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Landluft für Anfänger - 08

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist »Landluft für Anfänger«?
  3. Die Autorinnen
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Mittwoch, 30. April
  7. Freitag, 2. Mai
  8. Samstag, 3. Mai
  9. Sonntag, 4. Mai
  10. Montag, 5. Mai
  11. Dienstag, 6. Mai
  12. Mittwoch, 7. Mai
  13. Donnerstag, 8. Mai
  14. Freitag, 9. Mai
  15. Samstag, 17. Mai
  16. Sonntag, 18. Mai
  17. Montag, 19. Mai
  18. Das achte Rezept aus Marthas Küche
  19. In der nächsten Folge

Was ist »Landluft für Anfänger«?

»Landluft für Anfänger« ist ein zwölfteiliger Serienroman, der ein Jahr lang jeden Monat über zwei unterschiedliche Schwestern und ihr Leben auf einem geerbten Hof im Spreewald berichtet. Die Serie gibt es sowohl als E-Book als auch als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Die Autorinnen

Simone Höft, geboren 1968, und Nora Lämmermann, geboren 1978, trennen – wie die Protagonistinnen ihrer Romanreihe – zehn Jahre Lebenserfahrung, ein Kind und 475 Kilometer Luftlinie zwischen Köln und München. Gemeinsam sind ihnen ein abgeschlossenes Germanistikstudium, die langjährige Arbeit für Film und Fernsehen sowie eine mal mehr mal weniger gut funktionierende WLAN-Verbindung.

»Landluft für Anfänger« ist ihre erste, gemeinsame Romanreihe.

 

»Offene Rechnungen«

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, und nicht nur die tierischen Bewohner des Spreewalds balzen um die Wette. Doch der Zauber allen Anfangs ist trügerisch. Und so müssen die Schwestern am eigenen Leibe erfahren, dass unbeglichene alte Rechnungen einen manchmal teuer zu stehen kommen.

Mias Walpurgisnachtzettel:

»Maik und ich werden ein Paar. Jetzt. Sofort.« Hex-Hex!

Iris’ Walpurgisnachtzettel:

»…« – Nur Torben weiß, was auf dem albernen Zettel steht. Er hat ihn davor gerettet, von mir zerrissen zu werden, und ihn seiner Hokuspokus-Bestimmung zugeführt, indem er an meiner Stelle etwas darauf geschrieben hat. Was, will er nicht verraten. Interessiert mich auch nicht …. Doch, tut es. Mist. Was könnte Torben mir wünschen?

Mittwoch, 30. April

Abbildung

19:00. Dorfwiese mit frisch aufgestelltem Maibaum und Feuer

Mist. Sieht nicht so aus, als würde dieses Frühlingsritual mit den Wunschzetteln funktionieren. Seit die zwei als Hexen verkleideten Frauen die Zettel eingesammelt und dem Walpurgisnachtfeuer übergeben haben, hat sich Maiks Sicherheitsabstand zu mir um keinen Millimeter verringert. Wie schon die letzten zwei Stunden vermeidet er es, auch nur in meine Richtung zu blicken, und bewacht stattdessen mit Argusaugen, gepanzert in seiner Feuerwehruniform, den brennenden Scheiterhaufen. Aufkommende Frühlingsgefühle? Balzverhalten? Irgendeine Reaktion auf mein (für die am Abend noch frischen Temperaturen etwas zu kurz geratenes) Frühlingskleid? Pustekuchen! (Ganz im Gegensatz zu Iris und Torben, die eben angekommen sind und – man mag es kaum glauben! – das Tanzbein schwingen, als wären sie noch mal sechzehn!) Als die Kahn fahrende Postbotin das Testergebnis des Labors gestern endlich brachte, bin ich mit dem versiegelten Brief zu Maik gelaufen, der sich, seit er Marlies’ Speichelprobe und Opa Wilhelms Uhr bei mir abgegeben hat, nicht mehr hatte sehen lassen. Schon sein Blick, als er mir die Tür öffnete, verpasste meiner Romeo-und-Julia-Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Euphorie einen deutlichen Dämpfer. Ein wenig später wurde mir klar, dass uns die Zeit des bangen Wartens in entgegengesetzte Richtungen getrieben hat. Während mir unsere Annäherung und Maiks ruhige Worte beim Osterfeuer Zuversicht gegeben hatten, dass wir füreinander bestimmt sind und alle Hürden – auch die vermeintlich inzestuösen! – gemeinsam meistern können, hatte Maik sein Herz vorsorglich in ein Vier-Sterne-Tiefkühlfach umfunktioniert. Dessen Temperatur er – nachdem in dem Schrieb schwarz auf weiß zu lesen war, dass wir Cousin und Cousine sind – deutlich nach unten korrigierte. Er müsse nachdenken, war alles, was er sagte, bevor er mich stumm zur Tür begleitete und selbige hinter mir ins Schloss fallen ließ. Ein wenig hatte ich gehofft, Maibaum und Hexentanz ums Feuer würden heute auch bei ihm den Bann brechen. Schließlich soll das Hexenspektakel zum ersten Mai den Winter vertreiben und alles, was im vergangenen Jahr schiefgelaufen ist, verbrennen. (Rituale zum Austreiben des Winters und böser Geister scheinen hier im Spreewald während der ersten Jahreshälfte eine Art Dauerbeschäftigung zu sein!)

