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Landluft für Anfänger - 06

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist »Landluft für Anfänger«?
  3. Die Autorinnen
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Montag, 3. März
  7. Dienstag, 4. März
  8. Mittwoch, 5. März
  9. Donnerstag, 6. März
  10. Freitag, 7. März
  11. Samstag, 8. März
  12. Sonntag, 9. März
  13. Montag, 10. März
  14. Dienstag, 11. März
  15. Mittwoch, 12. März
  16. Donnerstag, 13. März
  17. Freitag, 14. März
  18. Samstag, 15. März
  19. Sonntag, 16. März
  20. Montag, 17. März
  21. Dienstag, 18. März
  22. Mittwoch, 19. März
  23. Donnerstag, 20. März
  24. Freitag, 21. März
  25. Das sechste Rezept aus Marthas Küche
  26. In der nächsten Folge

Was ist »Landluft für Anfänger«?

»Landluft für Anfänger« ist ein zwölfteiliger Serienroman, der ein Jahr lang jeden Monat über zwei unterschiedliche Schwestern und ihr Leben auf einem geerbten Hof im Spreewald berichtet. Die Serie gibt es sowohl als E-Book als auch als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Die Autorinnen

Simone Höft, geboren 1968, und Nora Lämmermann, geboren 1978, trennen – wie die Protagonistinnen ihrer Romanreihe – zehn Jahre Lebenserfahrung, ein Kind und 475 Kilometer Luftlinie zwischen Köln und München. Gemeinsam sind ihnen ein abgeschlossenes Germanistikstudium, die langjährige Arbeit für Film und Fernsehen sowie eine mal mehr mal weniger gut funktionierende WLAN-Verbindung.

»Landluft für Anfänger« ist ihre erste, gemeinsame Romanreihe.

 

»Gehen oder bleiben?«

Wie sich die Schwestern über Räucherfisch und Lämmergeburten die Köpfe und Herzen verdrehen lassen, bis der erste Frühling dem letzten Frost weicht und ein schmerzvoller Abschied naht …

Patientenakte ›Martha Dubizak‹, Zimmer 312

Im Notfall zu benachrichtigen: Mia Mann und Iris Neuberger, Kaupen 10, Feulenitz. 0179/5129693, 0172/8426469

Montag, 3. März

Abbildung

15:00. Spreewaldklinik Lübben. Flur

Ich kann Krankenhäuser nicht ausstehen. Der quietschende Linoleumboden, die mintgrünen und eierschalfarbenen Wände, die nachlässig-legere Kleidung sowohl der Patienten als auch des Personals. Als hätte die stickige Luft jegliche Energie und Schönheit aus den Farben und den Menschen gezogen. Als wäre der Mensch nicht mehr als eine Ansammlung komplexer und ins Stottern geratener Biomasse. Mit meinem knallroten Frühlingsmantel steuere ich zwischen den sich an Krücken und Tropfständer festklammernden Frottee-Ummantelten durch und nicke den mit strengen Schritten in Plastikclogs an mir vorbeieilenden Schwestern zu, bis ich vor Zimmer 312 zum Stehen komme. Ich zögere einen Moment, bevor ich die Klinke nach unten drücke. Es ist albern, aber bei jedem meiner Besuche habe ich Angst, die Tür zu öffnen und Marthas Bett leer vorzufinden. Was musste die störrische Alte auch unbedingt auf die Leiter klettern, um sich zu vergewissern, dass das Dach ihrer Remise auch ordentlich gedeckt wurde! Eine Stunde lag sie vor der Remise und konnte sich nicht rühren. Sie muss das Bewusstsein verloren haben, kurz bevor Fabienne sie dann – Gott sei Dank – gefunden hat. Wenn man den Ärzten glaubt, hat Martha die Gehirnerschütterung und den Rippenbruch, den sie sich bei dem Sturz von der Leiter zugezogen hat, gut weggesteckt. Aber von den drei Wochen, die sie nun im Krankenhaus liegt, ist ihr Herz schwach geworden. Da kann es bei alten Leuten jeden Moment vorbei sein. Also zum Beispiel: jetzt.

