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Klappohrkatze kommt nach Hause

Inhalt

SchmetterlingI.tif

Cover

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Über dieses Buch

Über den Autor

Titel

Impressum

Widmung

Danksagung

Vorwort

1. Kapitel: Nachdenken über eine Katze

2. Kapitel: Rückblick auf eine Katze

3. Kapitel: Eine amerikanische Katze

4. Kapitel: Eine Katze im Frühling

5. Kapitel: Die Katze, die noch einmal nach Paris reiste

6. Kapitel: Eine Katze im Ruhestand

7. Kapitel: Eine Katze in mittleren Jahren

8. Kapitel: Die Katze, die zu Hause blieb

9. Kapitel: Die Katze, die Lebenswillen bewies

10. Kapitel: Die Katze, die noch einmal auf Reisen ging

11. Kapitel: Die Katze, die ewig leben wird

Nachwort

Über dieses Buch

Auf Samtpfoten mitten ins Herz!

Seit sechzehn Jahren sind Klappohrkater Norton und sein Herrchen Peter unzertrennlich. Gemeinsam haben sie viel erlebt, sind durch Amerika und Europa gereist und haben die Herzen von Mensch und Tier im Sturm erobert. Nach diesen schönen gemeinsamen Momenten steht den beiden jedoch eine schwere Zeit bevor – denn Norton wird plötzlich krank. Als Beweis seiner Freundschaft unternimmt Peter alles, um seinem kleinen vierbeinigen Freund zu helfen, und beschließt, eine letzte große Reise mit ihm anzutreten …

Die rührende Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft – der bewegende Abschluss der erfolgreichen Katzen-Trilogie von Peter Gethers.

eBooks von beHEARTBEAT – Herzklopfen garantiert.

Über den Autor

Peter Gethers ist ein erfolgreicher Romanautor, Cheflektor und Drehbuchautor. Er war ein passionierter Junggeselle und Katzenhasser, bevor ihm seine Freundin einen kleinen grauen und unglaublich hübschen Scottish-Fold-Kater schenkte. Die Freundin verabschiedete sich eines Tages, aber Norton blieb – denn Peter und er waren längst unzertrennlich.

Peter Gethers

Klappohrkatze
kommt nach Hause

Ein Katzen-Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von
Petra Trinkaus

Da kommt nur einer in Frage …

Der größten kleinen Katze, die es je gab.

Au revoir, mein süßer Kumpel.

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Danksagung

SchmetterlingI.tif

Ich möchte allen danken, die meine erstaunliche Scottish Fold liebten und unterstützten. Besonders Dr. Jonathan Turetsky, Dr. Andrew Pepper, Dr. Dianne DeLorenzo und Dr. Marty Goldstein. Außerdem möchte ich allen danken, die ihn auf seinen Reisen willkommen hießen und sich unterwegs um ihn kümmerten – aber um sie alle aufzulisten bräuchte man unzählige Seiten und ein besseres Gedächtnis, als ich es habe.

Für dieses spezielle Buch möchte ich Steve Rubin danken, dem perfekten Verleger, Lauren Marino, der perfekten Lektorin, Esther Newberg, der perfekten Agentin (und der Einzigen, die bei der ganzen Geschichte noch mehr flennte als ich) und Leona Nevler, weil niemand etwas über Norton lesen würde, wenn sie nicht wäre.

Und ein Dankeschön an alle, die mir erlaubten, über sie zu schreiben, besonders meine liebe alte Mom und meine liebe junge Freundin.

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Vorwort

SchmetterlingI.tif

Einer der Gründe, warum ich in meine jetzige Wohnung gezogen bin, ist der, dass sie ganz nah am Washington Square Park liegt, im Herzen von Greenwich Village. Seit ich nach New York kam, habe ich mir immer vorgestellt, dort zu leben. Für uns Menschen sind es allerdings häufig zwei ganz verschiedene Dinge, etwas zu wollen oder etwas tatsächlich zu tun. Was mich zu dem Eingeständnis des wahren Grundes für meinen Umzug führt: Mein Kater wollte am Washington Square Park wohnen.

Bitte seien Sie so nett und fragen Sie jetzt nicht, woher ich weiß, dass dies der Wohnort seiner Wahl war. Ich weiß viele seltsame Dinge über meine Katze, und ich möchte lieber nicht darüber reden, denn jeder, der kein fanatischer Katzenliebhaber ist, wird mich für verrückt erklären, und jeder, der ein fanatischer Katzenliebhaber ist (oder von meinem speziellen Fanatismus gelesen hat), wird diese Aussage gar nicht erst in Frage stellen. Tatsächlich lautet die einzige Frage, die diese anderen Leser vielleicht stellen werden: »Warum hat es so lange gedauert?«

Es hat so lange gedauert, weil ich einfach nicht gemerkt hatte, dass Norton, mein außergewöhnlicher, genialer – und habe ich es schon erwähnt, hinreißend hübscher – Kumpel vom Stamme Schottische Faltohrkatze den Hundeauslauf so über die Maßen liebte.

Meine Ignoranz hielt bis zu jenem Tag an, als wir an einem sonnigen Nachmittag durchs Village spazierten. Das heißt, ich spazierte; Norton befand sich in seiner gewohnten Position und lag entspannt halb in und halb neben der Stoffnetztasche, die über meiner Schulter hing, und drehte seinen Kopf nach jedem und allem um. Irgendwann fanden wir uns mitten im Park wieder. Neben den Klängen von Gitarren und Bongos (ich weiß, das klingt, als seien Sie plötzlich in ein Happening von 1960 geraten, aber ich schwöre, da waren wirklich Gitarren und Bongos) hörte man von Weitem unablässiges Hundegebell. Wir begaben uns auf die Südseite des Platzes, und tatsächlich, da gab es einen eingezäunten Bereich – etwas Gras, viel Erde –, in dem zwanzig oder dreißig Hunde aller Rassen und Größen sich wälzten, rannten, sprangen, apportierten, kläfften, knurrten, heulten und sich ganz allgemein wie glückliche, idiotische Hundchen aufführten. Norton war von diesem würdelosen, aber freigeistigen Verhalten fasziniert, also gingen wir so dicht wie möglich an den Maschendrahtzaun heran, der die Hunde und ihre Besitzer von den Nichthundebesitzern trennte. Norton wand sich noch weiter aus seiner Tasche heraus und reckte seinen Kopf – der den meisten Hunden problemlos ins Maul gepasst hätte – so weit er nur konnte über den Grenzzaun. Einige Hunde rannten herbei und bellten hysterisch, aber Norton blieb gelassen, wohl wissend, dass keiner der Kläffer ihn erreichen konnte und, falls doch, ich nur einen Schritt zurücktreten musste, um ihn aus der Gefahrenzone zu befördern.

