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Lass es endlich Liebe sein!

1. KAPITEL

Dank ihrer langjährigen Erfahrung als Servicekraft im Vista del Mar Beach and Tennis Club kannte Sarah Richards die Regel Nummer eins für alle Kellnerinnen: Schütte niemals heißen Kaffee auf die Kronjuwelen eines Mannes!

Doch zum ersten Mal seit vierzehn Jahren war sie versucht, ihren Job zu riskieren.

Während sie einen Bon in die Kasse steckte, ließ sie den Blick über die Mittagsgäste bis zu dem Tisch am Fenster schweifen. Dort war er, ihr Exfreund aus der Highschool.

Rafe Cameron.

Gerade nahm er auf dem Stuhl gegenüber von seinem Stiefbruder Chase Larson Platz. Das Getuschel der anderen Gäste, das auch fünf Monate nach seiner schicksalhaften Heimkehr in seine Geburtsstadt nicht abgeebbt war, war ihm sicher nicht entgangen.

Warum konnte er nicht wie ein Troll aussehen? fragte Sarah sich. Aber nein, ganz im Gegenteil, die Jahre waren sehr freundlich zu ihm gewesen. Er sah sogar noch viel besser aus als damals während des letzten Jahres auf der Highschool, als sie ein Paar gewesen waren – und schon zu jener Zeit hatte er sich keineswegs verstecken müssen.

Sein blondes Haar mochte vielleicht ein wenig dunkler geworden sein, das tiefe Blau seiner Augen allerdings war so faszinierend wie vor all den Jahren. Sein Körper war muskulös und der eines erwachsenen Mannes – nicht mehr zu vergleichen mit dem des Jungen, mit dem sie einst auf dem Rücksitz eines alten El Camino wild herumgeknutscht hatte. Bei diesem Gedanken wurde es Sarah plötzlich ganz heiß, und ihre Haut prickelte vor Erregung – genauso wie vor vierzehn Jahren.

Sie hingegen schien keinen bleibenden Eindruck bei Rafe Cameron hinterlassen zu haben, denn er hatte sich nicht bei ihr blicken lassen, seitdem er wieder in der Stadt war. Vielleicht mied er sie, weil es ihm unangenehm war, an ihre Highschoolromanze erinnert zu werden, aber Sarah befürchtete, dass sie einfach zu einem bedeutungslosen Teil seiner Vergangenheit geworden war.

Dieser eingebildete Mistkerl verdient es, eine Tasse heißen Kaffee in den Schoß geschüttet zu bekommen, dachte sie wütend.

Doch noch viel schlimmer als sein ignorantes Verhalten ihr gegenüber war die Tatsache, dass er dabei war, die Wirtschaft von Vista del Mar zu zerstören. Als der frühere Junge aus armen Verhältnissen als Selfmade-Millionär in seine Heimatstadt zurückgekehrt war, hatten alle gehofft, dass er die Mikrochipfirma retten würde, die Hauptarbeitgeber der kleinen kalifornischen Gemeinde war. Im vergangenen Monat war in der Lokalzeitung Seaside Gazette allerdings darüber berichtet worden, dass Rafe vorhatte, den Betrieb möglicherweise völlig einzustellen.

Als sie daran dachte, dass ihre schwer schuftenden Eltern vielleicht ihre Arbeit verloren, schloss Sarah schwungvoll die Kassenschublade. In ein paar Sekunden würde sie die zweifelhafte Ehre haben, mit diesem Mistkerl zu sprechen, denn das Schicksal hatte ihn ausgerechnet an einem ihrer Tische Platz nehmen lassen. Vergiss den Kaffee! ermahnte sie sich. Sie brauchte diesen Job, denn leider war sie nicht so vermögend wie die Stammgäste, die hier zu speisen pflegten.

Jemand räusperte sich leise hinter ihr, und Sarah wandte sich erschreckt um. Auf gar keinen Fall wollte sie von ihren Kolleginnen dabei ertappt werden, wie sie Rafe anstarrte. Verwirrt sah sie auf ihre Großmutter, die stirnrunzelnd mit verschränkten Armen vor ihr stand.

