Logo weiterlesen.de
Kommissar Morry - Die Falle

Kommissar Morry - Die Falle

Cedric Balmore

Published by Uksak Sonder-Edition, 2017.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Kommissar Morry

Copyright

Cedric Balmore: Kommossar Morry - DIE FALLE | Kriminalroman

Roman

About the Publisher

Kommissar Morry

Kommissar Morry ist eine Serie von Kriminalromanen mit allen Zutaten klassischer Detektivgeschicten im englischen Stil. Nebelige Gassen, unheimliche Geschehnisse, skrupellose Mörder und ein Ermittler, der mit Scharfsinn und Beharrlichkeit dem Verbrechen den Kampf angesagt hat. Die Romane erschienen in den 1950er Jahren und spiegeln ihre Zeit wieder.

Verfasst wurden die Kommissar Morry Kriminalromane  von Cedric Balmore (d.i. Hans E. Ködelpeter),  der später auch zahlreiche Romane zu den Serien Jerry Cotton, Kommissar X  und 'Die schwarze Fledermaus beitrug.

Cedric Balmore: Kommossar Morry - DIE FALLE

Kriminalroman

––––––––

Der reiche Mister Gilbert Philmore ist tot. Ein scheußlicher Akt der Gewalt hat seinem einsamen Leben ein Ende gesetzt. Aber die erbende Gattin Helen trauert nicht. Sie hat ihn nie geliebt. Liebte sie sein Geld? Detektivleutnant Leroy versucht das herauszufinden. Leider ist er befangen; denn Helen verzehrt sich noch immer leidenschaftlich nach dem Kriminalisten, der einst ihr Freund war. Und Leroy bleibt nicht ganz ungerührt, obwohl er seine Grenzen kennt. Da macht der gefährliche Meggario der Tücke des Gefühls ein Ende. Sein Erscheinen läßt Bürger und Unterwelt erzittern. Doch er wird in den Maschen des Gesetzes hängen bleiben, wenn er sich weiter überschätzt. DIE FALLE ist aufgestellt, bald schlägt sie zu. DIE FALLE ist der Roman einer spannenden Auseinandersetzung kriminalistischer Intelligenz und verbrecherischen Wahnwitzes. 

Roman

Niemand, ausgenommen die Polizei, schien böse darüber zu sein, daß es Gilbert Philmore erwischt hatte. Jeder in der Stadt wußte, daß er ein Mann gewesen war, der sein Vermögen in der rücksichtslosesten Weise erworben hatte. Nun war er tot. Zwei Kugeln aus einer Luger-Pistole hatten ihn getroffen.

Es war ein offenes Geheimnis, daß nicht einmal seine junge Frau Helen bedauerte, über Nacht zur Witwe geworden zu sein.

Helen war erst 23, genau dreißig Jahre jünger als der ehrgeizige und skrupellose Philmore. Die Spatzen pfiffen es von den Dächern, daß sie ihren Mann nur wegen seines Geldes geheiratet hatte. Jetzt, wo ihr die Millionen Philmores zur freien Verfügung standen, konnte sie völlig unbeschwert das Leben führen, von dem sie immer geträumt haben mochte. Helen war in erster Linie die Nutznießerin seines Todes. Es lag deshalb auf der Hand, daß es viele Leute gab, die Helen Philmore der Tat verdächtigten.

Aber Helen hatte sich an jenem 12. Mai, als Philmore in seiner Wohnung ermordet wurde, nicht in Chikago aufgehalten. Sie war bei den Eltern in New York gewesen.

Ein Telegramm rief sie von dort nach Chicago zurück. Am frühen Morgen des 13. Mai traf sie, von neugierigen Reportern bedrängt, in Chicago ein. Sie lehnte es ab, irgendwelche Kommentare zu geben und ließ sich von einem Taxi zu der eleganten Villa bringen, die Philmore am Lake Shore Drive errichtet hatte.

