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Kinder Stärken: durch persönlichkeitsfördernden Bewegungs- und Sportunterricht

Inhaltsverzeichnis

0Vorwort

1Einführung

2Mein selbstkonzeptfördernder Bewegungs- und Sportunterricht

2.1Modul 1: Das Selbstkonzept von Kindern im Sport

Sequenz 1 | Kompetenzbereich Spielen | Käsefangis

Sequenz 2 | Kompetenzbereich Darstellen und Tanzen | Die vier Elemente

Sequenz 3 | Kompetenzbereich Gleiten, Rollen, Fahren | Sichere Kunststücke auf Rollen und Rädern

2.2Modul 2: Die didaktisch-methodischen Grundsätze

2.2.1Individualisierung des Unterrichts

Sequenz 4 | Kompetenzbereich Bewegen an Geräten/Laufen, Springen, Werfen | Koordinations-Circuit

2.2.2Heranführung und Anleitung zur Selbstreflexion

Sequenz 5 | Kompetenzbereich Laufen, Springen, Werfen | Zahlenlauf

2.2.3Formulierung von positiv-konstruktivem Feedback

Sequenz 6 | Kompetenzbereich Darstellen und Tanzen | Werde Darstellungs- und Feedbackkünstler/-in!

2.2.4Fazit

2.3Modul 3: Wirksame und nachhaltige Umsetzung

2.3.1Gezielte Selbstkonzeptförderung

Sequenz 7 | Kompetenzbereich Spielen/Bewegen im Wasser | Spielentwicklung im Wasser

Sequenz 8 | Kompetenzbereich Bewegen an Geräten | Wagnismomente an Geräten

2.3.2Zentralität des Selbstkonzepts

Sequenz 9 | Kompetenzbereich Spielen | Kämpfen und Raufen

2.3.3Barrieren einer erfolgreichen Umsetzung

2.3.4Reflexion der eigenen Unterrichtserfahrungen

2.3.5Anregungen zum fächerübergreifenden Transfer

3Rück- und Ausblick

4Literaturverzeichnis

5Abbildungsverzeichnis

6Anhang

Arbeitsblatt zu Sequenz 3 | Sichere Kunststücke auf Rollen und Rädern

Material zu Sequenz 4 | Postenblätter

Arbeitsblatt zu Sequenz 4 | Meine koordinativen Fähigkeiten

Material zu Sequenz 5 | Hallenplan

Material zu Sequenz 5 | Ausdauerplakat

Material zu Sequenz 6 | Feedbackkarten

Arbeitsblatt zu Sequenz 8 | Wagnismomente an Geräten

Abbildung zu Sequenz 9 | Kämpfen und Raufen

Arbeitsblatt zu Sequenz 9 | Kämpfen und Raufen

0Vorwort

Liebe Lehrerin, lieber Lehrer

Liebe am Bewegungs- und Sportunterricht Interessierte

Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und zu stärken – das ist das Ziel der Schule. Doch was bedeutet es, Kinder zu stärken? Und wie können Sie als Lehrperson im Bewegungs- und Sportunterricht dazu beitragen? Diese Fragen werden im vorliegenden Buch auf praxisnahe Art und Weise beantwortet. Das Buch regt dazu an, den eigenen Bewegungs- und Sportunterricht persönlichkeitsfördernd und damit stärkend zu gestalten. Die dargestellten theoretischen Inputs, die anregenden Lektionssequenzen sowie die verschiedenen Fallbeispiele unterstützen Sie dabei. Wir möchten Sie mit diesem Buch motivieren, über Ihren eigenen Bewegungsund Sportunterricht und dessen Bezug zur Persönlichkeitsförderung der Schülerinnen und Schüler nachzudenken. Darüber hinaus möchten wir Sie bei der Realisierung eines persönlichkeitsfördernden Unterrichts unterstützen. Deshalb versteht sich die vorliegende Publikation als Arbeitsbuch, welches Platz für Gedanken und Notizen zum eigenen Unterricht bietet und Sie im Sinne eines Leitfadens auf dem Weg zu einer persönlichkeitsfördernden Gestaltung Ihres Bewegungs- und Sportunterrichts begleitet. Das Buch richtet sich an interessierte Lehrpersonen aller Unterrichtsstufen der Volksschule sowie an Dozierende und Studierende des Fachbereichs Bewegung und Sport an pädagogischen Hochschulen, die sich mit der Thematik des persönlichkeitsfördernden Bewegungs- und Sportunterrichts auseinandersetzen möchten.

