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Kreuzfahrer

Einführung

Der Begriff „Kreuzfahrer“ ist seit alters her negativ besetzt, obgleich sich seine Bedeutung im Laufe der Jahre häufig verändert hat.

Die ersten Kreuzfahrer waren zweifellos die Teilnehmer der Kreuzzüge mit denen das Christliche Abendland religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege gegen die Muselmanen führte um sie aus dem Heiligen Land und von den Heiligen Stätten zu vertreiben. Nachdem diese militärischen Auseinandersetzungen jedoch zunehmend mit Niederlagen endeten, verlor man die Lust an diesen wenig einträglichen Eroberungszügen. Hierdurch büßte diese Bezeichnung vorerst an Aktualität ein und geriet darauf völlig in Vergessenheit. Die religiöse Führung versuchte zwar noch zu retten was nicht zu retten war und erklärte Feldzüge gegen nicht christianisierte Völker, gegen Ketzer, die Ostkirche sowie politische Gegner zu Kreuzzügen. Aber es war nie mehr so inspirierend wie damals gegen die Sarazenen.

So dämmerte das Abendland über Jahrhunderte ohne Kreuzfahrer vor sich hin, bis Albert Ballin – Vorstandschef der Hamburger Reederei HAPAG – einen genialen Einfall hatte. Er sorgte sich nämlich bereits schon länger über die mangelnde Auslastung seiner Passagierschiffe im Winter, weil zu dieser kalten Jahreszeit nur wenige Auswanderer ihre Heimat in Richtung Nordamerika verlassen wollten. Hierin bestand jedoch sein Hauptgeschäft, das nicht mehr ausgebaut werden konnte. Er beschloss daher eine neue Zielgruppe zu erschließen, die nicht auswandern wollte, sondern großen Wert darauf legte heil wieder zurückzukehren. Dies lag auch in Ballins Interesse, denn nur so konnte er immer wieder an ihr verdienen.

Der Gedanke, reiche Leute zu einer Seefahrt zu bewegen, die ausschließlich ihrem Vergnügen diente, war völlig neu. Bisher unterzog man sich den Gefahren einer Schiffsreise nur um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Nach diesem Geschäftsmodell war nun der Weg das Ziel.

Und so stach am 22.Januar 1891 in Cuxhaven eine gut betuchte Gesellschaft von 174 Reisenden auf der „Auguste Victoria“ zu einer „Bildungs- und Vergnügungsreise“ in wärmere Gegenden in See. An Bord herrschte Luxus pur. 245 Besatzungsmitglieder standen den Gästen zur Verfügung. Die Tour dauerte zwei Monate und führte durchs Mittelmeer bis nach Syrien und Ägypten. Zur Unterhaltung der verwöhnten Reisenden wurden schon damals organisierte Ausflüge angeboten. Den Passagieren war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass sie zu den ersten Kreuzfahrern der Neuzeit gehörten.

Da man jedoch von wenigen Reichen nicht leben kann und die wirklich Reichen inzwischen eigene Hochseejachten besitzen, haben sich, 125 Jahre nach dieser ersten nautischen Prunkreise der Geschichte, Kreuzfahrten vom Luxusprodukt zum Massengeschäft entwickelt. Das heißt der Wettbewerb um die Passagiere findet in erster Linie über den Preis statt. Ähnlich wie bei Billigtextilien (Produktion in Asien) oder Fleisch (Massentierhaltung) übt dies einen ungeheuren Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen aus.

Natürlich sind wir alle zutiefst empört über diese unhaltbaren Zustände und wollen sie ändern, solange Klamotten, Fleisch und Seereisen dadurch nicht teurer werden. Bei Kreuzfahrten können wir bislang immer noch behaupten, nichts davon gewusst zu haben. Aber selbst wenn, schließlich drängen diese Menschen aus den Billiglohnländern ja freiwillig in diese Jobs. Kein Mensch zwingt sie dazu.

Die konkurrierenden Unternehmen haben die Einsparungen beim Personal inzwischen perfektioniert. Keine der deutschen Reedereien lässt ihre Schiffe unter deutscher Flagge fahren. Hierdurch werden nicht nur Steuern vermieden, sondern auch die deutschen Mindestlöhne und Arbeitszeitgesetze erfolgreich umgangen. Zusätzlich gliedert sich eine Besatzung in eine, nach Arbeitsbereichen geordnete, Drei-Klassengesellschaft, in der es noch weitere Abstufungen gibt.

