Logo weiterlesen.de
Lady, ich will dich!

1. KAPITEL

Es gab nicht viel, was ihn in Furcht versetzen konnte, aber Feuer gehörte dazu. Jake Reiners Hände krampften sich um den Lenker seiner Harley. Ein Blick über die Schulter zeigte ihm, dass sich das Feuer durch die Zedern und Eichen fraß. Trotz der Augusthitze und der heißen Winde Oklahomas ließ ihn der Anblick des Feuers frösteln. Jake wusste, dass er viel zu schnell auf der staubigen Landstraße fuhr, aber er musste unbedingt die Rancherfamilie am Ende des Weges warnen.

Mit röhrendem Motor schoss er aus einer Bodensenke in der Straße heraus, nahm eine Kurve und sah plötzlich ein großes, zweistöckiges Haus vor sich, das im viktorianischen Stil gebaut war. Eine geräumige Garage war von Schatten spendenden Bäumen umsäumt, daneben befanden sich eine Scheune, eine Schlafbaracke, Ställe und ein Korral. Über der Einfahrt der Ranch prangte die in Holz gebrannte Aufschrift Circle-A-Ranch. Im umzäunten Vorhof erkannte er eine Frau, die um den gigantischen Stamm einer Pappel herumging. Sie trug schwer an einer Motorsäge.

Beim Anblick der Frau beschleunigte sich sein Puls. Ihre wohlgeformten Hüften steckten in abgeschnittenen Jeans, wodurch man auch ihre langen Beine bewundern konnte. Unter ihrem T-Shirt bemerkte er üppige Brüste. Ihr langes blondes Haar, das sie zu einem Zopf geflochten hatte, reichte ihr bis zu den Hüften. Ihr Gesichtsausdruck war wachsam.

Ein schwarzbraun gefleckter Hund sprang bellend um die Frau herum, bis sie ihn mit einem Befehl zum Schweigen brachte.

Jake stoppte sein Motorrad, und die Staubwolke, die es aufgewirbelt hatte, legte sich langsam. Als der Motor erstarb, konnte er ein Kind schreien hören. Er blickte auf und entdeckte ein kleines Mädchen, das auf einem der Äste der Pappel saß. Es hatte eine Schramme an der Stirn, und Tränen liefen ihm über die Wangen.

“Mommy!”

“Moment noch, Katy”, sagte die Frau beruhigend und drehte sich dann zu ihm. “Was wollen Sie?”

“Kann ich Ihnen helfen?” Er stieg von seiner Maschine. Neben dem Feuer hatte diese Familie scheinbar noch ganz andere Probleme, aber im Augenblick war das Kind wohl das Wichtigste.

“Was haben Sie hier zu suchen?” Sie klang ärgerlich, und ihre blauen Augen blitzten.

Jake war klar, dass er wohl keinen vertrauenerweckenden Eindruck machte, so, wie er sich mit seinen zerzausten Haaren, den abgerissenen Jeans und der Harley Davidson präsentierte. “Die Straße hoch steht Ihr Land in Flammen.”

Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. “Nicht das auch noch!” Sie warf dem Kind einen verzweifelten Blick zu. “Zu allererst muss ich Katy befreien.” Damit drehte sie sich wieder um, als ob er nicht mehr existieren würde.

Maggie Langford ging weiter um die Pappel herum und versuchte, ihre aufsteigende Panik unter Kontrolle zu bekommen. Den Fremden hatte sie tatsächlich völlig vergessen. Katy hatte sich verletzt und konnte sich nicht bewegen, und nun war auch noch ein Feuer ausgebrochen. Wenn es groß genug war, könnte es sie vernichten. Maggie sprach ein kurzes Stoßgebet und hoffte, Katy befreien zu können, deren Fuß sich in einer Astgabel verfangen hatte. Als sie die Motorsäge anhob, umfasste jemand ihr Handgelenk und nahm ihr die Säge aus der Hand.

Die Berührung machte ihr die Anwesenheit des Fremden sofort wieder bewusst.

