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Lassiter - Folge 2092

Die Braut des Killers

Der Regen prasselte auf die Hütte nieder. Lassiter lag unter der Wolldecke und schaute durch ein offenes Fenster auf die Silberscheibe des Mondes, als ein fremdes Schnauben an seine Ohren drang. Lassiter warf die Decke beiseite und tastete nach dem Patronengurt, der neben ihm über dem wackeligen Stuhl hing. Bevor er ihn zu packen bekam, wurde die Tür aufgestoßen.

Ein Schatten flog auf ihn zu.

Zu spät, zuckte es durch Lassiters Hirn. Seine im Dunkeln tastende Hand stieß den Stuhl um. Der mit Patronen gespickte Gurt, an dem auch das Holster mit seinem Remington hing, schlug zu Boden. Und der Schatten stürzte sich auf ihn.

Lassiter, der unter der warmen Decke fast vergessen hatte, dass er nackt war, spannte alle Muskeln an. Er wollte sich von seinem Lager herabrollen, aber auch dies misslang.

Ein Kichern ertönte – ein eindeutig weibliches Kichern! Der Schatten landete auf ihm. Er wog keine fünfzig Kilo. Eine Frau? Wieso hatte sie es auf ihn abgesehen?

Lassiter empfand es als Überraschung, dass sie sich breitbeinig auf ihn schwang und ihm die Zunge zwischen die Lippen schob. Doch es war ihm nicht unangenehm. Im Gegenteil: Sie roch angenehm. Die Hitze, die ihr Leib ausstrahlte, erwärmte nicht nur seine Sinne. Er vergaß nur allzu gern, dass sie einander noch nicht vorgestellt worden waren.

Da Lassiter seit fast einer Woche abstinent lebte, gelang der nach seinem Bolzen greifenden Hand der Unbekannten, ihn binnen fünf Sekunden zu härten. Lassiter kam nicht mal dazu, ein wohliges Seufzen auszustoßen: Die Frau hob flink ihren Po an, dann spürte er auch schon, dass sie unter dem kurzen Hirschlederrock nichts trug. Sie spießte sich heiser stöhnend auf ihn. Sein harter Pint fuhr bis zum Anschlag in sie hinein.

»Whoooah …«

Ihre Muskeln, die ihn umschlossen, erzeugten ekstatische Gefühle in seinem Inneren. Lassiter konnte nicht anders: Er wand sich lüstern unter ihr und schlang beide Arme um ihren Rücken. Während die spitze Zunge der Lady die seine verzückt umkreiste, öffnete sie mit fliegenden Fingern ihre Bluse. Dann schmiegte sie sich an seinen nackten Oberkörper und drückte ihre Brüste an ihn. Ihre harten Nippel waren für Lassiter ein deutliches Zeichen dafür, dass auch sie seit einiger Zeit fleischliche Genüsse hatte entbehren müssen.

Wer sie war und mit wem sie ihn verwechselte, waren Fragen, die ihn in diesem Augenblick wenig scherten. Außerdem wäre er nie auf die Idee gekommen, einer schönen Frau das Vergnügen zu verderben, indem er sie über ihren Irrtum aufklärte.

»O Randy«, keuchte die Lady außer sich, während sie enthusiastisch in sein Ohrläppchen biss. »Fick mich – ganz fest!«

Randy hieß der Bursche, dessen Gaul Lassiter vor einer Woche beim Würfeln in Reno gewonnen hatte. Die anderen Zocker hatten ihn Railroad Randy genannt. Dabei hatte Randy gar nicht wie ein Eisenbahner gewirkt. Lassiter kam der Verdacht, dass die erhitzte Lady den Gaul im Unterstand gesehen hatte. Glaubte sie nun, auf seinem Besitzer zu reiten?

Die zunehmende Ekstase dessen, was Lassiter tat, ließ ihn die Frage aber bald vergessen und nur noch ein Ziel verfolgen: der Frau zu Willen zu sein, ihr alle Wünsche zu erfüllen und zusammen mit ihr den Gipfel der Lust zu erklimmen. Nach Möglichkeit, bevor ihr auffiel, dass sie nicht Randy ritt, sondern einen Fremden.

Um zu verhindern, dass der Mond ihm ins Gesicht schien, bewegte er die Unbekannte mit starken Armen zu einem Stellungswechsel: Er warf sie auf den Rücken, was sie enttäuscht miauen ließ, doch bevor sich Frust in ihr breitmachen konnte, drang er wieder in sie ein. Während zwei Finger seine Rechten die Knospe zwischen den Lippen ihrer Vulva streichelten, beugte er sich über sie und verschloss ihren Mund mit heißen Küssen.

