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Klaus Richter – Familienmensch, Theologe, Lauftherapeut

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Raphael Richter, Wolfgang W. Schüler (Hrsg.)

Klaus Richter –
Familienmensch,
Theologe,
Lauftherapeut

Ein Lesebuch

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Klaus Richter – der Familienmensch

Der beste Ehemann von allen?

Die erste Begegnung

Lebhafte Streitkultur

Füreinander bestimmt

Vom Bettenverkäufer zum Lehrer

Der Zertifikatssammler

Wenn der Vater mit den Söhnen

Fazit über die Liebe

Der Vater der beiden Söhne – Szenen aus dem Leben eines Erstgeborenen

Einleitende Worte

„Was kostet das für mich?“

Der Mann mit der Todeskralle

„Muss ich jetzt auf ‚a:‘ gehen?“ – oder: Die Digitale Klausformation

Orlando Ricci – oder: Die lange Suche nach der passenden Sportart

Der Vater der beiden Söhne – Lehrerkind und Haupturlauber

Das Lehrerkind

Der Haupturlauber

Anekdoten und Amerika

Vom Teenager zum Familienvater

Klaus Richter – der Freund

Dr. theol. Klaus Richter – Eine Annäherung

Aus der Schule zum Fasten

Die Schrothkur – Ein Exkurs

Begabung und Intelligenz – Ein Exkurs

Begabung und Intelligenz = Klaus Richter?

Hans und Klaus – Annäherung und Ergänzung

Klaus Richter – der Theologe

Klaus Richter vor 40 Jahren einer der ersten Diakone

Schriften und Veröffentlichungen von Klaus Richter im Bereich der Theologie

Einführung

Wort zum Sonntag vom 05.09.1987

Dissertation aus dem Jahre 2014

Klaus Richter – der Lauftherapeut

Klaus Richter – ein läuferischer Tausendsassa Ein Überblick

Vom Lehrling zum Meister – Die DLZ-Karriere des Klaus Richter

Einleitung

Teilnehmer am ersten Aus- und Weiterbildungskurs zum Lauftherapeuten

Projektarbeit als Buchpublikation „Meditation und Laufen“

Rollentausch

Der Redekünstler

Viele Karrieren, kurze Wege

Ämter, Aufgaben und Zuständigkeiten im DLZ

Kompaktseminare an der Nordseeküste

Performing in freundschaftlicher Verbundenheit

Rezensionen für die DLZ-Rundschau

Maxime „Gesund leben“

Vorbild für lauftherapeutisches Denken und Handeln

Wenn aus Zwei Eins wird

Veröffentlichungen von Klaus Richter zum Laufen und zur Lauftherapie

Einführung

Bibliografie

Auswahl

Laufen über alles (2012)

20 Jahre Aus- und Weiterbildung im Deutschen Lauftherapiezentrum (DLZ): Erinnerungen und Erlebnisse eines Zeitzeugen

„Die Lust zum Laufen“ oder „Die Bekenntnisse eines gelegentlich Lustlosen“

Gesundheit durch Laufen und Meditation (1999)

1. Der Weg auf den Berg

2. Die Sehnsucht nach Heilung

3. Ganzheitlich heilen durch Laufen und Meditation: zwei Therapiekonzepte

4. Wirkungen

5. Schlußbemerkungen

Literatur

Anhang

Schrothkurgerichte zum Abnehmen - Plan einer Schrothkur 2008 - Sonnenhof

Danksagung

Die Autorinnen und Autoren

Vorwort

„Musste ich erst 80 werden, damit mal ein Buch über mich erscheint?!“ – Diese Klaus Richter in den Mund gelegten Worte der Empörung und Erleichterung führten in die Irre, würden sie für bare Münze genommen werden. Nein, die Worte stammen nicht vom Jubilar, sondern aus der Feder der Autorinnen und Autoren. Als Ausdruck ihres Bedürfnisses, sich endlich einmal schreibend mit der Person Klaus Richter auseinanderzusetzen. Gäbe es dafür aktuell einen besseren Anlass als den seines runden Geburtstages?!

Schmunzelnd hatte der Jubilar vor fünf Jahren geäußert: „Eine Laudatio wünsche ich mir erst zu meinem 80. Geburtstag, denn: Die Vorfreude und Spannung wird mich motivieren, am Leben zu bleiben.“ – Klaus Richter ist am Leben geblieben, gottlob! Und nun ist es sogar mehr als eine Laudatio geworden, nämlich ein ganzes Buch. Was die Sache aber nicht leichter gemacht hat. Wer über Klaus Richter schreiben will – egal wie viel – gerät in ein grundsätzliches Dilemma und muss eines aufbringen: Mut. Mut zur Lücke.