“Ich säge den Ast nur ein wenig an, damit ich ihn abbrechen kann. Sie sollten sich so hinstellen, dass Sie das Kind festhalten können, damit es nicht herunterfällt”, sagte er mit tiefer Stimme.

“Halt durch, Katy. Ich komme jetzt zu dir”, beruhigte Maggie ihre Tochter. “Das ist mein kleiner Wildfang”, erklärte sie dem Fremden. “Katy ist beim Klettern abgerutscht. Ruhig, Katy. Alles wird wieder gut. Wir befreien dich gleich.”

“Bei diesen Bäumen muss man aufpassen, sonst fangen sie dich mit ihren Ästen”, sagte der Fremde und lächelte Katy aufmunternd zu.

Trotz der Schramme und den Tränen erwiderte Katy das Lächeln.

Maggie schwang sich auf einen Ast und hielt die Fünfjährige fest. Katy klammerte sich an sie.

Maggie schaute nach unten zu dem großen, sonnengebräunten Mann. Unter dem roten Halstuch, das er sich um den Kopf geschlungen hatte, traten zerzauste dunkle Haare hervor. Er trug ein schwarzes T-Shirt, von dem die Ärmel abgeschnitten waren, sodass sie das Spiel seiner Armmuskeln sah, als er die Motorsäge anwarf. Nun war nur noch das infernalische Geräusch der Säge zu hören, bis er sie schließlich wieder abstellte und zu ihr hinaufblickte.

“Sind Sie bereit?”, fragte er.

Sie nickte. “Halt dich an mir fest, Katy.”

Der Fremde sprang hoch und zog kräftig an dem Ast. Mit einem lauten Knacken brach der Ast ab und gab den Fuß des Kindes frei. Geschmeidig wie eine Katze landete der Fremde wieder auf dem Boden und warf den Ast beiseite.

Katy hatte beide Arme um den Hals ihrer Mutter geschlungen. Maggie war glücklich, dass ihre Tochter endlich wieder frei war.

Der Fremde streckte ihr die Arme entgegen. “Geben Sie sie mir.”

Maggie reichte ihm das Kind. Er setzte sie vorsichtig ab, und Katy rieb sich ihren Knöchel. Nun sprang auch Maggie herunter, und der Fremde fing auch sie mit einem festen Griff um ihre Taille auf. Sie spürte die Kraft, die in seinen muskulösen Armen steckte, und sah in seine braunen Augen, die bis auf den Grund ihrer Seele zu blicken schienen. Während sie seine Arme umklammert hielt, war ihr, als würde etwas Seltsames mit ihr geschehen. Wie gebannt blickte sie ihn an, unfähig, wegzuschauen oder auch nur zu atmen. Das Herz hämmerte in ihrer Brust. Der Fremde roch nach Aftershave. Dass er Aftershave benutzte, überraschte sie. Dieser Mann sah eher wild aus und so gar nicht zivilisiert, aber sie wusste, dass sie oft vorschnell urteilte.

Er stellte sie auf den Boden, und sie genoss seine Umarmung, als er sie noch eine Sekunde länger festhielt.

“Mommy.”

Die Stimme ihrer Tochter brach den Bann, und Maggie trat einen Schritt zurück. “Nochmals danke, Mister. Ich muss jetzt schnell die Feuerwehr anrufen und das Feuer melden.” Doch zuerst kniete sie sich neben ihre Tochter. “Zeig mir mal deinen Knöchel, Katy.” Es war ihr bewusst, dass der Fremde sie betrachtete, während sie ihre Tochter untersuchte. Vorsichtig bewegte sie deren Fuß. “Tut das weh?”

“Nein.”

“Katy, du solltest dich bei dem Mann bedanken.”

“Danke, Sir”, sagte Katy höflich. Aber sie schniefte noch und rieb sich weiter den Knöchel.

Maggie hob sie hoch.

“Ich heiße Jake Reiner”, stellte der Fremde sich vor.

