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Küss mich, geliebter Scheich!

PROLOG

Königreich Dubaac, Frühsommer:

Der Himmel war strahlend blau; die Sonne glänzte wie geschmolzenes Gold.

Unter ihren unbarmherzigen Strahlen saß eine kleine Gruppe von Männern bewegungslos auf ihren Pferden, umfangen von der endlosen Stille der Wüste.

Alle Augen waren auf den Reiter gerichtet, dessen Hengst ein wenig abseits von den anderen stand. Die rechte Hand des Mannes steckte in einem derben Lederhandschuh, an dem sich ein mächtiger Falke festkrallte. Der Kopf des Vogels war mit einer Kappe bedeckt.

Nach einer Weile löste sich ein Reiter aus der Gruppe und trieb sein Pferd an die Seite des Mannes mit dem Falken.

„Es ist an der Zeit, Tariq“, sagte der Reiter sanft.

Der Angesprochene nickte. „Ich weiß.“

Sein Vater hatte recht, doch dieser letzte Gruß an seinen toten Bruder war mindestens so bedrückend wie Sharifs Beerdigung.

Wer hätte gedacht, dass ihm dieser alte Brauch so zu Herzen gehen würde? Tariq war zwar in Dubaac aufgewachsen, doch er lebte schon seit vielen Jahren nicht mehr hier. Er war ein moderner, hochgebildeter, urbaner Mann, und dies war nicht mehr als eine symbolische Geste …

„Tariq?“

Er nickte. Der Falke flatterte nervös mit den Flügeln, denn er spürte, dass ihm gleich die Kappe abgenommen werden würde.

Tariq hob den Arm in Richtung Himmel. Sein Profil war mindestens ebenso elegant wie das eines Falken.

„Sharif, mein Bruder“, sprach er mit rauer Stimme. „Ich schicke Bashashar zu dir. Mögt ihr beiden gemeinsam für immer die Weite des Himmels über unserem Heimatland erkunden.“

Er zögerte kurz, dann entfernte er die Kappe, die den Kopf des Vogels bedeckte, und schwang den Arm nach vorn, worauf der Falke die Flügel ausbreitete und sich in die Luft erhob.

Keiner der Männer sprach oder bewegte sich. Erst nach einer ganzen Weile räusperte sich der Sultan.

„Es ist getan“, erklärte er heiser.

Tariq nickte. Noch immer schaute er in den Himmel, wo der Vogel allmählich den Blicken entschwand.

„Ja, Vater.“

„Dein Bruder ruht jetzt in Frieden.“

Tut er das, fragte sich Tariq. Er wollte es glauben, doch Sharifs Tod war immer noch viel zu frisch. Ein Routineflug. Es hatte Tage gedauert, um nach dem Absturz und der darauf folgenden Explosion das zu finden, was von seinem Bruder übrig geblieben war …

„Er war ein guter Sohn“, sagte der Sultan ruhig.

Tariq nickte.

„Er wäre unserem Volk ein guter Anführer gewesen. Jetzt ist er tot, und wir müssen unsere Pläne für die Zukunft neu überdenken.“

Tariqs Kiefer verkrampfte sich. Natürlich hatte er gewusst, dass dieser Moment kommen würde, aber nicht so schnell. Andererseits – warum sollte er das Unvermeidliche aufschieben?

„Ich verstehe, Vater.“

Der Sultan seufzte. „Wir dürfen keine Zeit verlieren, mein Sohn.“

Tariq schaute seinen Vater besorgt an. „Bist du krank?“

„Nur wenn das Alter eine Krankheit ist“, erwiderte der Sultan gelassen. „Aber Sharifs Tod ist der beste Beweis, dass das Schicksal jederzeit zuschlagen kann. Du bist jetzt mein Erbe, Tariq. Ich zittere bei dem Gedanken, dass dir etwas zustoßen könnte …“

Mehr brauchte er nicht zu sagen.

Die Last der Thronfolge war Tariq zugefallen. Um die ununterbrochene Linie seiner Familie auf dem Thron von Dubaac fortzusetzen, musste er heiraten und einen Sohn zeugen.

Wenn Sharif doch nur verheiratet gewesen wäre und Kinder gehabt hätte …

Wenn Sharif doch nur noch lebte, dachte Tariq und spürte eine ungewohnte Feuchtigkeit in seinen silbergrauen Augen.