Ich wusste, dass er all das genoss, also suchte ich mir eine Bank in der Nähe, setzte mich und verbrachte einen nicht unbeträchtlichen Teil der Zeit damit, ihn beim Beobachten der Hunde zu beobachten. (Ich glaube, ich sollte besser nicht näher darauf eingehen, wie viel Zeit meines Erwachsenenlebens ich tatsächlich damit zugebracht habe, nichts weiter zu tun, als meiner Katze bei Dingen zuzusehen, die die meisten Leute nicht sonderlich unterhaltsam fänden. Um mir aber zumindest ein Minimum an Selbstachtung zu retten, möchte ich hinzufügen, dass ich außerdem ein Riesenfan der New Yorker Knicks bin, dieser ausgesprochen nervigen Basketballmannschaft, mit der ich jedoch immer wieder sehr gern Höhen wie Tiefen durchlebe. Würde man mich aber gewaltsam vor die Wahl stellen, müsste ich sagen: »Platz eins: Zusehen, wie Norton einfach irgendwas macht; Platz zwei: Zusehen, wie Latrell Sprewell einen Treffer versucht.« Ein paar Tage danach gingen wir wieder zur selben Bank, und mein kleiner Kumpel schien sich wieder genauso gut zu amüsieren, also kamen wir danach immer öfter hin. Und ganz kurz danach kaufte ich meine neue Wohnung, und ich mache den Leuten weis, ich hätte sie gekauft, weil sie direkt am Washington Square Park liegt, aber in Wirklichkeit habe ich sie gekauft, weil sie nur rund fünfzig Meter vom Hundeauslauf entfernt liegt. Obwohl ich gar keinen Hund habe.

Sobald wir in dieser günstigen Entfernung wohnten, gingen Norton und ich fast täglich dorthin. Wir machten am Nachmittag gern kleine Spaziergänge; so entkam ich dem Stress, stundenlang am Computer zu sitzen, und er entkam dem Stress … na ja … stundenlang neben meinem Computer zu dösen. Nach ein paar Wochen saßen wir nicht mehr auf der Bank auf der Außenseiterseite des Zauns, sondern setzten uns drinnen in den Hundebereich. Zuerst waren die Stammgäste (Menschen wie Hunde) nicht so begeistert über den Eindringling auf Samtpfoten. Sie (die Hunde, nicht die Menschen) kamen angerannt, kläfften wie wild, und meine Katze zog sich überstürzt in ihre Tasche zurück. Aber allmählich ließ die Wildheit nach und machte der Neugierde Platz, und dann konnte es sogar vorkommen, dass eine Art freundliches Misstrauen zu beobachten war. Norton hockte während dieser ganzen Zeit meist ruhig auf meinem Schoß, halb in, halb neben seiner Tasche.

Eines Tages saßen wir zwei in der Sonne, mitten in der Hundezone, und eine Frau kam herein und setzte sich neben uns. Ich las, Norton saß auf meinem Schoß, komplett aus der Tasche gekrochen und genoss die Sonnenstrahlen. Die Hunde ignorierten uns weitgehend, außer einem kleinen, einem Scottie, glaube ich, der anscheinend nicht begriff, dass Norton kein Hund war. Denn er kapierte offenbar nicht, warum Norton null Interesse daran hatte, herumzurennen und mit ihm Fangen zu spielen. Die Frau neben uns saß ziemlich lange Zeit da; mir war vage bewusst, dass sie immer wieder in meine Richtung schaute. Schließlich stupste sie mich an. Als ich hochsah, machte sie keine großen Umschweife, sondern sagte einfach: »Das ist Norton, nicht?« Ich nickte einmal, murmelte etwas wie »Yep«, dann sagte sie eine ganze Weile nichts. Sie begann aber häufiger zu nicken, wie jemand, der etwas schon lange Geahntes endlich verstanden hat. Dann, immer noch langsam nickend und mit einem winzigen Hauch von Ehrfurcht in der Stimme, sagte sie: »Es ist also wahr …«

Ich wusste sofort, was sie meinte. Sie hatte von Norton gelesen. Sie hatte von ihm gehört. Von seinen Reisen, seinen Abenteuern, seiner erstaunlichen Wirkung auf alle in seiner Umgebung. Und nun hatte sie ihn leibhaftig gesehen, und mehr war nie nötig, damit die Leute begriffen, wie wahrhaft besonders er war.

Ich sah meinen kleinen Kater an und tätschelte ihm den Kopf. Meine Hand umfasste ihn, und es war tröstlich, wie klein sein Kopf war und wie vertraut er sich in meine Handfläche schmiegte.

»Ja«, sagte ich und lächelte zu meinem geliebten grauen Kumpel hinunter, »es ist definitiv wahr.«

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1. Kapitel

Nachdenken über eine Katze

SchmetterlingI.tif

Seit ich entschieden hatte, dieses Buch zu schreiben, das dritte über meinen grauen, klappohrigen Kumpel der Rasse Scottish Fold, Norton, überlegte ich, wie ich eigentlich anfangen sollte.

Dieser allzu menschliche Charakterfehler namens Grübelei, der Katzen gänzlich fremd ist, griff prompt um sich, und so verstrich immer mehr Zeit, in der ich dasaß, ins Leere starrte und nicht tippte. Dieses Buch würde, dachte ich, aus diversen Gründen etwas anders werden als die anderen, und es mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden. Jede dieser Entscheidungen würde Stil, Ton und Philosophie beeinflussen, falls ich so hochtrabend sein kann zu behaupten, die Bücher über meine Katze hätten tatsächlich eine Philosophie (und machen Sie sich bitte keine Sorgen, glauben Sie mir, ich bin mir durchaus bewusst, dass das, was ich schreibe, erheblich mehr zu Dienstags bei Norton tendiert als zu Das Miauen und das Nichts).

Mein erster Impuls war, folgendermaßen anzufangen:

Einer der Gründe, warum ich Schriftsteller wurde, ist der, dass ich durch die Art, wie ich mit Worten umgehe, zumindest eine gewisse Ordnung in diese unsere doch recht verrückte Welt bringe.

