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Kreuzgangspiele Feuchtwangen

Vorwort

Die Kreuzgangspiele können auf siebzig Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken. Heute sind sie größer, schöner und niveauvoller denn je. Bis zu 50.000 ZuschauerInnen besuchen jedes Jahr die Aufführungen. Feuchtwangen gehört zu den traditionsreichen Festspielorten im deutschsprachigen Raum und ist Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft „Zehn deutsche Festspielorte, die sich zum Ziel setzt, anspruchsvolle Inszenierungen zu bieten, bei denen das Ambiente des Ortes selbst Teil der Inszenierung wird.

Die Besonderheit dieses Freilichttheaters ist sein kammerspielartiger Charakter. Der Theaterraum liegt im ehemaligen Klostergarten und ist umrahmt vom Kreuzgang mit Blick auf die imposante Fassade der Stiftskirche. Die Bühne liegt im Nordteil des in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbauten romanischen Kreuzganges mit seinen Arkaden und den beiden mittig angeordneten alten Kornelkirschbäumen. 819 wurde das Benediktinerkloster erstmals urkundlich erwähnt. Im Klostergarten, den der Kreuzgang umschließt, wurden Heilkräuter und Gemüse angepflanzt, er diente aber auch als Grabstätte für Angehörige des Klosters und dessen Wohltäter. Der Kreuzgang selbst war für die Mönche ein Ort der Einkehr, des Gebets und der Lektüre der Heiligen Schrift. Novizen erhielten hier ihren Unterricht, aber es wurde dort auch Wäsche gewaschen und nötige Reparaturen durchgeführt. Spätestens 1197 wurde das Kloster aufgelöst und in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt. Damit verlor der Kreuzgang seine sakrale Bedeutung, denn die Chorherren lebten nicht in klösterlicher Gemeinschaft, sondern in eigenen Häusern nahe der Stiftskirche. Nach dem Tod des letzten Kanonikers wurde 1563 das Chorherrenstift aufgelöst und von Markgraf Georg Friedrich eingezogen. Der Protestantismus hatte sich schon in den 1530er Jahren in der Region durchgesetzt.

Bis Anfang der 1930er Jahre war der gesamte Innenhof des Kreuzganges bis zum Beginn der Arkadenbögen mit Erde aufgefüllt und diente den Anwohnern, die im Haus des jetzigen Kulturamtes wohnten, als Gemüsegarten und Hühnerstall. Bei der Renovierung wurde die Erde ausgehoben, alles ebenerdig gemacht und die zum Teil mit Eisenstäben versehenen und völlig zugemauerten Kreuzgangbögen freigelegt und erneuert.

1949 wurde der Grundstein der Freilichtfestspiele in Feuchtwangen mit 16 Aufführungen der „Gretchentragödie gelegt. Zu verdanken haben wir das dem Dreigespann Otto Schäfer, Leiter des Volksbildungswerkes im Landkreis Feuchtwangen, dem Landrat Paul Keim und dem Regisseur und Schauspieler Otto Kindler. Die Zuschauer saßen damals auf einfachen Holzbänken und gespielt wurde ebenerdig, eine Bühne gab es noch nicht. Die erste Tribüne für 585 Zuschauer wurde 1969 gebaut. 2010 wurde sie erneuert und mit 511 gepolsterten Sitzen versehen. Der erste Intendant der Kreuzgangspiele war Karlheinz Komm von 1975–1979. Dieser erweiterte den Umfang der Kreuzgangspiele um eine große Kindertheater-Inszenierung. Ihm folgte von 1979–1988 Joachim Fontheim, der die Kreuzgangbühne für Shakespeare entdeckte. 1989–1993 leitete Imo Moszkowicz die Festspiele, ihm folgten Lis Verhoeven (1994–2000), Heinz Trixner (2001–2005) und Johannes Reitmeier (2006–2008). Seit 2009 ist Johannes Kaetzler Intendant und hat die Kreuzgangspiele um vieles bereichert. Er erweiterte die von Heinz Trixner ins Leben gerufene Reihe „Kreuzgangspiele extra, für außergewöhnliche Produktionen einzelner SchauspielerInnen oder auch des gesamten Ensembles. Im ‚Nixelgarten‘ wurde 2009 eine kleine Bühne geschaffen, auf der ein Theaterstück für Kleinkinder und eines für Jugendliche gespielt wird. 2018/19 wurde dieser komplett umgebaut und eine wunderschöne Außenspielstätte sowie im Inneren der angrenzenden Scheune eine Bühne und ein Zuschauerraum geschaffen.