Beim Klang seiner Stimme wurde es Maggie ganz warm. Die Ausstrahlung dieses Mannes hielt sie gefangen, aber schließlich gelang es ihr, sich loszureißen und ins Haus zu eilen. Auf den Stufen deutete sie zur Scheune. “Dort ist ein Wasserhahn, falls Sie Durst haben. Ich muss jetzt das Feuer bekämpfen. Danke, dass Sie mich gewarnt haben. Komm, Tuffy.”

Der Hund gehorchte aufs Wort.

Jakes Blick lag auf ihrem langen blonden Zopf und den schlanken nackten Beinen, als die Frau mit dem Kind auf den Armen im Haus verschwand. Fasziniert stand er da, bis die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Als er dann zurück in Richtung Südwesten blickte, konnte er eine gewaltige Rauchwolke über den Baumwipfeln erkennen. Die Ranch und ihre Bewohner waren in großer Gefahr.

Jake entdeckte den Wasserhahn zwischen der Garage und der Scheune. Als er auf dem Weg dorthin an der Garage vorbeikam, sah er dort einen Pick-up stehen und einen alten, heruntergekommenen Laster, der vor Jahren einmal schwarz gewesen sein musste. Er drehte den Hahn auf und spritzte sich das kalte Wasser ins Gesicht. Mit nassen Fingern fuhr er durch sein Haar und warf dann einen Blick in die Scheune. Eine Menge Sattelzeug und große Kisten standen herum. Unwillkürlich sah er zu seinem Motorrad. Das, was er darauf gepackt hatte, stellte fast seinen ganzen Besitz dar. Doch bei seinem Lebensstil reichte ihm das. So war es am praktischsten, wenn man wie ein Nomade immer unterwegs war.

Jake ging zum Wasserhahn zurück und trank einen großen Schluck Wasser. Als er sich gerade wieder aufrichtete, bog ein Pick-up in die Auffahrt und bremste, wobei eine gewaltige Staubwolke aufgewirbelt wurde. Eine brünette Frau stieg aus und blickte ihn kurz an.

Dann, ohne etwas zu sagen, stürmte sie zum Haus und griff, ohne anzuklopfen, nach der Türklinke. In der nächsten Sekunde erschien die Blondine und entriegelte die Tür. Anscheinend hatte sie wegen seiner Anwesenheit Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die Brünette ging ins Haus, während die Blondine wieder heraustrat. Er nahm noch kurz wahr, dass die Brünette die Tür wieder verriegelte, bevor wieder die Blondine seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie eilte zu ihm, wobei ihre Brüste wippten.

“Ich muss jetzt zum Brandherd”, rief sie ihm zu, während sie in die Garage lief.

Die Blondine nahm eine Schaufel und warf sie auf die Ladefläche des Pick-ups.

Jake folgte ihr in die angenehm kühle Garage. “Kann ich Ihnen helfen?”

“Wässern Sie diese Leinensäcke da und werfen Sie sie auf den Pick-up”, wies sie ihn an und eilte dann zur Scheune.

Er trug die Leinensäcke zu dem Wasserhahn. Nachdem sie völlig nass waren, schleppte er sie zurück zum Pick-up.

Sie kam zurück und warf weitere Schaufeln auf die Ladefläche. “Nochmals danke, Mister.”

“Gern geschehen.” Er hielt ihr die Fahrertür auf. “Sie können Jake zu mir sagen”, fügte er hinzu.

Die Blondine nickte ihm kurz zu und stieg in den Wagen. Sein Blick ging zu ihren festen, schlanken Schenkeln. Trotz des Feuers musste der Rancher, der hier lebte, ein glücklicher Mann sein. Er hatte eine schöne Frau und eine aufgeweckte Tochter. Jake fragte sich, wieso er auf diesen komischen Gedanken kam. Normalerweise schätzte er seine Freiheit derart hoch ein, dass er Menschen, die sesshaft und verheiratet waren, niemals als glücklich ansah. Er schlug die Wagentür zu und ging zu seinem Motorrad.

Als die Blondine mit dem Pick-up an ihm vorbeiraste, wartete er kurz, bis der Staub sich gelegt hatte, und folgte ihr dann.