»O yeah«, keuchte sie in einer kurzen Atempause. »O yeaaaahh …«

Sie schnaufte und ächzte, bis ihr Schoß unkontrolliert loszuckte und ihr Mund Worte entließ, die Lassiter bisher nur in den Salons gewisser Etablissements zu Ohren gekommen waren. Das Harmloseste, was er hörte, war: »O verflucht! Ich k-k-k-ooomme!«

Lassiter kam ebenfalls. Um seiner unbekannten Geliebten die Zukunft nicht zu verbauen, tat er dies jedoch im Freien.

Schließlich ließ er sich vorsichtig auf ihren noch immer zuckenden Körper sinken und schaute sie an.

In diesem Moment leuchtete der Mond tatsächlich durchs Fenster, und zwar nicht nur in sein Gesicht.

Die Frau war Mitte zwanzig und dunkelhaarig. Die Farbe ihrer Augen war im Zwielicht nicht zu erkennen, aber sie hatte ausnehmend schöne Züge und perlweiße Zähne.

Als sie Lassiter sah, kniff sie die Augen zusammen und schluckte. Dann sagte sie heiser: »Der Teufel soll mich holen … Sie sind ja gar nicht Randy.«

»Doch«, sagte Lassiter. Es wunderte ihn, dass sie so locker reagierte. »Randy Lassiter.«

Ihre Kinnlade sank herab. Über so viel Frechheit konnte man nur sprachlos sein. »Wo ist er?«, erkundigte sie sich dann. »Sein Gaul steht doch draußen.«

Lassiter löste sich von ihr und setzte sich aufs Bett. »Erst einmal: Wer sind Sie? Wenn ich fragen darf.«

»Dürfen Sie nicht.« Die Unbekannte richtete sich auf und zog den Rock über ihre Knie. »Sie werden Randy doch nicht erzählen, dass ich … dass wir …?« Sie stand auf, war aber von der ausgelassenen Rammelei noch so zitterig, dass sie wankte und umgefallen wäre, wenn Lassiter nicht aufgesprungen wäre, um sie aufzufangen. »Es würde ihm bestimmt nicht gefallen.«

»Randy ist nicht hier.« Lassiter spürte ebenfalls ein leichtes Schwindelgefühl. »Soweit ich weiß, wollte er nach Frisco und von dort aus nach Australien. Irgendein Sheriff ist wohl sauer auf ihn, weil er was mit seiner Tochter angefangen hat. Ich habe ihm das Pferd beim Würfeln abgewonnen.«

»Da bin ich aber froh«, sagte die junge Frau. »Dass er nach Australien will, meine ich. Ich mag es nämlich nicht, wenn er hinter meinem Rücken mit anderen Frauen rummacht.«

»Sind Sie mit ihm verlobt?«, fragte Lassiter.

»Bin ich verrückt?« Sie zuckte die Achseln. »Ich werde mich doch nicht an einen Mann ketten. Ich will frei sein!«

»Ich auch«, sagte Lassiter. »Also: Wer sind Sie, und was machen Sie hier im Wald?« Nun hörte es draußen auf zu regnen.

»Das Land hier gehört uns«, erwiderte die Unbekannte. »Meiner Familie, meine ich. Ich kann hier rumreiten, wann immer ich will. Ich mache es oft, wenn ich nicht einschlafen kann oder mir nach …«, sie grinste anzüglich, was Lassiter entzückend fand, »nach Entspannung zumute ist.« Sie ging zur Tür.

Lassiter stellte fest, dass sie ausnehmend hübsche Beine hatte. Und einen Gang, der seinen Unterleib spontan reagieren ließ.

»Obwohl wir uns inzwischen ganz gut kennen, wollen Sie mir Ihren Namen nicht verraten?«

Sie warf ihm eine Kusshand zu. »Sie gefallen mir, Randy Lassiter. Aber mir gefallen auch viele andere Männer.«

Dann huschte sie hinaus, schwang sich auf den Gaul, mit dem sie gekommen war, und verschwand mit einem heiseren Lachen in der Nacht.

***

Nach dem Frühstück sattelte Lassiter den Gaul und führte ihn zum Bahndamm hinab. Er hatte nach der unerwarteten Entspannung gut geschlafen und war so munter wie ein Fisch im Wasser.

