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Kommissar Stenz jagt den Roten Blitz

Geldbeschaffung

Blitze durchzuckten seinen Schädel, seine Energie schien zu explodieren. Er war voll drauf und ließ es alle wissen.

„Willst Du nicht mal tanzen, Puppe“, sagte er zu der Studentin mit roten Haaren.

„Ach, lass mal gut sein, Alter“, grinste sie ihn an.

Die Party war im vollen Gange. Es war eine dieser Stehpartys, in einem Hinterhof in Berlin.

Die Stereoanlage spielte irgend etwas Rockiges, sie waren nicht besonders aggressiv.

„Leihe mir mal dein Ohr, Rainer“, sagte Denis.

„Wir labern mir zu viel. Mich ödet das an. Wann kann mal was passieren?“

„Mensch, du bist zugedröhnt. Was willst du denn machen?“, nervte es Rainer.

„Ich habe da eine blendende Idee. Das sollten wir morgen mal besprechen. Kommst du auch zu Juvena? Morgen um drei“, befahl Denis.

„Ja, Mann. Jetzt lass mich Spaß haben, die ernsten Kisten können bis morgen warten“, sagte Rainer und tanzte eine Lehrerin an.

 

Rainer hatte Denis vor 2 Jahren auf einer Campusdemo kennengelernt. Er war begeistert von ihm. Denis war so anders als die Dauerredner vom Spartakus und vom Marxistenbund. Er war in allem anders. Wenn man ihm gegenüberstand, war man immer unter Druck. Man hatte kaum eine ruhige Minute. Denis riss jeden mit seiner Energie und seinem Sachverstand vom Hocker. Denis war wirklich subversiv, das war es, was Rainer bei ihm empfand. Seine politische Analyse war brillant und seine Aura hatte etwas von einem mexikanischen Desperado. Er war kein Revolutionär, er war ein krimineller Heiliger. Sie hatten sich, nachdem sie sich mit Ecstasy und Speed auf Touren brachten, an Demos beteiligt und die Bullen provoziert. Bei Anti-Naziveranstaltungen hatten sie schnell die Steine mit Molotowcocktails getauscht. Sie hatten Bullenwagen angezündet, die Reifen zerstochen und sich bei der Festnahme mit Händen und Füßen gewehrt. Sie sind nass abgespritzt worden, landeten in einer Gemeinschaftszelle. Mit Denis war alles ein Kinderspiel. Er saugte sich selbst aus, war immer klar – selbst bei den Halluzinogenen. Denis sah die Welt als seine Bühne an. Hier waren wir alle Schauspieler. Niemand hat das Recht einen anderen zu regieren. Niemand darf Gesetze erlassen, denn es gibt kein Gesetz, das für alle gelten kann. Sein anarchischer Drang nach Krawall, war für Denis eine Art Naturgesetz.

Rainer wusste, dass Denis etwas vorhatte. Die kleine Gruppe, die er wie ein Guru um sich geschart hatte, bestand aus drei Frauen und drei Männern. Das war der harte Kern. Juvena, Yvonne und Karen, Kevin und er. Denis war der unangefochtene Chef. Er hatte es geschafft, die Gruppe gegen Anfeindungen von außen stabil zu halten. Er hatte ihnen einen Namen gegeben. „Roter Blitz“, war die Bezeichnung ihrer Gruppe. Der „Rote Blitz“ war aber mehr als eine Kampfansage gegen das Establishment. Es war eine in sich abgeschlossene Philosophie, die niemand besser erklären konnte, die niemand mehr verkörperte, als Denis.

Rainer wusste, dass Denis nichts mehr hasste, als den Vergleich mit den Alten, wie er sie nannte. Die Alten, das waren die Baaders und die Meinhofs, auch die dritte Generation, die ganze alte Hippisoße. Der „rote Blitz“ sollte etwas ganz anderes sein.

„Wir sind die einzige Revolution, die keine Scheiße ist“, hatte Denis gepredigt.