Die Rauchwolke am Himmel war mittlerweile so riesig geworden, dass sein Mitgefühl für diese Rancher noch wuchs. Der Südwind trieb das Feuer zügig weiter nach Norden und damit auf ihr Haus zu. In der Kurve musste er den Atem anhalten, da die ganze Straße von Rauch verhüllt war. Seine Augen brannten, seine Kehle schmerzte, und er fühlte Panik in sich aufsteigen. Er kannte doch die Grundregel: niemals in Rauch hineinfahren. Aber nun musste er zu Ende bringen, was er angefangen hatte. Jake spürte die Hitze des nahen Feuers und konnte es prasseln hören. Dann war er durch die Rauchwolke hindurch, und die Sicht wurde etwas besser.

Bestürzt über die gewaltige Ausdehnung des Brandes, der Bäume wie Gras in breiter Front vernichtete, rang er nach Luft. Am Straßenrand stand Wagen hinter Wagen, und Männer bemühten sich, gegen die Flammen anzukämpfen. Jemand hatte in die Nähe der Männer einen Kleinlaster geparkt. Auf der Ladefläche standen drei große Kühlgefäße mit Orangensaft und eine Kiste mit Plastikbechern. Jake fragte sich, woher all diese Leute so schnell von dem Feuer erfahren hatten, aber er nahm an, dass die Nachricht unter den Nachbarn die Runde gemacht hatte.

Zwei Löschfahrzeuge fuhren am Feuersaum entlang. Die Feuerwehrleute spritzen Unmengen von Wasser auf die Flammen, aber der starke Wind fachte sie immer wieder an, sodass ihre Bemühungen nutzlos erschienen. Die ganze Luft schien zu brennen.

Jake entdeckte die Blondine, die zwischen den Männern stand und die Flammen mit Leinensäcken bekämpfte. Unermüdlich mit dem nassen Leinen die Flammen ausschlagend, arbeitete sie genauso hart wie die Männer.

Damit die Trauer ihn nicht übermannte, parkte Jake kurz entschlossen neben den Pick-ups, griff sich eine Schaufel und reihte sich in die Menge der Brandbekämpfer ein. Während die Hitze ihn wie ein Schlag traf, bemühte er sich, die züngelnden Flammen mit Sand zu ersticken.

Als er dabei den ätzenden Rauch einatmete, überkamen ihn die Erinnerungen. Um sie zurückzudrängen, arbeitete er wie ein Verrückter. Doch die verhassten Bilder ließen ihn nicht los.

Im Licht der züngelnden Flammen sah er sich als Junge, der den Feuerschein am Himmel entdeckt hatte. Er war in der Morgendämmerung auf dem Weg nach Hause gewesen, als er den Schein am Himmel wahrgenommen hatte. Je näher er dem Haus gekommen war, desto größer war seine Angst geworden, und er war nur noch gerannt. Als er endlich um die Ecke gebogen war, hatte er sein Zuhause in hellen Flammen stehen sehen.

Trotz des prasselnden Feuers hatte er versucht, ins Haus zu gelangen, war aber von Feuerwehrleuten zurückgehalten worden. Trotz seiner eigenen Schreie hatte er ihre Rufe hören können. Doch es hatte lange gedauert, bis er begriff, was sie ihm beizubringen versuchten: dass seine Familie tot war.

Selbst jetzt noch, nach all den Jahren, zog sich bei der Erinnerung seine Kehle zusammen. Er hasste seine eigene Verletzlichkeit. Dabei hatte er geglaubt, seine Gefühle erfolgreich verdrängt zu haben. Aber diese Feuerwand rief den Schrecken von damals sofort wieder in ihm wach. Die Flammen schienen sich über ihn lustig zu machen, während er den gleichen tiefen Schmerz verspürte wie in jener Nacht. Tränen liefen seine Wangen herunter.

Immer schneller schaufelte Jake Sand auf die Flammen, als könne harte körperliche Arbeit den Schmerz und das Schuldgefühl besiegen.