Mist!

An Kathleen Richards kam niemand so leicht vorbei.

Die Augen ihrer geliebten Großmutter waren vom selben Grün wie ihre eigenen. Neben dem kastanienbraunen Haar hatten die beiden Frauen zudem auch das aufbrausende Temperament gemeinsam. Das Einzige, was sie nicht teilten, war Kathleens Faible für extravagante Outfits.

„Hi Grandma Kat. Bist du zum Mittagessen hier?“, fragte Sarah.

Als Kathleen noch die persönliche Assistentin von Ronald Worth, dem ehemaligen Eigentümer von Worth Industries – jetzt Cameron Enterprises – gewesen war, hatte sie sich häufig in dem exklusiven Club aufgehalten.

„Eigentlich nicht. Ist ein bisschen zu teuer für mich geworden, seit ich Rentnerin bin“, erwiderte Kat und klopfte auf ihre pink-schwarze Handtasche. „Ich bin deinetwegen hergekommen, Liebes, denn du gehst ja nicht ans Telefon. Nilda und ich treffen uns im Bistro am Meer und würden uns freuen, wenn du uns Gesellschaft leistest.“

„Damit ihr mir erzählen könnt, was für einen passenden Junggesellen ihr wieder für mich aufgegabelt habt, den ich unbedingt kennenlernen muss?“ Sie hoffte inständig, dass ihre Großmutter sie nicht dabei beobachtet hatte, wie sie Rafe mit den Blicken förmlich ausgezogen hatte. „Habt ihr beide schon mal daran gedacht, eine Partnervermittlung aufzumachen?“

„Und du könntest unsere erste Klientin sein.“ Kat zwinkerte ihr zu, wobei ihre riesigen silbernen Ohrringe hin und her schaukelten.

Seit dem dritten Todestag von Sarahs Ehemann, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, hatte Kathleen ihre Bemühungen verdoppelt, ihre Enkelin zu verkuppeln.

„Vielen Dank, aber ich muss leider absagen.“ Rasch umarmte Sarah ihre Großmutter und drängte sie auf den von Palmen gesäumten Eingang zu. „Das ist furchtbar lieb von dir. Aber ich brauche in dieser Beziehung keine Hilfe. Und jetzt entschuldige mich bitte, aber die Arbeit ruft.“

Am besten nahm sie gleich Rafes Bestellung entgegen, dann hatte sie es hinter sich. Schlecht schmeckende Medizin schluckte man ja auch schnell hinunter. Doch sie hatte ein bisschen Angst – weniger vor ihrem eigenen Temperament, sondern vielmehr vor der verräterischen Hitze, die sich wieder bei ihr bemerkbar machte. Törichte Erinnerungen, die ihm ganz bestimmt nichts mehr bedeuteten. Und trotzdem besaßen sie die Macht, ihren Herzschlag zu beschleunigen.

Kat allerdings rührte sich nicht vom Fleck. „Was ist denn falsch daran, wenn ich meine Lieblingsenkelin in ihrer Pause zu einem Kaffee einladen möchte?“

„Erstens bin ich deine einzige Enkelin, und zweitens habe ich erst in einer Stunde Pause. Mach dir keine Sorgen. Mir geht es gut.“ Falls es ihr gelang, sich von den sinnlichen Erinnerungen, die sie mit diesem vermaledeiten Kerl am Fenster teilte, nicht überwältigen zu lassen. „Ich mache mir bloß Sorgen, dass die Fabrik geschlossen wird – so wie jeder hier.“

Rafes Rachefeldzug, den er gegen Ronald Worth führte, würde die ganze Stadt teuer zu stehen kommen. Als sie noch zusammen gewesen waren, hatte er ihr von seinen Plänen erzählt, Worth Industries in den Untergang zu treiben. Doch sie hätte nie gedacht, dass er dieses Vorhaben jemals in die Tat umsetzen würde – vor allem deshalb nicht, weil so viele andere Menschen darunter leiden würden. Ihr kam es so vor, als wäre es gestern gewesen, dass sie sich gemeinsam über soziale Ungerechtigkeiten hatten ereifern können.