Nun gut. Wenn Zauberrituale nicht helfen, und bevor ich später im Bett wach liege, weil ich vier Stunden gefroren und Maik dennoch nicht angesprochen habe: Selbst ist die Frau. Dann eben die bodenständige Variante. Annäherung durch Nahrungsaufnahme. Die Wurst, die ich seit fast einer halben Stunde mit einem Stock über das benachbarte Mini-Feuer halte, ist sowieso mehr als durch, denn ich halte mich nur an ihr fest, um irgendetwas zu tun zu haben. (Anja hat sich bis jetzt genauso wenig blicken lassen wie Ernesto und seine Freundin … Und Iris hat sich geweigert, mich zu begleiten … Aber klar, wenn Torben ruft …!)

Mit schwitzigen Händen und pochendem Herzen nähere ich mich dem Ritter mit dem versteinerten Herzen und komme mir bereits albern vor, als ich ihm möglichst unbefangen meine leicht angeschmurgelte Trophäe mit den Worten überreiche: »Hey, keine Angst, ich hab gepustet, damit du dir nicht die Finger verbrennst«. Mann, Mia, was war das denn für ein Spruch? Der Blick aus den weichen Rehaugen trifft mich bis ins Mark, als Maik mir die Wurst aus den Händen nimmt, ein »Danke« nuschelt (War das verlegen oder abweisend?) und nach schmerzvollen Sekunden der Stille – anstatt mein blutendes Herz zu heilen – die zweite Wunde aufreißt, die sich aus unserem neuen Verwandtschaftsverhältnis ergeben hat: »Habt ihr meiner Mutter schon reinen Wein eingeschenkt?«

Mein Blick wandert zu Marlies, die, als wäre sie die Muhme Rumpumpel, neben dem Feuer steht und mir verbiesterte Blicke zuwirft, seit Torben und ich zu der ausgelassen feiernden Meute an der Dorfwiese gestoßen sind. Vielleicht habe ich mich auch deswegen so bereitwillig von Torben in die Tanzarena ziehen lassen, um mich vor Marlies’ Zugriff zu schützen. Sieht so aus, als hätte ihr Sohn ihr noch nichts von dem Vaterschaftstest erzählt, sonst würde sie jetzt sicher mit den anderen Hexen unter Triumphgeheul um das Feuer herumhopsen. Hat sie als frischgebackene Tochter unseres Großvaters doch Anspruch auf einen Teil unseres Erbes. (Ich kann immer noch nicht glauben, dass anhand der alten Uhr von Opa Wilhelm ein Vaterschaftstest möglich war.) Da sie im Testament nicht als Erbin eingetragen ist, muss sie sich mit der Hälfte ihres Pflichtteils zufriedengeben. Wenn ich richtig gerechnet habe, landet sie bei rund elftausend Euro. Das ist nicht die Welt, aber ich habe dennoch überhaupt keine Lust, Marlies auszuzahlen. Ich wüsste wirklich zu gerne, welches Schicksal sie zu einer derart verbiesterten Frau hat werden lassen. Das Fehlen von Liebe? Ob ich wohl auch mal so ende? Als bald geschiedene Frau von Mitte vierzig hat man wohl auch nicht mehr die besten Aussichten, noch einmal das große Glück zu erleben. Torben holt mich aus meinen Grübeleien.

