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Klänge von Freiheit

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Dieses Buch sei allen Menschen gewidmet, die sich auf den Weg gemacht haben, Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben zu erlangen.

Inhalt

Kapitel 1 Wie es dazu kam, dass ich dieses Buch schrieb

Kapitel 2 Flucht als Familientradition

Kapitel 3 Meine Kindheitsjahre

Kapitel 4 Unsere Wohnung

Kapitel 5 Fortschritt zog ein

Kapitel 6 Der erste Trabant

Kapitel 7 Der erste Familienurlaub

Kapitel 8 Westurlaub 1961

Kapitel 9 Der große Schock

Kapitel 10 Unangenehmer Besuch

Kapitel 11 Entdeckung einer Leidenschaft

Kapitel 12 Von der Sehnsucht groß zu werden

Kapitel 13 Erster Urlaub ohne Eltern

Kapitel 14 Das Leben ging weiter

Kapitel 15 Endlich 16 und wild aufs Leben

Kapitel 16 Das Drama der Berufsentscheidung

Kapitel 17 Meine erste Band

Kapitel 18 Meine Lehre in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)

Kapitel 19 Meine neue Band

Kapitel 20 Das öde Internatsleben

Kapitel 21 Der alles entscheidende Beschluss

Kapitel 22 Die Operation Freiheit begann

Kapitel 23 Der Weg ins Ungewisse

Kapitel 24 Das neue Leben begann in Gießen

Kapitel 25 Gelungene Überraschung

Kapitel 26 Auf ins nächste Abenteuer

Kapitel 27 Neues Spiel, neues Glück

Kapitel 28 Schlussgedanken

Zum Coverbild

Bemerkung zum Personenschutz

Wie es dazu kam, dass ich dieses Buch schrieb

Mitte Juli 2016 sitze ich hier bei strahlendem Sonnenschein auf einer Parkbank an der Strandpromenade in Binz auf Rügen und schaue entspannt aufs Meer. Unter den Bäumen ist es angenehm schattig und ich zupfe auf meiner Westerngitarre herum, nur für mich selbst, denn mir ist gerade eine Passage für einen neuen Song eingefallen, nun versuche ich daraus ein Stück zu komponieren. Diese Klangphrasen bedeuten für mich Klänge von Freiheit. Hier auf der Parkbank mache ich gerade Pause, denn ich bin nicht nur zur Erholung hier, sondern arbeite ca. 5 Stunden täglich als Straßenmusiker. Es war reine Neugier, wollte einfach mal wissen, wie es sich anfühlt, Straßenmusiker zu sein, außerdem wollte ich testen, ob ich meine CD mit eigenen Songs nebenbei noch verkaufen kann.

Der Ort hier ist mir aus Kindheitstagen noch gut bekannt, denn 1967 war ich bereits mit meinen Eltern und Geschwistern hier in der Nähe auf einem Campingplatz um Urlaub zu machen. Ja, es ist meine alte Heimat und es hat sich hier sehr viel verändert. Die alten Prachtvillen aus der Kaiserzeit erstrahlen im neuen Glanz. Noch zu DDR-Zeiten waren das fast alles ziemlich heruntergekommene, aber dennoch sehr begehrte Ferienunterkünfte von ausgewählten DDR-Betrieben. Auch die Campingplätze waren damals sehr gefragt und mussten mindestens ein Jahr im Voraus bestellt werden. Mit viel Glück, oder auch mit guten Beziehungen hatte auch ein Normalbürger die Chance, einen solchen Platz zu bekommen.

1971 ist mir die Flucht in die BRD geglückt. Damals war ich 18 Jahre alt und noch in der Ausbildung.

Betonfacharbeiter mit Abitur, für mich war das eine Notentscheidung, da es eine Ausbildung zum KFZ-Designer, meinem Wunschberuf, nicht gab. Als Alternative konnte ich mir dann nur noch Rockmusiker vorstellen, was mir meine Eltern jedoch nach heftigen Diskussionen erfolgreich ausredeten.

Inzwischen sind nun mehr als 40 Jahre vergangen und ich gehe langsam auf die Rente zu. Die letzten 25 Jahre war ich als Kunst-und Werklehrer an einer Privatschule in der Nähe von Hannover tätig. Obwohl ich ja was anderes wollte, hatte es sich so ergeben und ich konnte diesen Job aufgrund meiner Fähigkeiten recht locker bewältigen.

Mit 16 fing ich an Gitarre zu spielen und hatte immer vor, diese Leidenschaft vielleicht zum Beruf zu machen. Die Dinge kamen jedoch anders und oft hatte ich das Gefühl, dass da einer von oben eingriff und sagte: „Mein Junge, du wirst was anderes machen müssen.“ Mehrere Versuche ins Musik-Profilager zu wechseln , klappten nicht so richtig. Inzwischen mache ich nun schon 48 Jahre nebenberuflich Musik und das in den unterschiedlichsten Sparten und Formationen. An meiner Liebe zur Musik ist letztlich auch meine Ehe nach über 20 Jahren zerbrochen.

