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Landluft für Anfänger - 09

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist »Landluft für Anfänger«?
  3. Die Autorinnen
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Freitag, 6. Juni
  7. Samstag, 7. Juni
  8. Sonntag, 8. Juni
  9. Montag, 9. Juni
  10. Dienstag, 10. Juni
  11. Mittwoch, 11. Juni
  12. Das neunte Rezept aus Marthas Küche
  13. In der nächsten Folge

Was ist »Landluft für Anfänger«?

»Landluft für Anfänger« ist ein zwölfteiliger Serienroman, der ein Jahr lang jeden Monat über zwei unterschiedliche Schwestern und ihr Leben auf einem geerbten Hof im Spreewald berichtet. Die Serie gibt es sowohl als E-Book als auch als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Die Autorinnen

Simone Höft, geboren 1968, und Nora Lämmermann, geboren 1978, trennen – wie die Protagonistinnen ihrer Romanreihe – zehn Jahre Lebenserfahrung, ein Kind und 475 Kilometer Luftlinie zwischen Köln und München. Gemeinsam sind ihnen ein abgeschlossenes Germanistikstudium, die langjährige Arbeit für Film und Fernsehen sowie eine mal mehr mal weniger gut funktionierende WLAN-Verbindung.

»Landluft für Anfänger« ist ihre erste, gemeinsame Romanreihe.

 

»Und wenn sie aber nicht kommen …?«

Eine Pension ohne Gäste ist wie ein Spreewaldkahn auf dem Trockenen. Die Schwestern warten vergeblich auf Touristen und werden stattdessen von Überraschungen ganz anderer Art heimgesucht

 

www.pensionhedwig.de

Landleben mit Haus- und Hoftieren mitten im schönen Spreewald. Individuell eingerichtete Zimmer und ein weitläufiger Garten laden zum Entspannen ein. Paddel- und Kahntouren direkt von der Haustür aus möglich. Halbpension mit Spezialitäten der Region bei unserem Partner, der Traditionsgaststätte »Zum Schlangenkönig«.

