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Küss mich, geliebter Schuft!

Trish Wylie

Küss mich, geliebter Schuft

 

 

 

 

 

 

1. KAPITEL

Shannon Hennessey verspürte ein unwiderstehliches Verlangen nach Kaffee. So wie jeden Morgen um diese Zeit. Mit anderen Worten, es musste ziemlich genau elf Uhr sein.

Als sich die Haustür mit dem vertrauten Quietschen öffnete, blickte sie in der Erwartung, ein bekanntes freundliches Gesicht zu sehen, mit einem strahlenden Lächeln auf – und ihr Herz blieb fast stehen.

Konnte er es wirklich sein?

Selbstbewusst betrat er die Eingangshalle und blickte mit seinen dunklen Augen geradewegs in Shannons grüne. Als sie schluckte, begann in ihrem Kopf plötzlich der Soulsänger Barry White zu singen.

Connor Flannaghan ließ den Blick kurz umherwandern, dann sah er sie wieder an.

Er ist es wirklich, dachte Shannon und spürte, wie ihr Mund trocken wurde.

„Hi“, brachte sie heraus und verfluchte sich innerlich für diese wenig originelle Begrüßung. Aber was sollte sie auch sagen? Auf dieses unerwartete Zusammentreffen war sie überhaupt nicht vorbereitet – ausgerechnet jetzt, da sie ihr Leben langsam in den Griff bekam. Außerdem hieß es doch: Auf sieben schlechte Jahre folgen sieben gute. Demzufolge war jetzt die gute Zeit.

Während Shannon sich unruhig eine widerspenstige blonde Korkenzieherlocke hinters Ohr schob, beobachtete sie mit zusammengekniffenen Augen Connor, der auf sie zukam. Wie um alles in der Welt schaffte er es nach all dieser Zeit, noch immer so gut auszusehen? Hätte er nicht wenigstens einen Bauch oder Geheimratsecken bekommen können? Irgendetwas?

Ja, irgendetwas, das jenes vertraute Sehnen verhindert hätte. Schon wurden die alten Erinnerungen in ihr wieder wach. Verdammt, dachte sie. Connor Flannaghan war schon immer auf eine fast unverschämte Art und Weise unwiderstehlich gewesen.

Während Barry White unverdrossen in ihrem Kopf weitersang, fühlte sich Shannon von Connors durchdringendem Blick wie hypnotisiert.

Als er näherkam, bemerkte sie, dass er amüsiert wirkte. Sogar sein Gang drückte jene Arroganz und Selbstsicherheit aus, hinter der mehr steckte als nur körperliche Überlegenheit – über die der einen Meter achtzig große Connor mit seinen langen Beinen, den breiten Schultern und den geschmeidigen Bewegungen allerdings auch verfügte. Doch das allein war es nicht. Vermutlich wusste er, dass Barry White in seiner Gegenwart in den Köpfen sämtlicher Frauen zu singen begann.

Weniger als eine Armlänge von ihr entfernt blieb er stehen. Langsam breitete sich ein sehr sexy wirkendes Lächeln auf seinem Gesicht aus, als er den witzigen Spruch auf ihrem T-Shirt las. Das hatte unweigerlich zur Folge, dass er ihre Brüste betrachtete.

Shannon räusperte sich und deutete mit einer Handbewegung nach oben. „Connor, meine Augen sind hier.“

Er lachte ein sehr tiefes, maskulines Lachen und hob die dichten dunklen Wimpern. „Hallo, Shannon.“

Noch immer konnte er ihren Namen auf diese Art sagen. Doch um keinen Preis würde Shannon sich wieder davon verzaubern lassen. Sollte er doch ihren Namen auf diese Art sagen, sooft er wollte. Sie war über ihn hinweg.

Mit aller Macht brachte sie Barry White zum Schweigen und fragte dann: „Was verschlägt dich nach Galway?“ Mühsam rang sie sich ein Lächeln ab, während ihr Herz weiter heftig schlug.

„Ich bin geschäftlich hier.“ Connors tiefe Stimme klang ausdruckslos. „Mir gehört dieses Gebäude“, fügte er nach einer kurzen Pause hinzu.