Dort erwartete sie Detektivleutnant Leroy.

Leroy sah dem Wiedersehen mit gemischten Gefühlen entgegen. Er war nicht sehr glücklich darüber, mit der Aufklärung des Mordes betraut worden zu sein.

Helen hatte ihm vor ihrer Heirat sehr nahe gestanden, ja, er hatte sogar gehofft, daß sie eines Tages seine Frau werden würde. Es hatte ihn damals tief verletzt und verbittert, daß sie den Älteren vorgezogen hatte.

Seitdem hatte er Helen nicht wieder gesprochen.

«Ich bin nicht der richtige Mann für diesen Job", hatte er seinem Vorgesetzten erklärt. 

„Ich habe Helen geliebt und Philmore gehaßt. Wie kann ich da eine objektive Untersuchung führen?"

„Unsinn, Rick. Ich kenne Sie gut genug, um zu wissen, daß Sie sich nicht von privaten Gefühlen beeinflussen lassen. Im übrigen sind Sie ja jetzt selber verheiratet, und die ganze Geschichte liegt schon Jahre zurück, nicht wahr? Bestimmt sind Sie längst darüber hinweg gekommen!"

War er wirklich darüber hinweg? Rick fragte sich, ob das stimmte, als Helen das riesige Wohnzimmer betrat.

Sie sah noch immer strahlend schön aus, elegant und attraktiv. Er merkte, daß sich der Rhythmus seines Herzens beschleunigte. Helen trug ein dunkelblaues Reisekostüm. Offenbar war es ihr noch nicht gelungen, passende Trauerkleidung zu besorgen.

„Rick!" sagte sie erstaunt und streifte die Handschuhe ab.

„Hallo", murmelte er. „Hat der Butler dir nicht gesagt, daß ich hier bin?"

„Er sagte nur, daß mich ein Polizeibeamter erwartet."

„Stimmt. Der Beamte bin ich.*

„Du bist also noch immer bei der Polizei?“

„Wie du siehst ..."

„Sergeant Leroy!" sagte Helen Philmore und kam langsam näher. „Du siehst gut aus."

„Ich habe es inzwischen zum Leutnant gebracht'^ erklärte er. „Außerdem bin ich verheiratet."

„Meinen Glückwunsch!“ sagte Helen. Es schien Rick, als klängen die Worte ein wenig spöttisch, aber er konnte sich täuschen. „Ein beachtlicher Fortschritt."

„Ich bin zufrieden", meinte er trocken.

Er merkte, daß Helens Blick plötzlich starr wurde. Sie schaute wie gebannt auf einen Fleck in der Nähe des Kamins; dort war mit Kreide nachgezeichnet, wo Philmore gelegen hatte.

„Lieber Himmel ... ", murmelte sie.

„Es tut mir leid", sagte er.

Sie blickte ihn an. „Es braucht dir nicht leid zu tun", meinte sie. „Du bist niemals sehr höflich gewesen. Warum versuchst du es ausgerechnet jetzt?"

„Ich  weiß nicht, was du erwartest."

„Ehrlichkeit“, meinte sie, besonders von dir !“

„Okay“, sagte er. „ Soll mir recht sein.“

Helen legte die Handschuhe auf ein Tischschen und rieb sich die Hände, als ob ihr kalt sei. Ihr Blick durchwanderte das Zimmer, als sehe sie den Raum zum ersten Mal. „Hier ist es also passiert — ein schrecklicher Gedanke!"

Rick wies auf ein Kreidekreuz in der Nähe der Tür. „Wir vermuten, daß der Täter dort gestanden hat."

Helen fragte: „Hast du eine Zigarette bei dir?"

Er holte ein Päckchen ,Camels‘ aus der Tasche und hielt es ihr hin. Als sie dicht vor ihm stand, spürte er den Duft ihres Parfüms.