Ich wollte dann fortfahren und beschreiben, dass eins der Dinge, die mich in diesem Leben besonders in den Wahnsinn treiben, die Art ist, wie die englische Sprache ständig verhunzt wird. Wie alles ist auch dieses ein Bereich, in dem wir von der Lebensart der Katzen lernen könnten. Katzen haben eine Art zu reden, die direkt und unmissverständlich klar ist. Ihre Worte sind vielleicht immer die gleichen, aber was sie damit sagen wollen, ist doch einen Hauch weniger mehrdeutig als das menschliche Sprechen. Ein Miau, das »fütter mich« bedeutet, wird man niemals mit einem verwechseln, das »kraul mir den Bauch« sagen will. Hat irgendein langjähriger Katzenhalter jemals ein Miau der Gattung »Es ist schön, am Feuer zu sitzen« mit einem Miau verwechselt, das »Lass mich raus« oder »Sorry, kommt gar nicht in Frage, dass ich zum Tierarzt gehe« besagt? Die Antwort ist Nein. Natürlich ist bei Katzen nicht nur die Körpersprache weniger gehemmt als bei uns, sie sprechen auch in Befehlen, was das Leben vereinfacht, zumindest für sie. Die einzige Frage, die mir einfällt, die eine Katze vielleicht stellen könnte, ist: »Bist du okay?« Und falls nicht, ist das darauffolgende Miau in der Regel eine weitere Anweisung: »Dann rutsch rüber, damit ich mich an dich kuscheln kann und du dich besser fühlst.« Katzen haben den Kommunikationsakt definitiv zur exakten Wissenschaft erhoben.

Machen aber Menschen den Mund auf, reiht sich Patzer an Patzer. Das im Englischen ständig falsch gebrauchte »I« statt »me« zum Beispiel. (Tipp: Wenn Sie nicht wollen, dass ich Sie in aller Öffentlichkeit bloßstelle, sagen Sie in meiner Gegenwart nie »Just between you and I« oder »Come with Freddy and I«). Und die Hinzufügung des Wörtchen »very«, also »sehr«, wenn man etwas als »einzigartig« beschreibt. Das ist dasselbe, als würde man »sehr das einzige seiner Art« sagen, was völlig unmöglich ist. Und dann die Tatsache, dass niemand zu wissen scheint, was das Wort »Ironie« bedeutet. Es heißt nicht witzig oder abfällig oder satirisch oder irgendetwas in der Art. Falls Sie mir nicht glauben, hier die Definition direkt aus dem Großen Fremdwörterbuch von Duden: »feiner, verdeckter Spott, mit dem man etwas dadurch zu treffen sucht, dass man es unter dem auffälligen Schein der eigenen Billigung lächerlich macht, indem man z. B. das Gegenteil dessen, was man meint, sagt.« Wenn es draußen regnet und Sie sagen: »Schöner Tag, nicht«, das ist Ironie. Und der Grund, warum mir das wichtig ist, ist der, dass der Originaltitel dieses Buches (The Cat Who’ll Live Forever) weitgehend ironisch gemeint ist, und es ist wichtig, das gleich von vornherein klarzustellen. Nichts und niemand lebt ewig. Keine Pflanzen, keine Menschen, und, was das Allerbedauerlichste überhaupt ist, keine Katzen. In gewisser Weise ist »Leben« selbst das ultimative ironische Wort, denn zu leben heißt, dass man am Ende sterben wird. Und um diese Erkenntnis, diese Erfahrung und dieses Begreifen geht es teilweise in diesem Buch.

Aber eben nur teilweise.

Ich versuche vor allem, das Gefühl und die Kraft zu übermitteln, die einem der Kontakt mit einer wirklich erstaunlichen Lebenskraft beschert.

Das alles ist aber nur eine langatmige Erklärung dafür, warum meine erste Wahl für den ersten Satz es nicht in die Endfassung geschafft hat. Das und die Tatsache, dass Ironie eine Einstellung ist, die Katzen nicht begreifen. Und obwohl dieses Buch für Menschen geschrieben ist, da Katzen nicht lesen können (Pech für mich, könnten sie es, bestünde durchaus die Chance, dass ich der reichste Mensch der Welt wäre), fand ich es unangemessen, mit etwas zu beginnen, das so sehr gegen ihr Wesen verstößt.

Eine zweite Möglichkeit war, sich fürs pure Drama zu entscheiden. Lange Zeit sollte mein erster Satz so lauten:

An dem Tag, als ich in meine Traumwohnung zog, erfuhr ich, dass meine Katze Krebs hatte.

Sie können sich der Wirkung dieses Satzes bestimmt nicht entziehen. Ich meine, es ist definitiv reißerisch. Und wie alles, was ich jemals über Norton geschrieben habe, ist es wahr. Aber letzten Endes entschied ich mich auch gegen diesen Satz. Zu traurig. Zu selbstmitleidig. Viel zu klebrig sentimental. Und definitiv nicht das, worum es in diesem Buch geht. Ganz bestimmt nicht das, worum es bei Norton geht. Was Sie zu lesen bekommen, ist, hoffe ich, alles andere als traurig. Es geht nicht um Krankheit, es geht um Gesundheit. Es geht weniger um das Trauma von Krankheit, vielmehr um die Befriedigung und die Bindungen, die entstehen, wenn wir älter werden und lernen, uns umeinander zu kümmern – und lernen, die Fürsorge anderer anzunehmen.

Jeder, der die früheren Geschichten aus meinem Leben mit Norton gelesen hat, wird Ihnen sagen, dass ich fast immer auf einen Gag hin schreibe – auf Papier wie im Leben – und auch, dass ich kein Fan falscher Gefühle bin (etliche Exfreundinnen würden sagen, dass ich auch kein Fan echter Gefühle bin). Ich bin aber ein Fan echter Emotionen, und zu meinem Glück schließt das ein Lachen nur selten aus. Deshalb ist dieses Buch keineswegs deprimierend. Es ist, hoffe ich, komisch und freudvoll und so lebensbejahend, wie es nur irgend geht, ohne zu einem Steven-Spielberg-Film zu werden.

In gewisser Weise habe ich durch dieses Abschweifen und Nachdenken geschafft, was ich mit meinen beiden ersten Eröffnungssätzen niemals hingekriegt hätte. Es ist mir gelungen, eine gewisse Ordnung nicht nur in dieses Buch, sondern auch in meinen Denkprozess zu bringen. Und was wahrscheinlich noch wichtiger ist, mir wurde klar, dass der Titel, obwohl ich vorhin etwas anderes geschrieben habe, eigentlich doch nicht ironisch gemeint ist.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass mein kleiner grauer Kumpel in vielerlei Hinsicht tatsächlich ewig leben wird. Und zwar genauso leben, wie er es gern hätte: indem er das Leben anderer Menschen mit Freude und gelegentlich sogar mit Sinn erfüllt. Und deshalb wohl entschied ich, dass es im Grunde ganz einfach ist, worum es in diesem Buch geht.

Es geht um meine Katze, Norton.

Genauso wie in den beiden anderen Büchern. Und deshalb lautet der richtige Eröffnungssatz folgendermaßen:

Das Wunderbare an einer Beziehung mit einer Katze – eines der vielen wunderbaren Dinge an einer Beziehung mit einer Katze – ist, dass man nie eine Ahnung hat, wohin diese Beziehung einen führt …

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2. Kapitel

Rückblick auf eine Katze

SchmetterlingI.tif

Das Wunderbare an einer Beziehung mit einer Katze – eines der vielen wunderbaren Dinge an einer Beziehung mit einer Katze – ist, dass man nie eine Ahnung hat, wohin diese Beziehung einen führt … Sie kann, und das kommt häufig vor, zu Liebe führen. Sie kann aber auch zu Frustration führen. Und manchmal zu Herzeleid. Oder Trost. Sie kann zu anderen Beziehungen führen, mit Katzen wie auch mit Menschen. Manchmal kann sie zu alldem führen, was ich gerade beschrieben habe – in diversen Kombinationen und bisweilen sogar gleichzeitig.