Er ist der Mann der vielen Interessen und Kompetenzen, der vielen Aktivitäten und Verdienste, der vielen Meetings und Korrespondenzen. Sein Terminkalender ist so voll wie zu Berufszeiten, vielleicht noch voller. Wer mit ihm zu tun hat und ihn erlebt, spürt: Er ist ein sehr präsenter, zugewandter, gewogener Mensch mit feinem Gespür. Er hat einen klaren Blick auf Situationen und Befindlichkeiten und ist pragmatisch auf Lösungen hin orientiert. Sein Umgang mit anderen ist achtsam und wertschätzend. Er verkörpert ein Höchstmaß an Verantwortung, Zuverlässigkeit und Genauigkeit. Und unterstreicht mit seinem Humor, dass Distanz zu sich selbst und zu den Dingen ebenso wichtig ist. Ein Beispiel: „Ich kaue noch am Bleistift. Es fehlt die zündende Idee. Ich tröste mich mit dem Satz: ‚Auch zweitbeste Lösungen führen zum Ziel’.“

Über diesen Mann musste einmal ein Buch geschrieben werden!

Den Anfang haben nun Familienmitglieder und einige langjährige Wegbegleiter und Freunde gemacht. Was die Chance bot, sich Klaus sowohl aus einer Innensicht als auch aus einer „Außensicht“ zu nähern.

Dies, trotz aller Eingenommenheit für ihn, fernab jeglicher Lobhudelei. Nein, die Autorinnen und Autoren meinen es ernst, mit sich und mit Klaus, auch wenn sie dabei ins Schwärmen und Schmunzeln geraten. Und der Jubilar selbst? Er soll hier und da auch zu Wort kommen, mit einigen seiner vielen Schriftbeiträge.

Die zweitbeste Lösung in unserem Fall heißt, wie bereits angedeutet, keine umfassende, schon gar keine lückenlose Biografie erstellt zu haben. Wir haben uns der Person genähert und bestimmte Bereiche ihres Lebens und Wirkens beleuchtet. So wird Klaus als Ehemann und Familienvater sowie als Freund beschrieben. Er wird in seinem Engagement als Diakon und Lauftherapeut gewürdigt, wobei diese Begriffe nur verkürzt für all die Leistungen stehen, die er im Bereich von Kirche und Therapiezentrum bis heute erbringt.

Es mag nur anklingen oder unerwähnt bleiben, wie gut Klaus in seiner Jugend vereinsmäßig Handball gespielt hat. Was es mit ihm und dem Schauspieler und Kabarettisten Jochen Busse, beide aus Iserlohn stammend, auf sich hat. Woher Klaus’ Anerkennung für den Bergsteiger Reinhold Messner rührt. Oder was er, der Läufer, anziehen würde, wenn er dem von ihm verehrten Modedesigner Karl Lagerfeld begegnen würde, der einmal den Satz prägte: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Klaus und Kontrollverlust? Nein, das passt gar nicht zusammen. Was ist das Geheimnis seines langen, gesunden und zufriedenen Lebens? Wir meinen: familiäre Erdung, guter Draht nach oben, ausdauernde Bewegung, maßvolle Ernährung, Offenheit und Interesse, herausfordernde geistige Tätigkeiten, gute soziale Kontakte und Einbindung, Humor, ... Worin hierbei das Geheimnis liegt? In der rechten Mischung!

Als Freund u. a. der italienischen Küche und ihrer Weine offenbart sich in Klaus neben dem Asketen der Genussmensch. Auch, wenn er in den letzten Jahren nur noch auf Kosten der Kirche trinkt: pro Jahr ca. drei Flaschen Messwein. Mäßigkeit helfe dem Geist auf die Sprünge!

Als Vegetarier zitiert er Teresa von Avila (1515 – 1582) mit „Wenn Fasten, dann Fasten. Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn“ und verweist auf ein dualistisches Lebensprinzip. Alles zu seiner Zeit – Klaus sagt es und handelt danach. Mit ihm zu leben, zu arbeiten und zu feiern ist eine Freude.