Neckisch zupfte Kathleen an Sarahs Pferdeschwanz. „Na, gut. Ich lasse dich in Ruhe – fürs Erste jedenfalls. Aber ich muss wirklich mit dir sprechen. Lass uns morgen zusammen zu Abend essen. Ich koche auch. Und ich weiß genau, dass du morgen deinen freien Tag hast, also keine Ausreden“, setzte ihre Großmutter hinzu und eilte davon, bevor Sarah widersprechen konnte.

Als Kathleen nun fort war, gab es keinen Grund mehr, die Begegnung mit Rafe noch länger hinauszuschieben. Als Sarah zum Tisch hinübersah, stellte sie zu ihrer Enttäuschung fest, dass ihr Exfreund sich in der Zwischenzeit nicht einfach in Luft aufgelöst hatte, sondern immer noch traumhaft aussah mit seinem verwegen zerzausten blonden Haar.

Block und Stift fest umklammert, bereitete sie sich innerlich auf den Showdown vor, bevor sie sich auf den Weg zum großen Panoramafenster mit Blick auf den Pazifik machte. Das Gebäude lag fünfzehn Meter über dem Meeresspiegel auf einer Klippe, von der in den Stein gehauene Treppen hinunter zum Sandstrand führten. Dort befand sich in einer natürlichen Bucht ein abgeschiedenes Plätzchen inmitten der Felsen – das auch sehr romantisch war, wie Sarah aus der Zeit wusste, als sie mit Rafe zusammen gewesen war.

Es hatte wehgetan, nach dem Highschoolabschluss nie wieder was von ihm gehört zu haben, aber endlich hatte die quälende Warterei ein Ende. Vorbei die Zeit, in der sie sich immer wieder ausgemalt hatte, wie es wohl sein würde, sollten sich ihre Wege doch noch einmal kreuzen. Jetzt würde sie ihm ein Wiedersehen bescheren, das er so schnell nicht vergessen würde.

In den vergangenen vierzehn Jahren hatte Rafe Cameron recht erfolglos versucht, Sarah Richards zu vergessen. Schon lange bevor sie nach seinem Fortgang aus Vista del Mar einen anderen geheiratet hatte, hatte sie sich unauslöschlich in sein Gedächtnis gebrannt.

Nicht, dass er ihr gegenüber Groll empfand – nicht viel jedenfalls.

Während er nur mit halbem Ohr seinem Stiefbruder zuhörte, der ihm gegenübersaß, beobachtete Rafe, wie Sarah – das kastanienbraune Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden – sich näherte. Ihr sinnlicher Körper wurde sehr vorteilhaft von der schlichten weißen Bluse und der schwarzen Hose betont. Das war zwar die typische Arbeitskleidung für Servicemitarbeiter des Klubs, doch an Sarah kam sie außerordentlich sexy zur Geltung. Diese Frau war eben schon immer alles andere als durchschnittlich gewesen.

Als sie näher kam, konnte er in ihren jadegrünen Augen sehen, dass sie innerlich vor Wut kochte. Rafe war Feindseligkeiten gewohnt, seitdem er seine Pläne für die Fabrik öffentlich bekannt gemacht hatte. Ihn überraschte es sogar, dass Sarah ihm nicht schon früher die Meinung gegeigt hatte. Sie hatte noch nie mit ihren Ansichten hinter dem Berg gehalten, und jetzt war sie ganz zweifellos in kampflustiger Stimmung. Offensichtlich änderten manche Dinge sich eben nie.

