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La Dorfe Vita

Über die Autorin

Gesa Dreckmann heißt wirklich so und hat sich nicht etwa einen zum Dorf passenden Namen gesucht. Die Tochter eines norddeutschen Holzklotz’ und einer haitianischen Hortensie wuchs mit circa 466 anderen Einwohnern in Hamfelde in Schleswig-Holstein auf. Vom Schauspiel kommend, entwickelte Gesa Dreckmann 2014 ihr erstes Stand-Up-Programm. Wenn sie nicht gerade auf deutschen Bühnen unterwegs ist, lebt sie in der großen und schönen Stadt Hamburg. Das Landleben trägt sie aber in sich, denn wie heißt es so schön: Du kannst sie aus dem Dorf raus holen, aber nicht das Dorf aus ihr!

Inhalt

  1. [Cover]
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Vorwort
  6. Prolog
  7. Oder anders ausgedrückt: Wer verstehen will, wie das Leben auf dem Land funktioniert, muss bereit sein für den zweiten Blick: eine Hochzeit im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Hamfelde
  8. 1. Kapitel
  9. Die Wurzel aus Karibik und Kuh
  10. Oder anders ausgedrückt: Wie es dazu kam, dass Haiti und Hamfelde eine fröhliche Verbindung eingingen, und was das Goethe-Institut in Lüneburg damit zu tun hat
  11. 2. Kapitel
  12. Weiße und schwarze Schweine kreuzt man nicht!
  13. Oder anders ausgedrückt: Wie mein Vater seine Braut nach Hamfelde entführte und das dörfliche Dreckmann-Imperium erweiterte, und was der gemeine Landmann an Ratschlägen für diese interkulturelle Beziehung parat hielt
  14. 3. Kapitel
  15. Fifty Shades of Klee
  16. Oder anders ausgedrückt: Alles über die Aufzucht und Pflege der Dreckmannschen Brut unter den Argusaugen von fünfhundert Hamfeldern, und warum Blackie meine Schwester wurde
  17. 4. Kapitel
  18. Ich war jung und brauchte das Feld
  19. Oder anders ausgedrückt: Warum es manchmal gar nicht so schlecht ist, im Tal der Ahnungslosen, hinter den sieben Bergen oder auf dem platten Land aufzuwachsen. Das zeigt sich vor allem in Fragen der Kinder- und Teenagermode
  20. 5. Kapitel
  21. Dorf-Originale, Folge 1: Ulle – Le Freak, c’est chic
  22. Oder anders ausgedrückt: Was es für bizarre … amüsante … eigenwillige … ungewöhnliche … jedenfalls spezielle Charaktere auf dem platten Land gibt
  23. 6. Kapitel
  24. Ich hab ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd …
  25. Oder anders ausgedrückt: Wie mein Vater einmal einen Affen nach Hamfelde holte und die Weißnasenmeerkatze Jimmy bei uns in Hamfelde das Regiment übernahm (auch über die Kühltruhe)
  26. 7. Kapitel
  27. Dorf-Originale, Folge 2: Die große Elke und das Flughafenschaf
  28. Oder anders ausgedrückt: Was es für bizarre … amüsante … eigenwillige … ungewöhnliche … jedenfalls spezielle Charaktere auf dem platten Land gibt
  29. 8. Kapitel
  30. Die Küken des Alltags
  31. Oder anders ausgedrückt: Warum ein richtiger Urlaub im Hotel für ein Dorfkind ein Mysterium ist, aber in einem Wohnmobil ganz schön sein kann – zumindest, wenn man lebendige Beute dabeihat
  32. 9. Kapitel
  33. Dorf-Originale, Folge 3: Die kleine Elke – Überraschungs-Pommes
  34. Oder anders ausgedrückt: Was es für bizarre … amüsante … eigenwillige … ungewöhnliche … jedenfalls spezielle Charaktere auf dem platten Land gibt
  35. 10. Kapitel
  36. Durch Dick und Dorf
  37. Oder anders ausgedrückt: Wer alle lange kennt, muss noch lange nicht alle mögen. Wer bei der Feuerwehr Erfolg haben will, sollte einen kennen, der einen kennt, der Dreck am Stecken hat – Intrigen auf dem Land
  38. 11. Kapitel
  39. Was lange mäht!
  40. Oder anders ausgedrückt: Über den entspannten Umgang mit den Nachbarn auf dem Land und den einfachen Lösungen, weil komplizierte ja auch viel zu kompliziert wären
  41. 12. Kapitel
  42. Dorf-Originale, Folge 4: Bauer Dietrich – Auge raus beim Eierkauf
  43. Oder anders ausgedrückt: Was es für bizarre … amüsante … eigenwillige … ungewöhnliche … jedenfalls spezielle Charaktere auf dem platten Land gibt
  44. 13. Kapitel
  45. Meins is es ja nich
  46. Oder anders ausgedrückt: Männer lieben Frauen und umgekehrt – aber manchmal ist das auch anders. Selbst das gab es schon immer aufm Land, nur nicht so offensiv
  47. 14. Kapitel
  48. Liebe lieber ländlich (I’ve got the Bauer!)
  49. Oder anders ausgedrückt: Jungs, Bauernsöhne & andere Ganoven – wie die Liebe die schüchternste Scheune anzündet, auch untenrum
  50. 15. Kapitel
  51. Dorf-Originale, Folge 5: Schlaggerbein-Uwe und der Kuckucksuhr-Plan
  52. Oder anders ausgedrückt: Was es für bizarre … amüsante … eigenwillige … ungewöhnliche … jedenfalls spezielle Charaktere auf dem platten Land gibt
  53. 16. Kapitel
  54. Die Partykeller-Kurtisane
  55. Oder anders ausgedrückt: Vom Strip-Poker in harmlosen Partykellern, und wie schnell es geht, dass aus einer dörflichen Dramaqueen ein gefallenes Mädchen in der Stadt wird
  56. 17. Kapitel
  57. Stadtansichten (Hinterm Horizont wird’s heiter)
  58. Oder anders ausgedrückt: Wie man herausfindet, dass hinter der nächsten Biegung Lebensformen existieren, deren Sitten und Gebräuche auf den ersten Blick keinen Sinn machen
  59. 18. Kapitel
  60. Lokalrunde
  61. Oder anders ausgedrückt: Über das ganz besonders besondere Verhältnis des Dorfbewohners zum Frühschoppen, Mittagsschlückchen, Nachmittagsbrand oder Nachtgesöff
  62. 19. Kapitel
  63. Gans oder gar nicht!
  64. Oder anders ausgedrückt: Wie das pragmatische Verhältnis des Dorfbewohners zum Tier mal Kathrins Weihnachtsfest eintrübte, alles über meine ersten Haustiere, und warum es unsinnig ist, in der Stadt eine Katze zu halten
  65. 20. Kapitel
  66. Dorf-Originale, Folge 6: Cousin Rudy – der Tag des Arschlochs (Lost in Translation)
  67. Oder anders ausgedrückt: Was es für bizarre … amüsante … eigenwillige … ungewöhnliche … jedenfalls spezielle Charaktere auf dem platten Land gibt
  68. 21. Kapitel
  69. Schuld und Bühne
  70. Oder anders ausgedrückt: Wie man über sein Leben auf dem Land später in der Stadt einen einzigen langen Witz macht – und was die eigene Schulzeit damit zu tun hat
  71. 22. Kapitel
  72. Dorf und Dorf gesellt sich gern
  73. Oder anders ausgedrückt: Alle Wege führen nach Dorf. Wir sind überall. Im Zug, in New York oder auf dem Jakobsweg: Man erkennt sich!
  74. Epilog
  75. Oder anders ausgedrückt: Nur auf dem Land kommen die Götter noch zu den Menschen – sagt jedenfalls Robert Musil. Ein finales Plädoyer für das einfache Leben