»Na, was machen denn die Runzeln da auf deiner Stirn?« Er grinst mich an und mimt übertriebenes Erschrecken: »Oh nein!«, ruft er aus. Jetzt schaut er sich wütend um. »Wer hat dir verraten, dass ich dir einen Hexenbann auf deinen Zettel geschrieben und dich von nun an für immer in der Hand habe?« Ich muss lachen. Schon früher hat Torben mich bei trüben Gedanken immer aufgeheitert. »Wieso?«, frage ich und hebe hochmütig die Augenbrauen. »Angst, dass dein natürlicher Charme nicht ausreicht?« Ups. Flirten wir da gerade miteinander? Über Torbens alkoholgeschwängertes Eifersuchts-Geständnis haben wir nicht wieder gesprochen, und auch sonst meiden wir vorsichtig alles, was über herzliche Bekundungen rein freundschaftlicher Zuneigung hinausgehen könnte. Nach dem Motto ‚Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach’ achten wir tunlichst darauf, den Spatz nicht zu verletzen bei dem Versuch, sich nach der Taube zu strecken. Wir sind Freunde, alte Vertraute, nichts weiter. Pilzgerichte und alte Liebschaften soll man nicht aufwärmen. Außerdem: Ärgerlicherweise geistert immer noch der verflixte Benno in meinem Kopf herum, sosehr ich mich auch bemühe, den Spuk loszuwerden (wenigstens ist er heute Abend nicht hier erschienen). Aber heute bin ich verwirrt. Seit Torben mich hierhergelotst hat und mit mir tanzt, als gäbe es kein Morgen. Sicher liegt es an der lauen Nacht und der ausgelassenen Stimmung, dass ich mich zum Flirten hinreißen lasse. So muss es sein. Oder? »Was bahnt sich eigentlich da an?« Wer, wie, wo? Bei uns? Ich brauche einen Moment, bis ich verstehe, dass Torben Maik und Mia meint, die am Feuer beieinanderstehen. »Die stehen ja fast so verlegen voreinander wie wir beide damals bei unserer ersten Maifeier!« Jetzt werfe auch ich einen genaueren Blick auf meine Halbschwester. Nach amouröser Verlegenheit sieht mir das weniger aus. Eher nach vorsichtiger Schadenssondierung. Gestern ist Mia tränenüberströmt nach Hause gekommen. Auf meinen fragenden Blick hin hat sie mir nur das Vaterschaftsgutachten gegen die Brust geknallt und ist in ihr Zimmer geflüchtet. Hier hat die Gewissheit also schon ein Erdbeben ausgelöst.