Ein Mann trat zu ihm. “Sachte, mein Sohn. Wenn du nicht einen Gang runterschaltest, werden wir dich noch wegtragen müssen. Ich verteile gerade Wasser an die Männer.”

Der Mann, der ihn angesprochen hatte, war groß und dunkelhaarig. Er trug einen abgerissenen Overall und hielt ihm einen Becher mit Wasser hin.

“Sie sind Jake Reiner, richtig?”

“Ja, Sir. Danke.” Jake trank den Becher in einem Zug aus. Es kümmerte ihn nicht, dass alle aus dem gleichen Becher tranken.

“Ich bin Ben Alden. Ich habe Sie reiten sehen.”

“Danke für das Wasser.” Jake reichte ihm den Becher zurück. Ben Alden nickte ihm kurz zu und ging dann zum nächsten Freiwilligen. Er sah noch, dass die Blondine kurz mit dem Mann redete und sich dann wieder dem Feuer zuwandte.

Bald kam es Jake vor, als ob er seit Stunden versuche, das Feuer zu löschen. Rauch brannte ihm in den Augen und der Kehle. Er hörte die Rufe der Männer um sich herum und die Geräusche der Löschfahrzeuge. Seine Muskeln schmerzten. Als er sich für einen Moment umdrehte, sah er, dass die Blondine sich erneut mit Ben Alden unterhielt. Der Mann hatte ihr seine großen, von der Arbeit zerschundenen Hände auf die Schultern gelegt.

Als er die Art und Weise bemerkte, wie Ben Alden sie berührte, stieg ein merkwürdiger Widerwille in Jake auf. Er wusste weder, wie die Frau hieß, noch würde er sie nach dem heutigen Vormittag jemals wiedersehen. Dennoch hätte er am liebsten Ben Aldens Hände von ihren Schultern gerissen. Vielleicht aber war Ben Alden ja auch ihr Mann. Aber der große, grobknochige Mann schien viel zu alt für sie zu sein. Seine braunen Haare hatten reichlich graue Strähnen, aber zugegeben, er war recht muskulös. Da fiel ihm die Ähnlichkeit ihrer Profile auf. Beide hatten die gleiche gerade Nase und eine ausgeprägte Stirn. War der Mann vielleicht ihr Vater?

Er holte einmal tief Luft und wandte sich dann wieder seiner Aufgabe zu, die Flammen mit Sand zu ersticken. Noch ein dritter Löschzug war hinzugekommen, aber auch mit dieser Verstärkung gelang es ihnen nicht, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Längst hatte Jake sein T-Shirt ausgezogen, und der Schweiß rann ihm in Strömen den Rücken herunter. Unwillkürlich musste er an Eis denken, und er sehnte sich nach einer Dusche und einem kühlen Drink.

Mittlerweile waren das Ranchhaus und die anderen Gebäude in Sichtweite gekommen. Jake keuchte und hustete, er fühlte sich völlig erschöpft und wie ausgedörrt. Seine Handflächen waren aufgerissen, und er brauchte dringend Wasser. Also eilte er zu dem Pritschenwagen mit den Wasservorräten und kippte einen vollen Eimer Wasser über sich.

Dann entdeckte er die Blondine, die noch immer mit Leinensäcken auf die Flammen einschlug. Da sie wahrscheinlich schon völlig erschöpft war, schenkte er Wasser in einen Becher und ging zu ihr.

Als er sie leicht am Handgelenk berührte, fuhr sie herum. Ihr Gesicht war rußverschmiert. Das schweißnasse T-Shirt klebte ihr am Körper. Wortlos reichte er ihr den Becher. Sie sah so verwirrt aus, dass er ihren Arm zum Becher führen musste.

Mit zitternden Händen ergriff sie ihn und trank ihn in einem Zug aus. “Danke”, stieß sie hervor, und er füllte ihren Becher erneut auf.

“Vielleicht sollten Sie besser in Ihr Haus gehen, Ihr kleines Mädchen holen und retten, was zu retten ist.”