Dazu zählte zum Beispiel auch die Reaktion seines Körpers, nachdem er lediglich einen flüchtigen Blick auf ihr attraktives Gesicht geworfen hatte – und natürlich auf ihre wohlgerundeten Brüste. Plötzlich wurde ihm heiß. Er war nach Vista del Mar zurückgekehrt, um eine alte Rechnung zu begleichen und Worth Industries zu zerstören. Schließlich hatte Ronald Worth damals auch keine Gnade gekannt, als er Rafes Eltern grundlos gefeuert hatte. Deswegen hatte Rafe absolut kein schlechtes Gewissen dabei, dass er jetzt im Namen seiner toten Mutter Rache für diese Ungerechtigkeit nahm. Niemand, noch nicht einmal Sarah Richards, würde ihn von seinem Vorhaben abbringen.

Mit Stift und Block in der Hand blieb sie neben dem Tisch stehen. „Darf ich Ihre Bestellung aufnehmen, Mr Cameron?“

„Sehr gerne, Ms Richards.“ Er drehte den Stiel des leeren Kristallglases zwischen den Fingern. „Oder warten Sie, Sie sind doch jetzt Ms Dobbs.“

„Ich heiße wieder Richards.“

Interessant, dachte er, dass sie nach dem Tod von Quentin Dobbs wieder ihren Mädchennamen angenommen hat. „Dann also Sarah Richards.“

„Hey“, meldete sich sein Stiefbruder Chase Larson zu Wort und sah verlegen von einem zum anderen. „Schön, dich wiederzusehen, Sarah, aber würdet ihr mich kurz entschuldigen? Ich muss telefonieren. Übrigens, ich nehme die Pasta Primavera und einen Eistee.“

Mit einem entschuldigenden Lächeln ließ er sie daraufhin hastig allein.

Rafe stieß leicht gegen das Glas. „Wie schön, dich zu sehen, Sarah.“

„So? Du erinnerst dich also an mich“, entgegnete sie zynisch. „Ist ja nicht so, dass du auch nur einen Pieps seit deiner Rückkehr von dir gegeben hättest. Das ist jetzt fünf Monate her, und da habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Vielleicht bist du dir ja jetzt zu fein für deine alten Freunde.“

Ihn überraschte es, dass sie ihm deswegen Vorwürfe machte und nicht wegen der geplanten Schließung von Cameron Enterprises, vor der feindlichen Übernahme durch Rafe bekannt als Worth Industries. Anscheinend schien ihr seine Nichtbeachtung schwer zu schaffen zu machen. Eigentlich freute es ihn, dass sie nach all der Zeit so empfand. „Du bist ja ziemlich feindselig für eine verflossene Highschoolliebe“, meinte er.

„Es geht hier nicht um die Vergangenheit.“ Verärgert klopfte sie mit dem Stift auf den Tisch. „Sondern darum, wie du dich jetzt gerade verhältst. Mich wundert es, dass du den Mumm hast, hierherzukommen und so zu tun, als sei alles in Ordnung – nach allem, was du getan hast.“

„Es ist Mittagszeit. Jeder muss mal was essen, Kitten.

Ihr verschlug es kurz die Sprache, als er sie als Kätzchen bezeichnete und somit den alten Kosenamen verwendete, den er ihr aufgrund ihrer ungezügelten Leidenschaft und ihres katzenartigen Schnurrens gegeben hatte – und weil sie ihm einmal während einer heftigen Knutscherei den Rücken zerkratzt hatte, als sie …

Rafe rückte seine Krawatte zurecht. Obwohl sie damals nie den letzten Schritt getan und miteinander geschlafen hatten, hatten sie sich auf andere Weise Befriedigung verschafft. Abwesend rieb er zwei Finger aneinander und hatte plötzlich wieder das Gefühl, Sarah an ihrer empfindlichsten Stelle zu berühren.