Marthas Krankenzimmer

Martha sitzt aufrecht in ihrem Bett, doch als ich näher komme, sehe ich, dass ihr Kinn auf die Brust gesunken ist und ihre Augen geschlossen sind. »Keine Angst, sie schläft nur.« Marthas Bettnachbarin, Frau Bossemeier (oder Dickmadame, wie ich sie heimlich nenne), hat meinen ängstlichen Blick richtig gedeutet. Ihre Augen wiederum haften begehrlich auf der von mir mitgebrachten Kuchenform. »Was ist es denn heute?« – »Gedeckter Apfelkuchen.« – »Haben Sie für mich auch wieder ein Stück dabei?« Ich nicke und stelle mich auf eine Litanei über das kärgliche Mittagessen ein, doch die rundliche Dame grunzt nur zufrieden und wendet sich wieder ihrer Talkshow im Fernsehen zu. Erleichtert stelle ich den Kuchen auf das Fensterbrett, ziehe leise den Besucherstuhl etwas näher an Marthas Bett und setze mich zu ihr. Wie auch in den letzten Wochen trägt Martha eine ihrer Blusen, und über ihrer schwarzen Leinenhose liegt ihre selbst gestrickte Wolldecke. Es rührt mich, wie Martha um ihre Würde kämpft und sich weigert, den Tag im Nachthemd zu verbringen. »Am Mittagessen haben sie nämlich wieder mal ordentlich gespart. An der Menge, meine ich.« Wusste ich doch, dass Frau Bossemeier den Auftritt eines lebenden Wesens nicht ungenutzt verstreichen lassen würde. Jetzt nur nicht nachfragen, Mia. Leider erledigt das Dickmadame selbst. »Wissen Sie, was es gab?« Diesmal höre ich mich fragend grunzen und rufe mich gleich zur Disziplin. »Einen Löffel Erbsen, einen Klacks Kartoffelbrei und zwei Spiegeleier. Wer bitte soll davon satt werden? – Würden Sie davon satt werden?« Wenn ich den ganzen Tag nur im Bett liegen würde, denke ich, werfe der Dame ein kurzes Lächeln zu und beschließe die Geheimwaffe zu zücken. Aus meiner Tasche ziehe ich ein Buch ›Power-Sprachkurs Englisch in vier Wochen‹, halte es mit einem bedauernden Blick für die Nachbarin gut sichtbar in die Höhe und schlage es an beliebiger Stelle auf. »Aber Ihre Großmutter isst ja wie ein Spätzchen, und bevor wir das Essen zurückgehen lassen … Wir sind die perfekte Symbiose, wissen Sie? Ich meine, das landet doch sonst im Müll, und das wäre doch schade. Nicht wahr? Was hier alles weggeschmissen wird, das mag man sich gar nicht vorstellen …«, versucht die Gute weiter, mich ins Gespräch zu ziehen, bevor sie verständnisvoll und ein wenig stolz ob ihres Insiderwissens »Ach, die Englischprüfung« seufzt und – zum Zeichen, dass sie sich jetzt märtyrerhaft alleine beschäftigen wird – den Ton an ihrem Fernseher lauter stellt. Es geht doch nichts über eine wohlüberlegte Notlüge.

Über das Buch hinweg sehe ich unseren schlafenden Drachen an. Martha hat also wieder nichts gegessen. Seit sie in der Klinik ist, ernährt sie sich fast ausschließlich von Süßspeisen, die ich für sie backe, meist mit Eingemachtem aus ihrem Vorrat. Vielleicht liegt es am Krankenhaus oder daran, dass ich Martha nur in Bewegung kenne, auf jeden Fall spüre ich – jetzt, wo ich sie beim Schlafen betrachte – plötzlich ihr wahres Alter. Zahllose Altersflecken zieren ihre von der vielen Arbeit an der frischen Luft gegerbten Hände, ihre sonst so rosige Haut ist fahl und lässt ihre Falten zwar weniger streng, aber umso deutlicher zum Vorschein kommen. Unser Drache wirkt … ja, zerbrechlich. Ob Martha wohl als junge Frau hübsch war? Ob sie Verehrer hatte? Ob sie selbst mal verliebt war? Mir fällt auf, wie wenig ich von unserer störrischen Alten weiß. Wie wenig ich vielleicht je wissen werde, wenn sie jetzt … Plötzlich habe ich das Bedürfnis, ihre Hand zu nehmen, doch ich traue mich nicht.

Dickmadame hat den Kanal gewechselt, jetzt tönt eine Kochshow durch das enge Zimmer. Ich frage mich, wie Martha bei dem Lärm schlafen kann. Was ist, wenn sie doch …? Vorsichtig beuge ich mich vor, um mich zu vergewissern, dass Martha wirklich nur ein Nickerchen macht. Ein Atemstoß, der mir direkt ins Gesicht bläst, gibt mir Gewissheit. Jetzt steht ihr Mund offen. Ich will mich schon abwenden, weil ich weiß, dass es Martha peinlich wäre, wenn ich sie so sähe, da schaltet Dickmadame erneut um. Die grelle Stimme einer Teleshoppingdame weckt Martha. Als sie mich wenige Zentimeter vor ihrer eigenen Nase erblickt, runzelt sie mürrisch die Stirn. »Man schaut Leuten nicht beim Schlafen zu. Warum hast du mich denn nicht geweckt? Bist du schon lange da?« Wieder wird umgeschaltet. Die Talkshow von vorhin. Laute, streitende Stimmen. Martha richtet sich in ihrem Bett auf und schießt einen ihrer sofort tödlichen Blicke auf die Dickmadame. Von Zerbrechlichkeit plötzlich keine Spur mehr. Doch die sagt nur gut gelaunt: »Kuchenzeit?« Und macht den Fernseher aus. Fast könnte man meinen, sie hätte Martha mit ihrem Zapp-Terror absichtlich wecken wollen, um a) an mein süßes Mitbringsel und b) zu einem Schwätzchen zu kommen. Martha rollt mit den Augen und fragt, während ich den Kuchen auf die schon bereitstehenden Teller verteile: »Wie geht’s den beiden Schafdamen?« – Ich grinse und sage: »Du meinst Iris und Fabienne?«

Zur selben Zeit. Im Schafstall

»Die meisten Geburten verlaufen reibungslos. Trotzdem: Ihr solltet regelmäßig nach den beiden Auen schauen. Auch nachts. Mehrmals. Und wenn es Komplikationen gibt « Torben stockt, als er meinem Blick begegnet. Das hat er bis jetzt vermieden. Seit er meine Knutscherei mit Benno beim Zampern beobachtet hat. Ich versuche, seinen Blick festzuhalten, um ihn zur Konfrontation zu zwingen, irgendeine Reaktion hinter der Wand aus kühler Zurückhaltung hervorzulocken, die Torben vor Wochen zwischen uns gemauert hat. Doch er weicht meinem Blick aus, greift in seine Tasche, die am Boden steht, und schreibt etwas auf einen Zettel. »Ihr könnt mich jederzeit anrufen«, beendet er seinen Satz und lässt seine Stimme dabei so formell wie möglich klingen, damit ich ja nicht den Subtext überhöre: ›In meiner Funktion als Tierarzt, bitte nicht privat!‹ Natürlich bin ich dankbar, dass er seinen Beruf so gewissenhaft ausübt. Dass er sich Martha verpflichtet fühlt, ohne die wir beiden Stadtpflanzen hier völlig aufgeschmissen sind. In wenigen Tagen ist es so weit, und unsere beiden trächtigen Schafe kommen nieder. Wie viele Geburten man hier auf dem Land erlebt! Das Euter des Wollpummels, das Mia »die schöne Helene« getauft hat, ist schon prall gefüllt, weil die Erstmilch eingeschossen ist. Torben hat uns angewiesen, auf abgehenden Schleim zu achten, zu beobachten, ob die werdenden Mütter sich zurückziehen, anfangen, in der Einstreu zu scharren, oder sich in ruhelosem Hin und Her ablegen und wieder aufstehen, lauter Anzeichen für die bevorstehende Geburt. »Wäre gut«, sagt Torben jetzt, »ihr hättet für alle Fälle ein paar Dinge bereitliegen.« Er drückt mir, ohne mich anzuschauen, den eben beschriebenen Zettel in die Hand: ›Desinfektionsmittel für die Nabelschnur, Gleitmittel, Taschenlampe, Wärmelampe, saubere Eimer, Seife, Handtücher, Fieberthermometer ‹, lese ich und sage: »Danke. Das hilft.« Nur leider nicht genug, denke ich. Denn am nötigsten hätte ich den seelischen Beistand eines Freundes im Dorf. Jemand, der mir das Gefühl gibt, willkommen zu sein (anscheinend macht mich die Angst um Martha neuerdings anfällig für solche sentimentalen Geborgenheitswünsche). Wann immer ich mich auf der Straße zeige, spüre ich die argwöhnischen Blicke der Nachbarn im Rücken. Natürlich sollte ich mich nicht darum scheren, was man im Dorf von mir denkt, nur weil ich an einem betrunkenen Fastnachtsabend einen von ihnen drei Sekunden lang geküsst habe. Aber wenn selbst Torben mich verachtet (was allerdings kein Wunder ist: Schließlich muss es für ihn, dem ich nicht erzählt habe, wie es um meine Ehe bestellt ist, so aussehen, als wäre ich verzweifelt auf der Suche nach einem Seitensprung, nachdem ich mich erst ihm und dann, abgewiesen, Benno an den Hals geworfen habe). »Ja, dann «, sagt Torben und greift nach seiner Tasche. Aber ich will ihn nicht so gehen lassen. Mein Drang, mich zu rechtfertigen, hat die Oberhand gewonnen. »Torben!«, sage ich, und er weiß sofort, dass die folgende Ansprache nichts mit gebärenden Schafen zu tun haben wird, das sehe ich ihm an. Er richtet sich auf, die Tasche in der Hand, schaut sich betont angelegentlich um, ob er nichts vergessen hat, meidet meinen Blick. Es kostet mich Überwindung, ihm nahezutreten. Ich überlege kurz, doch noch auf eine unverfängliche sachliche Frage auszuweichen. Aber es muss heraus: »Ich wollte nur sollten wir vielleicht steht irgendetwas zwischen uns? Ich meine, falls seit du bist so verändert seit dem Zamperabend im Schlangenkönig.« Himmel! Was für ein hilfloses Herumgestottere. Torben starrt mir kurz erschrocken ins Gesicht. Ich halte die Luft an, ich glaube für den Bruchteil einer Sekunde, dass er etwas sagen will, aber schon verschließt sich sein Gesicht wieder. Er schüttelt den Kopf und schaut weg, zieht seine Jacke an. »Ich weiß nicht, was du meinst, Iris. Ich bin vielleicht etwas überarbeitet, abgespannt. Und ich mache mir Sorgen um Martha. Das ist alles.« Ein letzter Blick auf die Schafe, ein kurzer Abschiedsgruß, und Torben ist zur Tür hinaus. Mein verletztes Ego brüllt ihm »Feigling!« hinterher.