„Du benutzt nicht mehr die alte Sorte", meinte sie. „Als wir uns trennten, rauchtest du ,Luckys'."

Er gab ihr Feuer. „Du hast ein gutes Gedächtnis."

„Danke.“ Sie betrachtete ihn kritisch. „Du ziehst dich besser an", stellte sie dann fest.

„Ich verdiene ein bißchen mehr."

„Das ist es nicht. Du hast mehr Geschmack. Oder ist es der Geschmack deiner Frau?"

„Ich bin nicht hier, um über meine Frau zu sprechen", sagte er kühl.

Helen lächelte matt. „Du bist sehr förmlich geworden, aber vermutlich liegt das an mir. Ich bin zuweilen nicht sehr geschickt in meinen Formulierungen."

„Das warst du nie."

„Rauchst du nicht mit?"

„Danke, nicht jetzt."

„Wie wäre es mit einem Cognac? Oder ziehst du dir Whisky vor?"

„Ein Cognac wäre nicht übel."

Helen legte die angerauchte Zigarette auf den Rand eines Aschers und ging zu einem Wandschrank. Rick bewunderte ihre Art, sich zu bewegen. Helen war vor ihrer Heirat ein begehrtes Mannequin gewesen; sie hatte jedoch niemals eine Mannequin-Schule besucht, die Grazie war ihr angeboren. Rick fand, daß sie nichts davon verloren hatte.

„Ich schlage vor, daß wir uns setzen", meinte sie, als sie mit der Flasche und zwei Cognacschwenkem zurückkehrte, „es ist sonst so ungemütlich.“

Sie setzten sich mit dem Rücken zum Kamin auf eine überdimensionale Couch. Helen stellte die Flasche und die Gläser auf einen niedrigen Clubtisch. „Würde es dir etwas ausmachen, uns zu bedienen?"

Er entkorkte die Flasche und füllte die Gläser. Es irritierte ihn, zu spüren, wie ernst und sorgfältig Helen ihn dabei beobachtete. Sie schien jede Einzelheit seines Gesichtes und seiner Hände in sich aufzunehmen.

„Du bist männlicher geworden", sagte sie.

„Woran willst du das erkennen?" fragte er und stellte die Flasche beiseite.

„Das merkt eine Frau."

„War ich dir damals noch nicht männlich genug?" fragte er und stellte die Flasche beiseite. „War Philmore männlicher?"

Es war eine taktlose Frage; er ärgerte sich, als die Worte heraus waren. Helen lächelte matt. Sie griff nach dem Glas. „Vielleicht", sagte sie. „Worauf trinken wir?"

„Auf deine Zukunft."

Helen lachte leise. „Du bist zu bescheiden. Laß uns auch auf deine Zukunft, auf unsere gemeinsame Zukunft trinken."

Er schaute sie an. „Das könnte zu Mißverständnissen führen."

„Mißverständnisse können sehr amüsant sein."

„Findest du?"

„Unbedingt. Skol!"

„Cheerio!"

Sie tranken und stellten die Gläser ab. „Du bist also bei der Mordkommission?“ fragte sie.

„So ist es."

Helen lehnte sich zurück. Ihre schlanken Hände lagen im Schoß. Sie schaute durch die geschlossenen Terrassentüren nach draußen; weit hinter den Bäumen des Vorgartens sah man die Wellen des Lake Michigan blitzen.

„Man wird darüber reden“, sagte sie.

„Worüber?"

„Findest du es nicht auch merkwürdigi daß der ehemalige Nebenbuhler meines Mannes mit der Aufklärung

des an Gilbert verübten Mordes betraut wurde?"

„Die Presse weiß nichts davon. Noch nicht. Es sei denn, du bindest es ihr auf die Nase."

„Von mir wird niemand etwas erfahren."

„Du darfst mir glauben, daß ich mich nicht nach diesem Job gedrängt habe."

