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Landluft für Anfänger - 02

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist »Landluft für Anfänger«?
  3. Die Autorinnen
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Montag, 28. Oktober
  7. Donnerstag, 31. Oktober
  8. Freitag, 1. November
  9. Samstag, 2. November
  10. Sonntag, 3. November
  11. Montag, 4. November
  12. Dienstag, 5. November
  13. Dienstag, 5. November
  14. Mittwoch, 6. November
  15. Donnerstag, 7. November
  16. Freitag, 8. November
  17. Samstag, den 9. November
  18. Sonntag, den 10. November
  19. Montag, 10. November
  20. Das zweite Rezept aus Marthas Küche
  21. In der nächsten Folge

Was ist »Landluft für Anfänger«?

»Landluft für Anfänger« ist ein zwölfteiliger Serienroman, der ein Jahr lang jeden Monat über zwei unterschiedliche Schwestern und ihr Leben auf einem geerbten Hof im Spreewald berichtet. Die Serie gibt es sowohl als E-Book als auch als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Die Autorinnen

Simone Höft, geboren 1968, und Nora Lämmermann, geboren 1978, trennen – wie die Protagonistinnen ihrer Romanreihe – zehn Jahre Lebenserfahrung, ein Kind und 475 Kilometer Luftlinie zwischen Köln und München. Gemeinsam sind ihnen ein abgeschlossenes Germanistikstudium, die langjährige Arbeit für Film und Fernsehen sowie eine mal mehr mal weniger gut funktionierende WLAN-Verbindung.

»Landluft für Anfänger« ist ihre erste, gemeinsame Romanreihe.

 

»Wirklich Landei?«
Wie ein regenreicher November, zwei verliebte Schafe und eine Horde Handwerker die beiden Stadtpflanzen auf die Probe stellen

Montag, 28. Oktober

Abbildung
Personalausweis Mia Mann
Gegenwärtige Adresse:
Berlin. Kastanienallee 40 (überklebt)
Feulenitz. Kaupen 10 (in Schönschrift notiert)

