufgefordert, seine Farm zu verkaufen. Vergeblich. So ähnlich war es bei allen sieben Farmen gelaufen, die in den letzten Monaten in der Umgebung von Dodge City abgebrannt waren.

»Keine Ahnung, wer Sie sind, Lassiter«, sagte der Sheriff, »doch ich hab’s nicht gern, wenn Leute auf eigene Faust ermitteln.«

»Versteh ich.« Lassiter trieb sein Pferd an.

Rubynac und Turner versperrten ihm den Weg. »Wenn Sie noch mehr wissen, haben Sie jetzt Gelegenheit, die Karten auf den Tisch zu legen, Lassiter.«

Der Mann von der Brigade Sieben stoppte sein Pferd. »Ich weiß nur, dass irgendein gottverdammter Geier sich das Weideland rechts und links des Arkansas unter den Nagel reißen will. Und dieser Mann bezahlt eine ganze Bande haltloser Burschen, um Farmer und Rancher zum Verkauf unter Preis zu zwingen.«

»D

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