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Kinderkrankheiten

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Ein Wort zuvor

In der Praxis stellen wir immer wieder fest, dass Eltern verunsichert sind, wenn es um das gesundheitliche Wohl ihrer Kinder geht: Woran erkennen sie, ob und wie schwer ihr Kind erkrankt ist, und wie können sie ihm helfen und seine Schmerzen lindern? Damit Eltern nicht ratlos – oft mitten in der Nacht – am Bett ihres kranken Kindes stehen müssen, haben wir dieses Buch geschrieben. Alle, denen ein Kind anvertraut ist, brauchen ausreichende Informationen, um eine Krankheit richtig einschätzen zu können, um entscheiden zu können, ob der Arzt sofort aufgesucht werden muss oder ob es reicht, mit Hausmitteln die ersten Krankheitstage zu überstehen.

In diesem Buch sind die wichtigsten und häufigsten Krankheiten beschrieben, an denen Ihr Kind erkranken kann. Die Behandlungsvorschläge entsprechen dem heutigen Stand der Medizin und basieren auf aktuellen Forschungsergebnissen. Sie sind erweitert durch bewährte Hausmittel sowie homöopathische und andere naturheilkundliche Therapieempfehlungen. Diese Selbsthilfemaßnahmen sind in erster Linie für die Behandlung von leichten Erkrankungen – wie zum Beispiel Schnupfen – gedacht. Neben den Erfolgen der modernen Medizin reichen bei banalen Alltagsleiden, an denen Kinder fast regelmäßig erkranken, Hausmittel oft aus und ersparen »schwere Geschütze«. Zudem sind unerwünschte Nebenwirkungen seltener zu befürchten. Und welches kranke Kind liebt es nicht, wenn sich Mutter oder Vater ausgiebig mit ihm beschäftigen, ihm einen Wickel auf den schmerzenden Bauch legen oder einen duftenden Kräutertee Löffel für Löffel geben?

Dieses Buch soll auf keinen Fall dazu verleiten, auf ärztlichen Rat zu verzichten. Wenn sich der Zustand Ihres Kindes durch Hausmittel und andere Selbsthilfemaßnahmen nicht innerhalb kurzer Zeit bessert, müssen Sie – lieber einmal zu früh als zu spät – den Arzt aufsuchen, zu dem Sie und Ihr Kind Vertrauen haben.

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Dr. med. Helmut Keudel

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Dr. med. Barbara Capelle

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Wenn Kinder erkranken

In diesem Kapitel erfahren Sie, was Sie alles für Ihr krankes Kind tun können: wie Sie es pflegen sollten, wie Sie am besten mit dem Arzt zusammenarbeiten und wie Sie Ihr Kind auf einen notwendigen Krankenhausaufenthalt vorbereiten. Außerdem: Tipps für einen gesunden Urlaub.

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Ein krankes Kind braucht gute Pflege

Von Krankheit bleibt kein Kind verschont

Während der Schwangerschaft und Stillzeit gibt die Mutter ihrem Kind Teile ihrer Gesundheit weiter: Diese Abwehrkräfte, Antikörper genannt, hat der mütterliche Körper zum Teil als Reaktion auf selbst durchgemachte Krankheiten aufgebaut. Sie gelangen über die Plazenta und über die Muttermilch in den Körper des Kindes und schützen es gegen diese durchgemachten Krankheiten.

Dieser »Nestschutz« bleibt leider nur einige Monate lang erhalten. Dann muss das Kind anfangen, sein eigenes Abwehrsystem, das heißt eigene Antikörper, aufzubauen. Ab etwa einem halben Jahr beginnen Babys ihre Umwelt verstärkt zu erforschen und zu begreifen und treffen dabei natürlich auch auf Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Da ihr Immunsystem noch ungenügend trainiert ist, sind Babys und Kleinkinder häufiger krank als größere Kinder oder Erwachsene: Jeder Kontakt mit Krankheitserregern führt zur Bildung von Antikörpern, die entweder lebenslang, wie bei Masern und Mumps, oder zumindest eine Weile, wie bei Erkältungen, vor einer neuen Infektion mit dem gleichen Erreger schützen.

Statistisch gesehen macht jedes Kind in seinen ersten sechs Lebensjahren Bekanntschaft mit 200 bis 300 verschiedenen Viren und Bakterien, die Infekte oder Kinderkrankheiten auslösen können. Im Kindergartenalter rechnet man mit rund zwölf Infekten pro Jahr, Schulkinder erkranken etwa sechs- bis achtmal und Jugendliche fünfmal im Jahr. Hochsaison für virale Erkältungen ist die kalte Jahreszeit.

Viren lauern überall: Es nützt nichts, Kinder aus Angst vor Ansteckung aus dem Kindergarten zu nehmen. Schützen können Sie Ihr Kind nur durch Stillen (>), Stärkung seiner Körperabwehr (>) und Impfungen (>).

SO FÜHLT SICH EIN KRANKES KIND

Erwachsene wissen, dass der Schnupfen, der sie plagt, vorübergeht. Kinder hingegen empfinden Krankheiten als einen bedrohlichen Einschnitt in ihr Leben, vor allem, wenn sie jünger sind. Sie verstehen nicht, warum sie Schmerzen haben und warum die Mutter ihnen bittere Medizin einflößt oder ihre Waden mit feuchtkalten Tüchern umwickelt. Arztbesuche und vielleicht sogar ein Krankenhausaufenthalt können sie noch mehr verängstigen.