Zur dominierenden Upper-Class gehören Kapitän, Offiziere und Matrosen, die wenigen Seeleute an Bord, denn auch Billig-, Pauschal- und Last-Minute-Passagiere kommen gern wieder heil nach Haus. Die öffentliche Meinung über die Qualifikationen dieser Leute ist jedoch umstritten, nachdem bei der Havarie der Costa Concordia, die einen Felsen vor der Insel Giglio rammte, der Kapitän als einer der ersten von Bord ging und die Besatzung nicht wusste, wie sie die Rettungsboote zu Wasser lassen sollte.

Die Middle-Class malocht im Maschinenraum. Hier wird bereits weitaus weniger verdient. Jedoch bedeutend mehr als im größten Segment, dem Lower-Class Hotelbereich. Hunderte von Köchen. Kellnern und Putzfrauen werkeln hier rund um die Uhr. Dabei steigt die Bezahlung mit der Nähe zum Passagier, denn ein deutscher Gast erwartet einen deutschsprachigen Steward, wer in der Wäscherei arbeitet ist ihm völlig gleichgültig. Daher ist es auch den meisten dieser Mitarbeiter strikt untersagt auch nur in die Nähe der Passagiere zu kommen.

Um sich aus arbeitsrechtlichen Streitigkeiten heraus-zuhalten, stellen Reedereien diese Leute nur selten selbst ein, so dass die Lower-Class Mitglieder häufig unterschiedliche Arbeitgeber haben. So sind beispielsweise viele Filipinos bei Firmen in Manila zu den dort üblichen Löhnen angestellt, andere bei Crew-Agenturen, die in aller Welt Personal für Schiffe anheuern.

Brutal sind auch die Arbeitsbedingungen an Bord. Grundsätzlich gilt die Siebentagewoche mit Arbeitstagen von über vierzehn Stunden. Während die Offiziere nicht länger als drei bis vier Monate an Bord bleiben, arbeiten die Niedriglöhner ununterbrochen bis zu neun Monaten ohne Unterbrechung durch. Da sie von ihren Arbeitgebern ein festes Gehalt beziehen, die Reedereien ihnen aber ein riesiges Pensum aufdrücken, erreichen sie Stundenlöhne die nur unwesentlich über zwei Euro liegen. Ihre spärlichen Ruhezeiten verbringen sie, dicht gedrängt in Doppelkabinen unterhalb der Wasserlinie des Schiffes, die so klein sind, dass es oft schon schwierig ist in ihnen das Gepäck zu verstauen.

Diese Welt ist für die Kreuzfahrer tabu. Zu schockierend sind die Gegensätze im Vergleich zur Glitzerwelt des Kreuzfahrtschiffes. Trotzdem wächst der Druck auf die Löhne weiter, da sich die boomende Branche in einem gewaltigen Konkurrenz- und Preiskampf befindet. Immer neue und größere Mega-Schiffe müssen ständig wieder mit kostenorientierten Urlaubern gefüllt werden. Dies ist nicht das Umfeld für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, zumal in Billiglohnländern wie Indonesien, Indien oder den Philippinen Tausende darauf warten, einen Job an Bord zu bekommen.

Verschont werden selbst nicht die Passagiere. Mit Billigangeboten an Bord gelockt, zieht man ihnen dort erbarmungslos das Geld aus der Tasche.

Doch alles hat seinen Preis. Denn während sich zu Ballins Zeiten die Passagiere noch mit eleganter Kleidung schmückten, wird heute ein Klientel angesprochen, das über keine piekfeinen Klamotten im Schrank verfügt, und dem auch Bedürfnis und Einsicht fehlen zum Diner die behaarten Beine vor den Blicken anderer zu verbergen. Nur so lassen sich die plakativen Hilferufe vor den Schiffsrestaurants erklären, männliche Reisende mögen sich doch bitte zum Abendessen mit einer langen Hose bekleiden.

Daneben gibt es natürlich immer noch die edlen, hochpreisigen Kreuzfahrtangebote, die glücklicherweise von dieser bedauerlichen Entwicklung unberührt geblieben sind.

