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Kleine Helden

Widmung

 Für alle Kinder, die ich in meiner bisherigen Laufbahn als Erzieherin ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten durfte. Jeder von euch ist auf seine Weise ein kleiner Held.

Wie Simon seine Schwester rettete

Simon war gemeinsam mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Lara auf dem Weg zur Musikschule. Simon fand die Musikschule doof. Da passierte überhaupt nichts Spannendes. Er lernte dort nur langweilige Lieder. Oder wie man auf einem Glockenspiel Alle meine Entchen spielte. Besonders an diesem Tag lief Simon nur ganz langsam neben seiner Mutter und dem Kinderwagen her.

„Simon, trödele bitte nicht so! Wir haben nicht viel Zeit, und ich muss noch einkaufen.“ Mama stellte den Kinderwagen am Holzzaun vor dem Supermarkt ab. „Sei bitte so lieb und achte auf Lara. Ich bin gleich wieder da“, sagte Mama, und schon war sie im Laden verschwunden. Lara schaute ihrer Mutter hinterher und streckte ihre Ärmchen nach ihr aus.

Natürlich wollte Simon auf Lara aufpassen, aber das rote Fahrrad im Schaufenster ein paar Meter weiter sah so toll aus. Lara saß friedlich in ihrem Kinderwagen. Simon überlegte. Was sollte ihr schon passieren, wenn er sie kurz alleine lassen würde, um sich das Fahrrad genauer anzusehen?

„Ich bin gleich wieder da, Lara“, sagte er und ging zu dem Schaufenster, in dem das tollste Fahrrad stand, das er jemals gesehen hatte. Für Lara hatte Simon keinen Blick mehr übrig. Lara winkte ihm mit ihrem Teddy, bis er ihr aus der Hand rutschte und über den Zaun auf die Straße fiel. Lara kletterte aus dem Kinderwagen, steckte ihren Kopf durch den Zaun und angelte mit der Hand nach ihrem Teddy. Da passierte es: Lara bekam den Kopf nicht mehr durch den Zaun. Sie steckte fest! Lara bekam Angst, weinte und schrie so laut, dass Simon sich erschrocken umdrehte. Schnell lief er zurück zu Lara. Das Fahrrad war ihm jetzt völlig egal. Simon wollte bloß noch Lara helfen. Er kletterte über den Zaun und hockte sich vor sie. „Du brauchst nicht weinen, Lara. Mama kommt gleich wieder und hilft dir.“

Aber Lara wollte sich nicht beruhigen. Simon dachte nach. Wie könnte er sie zum Lachen bringen? Da fiel ihm ein Lied ein, das er letzte Woche in der Musikschule gelernt hatte. So fing er an zu singen: „Hab ne Tante aus Marokko und die kommt, hip hop, hab ne Tante aus Marokko und die kommt, hip hop, hab ne Tante aus Marokko, hab ne Tante aus Marokko, hab ne Tante aus Marokko und die kommt, hip hop...“ Simon tanzte auch die dazugehörigen Bewegungen, obwohl ihm das furchtbar peinlich war. Schließlich waren sie mitten in der Stadt und jeder konnte ihn beobachten. Aber ihm war es wichtig, dass er Lara ablenken konnte. Und tatsächlich: Lara hörte auf zu weinen. Sie hörte gespannt zu, was Simon ihr da vorsang und vergaß völlig ihre Angst. Sie lachte! Lara lachte so laut und so viel, dass sie einen Schluckauf bekam. Je länger Simon sang und vortanzte, umso mehr musste Lara lachen. Und je mehr Lara lachte, umso stärker wurde der Schluckauf. Simon wackelte noch einmal besonders albern mit dem Popo und–schwups!- rutschte Laras Kopf aus dem Zaun. Sie war befreit! Simon war erleichtert. Er drückte Lara noch einmal fest und half ihr dann in den Kinderwagen zurück.

Mama trat aus der Bäckerei. „Ich hoffe, euch ist es nicht langweilig geworden?“, fragte sie.

„Wieso denn langweilig? Es war aufregend! Und jetzt müssen wir uns beeilen, ich möchte nicht zu spät zur Musikschule kommen. Es ist wichtig, lustige Lieder zu lernen“, sagte Simon und lief voraus.

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