Kinder fallen in Krankheitszeiten oft eine Entwicklungsstufe zurück: Sie betteln wieder nach der Flasche oder machen, wenn sie bereits sauber waren, wieder in die Hose. Solche Rückschritte sollten Sie nicht beunruhigen – nach der Genesung kommt bald alles wieder ins Lot.

Liebe ist die beste Medizin

Ist ein Kind krank, braucht es noch mehr Liebe und Zuwendung als in gesunden Tagen. Es braucht aber auch sachgerechte Hilfe und Pflege, um wieder gesund zu werden. Deshalb ist der wichtigste Grundsatz beim Betreuen von kranken Kindern: Mitgefühl ja, aber nicht mitleiden, um kühlen Kopf zu bewahren und effektiv zu handeln. Seien Sie nicht überängstlich. Wenn Sie Zuversicht ausstrahlen, überträgt sich dies auch auf Ihr krankes Kind.

Verwöhnen Sie Ihr krankes Kind ruhig mehr als sonst – aber nicht maßlos. Sonst gewöhnt sich Ihr Kind daran – und möchte gar nicht wieder gesund werden.

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Kranke Kinder – berufstätige Eltern

Jeder berufstätigen Mutter und jedem berufstätigen Vater stehen laut Gesetzgeber pro Jahr und Kind zehn Arbeitstage für die Pflege ihres kranken Kindes zu, pro Elternteil für alle Kinder nicht mehr als 25 Arbeitstage. Alleinerziehende bekommen pro Kind und Jahr 20 Tage frei, bei mehreren Kindern aber insgesamt nicht mehr als 50 Tage. Wenn der Arbeitgeber diese Tage nicht bezahlt, können gesetzlich Versicherte unter bestimmten Voraussetzungen Krankenpflegegeld beantragen.

Die Selbstbehandlung und ihre Grenzen

Eltern merken meist ganz genau, wenn ihr Kind eine Krankheit ausbrütet, und erkennen die Frühzeichen. Babys schreien mehr als sonst oder trinken schlechter, ältere Kinder sind weinerlich, haben keine Lust zu spielen oder legen sich zu ungewöhnlichen Zeiten bereitwillig ins Bett.

Ab etwa drei Jahren kann ein Kind mitteilen, dass es sich nicht wohl fühlt – aber Schmerzen kann es noch schlecht lokalisieren. Meist tut der Bauch weh, auch wenn der Schmerz im Knie sitzt, Hals schmerzen werden als Ohrenschmerzen empfunden. Fieber und Erbrechen sind Symptome für die unterschiedlichsten Krankheiten. Zu erkennen, was einem Kind fehlt, ist manchmal sehr schwierig. Eltern sollten deshalb bei Unsicherheit immer den Arzt aufsuchen.

IMGWICHTIG

Bei diesen Symptomen müssen Sie sofort zum Arzt

Fieber:

  • Fieber über 39 °C, beim Säugling über 38,5 °C
  • Fieber mit Krampfanfällen
  • Fieber, wenn schon früher Krampfanfälle aufgetreten sind
  • Fieber mit Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Nackensteife, Benommenheit
  • Fieber unter 38,5 °C, das ohne Besserungstendenz länger als drei Tage anhält
  • Fieber, das ständig wiederkehrt

Bauchweh, Erbrechen, Durchfall (mit und ohne Fieber):

  • Baby: Erbrechen oder Durchfall seit über sechs Stunden
  • Kindergartenkind: Erbrechen oder Durchfall seit über zwölf Stunden
  • Schulkind: Erbrechen oder Durchfall seit über 18 Stunden
  • Erbrechen mit Kopfschmerzen und/oder Schwindelanfällen
  • Erbrechen mit Bauchschmerzen, besonders im Unterleib
  • Erbrechen nach einem Unfall, bei dem möglicherweise der Kopf verletzt wurde
  • Durchfall mit Fieber und Unterleibsschmerzen

Husten:

  • Husten mit Fieber
  • Husten, der länger als eine Woche anhält, ohne besser zu werden und ohne dass das Kind erkältet ist
  • Plötzlich auftretender, heftiger Husten, der nicht besser wird
  • Husten mit Atemnot, vor allem, wenn das Kind nachts davon aufwacht

Generell sollten Sie bei allen Krankheitssymptomen, die Sie sich nicht erklären können oder die sich innerhalb von zwei bis drei Tagen durch Ihre Selbsthilfemaßnahmen nicht bessern, den Arzt aufsuchen.

KEINE PANIK – ERST GENAU BEOBACHTEN

Allerdings muss nicht jedes Wehwehchen vom Arzt behandelt werden. Oberstes Gebot bei jeder Erkrankung Ihres Kindes: Ruhe bewahren, genau beobachten und dann entscheiden, was zu tun ist. Diese Verantwortung müssen Sie übernehmen. Ein aufgeschürftes Knie oder eine Prellung können Sie selbst behandeln, während bei starken Blutungen und Bewusstlosigkeit sofort fachmännisch erste Hilfe geleistet werden muss.

Hat sich Ihr Kind erkältet, können Sie – wenn es nicht fiebert – mit Hausmitteln die nächsten Tage überbrücken. Bei Fieber, Durchfall und Erbrechen wägen Sie nach Alter des Kindes und Schwere der Krankheitssymptome ab, ob Sie selbst helfen oder den Arzt aufsuchen. Beim Säugling kann unstillbares Erbrechen innerhalb von Stunden zum Tod führen, während es bei einem Schulkind reicht, einen durch zu viel Eiscreme verdorbenen Magen mit Diät zu behandeln.

