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Lassiter - Folge 2437

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Lassiter und die Nichte des Ranchers
  4. Vorschau

Lassiter und die Nichte des Ranchers

Ein schneidender Nordostwind fauchte über die schneebedeckten Hügel, als sich zwei Reiter der Bahnstation von Coffeyville näherten. Der Himmel war grau und hing voller Schnee. In der Ferne stiegen noch die Dampfwolken des Zuges auf, der in Richtung St. Luis davonstampfte.

Die Männer folgten auf ihren Pferden dem blanken Stahl der Schienenbänder. Der ältere der beiden hatte seinen Hut tief in das von der Kälte gerötete Gesicht gezogen. Eiszapfen klirrten in seinem dunklen Bart. Sein Begleiter trug den Kragen seiner abgewetzten Wolljacke hochgeschlagen. Um seinen Kopf war ein schmutziger Verband geschlungen, auf dem sich dunkelrote Flecken abzeichneten. Er war so bleich, als würde er jeden Augenblick aus dem Sattel kippen …

»Sollen wir das wirklich durchziehen, John?« Der blasse Dürrländer drehte den Kopf. Seine Nasenflügel bebten wie die eines in die Enge getriebenen Wapitis.

Sein Begleiter schob grimmig das Kinn vor. »Wir haben einen Plan. Und an den halten wir uns.«

»Ich mein’ ja nur. Wir könnten weiterreiten, weißt du. Uns einen Job suchen.«

»Weil das beim letzten Mal auch so gut gelaufen ist?« Der Bärtige schnaufte verächtlich. »Ich bin es nicht, der dumm genug war, sich mit der Tochter vom Boss einzulassen, sich erwischen zu lassen und ihren Vater auch noch abzustechen.«

»Das war keine Absicht. Wirklich nicht.«

»Glaubst du etwa, das interessiert einen Sternträger? Absicht oder nicht: Dein Konterfei ziert nun jede Menge Steckbriefe von hier bis rauf nach Montana. Würde mich nicht wundern, wenn ein ordentliches Kopfgeld auf dich ausgesetzt wäre. Also halte bloß dein Pulver trocken und tu, was ich dir sage. Kapiert?«

Der Dürrländer wurde noch eine Spur blasser, wagte jedoch keinen Einwand, sondern beugte sich schweigend im Sattel vor.

Sein Begleiter brummte etwas, das nicht zu verstehen war.

Sie ließen ihre Pferde vor dem Stationsgebäude anhalten und glitten aus dem Sattel. Links und rechts von ihnen türmten sich mannshohe Schneewälle auf, aber der Weg zum Eingang war frei. Das Gebäude war aus Holz gebaut und duckte sich unter tief verschneite Pappeln, die sich knarzend unter der weißen Last neigten.

Die beiden Männer ignorierten den Stallanbau und banden ihre Pferde vor der Station an. Der Bärtige langte kurz und prüfend nach seinem patronengespickten Gurt und den beiden Revolvern. Ein knappes Nicken zu seinem Begleiter.

»Du weißt, was zu tun ist«, knurrte er. Dann schob er sich durch die Eingangstür.

Der Dürrländer zog den Kopf ein und folgte ihm taumelnd wie ein Betrunkener. Dabei stolperte er, als wären ihm seine Stiefel plötzlich zu groß geworden.

Im Inneren des Aufenthaltsraumes war es warm. Mehrere Sitzbänke reihten sich verwaist aneinander. In ihrer Mitte bullerte ein Kanonenofen. Durch eine breite Tür ging es hinaus auf den Bahnsteig.

Der Stationsvorsteher saß hinter dem vergitterten Fenster des Fahrkartenschalters – ein grauhaariger Mann mit Backenbart und weißem Kragen. Er notierte mit einem Bleistiftstummel etwas in ein Kassenbuch, blickte nun jedoch auf.