„Ich werde tun, was getan werden muss.“

Der Sultan lächelte schwach. „Das ist gut. Komm jetzt. Wir wollen zum Palast zurückreiten und das Andenken an deinen Bruder feiern.“

„Reite schon mal mit den anderen voraus. Ich … ich möchte eine Weile allein sein.“

Der Sultan zögerte. Doch schließlich wendete er sein Pferd und bedeutete seinen Männern, ihm zu folgen. Sie ritten genauso davon, wie sie gekommen waren – in respektvollem Schweigen.

Tariq stieg aus dem Sattel. Er tätschelte den Hals seines Hengstes und blickte nochmals in den Himmel hinauf.

„Wegen dir, Sharif“, sagte er ruhig, „muss ich jetzt eine Ehefrau finden.“ Er lächelte. Wenn sein Bruder ihn hören konnte, würde er diese Art Neckerei verstehen. Von frühester Kindheit an hatten sie eine innige Verbundenheit geteilt. „Und wie soll ich das anstellen, hm? Wo soll ich sie suchen, Sharif? Hier im Staatenbund? Oder in Amerika? Was meinst du?“

Natürlich war Sharif nicht da, um ihm eine Antwort zu geben, doch das war auch nicht nötig. Tariq wusste genau, was er gesagt hätte.

Die perfekte Frau würde er nicht in Amerika finden.

In Amerika gab es nur zwei Sorten Frauen: die einen, die flatterhaft und oberflächlich waren, und die anderen, die eigensinnig und stur die Fahne des Feminismus hochhielten.

Keine von beiden würde passen.

Ja, er wollte eine Frau, die attraktiv war, doch es gab auch noch andere Kriterien. Sie sollte über eine angenehme Persönlichkeit verfügen. Sie musste in der Lage sein, eine passende Dinner-Konversation zu führen, und zwar in den Kreisen, in denen er verkehrte. Keinesfalls durfte sie streitsüchtig sein.

Mit anderen Worten: Die perfekte Ehefrau kannte ihre Rolle ganz genau – sie war zwar seine Gefährtin, ihm allerdings keinesfalls gleichgestellt.

Eine solche Frau würde er nur hier, unter seinen eigenen Landsleuten, finden.

Der Wind seufzte und wirbelte einen kleinen Streifen Sand auf.

Tariq hatte sein Studium in den USA absolviert; er lebte und arbeitete dort, doch von nun an würde sich sein Lebensstil den Traditionen von Dubaac anpassen, wo ein Mann sowohl über sein Heim als auch über seine Frau herrschte.

Der Hengst stupste ihn mit der Nase an die Schulter. Tariq ergriff die Zügel und schwang sich in den Sattel.

Problem gelöst. Er würde eine Woche in Dubaac bleiben. Vielleicht auch zwei, aber länger sicherlich nicht.

Wie schwer konnte es schon sein, eine passende Ehefrau zu finden?

1. KAPITEL

New York, zwei Monate später:

Es kam nicht oft vor, dass Seine Exzellenz Scheich Tariq al Sayf, Kronprinz von Dubaac, eine Fehleinschätzung beging.

Niemals in geschäftlicher Hinsicht. Selbst seine Gegner, die behauptet hatten, er sei zu jung und es käme mit Sicherheit zu einer Katastrophe, als er vor vier Jahren die Leitung der New Yorker Filiale der Royal Bank of Dubaac übernommen hatte, mussten zugeben, dass die Bank unter seiner Führung florierte.

Und auch in seinem Privatleben beging er kaum einen Fehler. Nun gut, es gab da die eine oder andere Ex-Geliebte, die in Tränen ausgebrochen war und ihn einen kaltherzigen Bastard nannte, nachdem er die Beziehung beendet hatte, doch das war nicht seine Schuld.

Er war immer ehrlich, allenfalls ein bisschen zu schonungslos.

Noch vor zwei Monaten hatte er unter der heißen Wüstensonne seines Heimatlandes gestanden und sich geschworen, innerhalb einer Woche eine Ehefrau zu finden. Im Höchstfall in zwei Wochen. So schwierig konnte dieses Unterfangen schließlich nicht sein.