WAS SIE DEM ARZT MITTEILEN SOLLTEN

Wenn Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen, sollten Sie auf folgende Fragen vorbereitet sein und sie möglichst genau beantworten:

  • Seit wann ist Ihr Kind krank? Ist es plötzlich erkrankt oder ging es ihm allmählich immer schlechter?
  • An welchen Symptomen (Krankheitszeichen) leidet Ihr Kind? Treten die Symptome zu ganz bestimmten Zeiten auf, kommen sie anfallsartig oder halten sie über mehrere Stunden an?
  • Wie fühlt sich Ihr Kind? Hat es Schmerzen und wenn ja, wie äußern sie sich?
  • Hat es Fieber? Wenn ja, wie hoch und seit wann? Bitte immer die Temperatur messen!
  • Haben Sie bereits etwas zur Behandlung unternommen? Wenn ja, was, wann und wie oft?

Beim Kinderarzt

Bei vielen Kindern löst schon die Ankündigung »Wir gehen zum Arzt« Panik aus. Besorgnis und Ängste der Eltern, viel Aufhebens um den Arztbesuch und häufige Gespräche von Erwachsenen über schlimme Krankheiten signalisieren Kindern, dass ihnen etwas Unangenehmes bevorstehen kann. Damit der Besuch beim Kinderarzt nicht zum beängstigenden Erlebnis wird, sollten Sie versuchen, Ihre eigenen Befürchtungen abzubauen, ehrlich zu Ihrem Kind zu sein und es richtig darauf vorzubereiten.

SO BEREITEN SIE IHR KIND AUF DEN ARZTBESUCH VOR

Gehen Sie mit Ihrem Kind so selbstverständlich zum Arzt, wie Sie mit ihm zum Einkaufen gehen: Verzichten Sie darauf, es vorher »fein zu machen«. Versprechungen wie »Der tut dir nichts« führen dazu, dass Ihr Kind misstrauisch wird. Erklären Sie ihm, dass der Arzt ihm helfen will: Er wird es anfassen und untersuchen, es wiegen und messen und seine Ohren ausleuchten. Am besten üben Sie es zu Hause mit Ihrem Kind ein – fast alle Kinder spielen leidenschaftlich gern »Doktor«.

Damit der Besuch beim Kinderarzt möglichst reibungslos verläuft:

  • Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Arzt, um Wartezeiten zu verkürzen.
  • Schreiben Sie sich die Fragen, die Sie an den Arzt haben, zu Hause auf; oft werden sie sonst in der Aufregung vergessen.
  • Nehmen Sie alle Vorsorgetermine wahr. Da Ihr gesundes Kind untersucht wird und nicht wegen Schmerzen oder Krankheit zum Arzt muss, verkraftet es den Arztbesuch besser.
  • Trösten Sie Ihr Kind nicht während der Untersuchung, das sorgt nur für unnötige Verzögerungen. Der Trost hinterher ist viel wichtiger.
  • Wenn Ihr Kind alt genug ist, um dem Arzt Auskunft zu geben, lassen Sie es selbst dessen Fragen beantworten. So kann sich zwischen Ihrem Kind und dem Arzt ein Gespräch entwickeln, das Vertrauen schafft und Ängste abbaut.
  • Kann Ihr Kind sich alleine entkleiden, helfen Sie nur nach, wenn es absolut nötig ist. So erfährt der Arzt viel über den Entwicklungsstand Ihres Kindes.
  • Versprechen Sie Ihrem Kind keine Belohnung für gutes Verhalten. Fließen dann doch Tränen, vergrößert die Angst um die entgangene Belohnung das Leid noch mehr.

WANN IST EIN HAUSBESUCH NÖTIG?

Selbst fiebernde Kinder können mit dem Auto in die Praxis gebracht werden. Sie bekommen schneller ärztliche Hilfe, denn der Arzt kann Hausbesuche erst nach seiner Sprechstunde machen und kennt vielleicht nicht den schnellsten Weg zu Ihnen. Eventuell notwendige Untersuchungen – Blutprobe, Elektrokardiogramm, Ultraschall – können nur in der Praxis vorgenommen werden.

Über einen Hausbesuch sollten die Eltern mit dem Arzt gemeinsam entscheiden. Ein Hausbesuch ist angebracht, wenn ein Kind eine der äußerst ansteckenden Kinderkrankheiten durchmacht, beim Pseudokrupp-Anfall oder Fieberkrampf. Manchmal kann es auch darum gehen, einer Mutter mit mehreren kranken Kindern den Besuch in der Praxis zu ersparen. Nicht zuletzt ist ein Hausbesuch nötig, wenn die Eltern des Kindes miterkrankt sind und das Haus nicht verlassen können. Hausbesuche sind aber kein Kriterium für das Können des Arztes. In einer Notfallsituation ist jeder Arzt bereit, einen Hausbesuch zu machen.