Insgesamt wird sich der Kreuzfahrt-Boom ungebremst fortsetzen. Bisher sind weltweit 450 Kreuzfahrtschiffe unterwegs, die 2017 über 25 Millionen Passagiere befördern sollen. Folgt man jedoch den Prognosen des Branchenverbands CLIA, werden diese Daten in heute noch unvorstellbare Höhen steigen.

Samantha

Samantha Abliter Torres, philippinische Staatsangehörige, katholisch, Alter 27, verheiratet, zwei Kinder, hatte einen Zehnmonatsvertrag als Kabinensteward auf der „White Condor“ unterschrieben. Sie gehört zu einer der vielen Familien, die unter der Armutsgrenze lebten. Ihr Mann arbeitet in einem Callcenter, das sich in einem dieser neuen Bürotürme in Manila niedergelassen hat und dessen Dienste vor allem von amerikanischen Firmen in Anspruch genommen werden. Ihr war es leider nicht gelungen dort unterzukommen, sodass sie für einen Job das Land verlassen musste. Ihre Kinder wuchsen inzwischen bei den Großeltern auf. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft und um alte Schulden zu bezahlen überwies sie jeden Cent, den sie entbehren konnte an ihre Familie.

Man hatte ihr sechzehn Kabinen zugeteilt, die sie täglich zu betreuen hatte, was nichts anderes hieß als Betten machen, Putzen, Saugen und Reinigen. Hinzu kamen Aufräumjobs, die nach den vielen Abendveranstaltungen auch noch nachts regelmäßig anfielen. Ihr Arbeitsbereich lag auf dem vierten der vierzehn Decks des Schiffes. Sie kümmerte sich um Innen- und Außenkabinen mit Bullaugen, also die preiswerteren Kategorien. Die teureren Außenkabinen mit Balkon und die Suiten der Decks dreizehn und vierzehn beherbergten ein anderes Publikum, das auch wesentlich höhere Trinkgelder zahlte, wie sie von einer Kollegin wusste. Dass sie kaum Deutsch sprach war der Hauptgrund warum sie nicht in diesem Bereich arbeiten durfte.

Der Begriff Überstunden gehörte nicht zum Wortschatz der Schiffsleitung. Die vergeblichen Bemühungen der Internationalen-Transportarbeiter-Gewerkschaft und der Vereinten Nationen Änderungen herbeizuführen wurden denn auch von keinem der Betroffenen mehr ernst genommen.

Wenn Samantha so gegen Mitternacht todmüde ins Bett fiel konnte sie nicht einmal mehr ihre indische Mitbewohnerin stören, die als überzeugte Hindu, es wohl gut fürs Karma hielt, wenn brennende Kerzen die verbrauchte Luft noch weiter verschlechterten. Zu Beginn der Reise hatte sie versucht eine Kabine mit einer Frau aus ihrem Kulturkreis teilen zu können. Man hatte sie jedoch abgewiesen mit dem Argument, dass es an Bord über sechzig Nationalitäten gäbe, so dass man auf persönliche Wünsche keine Rücksicht nehmen könne. Im Übrigen sei Multi-Kulti eine in Deutschland forcierte politische Richtung zur Vermeidung der Diskriminierung von Minderheiten.

Inzwischen wusste sie, diese Politik der Kabinenbelegung diente ausschließlich dazu persönliche Kontakte, und damit gemeinsame Forderungen nach höheren Löhnen an Bord zu verhindern.

Extrem lästig empfand sie jedoch das ständige Mobbing durch ihren Supervisor und die anzüglichen Sprüche ihres Vorarbeiters. Sollten die sich doch an Land befriedigen oder bei der Professionellen, die sich in einer Suite auf Deck 13 einquartiert hatte. Sie liebte ihren Mann und würde mit keinem dieser Kerle etwas anfangen. Den chronischen Schlafmangel und ihre zunehmenden Depressionen hatte sie allerdings seit einiger Zeit mit Alkohol betäubt, denn sie befand sich bereits seit über einem Jahr fern ihrer Familie, da sie sich für eine einkommenslose Wartezeit zwischen zwei Verträgen keinen Rückflug leisten konnte.