Er tippte gegen Sarahs Notizblock. „Was ist denn die Empfehlung des Hauses für heute Mittag?“

„Du willst also wirklich so tun, als wäre alles in Ordnung? Eigentlich sollte mich das nicht überraschen. Wenn man hört, was die Leute von dir erzählen, bist du ja ein ganz besonders herzloser Mann geworden.“ Sie wurde mit jedem Wort lauter, sodass zwei Damen in Tenniskleidung vom Nachbartisch aus bereits neugierig in ihre Richtung blickten. „So, wie du gerade die Zukunft von Vista del Mar ruinierst, kannst du froh sein, dass dir noch niemand Gift ins Essen gemischt hat. Bis jetzt.“

„Tja, dann werde ich wohl einen Vorkoster engagieren müssen.“ Er hatte ihre scharfe Zunge schon beinahe wieder vergessen, fand aber Gefallen daran, denn nicht viele trauten sich, so mit ihm zu sprechen. Die meisten versuchten, sich gut mit ihm zu stellen, um ihre eigene Haut zu retten. Dummerweise musste Rafe jetzt auch daran denken, welche Vergnügen sie ihm damals mit ihrer Zunge sonst noch bereitet hatte.

„Sollte wohl nicht zu schwer sein, einen Schleimer zu finden, der für dich arbeitet. Deinetwegen ist ja bald die halbe Stadt arbeitslos. Hey …“ Sie schnippte mit den Fingern und setzte ein gekünsteltes Lächeln auf. „Vielleicht können sich ja meine Eltern bei dir bewerben, denn die sind bestimmt als Erste ihren Job los.“

Sie bewies großen Mut, ihn so zusammenzustauchen. Immerhin hatte er nach seinem Weggang aus dieser Stadt schwer dafür gearbeitet, um es zu etwas zu bringen. Er hatte sich immer wieder vorgestellt, wie er zurückkehren und Sarah ein besseres Leben bieten würde. Was für ein toller Plan! Leider hatte sie nicht lange gebraucht, um ihre unsterbliche Liebe einem anderen Mann zu schenken, den sie schließlich auch geheiratet hatte. Zwar war der vor drei Jahren gestorben, aber das änderte nichts an der Vergangenheit. Deswegen hatte er sie seit seiner Rückkehr nach Vista del Mar nicht weiter beachtet. Woher zur Hölle hätte er denn ahnen sollen, dass sie überhaupt noch mit ihm sprechen wollte?

Sarah holte kurz Luft, bevor sie ihre Schimpftirade fortsetzte. „Was? Hast du nichts dazu zu sagen? Ein paar Leute hast du bestimmt mit deiner Menschenfreundlichkeit täuschen können mit dieser Stiftung Hannah’s Hope.“ Sie schüttelte den Kopf. „Hannah – der Name deiner Mutter, wie rührend. Mich legst du damit aber nicht rein. Ist dir deine Rache an Ronald Worth wirklich so wichtig, dass du so viele Leben zerstören willst?“

Einen Augenblick lang war er völlig verblüfft, dass sie ihm vor anderen Leuten eine Standpauke hielt. Darüber hinaus entsprachen die meisten ihrer Anschuldigungen der Wahrheit. Er war tatsächlich zurückgekehrt, um Rache zu üben. Und er hatte vor, die Fabrik zu schließen, um daraus Kapital zu schlagen. Sicher wäre die Firma durchaus überlebensfähig, aber was für Mühen und finanziellen Aufwand das bedeuten würde … Nein, er hatte es bestimmt nicht so weit gebracht, indem er unrentable Entscheidungen traf. Und er genoss es wirklich, Ronald Worth seinen Erfolg unter die Nase zu reiben.

Aber Sarah ist übers Ziel hinausgeschossen, als sie meine Mutter ins Spiel gebracht hat, dachte Rafe verärgert und holte zum Gegenschlag aus. „Geschäft ist eben Geschäft, Kitten.

„Nenn mich nicht so!“ Sie umklammerte den Stift so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten.