Die in diesem Buch dargestellten Inhalte wurden weitestgehend im Forschungsprojekt «Lehrertraining Persönlichkeitsfördernder Sportunterricht» (Oswald & Valkanover, 2015) des Fachdidaktikzentrums Sport der PHBern in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern entwickelt. Das Projekt beinhaltete die Entwicklung, Durchführung und wissenschaftliche Evaluierung einer Weiterbildung für Lehrpersonen zu Selbstkonzeptförderung im Bewegungs- und Sportunterricht und wurde in den Jahren von 2015 bis 2018 durch das Bundesamt für Sport (BASPO) gefördert. Wir danken dem BASPO und insbesondere dem hierfür Verantwortlichen, Herrn Peter Moser, herzlich für die freundliche Unterstützung. Ein grosses Dankeschön geht auch an die Lehrerinnen und Lehrer, die an der Weiterbildung und der dazugehörigen wissenschaftlichen Evaluation teilgenommen haben. Schliesslich bedanken wir uns beim Team der Berner Interventionsstudie Schulsport (BISS) um Achim Conzelmann, Mirko Schmidt und Stefan Valkanover, die mit ihren umfassenden Forschungsarbeiten zur Persönlichkeitsentwicklung durch Schulsport den Grundstein für die Arbeiten rund um die vorliegende Publikation gelegt haben. Ihr dazugehöriges Werk (Conzelmann, Schmidt & Valkanover, 2011) stellt die Grundlagen, Zusammenhänge und Wirkmechanismen von Persönlichkeitsentwicklung im Schulsport in detaillierter, theoretischer und praktischer Form dar. Wir empfehlen dessen Lektüre allen Leserinnen und Lesern, die über die hier dargestellten Inhalte hinaus an der Thematik interessiert sind.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre, und vor allem viele Erfolgserlebnisse in Ihrem Bewegungs- und Sportunterricht!

Bern, im Herbst 2018

Esther Oswald, Benjamin Rubeli, Regine Berger

1Einführung

Der Lehrplan 21 gibt vor, was Schülerinnen und Schüler im Bewegungsund Sportunterricht an Deutschschweizer Volksschulen lernen sollen (vgl. Lehrplan 21, D-EDK, 2016). Die Anforderungen sind als stufenweise zu erwerbende Kompetenzen (vgl. Weinert, 2002) beschrieben. Für den Bewegungs- und Sportunterricht zielen die dargestellten fachlichen und überfachlichen Kompetenzen darauf ab, dass Bewegung und Sport einen Beitrag zur ganzheitlichen Bildung des Menschen leisten. Die Schülerinnen und Schüler sollen «ihre motorischen Fähigkeiten und ihre körperliche Leistungsfähigkeit [verbessern] und emotionale, soziale, kognitive, motivationale und volitionale Aspekte ihrer Persönlichkeit [entwickeln]» (D-EDK, 2016, S. 1). Laut Lehrplan soll in den sechs fachspezifischen Kompetenzbereichen «Laufen, Springen, Werfen», «Bewegen an Geräten», «Darstellen und Tanzen», «Spielen», «Gleiten, Rollen, Fahren» sowie «Bewegen im Wasser» das Erreichen verschiedener Kompetenzstufen zu Wissen, Können und Wollen angestrebt werden (vgl. D-EDK, 2016, S. 6). Dabei wird insbesondere der Persönlichkeitsentwicklung und spezifisch der Förderung des Selbstkonzepts eine grosse Bedeutung beigemessen. Das Selbstkonzept versteht sich als ein «Teilsystem der Persönlichkeit» (Thomas, 1989, S. 28) und wird als «die Gesamtheit der Einstellungen zur eigenen Person» definiert (Mummendey, 2006, S. 38). Die grosse Relevanz des Selbstkonzepts für eine gelingende Entwicklung gründet zum einen in dessen verhaltensregulativer Wirkung (Roebers, 2007). Schülerinnen und Schüler mit einer positiven Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten sind motivierter, zeigen mehr Freude und Interesse, wählen realistischere und herausforderndere Aufgaben und weisen zu einem späteren Zeitpunkt mehr Lernerfolg auf als Schülerinnen und Schüler mit einem negativeren Selbstkonzept (Stiensmeier-Pelster & Schöne, 2008). Zum anderen wirkt sich eine positive Einstellung zur eigenen Person positiv auf die Lebenszufriedenheit und die psychische Gesundheit aus (z. B. Boden, Fergusson & Horwood, 2008; Moksnes & Espnes, 2013; Sowislo & Orth, 2013).