„Wir bauen etwas auf, wir wollen nicht nur die Fratze des Systems entlarven. Bei uns geht es nicht darum, dass sich ein Polizeistaat entwickelt, der dann für Stimmung im Volk sorgt. Wir haben eine gänzlich andere Ausgangsposition als die alten Damen und Herren. Auch ist die gesellschaftliche Entwicklung an einem Punkt, der geradezu danach verlangt, dass wir Öffentlichkeit erzeugen. Darum geht es. Wir müssen die Massenmedien für uns nutzen. Sie werden unsere Botschaften in jedes Wohnzimmer der verkalkten Spießer tragen. Es muss unsere Aufgabe sein, dem System einen vernichtenden Schlag zuzusetzen. So vernichtend, dass danach Chaos und Anarchie ausbrechen“, hatte Denis der Gruppe gepredigt.

Denis hatte aber auch einiges von den Alten übernommen. Er nannte, wie sein Idol Andreas Baader, die Frauen „Bitches“. Das sei aber, so argumentierte er, kein patriarchalisches Gebaren, sondern eine befreite und ehrliche Form der eigenen Deformation. So hatte Denis für alles eine passende Erklärung, auch wenn die Gruppe sich manches Mal über seine rauen Umgangsformen beschwerte. Für Denis gab es Gehorsamspflicht. Wie in einem militärischen Kader musste alles diszipliniert ablaufen.

„Wir können nicht hier mit fucking Demokratie oder laschen Strukturen arbeiten. Das ist was für Amateure. Wir müssen wie eine Kampfgruppe arbeiten. Guerilla bedeutet, dass wir wie ein Uhrwerk funktionieren. Wir haben deshalb die Pflicht, jeden Verrat in der Gruppe, jedes Abweichen, wir müssen dagegen angehen und das mit eiskalter Härte. Wenn wir unsere Gruppe infizieren lassen, wenn wir es zu lassen, dass uns das System gegeneinander ausspielt, dann sind wir nur nützliche Idioten. Wir wollen aber keine Idioten sein“, waren Denis` Worte.

 

An diesem Nachmittag traf sich der „Rote Blitz“ zum Kadertreffen. Juvena hatte eine Wohnung aufgetan, die relativ sicher schien. Bisher hatte die Gruppe nur kleinere Aktionen durchgeführt. Die Finanzierung der Gruppe war nicht gesichert. Für ein endgültiges Abtauchen und ein Leben im Untergrund fehlten die Mittel. Das war jedem klar. Die Erbschaft von Yvonne war nicht genug. Rainer stieg die Treppen zur dritten Etage hinauf. Der Flur war in einem erbärmlichen Zustand. Alles war voll mit Graffiti und das Treppenhaus machte keinen stabilen Eindruck.

 

„Rainer, schön das du da bist. Setze dich zu uns“, begrüßte ihn Denis, der im Schneidersitz auf dem Fußboden saß. Die anderen waren schon da, Rainer war verspätet.

„Dann können wir ja anfangen“, sagte Denis.

„Wie sieht es mit der Kohle aus“, fragte Denis Yvonne, die mal in einer Bank gearbeitet hatte und deshalb die Finanzministerin der Gruppe war.

„Nicht gut, Denis. Wir haben im Moment schlappe dreißigtausend“

„Das ist zu wenig. Wir brauchen jetzt Mittel, die größere Operationen ermöglichen. Dann müssen wir eben an die Banken ran. Wir machen das in zwei Gruppen. Die Bitches und die Männer. Wir teilen uns auf. Ich denke, das wir da am besten in Mannheim das Ding drehen. Die Weiber dort und ich mit den Kerlen im Ruhrgebiet“, sagte Denis.

Die Gruppe hatte noch keine nennenswerten Erfahrungen, was Banküberfälle anging. Es barg ein hohes Risiko, dass die Gruppe sich zersplittern konnte, dass man gefangen genommen wurde oder verletzt werden konnte. Yvonne hatte eine andere Idee, die sie zaghaft einbrachte.

„Wir könnten aber auch eines dieser Sicherheitsunternehmen überfallen. Die Geldtransporter. Die sind beschissen ausgebildet und schlecht bewaffnet. Vielleicht ist das weniger riskant?“

„Willst du die dann über den Haufen schießen, oder wie stellst du dir das vor?“, ereiferte sich Denis.

„Wir haben von der Mohammed-Connection gute Schnellfeuerwaffen bekommen.

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