Freitag, 6. Juni

Abbildung

16:00. Fließ zwischen Schlangenkönig und Pension Hedwig

Wer hätte das gedacht. Marlies, Iris und ich sitzen in einem Boot. Genau genommen in einem Kahn. Wir schippern hinüber zu unserer kleinen Pension, um Marlies unsere Zimmer zu zeigen. Denn: Sie ist unsere neue Geschäftspartnerin. Während Putin und der Westen alte Feindschaften wieder aufleben lassen, war Marlies überraschenderweise bereit, die Waffen niederzulegen. Als Jutta und Marlies, die beiden ehemaligen Freundinnen, vor ein paar Wochen von ihrem ausgedehnten Spaziergang zurückkamen, hat Marlies uns den Schulterschluss angeboten: Anstatt uns im Konkurrenzkampf zu zerfleischen, sollten wir unsere Kräfte bündeln. Und uns als Familienclan das Touristengewerbe in Feulenitz unter den Nagel reißen! Konkret heißt das: Unsere Gäste profitieren von der reichhaltigen (wenn auch sehr traditionellen) Speisekarte des Schlangenkönigs, Marlies’ Gäste dürfen im Gegenzug unseren Garten für Kaffee und Lesestunden nutzen. Vor allem aber verspricht sich Marlies von unserem Zusammenschluss Entlastung in der Küche. Schließlich habe sie sich auch mal Schöneres vorgestellt, als in den besten Jahren ihres Lebens allein eine ganze Wirtschaft zu schmeißen! Der Seitenhieb ging in Richtung Jutta, die diesen in Büßerstellung hinnahm. Iris’ Mutter ist nämlich, wie ich schon geahnt hatte, zu guten Teilen schuld daran, dass Marlies so einen Hals auf Iris und mich hatte. Wenn ich Jutta, die mit Marlies auf der Bank am Bug sitzt, jetzt so ansehe, kann ich immer noch nicht glauben, dass diese mausgraue Frau ihrer besten Freundin den Mann ausgespannt haben soll. Na ja, richtig ausgespannt stimmt eben nicht. Sie und Marlies’ Mann hatten eine Affäre. Vielleicht war es sogar die große Liebe, zumindest muss die Anziehung sehr groß gewesen sein, wenn Jutta eine ganze Mauer brauchte, um sie abzuwehren. Auf jeden Fall ist Jutta – so hat Iris berichtet – gar nicht wegen ihrer großen, unverbrüchlichen Liebe zu Bernd in den Westen gegangen, sondern vor der Gefahr geflohen, die Ehe ihrer besten Freundin zu zerstören. Ob Maik wusste, dass sein Vater Iris’ Mutter geliebt hat? Maik hat gesagt, seine Eltern seien schon lange, bevor sein Vater gestorben ist, geschieden gewesen. Heißt das, die Ehe ist trotz Juttas Abwesenheit in die Brüche gegangen? Anja hat beim Zampern auch so komische Andeutungen gemacht, also wissen sie es wahrscheinlich. Na ja. Kann mir egal sein. Maik kann mir egal sein. Und ob er eine unglückliche Kindheit hatte, auch. In dem Streit zwischen Jutta und Marlies am Tag des Maibaumwerfens, von dem ich nur den letzten Wutausbruch mitbekommen hatte, ging es jedenfalls genau darum. Inzwischen scheinen die beiden Frieden geschlossen zu haben. Was wohl dazu führt, dass Marlies jetzt den Vorteil sieht, den unsere neue Verwandtschaft mit sich bringt. Das betrifft leider vor allem meine Person. Marlies will nämlich schon seit einiger Zeit kürzertreten und hat sich in den letzten Monaten umsonst um einen zweiten Küchenchef bemüht. Kein Wunder, Feulenitz ist eben nicht New York, habe ich noch innerlich gefeixt. Doch dann sah Iris’ Mutter mich an und sagte: »Und da dachten wir an dich.« Ausgerechnet ich sollte Marlies’ Küchensklave werden?! Mein erster Impuls war, das Angebot auszuschlagen. Nicht nur, weil ich Marlies’ plötzlicher Wandlung vom Saulus zum Paulus nicht ganz traue. Seit dem Kuss zwischen Svenja und Maik beim Maibaumwerfen hat Maik sich nicht mehr blicken lassen, woraus ich schließe, dass sein Geständnis, er habe noch Gefühle für mich, eine Luftnummer war. Mir reicht es, dass mich die Frage, ob zwischen ihm und seiner Ex jetzt wieder etwas läuft, in meinen Nächten verfolgt. Da muss ich nun wirklich nicht auch noch an dem Ort arbeiten, wo ich ihm (und ihr?) mit größter Wahrscheinlichkeit über den Weg laufe! Auf den zweiten Blick wurde mir dann aber klar, dass es hier leider nicht nur um meine privaten Gefühle geht. Zur Rettung unserer Pension müssen Opfer gebracht werden. Und so bin ich, nachdem Iris mich hart in die Seite geknufft hatte, Marlies hinterhergewetzt, die mit einem »Wer nicht will, der hat schon« unsere Küche bereits wieder verlassen hatte. Da Marlies nicht im Traum daran dachte, mir ein Gehalt zu zahlen, knüpfte ich eine Bedingung an meine Mitarbeit: Wir arbeiten als gleichberechtigte Partner. Marlies’ Mund wurde noch schmaler, als er eh schon ist. Doch dann schlug sie mit festem Händedruck ein.