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Vorwort

Wenn Sie denken, Sie hätten einen Ihrer Freunde auf ungewöhnliche Weise kennengelernt, dann lesen Sie erst mal, wo und wie Gesa und ich uns trafen. Spannender geht’s gar nicht.

Ich war damals grad mit meinem Segelboot Muddi Einhand in der Karibik unterwegs und auf dem Weg von Kuba zu den britischen Virgin Islands, als wir in den schwersten Sturm meines Lebens segelten.

Meine bolivianische Perserkatze Fips war schon den ganzen Vormittag so unruhig gewesen und hatte sich tief in die Biberbettwäsche meiner gemütlichen Koje vergraben. Wie aus dem Nichts brach die Hölle los. Der Himmel war plötzlich tiefschwarz, und der Wind peitschte in Sekunden mit über 12 Beaufort. Sintflutartiger Regen, beleuchtet von apokalyptischen Blitzen. Wellenberge türmten sich zu Kathedralen auf. Es war die reinste Hölle.

Eine Monsterwelle packte das Boot und schleuderte es herum. Der Mast brach, das Segel riss, und der hintere Teil des Gennakerbaums schlug mir krachend gegen die Stirn. Ich war auf der Stelle bewusstlos, doch bevor mein kleiner Segler in den Fluten versank, muss ich über Bord gespült worden sein.

Als ich auf dem weißen Strand einer dieser typischen Karibikinseln erwachte, fühlte sich mein Körper an, als wäre jeder Knochen gebrochen. Die Sonne brannte schon erbarmungslos auf meinen Schädel. Ich musste für Stunden weg gewesen sein.

Als ich die Augen aufschlug, blickte ich in das Gesicht einer wunderschönen Haitianerin. Sie hielt meinen Kopf und flößte mir mit einem Tonkrug frisches, kristallklares Wasser ein.