Die Luft war kühl. Der Herbst näherte sich mit schnellen Schritten. In einer Stunde würde es wärmer werden. Dann konnte er die Jacke ausziehen und sich auf dem Rücken seines Reittiers nach Virginia City tragen lassen.

In Virginia City saß Sheriff Dylan mit einer Unterschenkelfraktur auf der Veranda und terrorisierte seine Haushälterin. Lizzie hatte Lassiter telegrafisch um Hilfe gebeten.

Lassiter ließ sich nur ungern einen Stern an die Brust heften, aber bei Dylan wollte er eine Ausnahme machen.

Als junger Bursche hatte er viele Gründe gehabt, die Nähe von Gesetzeshütern zu meiden. Noch heute traf er dann und wann Kerle, die ihn von früher her kannten.

Hoffentlich tauchte nicht gerade in Virginia City eine solche Bekanntschaft auf. Mancher Langreiter, den er aus alten Zeiten kann, reagierte vielleicht unwirsch, wenn er sah, dass Lassiter die Seite gewechselt hatte.

Andere hielten ihr Wissen über seine Vergangenheit vielleicht für eine Freikarte und leisteten sich Frechheiten, weil sie glaubten, ein alter Kumpan würde sie gewähren lassen. Aber die Wahrscheinlichkeit dazu war eher gering.

Das Pfeifen der Eisenbahn riss Lassiter aus seinen Gedanken. Als er aufschaute, wurde er sich bewusst, dass er den Gaul schon seit längerer Zeit am Bahndamm entlang führte, statt ihn zu reiten. Hinter dem Gleis fiel die Landschaft ab. Wohin sein Blick reichte, breiteten sich dichte Wälder aus. Rechts von ihm, aus dem Osten, ratterte eine dampfende Lokomotive heran.

Lassiter machte dem stinkenden Ungetüm Platz und saß auf. Er wollte verhindern, dass der Gaul angesichts der schrillen Pfeife der Lok in Panik geriet und ihn in der Wildnis von Nevada allein ließ. Die Lokomotive rauschte an ihm vorbei. Der Fahrtwind riss ihm fast den Stetson vom Kopf.

Lassiter fiel auf, dass er keinen Lokführer sah. Und noch etwas: Ein kohlrabenschwarzer Mann im blauen Drillich, vermutlich der Heizer, richtete sich auf dem Tender auf und fiel hin. Sein kahler Schädel blutete, seine Bewegungen deuteten an, dass er verletzt war.

Der Zug ratterte vorbei, und während Lassiter noch die Stirn runzelte und sich fragte, was wohl an Bord der Lok passiert war, wich sein Gaul wiehernd zurück. Hinter den Waggonfenstern erblickte Lassiter mehrere Reisende, die wie aufgeregte Hasen von da nach dort liefen. Eine Lady, die ein Spitzenhäubchen trug, schlug beide Hände vors Gesicht.

Dann kam der nächste Waggon, und in dem sah es nicht anders aus. Schließlich ein Güterwaggon, auf dem sich allerlei Fracht stapelte – und auf dem eine Frau in einem weißen Unterkleid auf einem Strohhaufen kniete und sich von Stricken zu befreien versuchte: Jemand hatte ihr die Arme auf den Rücken gefesselt.

Dann: ein Schuss. Und noch einer. Erneut raste ein Waggon voller panischer Menschen an Lassiter vorbei, dem klar war, dass an Bord des Zuges etwas vor sich ging, dem man Einhalt gebieten musste.

»Los, Alter!« Lassiter gab dem Gaul die Sporen. Zu seinem Erstaunen setzte sich das Tier sofort in Bewegung. Es preschte neben dem ratternden Zug her, als hätte man es dazu ausgebildet. Welchem Beruf war Railway Randy wohl nachgegangen?

Lassiter holte rasch auf. Bald war er dem Güterwaggon nahe genug, um sich aufzurichten und nach einer Möglichkeit zu suchen, sich an Bord zu schwingen. Die blonde Frau, das sah er nun, war hingefallen. Sie lag auf dem Bauch. Ihr Unterkleid war hochgerutscht und enthüllte, dass sie rein gar nichts darunter trug.

Lassiter hatte keine Ahnung, wie die Lady in diese prekäre Lage gekommen war, doch ihre Fesseln deuteten an, dass sie sich kaum freiwillig an Bord des Zuges befand.

Er schwang sich über die Seitenwand des Frachtwaggons und ließ sich über die Schulter abrollen.

Die blonde Frau sah ihn und stieß einen Schrei aus, der ihm nicht sagte, ob er Schreck oder Freude ausdrückte. Dann schlug er mit dem Kopf gegen eine Kiste mit der Aufschrift VORSICHT, GLAS! und verlor für einige Sekunden das Bewusstsein.

