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Kleines Lexikon der Reise-Irrtümer

ÜBER DIESES BUCH

Reisen – aber richtig!

Im Internet sind Reisen billiger als im Reisebüro? Kommt drauf an. Frauen sollten in muslimischen Ländern nicht alleine reisen? Stimmt so nicht. Und Venedig ist überteuert und viel zu touristisch? Zum Glück nicht! Die erfahrene Reisejournalistin Nele-Marie Brüdgam stellt in diesem Buch die häufigsten, skurrilsten, folgenreichsten und überraschendsten Irrtümer und Halbwahrheiten übers Reisen zusammen – und richtig.

ÜBER DIE AUTORIN

NELE-MARIE BRÜDGAM, geboren 1967, studierte Portugiesisch, Spanisch und Lateinamerika-Studien in Hamburg, Lissabon und Madrid, anschließend machte sie eine Ausbildung zur Redakteurin. Sie arbeitet als Sachbuchautorin und Reisejournalistin. Die Autorin wanderte in den Urwäldern Amazoniens und der Ostsee-Insel Vilm, tanzte auf einer Techno-Kreuzfahrt im Bermuda-Dreieck, aß Springbock-Carpaccio in Afrika und war per Anhalter unterwegs in den Anden. Sie ließ sich auf Reisen drei Geldbörsen und einen prall gefüllten Koffer klauen, mag London lieber als New York, träumt von Patagonien und von einem Urlaub in Ahrenshoop.

Beratung

MICHAEL SCHOLTEN, geboren 1971, sammelt Reiseziele, bisher hat er 123 Länder besucht, darunter Afghanistan und Nordkorea. Er ist gelernter Journalist, Vater zweier Söhne und lebt in Kambodscha, wo er Reiseberichte, Filmbücher und Kino-Pressehefte schreibt.

INHALT

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Über dieses BUCH

Über die AUTORIN

Nach AFGHANISTAN kann man nicht als Tourist reisen

Alle ANSCHNALLGURTE funktionieren gleich

Private AUSLANDSKRANKENVERSICHERUNGEN sind überflüssig

Auf den AZOREN ist immer Hochsommerwetter

Die BAHN ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel

Die DEUTSCHE BAHN ist ein einziges Ärgernis

Mit der BAHNCARD 50 sind alle Fahrkarten günstiger als mit der BAHNCARD 25

BARGELD aus dem Automaten ist im Ausland sehr teuer

Wer BILLIGFLÜGE verpasst, bekommt kein Geld zurück

Der nach oben gestreckte DAUMEN ist in aller Welt ein Zeichen für: gut, toll, super!

DEUTSCHE trifft man überall auf der Welt

DRESSCODES haben heutzutage keine Bedeutung mehr

ECO LODGES sind die umweltfreundlichsten Urlaubsunterkünfte

EDELWEISS gibt es nur in den Alpen

EINTRITTSKARTEN für berühmte Theater-, Opern- und Konzerthäuser sind schwierig zu bekommen

FLIEGEN ist gefährlich

Im FLUGZEUG sind die sichersten Plätze hinten

FOLKLORISTISCHE AUFFÜHRUNGEN für Touristen sind einfach nur peinlich

FRANKFURT am Main ist keine Reise wert

FRANZOSEN sprechen keine Fremdsprachen

FRAUEN sollten nicht allein in muslimische Länder reisen

Auf den GALÁPAGOS-INSELN herrschen paradiesische Zustände

Im GEFÄNGNIS zu übernachten, ist das Schlimmste, was einem auf Reisen passieren kann