»Du wirst sehen, die Mädchen haben wirklich etwas ganz Entzückendes gezaubert. Ich bin sicher, dir wird es auch gefallen. Und dann … könnte man ja überlegen, ob das nicht auch für den Schlangenkönig … also das wäre doch …« Meine Mutter wirft einen verzweifelten Blick zu Mia auf der hinteren Bank im Kahn und zu mir, die die drei über das Fließ stakt. Ich weiß, dass meine Mutter sich innerlich selbst kasteit, weil sie Marlies eben bei der Besichtigung des Schlangenkönigs auf dem falschen Fuß erwischt hat. Ich weise mit dem Kinn auf Marlies’ Rücken und verdrehe dabei die Augen. Ich möchte meiner Mutter zu verstehen geben, dass sie es mit dem Katzbuckeln nicht übertreiben soll. Immerhin hat sie, um Marlies’ Ehe nicht zu gefährden, ihre Heimat, ihr Leben aufgegeben und ist mit mir in eine ungewisse Zukunft aufgebrochen. Wäre Marlies das bei der gemeinsamen Aussprache nicht klar geworden, hätte sie wohl kaum so eingelenkt. Aber das schlechte Gewissen meiner Mutter ist nicht zu unterschätzen. Obwohl die beiden seit ihrer Aussprache beinahe unzertrennlich sind, fürchtet meine Mutter, dass sich ihre neu geschlossene Freundschaft wie eine labile Molekülverbindung bei der kleinsten Erschütterung auflösen könnte. Eben, als wir durch Marlies’ Hotelzimmer gingen, gab es eine solche Erschütterung. Ich hatte fest damit gerechnet, dass Mia sich einen Fauxpas erlauben würde beim Anblick der braunmelierten Couchecken, der massiven Ehebetten und der Beistelltische mit Glasplatten über den Häkeldeckchen. Aber nein, während Mia neben mir zwar große Augen machte, sich aber auf die Zunge biss, um nichts Gehässiges über das DDR-Museum vor uns zu sagen, rutschte ausgerechnet meiner Mutter ein verblüfftes »Hier hat sich wirklich gar nichts verändert!« heraus. Was sie damit sagen wolle?, argwöhnte Marlies gleich. »Na ja, ich meine nur, die Leute sind vielleicht heutzutage anderes gewöhnt. Du hast doch selbst gesagt, es fehlt an Gästen.« In ihrer Verzweiflung schwärmte meine Mutter von unserem Umbau, bis Marlies spitz einwilligte, sich unsere Vorstellung von einem modernen Pensionszimmer einmal anzusehen. Mit einem letzten beherzten Einstaken bringe ich den Kahn an unsere Anlegestelle. »Jetzt bin ich aber mal gespannt auf eure Luxusbehausungen«, knurrt Marlies und steigt überraschend sicher – sie ist eben eine echte Spreewälderin – aus dem Kahn. Dann streckt sie meiner Mutter die Hand hin, um ihr beim Aussteigen zu helfen. Während die beiden Frauen auf das Haus zugehen, wechseln Mia und ich einen Blick, der so viel sagt wie: Da haben wir uns was eingebrockt.

»Eure Pension platzt aber auch nicht gerade vor Besucheransturm aus allen Nähten«, ist das erste Kompliment, zu dem sich Marlies hinreißen lässt, als sie unsere Pension betritt, in der gespenstische Stille herrscht. »Wir haben ja auch noch nicht geöffnet«, bemerkt Iris nicht ohne Schärfe. Trotzdem hat Marlies leider Recht. Wir haben gerade mal eine einzige Voranmeldung. Feulenitz ist eben nicht New York. Dabei sind unsere Zimmer so schön geworden! Ich zwänge mich an Marlies, die bereits die Treppe erklimmt, vorbei und öffne nicht ganz ohne Stolz die Tür zu meinem ehemaligen Wohnraum mit der damals so hart erkämpften Flügeltür. Die beiden aneinandergrenzenden Zimmer, die nach hinten und zum Fließ hinausgehen, sind jetzt unsere Suite. Goldenes Nachmittagslicht fällt durch die offenen Fenster auf das honiggelbe Parkett und die sandgraue Samtcouch, deren Farbton ich in den Gräserhalmen der Tapete aufgegriffen habe. Wie die Borte ist sie in einem sanften Taubenblau gehalten, so dass das Zimmer, dessen Zentrum ein großzügiges Doppelbett ist, eine angenehme Weite und Ruhe ausstrahlt. Ganz zu schweigen von dem Nebenzimmer im dunkleren Fliederton … Als ich die Flügeltüre aufstoße und mich erwartungsvoll zu Marlies umdrehe, ist diese … verschwunden.