Ihre unglaublichen Lippen, die an eine aufgeplatzte Passionsfrucht erinnerten, öffneten sich, und sie sprach mit nordischem Akzent: »Oh Mann, du Döspaddel, do häs du ja noch mol Glück hat. Wat mok we nu met di?«

Wir küssten uns für Stunden, und ehe die Sonne unterging, hatten wir uns achtzehnmal geliebt.

Diese Geschichte stimmt zwar überhaupt nicht, aber ich habe mal irgendwo gehört, dass man den Leser schon im Vorwort fesseln soll.

Also, Gesa und ich trafen uns in einer dieser typischen Schmuddelkneipen, in dem an Schmuddelkneipen nicht armen Köln. Ihre ersten Worte waren: »Ich heiß Gesa Dreckmann, komm vom Dorf, und du kannst mich nicht untern Tisch trinken, weil mein Papa hat ’ne Schnapsbrennerei.«

Diese Frau wusste, wie man ein Männerherz erobert. Es wurde einer meiner lustigsten Abende, und wir schlugen uns gegenseitig eine Anekdote nach der anderen, plus die ganze Nacht um die Ohren.

So entstehen Freundschaften fürs Leben.

Gesas wahre Geschichte ist so unglaublich, dass man auf vielen Seiten dieses Buches gleichzeitig vor Lachen heult und entsetzt den Kopf schüttelt.

In einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein an einem Fluss namens »Bille« leben Gesas Eltern. Eine Haitianerin und ein echter Fischkopp. Gute Mischung, so viel steht schon mal fest. Ein Bauernhof, ’ne Schnapsbrennerei und jede Menge Schnapsideen, die alle stimmen.

Es wurde sogar in den Achtzigern ein Porno auf dem Hof gedreht. Vater Dreckmann hatte immer eine Vorliebe für Tiere und brachte tatsächlich mal einen Affen mit nach Hause.

In diesem saukomischen Buch sind alle Geschichten in Gesas gewinnender Art genüsslich beschrieben. Auf Haiti ist La Dorfe Vita jetzt schon Kult. Für mich auf jeden Fall.

Glückwunsch zum Besitz dieses Buches.

Viel Spaß beim Lesen wünscht,

Euer

Atze Schröder

PS.: Den Schnaps von Papa Dreckmann gibt’s wirklich. Er heißt Hamfelder Oberförster und schmeckt wie Aufwachen am Strand von Haiti.

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Prolog

Oder anders ausgedrückt: Wer verstehen will, wie das Leben auf dem Land funktioniert, muss bereit sein für den zweiten Blick: eine Hochzeit im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Hamfelde

Was muss passieren, wenn man seine Freundin ohrfeigt, obwohl sie gerade in Tränen ausgebrochen ist, weil sie das schönste Kleid des Abends trägt und verlangt hat, sofort nach Hause gebracht zu werden? Ich sage es Ihnen: einiges.

Daniela quiekt wie ein angestochenes Ferkel. »Sach ma, geht’s noch?«

»Sorry …«, wiegele ich ab, »musste sein. Kleine Schocktherapie, damit du runterkommst. Und nur zu deiner Beruhigung: Meine Hand tut mir jetzt auch echt weh, du …«

Ich zucke entschuldigend mit den Schultern. Vielleicht komme ich ja damit durch. Und tatsächlich: Danielas empörter Gesichtsausdruck weicht stumpfer Ratlosigkeit, sie wischt den Schnodder von der Nase und reibt sich die Augen trocken. Dann wirft sie erneut einen dieser Blicke in den Saal, die von ungläubigem Erstaunen und Spott durchsetzt sind, zu gleichen Teilen. Die anderen Saal-Insassen haben unsere kurze Auseinandersetzung nicht mitbekommen oder einfach gepflegt ignoriert, nach dem Motto: Wo gehobelt wird, fällt halt der ein oder andere Span. Nur Hinnerk, der Knecht vom Schweinehof in Mühlenrade, starrt uns verschreckt an, bevor er leise verschwindet. Er hat auch allen Grund dazu, aber dazu komme ich später.

»Können wir jetzt bitte nach Hause fahren?«

Ich schaue Daniela einen Moment an, dann schüttele ich langsam mit dem Kopf. »Kann ich nicht bringen. Kalle ist einer meiner ältesten Freunde. Der heiratet nur einmal. Da musst du jetzt durch.«

Das ist vermutlich sogar wahr. In einem Dorf wie meinem kommen Scheidungen zwar vor, sie sind aber immer noch die Ausnahme. Wie schwule Pärchen, die öffentlich Händchen halten, oder Cappuccino ohne Sprühsahne.