SO NEHMEN SIE IHREM KIND DIE ANGST VOR DEM ARZT

  • Erlauben Sie Ihrem Kind, sein liebstes Schmusetier mit in die Praxis zu nehmen und es beim Untersuchen festzuhalten.
  • Ermuntern Sie es, sich beim Untersuchen die Position auszusuchen, die es am liebsten mag – meist auf dem Schoß der Mutter. Sie können sich dazu auf die Untersuchungsliege setzen. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder fürchten sich weniger, wenn die Mutter sie während der Untersuchung auf dem Arm hält.
  • Lassen Sie sich vom Arzt zeigen, wie Sie Ihr Kind richtig halten; dies erleichtert Ihrem Kind unangenehme Zwänge bei den Untersuchungen.
  • Ziehen Sie Ihr Kind nicht gleich ganz nackt aus, lassen Sie ihm die Unterhose an. Sträubt sich das Kind, machen Sie besser nur den Körperteil frei, der gerade untersucht werden soll.
  • Lassen Sie den Arzt Ihrem Kind ruhig ein Gummibärchen oder ein kleines Spielzeug zur Erinnerung schenken. Ansonsten sollte ein Arztbesuch nicht mit großen Geschenken oder Versprechen Ihrerseits honoriert werden.

Sanfte Medizin für Ihr Kind

Viele Eltern suchen heute Hilfe bei der so genannten alternativen Medizin – so werden die nicht der Lehrmeinung der Schulmedizin entsprechenden Heilverfahren genannt. Einige dieser »sanften« Methoden können gerade bei Kindern tatsächlich überraschende Besserungen erzielen. Vertrauen Sie Ihr Kind jedoch aus diagnostischen Gründen nur entsprechend zusätzlich ausgebildeten Ärzten und Kinderärzten an, denn die sanfte Medizin hat ihre Grenzen. Notfalls muss Ihr Kind doch schulmedizinisch behandelt werden.

HOMÖOPATHIE

Die Homöopathie wurde von dem Arzt Dr. Samuel Hahnemann entwickelt und folgt dem Grundsatz, Gleiches mit Gleichem zu behandeln: Substanzen, die beim Gesunden bestimmte Symptome hervorrufen, können in ganz geringer Dosis Krankheiten mit ähnlichen Symptomen heilen, indem sie die Selbstheilungskräfte mobilisieren. Die Substanzen werden dabei schrittweise verdünnt und verschüttelt (»potenziert«). Ziffer und Zahl hinter dem Wirkstoff geben über den Grad der Potenzierung Auskunft: Je höher die Zahl ist, umso öfter wurde die Substanz potenziert, und um so stärker wirkt das Medikament. Homöopathische Ärzte behandeln aber nie nur die Krankheitssymptome, sondern immer den ganzen Menschen mit seiner Konstitution und seinem Wesen. Die Kunst des erfahrenen homöopathischen Arztes besteht darin, das passende Medikament individuell für den Patienten und die entsprechende Erkrankung auszuwählen. Was allerdings oft zu Irritationen in der homöopathischen Therapie führt, ist die Erstverschlechterung der Krankheitssymptome. Diese führt aber recht schnell (nach ein bis zwei Tagen) zur Verbesserung des Krankheitsbildes.

Homöopathisch arbeitende Kinderärzte haben vor allem Erfolge bei Kindern, die an immer wiederkehrenden Infekten leiden – wenn diese nicht durch Bakterien verursacht wurden. Auch bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Milchschorf, bei wiederholten Erkrankungen der Atemwege, beim Magen-Darm-Katarrh, bei Blähungen und bei seelisch bedingten Kopf- und Bauchschmerzen haben sich Homöopathika bewährt.

Infektionen wie Scharlach, Krebserkrankungen und Hormonstörungen wie Diabetes mellitus (>) dürfen nicht homöopathisch behandelt werden.

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Homöopathie – richtig anwenden

Bei der homöopathischen Selbstbehandlung werden meist dreimal täglich fünf Globuli (Kügelchen) gegeben; diese Menge entspricht einer Tablette oder fünf Tropfen. Kindern gibt man bevorzugt Globuli oder Tabletten, da flüssige Zubereitungen Alkohol enthalten.

WEITERE ALTERNATIVE BEHANDLUNGSWEISEN

  • Die von Rudolf Steiner entwickelte Lehre der Anthroposophie ist eine umfassende Lebenseinstellung, die den ganzen Menschen mit Leib, Seele und Geist in das Naturgeschehen einbindet. Die homöopathisch aufbereiteten anthroposophischen Medikamente sollen die Selbstheilungskräfte anregen. Weitere Säulen der anthroposophischen Lehre sind spezielle biologisch-dynamische Diätvorschriften und die Heileurythmie. Auch für die Anthroposophie gilt: Gefährliche Krankheiten sollten schulmedizinisch behandelt werden.
  • Die von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler entwickelten Schüßler-Salze sind Mineralstoffe, die homöopathisch aufbereitet werden und den Mineralstoffhaushalt im Körper regulieren sollen. Auf diese Weise können sie die Selbstheilung beeinflussen.
  • Die Akupunktur, eine uralte chinesische Heilmethode, hilft besonders bei Schmerzzuständen wie Migräne, aber auch bei Schlaflosigkeit, Nasennebenhöhlenentzündungen und Heuschnupfen. Sie wird in einigen Kliniken bei Schmerzen und zur Betäubung bei Operationen eingesetzt, um den Einsatz von Betäubungsmitteln zu verringern.
  • Die vom englischen Arzt Dr. Edward Bach begründete Heilmethode orientiert sich am Gemütszustand des Patienten. Um das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen, werden 38 spezielle Blütenessenzen, die so genannten Bach-Blüten, eingesetzt, um die Psyche positiv zu beeinflussen.