Nun starrte er aus dem großen Panoramafenster seines Büros, blickte über den Hudson River hinunter auf Lower Manhattan und runzelte die Stirn.

Nein, es war tatsächlich nicht schwierig.

Unmöglich brachte es eher auf den Punkt.

„Idiot“, stieß er zwischen seinen fest zusammengebissenen Zähnen hervor.

Die zwei Wochen in Dubaac waren schnell zu drei und dann zu vier Wochen geworden. Sein Vater hatte ein elegantes Staatsdinner gegeben, zu dem jede hochrangige Familie des Landes eingeladen worden war, die eine Tochter im heiratsfähigen Alter besaß.

Tariq hatte an jeder Einzelnen etwas auszusetzen.

Daraufhin organisierte sein Vater ein weiteres Dinner – diesmal mit allen höheren Töchtern aus dem gesamten Staatenbund. Tariq zuckte noch immer zusammen, wenn er nur daran zurückdachte. All diese jungen Frauen, ordentlich aufgereiht, um ihm präsentiert zu werden, wobei sie ganz genau wussten, aus welchem Grund …

Wie auf einem Pferdemarkt, dachte er an jenem Abend plötzlich, und sobald der Gedanke erst mal da war, gelang es ihm nicht mehr, die Frauen anders zu betrachten. Für ihn waren sie zahme, willige Stuten, die sich fügsam der Inspektion des Deckhengstes stellten.

„Nun?“, hatte sein Vater am Ende des zweiten Dinners ungeduldig gefragt. „Welche magst du?“

Keine.

Sie waren zu groß. Zu klein. Zu dünn. Zu dick. Sie redeten zu viel. Sie redeten zu wenig. Sie waren introvertiert, sie waren extrovertiert … Vollkommen frustriert und wütend auf sich selbst war Tariq schließlich vor einem Monat nach New York zurückgekehrt.

Vielleicht hatte er sich doch getäuscht, was amerikanische Frauen anging. Vielleicht würde er hier eine Kandidatin finden, die seinen Ansprüchen genügte.

Jedenfalls würde es nicht schaden, seine Suche auszuweiten. Er konnte sich doch mal in New York umschauen und sehen, was er hier so vorfand.

Die Antwort lautete: nichts.

Tariq hatte unzählige Einladungen zu Segeltouren in der Bucht angenommen, zu Sommerpartys in Connecticut oder Wohltätigkeitsveranstaltungen in den Hamptons. Er war mit etlichen Frauen zum Dinner, ins Theater oder zu Konzerten im Central Park gegangen. Mein Gott, er hatte sich mit so vielen Frauen verabredet, dass er irgendwann Gefahr lief, ihre Namen zu verwechseln, und was hatte ihm das gebracht?

„Nichts“, sagte er laut und grimmig.

Er war von seinem Ziel, eine geeignete Ehefrau zu finden, noch ebenso weit entfernt wie vor zwei Monaten.

Genau wie in seinem Heimatland waren die Frauen hier in Amerika zu viel von allem – inklusive zu bemüht, ihm zu gefallen. In den USA gab es keine gesenkten Blicke, dennoch war die kriecherische Haltung dieselbe.

Ja, Euer Hoheit. Natürlich, Euer Hoheit. Oh, ich stimme völlig mit Ihnen überein, Euer Hoheit.

Verdammt noch mal, trug er etwa ein Schild um den Hals mit der Aufschrift: Ich suche eine Ehefrau?

Nicht dass er keine fügsame Ehefrau gewollt hätte. Die wollte er durchaus. Schließlich würde er eines Tages der Anführer seines Volkes sein. Da wäre es ihm keineswegs dienlich, eine Frau zu haben, die keinen Respekt zeigte.

Tariq verengte die Augen.

Warum in aller Welt war er dann dazu übergegangen, kleine Tests durchzuführen, die selbst seiner Meinung nach albern waren?

Zum Beispiel erzählte er einen Witz ohne Pointe. Oder er machte eine dümmliche Bemerkung über die Weltpolitik. Dann wartete er ab, wie die potenzielle Heiratskandidatin reagierte. Lange warten musste er nie. Jedes Mal lachte die Frau hysterisch oder sie nickte heftig und stimmte seiner Bemerkung zu. In diesem Fall schaute er dann überrascht auf die Uhr und sagte: „Mein Gott, wie viel Zeit vergangen ist. Mir war gar nicht klar, dass es schon so spät ist …“

Bei Ishtar, er steckte wirklich in der Klemme!

Vor ein paar Wochen schon war er so verzweifelt gewesen, dass er bei Drinks und Dinner seinen beiden ältesten Freunden von seiner Suche erzählt hatte.

Khalil und Salim hatten ihm zuerst mit unbewegter Miene zugehört. Dann warfen sie sich gegenseitig einen Blick zu.

„Er versucht, eine Ehefrau zu finden“, erklärte Salim feierlich.

„Aber er schafft es nicht“, antwortete Khalil genauso ernst.

Um Salims Mundwinkel zuckte es. Dann auch um Khalils. Plötzlich prusteten die beiden los und konnten sich gar nicht mehr beruhigen.

Tariq sprang empört auf. „Findet ihr das witzig?“, rief er wütend. „Wartet bloß ab, bis ihr heiraten müsst!“

Das Gelächter erstarb abrupt – von unübersehbarem Schaudern ersetzt.

„Bis das passiert, werden noch etliche Jahre ins Land gehen“, entgegnete Khalil, „doch wenn es so weit ist, werde ich es auf die altmodische Art tun. Ich lasse meinen Vater das Arrangement einfädeln. Die Hochzeit eines Prinzen hat nichts mit Romantik zu tun. Es geht nur um Pflichterfüllung.“

Tariq seufzte bei der Erinnerung und starrte weiter aus dem Fenster. Khalil hatte recht. Absolut. Warum brauchte er dann nur so verdammt lang?

Sein Bruder war tot, sein Vater kein junger Mann mehr. Was, wenn etwas passierte? Seinem Vater? Oder ihm selbst? Alles war möglich. Ohne Nachfolger auf den Thron würde das Land vermutlich ins Chaos stürzen. Schlimmstenfalls in einen Bürgerkrieg abrutschen. Das durfte nicht geschehen. Er durfte es nicht zulassen …

Es klopfte. Tariq drehte sich genau in dem Moment um, in dem seine persönliche Assistentin den Kopf zur Tür hereinstreckte.

„Die Fünf-Uhr-Wirtschaftsnachrichten auf CNN laufen, Sir. Sie wollten sie doch anschauen …?“

Er blickte sie verständnislos an.

„Um zu sehen, ob MicroTech seinen neuesten Erwerb verkündet …?“

Keine Ehefrau, und mein Gehirn funktioniert auch nicht mehr richtig, dachte Tariq niedergeschlagen und nickte dankend.

„Ja, richtig. Vielen Dank, Eleanor. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Wir sehen uns dann morgen.“

Die Tür wurde geschlossen. Tariq setzte sich an seinen Schreibtisch, griff nach der Fernbedienung und schaltete den Flachbildfernseher an der gegenüberliegenden Wand an. Kurz durchsuchte er die Programme, dann blickte er auf das großzügige Büro eines Firmendirektors. Blasse Wände, dunkler Boden, Fenster, ein langer Tisch mit einem Mann mittleren Alters in dunkelblauem Anzug, der drei weiteren Männern mittleren Alters in dunkelblauem Anzug gegenübersaß …

Und einer Frau.

Tariqs Augen verengten sich.

Es war schwierig, ihr Alter zu schätzen, denn sie trug eine Brille mit großen und getönten Gläsern. Sie verlieh ihr eine gewisse Strenge, ebenso wie der tief sitzende Knoten, zu dem sie ihr goldblondes Haar geschlungen hatte.

Die Frau saß sehr aufrecht, die Hände im Schoß gefaltet, die Beine dezent übereinandergeschlagen.

Es handelte sich um äußerst hübsche Beine. Lang. Schlank. Wohlgeformt …

Tariq spürte Verlangen in sich aufsteigen.

Vor seinem inneren Auge sah er, wie er die Frau vom Stuhl hob. Wie er ihr Haar öffnete und ausbreitete. Ihr die Brille abnahm, um zu sehen, ob sie nur attraktiv oder atemberaubend schön war …

Verdammt.

Es war nicht seine Art, derartige Fantasien zu hegen. Hatte ihn seine Suche nach einer Ehefrau bereits darauf reduziert? Lust auf eine Frau im Fernsehen? Eine Frau, deren Namen er nicht mal kannte?

Tariq runzelte die Stirn.

Das hatte man also von zu viel Enthaltsamkeit!

Seit zwei Monaten war er mit keiner Frau mehr zusammen gewesen. Er hielt es für klug, sich nicht durch die Talente, die eine Frau im Bett vorweisen könnte, beeinflussen zu lassen.

Es schien eine gute Idee gewesen zu sein.

Das war es auch immer noch.

Er musste einfach nur aufhören, sich wie ein dummer Schuljunge irgendwelchen Fantasien hinzugeben.

Tariq riss den Blick von der Frau los. Der Moderator der Sendung redete gerade mit dem Mann, der ihr gegenübersaß.

„… also wahr, dass MicroTechdie Aktienmehrheit von Future Born übernommen hat?“

Der Mann nickte.

„Das stimmt. Wir investieren damit in einen großen Zukunftsmarkt. Sehen Sie, Jay, viele Männer und Frauen schieben das Kinderkriegen immer weiter auf. Damit werden Future Borns neue Techniken immer wichtiger.“

„Aber bewegt sich FutureBorn nicht bereits in einem überfüllten Marktsegment?“

Ein dünnes Lächeln. „Auf den ersten Blick mag das so scheinen. Künstliche Befruchtung gibt es nun schon eine ganze Weile, aber die neuen Techniken von FutureBorn sind … Vielleicht kann das am besten unsere Vizepräsidentin für Marketing erklären.“

Alle Köpfe drehten sich zu der Frau um. Vizepräsidentin für Marketing, dachte Tariq und hob eine Augenbraue. Ein beeindruckender Titel. Ob sie ihn sich verdient hatte? Oder hatte sie sich hochgeschlafen? Er war lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass so etwas häufig genug vorkam.

Sie blickte in die Kamera. „Ich werde es gern versuchen.“

Ihre Stimme war dunkel, beinahe rau. Er versuchte sich auf das zu konzentrieren, was sie sagte, doch er war zu sehr damit beschäftigt, sie einfach nur anzusehen …

„… mit anderen Worten, absolut perfekt, um Sperma längere Zeit aufzubewahren.“

Tariq blinzelte. Was hatte sie gerade gesagt?

„Könnten Sie das bitte erklären, Miss Whitney?“

Tariq schickte dem Moderator ein stummes Dankeschön. Die Frau hatte sicherlich nicht gesagt, dass …

„Gern“, entgegnete die Frau ruhig. „Sie haben ganz richtig festgestellt, dass künstliche Befruchtung nicht neu ist, aber die Methode, die FutureBorn entwickelt hat, ist nicht nur neu, sondern revolutionär.“

Tariq starrte auf den Bildschirm. Wie konnte eine Frau nur so reden?

„Und was sind die Vorteile?“

„Nun …“ Die Frau fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Es handelte sich sicherlich um eine unbewusste Geste, doch sie sorgte dafür, dass er selbst einen trockenen Mund bekam. „Nun, ein offensichtlicher Vorteil ist, dass ein Mann, der zurzeit nicht den Wunsch hat, ein Kind zu zeugen, eine Probe seines Spermas bei uns hinterlegen kann. Eine Spende für die Zukunft, sozusagen. Er kann sich sicher sein, dass die Spende noch Jahre später zu seinem Nutzen zur Verfügung steht.“

Eine Spende, dachte Tariq. Interessante Wortwahl.

„Und wenn nicht zu seinem Nutzen, so doch in seinem Sinne.“

„Wie meinen Sie das?“, fragte der Moderator.

„Nun, zum Beispiel könnte der Mann in seinem Testament verfügen, wie sein Sperma nach seinem Tod verwendet werden soll.“ Sie lächelte höflich. „Gefrorenes Sperma, zusammen mit einem legalen Dokument, wie es benutzt werden soll, wäre die moderne Möglichkeit für einen reichen Mann, sicherzugehen, dass er einen Erben hat …“

Oder ein Kronprinz einen Nachfolger.

Tariq runzelte die Stirn.