»Da sieht ja jedes Zimmer anders aus«, zieht Marlies ihr erstes Fazit, nachdem sie eigenmächtig auch die anderen Zimmer inspiziert hat. – »Das ist doch der Clou, Marlies. Eine individuelle Pension – im Stil und in den Zimmergrößen. Eine Familiensuite, zwei große Doppelzimmer mit eigenem Bad, drei kleine Zimmer für Alleinreisende oder für die, die es kuschelig wollen«, erfindet meine Mutter quasi einen Werbetext aus dem Stegreif. »Und sollte es gut laufen, können wir das Dach ausbauen«, ergänze ich und ernte einen abschätzigen Blick von Marlies. »Du glaubst doch nicht im Ernst, dass das nötig ist.« Marlies blickt sich noch einmal um. Sie versucht es zu verbergen, aber in ihrem nächsten Kommentar schwingt ein wenig Bewunderung mit. »Das hat doch sicher ein Vermögen gekostet. Alleine diese Designertapeten.« Neben mir platzt Mia vor Stolz. »Die hat Mia selbst gemacht. Für den Schlangenkönig könnte sie sicher auch passende gestalten«, werfe ich den letzten Köder aus. An dem Marlies zappelnd hängen bleibt. Nur, um nicht gleich das Gesicht zu verlieren, stellt sie eine letzte Nachfrage. »Und die … Möbel?« – »Die beziehe ich aus einem Fachgeschäft für Antiquitäten«, lächelt Mia. – »Gut, von mir aus. Aber damit eins klar ist: Ich zahle die Renovierung nicht.« Als hätten wir damit je gerechnet! »Dann sind wir uns also einig?«, signalisiere ich meine Bereitschaft, weiteres Geld jetzt auch in Marlies’ Gaststätte zu investieren. Anstatt einer Antwort beugt sich Marlies zu einem kleinen Schränkchen, das neben der Tür steht, zieht es von der Wand weg und deutet auf ein Label auf der Rückseite: »Wusste ich es doch. DDR-Maßarbeit.« Ich muss grinsen. Mia raunt mir zu: »Stimmt. Aber auf die Kombination kommt es an.«

»Ein Gast! Wir haben einen Gast!« Meine Tochter kommt etwas aus der Puste die Treppe hochgerannt. Fabienne trägt inzwischen eine ordentliche Kugel vor sich her und sieht allerliebst aus in ihrem Frühlingskleid, wie ein Bonbon auf Beinen. (Ich kann mich nicht erinnern, wann Fabienne das letzte Mal Farbe getragen hat, aber gestern kamen sie und Lydia mit diesem Teil an.) »Er ist gerade mit dem Motorrad vorgefahren!« Wie eine Schar pubertierender Mädchen drängen wir uns in dem vorderen Zimmer ans Fenster. Vor dem Fließ steigt eine zierliche Person in Lederkluft von einer roten Suzuki. (Michael wollte sich nach Fabiennes Geburt so eine kaufen, aber ich fand das zu gefährlich …) Sie nimmt den Helm ab und öffnet den Reißverschluss ihrer Lederjacke. Sind das silberne Metallzacken auf dem Jackenrevers, was da so in der Sonne funkelt? »Das ist kein Mann«, höre ich neben mir tonlos Marlies sagen, der angesichts der Erscheinung vor uns beinahe die Augen ausfallen. Nein, denn unter dem Helm kommen eine blonde Strubbelfrisur und ein knallrot geschminkter Mund zum Vorschein. Bei der Art, wie die Frau sich durch ihre kurzen Haare fährt, im gleißenden Sonnenlicht die Lederjacke auszieht, um schließlich in hautenger Lederhose und ebenso engem weißen Tanktop vor dem Fließ zu stehen, könnte man den Eindruck gewinnen, wir wohnten einem Modefotoshooting oder der Anfangsszene eines Motorrad-Softpornos bei. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Frau vor uns, das lässt sich trotz der durchtrainierten, aber etwas dünnen Oberarme sagen, keine zwanzig und auch keine vierzig mehr ist. Die Frau setzt eine Sonnenbrille mit roten Gläsern auf, die entfernt an Flower Power erinnert, schnallt zwei Reisetaschen mit großem Blumenmuster von ihrem heißen Gefährt, stellt eine davon auf den Boden und wühlt darin. »Sieht aus wie Nena in Blond«, trifft Fabienne den Nagel auf den Kopf. »Und ist sicher genauso alt«, ergänzt meine Mutter. (Woher kennt die denn Nena?) »Man könnte auch sagen: Sie hat sich gut gehalten«, sage ich. An irgendwen erinnert mich diese Frau, die Art, wie sie sich bewegt … Mittlerweile hat die Frau gefunden, was sie sucht, sie zieht ein Handy hervor, wählt und blickt dabei zum Haus. Instinktiv tritt unsere Versammlung geschlossen einen Schritt vom Fenster zurück. »Muss ich mir meine zukünftigen Gäste also so vorstellen?«, schnarrt Marlies noch, als Mias Handy klingelt, das sie, als hätte sie eine Vorahnung, bereits aus ihrer Hosentasche gezogen hat. Mir fällt auf, dass Mia sich noch gar nicht zu der Erscheinung am Fließ geäußert hat. Aus ihrem Gerät kommt eine grelle Stimme. »Mia, Schatz! Schwimmen eure Gäste zu euch, oder wie habt ihr euch das gedacht?« – »Hallo, Elke. Ich komm runter.« Ich schaue Mia irritiert an. Elke … heißt so nicht …