So pflegen Sie Ihr krankes Kind zu Hause

Liebe, Zuwendung und eine sorgfältige Pflege in der vertrauten Umgebung lindern die Beschwerden Ihres kranken Kindes oft besser als alle ärztlich verordneten Medikamente. Verfallen Sie nicht in hektische Betriebsamkeit und seien Sie nicht zu ängstlich. Strahlen Sie Ihrem Kind gegenüber Zuversicht und Ruhe aus, damit es sich geborgen fühlt.

DAS KRANKENZIMMER

Kranke Säuglinge und Kleinkinder lassen Sie am besten in Ihrer Nähe, zum Beispiel im Kinderwagen. Sie können auch das Sofa im Wohnzimmer zum Krankenbett umfunktionieren. Vielen Kinder tut es gut, wenn sie tagsüber im elterlichen Bett liegen dürfen. Die Nacht verbringt Ihr Kind dann im eigenen Bett, oder ein Elternteil zieht mit ins Kinderzimmer um.

Zwingen Sie Ihr Kind nicht zur Bettruhe, lassen Sie es selbst entscheiden. Fühlt es sich richtig schlecht, bleibt es von selbst liegen und will schlafen oder dösen. Hat Ihr Kind Fieber und ist trotzdem munter, darf es aufstehen und spielen, wenn es möchte – solange es im Haus bleibt. Sorgen Sie jedoch dafür, dass Ihr Kind vor Zugluft geschützt ist und nicht friert. Nur wenn der Arzt ausdrücklich Bettruhe verordnet, müssen Sie sich daran halten.

Einem fiebernden Kind ist es eher zu heiß als zu kalt, daher sollte das Krankenzimmer nicht überhitzt sein: 18 °C tagsüber und 15 °C in der Nacht sind die optimalen Temperaturen. Wichtig ist frische Luft, sie regt den Kreislauf an und sorgt für guten Schlaf. Lüften Sie daher auf jeden Fall morgens und abends für mindestens zehn Minuten – auch im Winter. Im Sommer können Sie das Fenster offen lassen. Während gelüftet wird, achten Sie darauf, dass Ihr Kind gut zugedeckt ist und keine Zugluft bekommt, oder Sie nutzen dafür die Zeit, die das Kind im Badezimmer verbringt. Im Winter sollten Sie das Zimmer nur heizen, wenn sich Ihr krankes Kind ständig abdeckt.

Zu trockene Luft reizt die Schleimhäute Ihres kleinen Patienten. Aber Luftbefeuchter im Krankenzimmer können Bakterien durch die Luft schleudern. Besser sind immer wieder frisch angefeuchtete Tücher, die Sie über einen Wäscheständer hängen können.

Achten Sie auf besondere Sauberkeit im Krankenzimmer: Wischen Sie Möbel, Gegenstände und den Boden öfter feucht ab und säubern Sie Teppiche mit einem Staubsauger. Waschen Sie sich gründlich die Hände, bevor Sie sich Ihrem Kind zuwenden, und auch danach.

Mummeln Sie Ihr krankes Kind nicht wie für einen Winterspaziergang ein, vor allem nicht bei hohem Fieber. Will Ihr Kind aufstehen, ziehen Sie ihm einen Pullover über den Schlafanzug und warme Socken an die Füße.

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Genau beobachten

Hat Ihr Kind Fieber, messen Sie mindestens zweimal täglich die Temperatur (>). Führen Sie ein kleines Protokoll, in dem Sie Fieberverlauf und Veränderungen in Verhalten und Aussehen Ihres Kindes notieren. Informieren Sie den Arzt über Ihre Beobachtungen. Damit geben Sie ihm wichtige Anhaltspunkte für die nötige Behandlung.

 

IMGWICHTIG

Kann Ihr krankes Kind andere anstecken?

Die Inkubationszeit, das heißt, die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung, beträgt meist einige Tage bis wenige Wochen. Gegen Ende der Inkubationszeit – solange Ihr Kind noch völlig gesund erscheint – kann es bereits andere anstecken. Daher braucht Ihr Kind nicht aus dem Kinderzimmer auszuziehen, wenn es dieses mit Geschwistern teilt; dies verhütet die Ansteckung im Allgemeinen nicht mehr. Ob sich ein Kind ansteckt, hängt generell von seiner momentanen Abwehrkraft ab und davon, ob es die Krankheit selbst schon durchgemacht hat.

Tipps rund ums Krankenbett

  • Sorgen Sie dafür, dass das Bett immer trocken und sauber ist. Lieber einmal öfter die Bettwäsche wechseln, vor allem, wenn sie durchgeschwitzt ist oder Krümel vom Essen im Bett sind. Ihr Kind fühlt sich in frischer Bettwäsche einfach wohler.
  • Auch im Winter sollten Sie Ihr krankes Kind nicht unter Kissenbergen vergraben. Eine Daunen- oder Wolldecke genügt. Baumwolle oder Leinen eignet sich am besten für das Bettzeug: Es sollte bei mindestens 60 °C waschbar sein.
  • Wenn Ihr Kind erbricht, stellen Sie ihm einen Eimer mit etwas Wasser ans Bett, damit es nicht aufstehen muss.
  • Ist Ihr Kind schwer erkrankt, ersparen Sie ihm mit einem Nachttopf den Gang zur Toilette.