»Kalle! Kalle?« Daniela spuckt das Wort aus wie einen Satz rostiger Nägel. »Bis gestern habe ich diesen Namen aus deinem Mund noch nie gehört. Ihr müsst ja ein richtig enges Verhältnis haben.«

Punkt für Daniela. Mit Kalle habe ich zum letzten Mal vor vier oder fünf Jahren gesprochen, als ich ihm am Heiligabend im Dorf auf der Straße begegnete. Reiner Zufall. War ein kurzes Gespräch. Ich mag Kalle trotzdem; während unserer Schulzeit haben wir ein Jahr zusammen in einer Bank gesessen, sind in den gleichen Läden versackt, und irgendwann – mit vierzehn oder fünfzehn – haben wir sogar mal geknutscht. Kellerparty, Asti Spumante, Haschkekse, was weiß denn ich. Menschen irren sich.

Aber jetzt heiratet Kalle. Seine Braut kenne ich auch, sie war zwei Klassen unter uns, Inge oder Ingrid, ich erinnere ich mich gerade nicht so genau. Klar, ich hab mich gewundert, dass mich Kalle zu seiner Hochzeit eingeladen hat, aber auch nicht zu sehr, so ist das halt auf dem Dorf. Ich bin nicht ganz sicher, ob er bloß einem nostalgischen Impuls nachgegeben hat oder ob er mich wirklich an solch einem Tag dabeihaben wollte.

Eins aber ist klar: Daniela gehört nicht hier hin. Totale Schnapsidee. Wie konnte ich bloß davon ausgehen, dass sie eine Hochzeit auf dem Dorf durchsteht. In Hamfelde! Im Feuerwehrgerätehaus!!!

Dabei war mir der Gedanke, meine Hamburger WG-Mitbewohnerin einfach mit in meine alte Heimat zu nehmen, am Vortag noch ganz plausibel erschienen. »Da lernst du mal mein Dorf kennen«, hatte ich ihr zugeredet, »außerdem verstehen die es auf dem Land, ganz ordentlich zu feiern.«

Eine amtliche Party hatte Daniela dringend nötig. Zäh abebbender Liebeskummer, das ganze Programm, seit Monaten greinte sie schon herum.

Sie war zwar nicht ganz überzeugt, hatte aber schließlich eingewilligt: »Okay, warum eigentlich nicht?«

Na ja, wenn ich darüber mal ein paar Minuten nachgedacht hätte, wären mir schon Gründe eingefallen, »warum nicht«. Und dass Daniela hier keine Menschenseele kennt, wäre erst auf Platz sieben der Liste gekommen.

Im Grunde lief es vom ersten Moment an nicht gut. Wir waren schon am Mittag aus Hamburg angereist und hatten uns die Zeit mit einem Spaziergang durch Hamfelde vertrieben.

»Meine alte Hood«, sagte ich und breitete dabei ironisch die Arme aus, als wollte ich meine weitläufigen Besitztümer eingrenzen. Daniela ging nicht auf meinen launigen Tonfall ein und wurde stattdessen von Minute zu Minute stummer.

»Gibt’s hier kein Café oder wenigstens einen Kiosk?«, fragte sie bereits nach 500 Metern und blickte sich irritiert um, als hätte sie jemand ohne Kompass in der bulgarischen Steppe ausgesetzt.

Je unwohler sie sich zu fühlen schien, desto eifriger versuchte ich, ihr meine Vergangenheit in Hamfelde in den schönsten Farben auszumalen. Ich erzählte von langen Ausritten mit meinem Pony, zeigte ihr den Teich, in dem wir als Kinder immer Frösche gefangen hatten, und die kleine Hütte, in der sich Meik-Malte aus Kuddewörde mit einer Erbsenpistole mal ein Auge angeditscht hatte, das fortan tränte wie ein leckender Wasserhahn. Er musste dann lange eine Brille mit einem fleischfarben abgedunkelten Glas tragen. Pflaster hatten nix gebracht.

Daniela schaute mich entsetzt an. »Zu viel Information. Erzähl das den Leuten im Bus.« Offenbar war sie an meinen Kindheitserinnerungen nur so mittel interessiert. Das bremste mich aber nicht, jetzt wo ich einmal in Fahrt gekommen war. Ich erwähnte sogar, dass Hamfelde mal beim Wettbewerb Schönes Dorf mitgemacht hat, 2005 war das. Auch keine Info, auf die meine WG-Genossin scharf zu sein schien.

Daniela trabte zunehmend nervöser über die lehmigen Wege Hamfeldes. »Hier ist ja wirklich gar nichts los!«, sagte sie schließlich. »Wie hast du das bloß ausgehalten?«

Gute Frage. Es gibt Tage, da weiß ich das selbst nicht mehr so genau. Aber die sind selten. Meistens hab ich es hier sogar sehr gut ausgehalten. Möglich, dass es daran lag, dass ich nichts anderes kannte. Wahrscheinlicher aber ist, dass man mit drei, mit fünf oder auch noch mit zehn, elf Jahren nichts weiter braucht als ein paar gute Freundinnen, Tiere im Garten und eine Handvoll Menschen, die einen mit Namen kennen und aufpassen, dass man nicht entführt wird. Was in Hamfelde bei nicht mal fünfhundert Einwohnern sicher nicht unbeobachtet geblieben wäre.