„Ich hoffe es. Es wäre mir lieber, du säßest mir jetzt nicht als Beamter, sondern als Freund gegenüber."

„Soll das heißen, daß du keine Freunde hast? Keinen, an den du dich wenden kannst?"

„Ich habe niemand."

„Du brauchst Trost, Rat, Hilfe?"

„Ich brauche einen Menschen, der mir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Das ist alles."

„Du bist jung, schön, reich und begehrt. Die Männerwelt der Stadt wird dich stürmisch umwerben."

„Darauf kann ich verzichten!" antwortete Helen bitter. „Die wollen doch nur mein Geld."

„Schon möglich", meinte er trocken. „Sie wollen das gleiche, was du damals von Philmore wolltest und bekommen hast. Willst du sie dafür verurteilen, dir ähnlich zu sein?" „Du bist unfair.“

„Wirklich?" fragte er. „Ich dachte, du legtest Wert auf meine Ehrlichkeit?"

„Natürlich, verzeih bitte."

Sie schwiegen einige Sekunden. Rick spürte das angenehme Brennen des Alkohols in sich. „Warst du glücklich?" fragte er und vermied es, Helen anzuschauen.

„Glück?" fragte sie leise. „Was ist das eigentlich?"

„Ich dachte, du hättest davon eine ganz konkrete Vorstellung. Reichtum, Sorglosigkeit ..."

„Gilbert gab mir niemals viel Bargeld in die Hand. Er überhäufte mich mit Geschenken, er kaufte mir Schmuck und Kleider, aber er fürchtete sich davor, mir Geld zu geben."

„Warum?"

„Er dachte, ich würde es beiseite legen und ihn eines Tages verlassen. Er war eifersüchtig."

„Aber er hat dich geliebt?"

„So, wie man seinen Besitz liebt, von dem man sich nicht trennen möchte. Es war keine

Liebe von der Art, wie ich sie mir einmal erträumte.“

„Du mußt sehr naiv gewesen sein, wenn du dir von Philmore eine echte Liebe erhofftest."

„Du verstehst mich nicht."

„Wahrscheinlich nicht", sagte er spröde. „Wir haben uns ja nie verstanden."

„Das ist nicht wahr!" sagte sie heftig. Auf ihren Wangen brannten zwei rote Flecken. „Ich habe dich geliebt!"

Er blickte sie an. „So? Aber geheiratet hast du den anderen!"

„Du hast nicht um mich gekämpft. Ich war jung und töricht, du hättest mich davon abhalten sollen, diese Ehe zu schließen!"

„Ist das dein Ernst?"

„Der Reichtum lockte mich", gab sie zu. „Welches junge Mädchen könnte der Versuchung widerstehen, die Frau eines Millionärs zu werden? Und dann waren da meine Eltern. Sie redeten mir ein, daß es dumm sei, einen simplen Polizeisergeanten zu heiraten, einen Mann, der es niemals weit bringen würde. Lieber Himmel, ich war noch keine Persönlichkeit, Rick, ich war noch abhängig von tausend fremden Einflüssen. Du hättest das berücksichtigen müssen! Statt dessen wandtest du mir

beleidigt den Rücken, als ich Philmores Werbung nicht gleich in den Wind schlug."

„Warum die alten Geschichten aufwärmen?" fragte er brüsk. „Jetzt geht es darum, Philmores Tod zu klären.“

„Ja, natürlich", sagte sie mit tonloser Stimme. „Habt ihr schon eine Spur gefunden?"

„Deine Zigarette verqualmt im Ascher."

„Gib mir eine neue!"

Er holte die ,Camels‘ aus der Tasche. Nachdem er Helen eine Zigarette angeboten und ihr Feuer gegeben hatte, steckte er sich selbst eine in Brand.

„Wir haben dir gestern das Telegramm geschickt. Was war dein erster Gedanke, als du den Inhalt erfaßtest?"

„Ich kann es nicht mehr genau sagen. Terror, Schrecken, aber auch Erleichterung."

„Hattest du sofort einen Verdacht? Fiel dir irgendein Name ein, ein Gesicht, eine Person, die es getan haben könnte?"

„Nein."

„Dein Mann hatte viele Feinde, nicht wahr?"

„Jeder Mensch hat Feinde."

„Gilbert Philmore hatte mehr, als die meisten von uns. Er war ein rücksichtsloser Geschäftsmann, von dem es hieß, daß er über Leichen ging."

»Gilbert war hart und smart. Ohne diese Eigenschaften hätte er es niemals so weit gebracht. Es ist schon möglich, daß ihn viele haßten."

»Es ist ganz sicher. Kennst du einige seiner Feinde?"

„Für seine Geschäfte habe ich mich niemals interessiert."

„Hatte er in letzter Zeit Ärger? Hat er sich über den einen oder den anderen beschwert?"

„Ärger hatte er oft, aber er sprach niemals über die Ursachen. Er wußte, daß mich seine Geschäfte kalt ließen."

»Gab es irgendeinen Menschen, den er fürchtete?"

»Ich glaube nicht."

„Denke bitte genau darüber nach. Wir müssen seinen Mörder finden!"

»Sicher. Ich bin gern bereit, die Arbeit der Polizei zu unterstützen."

„Das will ich hoffen."

„Hast du daran gezweifelt? Mir kann es nur recht sein, wenn der Mörder möglichst schnell gefaßt wird. Ich weiß schließlich, daß es Leute gibt, die mich der Tat verdächtigen."

„Dein Alibi wurde bereits überprüft."

„Was bedeutet das schon? Wir leben in Chicago. Hier kann man einen Helfershelfer kaufen. Ich möchte wetten, daß es viele Leute gibt, die mir das Zutrauen!"

„Schon möglich. Stört dich das denn so sehr?"

„Es ist nicht gerade angenehm."

„Ich muß jetzt eine etwas peinliche Frage an dich richten, Helen. Ich erwarte, daß du sie mir offen beantwortest."

„Schieß los!"

„Du machst keinen Hehl daraus, daß du in deiner Ehe enttäuscht wurdest. Du hast Gilbert nicht geliebt. Da du jung und schön bist, liegt die Vermutung nahe, daß du vielleicht anderweitig Glück und Zerstreuung gesucht hast."

„Du meinst, ich könnte einen Liebhaber gefunden haben?“ unterbrach sie ihn. „Einen Mann, der Gilbert tötete, um mich heiraten zu können?"

.Genau daran dachte ich."

.Ich habe oft gewünscht, einen Liebhaber zu gewinnen ... einen Mann, der in meinen Träumen dir aufs Haar glich. Praktisch war es mir jedoch  nicht möglich, diese Träume in die Wirklichkeit umzusetzen. Gilbert bewachte mich eifersüchtig. Ich konnte ihn nicht überlisten. Das war, wie ich zugebe, keine Frage

der Moral, sondern es ergab sich aus den harten Tatsachen."

„Was wäre geschehen, wenn er dich auf Abwegen erwischt hätte?“ wollte Rick wissen.

»Er hätte sich scheiden lassen und dafür gesorgt, daß ich keinen Cent von ihm bekomme."

„Dir ging es also noch immer um das Geld?" „Was hast du eigentlich von mir erwartet? Sollte ich ihn betrügen? Wäre dir das lieber gewesen?"

„Hm", machte Rick. „Ich nehme doch an, daß ein Testament existiert?"

»Bestimmt. Dr. Patrick ist Gilberts Anwalt. Sein Büro liegt in der East Ontario Avenue." „Kennst du den Inhalt des Testamentes?"

.Nein, Er kümmert mich auch wenig. So oder so werde ich mein Geld bekommen." Sie machte eine Pause. «Bist du eigentlich glücklich?" fragte sie.

„Glücklich?"

„Ja, bist du zufrieden mit deinem Beruf, deinem Leben, deiner Ehe?" Sie lächelte. „Du weißt jetzt schon vieles von mir, beinahe alles. Es ist doch zu verstehen, daß ich jetzt etwas über dich erfahren möchte, nicht wahr?"

„Ich habe noch niemals darüber nachge- dacht, ob ich glücklich bin."

„Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?"

„Die Antwort kannst du selbst finden."

«Hast du Kinder?"

„Nein."

«Wie lange bist du verheiratet?"

«Ein Jahr. Hör mal, wäre es nicht an der Zeit, zum eigentlichen Thema meines Besuches zu kommen? Ich habe dir bereits gesagt, daß ich nicht über meine Frau zu sprechen wünsche.“

„Du bist nicht glücklich!" behauptete Helen. «Du schämst dich zuzugeben, daß du den gleichen Fehler gemacht hast wie ich. Auch deine Ehe ist gescheitert!"

Ricks Gesicht zeigte keinen Ausdruck.

Seine Züge waren markant, profiliert, fast asketisch. Es war das Gesicht eines vitalen, energischen jungen Mannes, bei dem sich Intelligenz und Leistungswillen miteinander paarten. Rick hatte dunkelblaue Augen, die rasch ihren Ausdruck zu wechseln vermochten. Sie konnten weich und verträumt sein, aber auch hart und kalt, wie geschliffenes Kristall. Im Moment waren sie so leer wie ein ausgepumptes Schwimmbassin, in dessen blauen Kacheln sich ein regenverhangener Herbsttag spiegelt.

„Fassen wir noch einmal zusammen, was wir wissen", sagte er. „Vorgestern bist du zu deinen Eltern gefahren."

„Warum weichst du mir aus?“ fragte sie.

Er schaute sie an. „Ich bin ein anderer geworden, seit damals", sagte er hart. „Es wäre gut, wenn du das begreifen würdest."

„Bist du mein Feind?"

„Nein, aber ich bin auch nicht dein Freund. Ich bin bestenfalls ein Stück deiner Vergangenheit, eine Erinnerung. Willst du das bitte begreifen? Für dich bin ich jetzt und hier in erster Linie der Detektivleutnant Leroy, der Mann, der den Mord an deinem Mann aufklären möchte."

Ein Schatten fiel über Helens Züge. Ihre graugrünen Augen schienen sich zu verdunkeln. „Nun gut", meinte sie, „vielleicht ist es empfehlenswert, die Fronten ganz klar abzugrenzen."

„Eben. Wo war ich vorhin stehen geblieben? Ach, richtig. Ich wollte zusammenfassen, was uns bekanntgeworden ist. Du bist vorgestern nach New York gereist. Warum?“

„Um meine Eltern zu besuchen, das weißt du doch!“

„Hatten Sie dich eingeladen?"

„Nein", erwiderte Helen zögernd.

„Wann hattest du deine Eltern das letzte Mal gesehen?"

„Vor einem halben Jahr."

Rick hob die Augenbrauen. „Sehr oft bist du mit ihnen nicht zusammengekommen."

„Das lag an Gilbert", erklärte sie. „Er haßte es, mich allein reisen zu lassen. Das hing mit seiner Eifersucht zusammen."

.Gilbert selbst hat keine Eltern mehr?"

„Nein."

„Okay. Du fuhrst also nach New York. Zurück blieben das Mädchen und der Butler. Das Mädchen hatte gestern Ausgang, aber der Butler war im Hause. Er sah deinen Mann gegen elf Uhr zum letzten Mal. Philmore sagte, daß er noch ein wenig lesen wollte und ersuchte den Diener, sich schlafen zu legen. Der Butler befolgte die Aufforderung. Wenige Minuten nach Mitternacht wurde er von Schüssen geweckt; er glaubte zunächst, geträumt zu haben, warf sich dann aber den Morgenmantel über und ging ins Erdgeschoß. Er sah Philmore da drüben am Kamin liegen . . . tot. Die Tür zur vorderen Terrasse stand offen; es ist nicht bekannt, ob der Täter durch diese Tür lediglich geflohen, oder auch gekommen ist."