Die Liste berühmter Schauspielerinnen und Schauspieler, die hier aufgetreten sind, ist lang: Hans Clarin, Gudrun Landgrebe, Bruni Löbel, Inge Meysel, Hans Korte, Friedhelm Ptok, Hartmut Reck, Ellen Schwiers, Thekla Carola Wied, Rosel Zech, Ulrich Matthes, Markus Majowski, Thomas Huber, Rainer Basedow, Jasmin Wagner und Horst Janson. Alexander Golling und Jörg Hube profilierten sich hier erstmals als Regisseur.

Ein Theaterbesuch in Feuchtwangen ist ein wunderbares Erlebnis. Für den Erfolg ist aber nicht nur das Spiel auf der Bühne entscheidend, sondern auch das „Dahinter. Nur in guter Zusammenarbeit aller Fachbereiche wird eine Produktion erfolgreich. Ich möchte Sie nun einladen, mit mir einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Wie entsteht eine Theaterproduktion? Wer macht wann was? Daran möchte ich Sie am Beispiel der Kreuzgangspiele mit ihren besonderen Herausforderungen teilhaben lassen und in unterhaltsamer Weise Informationen mit lustigen Begebenheiten und einigen Pannen würzen. Außergewöhnliche Bilder gewähren zusätzlich einen besonderen Einblick.

Ich wünsche Ihnen vergnügliche und informative Lesestunden.

Claudia Hinderer

Mai 2019

Inhalt

Intendant

Johannes Kaetzler

Dramaturgin, Leiterin des

 

Kulturamtes

Dr. Maria Wüstenhagen

Leiter des künstlerischen

 

Betriebsbüros, Inspizient

Daniel Asofiei

Regisseur

Yves Jansen

Regieassistentin

Sabine Bolenius

Bühnen- und Kostümbildner

Werner Brenner

Gewandmeisterin

Marion Schultheiss

Maskenbildner

Manfred Massler

Technik

Max Kraft

Künstlerischer Maler,

 

Requisiten

Elmar Sölle

Musikalischer Leiter

Bernd Meyer

Choreograf

Emanuele Soavi

Schauspieler

Wolfgang Beigel

 

Clara Cüppers

 

Lennart Matthiesen

 

Alexander Schellworth

 

Ulrich Westermann

Bühnenbau

Mitarbeiter des Bauhofes

Hausmeister

Werner Ehrmann

Ext. Dienstleister,

 

Sicherheitsdienst

Carsten Köpke

Café am Kreuzgang

Fritz Karg

Johannes Kaetzler Foto: J. Reichart

 

Johannes Kaetzler

Intendant und Regisseur

Als Festspielintendant darf man kein „Schönwetterkapitän sein. Die Entscheidung, ob eine Vorstellung bei schlechter Wetterlage später anfängt, unter – oder abgebrochen wird oder in die Stadthalle ‘Kasten’ verlegt wird, treffe ich gemeinsam mit dem – im Vergleich zu anderen Festspielorten – sehr kleinen, aber effizienten Leitungsteam, bestehend aus der Leiterin des Kulturamts, Dr. Maria Wüstenhagen, dem Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, Daniel Asofiei, meiner jeweiligen Vertretung und mir. Wir ziehen alle an einem Strang, da arbeitet keine und keiner gegen die oder den anderen.