Klar, kulturell war da nicht so viel, wie Daniela schon messerscharf kombiniert hatte, oder, wie es ein echter Hamfelder ausdrücken würde: goar nöx! Aber wenn hier überhaupt einer das Recht hat, sich über meine alte Heimat zu mokieren, dann sicher nicht Daniela. Sie kann einen Weiler nicht von einer Gemeinde und ein Dorf nicht von einer Siedlung unterscheiden. Außerdem, mal so nebenbei erwähnt, verlässt sie den Hamburger Stadtteil Ottensen, in dem wir leben, auch nur selten und bloß unter Protest, hält sich aber trotzdem für extrem urban. Ha!

Auf der Hochzeit von Kalle wurde es nicht besser. Daniela hatte sich für diesen Anlass … ähem … fein gemacht. Es war ihr einfach nicht auszureden. Sie hätte den Damen auf dem roten Teppich in Hollywood bei den Oscars Konkurrenz machen können. Ein Traum aus mintfarbenem Satin, rückenfrei und knielang, dazu farblich abgestimmte Sandalen mit schmalen Zehn-Zentimeter-Absätzen. Sie wirkte schon in meinem alten Mädchenzimmer so deplatziert wie Beyoncé in einer Suppenküche. Schon der kurze Weg zum Feuerwehrgerätehaus gestaltete sich mühsam. Die wenigen braven Mitbürger des Herzogtums Lauenburg, die uns zufällig begegneten, starrten sie an wie den ersten Preis bei der Landwirtschaftsausstellung, Abteilung Jungsauen.

»Oha!«, sagte einer der Herren, die uns passierten, laut und vernehmlich. Da grinste Daniela noch, sie hielt das wohl für ein Kompliment. Nun ja, Menschen irren sich. Auf dem Rasenstück zwischen Straße und Feuerwehrgerätehaus versank sie mit ihren spitzen Sandalen ständig in der Erde. Für Setzlinge war das wiederum ganz praktisch.

»Wie kommt man bloß drauf, seine Hochzeit in einem Feuerwehrgerätehaus zu feiern?« Ich nehme an, das war eine rhetorische Frage. Hatte ich noch nie drüber nachgedacht. Weil’s da drin einen großen Saal gab, vermutlich. Ja gut, so ein Backsteinbau aus dem Jahr 1966, der normalerweise von der Freiwilligen Feuerwehr Hamfelde-Dahmker genutzt wird, um Brandfluchthauben und Spritzenschläuche zu verwahren, hat jetzt nicht direkt den Sexappeal vom »Studio 54«, schon klar. Aber in Hamfelde wird eben praktisch gedacht. Das bewies auch die in Glas gefasste Schautafel, die vor dem Eingang des Gebäudes auf die Erfolge unserer Feuerwehr hinwies.

Einsatz Nr. 03:

10.01.2015 13:24 Uhr, Hamfelde, Unwetter groß, Baum auf Hausdach

Einsatz Nr. 02:

09.01.2015 14:25 Uhr, Dahmker, Unwetter klein, Baum auf Straße

Einsatz Nr. 01:

09.01.2015 13:24 Uhr, Hamfelde, Unwetter klein, Baum auf Straße

Da war sie wieder, diese Melange aus akkuratem Klartext und gleichzeitiger Maulfaulheit, die ich am Norddeutschen so schätze.

Daniela studierte die Verlautbarungen im Schaukasten mit wachsendem Interesse. »Schau mal, die Jugendfeuerwehr Hamfelde/Köthel besteht aus genau 1 Mädchen.« Ihr Grinsen wurde wieder breiter. »Das wird ja ein Vergnügen für sie sein, wenn da mal eine Ausfahrt ansteht … oder gleich ein Einsatz!«

Das sollte das letzte Mal für lange Stunden sein, dass ein Lachen Danielas vom Permafrost gezeichnete Miene aufhellte.

Beim Eintreten in den Saal schmetterte uns ein Rex-Gildo-Klassiker entgegen.

Fiesta, Fiesta Mexicana,

heut geb ich zum Abschied für alle ein Fest,

Fiesta, Fiesta Mexicana,

es gibt viel Tequila, der glücklich sein lässt …

Für den Anlass textlich nicht ganz angemessen, aber ich war froh, dass unser Fest-DJ Horsti noch nicht bei Klaus & Klaus angelangt war. Ich schaute mich kurz um, es mochten so rund hundert Leute hier sein, die sich im Saal verteilten und versuchten, gegen Rex Gildo anzureden. Die Furnierholztische mit ihrer irgendwie giftig wirkenden petrolgrünen Beschichtung bogen sich unter den hoch aufgetürmten Fleischplatten, die gerade serviert wurden, zusammen mit Beilagen-Gebirgen und der legendären Hamfelder Hochzeitssuppe.