Und so lässt Klaus, der stets zuversichtlich nach vorne schauende und unermüdliche sowie „bescheidene Arbeiter im Weinberg des Herrn“ (Papst Benedikt XVI), an Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, denken, der uns dieses vor Augen führt: „Die Welt ist nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind.“

Durch Klaus ist sie zweifellos ein ganzes Stück besser.

Es kommt einem gar Paulo Freire (1921 – 1997) in den Sinn, der große brasilianische Pädagoge, der da sagte: „Es wäre ein schreiender Widerspruch, wenn sich das menschliche Wesen, das sich in unfertigem Zustand befindet und sich dessen bewusst ist, nicht in einen permanenten Prozess hoffnungsvoller Suche einbrächte.“

In diesem Sinne, lieber Klaus, die herzlichsten Glückwünsche aller in diesem Buch vereinten Autorinnen und Autoren zu deinem 80. Geburtstag!

Weiterhin eine hoffnungsvolle Suche und viel Gutes im neuen Lebensjahrzehnt, vor allem Gottes Segen! Möge dir als Buchliebhaber und Buchautor gefallen, was wir hier über dich zusammengetragen haben – sozusagen als Band 1 all dessen, was über dich zu sagen wäre. Möge Vorfreude und Spannung dich motivieren, 90 zu werden.

Allen Leserinnen und Lesern dieses Buches wünschen wir unterhaltsame, erkenntnisreiche und vergnügliche Stunden.

Wolfgang W. Schüler Raphael Richter
Wiesbaden Münster

Klaus Richter – der Familienmensch

 

Der beste Ehemann von allen?

von Christel Richter

Die erste Begegnung

Damals gab es den Dufflecoat, einen dicken Kurzmantel mit Knebelknöpfen. Vollschlank wie er war, sah er trotzdem gut darin aus - ein fremder junger Mann aus Iserlohn, der plötzlich im Staatsbürgerlichen Lehrgang auftauchte, den mein Onkel Emmerich in Menden veranstaltete.

Ich war 18 - er log sich gleich ein paar Jahre älter; erst später erfuhr ich, dass es sich nur um sechs Monate handelte.

Sein Freund Ambrosius, ein gutes Stück größer als er, wich ihm nicht von der Seite. Da er mich zunächst für die Verlobte meines Onkels hielt, wagte er es nicht, mich anzusprechen, aber die Augen verrieten sein Interesse.

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Es dauerte nicht lange, da sprachen und lachten wir miteinander; er gab an mit ein paar Brocken Spanisch (es war der Text des Schlagers “La paloma”) - er wollte mich unbedingt beeindrucken.

Ich hatte eigentlich keine Lust auf eine neue Beziehung; deshalb nahm ich zum ersten “Stelldichein” außerhalb des Lehrgangs meine Schwester mit - und er erschien mit Ambrosius!

Trotzdem, das Verhängnis ließ sich nicht aufhalten. Nach und nach erfuhr ich Interessantes über seinen Werdegang - vom notorischen Schulschwänzer zum Klassenprimus - und über die Rolle, die seine Mutter dabei spielte. Sie half dem verwöhnten Prinzen über die Hürde der Aufnahmeprüfung in die Realschule und die Karriere konnte beginnen. In meiner Familie wurde sie von Anfang an “die Fürstin” genannt.

Bald schon waren Klaus und ich Dorfgespräch in Lendringsen, einem Stadtteil von Menden im Sauerland. Noch nach Jahrzehnten sprachen uns immer wieder Leute darauf an, wie sie uns beim Knutschen in dunklen Hauseingängen erwischt hatten. Auf Waldwegen, wo wir uns unbeobachtet glaubten, tönte es aus dem Dickicht: “Wir sagen’s Schwester Gertrud.” Aus dem Lehrerzimmer der Walburgisschule wurden uns die Worte des Lateinlehrers zugetragen: “Sie sollte mal besser Latein lernen, statt sich mit Jungens rumzutreiben!” -

Er war der vierte “Freund”, der zu Hause vorgestellt wurde, aber Mutter hatte eine Nase dafür, dass es ernst werden könnte. Sie hielt es für gefährlich, wenn wir alleine im Wohnzimmer saßen. Deshalb kam sie immer mal wieder herein, um das Klavier zu putzen oder ein Brikett in den Ofen zu schieben.

Regelmäßig verpasste Klaus sonntags den letzten Bus nach Iserlohn. 12km Nachtlauf von Lendringsen nach Iserlohn - das war wohl der frühe Beginn seiner Läuferkarriere.