ESSEN UND TRINKEN

Kranke Kinder mögen oft nicht essen, besonders wenn sie Fieber haben. Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen – sein Kalorienbedarf ist ohnehin vermindert, da es sich weniger bewegt. Lassen Sie es wählen, zum Beispiel zwischen Reis, Nudeln oder Kartoffeln, und richten Sie die Mahlzeiten mit etwas Phantasie an. Fettarme und kohlenhydratreiche Kost – dazu gehören Brei aus Obst oder Gemüse, Kompott, Toastbrot mit Geflügelwurst oder frische Hühnerbrühe mit Reis – bekommt kranken Kindern am besten. Säuerliches Obst, zum Beispiel Äpfel, und Gebäck wie Zwieback, Knäckebrot und Salzstangen reinigen zusätzlich den Mund.

Fünf kleine Mahlzeiten am Tag sind besser als drei große. Dies gilt auch für kranke Säuglinge.

Will Ihr Kind gar nicht essen, können Sie mit leicht gesüßtem Tee oder ungezuckerten Fruchtsäften für Kalorien sorgen. Es ist wichtiger, dass Ihr krankes Kind genügend trinkt, als dass es isst. Bei Fieber verdunstet der Körper mehr Flüssigkeit und scheidet über die Haut vermehrt Mineralstoffe und Salze aus. Als Flüssigkeitsersatz besonders geeignet sind leichte Elektrolyttees (>), verdünnte Fruchtsäfte oder frische Hühnerbrühe, die Sie in einer Thermoskanne warm halten können. Bitte geben Sie Ihrem kranken Kind nichts Eiskaltes, sondern schonen Sie seinen Magen durch zimmerwarme Getränke.

Ist Ihr Kind älter als drei Jahre, stellen Sie ihm Getränke in erreichbare Nähe, zum Beispiel auf den Nachttisch. Stillen Sie Ihren Säugling öfter als sonst und bieten Sie Kleinkindern häufig die Teeflasche an.

Bei einigen Erkrankungen kann der Arzt eine besondere Diät verordnen. Verweigert Ihr Kind diese Diät, besprechen Sie Alternativen mit dem Arzt.

TÄGLICHE KÖRPERPFLEGE

Einmal täglich sollten Sie Ihr krankes Kind von Kopf bis Fuß waschen. Dadurch fühlt es sich nicht nur erfrischt: Auch sein geschwächter Kreislauf wird angekurbelt. Schieben Sie ein Handtuch unter Ihr im Bett liegendes Kind, befeuchten Sie einen Waschlappen mit lauwarmem Wasser (ca. 25 °C) und reiben Sie das Kind damit ab. Achseln, Leistenbereich und Genick sollten Sie besonders gründlich säubern. Trocknen Sie Ihren kleinen Patienten anschließend sorgfältig ab.

Nur wenn Ihr Kind länger als eine Woche erkrankt ist, wird ein Bad notwendig. Die Wassertemperatur sollte zwischen 35 und 37 °C betragen, das Wasser nur bis zur Taille reichen und das Bad nicht länger als fünf Minuten dauern.

Regelmäßiges Zähneputzen ist besonders wichtig, denn kranke Kinder leiden meist unter trockenem Mund und belegter Zunge. Will Ihr Kind nicht Zähne putzen, können Sie sich ausnahmsweise mit sauren Äpfeln oder Salzstangen behelfen. Säuglingen geben Sie verdünnten Salbeitee zu trinken, er desinfiziert.

Gegen trockenen Mund hilft viel Trinken. Als Erste-Hilfe-Maßnahme können Sie den Mund Ihres Kindes mit einem feuchten Läppchen auswischen oder ihm Orangenstückchen zum Lutschen geben. Trockene und aufgesprungene Lippen können Sie mit Lippenpomade oder weicher Vaseline aus der Apotheke eincremen.

»MIR IST SO LANGWEILIG …«

Wenn es Ihrem Kind wieder besser geht, will es spielen und unterhalten werden. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Funktionieren Sie ein großes Tablett zum Spieltisch um, indem Sie es auf zwei umgedrehte Kochtöpfe stellen. Malstifte und Papier, Legosteine, Kaufhauskataloge zum Ausschneiden können Kinder stundenlang faszinieren und beschäftigen. Vorlesen regt die Phantasie Ihres Kindes an, ebenso wie das Hören von Kassetten – im Gegensatz zum Fernsehen.

Krankenbesuche von Freunden sind erlaubt, wenn die Ansteckungsgefahr vorüber ist. Auch für gesunde Kinder sind solche Besuche wichtig: Sie lernen, dass Krankheit mit zum Leben gehört.

Nach einem komplikationslosen grippalen Infekt darf Ihr Kind nach einem fieberfreien Tag wieder in die Schule. Kindergartenkinder sollten zwei Tage länger zu Hause bleiben. Bei längeren und auch bei chronischen Krankheiten fragen Sie bitte den Arzt, wann Ihr Kind wieder nach draußen oder in die Schule darf.