»Sie sind leider zu spät, Sir«, wandte er sich an den Bärtigen. »Der letzte Zug für heute ist vor zehn Minuten losgefahren. Den haben Sie knapp verpasst.«

»So ein Pech aber auch. Dürfen wir uns vielleicht trotzdem eine Weile hier aufwärmen?«

»Tut mir leid. Das ist nicht erlaubt. Ich wollte gerade abschließen.«

»Bitte, geben Sie uns ein paar Minuten. Mein Begleiter ist verletzt. Wir wurden überfallen. Die Banditen haben uns alles genommen. Wir brauchen wirklich eine Pause.«

»Ein Überfall? Oh, Sie Ärmsten! Also schön.« Der Vorsteher rückte seine dunkelblaue Uniform zurecht. »In diesem Fall kann ich schon mal eine Ausnahme machen. Möchten Sie vielleicht einen Kaffee trinken?« Nach einem Blick auf den Dürrländer fügte er hinzu: »Ich kann Ihnen auch den Weg zu Doc Flahertys Haus zeigen.«

»Klingt gut. Wir nehmen den Kaffee.«

Der Bahnhofswart legte seinen Stummel hin, stemmte sich von seinem Platz hoch und öffnete die massive Tür, die den Kassenraum vom Rest der Station abtrennte. »Kaffee steht da drüben bereit. In der Kanne müsste noch genug für Sie beide sein. Es wird bald dunkel. Haben Sie es noch weit?«

»Nicht besonders, nein.«

»Wo soll es denn hingehen?«

»Wenn Sie mich so fragen …« Mit einer einzigen gleitenden Bewegung zog der Bärtige seinen Revolver aus dem Holster und richtete ihn auf den Oldtimer. »Geradewegs in die Hölle!« Er krümmte den Finger am Abzug. Der Vorsteher wurde jäh zurückgestoßen, als hätte ihn eine unsichtbare Faust getroffen. Ein dunkler Fleck zeichnete sich auf seiner Uniformjacke ab. Auf sein Gesicht trat ein Ausdruck grenzenloser Verwunderung.

Er gurgelte etwas, das nicht zu verstehen war. Speichel und Blut troffen aus seinem Mund. Seine Knie knickten unter ihm ein und er polterte der Länge nach auf den Bretterboden. Ein Zucken lief durch seinen Körper, dann lag er still.

»Man darf heutzutage einfach niemandem mehr trauen, was?« Der Bärtige schob seine Waffe zurück ins Holster und zuckte die Schultern. »Kannst den Verband jetzt abnehmen, Kleiner. Das Hasenblut funktioniert doch immer wieder.«

Der Dürrländer zerrte sich den Verband vom Kopf. Seine Verletzung war nur Maskerade gewesen. Ein Mittel, um die Wachsamkeit des Bahnhofsvorstehers zu schwächen. Und der Oldtimer war darauf hereingefallen.

Sein Begleiter zog die ledernen Handschuhe aus und reckte seine Finger dem Kanonenofen entgegen. Das Eis schmolz in seinem Bart. Als er seine Mütze vom Kopf zog, kam darunter ein dunkler Haarschopf zum Vorschein. Zwischen dem Filz zeichnete sich eine weiße Strähne ab. Die war bei ihm jedoch kein Zeichen des Alters. Er hatte sie schon als Junge gehabt.

»Wir bedienen uns gleich selbst, ja?«, wandte er sich an den Vorsteher und schenkte sich eine Tasse Kaffee aus der bereitstehenden Blechkanne ein. »Willst du auch, Kleiner?«

»Ich finde, wir sollten machen, dass wir hier wegkommen. Was, wenn jemand reinschneit und uns hier findet. Mit ihm!«

»Wer soll denn reinschneien? Hast ihn doch gehört. Der letzte Zug für heute ist weg. Vor morgen früh wird niemand mehr hier auftauchen. Spricht also nichts dagegen, dass wir uns erst einmal aufwärmen.«

»Ich fühle mich trotzdem nicht gut dabei, John. Er wollte uns helfen, und wir haben ihn reingelegt.«

»Glaubst du etwa, er hätte uns geholfen, wenn er wüsste, wer wir sind?« Der Bärtige schnaubte verächtlich. »Den Sternträger hätte er gerufen, schneller, als du gucken kannst. Also heul hier nicht rum, sondern wärm dich lieber auf. Wir haben noch einen beschwerlichen Ritt vor uns.«

Widerstrebend griff der Jüngere nach einem Becher und goss Kaffee hinein. Dabei zitterten seine Finger so sehr, dass er die Hälfte verschüttete.

Sein Begleiter verdrehte die Augen und murmelte etwas, das nicht allzu freundlich klang. Dann stiefelte er nach nebenan und beugte sich über die schwere Eisentruhe, in der die Einnahmen aus dem Verkauf der Fahrscheine verwahrt wurden. Sie war nicht verschlossen. Als er den Deckel lüftete, pfiff er leise zwischen den Zähnen.

