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Kosmische Beute - Eroberer der Galaxis #2

Hendrik M. Bekker

Kosmische Beute - Eroberer der Galaxis #2

Band 2 der großen SF-Serie von Hendrik M. Bekker





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Eroberer der Galaxis Band 2: Kosmische Beute

von Hendrik M. Bekker

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Jahrtausende in der Zukunft: Die Menschen haben große Teile der Galaxis besiedelt. Manche von ihnen haben sich über lange Zeiträume hinweg so sehr an ihre Umgebung angepasst, dass sie kaum noch als Angehörige derselben Spezies erkennbar sind. Galaktische Reiche rivalisieren um Macht, Einfluss und Vorherrschaft:

Das Galaktische Kaiserreich, überzeugt davon, dass der Mensch nicht nur die bisher edelste Vollendung der Evolution ist, sondern dass er auch bereits vollkommen ist und deswegen nicht manipuliert werden darf.

Die Terranische Allianz freier Völker, die sich einst bildete, weil die Traniatische Föderation in einem langsamen Zerfallsprozess den Mitgliedswelten zu schwach wurde. Das galaktische Reich mit der größten Ausdehnung. Wie der Name andeutet, gehört die Erde, Terra, zu den Gründungswelten. Trotz unzähliger Mitgliedsspezies stellen die Menschen und all ihre Abkömmlinge einen Großteil der Bevölkerung.

Die Traniatische Föderation freier Welten, der klägliche Rest eines gigantischen Reiches, das lange vor den ersten raumfahrenden Menschen bereits existierte. Heute eher ein Schutz- und Trutz-Bündnissystem, als eine echte galaktische Größe.

Das Kratische Konsortium, ein Bündnisgeflecht von Verbrecherlords, Unterweltbossen und Alleinherrschern. Manche sagen, nirgendwo in der Galaxis sei mehr Verkommenheit zu finden.

Und für diejenigen, die sich keinem von ihnen unterordnen wollen, gibt es nur die Flucht in die Weite des Anarchistischen Raums.

Niemand ahnt, dass im Hintergrund Entwicklungen in Gang gesetzt wurden, die möglicherweise das empfindliche Gleichgewicht der Machtverhältnisse im All für immer verändern werden.

Ohne dass das Leben in der Galaxis es weiß, steht die momentane Phase der Ruhe und Ordnung in der Galaxie vor ihrem Ende ...

Isaak Sanders sucht in den Tiefen von Chutala-City nach seinem Vater, um sich seiner Vergangenheit zu stellen.

Jerel Rimasen ist als Deserteur und Dieb im Kaiserreich gesucht, weil er das Kaiserreich mehr bedroht als er ahnt.

Zaren Daler versucht genau dieses Kaiserreich zu bewahren.

Prolog:

Julian Sanders sah traurig auf die Scherben vor ihm. Er wusste, dass er das alles würde wegräumen müssen. Und anschließend würde er es ersetzen müssen. Ein Schmerz in seinem Rücken zwang ihn zu Boden.

Er wurde mit einem Stock geschlagen, von hinten. Er wusste, dass es sein Meister war, auch wenn er ihn nicht sehen konnte. Sein Sklavenmeister war selten zufrieden mit ihm.

„Du dämlicher Idiot. Du bist die größte Enttäuschung, die man sich als Sklaventier vorstellen kann“, knurrte es hinter ihm. Er bekam einen Schlag und sackte zusammen. Er überlegte einfach liegen zu bleiben, doch er wusste, dass er dann nur noch weiter geprügelt würde.

Also raffte er sich auf.



Kapitel 1: Tiere der Tiefe

Ort: Zentralwelten der Terranischen Allianz Freier Völker, Megapolis-Planet Chutala, Chutala-City, untere Ebenen

Zeit: 4699,1 NSüdK (Nach Sieg über die Kilkarra)

Genormte Galaktische Zeitrechnung


„Großartig“, knurrte Isaak, als sich das Schott öffnete und ihm ein Schwall brackigen Wassers entgegen strömte. Es musste ungefähr kniehoch gestanden haben im mit grauem Kunststoff ausgekleideten Tunnel.