Die Spielzeit 2017 war eine Ausnahmespielzeit. Das kann man nicht jedes Jahr machen. „Luther war ein Experiment und ich wusste, das funktioniert nur, wenn man ein großes Stück daraus macht – daher engagierten wir siebzehn Schauspielerinnen und Schauspieler dafür. Natürlich brauchten wir ein zweites Stück, bei dem ich mir sicher sein konnte, dass es das Publikum anziehen wird. Wir entschieden uns für das Musical „Kiss me, Kate. Jetzt waren wir in der Pflicht, zwei teure, große Produktionen parallel zu machen, ohne von der Stadt zusätzliche Mittel bewilligt zu bekommen. Die Mehrkosten mussten über die Einnahmen ausgeglichen werden.

Von der Stadt ist mir ein finanzieller Rahmen von 1 – 1,3 Millionen Euro vorgegeben. Als sparsamer Schwabe versuche ich natürlich, diesen Rahmen strikt einzuhalten. Es ist aber durchaus möglich, hunderttausend Euro „Schulden in die nächste Spielzeit mitzunehmen und diese mit entsprechend günstigeren Produktionen und hoffentlich hohen Zuschauerzahlen abzuarbeiten. Ein anspruchsvolles Stück, das unsere Kreuzgangspiele künstlerisch nachhaltig stabilisiert, aber nicht unbedingt viele ZuschauerInnen anzieht, versuche ich mit einem zweiten Stück auszugleichen, das hoffentlich ein „Publikumsrenner wird.

Was natürlich sehr, sehr teuer ist, ist ein Musical. Dazu brauchen wir gute MusikerInnen und die kosten ihren Preis. Auch wenn jede Vorstellung ausverkauft ist, wird es finanziell eng. Durch den abendlichen Kassensturz weiß ich aber immer ganz genau, wie viel wir eingenommen haben. Und was noch ausgegeben werden darf.

Wenn wir das Drehbuch eines Filmes für eine Dramatisierung haben wollen, sind Tantiemen fällig, und ich muss jemanden engagieren, der die Bühnenfassung schreibt. Beides treibt die Kosten in die Höhe.

Meine Aufgaben als Intendant sind sehr vielfältig. Das Wichtigste ist die Auswahl der Stücke, die aber immer vom Stadtrat genehmigt werden muss.

Wenn wir ein Musical auf den Spielplan setzen, brauchen wir zuerst die Rechte dafür. Dazu muss ich früh eine Spieloption vom Verlag erhalten, denn in einem gewissen Umkreis darf ein Stück nur an einem Ort gespielt werden. Und wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Der Vorlauf für ein Musical ist etwa zwei Jahre, denn wir brauchen gute MusikerInnen und gute SchauspielerInnen, die gleichzeitig sehr gut singen können. Für alle anderen Stücke reicht ein Jahr, und die Planung beginnt meist während der aktuellen Spielzeit.

Gemeinsam mit den RegisseurInnen bespreche ich, welche SchauspielerInnen welche Rollen spielen werden. Das ist manchmal etwas schwierig, denn unsere Vorstellungen können sehr unterschiedlich sein. Ich muss aber dafür sorgen, dass nahezu jede/r AkteurIn in zwei Stücken mitspielt. Es kommt vor, dass ein/e RegisseurIn mit einem/einer SchauspielerIn nicht arbeiten kann und umgekehrt, das akzeptiere ich. Denn ein gutes Arbeitsklima ist mir wichtig. Wenn das Ensemble steht, mache ich die Bewerbungs- und Besetzungsgespräche und handle die Gagen aus, die in den gesetzten finanziellen Rahmen passen müssen.