Ihr Zorn trug allerdings nur dazu bei, den seinen noch mehr zu entfachen. „Warum denn nicht? Ich denke gerne daran, wie du mir damals …“

„Hey!“ Wütend stampfte sie mit dem Fuß auf. „Ich hätte nie geglaubt, dass du so ein selbstgefälliger Snob werden würdest.“

„Warum sprichst du nicht noch ein bisschen lauter? Am Tisch dahinten haben sie dich bestimmt noch nicht richtig verstanden.“

„Seit wann kümmerst du dich darum, was die Leute von dir denken? Was spielt es für dich für eine Rolle, wenn ich meinen Job verliere?“, schimpfte sie laut weiter, sodass die beiden Frauen am Nachbartisch jetzt ganz ungeniert das Gespräch belauschten. „Weißt du überhaupt noch, wie es ist, für einen Hungerlohn zu arbeiten? Von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck zu leben und die ganze Zeit Angst davor zu haben, dass dein Auto kaputt geht oder du für eine Woche krank bist?“

Die Gespräche im Restaurant verstummten allmählich, und außer dem verhaltenen Klappern aus der Küche war nichts mehr zu hören.

„Sarah, vielleicht sollten wir nicht unbedingt hier darüber sprechen.“

„Ach, jetzt willst du plötzlich mit mir sprechen, ja? Nachdem du mich fünf Monate lang ignoriert hast? Nachdem du mir vierzehn Jahre nach deinem Abschluss noch nicht einmal eine Postkarte aus Los Angeles geschickt hast? Ach, zum Teufel mit dir! Tut mir ja wahnsinnig leid, dass dir die Wahrheit so unangenehm ist.“

Er wollte ihr schon widersprechen, sah dann aber ein, wie absurd die Situation war. Mit Managern in Gucci-Anzügen wurde er ohne Weiteres fertig, aber gegen die kämpferische Sarah war er machtlos. Auf einmal verspürte er den unwiderstehlichen Drang zu lachen – dem er schließlich auch nachgab.

„Verdammt, Rafe, wag es bloß nicht, mich auszulachen.“ Ihr Gesicht wurde rot vor Wut.

Was ihn wiederum dazu brachte, noch mehr zu lachen.

In dem Moment kam der Manager des Klubs mit gestresstem Gesichtsausdruck auf ihn zugeeilt. „Gibt es ein Problem, Mr Cameron?“

„Keineswegs“, versicherte Rafe ihm und versuchte, sein Lachen zu mäßigen. „Ms Richards und ich unterhalten uns nur.“

Der Manager wandte sich an Sarah. „Könnten Sie Ihre Unterhaltung vielleicht ein anderes Mal führen, Ms Richards?“

„Selbstverständlich.“ Sie wiederum wandte sich an Rafe. „Ich bitte um Entschuldigung. Was möchte der Herr denn trinken?“

Sie sah ungefähr so schuldbewusst aus wie ein Kind, das mit der Hand in der Keksdose ertappt worden war – nachdem es bereits davon genascht hatte.

„Keine Entschuldigung nötig“, erwiderte Rafe und konnte sich nicht verkneifen, noch ein Kitten hinzuzufügen.

Sie schaute ihn böse an und atmete tief ein. Unwillkürlich musste er daran denken, wie wundervoll ihre Brüste im Mondlicht ausgesehen hatten. Damals am Meer, als sie auf dem Rücksitz des El Camino wild herumgemacht hatten. Sie hatten nicht genügend Geld gehabt, um an der Abschlussparty ihrer Freunde teilzunehmen. Rafe hatte deswegen ein schrecklich schlechtes Gewissen gehabt, aber sie hatte geschworen, dass es ihr nichts ausmachte. Als Nächstes erinnerte er sich daran, wie sie die Spaghettiträger ihres Kleides heruntergeschoben und ihre Brüste enthüllt hatte. Er erinnerte sich sogar noch an ihren Duft und daran, wie sie ihre Fingernägel in seinen Rücken gekrallt und dabei wonnevoll geseufzt hatte. Offensichtlich war sie bereit gewesen, die letzte Grenze der Lust mit ihm zu überschreiten – und zwar auf der Stelle.

Erst da war ihm ein Licht aufgegangen. Sie war angetrunken, weil jemand bei der Abschlussfeier heimlich Alkohol in den Punsch gemischt hatte. Daraufhin hatte er sie umgehend zu sich nach Hause gebracht, um ihr einen Kaffee einzuflößen, damit sie wieder nüchtern wurde.