Nun, da er die Tür geöffnet hatte, schwappte es ihm entgegen. Er spürte, wie es in seine Stiefel eindrang, seine Hose hochkroch und sie gegen seine Knie klebte. Isaak trat reflexartig einen Schritt zurück, wohl wissend, dass es bereits zu spät war.

Im Gang war eine offene Wandverkleidung, aus der ein geborstenes Rohr herausragte, aus dem Wasser sickerte.

Nicht viel, ein stetiges Rinnsal, das den abgeschlossenen Gang gefüllt hatte. Pflanzen wucherten die Wände entlang und ließen lange, dünne Wurzeln ins Wasser ragen.

Eine große, glubschäugige Kreatur mit mehreren Armen saß auf dem Rohr und betrachtete Isaak. Die pelzigen Arme endeten in breiten Händen. Ihr Torso wirkte unnatürlich klein im Vergleich zu den Armen, die so lang waren wie Isaaks Beine. Sie blickte neugierig, vielleicht entstand dieser Eindruck aber auch nur durch die großen Augen. Sie musterte Isaak.

Dieser legte eine Hand auf sein Hüftholster und löste seine Pistole.

Er entsicherte sie. Dabei war in der Stille ein Klicken zu vernehmen. Die Kreatur fauchte kurz auf. Kannte sie womöglich Schusswaffen? Isaak besah sich den Gang genauer. Der Tunnel war eng und im hinteren Bereich fehlte viel Wandverkleidung, er war dunkel und nicht einsehbar.

Isaak hatte keine Lust aus dem Hinterhalt angegriffen zu werden. Andererseits wollte er nicht wahllos Tiere erschießen. Nicht nur aus humanistischen Gründen. Er hatte schlicht und ergreifend auch nicht mehr viel Munition.

Zusätzlich hatte er auch keine Ahnung, ob dieses glubschäugige Wesen nicht im Rudel jagte, oder möglicherweise einen großen Bruder besaß.

Dann nickte er, als er sich entschieden hatte.

„Gut, such ich mir einen anderen Weg“, erklärte er ruhig zu der Kreatur gewandt.

Er griff zum Türmechanismus und betätigte ihn. Das Schott schloss sich zischend.

Seine Füße machten ein patschendes Geräusch, während er sich auf den Weg machte, einen anderen Verbindungsgang zum nächsten wichtigen Gebäude auf seinem Weg in Stobos Territorium zu finden.

Dort würde er hoffentlich Julian Sanders finden.

Unzufrieden stapfte er weiter.

Nach einigen Abzweigungen befand er sich bei seinem zweiten möglichen Verbindungsgang. Auf der Karte, die auf seinem Handcomputerbildschirm zu sehen war, erschien dieser Gang schraffiert. Inzwischen wusste Isaak, dass das bedeutete, dass er nicht als gesichert, also nicht als unbedingt echt und existent galt. Der Kartenzeichner hatte ihn von einer anderen Karte übernommen, aber war sich nicht über die Echtheit im Klaren.

Isaak legte erneut die Hand auf seine Pistole und entsicherte sie, als er den Öffnungsmechanismus betätigte.

Ein Spalt bildete sich in der Mitte der Tür und sie glitt zischend auseinander.

Dahinter war ein breiter Gang mit großen Panoramafenstern. Wie die meisten Flure in diesem Gebäude war er mit grauem, glattem Kunststoff verkleidet. Wenige Pflanzen wucherten darauf, vermutlich fanden sie keinen Halt auf dem Material.

Dieser Korridor schien völlig leer und verlassen zu sein.

Isaak konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Zufrieden sicherte er seine Waffe wieder.

Ein bisschen Glück hatte er sich seines Erachtens auch verdient.

Immerhin sollte das Universum doch auch mal einen Ausgleich auszahlen. Dafür, dass er die glatzköpfige Frau gerettet hatte, zum Beispiel, ging es ihm durch den Sinn. Oder einfach als Gegenleistung für den Dreck, durch den er schon gewatet war.

Als er den Verbindungsgang zwischen den hohen Häusern durchquerte, blickte er kurz hinaus in die Dunkelheit, die hinter den Panoramafenstern lag.

Einst hatte sich dort die sicher beeindruckende Skyline der Stadt abgezeichnet, nun waren die Gebäude in solche Höhen gewachsen, dass man hier keinerlei Tageslicht mehr hatte.

Man war zu weit vom Boden entfernt, um ihn deutlich zu sehen, aber zu weit unten, um Tageslicht von oben zu bekommen, nicht einmal zur Mittagszeit.

Selbst wenn die Sonne direkt auf diesen Gang geschienen hätte, wäre es immer noch möglich, dass sich direkt darüber irgendwo eine Straße, eine Passage oder irgendeine Plattform zwischen zweien der gigantischen Hochhäuser spannte und den Verbindungsgang trotzdem in Schatten tauchen würde.

Isaak machte sich wieder auf den Weg, denn er hatte noch einiges an Strecke vor sich. Er nahm aber an, dass er nur einen Teil schaffen würde, denn er wollte sich ein Feuer entzünden, wenn er geeignetes Brennmaterial fand, um seine Schuhe zu trocknen.

So langsam wurden ihm die nassen Stiefel unangenehm.



Isaaks Stiefelspitze tastete nach einem Halt. Er fand ein herausragendes Stück Metall und stützte sich probeweise darauf. Es schien zu halten.

Dann ließ er vorsichtig mit einer Hand das Stahlrohr los, das neben ihm aus der aufgerissenen Wand ragte, und griff nach einem neuen Halt. Ein altes Kabel war in Reichweite.

Er hatte vorsichtshalber seine Handschuhe angezogen. Er konnte nicht davon ausgehen, dass die Kabel hier unten nicht mehr mit Strom versorgt wurden.

Inzwischen fragte er sich, ob nicht die Hälfte des Energiebedarfs Chutala-Citys hier unten, in den lichtlosen Tiefen verbraucht wurde. Unzählige Tausendschaften an Lampen und Leitungen, die seit Jahrhunderten mit Strom beliefert wurden, ohne dass ihn jemand nutzte.

Plötzlich knackte es.

In der Sekunde, in der Isaak begriff, was passierte, war es zu spät.

Der kleine Vorsprung, auf dem sein linker Fuß gestanden hatte, war weggebrochen und Isaak klammerte sich mit aller Kraft an das Kabel.

Es knirschte und kleine Steine brachen rund herum aus der Wand, als er mit seinem ganzen Gewicht an dem Kabel hing.

Unter ihm war nebelige Dunkelheit.

Er versuchte in teilweise zertrümmerten Gebäuden herabzuklettern. Nicht dass es keinen leichteren Weg gegeben hätte. Doch um zu Stobos Territorium zu kommen, hätte das einen fast dreiwöchigen Umweg bedeutet, oder aber durch ein Gebiet, das mit „Peschark“ gekennzeichnet war. Inzwischen wusste er, dass diese menschenfressenden Kreaturen keineswegs die Erfindungen der Menschen hier unten waren.

Sie waren real.

Er merkte, wie er langsam abrutschte.

Das Kabel war mit einer moosigen Pflanze bewachsen. Er versuchte verzweifelt mit den Füßen irgendwo Halt zu bekommen. Dann verlor er den Halt und rutschte endgültig ab.

Er fiel allerdings nicht sonderlich tief.

Einige Meter unter ihm ragten weitere Rohre aus dem zerstörten Gebäude. Sie waren mindestens einen Meter dick im Durchmesser. Er schlug hart mit dem Arm gegen eines der Rohre und versuchte sich verzweifelt daran festzuhalten.

Ein paar Meter tiefer krachte er mit dem Bauch der Länge nach auf ein anderes Rohr.

Ihm blieb die Luft weg. Wie ein Schlag in die Magengrube fühlte es sich an. Doch er klammerte sich aus Schmerz und Verzweiflung an diesem Rohr fest.

Isaak sah sich um und zog zischend die Luft durch seine Atemmaske ein, als der Schmerz stärker wurde.

Hoffentlich nichts ernsthaft verletzt, ging es ihm durch den Sinn. Er fühlte sich zerschlagen, alles begann zu schmerzen. Er tastete in den Dunst unter sich. Langsam wurde seine leicht getrübte Sicht wieder klar. Wie weit es wohl noch von hier aus nach unten war? Konnte er den Sprung wagen? Sollte er erst einmal liegen bleiben? Dann allerdings musste er lachen. Er fühlte wie ein Teil der Anspannung von ihm wich. Einen knappen Meter unter ihm war eine Plattform undeutlich im Nebel zu erkennen. Es sah aus wie ein Balkon.

Das Schicksal schien ihn doch nicht völlig vergessen zu haben.

Mühsam kletterte er von dem Rohr herab und sah sich auf dem Balkon um. Seine Bewegungen waren langsam und steif.

Hier schien schon lange niemand mehr gewesen zu sein.

Die Tür, die eigentlich den Balkon von einem großen Wohnraum abtrennen sollte, fehlte.

Nicht einmal Stücke der Verankerung der Tür in der Wand waren vorhanden.

Das gehörte ebenso zu den Untiefen Chutala-Citys. Was nicht vollkommen niet- und nagelfest war, wurde mitgenommen. Die unteren Ebenen ernährten so auf gewisse Weise auch manchmal die oberen, indem Material eingeschmolzen wurde und oben neu verarbeitet.

Isaak nahm seine Taschenlampe in die eine Hand und eine entsicherte Pistole in die andere.

Er leuchtete in den leeren Wohnraum hinein. Er war leer bis auf einen Einbauschrank. Etwas bewegte sich in der Zimmerecke und lenkte Isaaks blick auf sich.

Eine seltsame Pflanze wuchs in einer der Ecken und bewegte ihre Blütenköpfe in seine Richtung, hin zum Lichtkegel.

Es waren Perestorias-Blumen, zumindest glaubte er einmal etwas über sie gelesen zu haben.

Kam man ihnen näher als dreißig Zentimeter, um ihre Blüten zu bewundern, die in allen Farben des Regenbogens schillerten, erzitterten sie und bliesen eine Wolke aus giftigen Sporen frei.

Diese setzten sich in die Lunge, wo sie heranwuchsen, bis sie den Wirt schließlich töteten.

Dieser bildete dann die Nährstoffgrundlage für eine neue Pflanze.

Bei all dieser Tödlichkeit musste Isaak aber zustimmen, dass die Blüten wunderschön waren. Hypnotisch schillerten die Farben, während die Pflanze sich sacht bewegte.

Isaak hielt sich in einiger Entfernung zu der Pflanze, als er den Raum durchquerte, und trat in einen Korridor.

Die Haustür des Apartments fehlte ebenfalls.

Auch hier waren große Teile der Wand aufgerissen. Vermutlich hatte man die ganze Elektronik gleich mit entfernt. Immerhin brachten mehrere Kilo dieser Kabel einiges an Schrottwert mit sich.

Isaak besah seinen Handcomputer und überprüfte seine Position.

Dann wandte er sich wieder zum Gehen, doch bereits nach zwei Schritten erstarrte er.

Sechs Beinpaare, die in spitze Nadeln übergingen, klackerten vor ihm über den Boden. Es war eine Hachee. Eine Rote Hachee, eines der giftigsten Tiere in den Untiefen Chutalas.

Ihr Körper hatte sicher mehr als 30 Zentimeter Durchmesser. Einen knappen Meter vor Isaak krabbelte sie durch den Korridor und erstarrte dann ebenfalls.

Einige Zeit geschah nichts.

Isaak versuchte Augen auf der Hachee auszumachen, war sich aber nicht sicher, was in der unebenen panzerartigen Oberfläche der Hachee nun Sinnesorgane waren.

Er versuchte seinen Atem zu beruhigen.

Seine Gedanken rasten.

Sollte er schießen? Wie schnell war eine angreifende Hachee? Er wusste, dass ihr Gift tödlich war, und er war fern jedweder medizinischer Versorgung.

Er bezweifelte, dass die paar Desinfektionstücher und das Pflaster, das er dabei hatte, helfen würden. Ein leises „Klick“ ertönte.

Die Hachee bewegte eines ihrer vorderen Beine auf ihn zu. „Klack“. Dann ein weiteres Bein, das sich vorwärtsbewegte.

Isaaks Hand verkrampfte sich am Abzug seiner Pistole.

Sie war nicht genau auf die Hachee ausgerichtet. Wie schnell war eine Rote Hachee?

Klick, klack.

Sie bewegte zwei weitere Beine.

Langsam, tastend, so kam sie Isaak vor. War sie womöglich gar nicht mit einem guten Sehvermögen ausgestattet?

Isaak reagierte. Er zielte und feuerte auf die Hachee. Sie sprang blitzschnell bereits vorher einen Meter in die Höhe. Die Projektile verfehlten sie. Sie kam wieder auf dem Boden auf und war direkt vor Isaak.

Sie stach eines ihrer Vorderbeine in Isaaks Oberschenkel.

Ein Schmerz explodierte förmlich in seinem linken Bein, so dass er einknickte.

Dabei feuerte er erneut auf die Hachee. Diese zog den Stachel heraus, schaffte es aber nicht auszuweichen.

Mehrere Stücke ihrer Panzerung platzten weg, als die Projektile sie durchschlugen.

Sie fiel auf den Rücken und dreckig-gelbes Blut sickerte aus ihrem Panzer auf den Boden.

Isaak rutschte ein Stück von ihr weg und besah sich seine Beinwunde.

Der Schmerz war auf ein erträgliches Maß gesunken. Es fühlte sich an als stecke ihm ein langer Dorn im Oberschenkel.

Die Wunde blutete kaum. Er fühlte sich wackelig auf den Beinen, wie nach einem langen Spurt. Die Prellungen an seinem Körper die er sich beim Sturz zugezogen hatte, hörten langsam auf zu schmerzen.

Mühevoll ging er einen Schritt weiter. Er versuchte einen Fuß vor den anderen zu setzen und stützte sich dabei immer wieder an den Wänden ab. Die Welt wurde immer unschärfer.

Er wusste nicht, wie weit er bereits den Korridor entlanggegangen war, als er plötzlich vor einer verschlossenen Tür stand.

Er blickte sich um und suchte nach einem Öffnungsmechanismus.

Da war einer, in Hüfthöhe neben der Tür. Er leuchtete schwach in der Dunkelheit. Seine Konturen waren seltsam unscharf. Überhaupt merkte Isaak erst nun wirklich, wie völlig unscharf die Umgebung auf ihn wirkte, wie durch den Boden eines dicken Glases gesehen. Verzerrt und irreal.

Er betätigte den Mechanismus ohne genau zu sehen, was er drückte.

Die Tür glitt auf und Isaak stolperte in einen dunklen Raum.

Er fiel vorne über und landete auf einem faulenden Etwas, das ihn kurz die Welt klarer sehen ließ. Es stank erbärmlich nach Verwesung. Ein verrottender Teppich vielleicht?

Er hob den Blick und sah im Dunkel eine Bewegung. Seine Taschenlampe war ihm aus der Hand gelitten und kullerte ein Stück von ihm weg auf dem Boden herum.

Ihr Schein glitt über etwas, das sofort auswich.

Jemand murmelte etwas.

Isaak konnte nicht sagen, von wo die Geräusch herkamen oder ob es menschliche Stimmen waren.

Vielleicht waren es Raubtiere?

Er verkrampfte seinen Griff um die Pistole, die er immer noch trug. Sie war bereits entsichert.

Er versuchte den Griff in Richtung der Bewegung zu heben.

Ein Schuss dröhnte. Isaak wusste nicht, ob er geschossen hatte. Dann sickerte die Erkenntnis in seinen Verstand, dass er abgedrückt hatte. Erneut waren Stimmen zu hören. Wieder Geräusche und eine Bewegung. Möglicherweise hatte er das Tier durch den Schuss verscheucht.

Dann wurde die Welt immer dunkler. Isaak schloss die Augen. Nur kurz ausruhen, nur kurz verschnaufen, um dann weiter zu machen.

Er fühlte sich, als versinke er in warmem Wasser. Tief, tiefer, immer weiter hinab in eine endlose Schwärze, die ihn wohlig warm umfasste. Er wollte nur kurz ausruhen.



Kapitel 2: Krankenstation

Ort: An Bord der BELLEZA

Zeit: 4699,1 NSüdK

Genormte Galaktische Zeitrechnung


„Wachen Sie auf, Krieger“, brummte eine Männerstimme nicht weit von Jerel entfernt. Dieser schreckte aus seinem leichten Schlaf auf. Seine Hand schoss zu seiner Pistole.

„Das würde ich an Ihrer Stelle lassen.“

Jerels Erinnerung an die letzten Stunden kehrte zurück. Seit einem Tag nun schon wachte er an dem Tank, in dem Narlie schwamm. Man hatte sie mit den Medikamenten und dem medizinischen Versorgungsmaterial so gut es ging verarztet. Nun machte der Tank, in dem sie trieb, den Rest. Es war eine Nährstofflösung, die die Heilung beschleunigte. Beatmet wurde sie durch einen Schlauch.

Jerels Blick wanderte von dem Arzt, der ihn geweckt hatte, zum Tank.

Er war leer.

„Wo ist sie?“

„Deswegen wecke ich Sie ja“, erklärte der Arzt mit einer nervtötenden Ruhe und Langsamkeit in der Stimme. „Sie ist in einem unserer Krankenzimmer und darf bald wieder herumlaufen. Sie muss sich aber noch schonen. Da sie keine Auskunft geben wollte, tun Sie das vielleicht. Was ist sie? Ein normaler Mensch ist sie doch sicher nicht. Dazu hat sie die falschen Werte.“

Jerel schüttelte den Kopf.

„Das geht Sie nichts an, Doktor, es ist besser, Sie vergessen sie wieder“, erklärte er. „Wo genau ist sie?“

Der Arzt zuckte die Schultern und führte ihn von dem großen Hauptsaal der Krankenstation zu einem Gang. Dort waren drei Dutzend Türen auf jeder Seite. Direkt am Anfang des Ganges blieb er stehen und deutete auf eine Tür.

„Hier, es ist nicht allzu viel los“, erklärte er.

Dann verließ er Jerel. Dieser stand nun vor der Tür und dachte einen Moment nach.

Dann trat er ein.

Narlie saß auf einem schmalen Bett. Der Raum war spartanisch eingerichtet mit einem Schrank und einem schmalen hüfthohen Regal.

Sie trug ein weißes Krankenhaushemd und saß aufrecht gegen ein großes Kissen gelehnt. Verbände waren an ihren Armen zu sehen, Pflaster überall am Hals und im Gesicht.

„Jerel“, sagte sie und legte das Datentablett weg, das sie bis dahin in Händen gehalten hatte.

„Danke“, fügte sie noch hinzu.

„Wofür?“, erwiderte er.

„Dass du Tarell geholfen hast, mich zu retten. Der Arzt sagte, ohne die Beute ...“, sie beendete den Satz nicht und ihre Hand wanderte unwillkürlich zu einem Pflaster in ihrem Gesicht.

„Es werden Narben bleiben“, erklärte sie dann. „Der Arzt sagt, sie werden nicht die eines Verbrennungsopfers sein. Dafür war das Zeug zu gut, mit dem sie mich behandelt haben. Aber Narben werden bleiben.“

Jerel nahm den Helm vom Kopf und unter den Arm. Er trat zu ihr ans Bett und sah ihr direkt in die Augen.

„Du bist doch sehr terranisch“, meinte er dann und lächelte schief.

„Inwiefern?“

„Terraner haben ihre Schönheitsideale, wollen makellos sein, jung und unverbraucht, als hätten sie noch nie gelebt“, erklärte er und setzte sich zu ihr auf das Bett.

„Und Dratikaner sind da sicherlich pragmatischer, oder?“, fragte sie.

„Narben sind etwas, das wir mit Stolz tragen. Sie zeigen, dass wir lebten, Fehler machten. Es sind ins Fleisch gegrabene Lektionen. Man lernt aus ihnen. Sie sind keinesfalls hässlich, sondern äußerst attraktiv. Wer viele Narben hat, hat auch bereits gelebt, ist erfahrener.“

„Attraktiv“, wiederholte Narlie und grinste breit. „Dann muss ich mich ja bald vor euch Dratikaner-Männern in Acht nehmen.“

Er lächelte und nickte.

„Deswegen tragen wir Rüstungen mit Helmen, um uns nicht gegenseitig in der Schlacht abzulenken“, sagte Jerel und zwinkerte ihr zu. „Außerdem, wer zu viele Narben hat, könnte ein Idiot sein, der nichts lernt. Das verbirgt die Rüstung dann auch.“

Es war schön sie lachen zu sehen, dachte er.


*


„Danke, dass ihr alle gekommen seid“, eröffnete Tarell das Gespräch. Sie saßen an einem ovalen Tisch in einem kleinen Raum nahe der Brücke der BELLEZA. Normalerweise versammelten sich hier die Führungsoffiziere eines Schiffes. Für größere Versammlungen gab es neben der Hauptschiffsmesse einen großen Raum, die Offiziersmesse. Doch um den voll zu bekommen, hätte Tarell sämtliche Kommandanten unter seinem Kommando einberufen müssen. Nun waren nur eine Handvoll wichtiger Leute anwesend. Jerel, seine Schwester, Narlie und viele andere der Dratikaner wie Bast, Kore oder Nague. Kores mattgrüne Rüstung sah frisch lackiert aus. Tiefe Falten zeichneten sein Gesicht. Er wirkte ausgemergelt auf Jerel. Schlimme Dinge mussten ihm widerfahren sein.

Tarell war aufgestanden und blickte nun der Reihe nach die Leute um sich herum an.

Bei Jerel und Narlie verharrte sein Blick.

„Ihr seid nicht die einzigen beiden, die sich fragen, was wir hier tun“, setzte er an. „Auch andere hier sind meinem Ruf gefolgt, ohne zu wissen warum. Ich werde euch sagen, was ich hier vorhabe. Manch einer von euch denkt, ich habe hier ein kleines Piratengeschäft vor. Ich will mich aber nicht nur bereichern. Ich diene der ehrenvollsten Pflicht eines Dratikaners in Zeiten des Allgemeinen Friedens“, erklärte er. Der Allgemeine Frieden war ein dratikanischer Begriff für den Zustand, in dem die Dratikaner als Gesamtheit keinen Krieg führten. Ein Zustand, der nach Meinung vieler Dratikaner schon viel zu lange dauerte.

„Dem Geld?“, höhnte Kore und erntete dafür sowohl Lacher als auch böse Blicke anderer Dratikaner.

„So weit bist du gar nicht davon entfernt. Ja, ich bin als Söldner hier. Doch es geht um mehr. Was ich euch jetzt verrate, wird diesen Raum nicht verlassen. Ich verlasse mich auf eure Verschwiegenheit. Ihr seid der Ehre verpflichtet“, erklärte er. Nicken reihum.

„Dann sollten Sie fortfahren, Edzarad.“ Tarell setzte sich.

Ein Mann betrat durch das große Schott den Raum. Er trug eine dunkle Robe und eine Kapuze, die sein Gesicht in Schatten hüllte. Erst glaubte Jerel einen Menschen vor sich zu haben. Doch dann schlug der Mann seine Kapuze zurück. Sein Schädel war völlig kahl, nicht einmal Augenbrauen gab es. Er hatte rotschwarze Haut und dunkle Augen. Das, was bei einem Menschen weiß im Auge war, war bei ihm grau.

Eine Zackenmuster-Tätowierung überzog sein Gesicht. Jerel hatte noch nie ein Wesen gesehen wie dieses. Welcher Rasse gehörte er an? Woher kam er?

„Mein Name ist Edzarad. Ich sehe die Fragen in Ihren Augen, also werde ich sie beantworten. Ich bin ein Angehöriger des Cionakaner-Volkes. Ich diene unserem Riotha namens Jarkin“, erklärte er mit einer tiefen leisen Stimme. Es war ein Flüstern, in dem eine Drohung lag. Dieser Mann hatte es nicht notwendig laut zu werden, um seinen Willen durchzusetzen. Er klang wie jemand, der es gewohnt war, dass man seinen Worten Achtung und Aufmerksamkeit zollte.

„Ich vertrete eine Gruppe namens die Union. Wir haben Tarell schon vor langem angeheuert. Er versicherte mir, dass Sie herausragend sind bei dem, was Sie tun. So herausragende Leute, wie wir sie brauchen.“

Er ließ seine Worte auf die Anwesenden wirken. Er spürte die Blicke auf sich und wirkte völlig unbeeindruckt von der Versammlung.

Ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel.

Ein wissendes Lächeln. „Wir wollen, dass Sie dem Kaiserreich schaden, es bluten lassen.“

„Für einen Vernichtungskrieg müssen Sie aber besser zahlen. Da brauchen wir mehr Männer“, erklärte Bast ruhig.

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