Unsere beiden Söhne sind inzwischen erwachsen und werden das Haus bald verlassen. Auch mein Auszug steht bevor und ich werde nochmal neu starten müssen. Bei diesen Gedanken habe ich oft die Fantasie, dass ich in einem Raumschiff sitze und unaufhaltsam auf ein großes schwarzes Loch zusteuere, hinein in die absolute Freiheit, frei von Kindern, frei von Ehefrau, frei von Arbeit. Hier hilft nur Gottvertrauen und das Vertrauen, dass irgendwann am Tag X eine helfende Hand erscheint und mich führt oder mir einen Weg weist. Angst habe ich keine, aber eine gewisse Spannung verursacht es schon, außerdem macht mich dieser Umstand eher wach als schläfrig. Diese Raumschiff-Fantasien hatte ich zum ersten Mal an meinem 60. Geburtstag. Mir war klar, dass ich bald eine große Richtungsänderung in meinem Leben einschlagen muss, um nicht ins „Nichts“ zu fallen beim Renteneintritt. So beschloss ich auf meinem 60.Geburtstag alle Kräfte zu bündeln und wollte nochmal den Sprung ins Musik-Profigeschäft wagen. Fit und energiegeladen genug fühlte ich mich, um noch 10 - 15 Jahre mitzumischen. So ging ich diesen Impulsen nach und fing wieder an Songs zu schreiben. Nach einem Jahr hatte ich über 20 Stücke zusammen und wählte 12 Stücke für eine CD aus.

Lockere Rockmusik mit deutschen Texten, zum Teil humorvoll und nicht immer ganz ernst zu nehmen, das war mein Ding. Mit ein paar befreundeten Gast- und Profimusikern habe ich die CD dann letztlich eingespielt. Die letzten 25 Jahre spielte ich nebenberuflich immer in einer Cover-Rockband und hatte vor, das eigene Projekt mit unserer Rockformation irgendwie zu verschmelzen.

Es erwies sich jedoch schwieriger als gedacht, Jobs für dieses Projekt ran zu holen. Auch fehlte mir im Bereich Marketing und soziale Netzwerke das nötige Know-how. Letztlich startete die Rockrakete nicht so, wie ich mir das gewünscht und erträumt hatte. Dem großen schwarzen Loch, dem ich mit meinem CD Projekt entfliehen wollte, komme ich nun unaufhaltsam näher.

In solchen Situationen kann vielleicht eine Auszeit ganz hilfreich sein und so beschloss ich , drei Wochen als Straßenmusiker an die Ostsee zu fahren. Eine Woche Rostock-Warnemünde, eine Woche Rügen und eine Woche Usedom. Für dieses Vorhaben hatte ich mir eine kleine batteriebetriebene Gesangsanlage besorgt. Diese Investition hätte ich mir jedoch sparen können, denn nirgendwo an der Ostsee ist es erlaubt, Straßenmusik mit Verstärker auszuüben. So blieb mir nichts weiter übrig, als „unverstärkt“ gegen den Geräuschpegel der Innenstädte und Touristenmeilen anzusingen. Mich mitten in die Fußgängerzone zu stellen und laut los zu singen, kostete anfangs einige Überwindung. Auf einer Bühne zu stehen, das war ich ja bisher gewohnt, ist da viel einfacher. Dort hat man seinen festen Rahmen und man wiegt sich in der Sicherheit, dass die Musik gewünscht ist und erwartet wird. Hier auf der Straße musst du um jeden Zuschauer kämpfen und bist froh, wenn er mal 5 oder 10 Minuten stehen bleibt. Das ist sicherlich nicht befriedigend und auch nicht der Traum eines jeden Musikers. Es ist aber ein gutes Training und daher eine gute Schule.

Schon am zweiten Tag machte ich die Bekanntschaft mitdem Ordnungsamt, denn die wiesen mich darauf hin, dass ich keinerlei Preisangaben für meine CDs machen darf, es sei denn, ich kann eine Gewerbeanmeldung vorweisen. Die CDs durfte ich nun nur noch gegen eine freiwillige Spende vergeben. Die Spenden gingen jedoch nie über 4 Euro hinaus, somit habe ich die CDs letztlich verschenkt, denn der Herstellungspreis lag über 5 Euro. Aller 30 Minuten müssen Straßenmusiker sich auch einen neuen Platz suchen, so besagen es die Vorschriften.

Schon nach wenigen Tagen bekam ich ein recht gutes Gefühl dafür und konnte die Leute einschätzen, wer was gibt, wer nichts und welche Stücke ich spielen sollte , wenn ich sah, dass sich ganz bestimmte Leute näherten. Da sich auch noch mehrere Straßenmusiker aus Osteuropa an den Touristenmeilen tummelten, konnte ich es nicht vermeiden, von vielen Touristen als eine Art Zigeuner angesehen zu werden. Mehrmals passierte es mir, dass mir eine ältere Oma einen Euro in den Hut legte, sicherlich aber nicht, weil ihr die Musik so gut gefiel, nein, sie tat es aus Mitleid heraus, weil sie wohl glaubte, ich sei ein obdachloser Rumäne, der um sein Überleben bettelt.