Trotz aller Widrigkeiten hielt sie stur an ihrem Ziel fest, möglichst schnell viel Geld zu verdienen. Um dies zu erreichen und um überhaupt in diesem feindlichen Umfeld bestehen zu können, hatte sie sich eine ausgeklügelte Überlebensstrategie zu Eigen gemacht. Das heißt diese war ihr völlig unerwartet zugeflogen. Sie erinnerte sich noch genau an diesen Morgen. Nachdem sie den Mannschaftsbereich verlassen und sich das von der Reederei vorgeschriebene Lächeln ins Gesicht gezaubert hatte, sie beherrschte dieses eingemeißelte Dauergrinsen inzwischen wie ein Politiker auf Wahlkampf-Tournee, schob sie ihren Servicewagen durch den schier endlosen Gang. Ein neuer Tag begann. Sie griff nach der roten Box, in der sich die Putzutensilien befanden und öffnete mit ihrer Generalkarte die Kabine 4150, nachdem sie den grünen Please-Clean-Anhänger vom Türknauf entfernt hatte.

Diese Kabine gehörte einem älteren Ehepaar, das sich zu dieser Zeit im Restaurant mit einem ausgiebigen Frühstück beschäftigte. Heute war jedoch alles anders. Keiner der beiden Alten hatte ihr Eintreten bemerkt und so wurde sie völlig unbeabsichtigt Zeugin wie der Ehemann Rudolf Hübner den Schranksafe verschloss, indem er viermal auf die gleiche Zahl drückte. Sie registrierte es lediglich am Rande, und es fiel ihr auch nur auf weil er sich mit der Hand an der Safetür abstützte und mit dem Daumen immer auf die gleiche Stelle drückte.

Sie fuhr erschrocken zusammen. „Oh, I`m so sorry!“ entfuhr es ihr, worauf sie sich beeilte die Kabine wieder zu verlassen, denn Gästebeschwerden waren ein beliebtes Druckmittel ihrer Chefs zusätzliche Arbeiten entgeltlos durchzusetzen.

„No, no, no!“ kreischte Rita Hübner ihre liebste englische Vokabel. „Nun sag du doch auch mal was Rudolf“, schob sie ihm dann routiniert die Verantwortung zu.

Samantha kannte die Namen ihrer Gäste. Regelmäßig lernte sie auf dieser einwöchigen Ostseetour die neuen hinzu. Zur Sicherheit trug sie auch noch einen Zettel in der Tasche, denn diese Menschen mit dem vielen Geld zeigten sich trinkgeldfreudiger, wenn man sie persönlich ansprach.

„Please! Stay here!“ Rudolf folgte stets den Wünschen seiner Angetrauten, da sie als Gegenleistung seinen weit über dem statistischen Durchschnitt liegenden Alkoholkonsum kommentarlos tolerierte. Dass sie keine Suite bewohnten hatte ausschließlich terminliche Gründe. Rita, die sonst südliche Gefilde bevorzugte, hatte plötzlich, zu ihrem achtzigsten Geburtstag, den dringenden Wunsch verspürt einmal die Gewässer zu bereisen, in denen ihr Vater, an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Wilhelm Gustloff“, zusammen mit über neuntausend anderen Passagieren ums Leben gekommen war, nachdem ein russisches U-Boot sie torpediert hatte.

„We are just leaving“, Rudolf klappte die Schranktür zu.

„We are late, because of too much alcoholic drinks, last night,“ ergänzte Rita, deren aktiver Wortschatz sich plötzlich erweitert zu haben schien.

Nachdem die beiden verschwunden waren erledigte Samantha ihre Arbeiten bis hin zum Falzen des Toilettenpapiers, wobei sie zum ersten Mal nicht daran dachte, was ihre Kinder gerade machten, sondern was sie wohl sehen würde wenn sie viermal auf die richtige Zahl des vierstelligen Codes drückte.