»Was hast du gefunden?«

»Eine ganze Menge Schotter.«

»Wie viel ist es?«

»Jedenfalls genug, um über die Grenze zu kommen und uns eine Weile durchzuschlagen.«

»Dann lass uns die Beute einsacken und hier verschwinden.«

»Nun sei doch nicht so nervös. Du bist ja schlimmer als die Girls im Mollys. Die kriegen schon das große Zittern, wenn man mal ein bisschen härter hinlangt.« Der Bärtige begann, die Scheine und Münzen in seinen Lederbeutel zu stopfen.

Derweil trat sein Begleiter unruhig von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick irrlichterte durch den Aufenthaltsraum. Dann beugte er sich zu einem der vereisten Fenster, hauchte es an und rubbelte mit der Faust ein Guckloch frei.

»Und? Siehst du wen?«, brummte der Bärtige.

»Nein, draußen ist keine Menschenseele. Alles ruhig.«

»Sag ich doch.«

»Es hat wieder angefangen zu schneien.«

»Verdammt. Dann sollten wir wirklich machen, dass wir hier wegkommen. Wenn es einmal anfängt, hört es so schnell nicht wieder auf, und wir müssen zurück zu unserem Unterschlupf.«

»Schaffen wir das überhaupt noch?«

»Das müssen wir wohl. Es sei denn …« Was auch immer der Revolverschwinger hatte sagen wollen, ging in einem derben Fluch unter. Der Stationsvorsteher war noch nicht so tot, wie es den Anschein gehabt hatte. Langsam, quälend langsam war er zur Tür gekrochen und reckte nun einen Arm nach oben, um sie zu öffnen. Dazu kam er jedoch nicht mehr. Der Bärtige zog blitzschnell seine Waffe und richtete die Mündung auf ihn.

»Böser Fehler«, knurrte er und drückte ab.

Zischend zackte die Kugel in den Rücken des Oldtimers. Der sackte zurück auf die Bretter und hauchte sein Leben aus.

»Das hätte nicht sein müssen, John. Warum konnten wir ihn nicht gehen lassen? Was hätte er uns schon tun können? Wir wären längst weggewesen, bis er Hilfe geholt hätte.«

»Vielleicht ja. Vielleicht nein. Ich sag dir was: Wer halbe Sachen macht, lebt meistens nicht lange.«

»Wir hätten ihn trotzdem nicht umbringen müssen.«

»Du hast noch viel zu lernen, Kleiner.« John Stockwell sah seinen Begleiter eindringlich an. »Halte dich an mich, wenn du überleben willst. Ich kann dir zeigen, wie der Hase läuft.«

»Du meinst, du kannst mir zeigen, wie man Leute umbringt.«

»Mir verdankst du es, dass du überhaupt so weit gekommen bist! Auf dich gestellt, würdest du längst im Jail verrotten.«

»Ich weiß«, ruderte der Dürrländer zurück und schabte sich das bartlose Kinn. »Ja, ich weiß.«

»Na also«, brummte sein Begleiter zufrieden und verstaute seinen Revolver wieder. Anschließend musterte er den Oldtimer. »Der ist so tot, wie man nur sein kann.«

»Soll das von nun an immer so weitergehen?«

»Was meinst du damit?«

»Wir nehmen uns, was wir wollen, und erschießen jeden, der uns dabei im Weg steht?«

»Nun, wenn du mich so fragst, Kleiner …« Der Bärtige stülpte seinen Hut wieder auf und grinste breit. »Dann ist das ganz exakt der Plan!«

Mehr als zwanzig Jahre später

Graue Nebelbänke waberten durch die Niederungen des Willow Creek. Das kristallklare Wasser des Baches plätscherte am Uferschilf und den sandigen Uferstücken vorbei. Libellen mit bunt schillernden Flügeln summten über den leuchtend gelben Sumpfdotterblumen.

Ein Reiter folgte der schlammigen Straße, den Lauf des Baches zu seiner Rechten haltend: groß gewachsen, mit sandfarbenem Haar, einem Remington an der Hüfte und dem wachsamen Blick eines Mannes, der die Gefahren des Westens kennt und zu überleben weiß. Hinter ihm war ein Bündel mit seinen Habseligkeiten am Sattel festgeschnürt. Sein Pferd war ein braunweiß gefleckter Pinto. Ein störrischer Gaul, der seinen Eigensinn mit Ausdauer und Schnelligkeit wettmachte.