Das ideale GEPÄCK variiert je nach Art, Anlass und Ziel der Reise

Über GESUNDHEITLICHE RISIKEN auf Reisen findet man alle Infos im Internet

HELGOLAND-REISEN lohnen sich nur wegen des zollfreien Einkaufs

HOTELS sind während grosser Messen und Events grundsätzlich teurer

HOTELS, die zu grossen Ketten gehören, sind inakzeptabel

Einsame INSELN gibt es nicht mehr

Im INTERNET sind Reisen billiger als im Reisebüro

Nach ISLAND kann man nur im Sommer reisen

Der JAKOBSWEG ist von Deutschen übervölkert, und Hape Kerkeling ist schuld

JETLAG ist Jetlag – egal in welche Richtung man reist

KALKUTTA liegt am Ganges

KOFFER und Taschen kann man gar nicht genug haben

KREUZFAHRTEN sind Seereisen

KREUZFAHRTEN sind Seniorenveranstaltungen

LAND UND LEUTE finden es grossartig, dass wir sie kennenlernen wollen

Das LIEBLINGSREISELAND der Deutschen ist Spanien

MAKARONESIEN gibt es nicht

MAORI leben traditionell in ganz Neuseeland

Die MAYA-KULTUR ist auf geheimnisvolle Weise verschwunden

Bei MCDONALD’S ist das Essen überall auf der Welt gleich

MEERBLICK-ZIMMER bieten die schönsten Aussichten in Badeorten

MIETWAGEN bucht man am günstigsten direkt am Urlaubsort

Auf MUSTIQUE können sich nur die Superreichen dieser Welt einen Urlaub leisten

MYANMAR ist die politisch korrekte Bezeichnung, nicht Birma oder Burma

NACHHALTIGES REISEN ist zurzeit sehr modern

NEW YORK ist eine fortschrittliche Stadt

Nach NORDKOREA kann man nicht reisen

Auf den OSTERINSELN stehen riesige Steinfiguren

In PARIS kleidet man sich elegant, und overdressed zu sein ist unmöglich

PAUSCHALREISEN buchen nur Anfänger, Spiesser und Vollidioten

Bei PROBLEMEN hilft die Deutsche Botschaft

Alle REISEJOURNALISTEN sind bestechlich

Auf SAFARIS in Afrika kann man fantastische Tierfotos machen

SALZBURG ist ein Themenpark für Mozart und den Barock

SEEKRANKHEIT ist auf grossen Kreuzfahrtschiffen ausgeschlossen

Je mehr SERVICE im Hotel, desto besser

Der SERVICE in Hotels ist auch nicht mehr das, was er mal war

In SPANIEN spricht man Spanisch

STEWARDS UND STEWARDESSEN im Flugzeug sollten vor allem jung und hübsch sein

SÜDAFRIKA ist so gefährlich, dass man am besten gar nicht erst hinfährt

SYLT verschwindet im Meer, und der Klimawandel ist schuld

Vor TASCHENDIEBEN kann man sich schützen

Ganz THAILAND ist eine Sexhochburg

TOTALITÄRE REGIMES sollte man touristisch boykottieren

TOWNSHIP-TOUREN in Afrika sind peinliche Fotosafaris durch Elendsviertel

VENEDIG stinkt, ist völlig überteuert und viel zu touristisch

VOLUNTEERING im Urlaub ist grundsätzlich eine gute Tat

WALBEOBACHTUNG Schadet den Tieren

Die ZUKUNFT des Reisens ist langweilig

ANMERKUNGEN

NACH AFGHANISTAN KANN MAN NICHT
ALS TOURIST REISEN

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Zwar ist Afghanistan derzeit alles andere als ein idyllisches Reiseziel, aber Sightseeingreisen nach Afghanistan sind möglich und lassen sich sogar recht unkompliziert organisieren. Deutsche Staatsbürger erhalten das nötige Visum bei der afghanischen Botschaft in Berlin oder dem Konsulat in Bonn, ohne viele Fragen beantworten zu müssen. Mit dem Flugzeug kann man Afghanistan in elf Stunden ab Deutschland erreichen, man muss nur einmal umsteigen. Und es gibt einen Afghanistan-Reiseführer von Lonely Planet, der 2007 erschien.

Verschiedene europäische Reiseveranstalter haben geführte Afghanistan-Gruppenreisen im Programm (nicht nur pro forma, solche Reisen werden tatsächlich durchgeführt). Die englische Agentur Hinterland Travel verspricht ihren Kunden »echte Abenteuer«, ihr Afghanistan-Programm umfasst mehrere Rundreisen jährlich mit Stationen in Kabul, Herat, Mazar-i-Sharif und andernorts.

Machbar sind aber auch individuelle Afghanistan-Reisen, wie der Fall meines Kollegen Michael Scholten zeigt, der im Jahr 2010 für eine Woche dort war. Das Schicksal bescherte ihm eine türkischstämmige Reisepartnerin, die beiden gaben sich als Ehepaar aus. Scholten schlüpfte in die Rolle des Sohnes eines Türken und einer Schweizerin, hatte in der Tasche stets einen kleinen Koran und im Gedächtnis »Allah ist groß« auf Dari, der Landessprache, damit er im recht wahrscheinlichen Fall einer Entführung als Muslim durchgehen konnte. Als Unterkunft wählten die beiden ein Kabuler Hotel unter türkischer Leitung, das ihnen einen jungen Afghanen als Betreuer und Stadtführer vermittelte.

Sie begannen ihr Programm am touristischsten Punkt der Hauptstadt, der Chicken Street, wo die Geschäfte Kunsthandwerk, Souvenirs und Postkarten anbieten. Bald wagten sie sich auch ins Getümmel der lokalen Märkte. »Überall wurden wir zum Tee eingeladen oder um Fotos gebeten«, berichtet Michael Scholten. »Afghanische Männer und Kinder lieben es, fotografiert zu werden.«

In Begleitung ihres Stadtführers besuchten die Reisenden das Nationalmuseum und die Nationalgalerie, den traditionellen Vogelmarkt, die ausgebombte Ruine des Sommerpalastes von König Amanullah. Bei der Zitadelle Bala Hissar, mit beeindruckendem Blick auf Kabul und die umliegenden Berge, kam es zu einer Begegnung der seltsamen Art. Erstmals trafen Scholten und seine Reisepartnerin andere westliche Touristen, die ihre Tour über einen professionellen Veranstalter gebucht hatten. Sie reisten in gepanzerten Jeeps, trugen kugelsichere Westen, hatten Geleitschutz mit Maschinengewehren.

Zum Reiseglück des vermeintlich türkisch-schweizerischen Ehepaares aus Deutschland trug vor allem die afghanische Gastfreundschaft bei. So lud ihr Autovermieter die beiden zu seiner Zweitfrau und -familie in die Stadt Mazar-i-Sharif ein, die sie per Inlandsflug erreichten. Hier sahen sie die einzigen Bundeswehrsoldaten ihrer Reise und besichtigten die größte Sehenswürdigkeit des Landes, die Blaue Moschee. Im Hause ihrer Gastgeber wurden die beiden getrennt: Sie kam zu den Frauen und Kindern, er in den Männertrakt des Hauses, wo ihn bärtige Afghanen in weiten Gewändern erwarteten, um mit ihm Wasserpfeife zu rauchen und viele neugierige Fragen zu stellen – einer der Afghanen sprach ein wenig Englisch.