»Das entscheide ich ja nicht alleine«, weiche ich Maiks scharfer Nachfrage, ob wir noch vorhaben, es Marlies zu sagen, aus, und deute mit dem Kinn zu Iris auf der Tanzfläche. Was linsen denn Iris und Torben so zu mir rüber? Hat Iris etwa Torben schon alles brühwarm erzählt? Oder warten sie auf ein Happy End? Das können sie vergessen. Statt heißer Küsse schenkt Maik mir nämlich nur einen ernsten Blick, gefolgt von einer kalten Dusche moralischer Belehrung. »Mia, Fakt ist Fakt. Sie hat ein Recht darauf, es zu erfahren. Falls sie erbberechtigt ist – sie kann das Geld gut gebrauchen, das weißt du.« Ich nicke, blicke auf den Boden, wo meine Füße in den letzten Minuten ein halbes Ölbohrloch gescharrt haben, und warte drauf, dass meinen Gehirnzellen noch irgendetwas Kluges einfällt – da springt Jannik seinem Papa auf den Rücken. Meine Wurst landet durch die unerwartete Attacke im Dreck. Na super. Aus Janniks Sprungrichtung sehe ich Svenja, Maiks Ex, herbeischlendern. Sofort durchfährt mein Herz eine Gefühlsachterbahn: Erleichterung – Maiks Anklage hat ein Ende. Enttäuschung – mit Svenjas Auftritt ist jegliche Annäherung unmöglich geworden. Eifersucht. Denn Svenja muss ebenfalls frieren, sie trägt ein noch kürzeres Kleid als ich! »Mama, Mama, ich will deinen Wunsch der Hexe geben!« Svenja lächelt und gibt dem kleinen Jannik einen ordentlich gefalteten Zettel. (Was da wohl draufsteht? Neue Schuhe? Lifting? Mia, sei nicht biestig.) »Papa?« Jannik sieht Maik erwartungsvoll an und streckt seine kleine Hand aus. »Ich hab schon, Jannik.« (Was nicht stimmt. Ich habe gesehen, wie Maik seinen leeren Zettel in die Hosentasche gesteckt hat.) »Noch mal!«, bettelt der Kleine. – »Tja, da kommst du wohl jetzt nicht raus.« Das war Svenja, die Maik mit einem herausfordernden Lächeln einen leeren Zettel und einen Stift gibt. Die Tatsache, dass Svenja Maik gut genug kennt, um zu wissen, dass er keine träumerischen Wunschzettel schreibt, versetzt mir einen Stich. – »Umdrehen. Du bist mein Pult.« Maik benutzt den Rücken seines Sohnes als Unterlage und kritzelt etwas auf den Zettel. Ob ich wohl, wenn ich etwas näher rangehe, das eine oder andere Wort …? Neben mir räuspert sich Svenja betont unauffällig. »Wer wird denn spicken?!« Sie schenkt mir ein pseudofreundliches Lächeln. Ich werde sofort puterrot. Das muss auch Maik gesehen haben, dessen Blick schnell an mir vorbei- und zu seinem Sohn gleitet. (Ob er das Gleiche auf seinen Zettel geschrieben hat wie ich?!) Von der Seite sehe ich ihn an, doch er starrt starr geradeaus seinem Sohn nach, der voller Elan und über einen Erdhügel stolpernd zum Feuer rennt, um der Hexe die Herzenswünsche seiner Eltern zu überbringen. In ihrer Rührung vereint, sehen die Eltern ihrem Sohn nach. Und ich, Mia Mann, die frischgebackene Cousine, stehe unbeachtet daneben. Sollte Maik einen Herzenswunsch haben, dann, so wird mir plötzlich schlagartig klar, hat der mit Sicherheit mit seinem Sohn zu tun.

22:30. Küche im Haus der Schwestern

Da sieh an. Madame Leichtfuß kehrt vom Tanzboden zurück. Und ich hatte schon ernsthaft Sorge, Marlies hätte Iris als Frühlingsopfer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ich habe meinen ungeküssten Zustand genutzt und mit der Unterstützung einer halben Flasche Rotwein Einrichtungsgegenstände für unsere Pensionszimmer auf eBay erworben. Setze ich meine ganze Energie eben in unsere Geschäftsidee. Dabei bin ich auf ein echtes Schnäppchen gestoßen. Vierzehn fertig vorbereitete alte Siebdruckrahmen inklusive Farben, jeweils ein Meter auf ein Meter, mit denen man verschiedene Muster auf Tapeten drucken kann! Die Auktion läuft in fünfzig Sekunden aus, und wenn dieser Tttasil nicht gleich noch mal höher bietet … »Hallo Mia, wie oft denn noch, Krabat gehört nicht in die Küche!«

Was hält sie mir denn jetzt so gebieterisch ihre flache Hand entgegen, als wäre sie ein französischer Gendarm auf einer vielbefahrenen Kreuzung und ich ein hupender Citroen? Oder noch eher: ein Chef, der seiner Sekretärin, also mir, zu warten befiehlt, bis er eine seiner wichtigen, keinen Aufschub duldenden Aufgaben erledigt hat? Welche dringende Aufgabe sollte meine Halbschwester bitte schön in unserer Küche zu erledigen haben?

Ha. Tttasil erhöht um fünfzehn Euro. Jetzt die Nerven behalten. Die Uhr runterzählen lassen … So. Fünf … vier … drei … zwei … ich überbiete ihn um fünf Euro … eins … Meins!! Strike!! Die Handsiebdruckkollektion geht für schlappe 275 Euro an mich!!!!