Lassiter stieß seinen Hut aus der Stirn und schaute sich aufmerksam um. Sein scharfer Blick erfasste eine Gruppe Gabelböcke, die in einiger Entfernung grasten. Die Tiere waren weit genug entfernt, um sich von seiner Anwesenheit nicht gestört zu fühlen. Die weiten Graslandschaften waren kaum geeignet für den Ackerbau, dafür begünstigten sie das Wild und die Viehhaltung. Es gab zahlreiche Ranches in der Gegend.

In der Ferne zeichneten sich die Dächer einer Siedlung ab. Sie schien in greifbarer Nähe zu sein, aber die flache Landschaft täuschte die Sinne. Der Ort wirkte näher, als er tatsächlich war.

Lassiter drückte seinem Pferd die Schenkel in die Flanken. Der Hengst war ebenso erschöpft wie er selbst und brauchte noch einen weiteren Schenkeldruck, ehe er sein Tempo beschleunigte.

Hinter Lassiter lag ein Zehnstunden-Ritt. Ein Telegramm hatte ihn nach Belfour beordert, einem verschlafenen Nest im Nordosten Wyomings. Im örtlichen Bordell sollte er von einem Mann namens Charly die Instruktionen für seinen nächsten Auftrag erhalten. Nach den langen Stunden im Sattel sehnte er sich nach einer anständigen Mahlzeit, einem Bad und einem reizenden Girl in seinen Armen.

Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Endlich erreichte er die Stadtgrenze und ließ sein Reittier langsamer gehen. Auf der Mainstreet sank sein Pferd bei jedem Schritt ein. Die Regenfälle der vergangenen Tage hatten den Untergrund in Schlamm verwandelt. Eine trübe Brühe aus Schmutzwasser, Kot und Abfällen. Dazwischen ragten wie Inseln die hölzernen Bürgersteige auf. Planken dienten als Fußgängerüberwege.

Lassiter ritt an einem Telegraphenamt vorbei, in dem gleichzeitig auch die örtliche Zeitung untergebracht war. Vor dem Saloon waren ein halbes Dutzend Pferde angebunden. Aus dem Inneren drang Pianomusik.

An der Straßenecke bot ein fliegender Händler geröstete Erdnüsse und Süßigkeiten feil.

Lassiter ließ seinen Pinto vor dem Mietstall anhalten und stieg ab. Ein junger Rotschopf sauste aus dem Inneren des Stalls auf ihn zu. Der Bursche konnte nicht älter als elf sein. Auf seiner Nase tanzten zahlreiche Sommersprossen. Er grinste unter seiner Schirmmütze breit.

»Soll ich Ihr Pferd versorgen, Sir?«

»Es braucht Wasser und Futter und einen Unterstand für eine Nacht. Kannst du es auch trockenreiben?«

»Ist schon so gut wie erledigt, Sir.«

»Danke. Wie heißt du, Junge?«

»Tom, Sir.«

»Mein Name ist Lassiter. Hör zu, Tom: Pass gut auf mein Pferd auf. Ich komme morgen früh und hole es wieder ab. Wenn du alles ordentlich erledigt hast, soll es dein Schaden nicht sein.«

»Sie können sich auf mich verlassen, Sir.«

Lassiter nickte und drückte dem Jungen eine Münze in die Hand. »Weißt du, wie ich von hier aus zum Bordell komme?«

Die Ohrspitzen des Jungen färbten sich dunkelrot. »Das Haus von Madame Roseline ist gleich um die Ecke. Nur drei Häuser weiter. In der Pine Street. Sie können es gar nicht verfehlen.«

»Alles klar.« Lassiter zog seine Winchester aus dem Scabbard, zurrte sein Bündel ab und überließ es dem Stalljungen, sich um den Pinto zu kümmern. Er wollte als Erstes in Erfahrung bringen, welcher Auftrag auf ihn wartete. Danach hatte er Zeit, sich eine anständige Mahlzeit zu besorgen.

Der Bürgersteig war rutschig von Schlamm und Regenwasser, als Lassiter seine Schritte um den Mietstall herum lenkte. Wenig später ragte vor ihm ein zweistöckiges Holzhaus mit einer großen Veranda auf. Die Fenster waren mit Vorhängen verhüllt. Roselines Palace, stand in roten Lettern über dem Eingang.

Hier war er richtig.