„Natürlich muß er durch diese Tür gekommen sein!"

„Warum?"

„Ryman, der Butler, ist ein sehr pedantischer Mann, der jeden Abend alle Türen abschließt. Gilbert hingegen war Frischluftfanatiker. Er konnte sich in keinem Zimmer aufhalten, ohne eines der Fenster zu öffnen. Bestimmt hat der Mörder diesen Umstand für seine Absichten ausgenützt."

»Gut möglich. Wir haben leider weder Fuß- noch Fingerabdrücke gefunden, mit denen sich etwas beginnen ließe."

„Dein Pech."

„Wie du siehst, hat der Täter innerhalb des Zimmers gut acht Meter zurückgelegt, bevor er abdrückte."

„Warum denn das?"

„Er wollte ganz sicher sein, Philmore tödlich zu treffen. Er wollte dabei seinem Gegner Auge in Auge gegenüberstehen. Dein Mann sollte offenbar sehen, mit wem er es zu tun hatte, übrigens ist, soweit Ryman sich davon zu überzeugen mochte, nichts gestohlen worden.“

„Demnach hältst du den Mord an Gilbert für einen persönlichen Racheakt?"

„Ja."

„Das engt die Untersuchungen zu deinem Vorteil ein, nicht wahr? Jetzt brauchst du dich nur noch zu bemühen, Gilberts Feinde ausfindig zu machen."

„Gerade das ist die große Schwierigkeit. Im Laufe der Jahre hat er sich Hunderte von Menschen zu seinen Gegnern gemacht."

„Ist das nicht übertrieben?“

.Bestimmt nicht. Wie gesagt, der Täter betrat das Zimmer durch die geöffnete Terrassentür und ging bis zu dem Fleck, wo du die Kreidemarkierung siehst."

„Woher willst du das wissen?"

„Unser Ballistiker hat es errechnet. Er ist ein sehr genauer Mann, du kannst dich darauf verlassen, daß seine Angaben stimmen. Wie du siehst, geriet der Mörder damit in Philmores Blickfeld. Es erhebt sich nun die Frage, wie dein Mann darauf reagierte. Sah er ein bekanntes Gesicht? Oder entdeckte er einen Fremden? Ich wünschte, ich könnte diese

Frage beantworten."

„Verdächtigst du etwa den Butler?"

„Der hätte es doch nicht nötig gehabt, über die Terrasse zu kommen."

„Er kann die Tür benutzt haben, um jeden Verdacht von sich abzulenken. Außerdem beruht die Annahme, der Täter sei über die Terrasse gekommen, ja nur auf Vermutungen, nicht wahr?"

„Hatte Ryman denn einen Grund, deinen Mann zu töten?" fragte Rick.

„Ich weiß es nicht."

„Hör mal, Helen, du sagst das alles doch nicht ohne Absicht oder?"

Helen lächelte. „Doch. Ohne jede Absicht. Ich spreche nur aus, was du denkst. Ich komme deinen Fragen zuvor. Denn gewiß wirst du auch Ryman verhören wollen."

„Das habe ich schon getan."

„Dir wird nicht entgangen sein, daß er für einen Butler noch recht jung ist. Dreiunddreißig, um genau zu sein. Er macht eine gute Figur, findest du nicht auch? Ich habe einige Freundinnen, die mich um ihn beneiden."

Rick legte die Stirn in Falten. „Was soll dieser Unsinn? Willst du mich ärgern? Soll ich auf Ryman eifersüchtig werden?

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Kommissar Morry - Die Falle" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen