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Klappohrkatze

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. Danksagung
  8. Vorwort
  9. 1. Kapitel
  10. 2. Kapitel
  11. 3. Kapitel
  12. 4. Kapitel
  13. 5. Kapitel
  14. 6. Kapitel
  15. 7. Kapitel
  16. 8. Kapitel
  17. 9. Kapitel
  18. Nachwort

Über den Autor

Peter ist ein erfolgreicher Romanautor und Cheflektor und leitet eine Filmproduktionsfirma. Er war ein passionierter Junggeselle und Katzenhasser, bevor ihm seine Freundin einen kleinen grauen und unglaublich hübschen Scottish-Fold-Kater schenkte. Die Freundin verabschiedete sich eines Tages, aber Norton blieb – denn Peter und er waren längst unzertrennlich.

Peter Gethers

Klappohrkatze

Wie ich vom Katzenhasser
zum Dosenöffner wurde

Aus dem amerikanischen Englisch
von Katharina Kramp

Für Dad. Du fehlst uns

Für Mom. Wir wissen, was wir an Dir haben.

Für Janis. Ich kann nicht glauben, dass Du mir das hier erlaubst.

Für Norton. Was soll ich sagen? Solange ich da bin, wird es Dir nie an Pounce fehlen.

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Danksagung

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Mein erster und besonderer Dank gilt Leona Nevler. Sie hatte die Idee zu diesem Buch, dachte sich einen Titel aus, vertraute darauf, dass ich es schreiben konnte, und schaffte es, das Ergebnis mit den richtigen Vorschlägen zu verbessern. Genau das macht eine großartige Lektorin aus.

Esther Newberg hat auch ein oder zwei (oder hundert) Zeilen verdient, weil sie mich davon überzeugte, dass es eine gute Idee war, und weil sie überhaupt die perfekte Agentin ist.

Kathleen Moloney ging das Manuskript Wort für Wort durch, einfach aus Gefälligkeit. Das war unbezahlbar.

Ohne meinen Bruder Eric hätte ich Norton nicht. Dafür kann ich ihm niemals auch nur ansatzweise genug danken.

Und ich danke auch allen, die mich über sich schreiben ließen (ob sie davon wussten oder nicht).

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Vorwort

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Vor ein paar Wochen habe ich – mit sechsunddreißig Jahren – zum ersten Mal in meinem Leben ein Testament verfasst. Ich fühlte mich danach leicht melancholisch, ziemlich alt und irgendwie sentimental. Um dieses Gefühl mit jemandem zu teilen, erwähnte ich meiner Mutter gegenüber, dass ich darin – ziemlich großzügig, wie ich fand – meine New Yorker Wohnung Morgan, dem einjährigen Sohn meines Bruders Eric, hinterlassen hatte. Statt des erwarteten mütterlichen Stolzes sah sie mich an, als hätte ich sie nicht mehr alle.

»Darfst du das denn?«, fragte sie.

Ich verstand den verwirrten Blick aus ihren weit aufgerissenen Augen nicht, vor allem, weil ihr kleiner Enkel für meine Mutter auf der Skala der bahnbrechenden menschlichen Leistungen irgendwo zwischen Mahatma Gandhi, Thomas Jefferson und der Baseball-Legende Bo Jackson rangiert.

»Warum sollte ich das nicht dürfen?«, fragte ich ein bisschen irritiert. »Ich meine, ich hoffe, dass er sie erst in vierzig oder fünfzig Jahren bekommt, aber falls es doch früher passiert, dann geht sie erst an Eric und er kann …«

»Du willst sie Morgan vermachen?«, unterbrach sie mich.

»Ja. Wem denn sonst?«

»Ich dachte, du hättest Norton gesagt«, erklärte meine gute alte Mom.

»Meiner Katze? Du dachtest, ich hätte meine Wohnung meiner Katze hinterlassen?«

»Na ja«, sagte sie in ihrer mütterlichen Weisheit und zuckte mit den Schultern, »bei Norton kann man ja nie wissen.«

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1. Kapitel

Bevor die Katze namens Norton in mein Leben kam

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Dieses Buch handelt von einer außergewöhnlichen Katze. Wobei das Außergewöhnliche an jeder Katze der Effekt ist, den sie auf ihren Besitzer hat. Eine Katze zu haben, vor allem von klein auf, ist ein bisschen so, als hätte man ein Kind. Man füttert sie, tut sein Bestes, um sie zu erziehen, spricht mit ihr, als würde sie einen verstehen – und als Lohn dafür möchte man, dass sie einen liebt. Sie kann einen mit ihrer Unabhängigkeit in den Wahnsinn treiben. Sie kann, genau wie ein Kind, in ihrem Besitzer das überwältigende Bedürfnis wecken, sie vor allem Bösen zu bewahren. Sie ist klein und verletzlich, und es ist wunderbar, sie im Arm zu halten – wenn sie einen lässt. Und sie muss sich auch ähnlich häufig übergeben.

Wie Kinder existieren Katzen auf einer anderen und vermutlich höheren Ebene als wir, aber wie Kinder werden auch sie teilweise durch ihre Beziehung zu ihren Eltern geformt. Und obwohl kleine Katzen alle möglichen ganz erstaunlichen Dinge tun können, wie sich in einer unfassbar engen Nische verstecken und sich weigern, gefunden zu werden, ganz egal, wie spät man schon dran ist für den Termin, zu dem man sie mitnehmen will, können sie doch keine Autobiografie schreiben. Das bleibt immer noch den Menschen überlassen. Deshalb ist das hier zwangsläufig auch ein Buch über Menschen. Und über Beziehungen. Und über alle möglichen anderen Dinge, mit denen Katzen eigentlich nichts zu tun haben, aber in die sie sich trotzdem gerne einmischen.

Dass ich überhaupt zu einem Katzenbesitzer wurde, war reiner Zufall. Tatsächlich wurde ich einfach dazu gemacht, obwohl ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehrte.

Zur Verdeutlichung: Vor etwas mehr als sieben Jahren bat mich jemand, zehn Dinge über mich und mein Leben aufzuschreiben, von denen ich absolut überzeugt war und die ich für unumstößlich wahr hielt. Diese Person, eine Frau, mit der ich damals zusammen war, bat mich vermutlich darum, weil sie mich für einen Menschen ohne Gefühle oder große Leidenschaften hielt. Außerdem hatte sie, wie ich glaube, einfach zu viele Jahre bei teuren Psychiatern in New Yorks Upper East Side auf der Couch gelegen und selbst viel zu viele solcher Listen angefertigt. Tatsächlich bin ich ein Mensch mit vielen Gefühlen und vielen Leidenschaften. Ich habe nur nicht viel für sie empfunden. Die Leute machen diesen Fehler oft in Beziehungen. Sie haben das Gefühl, dass mit jemandem, der nicht das tut, was sie von ihm erwarten, etwas nicht stimmen kann. Es ist wahrscheinlich einfacher, mit einer solchen Einstellung durchs Leben zu gehen, anstatt sich der Tatsache zu stellen, dass vielleicht etwas mit den eigenen Erwartungen oder der eigenen Weltanschauung nicht stimmen könnte. Oder mit dem Leben an sich.

Ich habe schließlich – und obwohl mein Instinkt mir davon abriet – die Dinge über mich und mein Leben aufgelistet, die ich für wahr hielt. Das ist noch ein Fehler, den Leute in Beziehungen machen (und den Katzen niemals machen): Wir tun unglaublich viele dumme Sachen, nur um nicht allein zu sein.

Jedenfalls ist das hier die Liste, die dabei herauskam:

  1. Ich werde niemals die Republikaner wählen.
  2. Die Liebe hält normalerweise keiner näheren Betrachtung stand …
  3. … nur die zu Baseball. Ich liebe Baseball – ich sehe mir die Spiele an, höre die Übertragungen im Radio, rede darüber und lese die Ergebnisse. Ich bin ein Baseball-Junkie.
  4. Das Leben ist ziemlich traurig mit einem noch traurigeren Ende, deshalb ist alles, was es für einen Moment erträglicher macht, okay. Vor allem, wenn es lustig ist.
  5. Ich bin nicht gerne Teil von irgendetwas – einer Religion, einem Softball-Game, einer Firma, einer Regierung, egal was. Sobald aus jemandem etwas wird, ist sie oder er in meinen Augen verloren.
  6. Freundschaft muss man sich verdienen. Sie ist zu wichtig, um sie an jemanden zu verschwenden, der sie nicht will, der sie nicht erwidert oder der sie nicht verdient hat. Soweit ich das beurteilen kann, haben Menschen in der Regel nicht viele innere Werte, Freunde jedoch schon.
  7. Es gibt eigentlich keinen Grund für Grausamkeit.
  8. Andererseits ist mir unterhaltsam und intelligent auf jeden Fall lieber als nett.
  9. Es ist mir egal, was alle anderen sagen: Ich finde, dass Meryl Streep eine lausige Schauspielerin ist.
  10. Ich hasse Katzen.

Im Laufe der Jahre, die seitdem verstrichen sind, blieben einige dieser unumstößlichen Dinge tatsächlich bestehen. Andere veränderten sich ein wenig, einige sogar so weit, dass sie kaum noch wiederzuerkennen sind. Und einer der oben genannten Punkte ist so lächerlich, dass ich nicht mehr verstehe, wie mir so etwas jemals durch den Kopf gegangen, geschweige denn über die Lippen gekommen und schließlich auf dieses Papier gelangt sein kann.

Die Punkte 1, 3, 6 und 7 treffen noch immer hundertprozentig zu.

Nummer 4 im Grunde auch, obwohl ich das Wort »alles« in diesem Zusammenhang sehr viel stärker einschränken würde. Es gibt entsetzliche Dinge, die ich mir nicht vorstellen konnte, als ich damals diese Liste anfertigte: Vollkornmüsli, Crack, Titelgeschichten im People-Magazin über Prominente auf Entziehungskur, Gangbangers, Fortsetzungen und Abe Rosenthals ›On My Mind‹-Kolumne in der New York Times.

Nummer 8 und 9 sind ein bisschen schwierig. 8 hängt jetzt immer stärker davon ab, welche Laune ich gerade habe und wie anstrengend mein Tag war. Und Meryl Streep kann den australischen Akzent wirklich unglaublich gut nachmachen.

Nummer 5 hat sich ein bisschen verändert. Ich habe inzwischen etwas gefunden, von dem ich Teil sein will.

Nummer 2 hat ganz viel mit Nummer 5 zu tun, wie sich im Laufe dieses Buches noch herausstellen wird, und beide haben sich, unfassbar eigentlich, verändert wegen Nummer 10.

Ach ja, Nummer 10 …

Nun, da sind wir bei einem Anflug jugendlichen Leichtsinns angelangt, einer Aussage, die mit einer solchen Unwissenheit getroffen wurde, dass es eigentlich kaum zu fassen ist …

Denn inzwischen habe ich eine Katze. Norton.

Ich behandele diesen Kater so, wie nur wenige Tiere – oder Menschen, was das angeht – jemals behandelt wurden.

Wenn er mitten auf dem Bett liegt und schläft, wenn mein Tag gerade zu Ende geht, dann rolle ich mich auf einer Ecke der Matratze zusammen und nehme gerne einen steifen Nacken und Rückenschmerzen in Kauf, nur um ihn nicht zu stören.

Ich nehme Norton überallhin mit. Er war schon Skilaufen in Vermont, auf einem Autorenkongress in San Diego, in den besten Restaurants von Amsterdam und viele Male in Paris. In einem der besten Hotels der Stadt, dem Tremoille, erkundigt sich die Frau an der Rezeption, wenn meine Assistentin dort anruft, um ein Zimmer für Mr. Gethers zu reservieren, immer gleich: »Avec son chat?«

Ich habe mir ein Haus in Sag Harbor gekauft, einer fast märchenhaft schönen Stadt am Ende von Long Island, und obwohl es auch noch viele andere Gründe gab, dorthin zu ziehen, war der geheime und eigentliche Grund für den Kauf, dass meine Katze es liebt, durch einen Garten zu toben.

Eine meiner Freundinnen hat mit mir Schluss gemacht, weil sie glaubte, ich würde Norton mehr lieben als sie. Was auch der Fall war. Und ich bin einmal mit einer anderen Freundin nicht in mein Lieblingshotel in ganz Amerika in Urlaub gefahren, weil die dort keine kleinen, äußerst wohlerzogenen Katzen aufnehmen wollten.

Ich mache mir Sorgen um Norton, ich rede so viel über ihn (und mit ihm, wie ich zugeben muss), dass es an Idiotie grenzt, und wenn er nicht in halber Armeslänge von meinem Kopfkissen schläft – was er mindestens einmal in der Woche nicht tut –, dann schlafe ich nicht gut. Ich mache mir dann ernsthaft Sorgen, ob er wegen irgendetwas böse auf mich ist.

Manchmal – und es fällt mir besonders schwer, das öffentlich zuzugeben – lasse ich ihn von meinem Löffel essen. Normalerweise Eis oder Joghurt. Schokoladengeschmack mag er am liebsten, und es ist ziemlich lustig, ihn dabei zu beobachten, wenn er beschließt, dass er diesen verdammten Löffel jetzt blitzblank schlecken wird.

Es ist durchaus keine einseitige Liebe. Er tut alle möglichen Dinge für mich, die für eine Katze ziemlich außergewöhnlich sind.

Er geht mit mir spazieren. Ohne Leine. Am Strand, wo ihn keine Autos stören, ist er schon gut drei Kilometer lang in einem Radius von zweieinhalb Meter hinter mir bis einen Meter vor mir gelaufen. Auf belebten Straßen sind drei Blocks sein Rekord. Meistens begleitet er mich sonntagmorgens, wenn ich zu Sean’s Murray Hill Market in Sag Harbour schlendere.

Norton wartet überall auf mich, egal, wo ich ihn zurücklasse. Wenn ich in einem Hotel bin, kann ich ihn draußen am Pool oder im Garten zurücklassen und ihn dort den ganzen Tag oder die ganze Nacht lang spielen lassen. Wenn ich dann zurückkomme, ist er nirgends zu sehen, aber sobald ich ihn rufe oder pfeife, miaut er genau einmal, springt dann aus seinem Versteck und kommt zu mir gelaufen. Ich glaube wirklich, dass ich ihn mitten im afrikanischen Urwald aussetzen und ein Jahr lang dort zurücklassen könnte und er trotzdem, wenn ich zurückkäme und den Busch wiederfände, unter dem er zuletzt gesichtet wurde, dort auf mich warten würde.

Er rauft gerne. Sein Lieblingsspiel ist, sich auf meine Hand zu stürzen, die sich unter einem Laken bewegt, und zu versuchen, sie zu fressen – aber er würde niemals irgendeinen Teil von mir beißen oder kratzen, den er als zu mir gehörig erkennt. Wenn er manchmal in der Hitze des Gefechts über die Stränge schlägt und eine Kralle nicht rechtzeitig eingezogen ist, wenn meine Hand unter dem Laken hervorkommt, dann erstarrt er bei meinem Schmerzensruf, legt die Tatzen über die Augen und drückt beschämt seine Nase ins Kissen, bis ich ihm über den Kopf streichle und ihm versichere, dass es mir gut geht.

Er setzt sich auf den Wannenrand, wenn ich ein Bad nehme.

Wenn ich, was ich manchmal vergesslicherweise tue, eine Tür zu einem Zimmer schließe und Norton noch draußen ist, dann heult und miaut er wie besessen, bis ich die Tür öffne. Er mag es nicht, draußen zu sein, wenn ich drinnen bin.

Er vertraut mir.

Er ist ein echter Trost, wenn ich traurig bin, und sorgt dafür, dass Glücklichsein viel mehr Spaß macht.

Er hat mit mir Liebeskummer und Krankheit und Tod durchlitten.

Ich liebe meinen Kater, falls Sie das bis jetzt noch nicht kapiert haben sollten. Er hat mich gezwungen, meine Liste von unumstößlichen Wahrheiten zu ändern.

Und dadurch hat er mein Leben verändert.

Wenn ein kleines graues Tier so etwas für einen tut, wie kann man es dann nicht mitten auf dem Bett schlafen lassen, wenn es müde ist?

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2. Kapitel

Die Katze, die nach New York kam

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Haben Sie schon mal eine Scottish Fold gesehen?

Ein Katzenbuch, das ich mal gelesen habe, wagt es, die Rasse als »Mutation« zu bezeichnen. Tatsächlich sind es unglaublich hübsche Katzen, deren Ohren auf der Hälfte nach vorn und unten zusammengefaltet sind, sodass sie etwas Eulenähnliches haben. Ihre Köpfe sind ein bisschen runder als der normale Katzenkopf und ihre Körper, zumindest bei allen, die ich gesehen habe, scheint kompakter, fester und muskulöser zu sein. Offiziell sind es kurzhaarige Katzen, aber ich würde sie inoffiziell irgendwo zwischen Lang- und Kurzhaar einordnen. Sie fühlen sich besonders weich und flauschig an. Ihr Temperament reicht von lieb bis lieber. Alle, die ich kennengelernt und mit denen ich Zeit verbracht habe, sind intelligent, können meiner Katze in dieser Hinsicht aber natürlich nicht das Wasser reichen.

Sie stammen tatsächlich aus Schottland. Offenbar wurde die Erste auf einer Farm in der Nähe von Dundee entdeckt, von Leuten namens William und Mary Ross. Alle Katzen mit Faltohren, die heute herumlaufen, können ihren Stammbaum bis zu Susie zurückverfolgen; so nannten die Ross’ nämlich die Erste, die sie entdeckten.

Ich hörte zum ersten Mal von einer Scottish Fold, als ich mit meinem Bruder Eric telefonierte, der in Los Angeles lebt. Wir redeten über das Leben (es lief offenbar gut), über die Arbeit (da er Drehbuchautor ist, war sie hart, gemein und voller tückischer Intrigen), über Frauen (sie wurden immer jünger) und unsere Gesundheit (wir wurden immer älter). Das Gespräch war schon fast vorbei, als er die Bombe platzen ließ.

»Ach, übrigens«, sagte er beiläufig. »Habe ich dir eigentlich schon erzählt, dass ich jetzt eine Katze habe?«

Wenn das ein Drehbuch gewesen wäre, dann hätte an der Stelle in Klammern »Lange Pause« gestanden, weil es eine lange war. Eine wirklich lange. In dieser wirklich langen Pause rollten mir die Augen nach hinten in den Kopf, mein Unterkiefer klappte so weit runter, wie es ging, und ich war sicher, dass die Welt gerade komplett verrücktspielte.

»Du hasst Katzen«, erinnerte ich ihn, als ich endlich wieder sprechen konnte.

»Ich weiß«, war seine Antwort. »Aber diese ist anders.«

Dann beschrieb er mir meine erste Scottish Fold, die er Henry genannt hatte. Seine Ausführungen beeindruckten mich herzlich wenig.

»Aber du hasst Katzen«, wiederholte ich. »Wir beide hassen Katzen. Wir verabscheuen sie und finden sie widerwärtig. Das haben wir immer getan und das werden wir immer tun.« Etwa zu diesem Zeitpunkt fing ich an, weinerlich zu klingen. »Wir mögen Hunde

Ich merkte, selbst über die Entfernung von fünftausend Kilometern, dass mein Bruder auf seine spezielle, äußerst nervtötende, überlegene Weise lächelte. Das tat er immer, wenn er glaubte, ich hätte etwas Dämliches gesagt.

»Du wirst schon sehen«, sagte er erneut. »Diese Katze ist anders.«

An der Stelle muss ich ein bisschen weiter ausholen.

Meine damalige Freundin hieß Cindy Wayburn. Wir waren zu diesem Zeitpunkt seit etwa drei Jahren zusammen und relativ glücklich miteinander. Irgendwann sechs Monate zuvor hatte Cindy mir gegenüber einmal beiläufig erwähnt, dass sie darüber nachdachte, sich eine Katze anzuschaffen. Ich erwähnte genauso beiläufig, dass sie, falls sie das tatsächlich tun sollte, in einer anderen Wohnung nächtigen musste als meiner.

Wir stritten uns, wir diskutierten, wir stritten uns wieder. Sie bettelte. Ich stellte meine »Katzen gehen gar nicht«-These auf und wir stritten uns noch mehr. Sie wandte sogar ein, dass es gut für mich wäre, ein Haustier zu haben. Ich hatte einmal den Fehler gemacht, ihr gegenüber zu erwähnen, dass ich ein Tier im Haus vermisste, dass es sich ohne einsam anfühlte.

»Ein Haustier, ja«, sagte ich. »Aber keine Katze.«

»Aber du reist doch so viel«, war ihr Gegenargument. »Du könntest keinen Hund halten. Er würde nach spätestens zwei Wochen sterben.«

»Ich weiß«, entgegnete ich. »Deshalb habe ich keinen Hund. Aber das überzeugt mich noch nicht davon, mir stattdessen eine Katze anzuschaffen. Die wäre auch nach zwei Wochen tot – weil ich sie bis dahin umgebracht hätte.«

»Du warst einfach nie mit Katzen zusammen. Du würdest sie mögen, wenn du eine näher kennenlernst. Und es wäre gut für dich. Du verbringst so viel Zeit im Strandhaus – dann hättest du Gesellschaft und müsstest nicht mehr so viel mit den alten Damen im Supermarkt reden.«

»Woher weißt du denn, dass ich oft mit den alten Damen rede? Wer hat dir das erzählt?« Ich dachte, das wäre ein wohlgehütetes Geheimnis von mir. Jeden Sommer verbrachte ich einen ganzen Monat damit, in einem Strandhaus zu schreiben, das ich in Fair Harbor auf Fire Island mietete. Cindy besuchte mich, während der Jahre, in denen es Cindy war, an den Wochenenden, aber unter der Woche schuftete ich allein vor mich hin und bestand darauf, dass ich die Einsamkeit liebte. Aber nach drei Tagen Schufterei an der Schreibmaschine (das war, bevor ich es wagte, mir einen Laptop anzuschaffen) fing ich an, die Gesellschaft anderer Menschen zu vermissen. Ich fing damit an, öfter zu telefonieren als normalerweise, und fing damit schon gegen halb elf Uhr morgens an. Nach sechs Tagen schalteten meine Freunde ihre Anrufbeantworter an, da die meisten nicht die Zeit hatten, mir dabei zu helfen, meiner Arbeit aus dem Weg zu gehen. Nach zehn Tagen brach ich meistens zusammen und begann, dreimal täglich in den Fair Harbor Market zu gehen. Er lag nur zwei Blocks von meinem Haus entfernt, und es hielten sich normalerweise einige ältere Hausfrauen darin auf, die sich mit dem Fleischer unterhielten oder miteinander. Nach meinem dritten Sommer am Strand war ich Stammgast im Supermarkt. Ich wusste alles, was es zu wissen gab, über hunderte von Leuten, die ich gar nicht kannte. Und das Beste war, dass ich dreimal täglich meiner Schreibmaschine für jeweils eine halbe Stunde entkam.

»Hast du je mit einem kleinen Kätzchen zusammengelebt?«, wollte Cindy wissen und ignorierte meine Forderung, mir den Fire-Island-Verräter zu nennen.

»Ich habe auch noch nie mit einer Schlange zusammengelebt. Und ich will es auch nicht. Ich mag keine Schlangen … War es Frank, der Fleischer? Hat er es dir erzählt?«

Wir führten diese ausgesprochen erwachsene Diskussion noch eine Zeitlang weiter – ungefähr sieben Stunden –, bis Cindy schließlich beschloss, dass es für unsere Beziehung nicht gut wäre, wenn sie sich eine Katze anschafft. Zu meiner großen Erleichterung endete der Streit damit, und unser Leben verlief wieder ruhig.

Bis Cindy nach Los Angeles flog, um ihre Mutter zu besuchen.

Sie freute sich nicht besonders auf diese Reise, denn sie mochte ihre Mutter nicht so wahnsinnig gerne. Einmal im Jahr gewann jedoch ihr schlechtes Gewissen gegen ihren gesunden Menschenverstand. Dann fuhr Cindy gen Westen und machte ihren Besuch. Mrs Wayburn – und ich versuche jetzt, so fair und objektiv wie möglich zu sein – war eine absolut schreckliche Frau, die in einem Randgebiet von L. A., von dem ich noch nie gehört hatte, in einer hübschen kleinen Gemeinde namens La Mobile Home Cité lebte. Wenn diese einen Slogan gehabt hätte, dann hätte er lauten müssen: »Verbringen Sie noch ein paar deprimierende Jahre bei uns, bevor ihre inneren Organe endgültig versagen.« Alles in allem war es ein großartiger Ort, um dort Zeit zu verbringen, wenn man keine frische Luft und keinen Platz brauchte und nie etwas Schönes sehen wollte.

Dieser Besuch war schlimmer als sonst. Am zweiten Tag hatten die beiden einen schlimmen Streit. Cindy wollte nur nett sein und ihre Mutter in ein Restaurant zum Essen einladen. Mom sagte auf ihre übliche optimistische Weise, dass für sie das Essen immer gleich schmeckte – wie ein verrotteter, grauer Tonklumpen – und dass es daher sinnlos war, Geld für so etwas Unerfreuliches wie Essen auszugeben. Cindy hielt das für eine ungesunde Einstellung, erwähnte das ihrer Mom gegenüber, und die Schlacht begann. Eine Stunde danach war Cindy im Haus meines Bruders, weinte und verspeiste eine köstliche Tarte Tatin (mein Bruder ist auch noch ein ausgezeichneter Koch).

Eric war extrem nett zu ihr und munterte sie wirklich auf, und als sie mich schließlich anrief, um mir Gute Nacht zu sagen, war sie wieder ausgesprochen fröhlich. Tatsächlich ging es ihr viel besser, als man hätte erwarten können. Es ging ihr sogar so gut, dass ich misstrauisch hätte werden sollen. Sie sagte mir, dass sie am nächsten Morgen mit meinem Bruder einkaufen gehen und dann nachmittags zurückfliegen würde. Sie hatte beschlossen, dass sie ihre Mutter nicht mehr sehen und ohne Mutter-Verpflichtungen nicht länger in L. A. bleiben wollte. Das Letzte, was sie sagte, bevor sie auflegte, war: »Du glaubst gar nicht, wie süß Erics Katze ist. Warte, bis du sie siehst.«

Ich legte auf und beschloss, dass ich darauf noch ziemlich lange warten konnte.

Um zehn nach elf am nächsten Abend klingelte mein Telefon.

»Ich warte gerade auf mein Gepäck«, verkündete Cindy. »Bist du noch wach?« Sie hatte diesen besonderen Singsang in der Stimme, den man immer hören konnte, wenn sie mir besonders zugetan war.

»Ich bin noch wach«, erklärte ich in fast demselben Tonfall.

»Ich bin in einer halben Stunde bei dir.«

»Ich kann es gar nicht erwarten«, sagte ich ihr. Und das konnte ich tatsächlich nicht.

Cindy hatte einen Schlüssel zu meiner Wohnung und konnte damit die verschiedenen Sicherheitssummer und Telefone und Kameras umgehen, an denen die meisten erst vorbeimussten, die das Gebäude betreten wollten. Deshalb hörte ich eine halbe Stunde später, wie sich meine Wohnungstür öffnete. Als ich aus dem Schlafzimmer kam, stand Cindy in der Tür und grinste glücklich.

Ich wollte zu ihr gehen und sie küssen.

»Nein«, befahl sie. »Bleib stehen.«

Ich blieb stehen.

»Ich muss dir was zeigen.«

»Wirklich?«

Sie nickte.

»Muss ich in den Flur, um es zu sehen?«

»Nein«, sagte sie mit immer noch dem breitesten Grinsen, das ich jemals gesehen hatte, auf dem Gesicht. »Bleib hier. Schließ die Augen. Ich sage dir, wann du sie wieder aufmachen kannst.«

Ich blieb stehen, ich schloss die Augen. Ich hörte ihr »Jetzt« und öffnete sie wieder.

Cindy hielt einen kleinen Fellball in der Hand. In einer Hand. Er war so klein, dass ich für einen Moment glaubte, sie hätte eine extrem wohlerzogene Maus aus Kalifornien mitgebracht.

Aber es war keine Maus.

Es war ein winzig kleines graues Kätzchen mit einem runden Kopf und merkwürdigen Ohren, die nach vorn und unten geknickt waren. Das Kätzchen saß auf ihrer Handfläche und drehte den Kopf in alle Richtungen, sah sich mein Loft-Apartment genau an.

»Du hast dir eine Katze gekauft?«, stammelte ich schwach.

Das Kätzchen hörte auf, die Wohnung zu inspizieren, und starrte mir jetzt direkt in die Augen und miaute. Es richtete sein leises Miauen ganz klar an mich. Und bis zu diesem Tag schwöre ich, dass der kleine Kerl lächelte.

»Nein«, sagte Cindy. »Sie ist nicht für mich.«

»Für wen ist sie dann?«, fragte ich leise.

Als sie nicht antwortete, fragte ich erneut ziemlich leise: »Cindy? Für wen ist dieses Kätzchen?«

Als sie in Tränen ausbrach, hatte ich den vagen Verdacht, dass ich die Antwort auf meine Frage kannte.

Ich hatte schon vor Jahren beschlossen, dass ich mein Haustier, sollte ich jemals eines haben – ich nahm an, einen Hund –, Norton nennen würde. Eine Alternative dazu gab es nicht wirklich.

Mein Lieblings-Tiername – und mein Lieblingstier bis zu diesem Zeitpunkt – war Yossarian, der Hund meines Bruders. Yossarian war meiner Meinung nach nicht nur ein unglaublich süßer Cockapoo, was, für all jene von Ihnen, die strikte Katzenliebhaber sind, eine Mischung aus Cockerspaniel und Pudel ist. Er war außerdem ein Genie.

Er brauchte nie an die Leine, auch nicht in New York City. Er ging mit einem bis zur Ecke, blieb stehen, wartete darauf, dass man die Straße überquerte, und trottete dann neben einem her. Er wartete vor Geschäften auf einen, wenn man einkaufte. Er war auch extrem freundlich und strahlte einfach generell so eine Art Weltschmerz aus, die einen glauben ließ, er könne in Salons sehr interessante Gespräche führen. Auf Französisch.

Ich musste mich einmal für ungefähr sechs Monate um Yossarian kümmern, als Eric in Spanien war. Ich wohnte in einem schäbigen kleinen Apartment im fünften Stock eines Gebäudes ohne Fahrstuhl im West Village, und Yossarian zog bei mir ein. Ich brauchte nicht lange, bis mir klar war, dass Yos nicht wild darauf war, für jeden Spaziergang fünf Etagen runter- und wieder raufzulaufen. Vor allem im Winter war er nicht wild darauf, wenn Schnee und Eis seinen von L. A. verwöhnten Pfoten zu schaffen machten.

Er war ungefähr eine Woche bei mir, als der kleine Kerl zu meinem Entsetzen zu humpeln begann. Ich bemerkte es, als wir über die Greenwich Street liefen. Er hatte definitiv den rechten Vorderlauf angewinkelt und schonte ihn. Ich ging zu ihm, hob ihn hoch und untersuchte ihn. Ich konnte nichts feststellen, aber er sah mich so kläglich an, dass klar war: Dieser Hund hat große Schmerzen. Ich setzte ihn nur noch einmal runter, damit er sein Geschäft erledigen konnte, dann nahm ich ihn wieder hoch, trug ihn zurück zu meinem Haus und die fünf Treppen rauf in meine Wohnung.

Ich beschloss, nicht gleich in Panik auszubrechen. Zuerst wollte ich ein paar Tage abwarten, und dann, falls er weiter humpelte, würde ich zum Tierarzt gehen.

In der Wohnung schien Yos keine Probleme zu haben, bewegte sich höchstens etwas langsamer als sonst. Doch sobald er draußen war, fing das Humpeln wieder an. Ich musste ihn tragen, ließ ihn runter, damit er sich erleichtern konnte, hob ihn dann wieder hoch und kehrte mit dem Hund auf dem Arm in meine Wohnung zurück.

Am dritten Tag – er humpelte jetzt auch leicht in der Wohnung, und ich trug ihn liebevoll dreimal täglich die Treppe hinunter – machten wir unseren Nachmittagsspaziergang. Ich setzte Yossie in den Schnee, und da ich in Begleitung meiner Freundin war, gingen sie und ich ein Stück vor, um ihm etwas Privatsphäre zu lassen. Nach ungefähr einem halben Block drehte ich mich um, weil ich sehen wollte, wie es meinem Patienten ging. Es ging ihm ziemlich gut. Tatsächlich ging es ihm sogar so gut, dass er vor meinem Gebäude auf dem Bürgersteig herumlief und mit einem anderen Hund spielte. Ich konnte es nicht glauben. Ich meine, dieser Hund bewegte sich. Und belastete dabei mit seinem vollen Gewicht seinen rechten Vorderlauf.

»Yossarian!«, rief ich.

Der Hund erstarrte. Bewegte sich nicht einen Zentimeter. Dann sah er auf den Schnee am Boden, sah mich an, sah wieder auf seine Pfote, die auf dem Schnee stand, noch ein Blick zu mir, und dann schoss seine Pfote in die Höhe in dem verzweifelten Versuch, sie wieder in die jammervolle Position zu bringen, in der er sie hielt, wenn er sein Humpeln vortäuschte.

»Vergiss es«, sagte ich. »Von jetzt an läufst du wieder selber.«

Wenn Hunde mit den Schultern zucken können, dann zuckte Yossarian mit den Schultern, stellte seine Pfote wieder auf den Boden und spielte weiter mit seinem Kumpel. Damit nahm das Humpel-Drama ein Ende.

Ich war übrigens nicht der Einzige, der das Gefühl hatte, dass Yossarian menschlicher war als der durchschnittliche Vierbeiner. Vor ein paar Jahren, als er dreizehn war und anfing zu kränkeln, veranstaltete mein Bruder ein Fest für ihn. Ungefähr zwanzig Leute kamen mit Geschenken für den Hund. Eric sorgte für Getränke und Essen, und alle erzählten ihre Lieblingsgeschichte über Yossarian. Ich rief von New York aus an, um sicherzustellen, dass jemand meine »Humpel«-Geschichte erwähnte, die mittlerweile schon Teil der Yossarian-Legende war.

Yos starb ungefähr ein Jahr danach, und ich schwöre, dass alle, die an jenem Tag dabei waren, sehr froh darüber waren, ihm gesagt zu haben, wie viel er ihnen über die Jahre bedeutet hatte.

Seit Eric den Catch-22-Namen für seinen schlauen kleinen Hund verwendet hatte, versuchte ich, mir einen vergleichbaren Namen für mein zukünftiges Haustier auszudenken. Dunbar kam mir in den Sinn, aber der stammte aus dem gleichen Buch, also verwarf ich die Idee wieder. McMurphy war eine Möglichkeit, aber dann kam die Filmversion von Einer flog über das Kuckucksnest raus, und ich hasste sie, also war das das Ende von McMurphy. Ich ging weiter zurück in den Annalen der Literatur und verwarf schnell alles von Falstaff über Tristram bis Verloc, dann auch noch Malloy, Zorba und schließlich sogar Snoopy.

Ich dachte über Steed (oder Emma, falls es ein Weibchen war) aus Mit Schirm, Charme und Melone nach, aber irgendwie blieb das bei mir nicht hängen. Travis war für ungefähr sechs Monate mein Favorit – das war der Name der Figur, die Malcolm McDowell in If … und O Lucky Man! spielte – aber dann kaufte sich ein Freund von mir einen Hund und nannte ihn Travis nach Travis McGee.

Ich wandte mich in anti-intellektueller Verzweiflung dem Feld des Sports zu.

Ich konnte ein Haustier unmöglich Willie nennen. Was, wenn so ein dämlicher Idiot glaubte, ich hätte ihn nach Willie Davis oder Willie Wilson oder einer anderen zweitklassigen Kopie des gottähnlichen Mays benannt? Das konnte ich nicht riskieren. Keiner der Namen meiner anderen Idole eignete sich jedoch dazu, immer und immer wieder genannt zu werden in dem Versuch, einen Vierbeiner unter dem Bett hervorzulocken. Muhammed? Julius? Roger ›the Dodger‹ Staubach? Nein. Jim Brown? Auf keinen Fall. Wahrscheinlich würde das Tier dann anfangen, mich ständig vom Balkon zu schmeißen. Ich hatte mich gerade mit Clyde angefreundet und glaubte, damit ein sehr cooles Haustier zu bekommen, das unter Druck niemals nervös wurde und ein fantastischer Abwehrspieler sein würde, als mir, ungefähr zwei Jahre bevor Cindy mit einer Katze in der Hand in meine Wohnung spazierte, der perfekte Name einfiel.

Ich bin ein Fernseh-Junkie. Ich habe immer Fernsehen geguckt, ich habe es immer geliebt, und in meiner Jugend habe ich sogar dafür geschrieben. Am liebsten mochte ich immer Sitcoms. Aus der Sicht des sachkundigen Zuschauers verdient nur ungefähr eine Handvoll Sitcoms das Prädikat »großartig«. Ich rede hier nicht von dem geschmacklosen »Gilligan’s Insel«-artigen Schund. Ich rede von großartigen Dialogen, großartigen Schauspielern, großartigen Figuren. »Immer Ärger mit Sergeant Bilko« rangiert weit oben, und das gilt auch für »Mary Tyler Moore Show«, die »Dick Van Dyke Show« und später für »Barney Miller« und »Taxi«. Aber es gibt eine, die eine Klasse für sich ist. Die anderen sind nicht mal dicht dran. Die besten Figuren, die besten Gags, der beste Szenenaufbau, der beste Stichwortgeber (oder eigentlich Stichwortgeberin) und die beiden besten Leistungen in der TV-Sitcom-Geschichte. Natürlich spreche ich von »The Honeymooners«, und plötzlich hatte ich die Vision, wie ich eines Tages – und dann viele Jahre lang jeden Tag – nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommen und rufen würde: »Norton, mein Freund, ich bin zu Hause!«, und wie mir dann ein kleines Fellbündel entgegenspringen und mir freudig das Gesicht ablecken würde.

Als diese kleine Katze auf Cindys Hand zu mir aufsah und miaute, wusste ich, dass Norton endlich bei mir eingetroffen war.

Mir wurde auch noch etwas anderes klar. Und zwar genauso plötzlich, wie mir der Name eingefallen war.

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Es ergibt keinen Sinn. Es gibt keine Erklärung. Es ist mir noch nie zuvor mit einem Mann, einer Frau oder einem Tier passiert, und ich weiß nicht, ob es jemals wieder passieren wird.

Ich wurde wütend auf Cindy. Ich wollte sie anschreien. In mir brodelten Sätze wie: »Wie konntest du das tun?« Ich wollte auf und ab laufen und wie ein Wahnsinniger mit den Armen fuchteln. Aber ich konnte nichts davon tun. Ich bekam keine Gelegenheit dazu. Cindy war zu sehr damit beschäftigt, in die Rolle von Lucy zu schlüpfen, als Ricky nach Hause kommt, nachdem er herausgefunden hat, dass sie sich als Maler verkleidet hatte, um im Club vorzusprechen. »Ich dachte, du würdest ihn mögen … Schnief … Eric meinte, er würde dir gefallen … Schnief … Es tut mir leid … Ich dachte …
Schnief … Uaaaahhhhhwaaaa …« Ich wusste, dass ich bei ihr nicht weiterkommen würde, also wandte ich mich an Sie-wissen-schon-wen. Mit immer noch offen stehendem Mund blickte ich in die Augen der kleinen Katze und schmolz dahin. Ich war sofort total hin und weg.

Cindy, die jetzt in den Laura-Petrie-Modus schaltete und versuchte, nicht zu weinen, mich jedoch wissen zu lassen, dass sie jeden Moment wieder anfangen konnte, streckte die Hand aus, und ich nahm das Kätzchen entgegen.

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