Trotz der friedlichen Reise-Erlebnisse des Kollegen empfehle ich – als Reisejournalistin und Autorin dieses Buches – grundsätzlich keine Reisen in Länder, vor denen das Auswärtige Amt warnt. Das Auswärtige Amt spricht Reisewarnungen selten aus, und nur für Länder, in denen es »eine akute Gefahr für Leib und Leben« sieht. Momentan besteht diese Gefahr laut Auswärtigem Amt in Afghanistan.

ALLE ANSCHNALLGURTE
FUNKTIONIEREN GLEICH

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Viele Passagiere halten die Bedienung von Anschnallgurten für so selbstverständlich und kinderleicht, dass sie im Flugzeug gar nicht erst hinschauen, wenn das Kabinenpersonal zeigt, wie die Gurte funktionieren. Dieser Irrtum kann tödlich sein.

Die allermeisten Menschen verbringen sehr viel mehr Zeit im Auto als im Flugzeug. Daher geht ihnen die Bedienung von Autogurtverschlüssen so sehr in Fleisch und Blut über, dass sie auch zum Öffnen des Gurtes im Flugzeug – besonders in Stresssituationen – reflexartig eine Taste herunterdrücken wollen. Jedoch, es gibt sie nicht. An ihrer Stelle ist da eine Klinke, die angehoben werden muss. Wer sich dessen nicht bewusst ist, hat ein gravierendes zusätzliches Problem, wenn die Maschine evakuiert werden muss.

Deshalb lieber auf Nummer sicher gehen: gut aufpassen bei der Erklärung des Sicherheitsgurt-Verschlusses vor dem Start. Und den Gurt ein paarmal öffnen und schließen, um sich damit vertraut zu machen.

Während Start und Landung garantiert der Gurt beste Sicherheit, wenn er über dem Becken (in Höhe der Beckenknochen) festgezogen wird. Während des restlichen Fluges kann man ihn leicht lockern, sollte den Gurt aber ununterbrochen angelegt behalten. Die meisten Airlines empfehlen dieses Vorgehen; bei der Lufthansa und ihren Regionalpartnern herrscht seit 2007 eine generelle Anschnallpflicht. Dabei geht es weniger um den Schutz bei Flugzeugabstürzen (die extrem selten vorkommen, siehe auch »FLIEGEN ist gefährlich«) als vielmehr um die Vermeidung von Verletzungen bei Turbulenzen.

Für Kleinkinder unter zwei Jahren, die auf dem Sitz eines Erwachsenen mitfliegen, schreibt seit 2008 eine EU-Verordnung einen zusätzlichen Schlaufengurt vor (beziehungsweise ein anderes eigenes »Rückhaltesystem«, das aber erst noch entwickelt werden muss). Höchstmögliche Sicherheit für Kinder bietet allerdings nicht irgendein Gurt, sondern nur ein eigener Sitzplatz mit Kindersitz und -gurt. Hierzu informiert das Luftfahrt-Bundesamt:

»Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und das Luftfahrt-Bundesamt empfehlen allen Eltern, einen eigenen Sitzplatz für ihr Kind zu buchen und vor dem Flug abzuklären, ob seitens der Fluggesellschaft ein Kinderrückhaltesystem bereitgestellt werden kann, beziehungsweise zu erfragen, welche Typen privater Kindersitze verwendet werden können.«1

Passagiere mit extrem voluminösem Körper bekommen zumeist beim Bordpersonal eine Gurtverlängerung. Zur Vermeidung von Peinlichkeiten (Herumgezerre mit einem zu kurzen Gurt, Diskussionen mit dem sich eingeengt fühlenden Platznachbarn) sollten stark übergewichtige Fluggäste die Platz- und Sicherheitsfrage am besten schon bei der Buchung erörtern.

PRIVATE AUSLANDSKRANKEN-
VERSICHERUNGEN
SIND ÜBERFLÜSSIG

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Mit Schaudern erinnere ich mich an den schon einige Zeit zurückliegenden Bericht eines Bekannten, der im ländlichen Mexiko einen Zahnarzt aufgesucht hatte. Die Zahnarztpraxis beschrieb er als eine »Werkstatt ohne viel Schnickschnack«, der Zahnarzt habe sich als »solider Handwerker« erwiesen, der den schmerzenden Zahn ruckzuck mit einer groben Zange und ohne Betäubung entfernte. Man habe zwar keine gemeinsame Sprache gesprochen, aber die Verständigung mit Händen, Zunge und gutturalen Lauten habe bestens geklappt und die Behandlung kaum etwas gekostet. Mein Bekannter war schwer beeindruckt – positiv beeindruckt.

Noch heute sind viele Zahnarztpraxen überall auf der Welt nicht mit dem westeuropäischen Standard vergleichbar. Ich selbst würde Zahnschmerzen auf Reisen wenn irgend möglich so lange ertragen, bis ich eine teure, moderne Privatpraxis gefunden hätte. Dort würde ich darauf drängen, das Ziehen mithilfe sanfter Eingriffe und starker Medikamente zu vermeiden oder hinauszuzögern. Falls der Zahn dennoch rausmüsste, würde ich auf einer Betäubung beim Zahnziehen bestehen. Das Ganze auf Kosten meiner Auslandsreisekrankenversicherung.

Private Reisekrankenversicherungen kosten ungefähr zehn bis 15 Euro pro Person und Jahr.2 Sie sind weltweit gültig für beliebig viele Urlaubsreisen ins Ausland, zum Teil auch für Geschäftsreisen. Wer sich im Ausland den Magen verdirbt, den Arm bricht, eine Zahnwurzelentzündung bekommt oder einen Unfall mit lebensbedrohlichen Verletzungen erleidet, wird nach Abschluss solch einer Versicherung von anerkannten Ärzten in deren Praxis oder im Krankenhaus als Privatpatient behandelt.

Private Auslandsreisekrankenversicherungen erstatten die Kosten für alle nötigen beziehungsweise von der deutschen Schulmedizin anerkannten Verbände, Operationen, Medikamente, Röntgenaufnahmen, Massagen, Hilfsmittel, Bestrahlungen, Zahnbehandlungen und so weiter. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen die Versicherungen auch die Kosten für einen Rücktransport des Patienten nach Deutschland. Das Wichtigste aber ist: Kranke und Verletzte werden versorgt und brauchen nicht einen Cent dazuzuzahlen. Nur wenige Behandlungen sind ausgenommen, zum Beispiel wenn man schon vor der Reise wusste, dass die Behandlung nötig werden würde. Einschränkungen gibt es außerdem bei der Reisedauer: Je nach Anbieter dürfen die einzelnen versicherten Urlaubsreisen nicht länger als sechs oder acht Wochen sein.

Viele verschiedene Versicherer haben Verträge dieser Art im Programm. Man muss sie vor Abschluss gründlich studieren, hier und dort gibt es Abweichungen, Ausnahmen, Kleingedrucktes, Zusätze. In der Regel müssen Patienten alle Kosten zunächst selbst tragen und sich die Auslagen zu Hause von der Versicherung erstatten lassen. Manche Gesellschaften (wie zum Beispiel der ADAC-Auslands-Krankenschutz) bieten hingegen eine direkte Kostenübernahme bei besonders teuren Behandlungen, etwa wenn nach einem Unfall chirurgische Eingriffe und ein langer Krankenhausaufenthalt nötig sind. Der Patient muss dann nicht die Rechnung selbst bezahlen, sondern die Versicherung bestätigt dem Krankenhaus schriftlich, dass sie die Rechnung direkt begleichen wird. Zudem greift der Versicherungsschutz mancher, aber nicht aller Gesellschaften beispielsweise auch, wenn man im Urlaub stirbt: Sie übernehmen die Kosten für die Überführung des Leichnams nach Deutschland.

Ganz grundsätzlich behaupte ich: Jede private Reisekrankenversicherung ist besser – und im Bedarfsfalle deutlich billiger – als gar keine. Das gilt auch für Reisen innerhalb Europas.

In fast allen Staaten Europas erhalten Versicherte der deutschen gesetzlichen Krankenkassen zwar dieselben Sach- und Dienstleistungen wie einheimische Versicherte. Sie können entweder mit ihrer Versichertenkarte (auf der Rückseite als Europäische Krankenversicherungskarte gekennzeichnet) oder mit einem Auslandskrankenschein die öffentlichen medizinischen Einrichtungen des besuchten Landes nutzen. Aber was bedeutet das in der Praxis? Angenommen, man verletzt sich das Fußgelenk beim Beachvolleyball, der Schmerz ist stark, die Schwellung erschreckend, und man weiß nicht genau: gebrochen, verstaucht, ein Bänderriss? Dann steht Folgendes an:

1. Recherche: Wo befindet sich die nächste öffentliche Allgemeinarztpraxis oder staatliche Krankenstation? (Gut möglich, dass es sich um eine weit entfernte Stadt oder auch eine andere Insel handelt.)

2. Fahrt dorthin und warten, warten, warten.

3. Kurzes Gespräch mit dem Arzt. Erhalt einer Überweisung zum Orthopäden.

4. Siehe 2.

5. Röntgenaufnahme, Untersuchung durch den Facharzt. Erhalt eines der Verletzung entsprechenden Verbandes (sowie eventuell der Empfehlung, sich in Deutschland operieren zu lassen).

6. Rückkehr an den Urlaubsort, möglicherweise mehrere Tage nach dem Unfall.

Man kann sich so eine Erfahrung als Reiseerlebnis schönreden. Oder man kann sich damit trösten, dass Einheimische ohne Privatversicherung dieselben Prozeduren absolvieren müssen.

Man kann stattdessen aber auch zum nächsten Privat-Orthopäden oder in die nächste Privatklinik hinken, die Kreditkarte auf den Tresen legen, sich schnell und gründlich untersuchen und versorgen lassen. Und zu Hause die Rechnung bei der privaten Auslandsreisekrankenversicherung einreichen.

Hinzu kommt:

1. Zahnärztliche Behandlungen sind in vielen europäischen Ländern nicht mit der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt.

2. Manche Ärzte in öffentlichen Einrichtungen sprechen nur wenig Englisch. Wer eine sofortige Behandlung durch einen Englisch oder Deutsch sprechenden Arzt wünscht, bekommt seinen Wunsch am ehesten in einer Privatpraxis erfüllt. Entsprechende Adressen nennen die deutschen Auslandsvertretungen (Konsulate oder Konsularabteilungen der Botschaften).

AUF DEN AZOREN IST IMMER
HOCHSOMMERWETTER

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Die Inselgruppe gehört politisch zu Portugal und geografisch zu Makaronesien (siehe auch »MAKARONESIEN gibt es nicht«), sie liegt mitten im Atlantik, etwa 1500 Kilometer vom europäischen Festland entfernt. Bekannt sind die Inseln eigentlich nur im Zusammenhang mit dem Azorenhoch. Daher die weitverbreitete Annahme, auf den Azoren sei das schöne Wetter zu Hause und manchmal werde der Sommer von dort aus nach Deutschland verschickt.

Beim Azorenhoch handelt es sich um ein großes, beständiges Hochdruckgebiet, das in Wahrheit eher anderswo für schönes Wetter sorgt als auf den Inseln. Wenn das Hoch sich nach Norden ausweitet, kann es die deutsche Wetterlage beeinflussen und in den Sommermonaten für heiße, trockene Tage sorgen. Inhaltlich besser zutreffend wäre die Bezeichnung »Südlich-des-Azoren-Hochs«, denn die Zentren des Hochs liegen einige Hundert Kilometer südlich der Inseln. Der Name des Archipels wurde allein deshalb auf das Hoch übertragen, weil die Azoren das nächstgelegene Gebiet sind, das einen eigenen Namen hat.

Landschaftlich wirken die neun Inseln wie ein Mix aus Island (wegen der Vulkane und heißen Quellen) und Irland (wegen der vielen saftig-grünen Wiesen auf hügelig-geschwungenem Untergrund). Wer sich in Anbetracht der wenigen Rinder auf dem portugiesischen Festland je fragte, wo eigentlich die ganze Milch herkommt für den leckeren Milchkaffee, die Desserts und die feinen Käse in Portugal, der findet die Antwort auf den Azoren: Kühe, so weit das Auge reicht; die Milchwirtschaft ist hier ganz wichtig.

Üppige Vegetation kann es bekanntlich nur in Regionen geben, die mit Regen gesegnet sind. Und davon haben die Azoren reichlich: Im Winter regnet es durchschnittlich an jedem zweiten Tag oder noch öfter, und selbst im August kommen Niederschläge ungefähr an jedem dritten Tag vor. Der Regen hält normalerweise aber nur kurz an – wie überhaupt die Witterung sehr wechselhaft ist. Ein azorisches Sprichwort lautet: Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte eine halbe Stunde.

Dafür sind die Temperaturen ganzjährig mild: Tageshöchsttemperaturen um 25 Grad im Sommer, um 15 Grad im Winter.

DIE BAHN IST DAS UMWELTFREUNDLICHSTE
VERKEHRSMITTEL

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Wodurch zeichnet sich ein umweltfreundliches Verkehrsmittel aus?

a) Der CO2-Ausstoß ist gering. b) Der Energieverbrauch ist gering. c) Es verursacht keine beziehungsweise geringe Abgase. d) Es wird elektrisch angetrieben. e) Es wird durch Ökostrom angetrieben. f) Es wird mit Biogas oder Biodiesel angetrieben. g) Seine Verkehrswege verbrauchen wenig Fläche. h) Es macht keinen beziehungsweise wenig Lärm. i) Es wird durch Muskelkraft angetrieben.

Welche Antwort trifft wohl zu? Richtig: alle!

Die Umweltfreundlichkeit von Verkehrsmitteln ist eine dermaßen undefinierbare (und umstrittene) Angelegenheit, dass der umweltbewusste Otto Normalreisende am besten zum Zuhausebleiber wird – oder auf folgende Öko-Fortbewegungsformel vertraut:

zu Fuß gehen oder Rad fahren = gut
Bahn oder Bus fahren = geht so
Flugzeug fliegen, Auto fahren = böse

Beschäftigt man sich intensiver mit der Sache, wird man inhaltlich auch nicht viel klüger. Aber man bekommt erhellende Einblicke in die Strategien, mit denen Unternehmen versuchen, sich als die umweltfreundlichsten darzustellen.

So ist die gute alte Busreise anscheinend in mehrerlei Hinsicht umweltfreundlicher als die Fahrt mit der Bahn. Ob Kegelklub auf Toscana-Tour, Abireise an die Costa Brava oder Studienfahrt mit einer promovierten Kunsthistorikerin als Reiseleiterin: Wer an Bord des Busses sitzt, liegt voll im Trend, jedenfalls in Bezug auf seine Umweltverträglichkeit. Dies ergab eine Studie, die vom Heidelberger Forschungsinstitut ifeu im Auftrag eines Bustouristik-Verbandes erstellt wurde.3 Zwei große umweltrelevante Vorteile zeichnen demnach den Reisebus gegenüber der Bahn aus: Zum einen hat er ein geringeres Gewicht pro Sitzplatz. Zum anderen ist die durchschnittliche Auslastung höher. Beides trägt dazu bei, dass der Bus weniger Energie pro Fahrgast verbraucht als die Bahn. Fast leere Reisebusse, die sinnlos Abgase in die Welt pumpen, kommen praktisch nicht vor. Zur Auslastung der Fernlinienbusse, die in Deutschland seit Anfang 2013 erlaubt sind, fehlen noch verlässliche Durchschnittszahlen.

Eine Busreise findet normalerweise nur statt, wenn sie sich für den Veranstalter rechnet. Ein Bahnunternehmen aber muss Fahrpläne einhalten und kann keine Fahrt absagen, wenn nur wenige Plätze reserviert wurden. Und so relativiert sich der Bus-Umwelt-Vorteil schon wieder: Wer Reisebus fährt statt Bahn, hat zwar das gute Gefühl, in einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel zu sitzen. Doch der nun frei bleibende Bahnsitzplatz belastet die Umwelt genauso, als wäre er besetzt.

Ja, es ist eine elendige Hin- und Herrechnerei – zumal Bahnfahren nicht gleich Bahnfahren ist, wie das Forschungsinstitut in derselben Studie anmerkt. Zwar werden Bahnen im europäischen Fernverkehr fast nur mit elektrischem Strom betrieben, jedoch kommt dieser Strom beispielsweise in Polen überwiegend aus konventionellen Kohlekraftwerken und in Frankreich vor allem aus Kernkraftwerken. Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären. Was ist besser: Diesel oder Strom? CO2-Emissionen oder radioaktiver Müll? Oder sollte man nur noch in den Urlaub radeln? Dieser umweltfreundlichste Fortbewegungsvorsatz ist zugleich der unrealistischste. Aber per Bahn oder Bus zu verreisen ist zweifellos besser als mit Auto oder Flugzeug. Pro Sitzplatz verbraucht das Auto etwa doppelt so viel Energie wie Bus oder Bahn. Flugzeuge verbrauchen gut viermal so viel wie Busse oder Bahnen.

Und der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Personenkilometer (das sind zurückgelegte Kilometer multipliziert mit der Zahl der Reisenden) beträgt bei der Bahn 60 Gramm, beim Auto mehr als das Doppelte (141 Gramm) und beim Flugzeug über 200 Gramm.4

Eine großartige, bisher weitgehend unbekannte Umweltschutzinformationsquelle bietet die Deutsche Bahn auf ihren Internetseiten: Wer Verbindungen unter www.bahn.de aufruft, kann unter der Fahrplanliste einen unscheinbaren Button namens »UmweltMobilCheck« anklicken. Und schon erscheinen – übersichtlich, detailliert, leicht verständlich – Angaben zum Energieverbrauch, CO2- und Feinstaubausstoß pro Person auf der ausgewählten Strecke mit Bahn, Auto und Flugzeug.

Die Deutsche Bahn betreibt ihre Züge zu 46 Prozent mit Energie aus Stein- und Braunkohle, zu 20 Prozent aus Kernenergie und zu 24 Prozent mit erneuerbaren Energien. Der Anteil an erneuerbaren Energien steigt stetig, die CO2-Emissionen sinken. Bei der Modernisierung der Züge werden 80 Prozent des vorhandenen Materials weiterverwendet. Aus Umweltschutzgründen wird auch alter Gleisschotter aufbereitet, statt ausgewechselt (was preiswerter wäre). Als weitere Nachhaltigkeitsmaßnahme steht Lärmminderung auf dem Programm der Bahn.5

Trotz vieler bisheriger und geplanter Umweltschutzaktivitäten der Bahn wird sich die Nachhaltigkeitsrelation zwischen Bus, Bahn und Auto in der näheren Zukunft kaum ändern – schließlich verbessern auch die anderen ihre Ökobilanz. Nur bei Flugzeugen ist das schwierig, ihr Kerosinverbrauch lässt sich zwar leicht senken, aber die Emissionen in großer Höhe schaden der Umwelt mehr als Abgase am Boden.

Business- und First-Class-Passagiere sind im Flugzeug übrigens noch schlimmere Umweltsünder als sparsame Touristen – weil sie mehr Platz in Anspruch nehmen und so den Energieverbrauch pro Person in die Höhe treiben. Die oben beschriebene Fortbewegungsformel muss also eigentlich um einen Punkt ergänzt werden:

Business oder First Class fliegen = sehr böse!

DIE DEUTSCHE BAHN IST EIN EINZIGES
ÄRGERNIS

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Jawohl: Züge haben manchmal Verspätung, bei Eis und Schnee fallen sogar welche aus. Sicher: Technische Probleme – wie zum Beispiel streikende Klimaanlagen – kommen vor. Durchaus: Es passieren Zugunfälle mit Schwerverletzten und Todesopfern. Absolut: All das will man nicht erleben. Jedoch: Wer das Verspätungs-, Störungs- und Unfallrisiko minimieren möchte, sollte zu Hause bleiben, da ist es auf dem Sofa auch gemütlicher als im Zug. Wer sich bewegt und insbesondere wer sich von seinem Zuhause fortbewegt, geht immer irgendwelche Risiken ein.

Nicht die Bahn an sich ist ein Ärgernis. Sondern das überall in Deutschland zum Alltag gehörende, gebetsmühlenartige, unüberlegte, unqualifizierte Gemecker über die Bahn ist ein Ärgernis. Verbale Umweltverschmutzung ohne Sinn und Zweck.

Um am eigenen Leib zu erfahren, wie gut wir Deutschen es mit unserer Bahn haben, könnte man sich beispielsweise in einen unklimatisierten Waggon zweiter Klasse in Bangladesch setzen (oder eher stellen, die Wagen sind häufig überfüllt). Muss man aber gar nicht, es reicht schon, sich dem Bahnfahren in England zu widmen, wo die Züge – nicht immer, aber allzu oft – unbequemer, ungepflegter und unpünktlicher sind und wo es weniger und schlechtere Verbindungen gibt als in Deutschland.

Die Qualität der Deutschen Bahn (oder eigentlich: der Bahnen – viele Strecken werden von anderen Unternehmen als der DB bedient) lässt sich aber nicht nur individuell erfahren, sondern auch anhand von Zahlen und Fakten belegen.

Abbildung SICHERHEIT: Bahnfahren ist im Vergleich zum Auto- und Busfahren eine extrem sichere Angelegenheit – überall, aber vor allem auch in Deutschland. Bei Unfällen im Jahr 2012 starben hier 1791 Auto-Insassen, drei Bus-Insassen (in Linien-, Reise-, Schulbussen und anderen Bussen insgesamt) und neun Bahnfahrgäste. Nach Berechnungen der »Allianz pro Schiene« war im Mehrjahresdurchschnitt 2004 bis 2012 das Todesrisiko für Insassen eines Pkw 54-mal höher als für Bahnreisende. Das Verletzungsrisiko war im Auto noch sehr viel höher: »Bezogen auf die Personenkilometer ist die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken bei jeder Autofahrt gut 109-mal höher als bei einer Bahnfahrt.«6

Abbildung ZUVERLÄSSIGKEIT, insbesondere Pünktlichkeit: Hier haben wir das blöde Problem, dass die Bahn kaum Zahlen zu Verspätungen und Zugausfällen herausgibt. Es sei eine heikle Sache, erklärt auf Nachfrage ein Mitarbeiter der DB-Pressestelle, schließlich habe oft nicht die Bahn selbst die Schuld an Verspätungen, sondern es gebe erschwerende Umstände wie Personen auf den Schienen, Arzt- oder Polizeieinsätze in Zügen und auf Bahnhöfen. Außerdem hätten manche Medien die Angewohnheit, Zahlen und Fakten der Bahn so negativ wie möglich auszulegen.

Nach meiner Erfahrung kommt man mit der Bahn innerhalb Deutschlands deutlich zuverlässiger vom Fleck weg und pünktlicher ans Ziel als per Auto oder Flugzeug. Gern würde ich diese Erfahrung mit Fakten untermauern. Immerhin, die folgende Angabe konnte ich ergattern: »Die Gesamtpünktlichkeit im Schienenpersonenfernverkehr im Jahr 2012 lag bei 79,1 % (5 Minuten Pünktlichkeit) (im Vorjahr: 80,0 %) beziehungsweise bei 92,2 % (15 Minuten Pünktlichkeit) (im Vorjahr: 92,9 %).«7 Mal ehrlich: Mit welcher Genauigkeit können Sie Ihre Ankunftszeit bei Autofahrten von 400, 600 oder 800 Kilometern im Voraus planen? Plus/minus eine Stunde, eineinhalb, zwei? Bestimmt sind wir uns einig: Bis auf fünf Minuten genaue Angaben wären pure Wahrsagerei. Und hat ein Bahngast mal das Pech, beim Umsteigen seinen Anschluss zu verpassen, führt das selten zu mehrstündigen Wartezeiten, die Autofahrer während der Schulferien routinemäßig im Stau absitzen.

Im Dezember 2010, als es sehr plötzlich sehr kalt geworden war und viel Schnee fiel, lag die Pünktlichkeit der Bahn bei 77 Prozent im Nahverkehr, im Fernverkehr tageweise bei unter 70 Prozent. Im gleichen Monat starteten vom Frankfurter Flughafen nur die Hälfte aller Flüge zur geplanten Zeit. Im gesamten Jahr 2010 waren nur 69 Prozent aller Frankfurter Flüge pünktlich (was auch mit der isländischen Aschewolke zu tun hatte), im Vorjahr hatten immerhin 21 Prozent Verspätung.8

Abbildung TECHNISCHE PROBLEME: Am 1. Januar 2013 waren in Deutschland 43 431 124 Autos gemeldet.9 Über vier Millionen Mal war die ADAC-Pannenhilfe im Jahr 2013 im Einsatz.10 Das heißt: Durchschnittlich jedes zehnte Auto ließ seinen Fahrer einmal so im Stich, dass er nicht weiterfahren konnte. Nicht mitgerechnet all die Pannen, die ohne ADAC-Einsatz behoben wurden. Ich finde diese Zahlen sehr hoch und sehr abschreckend; und auch ohne über vergleichbare Bahnzahlen zu verfügen, bin ich mir sicher: Bahnpassagiere erleben seltener Pannen. Falls doch mal ein Zug defekt ist, müssen sie sich überhaupt nicht um die Reparatur kümmern, sondern brauchen nur auf einen Ersatzzug (oder einen Bus oder ein Taxi) zu warten. Wenn sie wegen der Panne deutlich verspätet ankommen, kriegen sie einen Teil ihres Fahrgeldes erstattet.

Abbildung SERVICE UND BEQUEMLICHKEIT: Der Sitzabstand ist in Bahnen höher als in Autos und Flugzeugen. Bahnreisende müssen sich nicht anschnallen, können aufstehen, sich die Beine vertreten, am Fenster stehen und rausgucken. Bahnhöfe haben eine zentralere Lage als Flughäfen, sie sind für die meisten Fahrgäste schneller und preiswerter zu erreichen. Bahnpassagiere müssen keine Sicherheitskontrollen durchlaufen, kein Gepäck aufgeben und weder Check-in- noch Boarding-Prozeduren absolvieren, wodurch sie viel Zeit sparen. Auch das Aus- und Umsteigen geht bei der Bahn schneller. Wer möchte, kann während seiner gesamten Bahnreisezeit am Computer arbeiten, im Internet surfen, Filme gucken, Musik hören oder telefonieren. Und Kinder können im Kinderabteil spielen.

Das sind keine Neuigkeiten? Möglich. Nur sind sich sehr viele Bahn-Unkundige und Gelegenheitsbahnfahrer all dessen nicht bewusst, sondern pflegen über die Bahn nur zu meckern.

Bahnkenner hingegen sind eher der relaxte Typ. Über zwei Drittel der deutschen Bahnpassagiere entscheiden sich für das Verkehrsmittel, weil sie gern »stressfrei und entspannt« reisen.11

Die Menschen, die für die deutschen Bahnen verantwortlich sind, sollten sich trotz allem nicht entspannt zurücklehnen. Denn selbst sehr Gutes geht bekanntlich immer noch besser. Wie zum Beispiel in Dänemark, wo die Bahnen ein schickeres und komfortableres Ambiente bieten als in Deutschland. Oder in der Schweiz, die nicht nur berühmte Panoramazüge für Touristen hat, sondern auch allgemein einen besseren Bahnservice. Oder in Japan mit seinen legendären Zügen – sie fahren so schnell, so häufig und zuverlässig, sie sind so bequem, dass die deutschen Verhältnisse dagegen geradezu provinziell wirken.

MIT DER BAHNCARD 50 SIND ALLE
FAHRKARTEN GÜNSTIGER ALS MIT DER BAHNCARD 25

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Wenn mein Mann und ich zusammen mit der Bahn fahren, zahlen wir für die Fahrkarten unterschiedlich viel. Das ist im Prinzip logisch, denn wir haben unterschiedliche BahnCards: er die BahnCard 25, ich die BahnCard 50, die etwa dreimal so viel kostet. Was hingegen nicht logisch erscheint: dass der BahnCard-25-Inhaber manchmal weniger fürs Ticket zahlt als die BahnCard-50-Inhaberin.

Aber so ist es tatsächlich, und es lässt sich sogar erklären: Mit der BahnCard 50 erhält man 50 Prozent Ermäßigung ausschließlich auf den normalen Fahrpreis. Mit der BahnCard 25 gibt es 25 Prozent Ermäßigung nicht nur auf den Normalpreis, sondern auch auf Sonderangebote namens Sparpreis im Fernverkehr. Genau diese Kombinationsmöglichkeit von Sparpreis und Ermäßigung kann dazu führen, dass mit der BahnCard 50 eine einzelne Fahrt zehn Euro teurer ist als mit der BahnCard 25.

Nun haben die Sparpreise der Bahn aber mehrere Haken:

  • Die Fahrscheine müssen spätestens drei Tage im Voraus gekauft werden.
  • Die Kontingente sind begrenzt.
  • Es gilt die »Zugbindung« (man muss sich beim Fahrscheinkauf auf eine Fahrt zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Tag festlegen).
  • Umtausch und Stornierung der Fahrscheine sind nur sehr eingeschränkt möglich (und wenn, dann gebührenpflichtig).

Fazit: Die BahnCard 50 lohnt sich nur für Menschen, die öfters Bahn fahren, ihre Zugverbindungen frei wählen möchten, gern spontan fahren und zeitlich flexibel unterwegs sein wollen. Die BahnCard 25 lohnt sich für Menschen, die eher selten fahren – oder öfters und dabei keinen Wert auf Spontanität und Flexibilität legen.

Für manche Vielfahrer würde es sich sogar lohnen, beide BahnCards zu besitzen. Nur müsste man dann bei jedem Fahrscheinkauf im Internet errechnen und abwägen, welche Variante die günstigere wäre. Da sich die Gültigkeit eines Sparpreis-Angebotes von Minute zu Minute ändern kann, würde der BahnCard-50- zu BahnCard-25-Abgleich viel Zeit und Nerven kosten.

Das Personal an den Beratungs- und Verkaufsschaltern nimmt den Kunden die Suche nach dem günstigsten Fahrpreis auf Fernstrecken oft nicht ab. Lautet die Frage zum Beispiel: »Ich möchte übernächsten Monat von München nach Berlin fahren, an welchem Wochenende und zu welcher Zeit ist das am billigsten?«, kann die Beantwortung auch Profis so lange beschäftigen, dass die Warteschlangen sich irgendwann ins Unermessliche ausdehnen würden. Kommen dann noch weitere Fragen hinzu – »Mit welcher BahnCard fahre ich günstiger?«, »Wie viel sparen wir, wenn wir zu zweit oder zu dritt fahren?« –, muss selbst der erfahrenste und hilfsbereiteste Berater kapitulieren.

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