Ihr Kind im Krankenhaus

Wenn Ihrem Kind ein – nicht akuter – Krankenhausaufenthalt bevorsteht, sollten Sie es behutsam darauf vorbereiten. Lassen Sie sich ganz genau erklären, was im Krankenhaus gemacht wird. Wenn Sie die Situation verstehen, können Sie Ihr Wissen an Ihr Kind weitergeben. Beantworten Sie seine Fragen ehrlich und verheimlichen Sie ihm nicht, dass es sich vielleicht eine Weile nicht wohl fühlen wird – es könnte sonst das Vertrauen in Sie verlieren. Fahren Sie mit Ihrem Kind zum Krankenhaus und zeigen Sie es ihm von außen. Wenn Sie Ihr Kind gut vorbereiten, kann es seine Ängste abbauen und den Krankenhausaufenthalt sicher leichter verkraften.

SOLLEN MUTTER ODER VATER MIT INS KRANKENHAUS?

Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten Sie mit im Krankenhaus bleiben, wenn es möglich ist (Eltern-Kind-Zimmer), oder wenigstens den ganzen Tag über bei Ihrem Kind sein. Ab dem vierten Lebensjahr verstehen Kinder meist schon genug – sie schlafen nachts allein und können auch tagsüber für ein paar Stunden allein gelassen werden. Informieren Sie Ihr Kind dann aber, wann Sie wieder da sein werden, und halten Sie dieses Versprechen ein.

Doch bevor Sie sich spontan für eine Mitaufnahme im Krankenhaus entscheiden, sollten Sie klären, ob Partner, Großeltern oder Nachbarn während Ihrer Abwesenheit Ihre anderen Kinder und den Haushalt betreuen können.

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Das gehört in den Klinikkoffer

  • Schnuller, Schlaftier, Schmusedecke
  • Lieblingsspielzeug
  • Schlafanzug oder Nachthemd
  • Waschbeutel mit Zahnbürste und Zahnpasta, Kamm, Waschlappen, Seife, Hautcreme
  • Abwaschbare Bilderbücher
  • Familienfoto
  • Foto vom Haustier

KRANK IM KRANKENHAUS

Wenn der Arzt Besuch von Freunden und Verwandten erlaubt, gönnen Sie Ihrem Kind die Abwechslung. Aber bitte wohldosiert und nicht alle auf einmal, das könnte Ihr Kind zu sehr anstrengen.

Verlassen Sie mit Ihrem Kind das Krankenhaus nicht eigenmächtig gegen den ärztlichen Rat. Heutzutage sorgen die Ärzte ohnehin dafür, den Krankenhausaufenthalt so kurz wie möglich zu machen.

MORGENS OPERIERT, ABENDS NACH HAUSE

Ambulante Operationen werden immer häufiger durchgeführt. Das Kind wird im Krankenhaus oder in der Praxis des Kinderchirurgen operiert und darf – wenn der Eingriff komplikatioslos verlief – am selben Tag wieder nach Hause, nachdem es sich noch ein paar Stunden von der Narkose erholt hat. Zu den Verlaufskontrollen nach der Operation suchen Sie dann den Arzt in der Sprechstunde auf.

Der Vorteil von ambulanten Operationen: Das Kind bleibt in seiner vertrauten Umgebung und kann zu Hause gepflegt werden. Dabei ist natürlich darauf zu achten, dass die nötige Bettruhe eingehalten wird und die Eltern genügend Zeit haben, sich um ihr krankes Kind zu kümmern. Für einen Krankenhausaufenthalt spricht immer, dass bei Komplikationen wie plötzlichen Nachblutungen sofort Arzt oder Krankenschwester zur Stelle sind.

Zur Zeit werden am häufigsten ambulant operiert: Nasenpolypen, Paukenerguss, Trommelfellplastik, Paukenröhrchen, Anlegen von abstehenden Ohren, Nabel- und Leistenbruch, Phimose, Gelenkkapselverletzungen, Bänderrisse, Meniskusschäden, Warzen, Muttermale und eingewachsene Nägel.

Vor einer ambulanten Operation wird das Kind vom Kinderarzt gründlich auf seine Narkosefähigkeit untersucht. Der operierende Arzt und der Narkosearzt klären Sie über den geplanten Eingriff auf und lassen Sie dann eine Einverständniserklärung unterschreiben.

Gute Reise!

Aus dem Urlaub soll die ganze Familie entspannt und erholt wiederkehren. Damit die schönste Zeit des Jahres nicht zum »Horrortrip« wird, sollten Sie den Familienurlaub richtig planen und drohenden gesundheitlichen Problemen vorbeugen. Das beginnt bereits bei der Wahl eines geeigneten Reiseziels. Mit Kindern unter zehn Jahren fahren Sie am besten an einen festen Standort – möglichst mit Badegelegenheit. Je jünger das Kind ist, desto näher sollten Sie am Heimatort bleiben, lange Anfahrtszeiten und allzu große Klimawechsel vermeiden. Untersuchungen haben gezeigt, dass die vielen neuen Eindrücke Säuglinge verängstigen, dass sie unruhiger und quengeliger werden und Schlafstörungen bekommen können.

Kinder lieben Sandstrände und können stundenlang Sandburgen bauen, am liebsten in Gesellschaft gleichaltriger Spielkameraden. Aber auch Ferien auf dem Bauernhof oder einfach ein längerer Besuch bei Oma und Opa (auch ohne Eltern) sind für Kinder beliebte Reiseziele. Besichtigungstouren oder Abenteuerreisen eignen sich erst für ältere Kinder ab zehn Jahren.