“Meine Schwester Patsy hat Katy und unseren Hund Tuffy abgeholt, kurz nachdem wir losgefahren sind. Sie hat auch ein paar Sachen für Katy eingepackt.” Sie blickte zu den tosenden Flammen. “Ich werde hier gebraucht.”

“Wir werden es nicht aufhalten können”, sagte er. “Retten Sie lieber Ihre Kleider und die Möbel. Na los, ich fahre Sie auch hin und helfe Ihnen. Solange es nicht zu regnen anfängt oder der Wind sich dreht, wonach es nicht aussieht, wird niemand dieses Inferno aufhalten können.”

Er nahm ihren Arm, aber sie zögerte. “Kommen Sie doch”, drängte er, und schließlich kam sie schweigend mit ihm. “Wo ist Ihr Pick-up?”, fragte er.

Erst starrte sie ihn nur an, dann aber deutete sie zu einem schwarzen Pick-up, der an der Straße stand.

“Die Schlüssel.” Er hielt ihr seine offene Hand hin.

“Ich kann selbst fahren.”

“Geben Sie mir die Schlüssel. Sie müssen sich erst einmal ausruhen.”

Auf dem Weg zum Wagen übergab sie ihm die Schlüssel, und er fuhr sie durch den Qualm zurück.

“Unser Haus”, sagte sie zärtlich, als sie das Gebäude erreichten. “Mein Großvater hat es selbst gebaut.”

“War das Ihr Mann, mit dem Sie sich dort draußen unterhalten haben?”

“Nein.” Sie blickte ihn an, als habe sie Schwierigkeiten, sich zu erinnern. “Das war mein Vater. Ich bin geschieden.”

“Tut mir leid.”

“Als meine Mutter gestorben ist, bin ich hierher zurückgekehrt, um bei meinem Vater zu leben.”

“Ich weiß nicht einmal, wie Sie heißen.”

“Maggie Langford.”

“Ich habe Ihren Vater kennengelernt, als er mir Wasser brachte. Er heißt Ben Alden, nicht wahr?”, fragte er, und sie nickte.

Jake hielt am Hintereingang an und stieg aus. Maggie stürmte sofort ins Haus.

“Gibt es etwas Besonderes, das ich holen soll?”, fragte er.

“Ja. Wir haben einige Möbel, die seit Generationen in unserer Familie sind.”

Als er ihr ins Haus folgte, fiel alle Verwirrung von ihr ab, und sie gab ihm klare Anweisungen.

Sie waren gerade damit beschäftigt, die zweite Ladung Kleidung und Möbel aus dem Haus zu tragen, als Jake bemerkte, wie nah das Feuer schon war. Sein Magen krampfte sich zusammen. Die Ranch und all ihre Gebäude schienen verloren. Er hörte Motorenlärm, und als er aufschaute, sah er die Löschfahrzeuge die Straße herunterkommen. Ben Alden steuerte seinen Traktor zur Ranch. Die Feuerwehrleute sprangen von ihren Fahrzeugen und rannten mit schwer entflammbaren Decken in den Armen zum Haus, um die Möbel abzudecken. Ben Alden pflügte mit dem Traktor eine Schneise südlich des Hauses, fuhr dann zur Scheune, um auch dort eine Schneise anzulegen.

“Fahren Sie bloß Ihren Pick-up aus der Gefahrenzone. Ich bleibe hier und helfe mit”, sagte Jake.

“Ich muss noch ein paar Sättel aus der Scheune holen”, antwortete Maggie. “Gott sei Dank sind die Pferde alle auf den Weiden.”

Jake begleitete sie zur Scheune, wo sie wie angewurzelt stehen blieb.

“Ach, Dads Sachen …” Sie wirkte bedrückt.

“Was wollen Sie aus der Scheune haben?”, fragte Jake knapp, dem bewusst war, dass ihnen die Zeit davonlief.

Man konnte schon das Prasseln des Feuers hören. Der Wind hatte nicht nachgelassen, und so entstanden durch Funkenflug immer neue Brandherde.

“Alles”, gab Maggie leise zurück und zuckte entmutigt mit der Schulter. “Diese Sättel.”

Sie deutete darauf, und Jake rannte los, um sie zu holen. Er schnappte sich drei Sättel und warf sie auf den Pick-up.

Minuten später geriet auch die Scheune in Brand.

“Fahren Sie den Pick-up weg”, rief er. “Sonst verlieren Sie den am Ende auch noch.”

Umgehend folgte Maggie seiner Anweisung, während mehr Männer auftauchten. Jake hörte einen Feuerwehrmann etwas rufen und sah ihn zur Scheune deuten. Dann sah er, dass die ersten Flammen das Dach der Scheune erreicht hatten. Fluchend griff er nach seiner Schaufel.

Mit aller Macht versuchte er, eine Schneise zwischen dem Haus und der Scheune, der Garage und der Schlafbaracke zu schaffen. Die Feuerwehrleute taten alles, um diese Schneise mit nasser Erde aufzufüllen, um wenigstens das Haus zu retten. Ben Alden pflügte eine Furche nach der anderen.

Als Jake sah, dass Maggie hinten bei den Feuerwehrleuten war, hastete er zu ihr. “Wir könnten noch eine Fuhre Möbel aus dem Haus herausschaffen, wenn Sie möchten. Ich helfe Ihnen.”

Doch sie schüttelte nur den Kopf. “Nein, wir müssen versuchen, das Haus zu retten. Lieber das, als …”

“Maggie, hast du die Kisten aus der Scheune geholt?”, rief ihr Vater, der von seinem Traktor abstieg.

Mittlerweile stand die ganze Scheune in Flammen.

“Nein, ich habe nur die Sättel geholt.”

“Dann hole ich sie”, erklärte Ben Alden und lief Richtung Scheune.

“Dad!” Maggie wollte ihm folgen, aber Jake hielt sie fest.

“Ich gehe”, sagte er und rannte hinter ihrem Vater her, der gerade in der Scheune verschwand.

Jake wickelte sich sein Halstuch um Mund und Nase, hielt zum Schutz einen Arm vor sein Gesicht und betrat die Scheune. Er atmete flach, um keinen Rauch einzuatmen. Vor lauter Qualm und Feuer konnte er so gut wie nichts erkennen.

Plötzlich tauchte eine Gestalt vor ihm auf. “Nehmen Sie.” Maggies Vater drückte ihm eine Kiste in die Hände.

“Sir, die Scheune kann jeden Moment zusammenbrechen!”

“Dann raus!”

Jake hastete hinaus, stellte die Kiste ab und wollte wieder zurücklaufen. Undeutlich konnte er Ben Alden vor sich wahrnehmen. Doch noch bevor er das Tor erreicht hatte, gab es ein Geräusch wie von einem Kanonenschuss. Ein Balken brach zusammen.

Maggies Vater war nur wenige Meter vom Tor entfernt, als er von dem herunterfallenden Balken getroffen wurde.

2. KAPITEL

Maggie rannte schreiend zu der brennenden Scheune, in der ihr Vater lag.

“Ich hole ihn”, rief Jake ihr zu. “Sie bleiben draußen.”

Er duckte sich, um dem Qualm zu entgehen, und betrat die Scheune. Sich vorantastend, entdeckte er auf einmal einen am Boden liegenden Körper, über dessen Beinen der brennende Balken lag. Ohne zu zögern, packte Jake den Balken und schob ihn beiseite. Dann wuchtete er Ben Alden über eine Schulter und flehte, dass er in all dem Qualm Richtung Tür und nicht weiter in die Scheune hineinging.

Als er endlich an die frische Luft gelangt war, taumelte er. Vorsichtig legte er Ben Alden auf den Boden. Während Jake sich das Halstuch vom Mund riss und nach Luft schnappte, kniete Maggie sich neben ihren Vater.

“Wir brauchen Hilfe”, rief Jake den Feuerwehrleuten zu, die bereits zu ihnen eilten.

“Dad! Ich habe schon einen Krankenwagen gerufen.”

“Alles in Ordnung?”

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Lady, ich will dich!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen