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Kolloquien

„Die Philosophie ist die erschreckende, trostlose,
einsame Wahrheit der Dinge“

José Ortega y Gasset

DIE AUTOREN

Bernd Waß studierte an der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg Analytische Philosophie. Zum Doktor der Philosophie promovierte er bei Prof. Dr. Reinhard Kleinknecht, Prof. Dr. Otto Neumaier und Prof. Dr. Volker Gadenne, mit einer Arbeit zur Philosophie des Geistes. Er ist Philosoph und Privatgelehrter, ordentliches Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie und Gründungsmitglied der Academia Philosophia. Darüber hinaus betreibt er die Website berndwass.com. Sie dient ihm zur Publikation philosophischer Texte, zur Veröffentlichung von Gedankensplittern und zur Diskussion seiner Forschungsarbeiten.

Heinz Palasser studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien und der University of Minnesota Betriebswirtschaftslehre und im Wahlfach Philosophie. Darüber hinaus absolvierte er postgraduale Studien zu den Themen Gesundheitswissenschaft und Kommunikation. Er promovierte am Philosophischen Institut der Wirtschaftsuniversität Wien mit einer Arbeit zum philosophischen Skeptizismus. Er ist Mitbegründer der Academia Philosophia und bestätigt sich als Autor und Vortragender zu philosophischen Themen.

 

ACADEMIA PHILOSOPHIA

Die Academia Philosophia versteht sich als Ort des Studiums, der geistigen und philosophischen Tätigkeit, abseits von Hektik und Alltag. Sie steht allen Menschen offen, die sich mit grundlegenden Fragen zu Mensch und Welt ernsthaft beschäftigen wollen. Eines allerdings sei schon zu Beginn herausgehoben: Echte Philosophie ist für die praktischen Belange des Alltags über weite Strecken ohne Bedeutung. Ob es z. B. Zahlen wirklich gibt oder ob sie nur eine mentale Existenz haben, ob Zeit und Raum objektiv sind oder bloß subjektiv, ob Wahrnehmungsgegenstände auch dann noch bestehen, wenn niemand sie wahrnimmt oder ob die Logik in allen möglichen Welten gilt oder nur in dieser: Wo im Leben spielt das eine Rolle? Was hingegen die Güter des Geistes betrifft, so darf die Beschäftigung mit Philosophie allemal empfohlen werden. Sie ist nämlich nicht nur eine ausgezeichnete Schule des Denkens, sondern die Idee eines vollständigen Systems allgemeinster Prinzipien und letzter Wahrheiten; der umfassende Versuch eine abschließende, logisch einwandfreie Weltdeutung hervorzubringen. Philosophische Erkenntnis ist in diesem Zusammenhang Selbstzweck. Sie ist etwas, was an und für sich wertvoll ist und daher keiner weiteren Rechtfertigung bedarf. Weder durch das Attribut der Praxistauglichkeit, das in der voranschreitenden Diktatur des Nutzens, in der wir leben, ständig gefordert wird, noch durch irgendwelche anderen Attribute.

Wir wollen dem systematischen und kritischen Denken Vorschub leisten, in einer Zeit, in der das Denken bisweilen einen schweren Stand hat. Nicht selten wird ihm nämlich als Vehikel zum Verständnis der Welt misstraut. Wir glauben, dass die menschliche Vernunft zwar nicht alle Fragen beantworten wird können, doch letztlich ist es unser Denken, das uns in Aussicht stellt, die prinzipiellen Zusammenhänge im Universum und unser eigenes Dasein in ihm zu begreifen.

Distanzierung: Es kann einer Wissenschaft nichts schlimmeres passieren, als dass sie populär wird. Das beste Beispiel gibt aktuell die Neurowissenschaft ab. Im Gefolge ernsthafter Forschung ist etwa von gehirngerechtem Lernen, gehirngerechtem Führen, Neuromarketing und anderen Unsinnigkeiten die Rede. Auch in der Philosophie herrscht heute eine verführerische Tendenz vor, ihre Sache zu einer weitaus seichteren und weniger schwierigen Tätigkeit zu machen, als sie es in Wirklichkeit ist. Indem man ihren rein theoretischen Charakter aufweicht, wird auch hier versucht, dem Diktat des Nutzens zu entsprechen. Wir distanzieren uns an der Academia Philosophia in aller Deutlichkeit von derartigen Trivialisierungsversuchen. Wie hat es Franz von Kutschera einmal formuliert: “Wirklich einfach und allgemein verständlich ist leider nur schlechte Philosophie. In guter Philosophie bemüht man sich, auf Gipfel zu gelangen, von denen aus man eine Übersicht über die zerklüftete Landschaft unseres Wissens hat. Nur hohe Gipfel bieten einen solchen Überblick und auf sie kommt man nur mit Kraft, Ausdauer und angemessener Ausrüstung. In einem anderen Bild: Was nicht schwer ist, ist kein Gold.”

Zum Gebrauch

Die in diesem Band gesammelten Texte zur Reihe Kolloquien – Philosophische Gespräche wurden allesamt im Rahmen der philosophischen Kolloquien der Academia Philosophia verfasst. Es handelt sich dabei um philosophische Texte, die entweder einen pointierten Kommentar beinhalten, um das Nachdenken zu inspirieren, oder die der Ein- bzw. Hinführung zu einem bestimmten Thema dienen. Dem Leser sollen diese Texte einerseits erlauben, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen, sodass der Einstieg in ein neues Diskussionsfeld gelingen kann, ohne bereits umfassende Vorkenntnisse zu besitzen. Andererseits sollen sie zum Weiterdenken anregen. Im vorliegenden Band 2 finden sich Texte zu folgenden Themen: „Sprache und Denken“, „Leben, Sterben und Tod“, „Gerechtigkeit“, „Freundschaft“ „Kunst“, „Gehirn und Geist“ und „Zeit“.

Die Autoren

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www.academia-philosophia.com

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

Vom Wert der Philosophie – Ein Plädoyer für das Denken

SPRACHE UND DENKEN

Heinz Palasser

Selbstbelauerung

Bernd Waß

Philosophische Untersuchungen

LEBEN, STERBEN UND TOD

Heinz Palasser

Über das Leben, das Sterben und den Tod

Bernd Waß

Anthropologische, ethische und metaphysische Dimensionen

GERECHTIGKEIT

Heinz Palasser

Bin ich gerecht oder bin ich ungerecht?

Bernd Waß

Gerechtigkeit und die Logik des Vergleichs

FREUNDSCHAFT

Heinz Palasser

Zarathustras Freund

Bernd Waß

Über die Freundschaft – Eine philosophische Betrachtung in drei Szenen

KUNST

Heinz Palasser

Das Dasein eines Künstlers, der nichts kann

Bernd Waß

Philosophie der Kunst – Eine ganz kleine Einführung

GEHIRN UND GEIST

Heinz Palasser

Am Hofe der ersten Ursache

Bernd Waß

Sind wir wirklich nur unser Gehirn?

ZEIT

Heinz Palasser und Bernd Waß

Unverstandene Selbstverständlichkeit

VORWORT

Der britische Philosoph Bertrand Russell, der mit der Principia Mathematica, das von Gottlob Frege zurückgelassene Projekt vervollständigte, die gesamte Mathematik allein mit Hilfe des Mengenbegriffs und den Schlussregeln der philosophischen Logik zu rekonstruieren, schreibt 1912, in ‘Die Probleme der Philosophie’, vom Wert derselben. Ein Aufsatz, der nichts an Wirkkraft eingebüßt hat und der heute wie damals, den Wert der Philosophie in einer Weise darzustellen vermag, wie es pointierter und schöner nicht sein könnte. Ohne Zweifel: Ein Plädoyer für das philosophische Denken! Ein solches Plädoyer, so dachten wir uns, wäre angemessen, um es dem vorliegenden Werk voranzustellen, versteht es sich doch selbst als eine Aufforderung zum Philosophieren.

Häufig nämlich wird der Wert des philosophischen Denkens, mithin der Wert der Philosophie überhaupt, infrage gestellt. Nicht zuletzt deshalb, weil viele Menschen unter dem Einfluss der Wissenschaft oder der Bedürfnisse des praktischen Lebens dazu neigen, in der Philosophie nicht mehr als ein harmloses, aber auch nutzloses Spiel zu sehen, das aus begrifflichen Haarspaltereien und Streitigkeiten über Dinge besteht, über die wir ohnehin nichts wissen können. Diese Auffassung ergibt sich offenbar teils aus einer falschen Vorstellung über Sinn und Zweck des Lebens, teils aus einer falschen Vorstellung über das, was die Philosophie erreichen will.

Die Naturwissenschaft ist – vermittels der mit ihrer Hilfe gemachten Erfindungen – unzähligen Menschen von Nutzen, die von ihr überhaupt keine Ahnung haben; deshalb darf man ihr Studium allemal empfehlen. Diese Art von Nützlichkeit ist nicht Sache der Philosophie. Wenn die Beschäftigung mit der Philosophie überhaupt einen Wert hat, dann kann dieser nur indirekt zustande kommen, durch den Einfluss auf das Leben derer, die sie sich mit ihr beschäftigen. In diesem Einfluss, in diesen Auswirkungen, müssen wir also zunächst den Wert der Philosophie suchen. Wir müssen uns außerdem – wenn wir bei diesem Versuch nicht scheitern wollen von den Vorurteilen der fälschlich so genannten »Männer der Praxis« freimachen. Der »Praktiker« ist – einem häufigen Gebrauch des Wortes nach – jemand, der nur materielle Bedürfnisse kennt, der einsieht, dass der Mensch Nahrung für seinen Körper braucht, aber vergisst, dass auch der Geist seine Nahrung braucht. Wenn es allen Menschen gut ginge, wenn Armut und Krankheit auf das niedrigste überhaupt mögliche Maß reduziert wären, bliebe noch viel zu tun übrig, um eine Gesellschaft zu schaffen, die Wert hätte. Aber selbst in der Welt, die wir jetzt haben, sind die Güter des Geistes mindestens ebenso wichtig wie die leiblichen Güter. Der Wert der Philosophie ist ausschließlich unter den Gütern des Geistes zu finden; und nur Menschen, denen diese Güter nicht gleichgültig sind, können davon überzeugt werden, dass die Beschäftigung mit der Philosophie keine Zeitverschwendung ist.

Das Ziel der Philosophie – wie das aller anderen eigentlich geistigen Tätigkeiten, des Studiums im ursprünglichen Sinne des Wortes – ist Erkenntnis. Die Erkenntnis, um die es ihr geht, ist die Art von Erkenntnis, die Einheit und System in die angesammelten Wissenschaften bringt, und die Art, die sich aus einer kritischen Überprüfung der Gründe für unsere Überzeugungen, Vorurteile und Meinungen ergibt.

Es gibt viele Fragen und unter ihnen solche, die für unser geistiges Leben von profundem Interesse sind. Hat die Welt einen einheitlichen Plan oder Zweck, oder besteht sie aus einem zufälligen Zusammenspiel der Atome? Ist das Bewusstsein ein beständiger Teil der Welt, sodass wir noch auf ein unbeschränktes Wachstum hoffen dürfen, oder ist das Bewusstsein ein transistorisches Phänomen auf einem kleinen Planeten, auf dem das Leben nach einiger Zeit unmöglich werden wird? Haben Gut und Böse eine Bedeutung für die ganze Welt oder nur für uns Menschen? – Das sind Fragen, die die Philosophie stellt, und die von verschiedenen Philosophen verschieden beantwortet worden sind.

Man muss zugeben: Viele Philosophen haben gemeint, dass die Philosophie die Wahrheit bestimmter Antworten auf solche fundamentalen Fragen feststellen könne. Doch so gering die Hoffnung, Antworten zu finden, auch sein mag: es bleibt Sache der Philosophie, weiter an diesen Fragen zu arbeiten, uns ihre Bedeutung bewusst zu machen und alle möglichen Zugänge zu erproben. Der Wert der Philosophie darf nämlich nicht von irgendeinem fest umrissenen Wissensstand abhängen – im Gegenteil – ihr Wert besteht gerade wesentlich in der Ungewissheit, die sie mit sich bringt.

Wer niemals eine philosophische Anwandlung gehabt hat, der geht durchs Leben und ist wie in ein Gefängnis eingeschlossen: von den Vorurteilen des gesunden Menschenverstands, von den habituellen Meinungen seines Zeitalters oder seiner Nation und von den Ansichten, die ohne die Mitarbeit oder die Zustimmung der überlegenden Vernunft in ihm gewachsen sind. So ein Mensch neigt dazu, die Welt bestimmt, endlich, selbstverständlich zu finden; die vertrauten Gegenstände stellen keine Fragen, und die ihm unvertrauten Möglichkeiten weist er verachtungsvoll von der Hand. Sobald wir aber anfangen zu philosophieren führen selbst die alltäglichsten Dinge zu Fragen, die man nur sehr unvollständig beantworten kann. Die Philosophie kann uns zwar nicht mit Sicherheit sagen, wie die richtigen Antworten auf die gestellten Fragen heißen, aber sie kann uns viele Möglichkeiten zu bedenken geben, die unser Blickfeld erweitern und uns von der Tyrannei des Gewohnten befreien.

Ihren Wert – vielleicht ihren vornehmsten Wert – gewinnt die Philosophie durch die Größe der Gegenstände, die sie bedenkt, und durch die Befreiung von engen und persönlichen Zwecken, die sich aus dieser Betrachtung ergibt. Wer sich gleichsam von seinen Instinkten treiben lässt, der bleibt in dem engen Kreis seiner privaten Interessen eingeschlossen: Familie und Freunde mögen mit zu diesem Kreis gehören, aber die Außenwelt ist nur das, was die Vorgänge im Kreis der instinktiven Wünsche fördert oder stört. Diese Lebensform mutet irgendwie fiebrig und eingezwängt an, und das philosophische Leben ist im Vergleich dazu ruhig und frei.

Wenn wir es nicht fertigbringen, unserer Interessen zu erweitern, bis sie die ganze Außenwelt umfassen, sind wir in der gleichen Lage wie die Garnison einer belagerten Festung: wir wissen, dass der Feind uns nicht entkommen lassen wird und dass die Kapitulation letzten Endes unvermeidlich ist. Wenn wir so leben, wird es keinen Frieden, sondern nur einen endlosen Streit zwischen dem Drängen unserer Begierden und der Machtlosigkeit unseres Willens geben. Und wenn unser Leben groß und frei sein soll, müssen wir diesem Streit und unserer Gefangenschaft in ihm entkommen.

Ein Ausweg ist die philosophische Kontemplation. Der Geist, der sich an die Freiheit und Unparteilichkeit derselben gewöhnt hat, wird sich auch in der Welt des Fühlens und Handelns etwas von dieser Freiheit und Unparteilichkeit erhalten. Er wird seine Ziele und Wünsche als Teile des Ganzen betrachten, und ihre Dringlichkeit wird sich vermindern, weil er sie als unendlich kleine Bruchteile einer Welt sieht, die im Ganzen von den Taten eines einzelnen Menschen unbeeinflusst bleibt. Die Unparteilichkeit, die in der Kontemplation das unvermischte Verlangen nach Wahrheit ist, ist dieselbe Qualität des Geistes, die sich im Handeln als Gerechtigkeit ausdrückt, und im Fühlen als jene umfassende Liebe, die allen gelten kann und nicht nur jenen, die man für nützlich oder für bewunderungswürdig hält. So vergrößert die Kontemplation nicht nur die Gegenstände unseres Denkens, sondern auch die unseres Handelns und unserer Neigungen: sie macht uns zu Bürgern der Welt und nicht nur zu Bewohnern einer ummauerten Stadt, die mit der Welt vor ihren Toren im Kriege liegt. In dieser Weltbürgerschaft besteht die wahre Freiheit des Menschen, seine Befreiung aus der Knechtschaft kleinlicher Hoffnungen und Ängste.

Fassen wir unsere Betrachtungen über den Wert der Philosophie zusammen: man soll sich mit der Philosophie nicht so sehr wegen irgendwelcher bestimmter Antworten beschäftigen – denn in der Regel kann man diese bestimmten Antworten nicht als wahr erkennen. Man soll sich um der Fragen selber willen mit ihr beschäftigen, weil sie unsere Vorstellungen von dem, was möglich ist, verbessern, unsere intellektuelle Fantasie bereichern und die dogmatische Sicherheit vermindern, die den Geist gegen alle Spekulation verschließt. Vor allem aber werden wir durch die Größe der Welt, die die Philosophie betrachtet, selber zu etwas Größerem gemacht und zu jener Einheit mit der Welt fähig, die das größte Gut ist, das man in ihr finden kann.1

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SPRACHE UND DENKEN

Es ist bekannt, dass die Sprache ein Spiegel des Verstandes ist. Zur Erkenntnisbemühung des Einzelnen muss also die Sprachpflege in der Gemeinschaft hinzutreten. Nur so lassen sich Verstand und Gelehrsamkeit, Wissenschaft und gemeine Wohlfahrt, ja Moralität und Freiheit befördern.“ Gottfried Wilhelm Leibniz

Heinz Palasser

Selbstbelauerung

Es stellt sich mitunter die Frage, wie man Wissen über das Wesen des Menschen erlangt. Indem man sich selbst kompromisslos ins Zentrum der Untersuchung stellt, so eine mögliche Antwort. Oder anders gewendet: durch eine unverstellte Selbstbelauerung. Es ist einleuchtend: Ausgangspunkt ist die Feststellung ein Mensch unter Menschen zu sein – ein Vertreter der Spezies Mensch. Spezies zeichnen sich dadurch aus, dass den Vertretern derselben in ihrer Wesenhaftigkeit Gleiches zukommt. Wenn ich mich nun als einzelner Mensch unverstellt in den Blick bekomme und mich in meiner Wesenhaftigkeit – in meinem bloßen Menschsein – erkenne, dann muss dies, was ich erkenne, für die gesamte Spezies, also für alle Menschen, gelten. Im Folgenden versuche ich mich in der Methode der Selbstbelauerung, wenn ich über das Thema ‘Denken und Sprache’ nachdenke.

Selbstbelauerung 1

Ich sitze vor meinem Computer und mache mir Gedanken, was ich zum Thema ‘Denken und Sprache’ zu sagen habe. Ich denke also. Im ersten Moment erscheint es mir, als würden sich, während ich unentwegt denke, Begriffe bilden. Ist es so? Oder bilden sich meine Gedanken wegen der Begriffe, die ich benutze? Unmittelbar finde ich keine Antwort auf diese Frage nach der Richtung des Zusammenhanges. Um einer Antwort auf die Spur zu kommen, versuche ich als ersten Anlauf die beiden »Operationen« ‘Denken’ und ‘Begriffe bilden’ zu trennen. Denn nur, wenn die »Operationen« ‘Denken’ und ‘Begriffe bilden’ getrennt werden können, kann die Frage nach der Richtung des Zusammenhanges derselben sinnvoll gestellt werden. Eine Trennung wäre dann geglückt, wenn es mir möglich wäre, ohne Begriffe zu denken. Oder vice versa Begriffe zu bilden, ohne zu denken. Meine Versuche scheitern erwartungsgemäß: Ich mache mir entweder Gedanken darüber, ob das begriffsfreie Denken überhaupt möglich ist oder ich fasse andere beliebige Gedanken. In beiden Fällen denke ich bereits in Begriffen – in bedeutsamen sprachlichen Ausdrücken. Ich versuche als zweiten Anlauf etwas anderes: Ich schau mir einen Gegenstand an, der vor mir liegt – in diesem Fall ein Tonbecher gefüllt mit Stiften. Ich versuche ausschließlich den mir vorliegenden Gegenstand zu denken, ohne Begriffe zu bilden – den gefüllten Tonbecher gedanklich aufzunehmen, ohne ihn begrifflich zu erfassen. Auch hier scheitere ich, denn wie sehr ich auch Abstand nehme vom Versuch der begrifflichen Erfassung des Gegenstandes, bilden sich dennoch nichts als Begriffe: ‘grün’, ‘eckig’, ‘acht Stifte’ usw. Es drängt sich der Befund auf, dass ob der Unmöglichkeit der Trennung der »Operationen« ‘Denken’ und ‘Begriffe bilden’ Denken, zumindest in den vorliegenden Fällen, begrifflich ist. Das ist keine große Überraschung. Da taucht eine weitere Frage auf, die einen weiteren Anlauf rechtfertigt: Wie ist es mit dem Fühlen? Ist das Fühlen womöglich eine mentale Operation, die ohne Begriffe vonstattengeht und folglich vom Denken, das begrifflich ist, zu trennen ist? Gefühle2, so denke ich mir, könnten doch »begriffslos« sein, werden sie doch so oft in Opposition zum Denken gestellt. Denken ist, sind die Ergebnisse meiner ersten beiden Anläufe nicht irregeleitet, der begriffliche Zugang zur Welt. Sind Gefühle nun in Opposition zum Denken, könnte die Opposition nun darin bestehen, dass Gefühle den begriffslosen Zugang zur Welt darstellen. Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist, ob ich Gefühle fühlen kann, ohne sie zu denken. Denn würde ich, unter der Voraussetzung, dass Denken begrifflich ist, Gefühle denken müssen, wären auch Gefühle begrifflich und damit untrennbar mit dem Denken verbunden. Ich mache ein Gedankenexperiment: Ich fühle meiner aktuellen Stimmung nach. Ich befinde mich in einem angenehmen kontemplativen Gefühlszustand. Moment! Schon denke ich ein Gefühl – nämlich jenes der angenehmen Kontemplation. Ich nehme ein nicht aktuelles aber bekanntes Gefühl als Gegenstand des Gedankenexperiments: das Gefühl des Neides. Auch hier: denken eines Gefühls und infolgedessen begrifflich.

Zwei Überzeugungen drängen sich zusammenfassend auf. Erstens, Fühlen und Denken fallen unabdingbar zusammen und zweitens, Denken und Fühlen ist begrifflich. Ich kann »begriffslos« weder denken noch fühlen.

Selbstbelauerung 2

Ich sitze nach wie vor vor meinem Computer und mache mir Gedanken, was ich zum Thema ‘Denken und Sprache’ zu sagen habe. Wie es sich gezeigt hat, denke und fühle ich in Begriffen. Ich belauere das weitere Geschehen: Ich spreche das Gedachte laut vor mir her und gleichzeitig tippe ich dabei auf die Tasten meines Computers. Durch das Tippen wird eine Reihe von Zeichen auf meinem Bildschirm sichtbar, die nach einer erlernten Art und Weise geordnet sind. Es entsteht ein Satzsystem, ein Text. Der Sachverhalt rund um die Ordnung von Zeichen wird unter dem Begriff ‘Syntax’ verhandelt und das Vorhandensein einer Ordnung der Zeichen erscheint als Voraussetzung für das Verfassen und für das Verstehen von Texten trivial. Ebenso erscheint die zweite Voraussetzung für das Verfassen und Verstehen von Texten trivial, nämlich dass den Zeichen Bedeutung zukommen muss. Hier findet der Begriff ‘Semantik’ seine Anwendung. Nur unter den genannten Voraussetzungen, Ordnung und Bedeutung von Zeichen, kann ein Text verfasst oder verstanden werden. Ich werde hier weder Syntax noch Semantik in ihrer allgemeinen Natur diskutieren. Ich möchte vielmehr auf einen Zusammenhang innerhalb der Semantik hinweisen, der sich aus der Selbstbelauerung ergibt und den ich ‘Zuordnung von Bedeutung in zweifacher Ausprägung’ nennen werde. Die eine Ausprägung der Bedeutungszuordnung bezieht sich auf das Denken, die andere auf das Fühlen. Im Denken wird den Zeichen insofern Bedeutung zugeordnet, als die Zeichen erst durch den Denkakt auf etwas hindeuten. Aus bloßen Zeichen werden Zeichen mit Bedeutung, also Begriffe. Die Zeichen werden verständlich, eben weil sie für uns gedanklich auf etwas hindeuten, was sie (in der Regel) nicht selbst sind. Das Fühlen ordnet den Zeichen nun eine andere Art von Bedeutung zu. Den Zeichen wird mittels der Gefühle (persönliche) Wichtigkeit zugeordnet. Oder anders gewendet: Durch das Fühlen wird den Zeichen persönliche Betroffenheit zugeordnet. Das Denken sorgt dafür, dass wir verstehen können, was betroffen ist, das Fühlen sorgt dafür, dass wir verstehen können, wie sehr wir selbst betroffen sind. Eine duale »Bedeutungs-Zuordnungs-Maschine«, die nichts anderes kann und tut, als Bedeutung in zweifacher Ausprägung zu generieren. Das Denken und das Fühlen als Einheit ist diese »Maschine«, die dem ihr Dargebotenen »um jeden Preis« Bedeutung abringen will. Wenn man Zeichen versteht, dann haben Denken und Fühlen Hand in Hand miteinander operiert. Das Denken sorgt für das Erfassen, das Fühlen für das Erfasstwerden. Ich mache ein Gedankenexperiment: Ich nehme einen portugiesisch sprachigen Text zur Hand. Ich kenne zwar die meisten Zeichen, aber ich kann nicht erfassen was sie bedeuten – worauf sie hindeuten. Mein Denken ist zwar angestrengt um ein Erfassen bemüht, es »läuft aber ins Leere«, bis ich schließlich aufgebe. Ich nehme nun einen Text in arabischer Sprache zur Hand. Ich kenne die meisten Zeichen nicht und ich kann nicht erfassen was sie bedeuten – worauf sie hindeuten. Mein Denken ist auch hier, wenn auch nur für eine sehr kurze Zeitspanne, bemüht zu erfassen, worauf die Zeichen hindeuten. Es gelingt auch in diesem Fall nicht. Es scheint offenbar beim Verstehen nicht darum zu gehen, einfach nur Zeichen zu kennen, sondern ihnen Bedeutung zuordnen zu können – wiederum trivial. Allerdings belauere ich mich gerade bei etwas sehr Eigenartigem. Sowohl beim portugiesischen als auch beim arabischen Text, bleiben meine Versuche den Zeichen eine persönliche Betroffenheit abzuringen überraschenderweise länger aufrecht, als meine Versuche festzustellen, worauf die Zeichen hinweisen. Es scheint sogar so zu sein, dass ich, gerade, weil ich nicht in der Lage bin die Zeichen zu erfassen, umso mehr bemüht bin, mich von ihnen erfassen zu lassen. Ist es womöglich so, dass gerade wenn unser Denken wegen Aussichtslosigkeit aufgibt, unsere Gefühle »dranbleiben«, bis zumindest eine persönliche Wichtigkeits-Bedeutung gegeben ist? Ist es so, dass allem und jedem, notwendigerweise zumindest eine Wichtigkeit zugeordnet werden muss? Ist es so, dass alles und jedes eine Bedeutung für uns muss? Darf nichts bedeutungslos stehen bleiben?

Ich fasse zusammen: Wir versuchen mittels unseres Denkens und Fühlens den Zeichen, die sich uns darbieten, Bedeutung in zweifacher Ausprägung abzuringen: Erfassen der Bedeutung der Zeichen (Denken) und Erfasstwerden durch die Bedeutung der Zeichen für uns (Fühlen). Das Denken »ringt« den Zeichen eine von uns unabhängige Bedeutung ab; die Gefühle »ringen« den Zeichen hingegen eine Bedeutung für uns ab. Gelingt uns Ersteres nicht, wenden wir uns so lange nicht ab, bis Zweiteres stattgefunden hat – auch wenn das Ergebnis lautet, dass die Zeichen für uns nichts oder nichts Wesentliches bedeuten. In allen Fällen also, so glaube ich, ordnen wir den sich uns darbietenden Zeichen Bedeutung zu, egal ob sie uns als eindeutig, mehrdeutig, fremdartig, kryptisch oder inhaltlich richtig bzw. falsch etc. erscheinen. Einfach nur aus einem uns wesenhaften »Bedeutungshunger«. Allem muss »um nahezu jeden Preis« eine Bedeutung abgerungen werden, sei sie noch so sehr »an den Haaren herbeigezogen«.

Selbstbelauerung 3

In Folge möchte ich die Behauptung, dass wir in Begriffen denken und fühlen, noch einmal auf den Prüfstand stellen. Gibt es vielleicht doch eine nicht-begriffliche Möglichkeit zu denken und zu fühlen? Was kommt dafür in Betracht? Es ist zunächst nicht abwegig zu behaupten, dass wir auch in Bildern denken und fühlen. Die Frage, die ich infolgedessen stellen möchte: Was sind Bilder und wie unterscheiden sie sich, wenn überhaupt, von Begriffen? Herkömmlicherweise, und das soll uns hier genügen, wird unter einem Begriff der Bedeutungsinhalt eines Zeichens verstanden. Ein Zeichen ist etwas, das auf etwas, das es (in der Regel) nicht selbst ist, hindeutet. Ein Bild ist ebenso etwas, das (in der Regel) auf etwas, das es nicht selbst ist, hindeutet; denn ein Bild ist (in der Regel) ein Bild von etwas und niemals von sich selbst. Insofern sind Zeichen und Bilder ununterscheidbar. Werden Begriffe gesprochen, geschieht dies durch Laute – Laut-Bilder; werden Begriffe geschrieben, geschieht dies durch Buchstaben – Schrift-Bilder. Ich unternehme eine Selbstbelauerung: Ich denke ‘Apfelbaum’. In meinem Denken zeichnet sich nun das Bild eines Apfelbaumes ab, wie es ihn realiter geben könnte. Ich versuche jetzt ‘Apfelbaum’ zu denken, ohne das Bild eines potenziell realiter vorkommenden Apfelbaumes zu denken. Wenn ich ‘Apfelbaum’ denke und das Bild des potenziell realiter vorkommenden Apfelbaumes nicht zulasse, denke ich die Schriftzeichen oder den Laut ‘Apfelbaum’ oder beides synchron. Ich denke Schriftzeichen oder phonetische Zeichen, die ja, wenn ich richtig liege, nichts anderes als Bilder sind. Ich denke ‘Apfelbaum’ in beiden Fällen bildlich – entweder als bildlichen potenziell in realiter vorkommenden Apfelbaum oder als bildlichen Laut- bzw. bildliche Schrift. In beiden Fällen handelt es sich prima facie um Bilder und keine Begriffe, denn Begriffe würden die jeweilige Bedeutungszuordnung in zweifacher Ausprägung implizieren. Es scheint also, als wäre Denken und Fühlen nichtbegrifflich möglich. Dieser Gedanke trägt allerdings ein schwerwiegendes Problem in sich: Wäre es mir möglich ‘Apfelbaum’ als Bild zu denken und zu fühlen, wenn nicht schon zuvor die Bedeutungszuordnung in zweifacher Ausprägung durchlaufen worden wäre – also die Zeichen bzw. Bilder zum Begriff wurden? Ohne jemals die Bedeutung des Bildes ‘Apfelbaum’ verstanden zu haben und dem Bild ‘Apfelbaum’ eine gewisse Wichtigkeits-Bedeutung zugeordnet zu haben, würde das Bild, sei es in der Form des potenziell realiter vorkommenden Apfelbaumes oder als Buchstaben- oder Lautreihe, nicht abrufbar sein. Damit Bilder gedacht und gefühlt werden können, müssen sie Begriffe sein.

Ich fasse zusammen: Bilder sind gleichbedeutend mit Zeichen. Bilder sind, damit sie gedacht oder gefühlt werden können, davon abhängig, dass sie zu Begriffen wurden, also, dass eine Bedeutungszuordnung in zweifacher Ausprägung durchlaufen wurde. Meine Behauptungen aus den vorhergegangenen Selbstbelauerungen scheinen bis auf Weiteres bestätigt: Wir denken und fühlen immer in Begriffen. Dass Denken und Fühlen in bloßen Bildern – also begriffslos – vonstattengehen könnte, entpuppt sich als Finte.