Was, wenn er eine – wie hatte sie es genannt? Eine Spende hinterließ? Wenn ein Reagenzglas mit seinem Samen eingefroren würde, für den Fall, dass das Schicksal zuschlug, ehe er eine passende Ehefrau gefunden hatte?

Himmel. War er verrückt geworden?

Tariq richtete die Fernbedienung auf den Bildschirm und schaltete den Fernseher aus. Dann stand er auf.

Ein richtiger Mann machte keine „Spende“, die in einem Reagenzglas verwahrt wurde. Ein richtiger Mann platzierte seinen Samen im Körper einer Frau.

Er hatte einfach nicht sorgfältig genug gesucht, das war alles. In dieser Millionenstadt wartete mit Sicherheit die perfekte Heiratskandidatin auf ihn. Er musste sie nur finden.

An diesem Abend war er zu einer Party eingeladen. Sein Anwalt hatte ein Stadthaus in der East Side gekauft und wollte das feiern. Während Tariq sein Jackett anzog, kam ihm ein Sprichwort in den Sinn: Aller guten Dinge sind drei. Zuerst hatte er in Dubaac nach einer Ehefrau gesucht. Dann im ganzen Staatenbund. Jetzt würde er eben in Amerika fündig werden …

Ab heute würde sich sein Blatt zum Guten wenden.

„Okay, Leute. Wir sind nicht mehr auf Sendung.“

Madison Whitney stand auf, entfernte das kleine schwarze Mikrofon, das an ihrem Revers steckte, und reichte es dem wartenden Toningenieur.

„Madison“, sagte ihr Chef, „Sie haben sich gut geschlagen.“

„Vielen Dank.“

„Exzellent, um genau zu sein.“ Er lachte – ho, ho, ho, wie eine schlechte Imitation des Weihnachtsmannes, dachte Madison. „Was halten Sie davon, wenn wir etwas trinken gehen und die Dinge besprechen?“

Was besprechen?, hätte sie am liebsten geantwortet. Wie du mich am besten ins Bett kriegst, ohne dass deine Frau etwas davon erfährt? Doch ihre Mutter hatte keine dumme Tochter großgezogen, und so lächelte Madison strahlend – so wie sie es bereits die ganze Zeit tat, seit MicroTech FutureBorn übernommen hatte – und erwiderte, dass das ganz wunderbar wäre, doch dass sie leider bereits eine Verabredung hätte.

Sie spürte, wie seine Augen ihr folgten, als sie das Gebäude verließ.

Zwanzig Minuten später schlüpfte sie an einen Tisch in einer ruhigen Bar auf der Lexington Avenue. Zwei Dinge warteten hier auf sie: ein kalter Caipirinha und ihre alte College-Zimmergenossin Barbara Dawson.

Madison seufzte, griff nach dem Cocktail und nahm einen langen, tiefen Schluck. „Dem Himmel sei Dank, dass du bereits bestellt hast. Den habe ich wirklich gebraucht.“

„Gern geschehen“, erwiderte Barb lächelnd und deutete mit dem Kopf zu dem Fernseher über der Bar. „Ich habe die Sendung gesehen. Du versteckst dich immer noch hinter dieser Brille, hm?“

Madison grinste. „Sie verleiht mir einen intellektuellen Touch.“

„Du meinst wohl eher, dass sie dich unberührbar wirken lässt.“

„Wenn’s denn so wäre“, seufzte Madison und nahm einen weiteren Schluck.

„Sag bloß, der alte Lüstling ist immer noch hinter dir her?“

„Ha, wusstest du, dass du mein Date für den heutigen Abend bist?“

„Oh Maddie“, zwitscherte Barb und klimperte heftig mit den Wimpern, „ich wusste ja gar nicht, dass du solche Gefühle für mich hegst.“

„Hey, das wäre eine Idee. Vielleicht wird das meine nächste Ausrede.“ Madison schüttelte den Kopf. „Er ist einfach unmöglich, aber was will man erwarten – schließlich ist er ein Mann.“

„Bist du schon mal auf die Idee gekommen, dass es an der Zeit wäre, nicht jeden Mann für einen verlogenen Mistkerl zu halten, nur weil dein einstiger Verlobter einer war?“

„Nein“, erklärte Madison bestimmt. „Weil sie alle Mistkerle sind. Und das schließt meinen eigenen Vater mit ein, der meine Mutter nur deshalb nicht mehr betrogen hat, weil er gestorben ist. Männer sind alle gleich. Das ist eine Tatsache.“

„Falsch.“

„Richtig. Es gibt keine anständigen Kerle, Barb. Nun, mit Ausnahme deines Freundes, aber Hank ist der letzte auf diesem Planeten.“

„Maddie …“

„Hast du unseren letzten Rundbrief ehemaliger Studenten gelesen?“

Barb schaute düster drein. Sie wusste ganz genau, was jetzt kam. „Nein.“

„Erinnerst du dich noch an Sue Hutton? Die ein Jahr nach uns den Abschluss gemacht hat? Geschieden. Sally Weinberg? Geschieden. Beverly Giovanni? Geschieden. Beryl Edmunds? Ge…“

„Okay, okay. die Nachricht ist angekommen, aber das heißt nicht, dass …“

„Doch, das heißt es.“ Madison trank einen weiteren Schluck ihres Cocktails. „Ich werde nicht heiraten, Barb. Niemals!“ „Kein Ehemann? Keine Familie? Keine Kinder?“ Madison zögerte. „Kein Ehemann bedeutet nicht zwangsläufig keine Kinder. Genau genommen … genau genommen, möchte ich Kinder. Sehr sogar.“ Wieder eine Pause. „Aber ich will keinen Ehemann, der mir in die Quere kommt.“

Barb hob eine Augenbraue. „Und wie genau willst du das anstellen?“

Okay, dachte Madison, jetzt ist der Zeitpunkt.

„Künstliche Befruchtung“, erklärte sie, und wenn sie nicht so nervös gewesen wäre, weil sie zum ersten Mal offen über ihre Pläne sprach, dann hätte sie über Barbs entsetzten Gesichtsausdruck gelacht. „Du wirkst überrascht?“

„Das kann man wohl sagen.“

„Nun, ich weiß eine Menge über künstliche Befruchtung. Es ist sicher, zuverlässig – und es bedeutet, dass eine Frau zwar eine gewisse Menge Sperma braucht, nicht aber den Mann, der dieses Sperma geliefert hat.“

Barb warf ihr einen langen Blick zu, dann sagte sie schließlich: „Madison, darf ich ganz offen sein?“

„Natürlich. Wir sind Freundinnen.“

„Hast du dir das wirklich gründlich überlegt? Ich meine, hast du dir die Frage gestellt, warum du ein Kind willst? Könnte es sein, dass du damit deine eigene Kindheit ungeschehen machen willst? Indem du die Fehler deiner Mutter auslöschst? Oh Himmel“, stöhnte sie, als Madisons Lächeln verschwand. „Maddie, ich wollte nicht …“

„Nein, ist schon in Ordnung. Du hast ja gesagt, dass du ganz offen bist. Und das werde ich auch sein.“ Madison beugte sich vor. „Meine Mutter war in jeder Hinsicht von den Männern abhängig, die sie geheiratet hat. So wollte ich nie sein. Ich war immer fest entschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen. Mich auf niemanden stützen zu müssen. Es war wichtig, dass ich gute Leistungen in der Schule erbrachte, dass ich studiert habe und die Karriereleiter raufgeklettert bin.“

„Honey, du musst mir nichts erkl…“

Madison griff über den Tisch hinweg nach Barbaras Hand. „Ich war mir sicher, dass ich niemals eine Ehe oder Kinder haben wollte, all dieses Zeug.“ Sie zögerte. Als sie weitersprach, klang ihre Stimme ganz weich. „Dann, eines Tages, habe ich mich umgeschaut und festgestellt, dass ich alles erreicht hatte. Der Collegeabschluss. Mein Master in BWL. Der großartige Job. Das Apartment in Manhattan … Nur etwas hat gefehlt. Etwas, das ich nicht benennen konnte.“

„Siehst du? Ich habe recht, Maddie. Ein Mann, den du lieben und …“

„Ein Kind.“ Madison lächelte schnell, um verdächtige Tränen in ihren Augen zu vertreiben. „In meinem Büro hängt ein tausend Dollar teurer Picasso-Druck.

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