Ein paar Minuten später vor der Pension

»Das ist meine Mutter«, stelle ich Elke der versammelten Gesellschaft vor, nachdem ich sie mit dem Kahn abgeholt habe. – »Elke, das ist …«, setze ich gerade an, doch meine Mutter hat wohl beschlossen, auf unbeschwerte Konfrontation zu gehen. – »Iris. Das weiß ich doch. Die gleiche Nase wie Bernd. Hat man schon als Teenager gesehen. Und Sie …«, wendet sich meine Mutter an Jutta und Marlies, »… sind die guten Seelen der Pension?« Jutta und Marlies sehen meine Mutter einen Moment konsterniert an. Dann sagt Iris’ Mutter betont langsam: »Jutta Neuberger. Ich bin Iris’ Mutter …« Und Bernds erste Frau. Für einen Moment entgleist meiner Mutter ihr fröhliches ›Ich-hab-alles-im-Griff‹-Pokerface, das sie sich für diesen Auftritt wohl schon vor ihrer Abfahrt zurechtgelegt hat. »Äh, ja, natürlich, seit wir uns das letzte … also einzige Mal … das ist ja schon eine Zeit her. Sie wohnen jetzt also wieder im Osten? Die Wurzeln lassen einen doch nicht los, nicht wahr?« – »Meine Mutter wohnt in Frankfurt. Sie ist zu Besuch«, mischt Iris sich jetzt kühl ein. – »Ah ja. Wie schön.« Betretenes Schweigen. Für einen Moment befürchte ich, dass Elke ihre peinliche Vorstellungsrunde bei Fabienne und Marlies fortsetzt, doch meine Mutter ist Gott sei Dank klug genug, nicht noch weitere Fettnäpfchen in Planschbeckengröße zu suchen. »Wir wollen ja sehen, was die Mädchen auf die Beine stellen, nicht wahr?«, versucht sie stattdessen etwas überfordert, sich mit Jutta zu verbrüdern. Doch ich kenne meine Erzeugerin gut genug, um zu wissen, dass sie enttäuscht ist, keine mütterliche Exklusivität zu genießen. Marlies sieht meine Mutter immer noch an, als käme sie direkt von einem anderen Stern. Darf ich vorstellen, meine Schwiegermutter in spe? Trotz meiner Liebesmisere muss ich bei dieser Vorstellung für einen Moment grinsen. Marlies scheint meiner Mutter nicht die Genugtuung geben zu wollen, weiterhin im Rampenlicht zu stehen. Sie streift mich mit einem Blick, der wohl ›Jetzt wird mir einiges klar‹ bedeuten soll, und wendet sich Iris zu.

»Für die Renovierung, da können wir sicher ein paar Männer zusammentrommeln. Wenn wir den Frankes bei der Heuernte helfen, kommt Benno sicher für ein, zwei Tage zum Ausräumen und Streichen vorbei. Dann spart ihr hier schon mal Kosten.« – »Benno?« Das klang wohl etwas entgeistert. Schon mustert mich Marlies prüfend. »Benno veranstaltet hier jedes Jahr eine historische Heuernte für die Touristen, zum Zuschauen und Mitmachen. Und wir übernehmen das Catering. Das sollte eigentlich an Pfingsten stattfinden, aber bei den Wetteraussichten muss er es wohl auf die Woche danach verschieben. Jetzt fehlen ihm Helfer. Und eine Hand wäscht die andere.« Sie mustert uns vielsagend. – »Ich werde da passen müssen. Ich bin allergisch gegen Heu«, sage ich. Marlies zieht die Augenbrauen hoch. »Oder hast du ein Problem damit, Benno und seine Frau zu fragen?« Jetzt stehe ich endgültig im Fokus des Geschehens. »Ich? Nein, wieso sollte ich?«, antworte ich leichthin und spüre, wie ich trotzdem rot werde. – »Nun ja …«  Meine Mutter schaut ratlos zwischen Marlies und mir hin und her. »Benno Franke? Opa Connys Enkel? Was ist mit dem?« Um das Thema ein für alle Mal zu beerdigen, gehe ich spontan zum Gegenangriff über: »I

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