»Ha!« Mia springt auf, führt einen Indianertanz auf und erschreckt Krabat dabei dermaßen, dass dieser, von einem Klaps auf den Hintern von mir bestärkt, mit drei Bocksprüngen durch die Eingangstür verschwindet. »Dich scheint ja der Hafer zu stechen«, richte ich jetzt das Wort an Madame. – »Da spricht die Richtige. Wer schwingt denn hier hormongesteuert das Tanzbein?«, schießt Mia gleich zurück und lässt sich wieder auf die Bank fallen. »Ich dachte, du wolltest gar nicht hingehen. Wegen unserer Rentabilitätsvorschau.« Mias Blick, aus geröteten Augen, ist eisig. Hat sie etwa wieder geweint? Mir tut es plötzlich leid, dass ich sie alleine in die Höhle des Löwen, sprich in Maiks Arme, habe gehen lassen. Ich hätte meinem Instinkt folgen und mit Mia kommen sollen, als sie plötzlich verschwand und Maik mit seinem Sohn auf den Schultern am Feuer stehen blieb. – »Nun ja, wollte ich auch nicht, aber dann stand Torben vor der Tür … und ich wollte nicht unhöflich … und dachte, auf ein Bier …«, versuche ich das ungewohnte Gefühl von schlechtem Schwester-Gewissen zu vertreiben. – »Es ist schon nach halb elf.« Mia stürzt den Rest ihres Rotweins in einem Zug runter und verschanzt sich wieder hinter ihrem Computer. Ich setze mich zu ihr an den Tisch. »Mia, es tut mir leid. Wie war es denn mit Maik und …?« – »Ich habe in unsere Pension investiert.« – »Aha?« Sie will wohl nicht darüber reden. »Einer muss sich ja um die Pension kümmern.« Von wegen. Den ganzen Papierkram mit Gewerbeschein und dergleichen habe ich erledigt. Wenn Mia mal von sich aus etwas tut, kann es sich nur um die Einrichtung drehen, und das wiederum … verheißt nichts Gutes. »Ich habe zwei Betten, ein Schränkchen, drei Spiegel und zwei Sessel erworben.« Ich sag’s ja.

Iris’ Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. »Was genau heißt ‚erworben’?« – »Na, gekauft, erstanden, ersteigert, um genau zu sein. Auf eBay. Du hast doch gesagt, wir haben weniger Geld, jetzt wo wir noch die Bäder oben einbauen lassen müssen. Und mehr Handwerker brauchen, um im Juni eröffnen zu können. Außerdem ist es in der Nähe abzuholen, bei Königs Wusterhausen.« – »Ja, aber du hättest mich fragen müssen!« – »Du warst dich doch vergnügen, und ich musste jetzt zuschlagen.« – »Wie viel hat das denn …?« – »210 Euro.« Jetzt guckt Iris noch verstörter. »Alles zusammen?«, bringt sie schließlich heraus. Ich grinse stolz. »Ein Schnäppchen, oder?«

Ja. Oder aber ein Haufen Schrott.

Freitag, 2. Mai

Abbildung

17:00. Im Auto auf der Autobahn Richtung Lübbenau

Mia hat sie nicht mehr alle. Meines Erachtens sind Mias ‚Schnäppchen’ stilistisch unter »Krönung des schlechten Geschmacks« einzuordnen! Sie vereinen alle Merkmale eines gestalterischen Fauxpas in sich: »abgeranzt«, »kitschig«, »unpraktisch« und etliche mehr. »Shabby chic« nannte es der männliche Glückspilz, der die ollen Schateken losgeworden ist und noch so tat, als handle es sich um besonders edle Stücke und als habe meine Halbschwester das Geschäft ihres Lebens gemacht. Als er Mias glänzende Augen sah, hat er gleich von seinem Lager in einem alten Kino angefangen, wo noch mehr Einzelstücke … Wehe! Am liebsten hätte ich das Zeug gar nicht erst eingeladen, aber Mias eBay-Deal war ja bereits in trockenen Tüchern. »Das Gerümpel bringen wir am besten direkt weiter zum Sperrmüll! 210 Euro für diesen Ramsch!«, konnte ich mir dennoch nicht verkneifen zu sagen, als Mia und ich endlich wieder im Auto saßen.

»J

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