Bernd Waß

Philosophische Untersuchungen

1 Einleitung

Wer das Tor zum Thema Sprache und Denken aufstößt, der stößt das Tor zu einem philosophischen Universum auf; der würde tausend Jahre benötigen und noch mehr um es zu durchmessen und am Ende seiner Reise würde er doch wieder am Anfang stehen. Dennoch werden wir uns, in diesem ersten Kolloquium des Jahres 2013, des Themas annehmen. Nicht zuletzt deshalb, weil wir Philosophen unerschrockene Zeitgenossen sind, was die Aussicht auf Misserfolg betrifft; vor allem aber, weil wir in einer Zeit leben, in der sowohl die Sprache als auch das Denken einen schweren Stand haben. So wird etwa Letzterem als Vehikel zu einem umfassenden Verständnis des Weltganzen, zur Erklärung von Vorgängen und Zuständen oder zur Lösung anstehender gesellschaftlicher und kultureller Probleme zunehmend misstraut. Stattdessen ist man der Auffassung, dass selbiges lediglich durch Introspektion, verstanden als sinnliche Innenschau, Bewusstseinserweiterung, Channeling oder ähnlichem zu erreichen wäre. Das ist aber keineswegs nur die Auffassung von selbst ernannten Gurus oder radikalen Esoterikern – im Gegenteil – es handelt sich um eine Tendenz, die sich auf breiter Ebene beobachten lässt. In altbekannter Manier wird darüber hinaus, bis in höchste Kreise aus Wirtschaft und Politik, nach dem »pragmatischen Prinzip«3 vorgegangen: »Hauptsache es funktioniert, egal warum.« Dem Denken wird das Handeln vorgezogen – das theoretische Verständnis der Dinge dabei verunglimpft, das praktische hingegen geheiligt. Ähnlich schlecht ist es um die Sprache bestellt: Sie wird, um den Anforderungen neuer Medien gerecht zu werden, aber auch der fehlenden »Zeitbudgets« wegen, verstümmelt und demontiert. Geschrieben wird in Wortfetzen und Abkürzungen, auf Rechtschreibung und Interpunktion wird verzichtet. Weil aber Sprache und Denken weithin eine Einheit bilden – eine These, die auf Wilhelm Humboldt zurückgeht und heute zum philosophischen Konsens zählt – sehen wir uns einer fatalen Entwicklung gegenüber. Die Mehrheit, der in modernen Gesellschaften lebenden Personen, wird nämlich zunehmend unfähig, selbst einfache Zusammenhänge zu erfassen, zu reflektieren und sich diesbezüglich systematisch zu äußern. Das ist der Analphabetismus des 21. Jahrhunderts. Ein untrügliches Indiz für seine Ausbreitung sind Beiträge in diversen Blogs, Foren, sozialen Netzwerken und Videoportalen. Was man hier bisweilen zu lesen und zu hören bekommt, ist, um es mit Peter Sloterdijk zu sagen, eine Unterbietung des guten Geschmacks und jeglichen Anstandes im Hinblick auf Artikulation und intellektuelle Selbstachtung. Von der Art Analphabetismus sind aber keineswegs nur Menschen betroffen mit schlechter Schulbildung und geringem Einkommen, wie man es gemeinhin zu sagen pflegt, sondern auch jene, die auf vorzügliche Ausbildungen verweisen können. Die großen Anstrengungen, die während der Aufklärung und insbesondere in der Philosophie der Neuzeit unternommen wurden, das Denken zu einem »Gemeingut« zu erheben und den Großteil der Menschen von bloß vernunftbegabten zu vernunfttätigen Wesen zu machen, scheinen in Zeiten von Facebook, Twitter oder Youtube vergeblich gewesen zu sein. Doch so düster das Bild auch sein mag, das man hier zu zeichnen geneigt ist, Denken und Sprache gehören neben Bewusstsein, Selbstbewusstsein und der ganz grundsätzlichen Frage nach der Existenz seelischer Entitäten, zu den wichtigsten Dimensionen geistiger Realität. Ihrer fundamentalen Bedeutung für das menschliche Dasein wird man daher nicht gerecht, wenn man sie lediglich in kultur- und gesellschaftskritischen Diskursen behandelt. Aus diesem Grund werden wir uns dem Thema ‘Denken und Sprache’ einerseits im Zusammenhang einer systematischen Analyse, anderseits im Zusammenhang einer historisch-hermeneutischen Betrachtung philosophisch nähern. Hierfür werden wir uns zunächst um die Sprache bemühen, insbesondere um bestimmte Aspekte der Sprachphilosophie; im Anschluss daran um die Einheit von Sprache und Denken, insbesondere um bestimmte Aspekte der Philosophie des Geistes, und zu guter Letzt bemühen wir uns um das Denken als solches, insbesondere um Theorien des Denkens, wie sie von einigen Philosophen hervorgebracht wurden.

2 Sprache und ihre sprachphilosophische Betrachtung

Die Sprache, im Sinne der Wortsprache, wie wir sie heute gebrauchen, ist sehr wahrscheinlich jenes Merkmal, das den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. Immer wieder haben Philosophen versucht die anthropologische Gretchenfrage nach dem eigentlich menschlichen am Menschen zu beantworten, um ihn aus dem Verband des reinen Naturgeschehens herauszulösen, ihm sozusagen – auf der Basis vernünftiger Gründe (im Gegensatz zum Ansinnen theologischer Überlegungen) – einen besonderen Platz im Universum zuzusprechen. Und immer wieder mussten sie konstatieren, dass es sich hierbei um ein äußerst schwieriges Unterfangen handelt. Die Demarkationslinie zwischen Natur und Mensch lässt sich nicht so leicht ziehen. Wir sind durch und durch biologische Lebewesen, wir Atmen und nehmen Nahrung zu uns, wir pflanzen uns fort, wachsen, altern und sterben. Aber auch unser geistiges Leben teilen wir mit dem Natur-, respektive dem Tierreich: Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Leidensfähigkeit, Triebe, Begierden, Bewusstsein – nichts, was sich nicht auch bei Tieren aufweisen ließe. Sogar unser Selbstbewusstsein4 ist als Primat menschlichen Daseins mittlerweile umstritten.

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