Donnerstag, 31. Oktober

Abbildung

10:50. Haus der Schwestern. Erdgeschoss. Küche

Seit Montag bin ich ganz offiziell Bürgerin von Feulenitz. Würde mein Vater nicht glauben, dass ich, der Nichtsnutz unter seinen beiden Töchtern, mich in weniger als drei Tagen umgemeldet und den Nachsendeantrag bei der Post gestellt habe. Ich wollte aber auf keinen Fall Scherereien mit dem Arbeitsamt riskieren, nicht, dass die mir wegen einer verspäteten Wohnsitzummeldung noch das ALG kürzen. Denn ohne das Geld sähe es bald ziemlich düster aus bei mir. Außerdem: Ich meine es ernst mit dem Umzug. Meine Therapeutin, Frau BN, hat Recht: Es gibt einen Grund, warum ich mir diese Herausforderung gesucht habe. Soll die nervige, kleine Stimme in mir ruhig jeden Tag fragen: ›Welchen denn, Mia, welchen?‹ Manchmal erschließt sich der Sinn einer Entscheidung erst im Nachhinein. (Sagt Frau BN. Und ich bete einfach, dass sie Recht hat.) Und bis dahin stelle ich mich diesem Schritt mit ganzer Kraft. Die war auch gleich von Anfang an nötig: Sind am Samstagnachmittag zu viert hier aufgeschlagen und haben bis weit nach Einbruch der Dunkelheit Kisten mit dem Kahn über das Wasser geschippert. Mit dem Sofa wären wir um ein Haar untergegangen! Mein Ex-Mitbewohner Matti hat geschimpft, weil er das Sofa erst vor ein paar Wochen in Berlin in den vierten Stock tragen musste! (Ich hatte mich bei einer Wohnungsauflösung am Zionskirchplatz unsterblich in das gute Stück verliebt!) Pia, Marlene und ihr Freund sind dann Sonntagfrüh nach einem ausführlichen Frühstück (in meinem eigenen Garten!) abgefahren, Matti hat noch bis Sonntagabend mit mir Ikea-Regale aufgestellt, Lampen angebracht und die Waschmaschine in der Küche wieder angeschlossen. Schade, dass David nicht dabei war, die anderen waren ganz begeistert von meinem neuen Reich! Am Montag wollte ich dann schnell die Ummeldung in Lübbenau über die Bühne bringen. Da war ich aber schief gewickelt! Von hier nach Lübbenau zu kommen, ist total umständlich – zumindest mit den Öffentlichen. Hier gibt es genau eine Bushaltestelle, die zwei Mal (!!) am Tag angefahren wird. Dann fährt der Bus allerdings nicht direkt nach Lübbenau, sondern in die entgegengesetzte Richtung nach Burg! Dort musste ich dann in einen anderen Bus nach Vetschau umsteigen und in Vetschau den Zug nach Lübbenau nehmen. Totaler Umweg! Das nächste Mal fahre ich mit dem Rad, durch den Wald sind es gerade mal neun Kilometer von hier bis Lübbenau. Angeblich geht es mit dem Kahn am schnellsten, aber das gilt wohl nur für geübte Fahrer, mir reicht das Gestochere über unser Flüsschen. Nach der Odyssee habe ich mich erstmal mit einem Kaffee in der späten Oktobersonne belohnt, in einem netten Café direkt an der Spree! – Apropos Kaffee, den brauch ich jetzt wirklich, um in die Gänge zu kommen. Schlafe hier fast noch länger als in Berlin, weil es so still ist! Gab in den letzten Tagen aber auch wenig Gründe, sich frühzeitig aus dem Bett zu schälen, es hat seit Montagabend ohne Unterlass geregnet. Ich fand’s super gemütlich. So konnte ich in aller Ruhe Kisten auspacken, Bilder aufhängen und überall rumstöbern. Hab schon ein paar Schätze in Oma Hedwigs Inventar gefunden! Mein Ankleide- und Schlafzimmer liegt im ersten Stock – mit Blick nach hinten in den Garten. Noch etwas provisorisch eingerichtet mit Matratze auf dem Boden und meiner Ikea-Kleiderstange, die unter dem Gewicht meiner Klamotten ächzt. Aber mein 50er-Jahre-Spiegel passt hierhin wie die Faust aufs Auge! Ein Zimmer auf der vorderen Seite habe ich zu meiner Studierstube erkoren. Mit meinem Küchentisch als Arbeitsplatz und einer kleinen Leseecke. Die anderen Zimmer habe ich erstmal so gelassen wie sie sind, nur aus dem hinteren habe ich ein paar reizende Sessel in Altrosa über den Flur in meine Studierstube gezerrt. Die passen sehr gut zu der alten goldenen Tapete, meinem dänischen Designtisch und dem Sofa. Ob das mal Oma Hedwigs Schlafzimmer war? Scheint so, als hätte sie zumindest in den letzten Jahren nur noch im Erdgeschoss gewohnt. Im ersten Stock gibt es weder Heizung noch fließendes Wasser im Bad. Aber in einem der unteren Zimmer, in dem noch Oma Hedwigs altes Bett steht, ist ein Nachtspeicherofen. Und aus der Dusche in dem kleinen Bad unter der Treppe kommt Wasser – wenn auch nur kaltes! Ein Glück, dass in der Küche ein alter Kachelofen steht, der – als hätte er nur auf Gäste gewartet – mit Holz bestückt ist. Damit lässt es sich in der Küche wunderbar warm einheizen!

So, während der Kaffee kocht, könnte ich eine Eisdusche nehmen. Und dann sollte ich dringend mal einkaufen. Hab wohl alle Vorräte aus Berlin verputzt und das Brot hier … aua … nein, das ist hart wie Stein. Besser, ich fahr gleich los, solange die Regenpause anhält. Sollte eh mal das Haus verlassen, habe seit Tagen niemanden gesehen (Oma Hedwigs alter Freundin Martha geh ich lieber aus dem Weg, so streng wie die immer guckt). Da kriegt man doch einen leichten Lagerkoller.

11:00 Badezimmer. Erdgeschoss

Oder Wahnvorstellungen. Dachte gerade, ich höre eine Männerstimme. Würde mich nicht wundern, wenn hier Menschen vor Stille und Einsamkeit durchdrehen.

Bibber. Der Hand-Test sagt, das Wasser ist nach wie vor eisig. Also schnell das Minnie-Mouse-Shirt abgestreift und die Qual der Körperreinigung hinter sich gebracht …

»Hier rechts sind die Zimmer, mit denen fangen wir an …« Habe ich mir das jetzt auch eingebildet? Da draußen redet doch jemand … »Und hier ist das Bad … Oh, entschuldigen Sie!« Ahh!! Eindringlinge! Eins, zwei, drei, nein vier männliche Augenpaare glotzen auf meinen spärlich ausgestatteten Vorderbau! Schnell verschränke ich meine Arme vor der Brust und blaffe diejenige an, die hinter den Männern zum Vorschein kommt: meine Halbschwester Iris, die tut, als wäre ich der Eindringling, und sagt: »Was machst du denn hier?«

Was für eine blöde Frage. »Ich dusche.«

Na, das sehe ich. Ich meinte auch eher so grundsätzlich. Eigentlich bin ich nach unserem ersten Zusammenstoß davon ausgegangen, dass sich Prinzesschen zurück nach Berlin verkrümelt. Ihr patziges »Ich bleibe hier« war doch nur eine pubertäre Reaktion. Aber nein, sie sagt: »Ich wohne hier. Wie angekündigt. Und was willst du hier?«

Na, umbauen. Das hatte ich Mia doch auf ihrer Mailbox hinterlassen. Hat sie die wieder mal nicht abgehört? Ich sage also: »Ich baue um. Ich hatte dir erst eine E-Mail geschickt, aber nur eine seltsame Out-of-office-Reply bekommen, von wegen ›Ich bin nicht mehr für PINK tätig. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an …‹«.

Scheiße. Was schreibt die denn an meine alte Arbeitsadresse! Die hatte ich doch extra durchgestrichen, als ich Iris meine Visitenkarte gegeben habe! Jetzt ist ja glasklar, dass ich nicht mehr für das Magazin arbeite und ihr die Karte nur gegeben habe, um aufzutrumpfen! Wie die drauf ist, hat sie diese Info (›Die kleine Mia hat keinen Johob!‹) sicher gleich unserem Vater gesteckt … Ich brauche ein wenig Zeit, um die in mir aufkeimende Panik zu verdrängen, und höre so nur noch, wie Iris sagt: »… habe ich beschlossen, aus dem Haus ein Seminarzentrum zu machen. Ich hätte dich mit 40 000 Euro ausbezahlt.«

Seminarzentrum? »Für Priester?«, frage ich etwas verdutzt. »Na, det wär ja mal was. Kuttenträger uff unseren Kähnen.« Der Männerverein grinst. Soweit ich das hier überblicke, sind die nicht Iris’ Harem, sondern ihre Handlanger in Sachen Luxussanierung.

»Ich werde hier Seminare für Führungskräfte aus der Industrie geben.« Muss ich der wirklich alles dreimal erklären? »Hier unten entstehen ein repräsentabler Speiseraum sowie ein heller Aufenthaltsraum …« Dass ich langfristig vorhabe, oben Schlafzimmer einzurichten, und dass ich das Dach ausbauen möchte, erwähne ich erstmal nicht. Würde Mademoiselle nur überfordern.

Wie? Ist die bescheuert? Will hier Anzugträger einfliegen lassen, ohne mich zu fragen? »Dazu brauchst du meine Einwilligung. Du hättest mich anrufen müssen.«

»Habe ich. Mehrmals. Wie gesagt. Mailbox.«

Mist, hier ist einfach kein Empfang. Jetzt hilft nur noch das Totschlagargument. »Ich bin dagegen. Und ohne mich kannst du gar nichts. Schließlich gehört das Haus auch mir.« Langsam wird das kalt hier so oben ohne. Einer der Handwerker hat das wohl auch gemerkt und reicht mir grinsend ein Handtuch. (Der scheint okay zu sein und ist ungefähr so alt wie ich.) So ein untersetzter Typ mit Schnurrbart und fisseligem Zopf im Nacken sagt mit einem Seitenblick auf mich: »Also, wenn sich das hier auswächst, könnwa auch verschieben. Die bisherigen Kosten müsstense aber trotzdem blechen und klar, det ick’n Ausfallhonorar berechne …«

Das wäre ja noch schöner. Ich bin doch vor fünf Tagen nicht umsonst von Frankfurt hierher und zurück gebrettert, um den Umbau schnellstmöglich in die Wege zu leiten! »Nein, Herr Schnurrer, machen Sie sich keine Sorgen, es bleibt bei Montag als Baubeginn.« Und zu Mia: »Wir werden uns schon einigen. Es ist ja genügend Platz. Und nach ein paar Wochen siehst du die Landromantik sicher mit anderen Augen. Und dann reden wir noch mal.« Frage mich wirklich, wie sie sich das hier vorstellt. So wie der vorhin die Gesichtszüge entgleist sind, hatte ich mit meiner Vermutung Recht und Prinzesschen hat keinen Job mehr. Da wird sie das Geld bestens gebrauchen können.

Ich will gerade zur Gegenattacke blasen, da sagt einer von denen (ziemlich jung, trägt, obwohl fast November ist, ein Muscleshirt mit nix drüber, will wohl seine kräftigen Oberarme zeigen): »Da brennt was auf dem Herd …«

»Mein Kaffee!!« Da stürmt Prinzesschen wie ein aufgescheuchtes Reh in den Flur und präsentiert der Welt ihren Knackarsch. Trägt die keine …? Doch, aber die winzige Unterhose ist im Begriff, von den Pobacken aufgefressen zu werden. Die Herren bemühen sich nicht einmal, ihr Starren zu verbergen.

Scheiße. Hoffentlich ist das Gummidings der Espressokanne noch heil. Hier in der Pampa krieg ich das nie ersetzt! – Au. Das Ding ist scheißeheiß. Mia. Beruhig dich. Ich sollte mir jetzt erstmal was anziehen. Und dann was zum Essen einkaufen. Ungefrühstückt, ohne Kaffee und halbbekleidet diskutiert es sich schlecht. Als hätte der Typ, der mir das Handtuch gereicht hat, meine Gedanken gelesen, hält er mir eine Bäckereitüte hin: »Brötchen zum Kaffee?« Ich greife zu, bedanke mich bei Ernesto (so stellt sich der nette Spender vor) und verschwinde fröstelnd in den ersten Stock.

12:20. In der Küche

So ein Brötchen ist besser als nix. Dankenswerterweise war der junge Mann so gnädig, mir auch eins anzubieten. Solange der Statiker auf sich warten lässt, hab ich auch Ruhe, es zu essen. Beruhigt meinen Magen, der im Begriff ist, sich in seiner eigenen Säure aufzulösen. Hat heute Morgen den Kürzeren gezogen, als ich entschieden habe, ihm im nüchternen Zustand Aspirin und Kaffee zuzumuten. Aber ohne meine beiden Freunde hätte mein hämmernder Kopf sich geweigert anzuspringen. Und ohne meinen Kopf schaffe ich dieses ganze Stressprogramm nicht. Frankfurt – Feulenitz – Frankfurt – Berlin – Köln – London – Feulenitz innerhalb von fünf Tagen. Habe es nicht mal hinbekommen, Fabienne in London zu treffen, dabei habe ich meine Tochter seit zwei Monaten nicht gesehen. Höre Mama schon wieder schimpfen: ›Du musst dich mehr um Fabienne kümmern, Iris. Jetzt habt ihr sie schon auf dieses Internat abgeschoben, ein Kind in dem Alter braucht doch seine Mutter …‹

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