17:50. Anjas Laden

»Zu fein zum Arbeiten, aber anschreiben lassen?« Wie von der Tarantel gestochen, drehe ich mich um. Hinter mir steht: Maik. Mit süffisantem Grinsen und seinem mittlerweile von Kinderzeichnungen bekritzelten Gips. Seit meinem nächtlichen Besuch vor knapp drei Wochen habe ich drei todesmutige Anläufe unternommen, bei ihm vorbeizuschauen. Laura hat mir wegen meiner Bedenken, ob ein Mann mit Kind nicht einen Rattenschwanz an Verstrickungen und Herzschmerz mit sich bringt, gut zugeredet: »Besser ein Mann mit Vergangenheit als einer, der mit Ende dreißig noch keine Beziehung hatte, die länger als sechs Monate ging. Bei Letzterem stimmt nämlich was nicht.« In der Theorie leuchtete mir das ein, doch jedes Mal, wenn ich – mit einer Flasche Wein in der Hand und etwas Wein zum Mutmachen im Magen – vor Maiks erleuchtetem Wohnzimmerfenster herumschlich, war seine Couch entweder von seinem Sohn (mein Kinder-ungeübtes Auge schätzt sein Alter auf etwa vier oder fünf Jahre) oder seiner Mutter besetzt. (Nur eine (Ex-)Freundin war Gott sei Dank nirgends auszumachen.) Bisher gab es also keine Gelegenheit, um dort anzuknüpfen, wo uns Ernesto am Zamperabend unterbrochen hat. Die Tatsache, dass Maik mich jetzt, wo wir uns endlich wiedersehen, gleich wieder blöd von der Seite anpöbelt, trifft mich daher doppelt ins Mark, lässt sie doch sofort die Frage auflodern, die ich mir jede Nacht aufs Neue stelle: ob er überhaupt Interesse hat, dort anzuknüpfen, wo ich mir zumindest einbilde, dass wir vor drei Wochen aufgehört haben. Nämlich: kurz vor unserem ersten Kuss. Aber ganz abgesehen von diesem ganzen Herz-Rumoren: Was soll das eigentlich heißen: »zu fein zum Arbeiten«? Ich arbeite. Vorgestern habe ich einen Illustrationsjob für das Fachmagazin der Deutschen Post angenommen, und quasi heute Abend wollte ich mich an die ersten Entwürfe machen. Einziger Haken: Geld gibt es erst nach Abgabe, und die ist in zwei Wochen. Mein Kontostand beträgt momentan 18,57 Euro. Und in meinem Geldbeutel befinden sich aktuell (wie ich eben feststellte) 1,25 Euro. Davon kann ich nicht kaufen, was ich eben auf Anjas Ladentisch gestapelt habe: eine Packung Spaghetti fürs Abendessen (Martha scheint keine Nudeln zu kochen, zumindest waren auch in ihrer Vorratskammer keine aufzufinden) und zwei Bier (eins, um meine Kreativität anzuregen, und eins für den unwahrscheinlichen Fall, dass Iris auch eins will). So einfach die Sachlage. All das geht mir durch den Kopf, während ich zugleich unterdrücke, dass ich mich irgendwie wahnsinnig freue, diesen unverschämten Volltrottel zu sehen, und betont lässig-kühl zurückschieße: »Bist du mal wieder auf den Kopf gefallen?« – »Muss ich wohl, wenn ich gedacht habe, dass man sich auf dich verlassen kann. – Eine Schachtel Luckys rot bitte.« – »Jetzt lass sie doch, sie wird schon ihre Gründe gehabt haben. – Sind alle. Marlboro kannst du haben.« – Wovon um Himmels willen reden die? »Hättet ihr die Güte, mir zu verraten, wofür ich meine Gründe gehabt haben werde?« – »Na, einfach nicht zum Kellnern aufzukreuzen.« – »Wann?« – »Na, an dem Abend, als du vor meiner Tür standest zum Beispiel.« – »Häh, wer sagt denn …?« – »Meine Mutter.« – »Deine Mutter.« – »Sie hat gesagt, du bist einfach nicht erschienen. Anja musste für dich einspringen.« Das ist doch … Eben will ich mich rechtfertigen, als Maiks Handy klingelt. »Hallo Ernesto.« Während Maik mit seinem besten Kumpel ein Männergespräch führt, erzähle ich Anja, wie mein Arbeitsantritt im Schlangenkönig tatsächlich abgelaufen ist. Anja nickt verständig. »Typisch Marlies. Nimm’s nicht persönlich.« Ich will gerade sagen, dass mir das schwerfällt, als Maik, in dem Versuch, mit seinem Gips gleichzeitig zu telefonieren und zu bezahlen, den Inhalt seines Geldbeutels über den Boden verstreut. Er flucht und legt auf. »Geht’s?« Anja und ich sehen ihm für einen Moment grinsend zu, wie er versucht, mit einer Hand die Münzen aufzusammeln und in den Geldbeutel, den er in seinen Ellenbogen geklemmt hat, zu stecken. Was musste sich der arme Mann beim Sturz von Marthas Dach auch den Arm und die ersten beiden Finger seiner rechten Hand anbrechen?! Schließlich erbarme ich mich und fange ebenfalls an, das Kleingeld auf den Knien rutschend aufzusammeln, während Maik vor sich hin grummelt. »Super. Jetzt stehe ich ohne Aushilfe da. Ernesto hat einen Handwerkerjob bekommen und kann in den nächsten beiden Wochen nicht in der Fischerei aushelfen. Wer soll denn jetzt meine rechte Hand ersetzen?« – »Ick wüsste da ja einen perfekten Match.« Ich schaue an Anjas in einer Netzstrumpfhose steckenden Beinen hoch in ihr grinsendes Gesicht. »Du hast doch gesagt, du brauchst Geld«, lächelt sie mich unschuldig an. Und zu Maik: »Und sie hat schöne Hände.« – »Ja, aber schöne Hände zählen nicht beim Fisch-Ausnehmen!«

Zur gleichen Zeit.

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