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Krank

Alfred J. Schindler

 

Krank

 

Psychothriller

 

von

 

Alfred J. Schindler

 

 

 

 

Vorwort

 

 

Ernestine und ich haben uns die Rente wahrlich redlich verdient. Seit über zwei Jahren müssen wir morgens nicht mehr aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. Wir sitzen gerade etwas gelangweilt und völlig entspannt auf unserer blumenumrandeten Terrasse und trinken Kaffee. Sie befindet sich auf der Rückseite unseres Hauses. Die Uhr zeigt kurz nach neun Uhr am Morgen. Es ist Mitte Juli und die Sonne brennt mit Brachialgewalt auf uns herab. Zwei große Sonnenschirme schützen uns vor ihren starken Strahlen. Es ist so heiß, dass wir zu träge sind, uns zu unterhalten. Das Außenthermometer steht bereits um diese Uhrzeit bei knapp 30° C. Rommee spielen fällt aus, weil wir tunlichst vermeiden, uns zu bewegen. Blacky, unsere Promenadenmischung, liegt zu unseren Füßen und schläft tief und fest.

 

Das ist unsere momentane Situation.

 

Unser in die Jahre gekommenes Haus liegt etwas abseits von Hirtenstein an einem dichten Waldrand. Ein idyllisches Plätzchen. Das kann man wohl sagen. Das Grundstück, auf dem unser Häuschen steht, ist riesig. Mein Vater vererbte es uns vor vielen Jahren. In unserem Grundstück befinden sich Dutzende von Obstbäumen. Ringsum befinden sich Gebüsche aller Art.

 

Das nächste Haus, das sich am Rand von Hirtenstein befindet, liegt etwa einhundertfünfzig Meter von uns entfernt. Die Ruhe, die wir hier genießen, ist unbezahlbar. Hier haben wir unseren seligen Frieden. Niemand stört uns.

 

Niemand!

 

 

01

 

 

Da!

Was ist das denn?

Es klingt wie ein hoher, singender Motor!

 

„Peter! Was kann das sein?“

„Keine Ahnung.“

„Vielleicht ein Mofamotor?“

„Es könnte sein.“

„Jetzt sag schon: Was ist das für ein Motor?“

„Es klingt wie ein Rasenmähermotor, Ernestine.“

„Seltsam. Die Rasenmäher unserer Nachbarn hören wir doch nicht. Die Entfernung ist zu groß!“

„Ich verstehe es auch nicht.“

„Du könntest mal nachsehen, Peter!“

„Ich soll aufstehen?“

„Ja.“

„Schau du doch!“

„Verstehe. Deine Bandscheibe.“

„So ist es, Ernestine. Ich bleibe hier sitzen. Wenn ich mich bewege, sind die Schmerzen fast unerträglich.“

 

Das Geräusch des singenden Motors wird lauter. Befindet er sich etwa vor unserem Haus in der Nähe der Haustüre? Auf unserem Grundstück kann der Rasenmäher nicht sein, denn es ist umzäunt.

 

Ernestine geht langsam Richtung Geräusch. Und jetzt bleibt sie abrupt stehen, denn ein riesiger Mann mit einem Rasenmäher fährt durch unseren Garten.

 

„Peter! Ein Fremder ist in unserem Garten!“, schreit sie zu mir herüber. Sie ist sehr aufgeregt, wie es scheint.

 

Mühevoll stehe ich auf. Ich stütze mich auf meinen Gehstock.

 

Ernestine ruft völlig aufgebracht: „Was machen Sie in unserem Garten?“

 

Der vierschrötige Kerl stellt den Motor seines Rasenmähers ab und grinst uns an. Er benimmt sich so, als ob er uns schon ewig kennen würde.

 

„Hallo, Familie Schwarz!“

Ich habe den Mann erreicht und blicke nach oben in sein narbiges Gesicht: „Wie sind Sie auf unser Grundstück gekommen?“

Er lächelt nachsichtig: „Ich habe ein Fahrrad mit Anhänger. Auf ihm transportierte ich meinen Rasenmäher und die Benzinkanister für den Motor. Ich hob den Rasenmäher über Ihren Zaun und sprang hinterher.“

„Aber was suchen Sie denn bei uns?“

„Gestatten: Mein Name ist Lothar Braun. Ich fuhr in den letzten Tagen ein paar Mal an Ihrem Haus vorbei und sah, dass Ihr Rasen gemäht werden muss. Und da Sie offensichtlich Bandscheiben-beschwerden haben, Herr Schwarz, dachte ich mir, ich tue Ihnen den Gefallen, Ihren Rasen zu mähen.“

„Woher wissen Sie denn, dass ich Bandscheiben-beschwerden habe?“

„Ich sah Sie kürzlich auf der Straße laufen. Sie gingen sehr gebückt.“

„Verstehe.“

„Peter was machen wir denn jetzt?“, will Ernestine von mir wissen.

 

Ich gebe zu: Ich bin etwas ratlos.

Sehr ratlos.

 

Herr Braun steht abwartend da. Er ist etwa zwei Meter groß und so breit wie ein Schrank. Seine Pranken liegen locker auf der Führung des Rasenmähers. Er ist völlig ruhig. Ja, er wirkt gelassen auf mich.

 

Ich würde sagen, wir lassen Herrn Braun das Grundstück mähen“, sage ich.

 

Ich sehe, wie er sich freut.

Seine Augen blitzen.

 

„Aber Sie wissen schon, dass Sie für diese Arbeit knapp zwei Tage brauchen werden! Das Grundstück ist 60 mal 80 Meter groß!“, meint Ernestine.

„Für mich ist das kein Problem. Ich habe genügend Benzin in meinen Kanistern.“

„Sie haben zwei Tage Zeit?“

„Ja.“

„Sie haben also schon vorgesorgt?“, frage ich ihn.“

„Ja.“

„Leben Sie hier in Hirtenstein?“

„Nein, ich habe einen alten Wohnwagen – zwei Kilometer von hier entfernt.“

„Und darin leben Sie?“, frage ich ihn fast überflüssigerweise.

„Ja.“

„Keine Familie? Frau und Kinder?“

„Nein.“

„Haben Sie denn keine feste Arbeit?“, will Ernestine von ihm wissen.

„Leider nicht. Ich beziehe seit längerer Zeit Arbeitslosengeld.“

„Was waren Sie denn von Beruf?“

„Ich arbeitete als Landschaftsgärtner.“

„Und Sie finden keine Stelle in Ihrem Beruf? Entschuldigen Sie die vielen Fragen, aber wir möchten gerne wissen, mit wem wir es zu tun haben.“

„Ist doch klar. Das verstehe ich doch.“

„Ich habe Sie mit Ihrem Fahrrad schon öfter an unserem Haus vorbeifahren sehen“, sagt sie.

„Ja, ich fahre gelegentlich nach Hirtenstein zum Einkaufen.“

&

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