Samantha besaß zwar nur eine einfache Schulbildung, aber sie wusste schon, dass es zehntausend Möglichkeiten gab den Safe sicher zu verschließen. Nämlich mit den Zahlen von 0001 bis 9999 zuzüglich der vier Nullen. Es war völlig unmöglich diese, in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit, sämtlich durchzuprobieren. Bei vier gleichen Zahlen jedoch gab es nur noch zehn Alternativen. Das würde keine zwei Minuten dauern. Sollte sie jedoch erwischt werden, war sie nicht nur ihren Job los, sie musste auch mit einer Anklage rechnen und würde nie wieder irgendwo angestellt werden. Zudem würde man ihr sämtliche unaufgeklärten Diebstähle der letzten Zeit in die Schuhe schieben. Andererseits, sie zögerte und putzte erneut den fleckenlos glänzenden Badezimmerspiegel. Dann traf sie ihre Entscheidung, nachdem ihr zum x-ten Mal bewusst geworden war, dass sie mit dieser Arbeit ihren Kindern zwar eine bessere Schulbildung ermöglichen könnte, gleichzeitig aber entscheidende Jahre ihrer Entwicklung verpassen würde.

Nach einem kurzen Blick durch den menschenleeren Gang, in dem lediglich zwei weitere Servicewagen standen, lehnte sie die Kabinentür leicht an und öffnete den Schrank. Sie trug noch ihre Gummihandschuhe, auf die sie bei Arbeiten im Bad nie verzichtete. Wie es auch ausging, Fingerabdrücke am Safe wollte sie nun wirklich nicht hinterlassen. Sie bemerkte plötzlich wie durchgeschwitzt sie war. Dann drückte sie viermal die Null.

„Error“, erschien auf der Sichtleiste des Safes. Warum nimmst du auch die Null, dachte sie? Kein Mensch will eine Null sein. Sie wählte die Neun. Neun Monate benötigte ein Kind um auf diese ungerechte Welt zu kommen. Neun Leben hatte eine Katze. „Error“ zeigte der Safe erneut an.

Der Schweiß lief ihr den Rücken herunter. Sollte sie aufhören? Konnte sie überhaupt immer so weiter machen oder blockierte das System nach einer bestimmten Zahl von Fehlversuchen? Dann könnte nur sie die Schuldige sein.

Noch einmal, nahm sie sich vor, dann höre ich auf. Es war doch sowieso nur eine Schnapsidee. Sie tippte viermal auf die Eins. Der Erste will schließlich jeder sein, das gilt auch für alte Leute.

Die Safetür öffnete sich mit einem leisen Plop. Sie war so überrascht, dass sie einen kleinen Aufschrei nicht ganz verhindern konnte. Dann erblickte sie zwei dieser weinroten deutschen Reisepässe, Tickets für gebuchte Ausflüge, einen undefinierbaren Stapel verschiedener Papiere und einige Zweieuromünzen. Doch was ihren Blick magisch anzog war ein mehrere Zentimeter hoher Stapel Euroscheine mit unterschiedlichen Werten. Blaue Zwanziger, braune Fünfziger und ganz oben einen, den sie noch nie gesehen hatte, einen gelblichen Zweihunderter. Von diesem Packen hätten sie und ihre Familie viele Jahre leben können. Sie fasste nichts an, klappte den Safe wieder zu und tippte viermal die Eins. Dann verließ sie hastig die Kabine und arbeitete etwas schneller um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Erst als sie später allein und erschöpft in ihrer Koje lag, durchdachte sie was sie heute getan hatte. Heute umnebelten sie keine Duftkerzen, denn ihre Mitbewohnerin musste als Komparsin bei einer asiatischen Exklusiv-Show auftreten. Da es dort zwei Gläser Champagner, sowie Canapés umsonst gab, war die Bude natürlich gerammelt voll. Samantha hatte sich schon oft gefragt warum die Passagiere sich eigentlich immer so voll stopften. Nur weil es nichts kostete oder weil sie das Gefühl hatten schon dafür bezahlt zu haben. Deswegen waren viele wohl auch so fett.

„Das darfst du nicht einmal denken“, hatte ihr Supervisor sie angeherrscht, als sie ihn einmal darauf angesprochen hatte um ihn von lüsternen Gedanken abzulenken. „Unsere Gäste sind nicht fett. Einige sind vielleicht etwas adipös, aber das kann auch ganz andere Ursachen haben.“

Konzentriere dich, ermahnte sie sich ärgerlich. Schließlich geht es um Beträge, die ein jahrelanges arbeitsfreies Leben ermöglichen. Das Geld war gestapelt aber nicht nach Notenwerten geordnet. Jedoch auch nicht achtlos in den Safe geworfen. Man schätzte es also, betete es aber nicht an.

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