In vielen Gesprächen mit den RegisseurInnen entwickeln wir die einzelnen Stückkonzepte und ein Generalkonzept, das für alle Stücke gelten kann. Nun geht es darum, die diversen Termine für die Regie-Teams zu koordinieren, d. h. einen Zeitplan zu erstellen, wann sie sich treffen, wann die Dekorationen abzuliefern sind, wann die Textfassungen (die auch von mir abgesegnet werden müssen) fertig sein müssen. Bei einer der Produktionen führe ich auch immer selbst Regie. Ich bin selbstverständlich bei den Endproben aller Stücke dabei und achte darauf, dass das Niveau der Produktion erreicht wird, das ich mir für die Kreuzgangspiele wünsche. Während der Spielzeit bin ich für den Ablauf der Vorstellungen mit verantwortlich.

Intendanten sitzen wie Fußballtrainer mehr oder weniger auf dem „Schleudersitz. Die Arbeit muss schon gelingen. Meine Verträge sind hier jeweils nur für zwei bis drei Jahre und werden dann wieder neu verhandelt. Das ist ein großes Privileg im Vergleich zu den anderen Kolleginnen und Kollegen, die ja nur für eine Spielzeit engagiert werden. Bis ein/e IntendantIn eingearbeitet ist, dauert es ca. zwei Jahre, daher macht es Sinn, den Vertrag etwas länger laufen zu lassen. Aber so lange wie hier in Feuchtwangen war ich noch nie – bisher habe ich es in leitenden Positionen an Theatern maximal fünf Jahre ausgehalten, dann wollte ich weiterziehen.

Als ich hier anfing, liefen bereits die Planungen für den Umbau des heutigen Kulturbüros, für die neue Tribüne und die neue Technik. Zurzeit haben wir eine neue Baustelle im ‘Nixelgarten’ – dabei habe ich nur eine beratende Funktion bei der Planung mit vielen Sitzungen.

Intendanten haben auch viele administrative Aufgaben. „Networking finde ich sehr wichtig, mache es gerne und in großem Umfang. Ein Festspiel muss sich ja auch sehr stark mit der Region verbinden. Wenn kulturpolitische oder wirtschaftliche EntscheidungsträgerInnen mit uns in gutem Einvernehmen sind, dient das auch den Festspielen. Diese Arbeit ist sehr zeitraubend, und ich bin während der Spielzeit mit vielen Terminen unterwegs.

Schon von Kindesbeinen an wusste ich, dass es die Kreuzgangspiele gibt. Meine Eltern waren sehr kulturbewusst und wir haben auch die großen Festspiele besucht, z.B. Schwäbisch Hall. Aber nie die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen. Als ich Mitte der 70er Jahre im Residenztheater in München Regieassistent war, habe ich viel von Feuchtwangen gehört. Einige dort engagierte SchauspielerInnen spielten im Sommer bei verschiedenen Festspielen mit, meist in Bad Hersfeld, Schwäbisch Hall und eben auch in Feuchtwangen. Ich glaube, Horst Sachtleben erwähnte einmal im Gespräch mit Hans Korte, der schon hier inszeniert hatte, dass Feuchtwangen doch eine Reise wert sei und dass man den Sommer hier gut verbringen könne. Die Stadt hat ein gewisses Flair und der Kreuzgang ist eine Art Kammerspiel im Freilichttheaterbereich. Die Bühne ist nicht so riesig, wie z. B. in Bad Hersfeld, wo man sich die Seele aus dem Leib schreien muss, um bis zur letzten Reihe durchzudringen. Damals fehlte ja noch die heutige Technik. In den Gesprächen dieser großen SchauspielerInnen galt Feuchtwangen immer als künstlerisch interessant.