In diesem Moment erstarb die Musik so abrupt wie bei einem Stromausfall, das Thema elegantes Fade-Out muss DJ Horsti noch mal angehen. Ein Supertiming hatten wir: Jetzt war der Brautvater mit seiner Rede dran. Ich beruhigte Daniela, denn ich wusste, das dauert nicht lange. Auf dem Dorf macht man keine großen Worte. Wozu auch, das Fleisch wurde ja sonst kalt. Und wie alle Hamfelder Brautväter vor ihm war auch dieser hier in der Lage, mit wenigen Worten alles auf den Punkt zu bringen, was gesagt werden musste.

»Mit der Liebe ist das so: Was is, is, was nich is, is nich, und mehr is nich! Ihr schafft das schon! Prohost!«

»Prostata«, rief der Saal launig zurück, und schon setzte DJ Horsti seine Reise in die Welt der munteren Melodei fort, diesmal mit Costa Cordalis und einem seiner Hits aus einer Zeit vor unserer Zeit: »Anita«. Für uns gab es Doppelkorn oder Jubi. Zeit, ein paar alte Bekannte zu begrüßen und dabei weitere Kurze zu inhalieren. Menschen, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte, konnten sich vor lauter Euphorie über unser unerwartetes Zusammentreffen kaum im Zaum halten:

»Moin!«

»Moin!«

»Na, wie is?«

»Jo, nun.«

»Lange nicht gesehn.«

»Jahre!«

»Und sonst?«

»Muss ja.«

»Ja dann.«

Nachdem sich dieser Dialog nahezu wortgleich sieben bis zehn Mal wiederholt hatte, waren wir endlich bis zum Brautpaar vorgedrungen. Eine ordentliche Begrüßung musste ja wohl sein. Als Erstes stellte ich meine Begleitung vor, das gehört sich so, bei uns gibt man sich ja auch die Hand.

»Das ist Daniela. Ich wollte eigentlich mit meinem Bruder kommen, aber der konnte nicht, da hab ich Daniela mitgenommen. Ich wohne mit ihr zusammen in einer WG in Hamburg, und sie hat grad Liebeskummer, da dachte ich …«

»Kein Thema«, unterbrach mich Kalle, der Bräutigam, guckte zu seiner Braut und sagte: »Sie holt aber auch immer weit aus!« Gemeinsam wurden wir anschließend zum Essen an dem Katzentisch platziert. Neben den Katzen und Kindern dürfen da auch alte Jungfern und unbemannte Frauen aus der Stadt sitzen. Mir machte das nichts aus, aber Daniela stand offenbar kurz vor einem totalen Systemausfall.

»Du hast genau fünf Minuten, um mich hier rauszubringen. Ich bin besser angezogen als die Braut«, brach es aus ihr heraus. Womit sie völlig recht hatte. Die anderen Hochzeitsgäste waren eher leger gekleidet, die Braut in einem weißen … Dings. Ich kannte das schon und versuche mich bei solchen Anlässen so zu kleiden, dass ich zur Not schnell auf schick umdekorieren kann: Strickjacke über Kleid geht eigentlich immer.

DJ Horsti spielte jetzt »How do you do« (la la la la …), allerdings nicht von Mouth & Mac Neal, sondern in der eingedeutschten Fassung von den »Windows«. Für Daniela war die Exkursion in meine Vergangenheit nicht nur musikalisch ein Kulturschock. Ungläubig betrachtete sie das wüste Treiben um sich herum. Man tanzte bereits in lockerer Formation, was aussah, als hingen ein paar Kühlschränke an Deckenseilen. Ich versuchte, sie mit einigen Herrengedecken (ein Bier, ein Schnaps) von diesem Schauspiel abzulenken, und hoffte insgeheim, dass sie heute auch noch von einem Herrn gedeckt wurde.

Sorry, mein Kalauer-Gen – stets im Einsatz … Aber Sie wissen schon, wie ich das meine: Daniela brauchte ein bisschen Spaß. Und in einer mit Testosteron getränkten Balzgesellschaft steigt die Laune der gemeinen Single-Frau normalerweise an. Nicht so bei Daniela, obwohl die Hamfelder Herren der Schöpfung sich für ihre Verhältnisse ganz amtlich Mühe gaben und beim lockeren Flirt mit ihren herausragenden Charaktereigenschaften prahlten: »Ich hab heute bei drei Feldern Heuballen gemacht. Hab auch ’ne richtig große Scheune. Kann ich dir nachher ma zeigen, du … is gar nicht weit.«

So ein Landjunker weiß sich halt zu präsentieren und macht keine Gefangenen. Diese subtile Form der Balz aber kannte Daniela bislang noch nicht und reagierte eher skeptisch: »Sag mal, hast du sie noch alle?«

Perlen vor die Säue – oder umgekehrt … Als schließlich Hinnerk, der klobige Rübezahl vom Schweinehof aus Mühlenrade, sie auch noch zum Tanz aufforderte – zu Jürgen Marcus’ »Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben« –, war es um Danielas Fassung endgültig geschehen. Sie schüttelte heftig mit dem Kopf und schnellte gleichzeitig von ihrem Stuhl hoch wie ein Kasper mit einer Gummifeder unterm Hintern, was für Hinnerk möglicherweise im ersten Moment etwas irritierend wirkte. Ich meine, mehr mixed message geht ja kaum. Doch da Daniela gleichzeitig in Tränen ausbrach und mich beinahe schreiend darüber informierte, dass sie nach Hause wolle, und zwar sofort und auf der Stelle, und als ich ihr dann noch eine verpasste vor Ärger und Daniela aufschrie wie ein angestochenes Ferkel – spätestens da war Hinnerk klar, dass er sich jemand anderen zum Schwofen suchen musste.

Als Hinnerk außer Hörweite war, wandte ich mich wieder meiner Mitbewohnerin zu. »Mag ja sein, dass ich mit Kalle nicht mehr so viel zu tun hatte in den letzten Jahren. Aber er ist ein Teil meiner Vergangenheit und ein Freund, den ich mal sehr mochte. Hier bei uns auf dem Land vergisst man das nicht, auch wenn sich das Leben und die Umstände ändern. Und darum bleibe ich hier und feiere mit ihm seine Hochzeit, und zwar so, wie er sich das vorgestellt hat. Im Gerätehaus der Feuerwehr. Da musst du jetzt durch.«

Daniela schniefte bockig, zuckte aber mit den Schultern, Subtext: Hab ich eine Wahl?

Nein, hatte sie nicht. Ich wusste, warum ich hier stand.

»Okay, manches ist vielleicht ein wenig anders, als du es kennst, fühlt sich fremd an. Aber das muss ja nicht schlecht sein. Das sind die Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier komme ich her, das ist mein Dorf. Für einen Abend wirst du das schon ertragen. Vielleicht macht es ja sogar ein wenig Spaß, wenn du dich drauf einlässt.«

Den letzten Satz sagte ich nur so dahin. Sonderpädagogik für schnöselige Freundinnen aus der Stadt. Aber Daniela schien es sich zu überlegen. Sie ließ ein wenig Zeit verstreichen, bevor sie antwortete.

»Bring ein neues Gedeck«, sagte sie schließlich und drückte die Schultern durch. Es klang wie eine Kampfansage. »Und neue Herren.«

Es wurde dann noch ein bemerkenswerter Abend mit einer Menge Hochzeitsspiele, die im Hamfelder Feuerwehrgerätehaus hoch im Kurs standen. Hamfelder vergnügen sich eher traditionell, mit »Finde den Cent in Sägespänen« zum Beispiel, der »Reise nach Jerusalem« und einem Stopptanz-Event, bei dem vor allem die dörflichen Bewegungslegastheniker aussahen, als würden ihnen unterm Fußnagel Elektroschocks verabreicht. Natürlich wurde auch die Braut entführt, was den frisch gebackenen Gatten Kalle allerdings nicht sonderlich bekümmerte. Er musste von den Brüdern seiner frisch Angetrauten schon fast aus dem Saal geschleppt werden, um Inge (oder Ingrid?) schließlich am Dorfteich mit Schnaps auszulösen. Gegen fünf Uhr morgens stützten Daniela und ich uns gegenseitig auf dem Weg in mein Elternhaus, Käuzchen riefen, der Mond schien hell, eine fast unwirkliche Stille lag über dieser ländlichen Szenerie, als Daniela, begleitet von einem kleinen Bäuerchen, mir dringend noch was sagen musste: »Weissu, Gesa, is ja schon doch schön hier so auffem Dooorf.«

»Sag ich doch«, erwiderte ich.

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1. Kapitel

Die Wurzel aus Karibik und Kuh

Oder anders ausgedrückt: Wie es dazu kam, dass Haiti und Hamfelde eine fröhliche Verbindung eingingen, und was das Goethe-Institut in Lüneburg damit zu tun hat

Niemand lebt lieber in einem kleinen Dorf in Deutschland als in der Karibik. Wer tauscht denn bitte freiwillig 30 Grad und Dauersonne gegen eine Heimat in Schleswig-Holstein mit seinen drei berühmten Jahreszeiten: kalter Regen, warmer Regen und Nieselregen?

Niemand.

Bis auf … meine Mutter!

Meine Mutter ist ein Kind der Sonne, die Schnee nur aus Erzählungen kannte; sie wuchs in einer wunderschönen (heißen) Umgebung auf, in der Nähe von Port au Prince in Haiti. Weißer Strand, blaues Meer, Palmen und Kokosnüsse, so weit das Auge reicht. Stellen Sie sich die Bacardi-Werbung vor, nur ohne die albernen Models, stattdessen mit fröhlichen Menschen, denen es vielleicht an vielem mangelte, aber ganz bestimmt nicht an einer fröhlichen Einstellung zum Leben.

Mein Vater hingegen ist in Schleswig-Holstein auf dem Land groß geworden, ein Eingeborener der zweiten Generation: Ziegen, Kühe und Wiesen, so weit die Zäune reichen.

Wie kommen diese Welten zueinander?

Als Studentin von ihren Eltern für ein Auslandsjahr nach Hamburg verschickt, hatte meine Mutter zwar nur wenig soziale Kontakte, aber irgendeiner kennt doch immer einen, der einen kennt, der vom Land kommt! Und der vom Land war in diesem Fall eben mein Vater.

Eigentlich entsprach meine Mutter nicht unbedingt seinem Beuteschema. Im Gegenteil: Dass sich der 23-jährige Timmi Dreckmann aus Hamfelde im Herzogtum Lauenburg ausgerechnet in eine schokobraune karibische Schönheit mit schwarzen Haaren und dunklen Augen verlieben würde, war eher unwahrscheinlich. Auf der Suche nach einer Frau wie ihr war er damals jedenfalls nicht. Er schaute sich stattdessen am anderen Ende der Skala um, nach dem Modell »hagere, langbeinige Blondine« nämlich, möglichst aus dem skandinavischen Kulturkreis. Darüber können wir in meiner Familie auch heute noch lachen: Mein Vater bevorzugte damals eher schwedisch anmutende Weibchen mit einem anämischen Porzellanteint.

Meine Mutter entsprach nicht in einem einzigen Punkt seinem virtuellen Anforderungsprofil.

Es ist nicht überliefert, wie das Wetter war, als sich die beiden Ende der Sechzigerjahre zum ersten Mal in Lüneburg trafen. Doch da meine Mutter mit im Spiel war, stelle ich mir immer vor, dass die Sonne schien. Es muss so gewesen sein, sie ist einfach so eine Frau.

Zu dieser Zeit war sie schon seit einigen Monaten in Hamburg. Sie lebte mit ihren Eltern damals eigentlich in New York, dieser Stadt, die angeblich nie schläft. Ob ihre Eltern ihr mal eine kleine Pause vom hektischen New Yorker Leben gönnen wollten oder das Kind ein wenig alteuropäische Bildung genießen sollte, lässt sich im Rückblick schwer rekonstruieren, jedenfalls hatten sie ihrer Tochter ein ganzes Jahr im Ausland spendiert. Da sie Freunde in Hamburg hatten und Deutschland mochten, war es nun eben Deutschland geworden und nicht Frankreich, Italien oder Spanien, was bei einem jungen, sonnenverwöhnten Mädchen mit Wurzeln in der Karibik sicher erst einmal größere Freude ausgelöst hätte.

Régine (weich gesprochen, sehr weich: Reschien, das Sch gesprochen wie das J in Jeans) war noch ein wenig schüchtern zu jener Zeit. Bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr war sie brav auf eine Klosterschule gegangen und hatte sich jeden Morgen in der Kirche die Knie wund gescheuert. Diese schickliche Zurückhaltung legte sich im Laufe der ersten Monate in Deutschland allerdings, denn das Leben in dem ruhigen, auffallend geordneten Land gefiel meiner Mutter in spe doch zu sehr, um es auf harten Kirchenbänken zu verplempern.

Außerdem traf sie im Goethe-Institut im hübschen Lüneburg – wo sie regelmäßig Deutschkurse besuchte – auf eine Menge Exoten aus aller Welt, mit denen sie sich prima verstand. Es verbindet Menschen aus Shanghai, Caracas und Port-au-Prince schon ein Stück weit, wenn sie sich in einer schnuckeligen Kleinstadt zurechtfinden müssen, in der es mehr Schafe als Menschen gibt und wo hübsch gefärbte Wälder und Wiesen die Hauptattraktion der gesamten Gegend sind. Vom gemeinsamen Abscheu gegen Labskaus und andere norddeutsche Küchenideen mal ganz abgesehen …

Vor allem die Chinesen waren begeistert von meiner Mutter und wollten sich ständig mit ihr fotografieren lassen, so als handle es sich bei ihr um eine Art mobile Heidelandschaft, die zu lange der Sonne ausgesetzt gewesen war. Ich vermute, die Chinesen liebten einfach ihre Mandelaugen und glaubten, irgendwo da draußen am Ende des Regenbogens lebte eine dunklere Version ihres eigenen Stammes. Auch in der Familie Dreckmann existiert irgendwo ein Karton mit alten Fotos, auf denen zahlreiche Chinafrauen und -männer meine Mutter auf die Wange küssen.

Aus dieser Zeit ist übrigens auch eine Beinahe-Affäre mit einem gut aussehenden Türken namens Erdoğan (nein, nicht dieser Erdoğan!) überliefert, der meine Mutter auch unbedingt und gerne mehrfach auf die Wange küssen wollte, letztlich aber in dieser Hinsicht völlig leer ausging. Erdoğan nämlich hatte im heimischen Izmir nicht nur eine Ehefrau, die auf ihn wartete, sondern auch drei hübsch anzusehende Kinder.

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