Shannon lachte. „Nein“, entgegnete sie. „Es gehört Devenish Enterprises. Netter Versuch, Connor.“

Connor, der immer für einen Scherz gut gewesen war, erwiderte: „Ich bin Devenish Enterprises.“

„Nein. Das Unternehmen gehört dem millionenschweren Bauunternehmer Frank McMahon, der Gebäude im ganzen Land besitzt. Oder hast du im Lotto gewonnen?“

Connor lächelte und wechselte das Thema. „Hast du noch Kontakt zu meiner Schwester?“

„Ja, Tess und ich schreiben uns ab und zu E-Mails und telefonieren manchmal miteinander. Deswegen hätte ich wohl auch erfahren, wenn du plötzlich über Nacht reich geworden wärst“, antwortete Shannon. „Also, jetzt mal im Ernst: Warum bist du wirklich hier?“

Ganz sicher nicht meinetwegen, dachte sie. Denn sie hatte ihr halbes Leben lang darauf gewartet, dass er sie überhaupt wahrnehmen würde – bis sie die Dinge schließlich selbst in die Hand genommen hatte … und vom Schicksal dafür bestraft worden war.

„Hattet ihr in letzter Zeit Kontakt?“ Connor warf ihr einen kurzen Blick zu und begann dann, im Foyer umherzustreifen. Er überflog die Informationen an der Pinnwand, bevor er den Blick wieder zu Shannon gleiten ließ.

Es brachte sie ein wenig durcheinander, wie er sich gegen einen Tisch lehnte und gelassen die Arme vor der breiten Brust verschränkte. Doch Shannon gab sich einen Ruck und überlegte, wann sie das letzte Mal von ihrer Jugendfreundin gehört hatte.

In den vergangenen Monaten war sie damit beschäftigt gewesen, sich einzurichten. Dabei hatte sie, damit alles glatt laufen würde, so viel gearbeitet, dass ihr Privatleben auf der Strecke geblieben war. Es war also vermutlich eine ganze Weile her, dass sie mit ihrer Freundin gesprochen hatte.

„Ist irgendetwas passiert, das ich wissen sollte?“, fragte sie.

Ob es nun ihr ehrlich besorgter Tonfall war oder die Frage selbst – etwas an Connors durchdringendem Blick änderte sich. Als er den Kopf zur Seite wandte, sah sie, wie er angespannt den Mund zusammenpresste. Irgendetwas war nicht in Ordnung.

„Connor?“ Shannon musste sich regelrecht dazu zwingen, sich ihm nicht weiter zu nähern. Dazu hatte sie nach den sieben Jahren, die sie getrennt voneinander verbracht hatten, nicht das Recht. Außerdem war in dieser Zeit so viel geschehen, das Shannon zu einem anderen Menschen gemacht hatte. Und nur weil Connor Flannaghan plötzlich wieder in ihrem Leben aufgetaucht war, würde sie sich ihm sicher nicht noch einmal an den Hals werfen – so atemberaubend gut er auch aussehen mochte.

Als Connor tief durchatmete, hoben und senkten sich seine breiten Schultern. Doch statt Shannon eine Antwort zu geben, ließ er die Arme sinken, richtete sich auf und schob die Hände in die Hosentaschen. Erneut begann er ruhelos im Raum umherzustreifen. Seine geschmeidigen Bewegungen erinnerten dabei an die einer Raubkatze. Shannon spürte, wie sie unwillkürlich und sehr heftig auf diese männliche Ausstrahlung reagierte.

„Du arbeitest also hier?“, fragte Connor. „Und welchen Kurs gibst du – Aerobic für Senioren, Tolles Töpfern oder Yummy-Mummy-Yoga?“

„Ich habe das gesamte Gebäude angemietet“, erwiderte Shannon. „Die beiden unteren Stockwerke nutzen verschiedene Gruppen, im obersten wohne ich. Wenn du dich für einen der Kurse interessierst, kann ich dich gerne anmelden.“ Sie musste lächeln, als Connors Augen amüsiert funkelten. „Solltest du allerdings tatsächlich der neue Besitzer von Devenish sein und vorhaben, die Miete zu erhöhen, dann müssten wir uns einmal über notwendige Renovierungsarbeiten unterhalten.“

„So verlockend das Yummy-Mummy-Yoga auch klingt, für so etwas habe ich keine Zeit. Und über Renovierungsarbeiten brauchen wir gar nicht erst zu reden, denn ich werde das Gebäude verkaufen.“

Shannon stockte der Atem. „Was?“

Als Connor nur die Achseln zuckte, fiel ihr plötzlich auf, wie er gekleidet war. Noch nie zuvor hatte sie ihn im Anzug gesehen, geschweige denn in einem, der wie dieses maßgeschneiderte Exemplar sicher mehr gekostet hatte, als sie monatlich an Miete bezahlte. Connor sah darin einfach perfekt aus. Das tat er jedoch auch ganz ohne etwas am Leib, wie Shannon noch sehr genau wusste. Sie schluckte.