Geboren bin ich in Stuttgart, aufgewachsen in Ulm. In München studierte ich Schauspiel, Rhetorik, Theater- und Kommunikationswissenschaften. Ich wollte immer Regisseur werden und hatte das große Glück, am Residenztheater in München mit sehr berühmten und guten Regisseuren arbeiten zu dürfen. Zum Beispiel mit Kurt Meisel, Horst Sachtleben, Heinz von Cramer und dem weltberühmten Regisseur Ingmar Bergman, dessen persönlicher Assistent ich vier Jahre lang war, sowohl im Theater als auch im Film. Da habe ich natürlich sehr viel gelernt, auch wie es geht, motivierend und herausfordernd zu arbeiten. Dies alles durfte ich im experimentellen Rahmen des Marstalls, einer dem Residenztheater angegliederten Experimentierbühne, schon mit fünfundzwanzig Jahren in die Waagschale werfen und ein Stück mit achtzehn SchauspielerInnen selbst inszenieren. Dem von mir stets sehr geschätzten Intendanten Georg Immelmann gefiel diese Produktion so gut, dass er mich gleich als ersten Spielleiter bei der Landesbühne in Wilhelmshaven engagierte. Nun war ich im zarten Alter von sechsundzwanzig Jahren für ein Ensemble mitverantwortlich. Das war echt schwierig für mich, aber ich habe die Herausforderung angenommen und mit viel Herzblut gemeistert.

Mitte der 90er Jahre habe ich in Bad Hersfeld zum ersten Mal Freilichttheater inszeniert, eine sehr große Produktion von Goethes „Faust. Und ich fand das hinreißend. Nicht jeden Morgen in dunklen Probenräumen verschwinden zu müssen, sondern unter freiem Himmel zu proben. Da keimte der Wunsch auf, wenn ich irgendwann einmal Intendant werden sollte, dann von Freilichtfestspielen. Einige Jahre später bot mir Johannes Reitmeier (Intendant in Feuchtwangen von 2006-2008) eine Inszenierung von Shakespeares „Wie es euch gefällt bei den Kreuzgangspielen an. Während der Vorbereitungszeit zu dieser Produktion kündigte er hier seine Intendantenposition. Ich bewarb mich und bin heute noch dankbar, dass ich genommen wurde.

Die Arbeit in Feuchtwangen erfüllt mich mit viel Freude, ist aber sehr zeitintensiv. Mit meiner Familie lebe ich in Hamburg. Ein Umzug nach Feuchtwangen war durchaus schon im Gespräch. Aber es ist besser, in Hamburg zu bleiben, auch wegen des beruflichen Netzwerks.

Im Winter bin ich Dozent an einer Schauspielschule in Hamburg. Das bietet mir die Möglichkeit, begabte Schülerinnen und Schüler auf den schwierigen Beruf vorzubereiten. Sie müssen sehr großes schauspielerisches Talent haben, gut singen können, kerngesund, belastbar, motiviert, sportlich und pünktlich sein. SchülerInnen, die regelmäßig zum Unterricht zu spät kommen, werden nie eine Chance im Theater haben. In den Jugendproduktionen im ‘Nixelgarten’ können die Begabtesten unter ihnen ihre ersten beruflichen Schritte machen. Ich finde das ganz toll, auch weil sie altersmäßig fast auf Augenhöhe sind mit dem jungen Publikum.

Das Spiel auf der Bühne ist immer Entgrenzung, der nackte Wahnsinn. Für die ZuschauerInnen ist es sehr spannend, wenn Menschen auf der Bühne weit über sich selber hinauswachsen. Das fordert auf der anderen Seite eine ganz strenge Disziplin. Eine gute Schauspielerin, ein guter Schauspieler vereint diese beiden Pole in sich – Entgrenzung und Disziplin. Viele Menschen denken, dass Theater sehr viel mit Selbstverwirklichung zu tun hat, aber es ist vor allem ein sehr dienender Beruf. Man dient dem Publikum und man dient dem Text. Und trotzdem braucht es eine sehr stark ausgeprägte

Persönlichkeit, die in der Lage ist, auch eine mächtige Eigenbehauptung zu schaffen. Genau das fasziniert das Publikum.