Lebhafte Streitkultur

Wir sind jetzt länger als 50 Jahre verheiratet, und Klaus verkündete letzte Woche stolz: “Es gab keinen Tag, an dem wir uns nicht gestritten hätten.” Ich erinnere mich an ängstliche Fragen der Kinder: “Ihr lasst euch doch nicht scheiden??” Sie glaubten uns, wenn sie hörten: “Nein, auf gar keinen Fall!”

Mutter wusste schon damals Bescheid. Wenn abends zu ungewohnter Zeit die Haustür wütend zugeknallt wurde und die Tochter weinend im Badezimmer verschwand, sagte sie nur cool: “Der kommt gleich wieder!” und öffnete, ohne eine Miene zu verziehen, die Tür, wenn es nach 10 Minuten schellte. Es gab immer wieder Gründe, Schluss zu machen, aber wohl noch stärkere, sich leidenschaftlich zu versöhnen.

Während des Studiums in Köln wohnte ich bei Tante Mia in Schwelm. Mitten in der Nacht, wir lagen längst im Bett, schellte es Sturm. Klaus stand vor der Tür. Er müsse mich unbedingt sprechen.

Aus dem Schlaf gerissen saß ich fröstelnd auf dem Sofa in der Küche und erwartete die Katastrophe. Kreidebleich gestand Klaus: “Ich habe einen schlimmen Abschiedsbrief geschrieben - und abgeschickt!! Aber du darfst ihn auf keinen Fall lesen. Ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht. Ich gehe gleich, wenn es hell wird, zum Postamt, lasse mir den Brief geben und zerreiße ihn!” Küsse, Tränen, Erklärungen, Umarmung, Kaffee … Das große Unglück noch gerade abgewendet? Nein - die Post rückt den Brief nicht heraus. Er wird zugestellt und gelesen! - Nie wieder gab es einen Abschiedsbrief - aber jede Woche Liebesbriefe - anders war die Trennung während der Studienzeit nicht zu ertragen.

Ich habe sie aufbewahrt in einer alten Aktentasche, wo sie später von meinem Sohn Oliver entdeckt und heimlich gelesen wurden.

Füreinander bestimmt

Irgendwann war klar, wir konnten uns noch so sehr dagegen wehren, wir waren füreinander bestimmt. Es gab kein Entrinnen. Auf einem alten Ledersofa in einer Hönnetalkneipe, die es längst nicht mehr gibt, versprachen wir uns, zusammenzubleiben.

Wir waren beide arm wie die sprichwörtlichen Kirchenmäuse. Was die große Liebende Heloise an ihren Abaelard schrieb, hätten auch wir sagen können: ”Gott ist mein Zeuge, ich habe je und je in Dir nur Dich gesucht, Dich schlechthin, nicht das Deine, nicht Hab und Gut.” Den ersten gemeinsamen Urlaub verbrachten wir in Brilon bei meiner Cousine. Klaus musste natürlich im Nachbarhaus schlafen - das war ehernes Gesetz für unverheiratete Leute.

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Danach haben wir uns auch gleich verlobt und zwei Jahre später geheiratet, nachdem wir endlich eine möblierte Wohnung in Hüingsen (dem Ortsteil von Lendringsen “hinter den Bahnschranken”) gefunden hatten. Ohne Vermittlung durch den Bruder meiner Großmutter wäre auch das nicht geglückt. Dafür wurde er Trauzeuge bei der standesamtlichen Hochzeit. Wir wollten eigentlich gar nicht feiern das war ja nur ein juristischer Akt! - aber dann wurde daraus im engsten Familienkreis doch ein feuchtfröhliches Ereignis. Tante Maria saß schließlich am Klavier und spielte die neunte Sinfon (wie sie sagte) von Beethoven, und die „Fürstin“ saß im Flur auf der Holztreppe und weinte herzzerreißend, was Onkel Franz veranlasste, immer wieder zu beteuern: “Die Frau tut mir Leid! Der besorg‘ ich Arbeit.”

Die Wohnung musste natürlich eingeweiht werden, und so lagen schließlich mein Vater, Onkel Franz und Klaus singend und biertrinkend in den Doppelbetten und konnten nur unter größten Anstrengungen daraus entfernt werden.

Eine bruchlose Erfüllung in der Liebe gibt es im endlichen Leben nicht. Bevor wir zum Traualtar gingen, glaubten wir das nicht. Nach acht Jahren kannten wir uns ja sooo gut! Unsere Liebe hatte allen Schwierigkeiten standgehalten. Wir erwarteten den sogenannten Himmel auf Erden. Es hat lange gedauert, bis wir lernten, ohne Erwartung zu lieben.

Auch Mutters Träume vom reichen Traumpartner für die älteste Tochter wollten einfach nicht in Erfüllung gehen. Für sie war Klaus lange Zeit der kleine Bettenverkäufer mit einem Chef namens Büxenstein.

Und - ach, trotz so hübscher Kosenamen wie “Kikimorka” -, “Mausezahn” -, “bleiche Taube”, blieben die Ehekrisen nicht aus. So wurde hin und wieder ein Koffer gepackt - für den endgültigen Auszug aus dem Eigenheim - und wieder ausgepackt.

Vom Bettenverkäufer zum Lehrer

Schließlich kam dann doch noch der Aufstieg - ein paar Semester Studium - die kaufmännische Lehre - Abitur am Abendgymnasium - Sprachkenntnisse machten es möglich, als Prokurist endlich richtig Geld zu verdienen - ein Grundstück zu erwerben, ein schönes Haus zu bauen.

Aber zufrieden war Klaus damit nicht. Er warf neidische Blicke auf die Ehefrau mit den vielen Ferienwochen.

“Das will ich auch!”

Und als sich die Möglichkeit bot, griff er beherzt zu und war plötzlich ein glücklicher Diplom-Handelslehrer.

Der Zertifikatssammler

In meiner weitläufigen Verwandtschaft war er bald beliebt. Er war und ist mit Mutterwitz gesegnet und daher überall gefragt als Gesellschaftsredner - und bekannt dafür, dass er sich schadlos hielt als Genießer bei Ess- und Trinkgelagen auf Hochzeiten, runden Geburtstagen und Jubiläen. Bald sprach man von ihm mit den Worten des berühmten Komikers Loriot: “Durch blitzschnelles Zugreifen sichert man sich die besten Stücke.”

Aber Klaus war immer für Überraschungen gut. Eines Tages war er es leid und entdeckte - inzwischen vollschlank geworden - seine Leidenschaft für Fastenkuren.

In den Ferien durften wir uns an allen Köstlichkeiten laben; mit am Tisch saß einer, der stolz verzichtete und den man besser nicht ansah. Beim Fasten brachte er es - wie es bei ihm üblich war - zur Perfektion und zur anschließenden Ausbildung zum Fastenleiter und Ernährungsberater.

Klaus machte einfach alles gründlich und gab es als geborener Lehrer selbstverständlich weiter.

Die nächste Überraschung folgte auf dem Fuß, oder besser “auf den Füßen”. Er fing an zu laufen. Nicht nur mal so ‘ne halbe Stunde - das Ziel war Marathon. Was er anpeilte, musste natürlich erreicht werden, - und er musste, wie immer, andere mitreißen. Nur bei mir gelang ihm das nicht! Aber sein Sohn Raphael und viele Freunde, sogar entfernte Verwandte, folgten ihm.

Im Arbeitszimmer wurde die Wand mit Zertifikaten tapeziert. Er wurde Lauftherapeut und so etwas wie die rechte Hand des „Laufpapstes“ Prof. Dr. Alexander Weber, und selbstverständlich bald Dozent im Deutschen Lauftherapiezentrum (DLZ).

Aber mit der größten Überraschung wartete er viele Jahre zuvor auf: mit seinem Entschluss, Diakon zu werden. Nach dem Abschluss des Vorbereitungskurses kam der Bischof zu Besuch - und ich musste natürlich “ja” sagen. Bereut habe ich es nicht, war ich doch auf einmal in Menden und Lendringsen bekannt als die Frau des Diakons.

Das Sammeln von Zertifikaten ging auch im Urlaub weiter. Alle mussten im umbrischen Perugia Italienisch lernen!

Nur mit dem Tanzen hat es nie geklappt. Noch heute nimmt Klaus Reißaus, sobald zum Tanzen geladen wird!

Wenn der Vater mit den Söhnen

Ohne das Feuer der Leidenschaft gäbe es die Menschheit längst nicht mehr! “Die Vernunft arbeitet nur in kühlen Räumen”, hörten wir in Salzburg. Wären wir vernünftiger gewesen, hätten wir von Anfang an gewusst, dass wir eigentlich gar nicht zueinander passten.

Die Liebe ist wie der Mond. Wenn sie nicht zunimmt, nimmt sie ab. Bei uns nahm sie wohl zu und drängte gar auf Vermehrung.