Rafe fuhr mit den Fingern über den Rand seines Hemdkragens. „Also, ich trinke erst mal was, bis Chase mit seinem Telefonat fertig ist.“

Sie lächelte, und er wusste wegen all der erotischen Erinnerungen gar nicht mehr, was sie wohl zum Lächeln gebracht hatte. Sarah deutete auf einen silbernen Getränkewagen, der ein paar Schritte entfernt stand. „Vielleicht einen Eistee? Oder Kaffee?“

„Eistee, vielen Dank.“ Auf keinen Fall konnte er noch mehr Hitze gebrauchen, da ohnehin schon genug seinen Körper durchströmte.

„Kommt sofort.“ Mit funkelnden Augen hob sie die Kristallkaraffe hoch, und er hielt ihr das leere Glas entgegen.

„Danke.“

„Gern geschehen.“

Das Funkeln in ihren Augen verriet ihm, dass sie keinesfalls fertig mit ihm war. Und er hätte wissen müssen, dass Sarah niemals aufgab – vielleicht hätte er daran gedacht, wenn er nicht in den Erinnerungen an ihren halb nackten Körper geschwelgt hätte. Sie drehte die Karaffe um … und goss ihm den Eistee direkt auf den Schoß.

2. KAPITEL

Erschreckt sprang Rafe auf, und so gelang es ihm auch, ein Stückchen auszuweichen. Trotzdem traf ihn ein tüchtiger Schwall des Getränks an den Beinen, sodass der Stoff seiner Designerhose feucht an seiner Haut klebte.

Offensichtlich war Sarah auch nach vierzehn Jahren immer noch für eine Überraschung gut. Da ihm in der letzten Zeit nicht viele die Stirn zu bieten wagten, empfand Rafe diese Herausforderung sogar als reizvoll. Leise lachend wischte er sich über die Hose.

Mit hochrotem Gesicht kam der Manager auf sie zugestürmt. Abwehrend hob Rafe eine Hand und winkte ihn fort, wobei er sich noch nicht einmal die Mühe machte zu prüfen, ob der andere Mann seiner stummen Aufforderung nachkam. Niemand würde sich jetzt noch mit ihm streiten – außer Sarah.

Er konzentrierte sich voll und ganz auf die Frau vor sich – die einzige Frau, die er nie hatte vergessen können. Vor vierzehn Jahren hatte sie ein großes Risiko für seine ehrgeizigen Zukunftspläne bedeutet. Und jetzt? Offensichtlich fühlte er sich immer noch von ihr angezogen. Wieder lachte er leise, denn ihm wurde bewusst, dass es ihm nichts genützt hatte, sich von Sarah fernzuhalten.

Wutentbrannt knallte sie die Karaffe auf den Wagen. „Das findest du also noch lustig?“

Da er neben ihr stand, beugte er sich zu ihr herüber – nahe genug, um den blumigen Duft ihres Shampoos wahrzunehmen – und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich schätze, ich gehe dir immer noch unter die Haut.“

Plötzlich schienen die Geräusche im Restaurant zu verstummen, und es gab für einen kurzen Moment nur sie beide. Sarah atmete heftig ein, wobei ihre Brust sich hob und senkte. Wenn er auch nur einen Zentimeter näher an sie herantrat, würden ihre Körper sich berühren, einander in Versuchung führen und füreinander in Leidenschaft entbrennen. Ihre leuchtend grünen Augen weiteten sich vor Erregung. Einst hatte Rafe davon geträumt, die nackte Sarah mit Smaragden zu schmücken, bevor sie miteinander Sex hatten. Eigentlich war er ein Mann, der alles erreichte, was er sich vorgenommen hatte. Doch die Auseinandersetzung mit Sarah würde keinen friedlichen Ausgang haben. Nur noch mehr Frust würde sich aufbauen.

Und genau aus diesem Grund hatte er den Tennis Club und somit auch Sarah gemieden. Er wollte sich nicht von dieser unerledigten Angelegenheit zwischen ihnen in irgendeiner Form ablenken lassen. Besonders dann nicht, wenn er so dicht davor stand, seine Rache ...

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