Der teure Anzug überzeugte sie letztendlich davon, dass es wohl tatsächlich stimmte, was Connor sagte. Früher hatte er immer Jeans und T-Shirt getragen. Angesichts seiner Fähigkeit, mithilfe seines Charmes, seines guten Aussehens und seines scharfen Verstands geradezu durchs Leben zu segeln, hatte er es auch gar nicht nötig gehabt, mit einem edlen Outfit Eindruck zu schinden.

Im Anzug sah er nicht nur atemberaubend gut aus, sondern strahlte auch Autorität und Macht aus. Und wenn Devenish Enterprises wirklich ihm gehörte, musste er Millionär sein. Doch sollte ihn der Reichtum rücksichtslos gemacht haben – dann passte das nicht zu dem Connor Flannaghan, den Shannon von früher kannte.

Wie dem auch sei, er war jedenfalls nicht mehr der Connor, den sie einmal geliebt hatte. Die Erinnerung an diese Episode in ihrem Leben, die so unglücklich geendet hatte, rief wieder einmal jenen vertrauten Schmerz in Shannon wach.

„Du bist also über Nacht zum Millionär geworden?“, fragte sie.

„Ja, das kann vorkommen.“

Shannon schnaubte. „Natürlich. Du glaubst gar nicht, wie viele Millionäre mich hier täglich besuchen und wie viele Kleider von Dior ich schon geschenkt bekommen habe.“

Connor seufzte ungeduldig. „Es ist doch gleichgültig, wie es dazu gekommen ist. Ich bin der neue Besitzer, und das Gebäude wird verkauft. Deshalb bin ich hier.“

Langsam wurde Shannon die Tragweite seiner Worte bewusst. „Es wird einfach so verkauft, und wir müssen es ohne Vorankündigung verlassen? Wird sofort geräumt, oder dürfen wir noch packen?“

Ohne auf ihre sarkastische Frage einzugehen, erwiderte Connor in einem ihr völlig fremden geschäftsmäßigen Ton: „Ich möchte mir für den Ruhestand ein finanzielles Polster zulegen und reduziere deshalb die Anzahl der Immobilien im Firmenbesitz und …“

„Na, super!“, fiel Shannon ihm ironisch ins Wort.

Connor zog eine seiner dunklen Augenbrauen hoch. „Ist das ein Problem?“

„Nein, warum sollte es? Du kommst hier einfach so hereinspaziert, setzt mich innerhalb weniger Minuten davon in Kenntnis, dass du jetzt ein wichtiger Geschäftsmann und Immobilienbesitzer bist und ich sowohl mein Zuhause als auch meine Lebensgrundlage verlieren werde. Warum sollte das ein Problem sein?“

„Ich werde dir natürlich ein anderes Gebäude als Ersatz beschaffen.“

„Wie überaus großzügig von dir.“

Connor blieb stehen und lächelte sie amüsiert an. „Es ist doch wirklich keine große Sache, Shannon.“

Doch da täuschte er sich. Das Gebäude und die kleine Gemeinschaft, die sich darin gebildet hatte, waren Shannons ganzes Leben. Zum ersten Mal hatte sie seit dem Tod ihrer Großmutter wieder so etwas wie ein Zuhause – und sogar einen bunten Haufen von Menschen, den sie als eine Art Familie betrachtete. Und jetzt wollte Mr. Millionär ihr das alles einfach wegnehmen?

Trotzig hob sie das Kinn und sagte: „Doch, für mich ist es eine große Sache. Und der Connor, den ich früher kannte, hätte sich die Zeit genommen, dies herauszufinden.“

„Warum bedeutet es dir so viel?“ Ohne den Blick von ihr zu wenden, wies er mit der Hand um sich. „Es ist doch nur ein altes, heruntergekommenes und noch dazu ziemlich hässliches Gebäude. Ich suche dir gern Ersatz, das bin ich dir schuldig.“

Shannon hatte gerade ihr Haus verteidigen wollen, das im neugotischen Stil erbaut worden war, doch Connors letzter Satz ließ sie erbleichen. „Du bist es mir schuldig? Was meinst du damit?“

Wieder zuckte er die Schultern. „Wir kennen uns persönlich, und ich bin wegen unserer gemeinsamen Geschichte bereit, Zugeständnisse zu machen.“

Shannon blickte ihn starr an und suchte nach passenden Worten. Um nichts in der Welt wollte sie ihre wahren Gefühle preisgeben.

Connor lachte leise. „Warum siehst du mich denn so komisch an?“

Sie gab sich einen Ruck, schüttelte den Kopf und wandte sich ab, um den Terminplaner aufzuschlagen. Sie hoffte inständig, dass Connor nicht das gemeint hatte, was sie vermutete.

„Ich schlage vor, du gehst jetzt und kommst noch einmal wieder, damit wir dieses Gespräch noch einmal von vorne beginnen können. Mir kommt das alles nämlich reichlich unwirklich vor, und außerdem kann ich nicht klar denken, bevor ich nicht meine zweite Tasse Kaffee getrunken habe.“

Während der nächsten Minuten war nur das Geräusch des Bleistifts zu hören, mit dem Shannon auf den Empfangstresen klopfte. Sie brauchte diese kurze Verschnaufpause dringend, in der sie Connor nicht ansehen musste und sich von der Panik erholen konnte, die die Worte „gemeinsame Geschichte“ in ihr ausgelöst hatten.

Als Connor sie plötzlich berührte, wandte Shannon sich um und entzog ihm ihren Arm so abrupt, dass sie mit dem Ellenbogen heftig gegen den hölzernen Tresen stieß.

„Mist!“

„Lass mich mal sehen“, forderte Connor sie auf, doch Shannon wich ihm aus.

„Nein. Geh endlich, Connor!“

Er seufzte. „Seit wann bist du denn so ein furchtbarer Dickkopf?“

„Vielleicht seit du plötzlich Millionär geworden bist?“, gab sie zurück.

Da sie sich um keinen Preis von ihm helfen lassen wollte, verschränkte Connor wieder die Arme vor der Brust. „Bist du langsam fertig mit deinem kleinen Wutanfall?“, fragte er gereizt und blickte auf die Uhr. „Ich habe nämlich in einer halben Stunde den nächsten Termin.“

Gerade wollte Shannon etwas Ironisches darauf erwidern, als er sich ihr näherte. Im nächsten Moment stand sie wie gefangen zwischen seinem muskulösen Körper und dem Empfangstresen.

Bei Connors nächsten Worten klang seine Stimme tiefer, leiser und deutlich entschlossener. Unwillkürlich fragte Shannon sich, ob er schon immer eine so faszinierende, zutiefst männliche Ausstrahlung gehabt hatte.

„Ich hätte dir auch einfach ein Schreiben schicken können, Shannon. Aber als ich deinen Namen im Mietvertrag sah, habe ich beschlossen, persönlich herzukommen und mit dir zu reden – aus Respekt. Der Verkauf dieses Gebäudes ist nichts Persönliches, sondern eine rein geschäftliche Angelegenheit. Und ich werde dafür sorgen, dass du als Ersatz ein anderes Gebäude bekommst, indem du all diese kleinen, netten Kurse anbieten kannst.“

Shannon runzelte die Stirn und wollte gegen seine herablassende Art protestieren, doch Connor ließ sich nicht unterbrechen.

„Ob du es glaubst oder nicht, ich bin nicht hergekommen, um mich mit dir zu streiten, sondern weil ich dich sehen wollte.“

Shannon machte große Augen. „Warum?“

Ein sinnliches Lächeln breitete sich langsam auf Connors Gesicht aus. Und was auch immer sich in den vergangenen sieben Jahren geändert haben mochte – dieses Lächeln kannte Shannon: Connor versuchte, sie mit seinem Charme zu betören. Sieben Jahre zu spät.

„Ich wollte immer wissen, warum du damals einfach gegangen bist, ohne dich zu verabschieden.“ Bedächtig ließ Connor den Blick über ihr Gesicht gleiten, bis dieser schließlich auf ihrem Mund ruhte. Unwillkürlich ließ Shannon nervös die Zungenspitze über die trockenen Lippen gleiten.

„Nach dem, was zwischen uns passiert war, hätte ich erwartet, dass du zumindest kurz Tschüss sagst, bevor du das Land fluchtartig verlässt.“

Shannon schluckte. „Nach dem, was zwischen uns passiert ist?“, wiederholte sie.

Connor blickte ihr in die Augen und sagte leise: „Ist es dir so leicht gefallen, das zu vergessen? Ich dachte, das erste Mal sei immer ein unvergessliches Erlebnis?“

Shannon stockte der Atem. Oh nein, dachte sie mit klopfendem Herzen.

„Du wusstest, dass ich es bin?“

Als er lachte, vertieften sich die Grübchen in seinen Wangen. „Natürlich. Das war dir doch klar. Oder hast du etwa geglaubt, ich hätte dich in der Verkleidung an jenem Abend nicht erkannt?“

Trotz ihres noch immer schmerzenden Ellenbogens stieß Shannon mit beiden Armen heftig gegen Connors Oberkörper. Sie war erfüllt von einem Gefühl der Demütigung und dem starken Drang, so weit weg wie möglich von ihm zu kommen. „Lass mich in Ruhe!“

Als sie den Raum bereits halb durchquert hatte, sagte Connor: „Wir haben noch nicht abschließend über dieses und das neue Gebäude gesprochen.“

Shannon lachte ironisch. „Da gibt es nichts weiter zu besprechen. Ich habe einen Mietvertrag mit langer Laufzeit und werde nirgendwo anders hinziehen.“

„Der Verkauf ist bereits beschlossene Sache, und das Rechtliche wird in sechs Wochen durch sein. Mit anderen Worten, du hast keine Wahl“, entgegnete Connor. „Und es ist gut möglich, dass der neue Besitzer weniger rücksichtsvoll ist als ich. Es sei denn, mit ihm verbindet dich auch eine gemeinsame Geschichte.“

Verdammter

Mit wütender Entschlossenheit wandte Shannon sich um. Sie war nicht mehr der naive Teenager von damals, und es war an der Zeit, dass Connor das begriff.

„Oh doch, ich habe eine Wahl, und ich werde mich wehren, wenn es sein muss. Für mich ist dieses Gebäude nämlich nicht nur eine alte Ruine. Aber das wirst du wohl nie verstehen. Genauso wenig, wie du begreifen würdest, wie mies es war, diese Sache von vor sieben Jahren anzusprechen. Eines kannst du mir glauben: Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich vieles ganz anders machen.“

Schlagartig hörte Connor auf zu lächeln. „Auch das, was zwischen uns beiden passiert ist?“

Die tiefe Wunde, die in Shannons Innerem noch immer nicht verheilt war, ließ sie sofort antworten: „Vor allem das, was zwischen uns passiert ist. Ich hätte es verhindert“, fügte sie hinzu und musterte ihn kühl.

Plötzlich schien die Luft im Raum geradezu arktisch kalt zu sein.

„Das beantwortet dann ja wohl alle weiteren Fragen“, stellte Connor ironisch lächelnd fest. „Also gut. In den nächsten Tagen wirst du eine schriftliche Bestätigung des Verkaufs sowie eine Liste alternativer Gebäude erhalten.“

„Die Mühe kannst du dir sparen. Ich werde nicht ausziehen.“

„Gut, wie du willst“, sagte Connor nur und ging hinaus.

Nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, stand Shannon innerlich aufgewühlt noch eine Weile unbeweglich da.

Connor Flannaghan.

Doch als ihr heftig klopfendes Herz sich langsam wieder beruhigte, wurde ihr wieder bewusst, worum es bei Connors Besuch gegangen war.

Ich muss ihn davon abhalten, das Haus zu verkaufen, dachte Shannon. Sie würde um den Ort kämpfen, den sie nun als ihr Zuhause betrachtete.

Connor Flannaghan musste sich auf einiges gefasst machen.

2. KAPITEL

Wie um alles in der Welt hatte er nur glauben können, ein Wiedersehen mit Shannon Hennessey sei eine gute Idee?

Das fragte Connor sich noch immer, nachdem er bei drei Besprechungen gewesen war, fünf weitere Gebäude besichtigt hatte und sich am Abend in Galways bestem Hotel ungeduldig die Krawatte abstreifte.

Unruhig ging er in der großen Suite hin und her. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Shannons Name in dem Mietvertrag stehen würde. Sicher auch aus Neugier hatte er beschlossen, persönlich hinzufahren, anstatt wie sonst seinen Agenten zu schicken.

Es hatte eine Zeit in seinem Leben gegeben, in der Shannons Gegenwart für ihn zum Alltag gehörte. Sie war praktisch immer da, wenn auch nur im Hintergrund. Anfangs schüchtern und zurückhaltend, dann witzig, entzückend und intelligent – das sprichwörtliche Mädchen von nebenan. Dann hatte er plötzlich bemerkt, dass sie erwachsen wurde, über alles mit ihm zu „diskutieren“ begann, flirtete und ihn herausforderte – und die so harmlos begonnene Freundschaft immer intimer wurde. Bis er eines Nachts zugelassen hatte, dass sie ihr riskantes Spiel bis zum logischen Schluss führte.

Doch jetzt erinnerte nichts mehr an den Teenager oder die unschuldige Jungfrau von damals. Nur eine erwachsene Frau konnte einen Mann so anblicken, wie Shannon es diesen Nachmittag getan hatte. Dabei hatten sich ihre verführerischen grünen Augen in einen tiefen Smaragdton verdunkelt, sodass ihm ganz heiß geworden war. Dieser Blick und die Art, wie sie ihre Zunge über die sinnlichen Lippen gleiten ließ, hatten genügt: Sofort waren bei ihm ein Dutzend Erinnerungen aus jener gemeinsamen Nacht wachgeworden. Während sämtlicher Termine hatte er ihre Stimme im Kopf, ihr Gesicht vor Augen – einschließlich dieser widerspenstigen Locke, die sich immer wieder aus ihrem Haar gelöst hatte. Und dass sie jene sinnliche Nacht vor sieben Jahren bereute, hatte ihn wütend und verdrießlich gemacht.

Noch immer ging Connor in seiner Hotelsuite mit derselben Rastlosigkeit hin und her, die er schon seit Wochen verspürte und die leicht zu erklären war. Durch das Wiedersehen mit Shannon war nun alles noch komplizierter geworden.

Dennoch war er direkt zu ihr gefahren und hatte das Gespräch auf die lange zurückliegende gemeinsame Nacht gebracht. Das war sicher nicht sehr gut durchdacht gewesen. Ebenso wenig wie Shannons abweisende Reaktion. Jetzt, da sie von seiner Gunst abhängig war, hätte sie sich dafür keinen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können.

Das Klingeln seines Handys riss Connor aus seinen Gedanken. Doch als er sah, wer der Anrufer war, ging er nicht ran. Er war noch nicht bereit, mit Rory zu sprechen. Stattdessen beschloss er, sich in einer gut besuchten Kneipe einen Drink zu genehmigen, wo ihn niemand kannte und wo es genug hübsche Frauen gab, die ihn ablenken würden.

Doch in der nächsten Bar stieß er ausgerechnet wieder auf Shannon, die dort auf einer kleinen Tanzfläche mit einem Mann tanzte, der nach Connors Geschmack eindeutig zu „hübsch“ war. Ob das der Typ Mann war, den sie jetzt attraktiv fand? Eigentlich hatte er sie nicht als Frau in Erinnerung, die auf sehr modebewusste Männer stand. Andererseits erinnerte die Art, wie sie ihre aufreizenden Rundungen an ihren Tanzpartner schmiegte, auch nicht gerade an das Nachbarsmädchen von damals.

Connor stützte den Ellenbogen auf den polierten Tresen und bestellte sich etwas zu trinken. Dann wandte er sich wieder um und beobachtete Shannon. Wenn sie sich weiter so bewegte, dann würde bald jeder Mann im Raum sie anstarren. Ob ihr Tanzpartner, dieser Schönling, sie gegen aufdringliche Kerle verteidigen würde? Auf Connor wirkte er nicht so.

Zugegebenermaßen hatte es in seinem Leben eine Zeit gegeben, in der ihm Frauen gefallen hatten, die ihre Sinnlichkeit so unverblümt zur Schau stellten. Doch er stellte fest, dass ihm so ein Verhalten bei Shannon missfiel. Ebenso gut hätte sie mit einem roten Tuch vor einem wilden Stier herumwedeln können. Connor beschloss herauszufinden, wie der „Schönling“ mit Konkurrenz umgehen würde.

In diesem Moment schlang Shannons Tanzpartner ihr den Arm um die Taille, wobei er die Hand auf ihre bloße Haut legte, die zwischen ihrem kurzen schwarzen Oberteil und der engen Jeans hervorblitzte. Shannon schmiegte sich mit dem Becken an ihn. Ihre Bewegungen wären außerhalb der Tanzfläche sehr eindeutig gewesen …

Connor konnte den Blick nicht von ihr lassen, er war schließlich ein Mann. Doch im Gegensatz zu all den anderen männlichen Gästen der Bar wusste er mehr von ihr. Er kannte das Gefühl, wenn sich Shannon mit dem ganzen Körper eng an ihn schmiegte, wie es war, tief in sie einzudringen, während sie ...

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