Ich arbeite gerne mit einer Mischung von sehr erfahrenen SchauspielerInnen und Berufsneulingen. Alle kommen sehr, sehr gerne nach Feuchtwangen. Wir haben hier eine gute und familiäre Arbeitsatmosphäre. Da wir hier nur vier Monate zusammen arbeiten, bleiben große Konflikte in der Regel aus. Alle Beteiligten gehen aber nach der Spielzeit sehr erschöpft nach Hause. Als Intendant habe ich eine Fürsorgepflicht und achte darauf, dass niemand komplett „ausgepowert wird. Ich sorge auch dafür, dass das Ensemble die Vorstellungen gerne spielt.

Alle MitarbeiterInnen auf und hinter der Bühne übernehmen auch noch zusätzlich und freiwillig viele Sonderaufgaben, wie z. B. beim Theaterspaziergang, beim Empfang in der Spielbank, bei der Mitternachtsshow, bei dem Gastspiel der integrativen Schauspielgruppe „Rampenlicht

Beim Theater ist es ähnlich wie im Sport, und ein Regisseur muss, wie ein guter Trainer, das Ensemble zu Höchstleistungen antreiben. Das geht meist, aber nicht immer nur über Freundlichkeit. Manchmal muss man auch während einer Probe schmerzliche Ansagen machen und Konflikte riskieren. Trotzdem liegt mein Arbeitsschwerpunkt auf Motivation.

Freilichtspiele müssen festlich, außergewöhnlich und besonders sein. Bei der Auswahl der Stücke und auch bei der Inszenierung. Die festen Theater arbeiten für ein viel kleineres Zielpublikum. Hier haben wir ein sehr viel breiteres Publikum und wir müssen Leute erreichen, die vielleicht nur einmal im Jahr ins Theater gehen, und natürlich auch solche, die viel ins Theater gehen, manche davon sind richtige „Theatertouristen. Ein Zuschauer war von „Luther sehr beeindruckt und sprach mich an. Es stellte sich heraus, dass er im Moment auf einer großen Theatertour ist: Bad Hersfeld, Bayreuth, Bregenz, Salzburg, Feuchtwangen … Dieser Spagat, mit künstlerischer Höchstleistung die „Gourmets und gleichzeitig das breite Publikum erreichen zu müssen, ist nicht immer leicht. Macht aber viel Spaß und ist eine große Herausforderung.

Wir hoffen natürlich immer, dass kein/e SchauspielerIn ausfällt und halten auch die Verletzungsgefahr so gering wie irgend möglich. Aber bei Regen wird die Bühne einfach rutschig und Fechtkämpfe bergen immer ein gewisses Risiko – auf allen Bühnen! Falls jemand ausfällt, übernimmt, wenn möglich, eine Kollegin oder ein Kollege, die/der schon hier ist, die Rolle. Das ist sinnvoller, als jemanden von außen dazu zu engagieren. Die Inszenierung und zum großen Teil auch die Rolle und der Text sind meist bekannt und müssen „nur noch verfestigt und aufgefrischt werden. 2018 spielte Rudolf Krause den Mephisto in Goethes „Faust. Drei Wochen vor Saisonende brach er sich einen Arm. Dieser wurde mit einem Gips ruhig gestellt. Er spielte aber trotzdem seine Rolle, natürlich mit sparsameren und angepassten Bewegungen, bis zum Ende der Festspiele weiter. Da mag sich so manch eine/r im Publikum über das starre einseitige “Kostüm” gewundert haben.

Es passieren – wie sollte es auch anders sein – immer viele nette, lustige Geschichten. Ingo Paulick spielte bei „Rennschwein Rudi Rüssel das Schwein. Er trug nur eine blaue Arbeitslatzhose mit bloßem Oberkörper, eine kleine Schweinenase und ein Ringelschwänzchen als „Kostüm. Zur Vorbereitung auf diese Rolle verbrachte er viele Stunden in einem Schweinestall, um das originalgetreue Quieken zu erlernen. Nach einer Vorstellung beantwortete er, im Rahmen der Theaterpädagogik, in seinem Kostüm ...

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