Als die Sterne erloschen, die seinen Kopf umkreisten, wollte Lassiter sich, noch leicht benommen, aufrichten, um die Lady von ihren Fesseln zu befreien. Doch nun pfiff heißes Blei an seinen Ohren vorbei. Er warf sich wieder hin. Sein Griff ans Holster war ein reiner Reflex: Lassiter wusste nicht, ob man ihn bewusst oder versehentlich mit Blei spicken wollte. Aber sein Holster war leer. Lassiter spürte ein plötzliches Schwindelgefühl. Hatte er seinen Remington beim Aufspringen auf den Zug verloren?

Er schaute sich um, um in Erfahrung zu bringen, ob die Kugeln aus dem Waggon vor oder hinter ihm kamen, und sah zu seiner Überraschung den nackten Schoß der blonden Frau neben sich aufragen. Dass sie ihre Hände benutzte, bedeutete wohl, dass es ihr allein gelungen war, sich zu befreien. Dass sie seine Waffe in diesen Händen hielt, freute ihn, denn nun brauchte er nicht mehr danach zu suchen.

Dass sie aber ausholte und ihm mit seinem eigenen Eisen auf den Kopf schlug, empfand er als reichlich undankbar.

***

Als Lassiter abermals zu sich kam, hatte der Zug angehalten. Er hörte aufgeregte Stimmen und das Zischen von Dampf. Genagelte Stiefel liefen über hölzernen Bohlen.

Die Sonne schien ihm ins Gesicht. Da und dort waren weiße Wölkchen zu sehen. Lassiter lag auf dem gleichen Stroh wie zuvor die Blondine. Ihm war speiübel. In seinem Schädel knisterte und knackte es. Mehrere Reisende und ein Mann in einer blauen Uniform – der Zugführer – hockten mit besorgter Miene um ihn herum und wechselten aufgeregte Worte.

»Er lebt noch.«

»Er macht die Augen auf.«

»Wie geht’s Ihnen, Sir?«

»Sind Sie verletzt?«

Lassiter hörte sich etwas murmeln, aber er verstand seine eigenen Worte nicht. Der Pazifik rauschte in seinen Ohren.

»He, Deputy …«

Lassiter brauchte nicht lange, um aus der Unterhaltung der Umstehenden Erkenntnisse zu ziehen: Zwei Banditen hatten eine Gefangene befreit.

Die mit allen Wassern gewaschene Lady war mit einem Deputy Sheriff in einem Abteil allein gewesen. Die Banditen – allem Anschein nach ihre Komplizen – hatten die Tür des Abteils aufgerissen und den Deputy erschossen. Der zweite Deputy, der nun kam, um sich Lassiter anzusehen, hatte sich mit jemandem in einem anderen Waggon unterhalten: Er hatte die Schüsse gehört und war an den Tatort geeilt. Die Gefangene war durch die Waggontür auf den Frachtwaggon entwischt und dort hingefallen. Ihre Komplizen hatten den zweiten Deputy und einen beherzten Schaffner mit Waffengewalt aufgehalten und waren nach der Gefangenen von Bord gesprungen.

»Was für ein blödes Huhn«, hörte Lassiter den Deputy Sheriff sagen. »Hätte sie das Handschellenschloss nicht schon gleich nach Beginn der Reise mit einer Haarnadel geknackt, hätten wir ihr die Pfoten nicht auf den Rücken binden müssen.«

»Wer ist die Frau?« Lassiter versuchte sich aufzurichten.

»Wer sind Sie?« Der Deputy, ein schnauzbärtiger Bursche mit sandfarbenem Haar und hellblauen Augen, richtete die Mündung seiner Kanone auf Lassiter. »Wie sind Sie überhaupt an Bord gekommen? Niemand hat Sie gesehen. Und wie ich nun weiß, hat Ihnen auch niemand ’ne Fahrkarte verkauft.«

Nein, nicht auch noch das. Lassiter betastete seinen schmerzenden Schädel. Dass man ihn für einen Komplizen der Banditen hielt, fehlte ihm noch.

Er nannte seinen Namen und berichtete, unter welchen Umständen auf den Zug gelangt war. Dann deutete er auf sein leeres Holster. »Bei dem Sprung habe ich meinen Revolver verloren. Leider hat ihn sich die tückische Lady geschnappt.« Er setzte sich hin. Das Schwindelgefühl ließ langsam nach.

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