REISEVORBEREITUNGEN

Bei Reisen im Inland genügt es, wenn Sie die Krankenversicherungskarte mitnehmen. Wenn Sie ins Ausland reisen, haben Sie mit einem Auslandskrankenschein oder mit einer Zusatzkrankenversicherung mit Rücktransportgarantie für alle Fälle vorgesorgt. Mindestens sechs Wochen vor einer geplanten Reise in exotische Länder sollten Sie mit dem Arzt über notwendige Impfungen sprechen und Ihren und den Impfplan Ihres Kindes überprüfen lassen. Für eine Reise in tropische oder Entwicklungsländer braucht Ihr Kind Impfungen gegen Tuberkulose und infektiöse Gelbsucht und eventuell eine Malariaprophylaxe. Bitte erkundigen Sie sich über die in dem jeweiligen Land empfohlenen Impfungen beziehungsweise Prophylaxen bei Ihrem Kinderarzt, einem Reisemediziner oder einem Tropeninstitut in Ihrer Nähe.

UNTERWEGS IM AUTO

Autofahren ermüdet Kinder mehr als Erwachsene, vor allem, da sie im Kindersitz festgeschnallt sind. Sorgen Sie für Bewegungspausen: Ideal wären zehn Minuten jede halbe Stunde bei unter Sechsjährigen und jede Stunde bei älteren Kindern.

Wenn Ihr Kind an Reisekrankheit (Erbrechen) leidet, lassen Sie sich vom Arzt spezielle Medikamente verschreiben, denn durch das Erbrechen könnte Ihr Kind zu viel Flüssigkeit verlieren. Homöopathisch können helfen: Tabacum D30, eine Tablette vor Reiseantritt und wenn nötig eine weitere Tablette alle zwei Stunden; alternativ Cocculus D4 oder Petroleum D4 – stündlich eine Tablette. In Fahrtrichtung sitzen, viel frische Luft während der Fahrt und natürlich Ihr Verzicht auf Zigarettenqualm erleichtern Ihrem Kind die Reise.

AM URLAUBSORT

Auch Kinder brauchen Zeit zum Eingewöhnen: Starten Sie nicht gleich mit Ausflügen oder Wanderungen, sondern lassen Sie Ihr Kind in den ersten Tagen seine neue Umgebung erkunden.

Vermeiden Sie Strandbesuche während der Mittagszeit. Vor Sonnenbrand und Sonnenstich schützen Sonnencreme, Sonnenschirme, Sonnenhut und Baumwollhemdchen. Säuglinge bleiben im Schatten, mit einem Tüllnetz zum Schutz gegen Fliegen. Wenn Ihr Kind mag, kann es auf die Badehose verzichten. Wenn nicht, wechseln Sie die Hose sofort, wenn das Kind aus dem Wasser kommt, um Harnwegsinfektionen vorzubeugen. Cremen Sie Ihr Kind eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad mit Sonnencreme ein (Lichtschutzfaktor mindestens 12), nach jedem Bad und regelmäßig jede Stunde. Achten Sie darauf, dass die Sonnencremes frei von Konservierungsstoffen und Emulgatoren sind. Sie können Allergien auslösen, die wie Akne aussehen. Besser sind Sonnenschutzmittel mit Lipoproteinen, die Sie in der Apotheke kaufen können.

Lassen Sie Ihr Kind viel trinken, denn durch das Herumtoben beim Spielen verliert es Flüssigkeit, Salze und Kalorien. Ausnahmsweise sind Fruchtsäfte und Limonaden erlaubt!

IM ERNSTFALL

Wenn Ihr Kind krank oder verletzt ist, suchen Sie einen ortsansässigen Arzt auf. Reiseveranstalter und das Personal im Hotel oder auf dem Campingplatz nennen Ihnen den nächstgelegenen Arzt oder ein Krankenhaus. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, können Sie die Adresse gleich nach der Ankunft erfragen. Vergessen Sie nicht Telefonnummer und Anschrift Ihres Arztes zu Hause, um in Problemfällen Rat zu finden.

DIE REISEAPOTHEKE

Die Reiseapotheke soll möglichst klein und handlich sein. Am besten eignet sich ein kleiner Kulturbeutel dafür. Eine Reiseapotheke kann den Arzt nicht ersetzen, aber die Zeit bis zum Arztbesuch überbrücken oder bei leichten Verletzungen und Unpässlichkeiten hilfreich sein.

Die vorgeschlagenen Medikamente verschreibt der Kinderarzt auf Privatrezept, denn Reisemedikamente werden von den Krankenkassen nicht bezahlt.

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Das gehört in die Reiseapotheke

  • 2 Schnellverbände
  • Heftpflaster
  • Pflasterverbände
  • 2 sterile Kompressen, 7,5 x 7,5 Zentimeter
  • Schere
  • Splitterpinzette
  • Wund- und Heilsalbe
  • Jodfreies Desinfektionsmittel
  • Fieberthermometer
  • Medikamente gegen Fieber (Tropfen oder Tabletten; Zäpfchen können bei größerer Hitze schmelzen)
  • Medikamente gegen Durchfall (Elektrolyte in Pulverform)
  • Heilnahrung für Flaschenkinder
  • Husten- und Nasentropfen
  • Mittel gegen Sonnenbrand und Insektenstiche
  • Insektenschutzmittel
  • Sonnencreme
  • Antibiotikum zur Reserve
  • In exotische Urlaubsländer sollten Sie Einmalkanülen und Einmalspritzen mitnehmen.