Bei den theologischen Hochschulwochen in Salzburg erfuhren wir im Laufe der Jahre viel Interessantes und Nützliches. H.J. Frankfurt behauptet z.B.: “Die Menschen kriegen unter anderem deswegen Kinder, weil sie erwarten, dass sich so ihr Leben bereichert, und zwar schlicht deshalb, weil sie auf diese Weise mehr zu lieben bekommen.” Stimmt, zunächst die Kinder, die Schwiegertöchter, die Enkelkinder, die Schwiegereltern der Kinder, die Freunde der Kinder, die Freundinnen und Freunde der Enkelkinder, … Wo soll das enden?

Klaus, der Supervater, startet immer neue Lernprozesse.

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Während ich bei den Söhnen eher auf die hervorragenden Gene vertraute, plagte er sich mit Ängsten und Sorgen herum fuhr sogar nachts durch die Gegend auf der Suche nach dem verlorenen Sohn. Am liebsten hätte er sie für immer zu Hause behalten - unter seiner liebevollen Aufsicht und Kontrolle. Draußen in der schnöden Welt konnten sie doch nur untergehen.

Nun muss er stolz zugeben, dass sie im eigenen Hausstand (nach seinem Vorbild natürlich!) großartige Väter geworden sind. Für die Enkelkinder risse er sich am liebsten ein Bein aus.

Bei mir knausert er mit jedem Euro. Aber wie strahlt er, wenn er für gute Zensuren richtig berappen muss! Eigentlich hat er für Fußball nicht viel übrig - da sitze ich meistens alleine bis spät in die Nacht vor dem Fernseher. Aber mit den Enkeln fährt er gar nach Dortmund ins Stadion und bestaunt die gelbe Wand. Neue, knallige Fußballschuhe?? Na klar, da guckt er ausnahmsweise nicht auf den Preis.

Fazit über die Liebe

Was die Liebe angeht, sind wir ein Leben lang Lernende – auch noch nach der Goldenen Hochzeit. Und so entdeckt die Liebe immer aufs Neue die Liebenswürdigkeit des Anderen und holt sie hervor. Die Entdeckungsreise ist noch nicht zu Ende!!

Der Vater der beiden Söhne – Szenen aus dem Leben eines Erstgeborenen

von Raphael Richter

Einleitende Worte

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Ich bin weit davon entfernt, mich als Satiriker zu bezeichnen, aber schon als kleiner Junge habe ich “Kishons Familiengeschichten” des aus Ungarn stammenden und 1949 nach Israel geflohenen Juden Ephraim Kishon verschlungen. In Form von satirischen Kurzgeschichten schildert er in dem (abgesehen von der Bibel) meistverkauften hebräischen Buch, das inzwischen in 37 Sprachen übersetzt wurde, Szenen aus seinem Leben und dem seiner Familie. Diese haben mich schon immer fasziniert und nicht nur deswegen, weil einer seiner Söhne “Raphael” (oder auch “Rafi”) heißt.

Um einen so vielschichtigen Menschen wie Klaus Richter zu würdigen, dem zudem Humor, Ironie und Satire alles andere als fremd sind, gibt es keinen besseren Rahmen, als dies in Form kleiner Szenen aus seinem Leben zu tun.

Aus Sicht des Erstgeborenen habe ich mich hier (in der Hoffnung, dafür nicht enterbt zu werden) einiger Aspekte angenommen, die zusammenfassend Klaus als kinosüchtigen Sparfuchs mit einem Sinn für Technik und Sport beschreiben.

„Was kostet das für mich?“

Klaus Richter ist ein Sparfuchs. Kein knauseriger alter Onkel Dagobert, der jeden Cent (damals war es sogar noch ein Pfennig oder ein Groschen) zweimal umdreht und sich und anderen nichts gönnt, aber ein Aktienanleger und Münzensammler, der immer vorsorgt, falls einmal etwas Unvorhergesehenes passiert oder einmal größere Investitionen notwendig sind.

Aber auf jeden Fall ist er jemand, der kein Geschäft verlassen kann, ohne das Gefühl, etwas herausgehandelt zu haben.

Natürlich gilt das nicht für die wöchentlichen Lebensmittel-Einkäufe. Sicherlich hätte er dann im Laufe der Jahre bei allen im Umkreis von 15km um Lendringsen befindlichen REWE, EDEKA, Tengelmann, Aldi, … bereits Hausverbot und sein Konterfei läge an jeder ...

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