Die Eingangstür stand einladend offen. Lassiter trat ein und wurde von einem angenehmen Odeur empfangen. Es roch nach Parfum und Seife. Dicke rote Teppiche bedeckten den Boden. Ein Rausschmeißer mit zwei Peacemakern an der Hüfte fläzte auf einem Stuhl und kaute auf einem Stück Trockenfleisch herum. Sein Schädel war kahl rasiert, und hinter seinen Schultern konnte sich eine ganze Schulklasse verstecken, wenn es darauf ankam. Er wirkte nicht sonderlich beschäftigt. Offenbar hielten sich die meisten Besucher des Etablissements an die Regeln. Womöglich schreckte seine schrankähnliche Statur sie von vornherein von jeglichem Übermut ab.

Zwei leichtbekleidete Girls standen am Fuß der Treppe und lächelten Lassiter an.

»Guten Abend.« Er tippte sich an den Hut. »Könnt ihr mir sagen, wo ich Charly finde?«

»Oben.« Eines der Girls deutete die gewundene Treppe hinauf. »Zimmer sechs.«

»Danke.« Er stieg nach oben und hielt Ausschau nach dem bezeichneten Zimmer. Auf sein Klopfen vernahm er eine Frauenstimme.

»Nur herein.«

Lassiter öffnete die Tür und trat ein. Der Raum war überaus behaglich eingerichtet. Ein breites Bett dominierte das Zimmer. Rote Samtvorhänge vor dem Fenster und weiche Felle auf dem Boden wirkten einladend. Auf einem niedrigen Holztisch standen eine Flasche Whiskey und mehrere Gläser.

Zu seiner Rechten stand eine mit Samt bezogene Chaiselongue. Darauf räkelte sich eine atemberaubend schöne Frau. Rote Locken fielen ihr weich und seidig über den üppigen Busen, der von ihrem Korsett noch betont wurde. Als sie sich aufrichtete, blitzten unter ihrem langen Rock seidige Strümpfe. So reizend sie war, so wachsam schien sie auch zu sein, denn unter dem Kissen neben ihr blitzte ein Derringer hervor. Sie musterte Lassiter kurz und prüfend. Dann verzogen sich ihre roten Lippen zu einem Lächeln.

»Guten Abend, Ma’am.« Er zog seinen Hut vom Kopf. »Mein Name ist Lassiter.«

»Da musst du einen ordentlichen Ritt hinter dir haben, Lassiter. Du warst schneller hier als gedacht. Ich habe dich erst morgen früh erwartet.« Ihre Stimme war rauchig und verhangen wie ein guter Whiskey.

Lassiter spürte, wie sich Hitze in ihm regte, die nichts mit den sommerlichen Temperaturen draußen zu tun hatte. Das Lächeln des Girls ging ihm messerscharf unter die Haut. Unwillkürlich stellte er sich vor, was sie mit diesen weichen Lippen alles anstellen konnte. Oha.

Er räusperte sich. »Ich soll hier einen Mann namens Charly treffen. Bin ich im falschen Zimmer?«

»Keineswegs. Ich bin Charly. Sieht man das nicht?«, erwiderte sie schelmisch.

»Nicht auf den ersten Blick«, konterte er und entlockte ihr damit ein Lachen.

»Mein Name ist Charlene. Die Abkürzung war eine Vorsichtsmaßnahme. Ich war mir nicht sicher, wer hier aufkreuzen würde.« Sie musterte ihn nachdenklich. »Wenn du nach Charly fragst, musst du der Mann sein, den man ruft, wenn die Lage brenzlig wird.«

»So könnte man es ausdrücken.«

»Ein Sternträger bist du aber nicht, oder?«

Lassiter verneinte. Er ritt im Auftrag einer geheimen Organisation, der Brigade Sieben. Für seine Arbeit besaß er weder eine Marke noch einen Ausweis. Nichts, was ihm unterwegs ein paar Türen öffnen konnte. Er war auf sich allein gestellt, und so war es ihm auch am liebsten.

»In meinem Telegramm hieß es, ich soll mich an Charly wenden wegen des neuen Auftrags.«

Charlene nickte. »Ich werde dir alles Nötige erzählen, aber dafür haben wir noch die ganze Nacht Zeit. Du hast einen langen Ritt hinter dir. Warum legst du nicht erst einmal deine Sachen ab? Ich besorge dir ein Bad und etwas zu essen.«

»Das klingt gut.«

»Dann mach es dir bequem. Ich bin gleich wieder da.« Mit ...

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