Diese Beziehung kann uns auch etwas wirklich Außergewöhnliches und Lebensveränderndes schenken, wie es bei meiner außergewöhnlichen und lebensverändernden Scottish Fold, Norton, der Fall war.

Falls Sie die Geschichten gelesen haben, die ich im Laufe der Jahre bereits über meinen erstaunlichen Kumpel geschrieben habe, muss ich Sie von seiner Fähigkeit zum Verblüffen nicht mehr überzeugen. Sie sind bereits Zeuge geworden, wie er – zu einem nicht geringen Anteil – verantwortlich ist für mein Liebesleben, mein Haus, meine Reisen, meinen beruflichen Erfolg und für das gewisse Maß an emotionaler Reife, das ich mir erarbeitet habe. Falls Sie meine hingerissenen Beschreibungen nicht gelesen haben, hier kommt ein bisschen was zu knabbern (oder zu kratzen, je nachdem) …

Die Vorgeschichte:

Als wir dem Verleger und Autor Peter zum ersten Mal begegneten, war er der typische, unsensible Trampel. Und ein Katzenhasser.

Auftritt Norton, Alter sechs Wochen, Geschenk einer Freundin von Peter, Cindy.

Cindy geht. Norton bleibt. Peter hängt bald so sehr an seinem Kätzchen, dass es an Wahnsinn grenzt (aber unumgänglich ist). Viele andere Freundinnen kommen. Viele andere Freundinnen gehen. Norton muss die Sache offensichtlich selbst in die Pfote nehmen, wenn er jemals ein stabiles Familienleben haben will.

Peter muss beruflich viel reisen. Also reist Norton mit ihm. Das ändert sich in den folgenden Jahren. Schließlich muss Norton beruflich viel reisen, also reist Peter mit ihm. Sie fahren nach Fire Island (Norton ist verblüfft, wie tief sein Besitzer zu sinken bereit ist, um ein Date für den Silvesterabend zu ergattern), Kalifornien (Norton lernt die Familie kennen), Vermont (Norton macht Skilanglauf), Florida (Norton besucht beim Frühjahrstraining ein Baseballspiel, wird ein großer Fan von Andrés »El Grand Gato« Galaragga. Außerdem fällt er durchs Dach eines Hotelrestaurants und erschreckt zwei alte Damen zu Tode). Man verbringt viel Zeit in Paris (Norton begrüßt Harrison Ford mit einem … äh … petit morceau de la merde dans la baignoire. Außerdem verschreckt er ein süßes dänisches Model und zieht mit Roman Polanski durch die Clubs) und besucht Amsterdam (Norton nimmt an der Aufzeichnung einer holländischen Oben-ohne-Quizshow teil – sehen Sie, bereuen Sie jetzt, dass Sie das erste Buch nicht gelesen haben?!). Peter tut sich mit Janis zusammen, Norton spielt die Starrolle der Heiratsvermittlerin Dolly Levi aus Hello, Dolly!. Peter kauft Norton ein Haus in Sag Harbor. Peter muss den Tod seines Vaters verkraften. Peter begreift dank Sie-wissen-schon-wem endlich, was Liebe ist.

Und dann schreibt Peter ein Buch namens Klappohrkatze, in dem es um all das gerade Beschriebene geht, und Norton der Tom Cruise unter den Katzen wird. Und der Hemingway unter den Katzen; sind doch die meisten wahren Fans des Buches überzeugt, dass er Peter das Ganze diktiert hat, der sich lediglich seine opponierbaren Daumen zunutze machte, um einen Buchvertrag zu ergattern.

Dank Tom … äh, Norton … kann Peter ein Jahr in der Provence verbringen und die neuen Abenteuer seines Katzenfreundes verfolgen und beschreiben. In Frankreich kreiert der Starkoch eines Drei-Sterne-Restaurants zu Nortons Vergnügen eine Marzipanmaus. Die liebste Katze der Welt bricht in Italien wegen einer verschmähten Sardine beinahe den Dritten Weltkrieg vom Zaun. Außerdem reitet Norton auf einem Kamel (fragen Sie nicht), fährt nach Spanien, sonnt sich in Sizilien, besucht die Kathedralen im Loiretal, fährt Ski in den französischen Alpen, besichtigt in Amsterdam das Anne-Frank-Haus und betört das betörendste Dorf im Luberontal.

Dann geht es wieder nach Hause. Das heißt, nach New York City und nach Sag Harbor auf Long Island.

Peter schreibt Klappohrkatze auf Reisen – Kater Nortons neue Abenteuer. Es bekommt den Nobelpreis, den Pulitzerpreis und steht über vier Jahre auf der Bestsellerliste der New York Times (ich wollte nur sehen, ob Sie aufpassen. Der erste Satz dieses Absatzes stimmt. Der Rest ist leicht übertrieben).

Im ersten Buch erfuhr Peter durch Norton, was Liebe ist. Im zweiten Buch lernte Peter, was das Leben ist. Peter beschließt, dass es kein drittes Buch geben wird, weil er glaubt, von seiner Katze nichts mehr lernen zu können …

Wir sind jetzt bei Nortons zehntem Geburtstag angekommen, das war vor etwas über acht Jahren.

Und dort endete das letzte Buch.

Und dort werde ich jetzt wieder anfangen. Und der Grund, dass es Buch Nummer drei gibt, ist der, dass ich vor einigen Jahren erfuhr, dass es tatsächlich noch eine sehr wichtige Sache gab, die ich von meiner geliebten kleinen Katze lernen musste.

Vielleicht die allerwichtigste von allem …

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3. Kapitel

Eine amerikanische Katze

SchmetterlingI.tif

Sowohl Katze als auch Mensch mussten sich an ein ganz neues Leben gewöhnen, als sie nach einem Jahr in Südfrankreich nach Amerika zurückkehrten. Norton musste sich wieder an das Verputzen von normalem Katzenfutter gewöhnen (keine Kombidosen mit lapin et foie, Kaninchen und Leber, seiner liebsten Lieblingssorte). Sein Dad musste sich wieder daran gewöhnen, wie ein ganz normaler Mensch zu arbeiten. Außerdem musste ich einsehen, dass ich in der Öffentlichkeit nicht mehr jede gehässige Bemerkung murmeln konnte, die mir durch den Kopf ging, weil die Leute jetzt tatsächlich wieder Englisch verstanden.

Mit anderen Worten, wir mussten uns beide darauf gefasst machen, wieder normal zu sein, was nicht gerade mein Lieblingszustand ist. Zu meinem Glück machte Norton es einem sehr schwer, absolut normal zu sein.

Als wir auf unsere Werbetour für Klappohrkatze auf Reisen gingen, wurde mir zum ersten Mal klar, dass das Leben von jetzt an ganz anders verlaufen würde. Ich war schon bei früheren Lesungen ziemlich erstaunt gewesen, mit wie viel Liebe und Zuneigung meine Katze überschüttet wurde – aber das war noch gar nichts.

Eine der ersten Stationen dieser Lesetour war Knoxville, Tennessee. In einer Davis-Kidd-Buchhandlung hielt ich meine übliche halbwegs witzige Ansprache und las vor, während Norton ruhig an meiner Seite saß, in seiner liebsten Sphinx-Pose, und total so aussah, als sei er mein Übersetzer. Als ich fertig gelesen hatte, stellten sich die Leute an, angeblich, damit ich ihre Bücher signierte, aber ich muss leider sagen, dass ihnen nicht wirklich etwas an einem Autogramm von mir lag (oder an sonst irgendetwas von mir). Oh, sie waren überwiegend höflich, aber sie waren alle dort, um Norton zu streicheln und mit ihm zu reden. Ein Mann war von diesem Erlebnis so aufgewühlt, dass er mir ein Ticket zum größten Ereignis des Jahres in dieser Stadt anbot, dem Footballspiel der University of Tennessee gegen die University of Florida, das am nächsten Tag stattfand. Als ich mich bei ihm bedankte, aber scherzhaft sagte, ich könne auf keinen Fall ohne meinen Kumpel gehen, weil er ein großer Tennessee-Fan sei, sah der Mann Norton an und sagte: »Teufel, dann besorge ich ihm auch ein Ticket.« Ich muss schon sagen, es war verlockend, aber ich entschied mich dann doch, mich an den Tourplan zu halten, statt mit Norton loszuziehen, Bier zu trinken und Hot Dogs zu essen und UT anzufeuern.

Eine extrem nette Frau um die fünfzig kam schüchtern nach vorn, als der größte Ansturm vorbei war. Sie warf mir kurz einen Blick zu, starrte dann liebevoll auf Sie-wissen-schon-wen und sagte: »Ich bin über vierhundert Meilen gefahren, um ihn zu sehen.« Ihr Tonfall war sogar noch ehrerbietiger als ihre Worte. Es wirkte fast so, als sähe sie die Vorderseite eines Kühlschranks in einem Wohnmobil, wo das Fett ein Abbild der Jungfrau Maria erkennen lässt. Es war so rührend, wie viel sie für meine Katze empfand, dass ich sie ein paar Minuten mit dem Star des Abends allein ließ, der ebenfalls extrem nett war und während ihres Geplauders zufrieden schnurrte. Ich weiß nicht, worüber sie plauschten – und ich glaube, ich will es gar nicht wissen –, aber ich kann mit Gewissheit sagen, dass die Dame ganz und gar nicht enttäuscht war. Danach bedankte sie sich bei Norton, war so aufmerksam, sich auch bei mir zu bedanken, und fuhr dann vermutlich die ganzen vierhundert Meilen wieder nach Hause.

Zufällig wohnten damals gute Freunde von mir in Knoxville, Lee und Linda Eisenberg. Linda ist eine attraktive, liebe, entzückende Frau, und alle lieben sie. Lee ist einen Hauch zynischer. Und neurotisch. Und seltsam. Und … na ja, sagen wir einfach, dass abgesehen von seinen nächsten Angehörigen ungefähr drei Leute Lee lieben. Zum Glück bin ich einer davon. Die beiden sind eigentlich New Yorker und glauben daher, dass sie schon so ziemlich alles erlebt haben. Aber selbst sie waren verblüfft von dem, was sie an diesem Abend sahen und hörten. Lee, der viel Zeit mit Norton verbracht hatte, bevor der Katzenruhm zuschlug, war von der Begeisterung seiner Fans ein wenig verstört. Er war mit Norton in New York ausgegangen und auch in Florida (auf unserem alljährlichen Trip zum Frühjahrs-Baseballtraining), und ich glaube, er fühlte sich ein bisschen, als sei er mit Norma Jeane Baker ausgegangen, bevor sie zu Marilyn Monroe wurde – es war toll gewesen, aber wer konnte ahnen, dass es so toll war? Nach der Veranstaltung fuhren wir in das paradiesische Haus meiner Freunde, wo Linda das Dinner zubereitete. Ich glaube, sie war überrascht, dass Norton nach der ganzen Vergötterung, die er von seinem anbetenden Publikum erfahren hatte, beschloss, sich wieder in eine normale Katze zurückzuverwandeln und nicht mit uns am Tisch zu essen, sondern aus einem Napf auf dem Boden. Ich muss zugeben, ich war selbst erstaunt.

Nach dem köstlichen Essen fuhr Lee mich und Norton wieder in unser Hotel zurück. Wir wurden abgesetzt – Lee schüttelte immer noch den Kopf und sah Norton an, als hätte er ihn nie zuvor gesehen – und wollten auf unser Zimmer gehen. Als wir an der Rezeption vorbeikamen, zögerte die Frau hinter dem Tresen kurz und rief dann: »Mr. Norton?« Ich dachte sofort, jetzt käme der nächste Alptraum, dem ich mich stellen musste, um mein Ego intakt zu halten – dass jemand mich mit dem Namen meiner Katze anredete –, aber tatsächlich redete sie gar nicht mit mir. Sie wandte sich direkt an denjenigen von uns mit den Klappohren. Das begriff ich, als ich zu ihr ging und gerade sagen wollte: »Also, eigentlich heiße ich Gethers« – und bemerkte, dass sie mich überhaupt nicht anschaute. Sie streckte die Hand aus, um Norton in seiner Tasche zu streicheln, und sagte, wobei sie ihm tief in die Augen blickte: »Ich bin ein großer Fan. Ich wollte dir nur sagen, dass es mir leidtut, dass ich nicht zu deiner Lesung kommen konnte. Ich musste arbeiten.« Ich wartete – und wie immer rechnete ich beinahe damit, dass Norton antwortete und sagte: »Ach, schon gut, meine Liebe. Magst du vielleicht auf einen Happen Trockenfutter zu mir in die Tasche kommen?« –, aber er sah nur hoch und ließ ein kräftiges Schnurren hören, als ihre Hand sein weiches Fell streifte. Das schien der Dame am Empfang jedoch zu genügen; ihr Gesicht hatte einen Ausdruck, den ich persönlich noch nie bei einer Frau hervorzaubern konnte, ohne ihr ein Flugticket in die Karibik zu schenken.

In Tennessee machten wir noch einmal Station – in Memphis. Zum einen wegen der Lesetour, zum anderen, weil eine Zeitung, die New York Daily News, mich gebeten hatte, einen Artikel über meine Reisen mit Norton zu schreiben. Als die Redakteurin anrief, fragte sie wortwörtlich, ob Norton einen Artikel für die Zeitung schreiben könne. Als ich geklärt hatte, dass das kein Witz war, erklärte ich ihr die ganze Sache mit den opponierbaren Daumen, und schließlich sagte sie: »Na gut, Sie können es machen, aber eigentlich wollen wir seine Sicht der Dinge.« Also lautete mein Auftrag nicht nur, ihn von seinen Fans bewundern zu lassen, sondern auch, Nortons Eindrücke von Memphis festzuhalten.

Meine langjährige und sehr geliebte Freundin Janis ist in Memphis aufgewachsen, also lud ich sie ein, ebenfalls herzukommen. Wir drei wohnten im Peabody Hotel, das berühmt ist für seine Schönheit, seine Pracht und seine Enten. Ja, Sie haben richtig gelesen. Jeden Morgen um neun öffnen sich die Aufzugtüren, und ein Hotelmitarbeiter führt einen Gänsemarsch von Enten in die Lobby, wo sie über den Boden watscheln, bis sie zu einem großen marmornen Springbrunnen kommen. Um sechs Uhr abends hüpfen sie alle aus ihrem Pool, kehren quer durch die Lobby zurück und verschwinden wieder im Aufzug. Ich weiß nicht, wohin sie dann gehen, würde allerdings am liebsten glauben, dass sie eine eigene Suite haben und nicht nur einen Käfig auf dem Dach. Dafür weiß ich ganz genau, dass Norton von diesem täglichen Ritual absolut fasziniert war. Wir waren zwei Tage dort, und jeden Morgen hing er auf meiner Schulter und starrte die Quakeriche an, wenn sie vorbeispazierten. Eines Nachmittags nahmen wir einen Drink in der Lobby – Norton liebte die großen, bequemen Sessel –, und er schlenderte zum Rand des Springbrunnens und sprang auf den niedrigen Rand. Eine gewöhnliche Katze hätte wohl angesichts all dieses Geflügels an ein frühes Abendessen gedacht. Norton jedoch zeigte nicht diesen lippenleckenden Gesichtsausdruck. Er war vor allem neugierig. Mir gefällt der Gedanke, dass er darüber nachdachte, dass diese Enten es irgendwie geschafft hatten, einen noch besseren Job als er zu ergattern.

Es war Frühsommer, als wir in Memphis waren, was heißt, dass die Temperatur bei etwa schlappen hundertfünfzig Grad lag. Janis hatte mich sogar vor der Hitze gewarnt, aber ich hatte sie nicht ernst genommen und erklärt, dass ich alle extremen Temperaturen mag und mich dabei wohlfühle. Was ich im Allgemeinen auch tue. Der Aufenthalt in Memphis allerdings war kein normales Extrem. Den Schritt von der klimatisierten Hotellobby hinaus in die Sommerluft von Tennessee kann ich nur beschreiben als einen Schritt direkt in die Eingeweide der Hölle. Aber wir taten den Schritt, denn ich wollte, dass Norton Graceland sah, das Zuhause des King.

Zugegeben, Elvis war vor Nortons Zeit – Norton war eher ein REM- und Tom-Petty-Fan –, aber ich dachte, es würde ihm guttun, ein bisschen Rock’n’Roll-Geschichte mitzubekommen. Leider erlebten wir eine direkte Verletzung der FRA – Feline Rights Amendment oder Katzenrechtskonvention – und einen Fall von offenem Katzismus, als man uns an der Tür abwies und sagte, Katzen hätten keinen Zutritt. Es war das perfekte Beispiel dafür, wie weit wir uns beide von der Realität entfernt hatten. Da Norton in einigen der besten Restaurants der Welt diniert hatte und in Museen und Kathedralen in ganz Europa willkommen gewesen war, war er ebenso erstaunt wie ich, dass er in einer öffentlichen Einrichtung abgewiesen wurde, besonders in einer, die mehr Wildleder- und Samtcapes zeigte als jedes andere Gebäude östlich des Liberace-Museums. Aber nach einem kurzen Wortwechsel akzeptierten wir unser Schicksal und kehrten tapfer zurück in die glühende Hitze von Memphis.

Um meine Katze, deren Gefühle eindeutig verletzt waren, wieder versöhnlich zu stimmen, fuhr Janis’ Vater Marv mit uns zu einem der tollsten Barbecue-Lokale der Welt, Corky’s (dessen einziger Nachteil ist, dass es dort, im Gegensatz zu einigen der kleineren, weniger kommerziellen Barbecue-Lokale in Memphis, keine gegrillte Fleischwurst gibt). Dort entkamen wir dem Schatten von Colonel Parker, und Norton saß auf einem eigenen Stuhl, mümmelte köstliches Pulled Pork, speziell zubereitetes Schweinefleisch, für Grillfreaks die Königsdisziplin, und tröstete sich mit dem erstaunten Gemurmel der Kellnerin, die ständig in ihrem dicken Südstaaten Akzent wiederholte: »Ah nevah saw a cat eat bah-bee-cue befaw – ich habe noch nie eine Katze Barbecue essen sehen.«

Wir tourten im Laufe von zwei Wochen mehr oder weniger durchs ganze Land. Nach und nach entwickelte sich eine gewisse Routine.

Verleger engagieren »Betreuer«, um die Autoren in der jeweiligen Stadt herumzukutschieren. Diese Betreuer sorgen nicht nur dafür, dass wir pünktlich am richtigen Ort ankommen, sondern kennen meist auch alle wichtigen Leute in den Zeitungsredaktionen und Radio- und Fernsehsendern, sie sind mit allen Gegebenheiten vertraut und können im Allgemeinen allen das Leben erleichtern. Norton jedenfalls machten seine Betreuer das Leben wesentlich leichter. Wir reisten aus Boston ab (oder wo immer wir gerade waren) und flogen nach Dayton (oder wohin auch immer wir gerade flogen). Auf der Fahrt zum Flughafen hielt der Betreuer ein gebrauchsfertiges Katzenklo auf der Rückbank des Wagens bereit, damit Norton … äh … sich dessen bedienen konnte … bis zum letztmöglichen Moment, bevor wir ins Flugzeug steigen mussten. Wenn wir ankamen, wurden wir am Gate abgeholt – ich war leicht zu erkennen, war ich doch der Einzige mit einer Katze auf der Schulter –, dann, auf der Fahrt vom Flughafen, hielt auch der neue Betreuer ein gebrauchsfertiges Katzenklo bereit, sodass Norton keine Sekunde unversorgt blieb. Ich selbst ließ etliche dringend benötigte Hemden zu Hause und packte stattdessen jede Menge zusammenklappbare, tragbare Katzenklos und eine Zweieinhalb- oder Fünf-Kilo-Tüte Katzenstreu in die Tasche und baute alles im Hotelzimmer auf, sobald wir es betraten.

Reisen bedeutet selbst für die erfahrenste Katze Stress, also machte ich es meinem Kumpel bei allen Strapazen so bequem wie möglich. Ich war mir durchaus bewusst, dass er das alles für mich tat, also hatte ich mir geschworen, ihn nur dann arbeiten zu lassen, wenn er es genauso bequem hatte wie zu Hause.

Nortons Flugreisen waren immer etwas bequemer als üblich, denn mittlerweile hatte sich die Sache in Flugbegleiterkreisen herumgesprochen. Er wurde häufig erkannt und als VIP behandelt. Während andere Haustiere in der Regel in ihrem Transportbehältnis unter den Sitz gestopft wurden, durfte Norton meistens auf meinem Schoß oder auf dem Platz neben mir sitzen, falls dieser frei war. Meistens bekam er etwas zu essen, und immer wurde er betütert und beschmust. Der einzige Nachteil war, dass ich mir viele traurige – und lange – Geschichten von Stewardessen darüber anhören musste, wie sehr sie ihre eigene Katze vermissten. Das war es aber durchaus wert, und ich weiß, dass Norton meinen Stoizismus zu schätzen wusste.

Werbetermine in New York gestalteten sich meist unkompliziert, schließlich lebten wir dort. Einer von Nortons leichtesten Auftritten war in einer Fernsehsendung mit dem Titel The Pet Department auf dem Kabelsender FX. Die Aufnahme ging glatt (Norton war mittlerweile ein ausgekochter TV-Profi; er schien genau zu wissen, wann er zuhören und ruhig bleiben musste und wann er mich mit seiner Niedlichkeit an die Wand spielen konnte). Das einzig Ungewöhnliche war der Ablaufplan, den mir der Redakteur vor dem Auftritt zufaxte. Auf dem Papier stand, wohin wir kommen mussten, wann wir da sein sollten, wie lange die Aufzeichnung dauern würde und an wen ich mich bei Ankunft wenden sollte. Und dann stand ganz unten: »MODERATOREN: Steve Walker & Jack der Hund.«

Und tatsächlich, als wir ins Studio kamen, kam ein Typ auf mich zu und sagte, sein Name sei Steve und er werde das Interview führen. Und an seiner Seite kam ein ziemlich großer Hund auf Norton zu, schnupperte herum und setzte sich dann zu uns, als die Kameras angingen und wir für das Publikum im ganzen Land plauderten. Ich muss zugeben, ich wartete jede Sekunde darauf, dass Jack der Hund Norton nach den Freuden des Hundeauslaufes im Washington Square Park fragte, aber beide Tiere blieben still und überließen das Reden den Menschen.

In dieser Zeit bekam ich eine Menge ähnlicher Ablaufpläne. Auf fast allen stand ganz am Schluss: »Ihre Betreuerin ist Frau Sowieso. Sie holt Sie am Flughafen ab und hat eine Zweieinhalb-Kilo-Tüte Katzenstreu im Wagen.« Nicht gerade das Programm mit Stretchlimousine und Dom-Pérignon-Champagner, aber mir war es recht.

Auch in Milwaukee waren die Anweisungen des Redakteurs ganz typisch für unsere Auftritte. Es ging um eine Radiosendung, die von Marilyn Mee moderiert wurde. Auf dem Blatt stand: »Marilyn ist ein GROSSER Fan. Sie möchte im Studio gern viele Fotos von Norton machen. Sie hat selbst darum gebeten, ein Interview mit Norton Gethers führen zu dürfen.«

Besser lässt sich mein Leben als Katzenmensch nicht zusammenfassen, das können Sie mir glauben.

Bei der Signierstunde in Milwaukee gab es noch einen Wettbewerb für Norton-Doppelgänger. Zum Glück für alle Beteiligten wurde dieser Wettbewerb nicht live ausgetragen, während wir dort waren; die Katzenbesitzer hatten Fotos eingereicht, und Norton und ich sollten den Sieger ermitteln. Der glückliche Doppelgänger gewann einen Geschenkgutschein für die Buchhandlung und eine Dose Katzenfutter.

Bei allen Signierstunden gab es nach meiner Lesung immer eine Fragestunde. Meist wusste ich vorher, welche Fragen gestellt würden. Immer gab es jemanden, der mehr über die Situation mit den transportablen Katzenklos wissen wollte. In der Regel fragte jemand nach Nortons Grunddaten: wie alt er war, wie viel er wog etc. Hin und wieder machte mir jemand Vorwürfe, weil ich Norton allein die Dächer von Paris erkunden ließ, und behauptete, dass ich sein Leben gefährdete. Und es gab, so sicher wie das Amen in der Kirche, einen Menschen, der aufstand, eine sehr lange Geschichte über seine/ihre Katze erzählte und sich dann wieder setzte, ohne überhaupt etwas gefragt zu haben. Und dann …

Tjaaa … dann gab es immer ein paar Sonderlinge.

In Seattle fragte jemand nach Nortons genauen Maßen. Ich meine, es ging um die Ärmellänge. Ich musste zugeben, dass das zu den wenigen Dingen gehörte, die ich nicht von meiner Katze wusste, aber ich nehme an, sie konnte ihn persönlich ausreichend in Augenschein nehmen, denn ein paar Wochen später fand ich einen handgestrickten Mantel in der Post. Größe extra-extra-extra klein.

In Boca Raton fragte eine Frau, ob ich Nortons Geburtsdatum und genaue Geburtszeit wüsste. Das wusste ich tatsächlich (na ja, nicht ganz genau, aber einigermaßen), aber ich wollte wissen, warum sie das fragte, bevor ich antwortete. Sie gab schließlich zu, dass sie Nortons Horoskop stellen und ihm als Geschenk schicken wollte. So behutsam wie möglich brachte ich ihr bei, dass Norton nicht an Astrologie glaubte und sie sich die Mühe sparen könne. Es hätte mir nichts ausgemacht, wenn sie versucht hätte, ihm die Tarotkarten zu legen, aber ich beschloss, das Thema nicht anzusprechen.

In San Francisco rief der amerikanische Tierschutzverein SPCA einen alljährlichen »Norton Award« ins Leben, der für Verdienste um die Verbesserung der Lebensverhältnisse von Tieren verliehen wurde. Ich bin immer noch nicht hundertprozentig sicher, ob der Preis an Tiere oder an Menschen gehen soll, aber wir beschlossen, nicht zu fragen und einfach nur bescheiden und dankbar zu sein, als der SPCA die Verdiensturkunde der einzigen Schottischen Faltohrkatze überreichte, die bei der Zeremonie zugegen war.

Aus irgendeinem Grund war Norton in Ohio besonders beliebt, also besuchten wir dort mehrere Städte – Dayton, Columbus und Cincinnati. Eine Gruppe von Buchhändlern ging mit ihm zur Feier des Tages in einen großartigen Pub in der Altstadt von Cincinnati. In Columbus, wo es unglaublich viele gute Buchhandlungen gibt, führte uns die Betreuerin von einem Laden zum nächsten, damit das Personal die berühmte Katze kennenlernen konnte. Wir waren gerade auf dem Weg zum Wagen der Betreuerin im Parkhaus eines Einkaufszentrums, als zwei ältere Frauen Norton in seiner Schultertasche hocken sahen. Eine Frau rannte – na ja, rennen ist vielleicht übertrieben, sagen wir schlich – auf ihn zu. Sie begann, seinen Kopf zu streicheln und fragte mich, ob er eine Scottish Fold sei. Als ich sagte, das sei er, wurde sie extrem aufgeregt und sagte zu ihrer Freundin: »Erinnerst du dich an dieses Buch, von dem ich dir erzählt habe? Also, dies ist genau so eine Katze wie in Klappohrkatze.« Dann wandte sie sich mir zu und sagte: »Er sieht genauso aus wie die Katze in Klappohrkatze.« Mich überlief ein wohliger Schauer, als wäre jemand auf mich zugekommen und hätte gefragt, wie man zur Carnegie Hall kommt. Ich musste lächeln und sagte zu ihr: »Also, genau genommen sieht er nicht aus wie die Klappohrkatze. Er ist die Klappohrkatze.« Sie kreischte und zog dann die Hand von seinem Kopf weg, als sei sie nun zu ehrfürchtig, um ihn anzufassen.

In Norfolk, Virginia, hatte sich eine Buchhändlerin einen guten Trick einfallen lassen, um die Verkaufszahlen zu steigern und ihre besten Kunden bei der Stange zu halten. Wer in den letzten sechs Monaten die meisten Bücher gekauft hatte, bekam irgendeine spezielle Belohnung oder ein Geschenk. Ihr Geschenk für dieses spezielle Halbjahr war ein Dinner mit Norton. Als sie uns also am Flughafen abholte, checkten wir im Hotel ein, stellten das Katzenklo für die Nacht auf und wurden dann direkt wieder hinaus und ins beste Restaurant der Stadt gebracht. Dort speisten wir mit vier ihrer besten Kunden. Der einzige Nachteil war, dass jeder Kunde sich Norton ganz persönlich widmen wollte. Was bedeutete, dass wir etwa alle zwanzig Minuten um den Tisch herum aufrücken mussten, damit jeder mal neben ihm sitzen konnte. Ich hatte eine Tante, SaraLee, die mit ihrem neuen Ehemann Micky in Norfolk lebte. Ich hatte gefragt, ob man sie zu dem Essen einladen könnte, und die Buchhändlerin war so großzügig, sie mit einzuladen. SaraLee kannte meinen Kater noch nicht und konnte es kaum glauben, für welche Aufregung er am Tisch sorgte. Zu Anfang bekundete sie, es sei nicht nötig, dass sie aufrückte, um neben Norton zu speisen, denn eigentlich sei sie doch da, um ihren geliebten Neffen zu besuchen. Nachdem sie jedoch eine Stunde lang den ekstatischen Ausdruck auf allen Gesichtern gesehen hatte, sah sie mich, als die Reihe an ihr war, entschuldigend an und sagte: »Ich glaube, das kann ich mir nicht entgehen lassen.« Als wir uns nach dem Essen voneinander verabschiedeten, fragte sie: »Passiert dir das ständig?« Als ich das bejahte, schüttelte sie verwundert den Kopf. Aber zumindest hatte sie doch noch begriffen, was die ganze Aufregung sollte.

Los Angeles war für Norton immer ein Vergnügen. Das Hotel Four Seasons wurde für ihn zum zweiten Zuhause. Wann immer wir dort vorfuhren, schnappten sich die Jungs das Gepäck und sagten: »Schön, dass du wieder da bist, Norton.« Hineinzugehen war ein bisschen so, wie ich es mir immer am Hof Ludwigs XIV. vorgestellt habe. Zwar streute man Norton nicht gerade Blumen auf den Weg, aber alle, vom Concierge über die Pagen bis zum Personal am Empfang, begrüßten ihn mit Namen und hießen ihn herzlich willkommen. Er durfte sogar den Pool im dritten Stock des Hotels benutzen (na ja, sagen wir, er benutzte den Poolbereich; Schwimmen gehörte nicht zu den Lieblingssportarten meiner Katze). Unter den Top Ten meiner Lieblingsbilder von Norton rangiert das, wie er draußen am Pool sitzt und sich auf seinem eigenen Liegestuhl entspannt, während ein Kellner ihm ein kleines Schälchen Eiswasser serviert.

In Amerika essen zu gehen war immer ein wenig kompliziert. Für alle Tiere mit Ausnahme von Blindenhunden verstößt es gegen die Hygienevorschriften, sich in einem Restaurant aufzuhalten, deshalb muss der Wirt in der Regel eine Spezialgenehmigung erteilen (wie in Norfolk) und bereit sein, den Zorn von Lebensmittelkontrolleuren auf sich zu ziehen, die vielleicht gerade vorbeischauen. In L.A. war Norton im bekanntesten Restaurant der Stadt, dem Spago, stets willkommen. Der Inhaber, Wolfgang Puck, war ein Freund von mir (und meine Mutter schreibt seine Kochbücher; es ist keine Frage, dass sie mich noch lieber mögen würde, als sie es ohnehin schon tut, wenn ich mit einem Hauch von österreichischem Akzent sprechen und Täubchen so gut zubereiten würde wie er. Wenn ich es mir recht überlege, würde Janis mich ebenfalls sehr viel lieber mögen, wenn ich irgendetwas so gut zubereiten könnte wie Wolf). Außerdem ist Wolfs Frau, Barbara, der größte Tierfan überhaupt. Sie hält, was ja wohl Beweis genug ist, ein Lama hinterm Haus und dazu das übliche Sortiment von Hunden und Katzen und Gott weiß was sonst noch. Als Klappohrkatze herauskam, feierten wir das im Spago, und Wolf machte Norton seine höchstpersönliche Spezialpizza, belegt mit Katzenpralinchen. Ich glaube, sie können es sich leisten, Norton in der Öffentlichkeit essen zu lassen, weil das Spago so angesagt ist – und die Tische dort so begehrt sind –, dass Wolf vermutlich mehr Macht hat als der Bürgermeister oder der Gouverneur. Ich meine, ich wäre höchst ungern ein Beamter, der versucht, an einem Samstagabend um acht einen Vierertisch zu ergattern, wenn genau ...

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