Diejenigen Menschen, denen man es äußerlich schon ansah, dass da Geld im Überfluss zu sein schien, sahen nicht die geringste Veranlassung, mal einen Euro in den Hut zu legen. Auch der typische Durchschnittsurlauber aus meiner alten Heimat hat für solcherlei Touristenbelustigung kaum eine Antenne und nahm von meiner Anwesenheit nur sehr selten Notiz. Viele Urlauber erlebte ich voll im Urlaubsstress, beschäftigt mit dem Verzehr von Bratwurst oder Eis auf dem Weg zum nächsten Shop oder ins Kaufhaus, sodass man sich als Straßenmusiker schon einiges einfallen lassen muss, um die vorbeiziehenden Promenaden-Bummler dazu zu bewegen, mal den Kopf um 90 Grad zu drehen , geschweige denn, mal eine Minute stehen zu bleiben. 2 ältere Straßenmusiker mit Klarinette und Gitarre wussten genau wie in dieser Branche Geld zu verdienen ist. Sie waren stilecht als Clowns verkleidet und spielten klassische Zirkusmusik. Die verdienten nicht schlecht, besonders bei den Kindern kamen sie gut an und da gibt Mama seinem 3-jährigen Sprössling auch gerne mal 2 Euro in die Hand, um sich darüber freuen zu können, wie der Kleine die Münze in den Hut wirft. Selbst bei mir, als nicht verkleideten Folk- und Bluesmusiker waren stets die Kinder zwischen 3 und 6 die besten Kunden.

Oft stellte ich mich auch in unmittelbarer Nähe einer Straßenkneipe oder einer Eisdiele hin, sodass die Gäste mal die Gelegenheit hatten, 30 Minuten meines Programms zu hören. Unter solchen Umständen wurde ich auch die meisten CDs los, da die Leute hier im Relax-Modus waren und auch mal zuhörten. Das Leben ist nicht immer ganz gerecht, so dachte ich, als ich eine junge Straßenmusikerin in Binz auf einer Parkbank sah. Offensichtlich war es eine Schülerin, hübsch anzusehen, gesungen hat sie aber nicht, sie schien blutige Anfängerin auf der Gitarre zu sein, denn sie spielte 30 Minuten lang immer nur die gleichen 3 Akkorde im Wechsel, ob das ein Lied sein sollte, war mir nicht klar. Sie verdiente mehr als ich mit Gesang und über 40 Jahren Erfahrung auf der Gitarre. Schön für sie und ich gönnte es ihr, die Gesetze der Straßenmusik sind eben ganz eigene. Schöne Musik ist vollkommen unwichtig, die Hilfsbedürftigkeit einer jungen Schülerin war hier wohl das entscheidende Motiv für eine Spende. Es wäre absolut nicht nötig gewesen, dass ich mir eine Stunde Programm eingeübt hatte, das wurde in keinster Weise honoriert. Als Elvis Presley hätte ich mich verkleiden müssen, mit Perücke, weißem Glitzeranzug und weißer Gitarre, dann als erstarrte Standfigur auf einem Podest stehend und ein Mal in der Minute eine kleine rhythmische Zuckung. Das hätte genügt, ansonsten nur zuschauen, wie der Hut sich langsam füllt. Von diesen erstarrten Standbildern gab es deutlich mehr, als Musiker.

Das Handy-Zeitalter hat die Menschen verändert und die Chance, ein originelles Foto schießen zu können, veranlasst die Menschen eher dazu einen Euro zu opfern, als ihn einem Musikzigeuner vor die Füße zu werfen. Auf dem Vorplatz der Seebrücke von Binz gab jeden Abend zwischen 18 und 20 Uhr der „Ulf Binz“ ,so sein Künstlername, eine Vorstellung seiner Straßenkunst. Er sang mit Verstärker, sodass er auch die Menschen in 20 bis 30 Metern Entfernung noch erreichen konnte. Er bot ein lockeres Unterhaltungsprogramm für alle Generationen an,in erster Linie jedoch Piratenlieder für Kinder, denn auch er wusste, dass Kinder die besten Kunden sind. So gelang es ihm, ca. 40 - 50 Urlauber um sich herum zu versammeln. Genau so hatte ich mir das eigentlich auch für mich vorgestellt und ein entsprechendes Programm vorbereitet.

Nach seiner Show fragte ich ihn, wie er denn zu der Genehmigung gekommen sei, mit Verstärker spielen zu dürfen. Er sagte mir, dass er vor 25 Jahren eine Genehmigung vom Ordnungsamt erhalten habe und da er seit dieser Zeit jedes Jahr hier war, ist daraus eine Dauergenehmigung erwachsen. Ohne ihn abwerten zu wollen, ist er der einzige geduldete Stadtkasper von Binz.

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