Bisherige Studien haben in den vergangenen Jahren aufgezeigt, dass sich das Selbstkonzept von Schülerinnen und Schülern durch spezifisch inszenierte sportliche Aktivität fördern lässt (z. B. Conzelmann, Schmidt & Valkanover, 2011; Ruploh, Martzy, Bischoff, Matschulat & Zimmer, 2013). Im Unterricht können die Kinder lernen, ihre Leistungen sowie ihr Verhalten und damit sich selbst richtig einzuschätzen. Darüber hinaus ermöglichen gezielte Unterrichtsinszenierungen Kompetenzerlebnisse, welche eine positive Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten sowie die Entwicklung einer wertschätzenden Einstellung gegenüber der eigenen Person unterstützen. Aus pädagogischer Sicht wird deshalb der Schule und insbesondere dem Bewegungs- und Sportunterricht für die Stärkung des Selbstkonzepts eine grosse Bedeutung beigemessen. Auch aus entwicklungspsychologischer Sicht entspricht die Förderung des Selbstkonzepts einer Zielorientierung für die Schulzeit, da sich das Selbstkonzept im Kindes- und Jugendalter stark ausdifferenziert und im Vergleich zum Erwachsenenalter besonders beeinflussbar ist (Harter, 2003).

Das folgende Fallbeispiel1 verdeutlicht, dass sich Erlebnisse im Bewegungs- und Sportunterricht nachhaltig auf das Selbstkonzept von Schülerinnen und Schülern auswirken können:

Wie jeden Montagnachmittag treffen sich die Drittklässlerinnen und Drittklässler mit der Lehrerin in der Turnhalle zum Sportunterricht. Für die heutige Doppellektion hat die Lehrerin einen Geräteparcours vorbereitet, damit die Kinder ihre Geschicklichkeit trainieren. Der Parcours beinhaltet eine Slalombahn, eine Langbank, grosse und kleine Matten sowie einen Schwedenkasten zum Darübersteigen und eine Sprossenwand zum Überwinden. Die Lehrerin instruiert die Kinder, nacheinander den Parcours zu durchlaufen. Das vorderste Kind der Schlange startet und bewältigt alle Hindernisse ohne Schwierigkeiten. Auch die nächsten Kinder schaffen den Parcours, nur kleine Schwankungen auf der Langbank sind zu beobachten. Dann ist Martin an der Reihe, ein schüchterner, übergewichtiger Junge. Er durchläuft den Parcours zu Beginn gut, doch dann nähert er sich zögerlich der Sprossenwand. Martin klettert hoch, möchte darübersteigen, zögert. Derweil hört er die anderen Kinder in der Halle lachen. Er fühlt sich unsicher und hat Angst, auf die andere Seite zu klettern um hinunterzusteigen. Er bleibt oben sitzen – blockiert –, und unten warten die anderen Kinder; schon hat sich eine Schlange gebildet. Die Lehrerin fordert Martin ungeduldig und in strengem Ton auf, weiterzugehen, Martin getraut sich aber nicht. Nach vergeblichen Aufforderungen und einem Versuch der Lehrerin, ihn herunterzunehmen, der aber fehlschlägt, weil Martin zu schwer ist, eilt die Lehrerin verzweifelt zum Abwart und bittet ihn um eine Leiter.

Wie fühlt sich Martin? Welche psychologischen Konsequenzen hat die Situation für ihn? Was könnte die Lehrerin anders machen, damit das Erlebnis für Martin anders ausfällt? Mögliche Antworten sind in der Fussnote zu finden.2

Notizen

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Die Erfahrungen, die Kinder im Bewegungs- und Sportunterricht machen, können ihr Selbstkonzept – im negativen oder positiven Sinne – bedeutend und nachhaltig beeinflussen. Entsprechend wichtig ist es, den Unterricht didaktisch-methodisch so zu gestalten, dass möglichst alle Kinder, motorisch starke und schwache, positive Erfahrungen machen und in ihrem Selbstkonzept gestärkt werden.

Im Folgenden wird aufgezeigt, wie der Unterricht gestaltet werden kann, damit das Selbstkonzept aller Schülerinnen und Schüler gefördert wird. Das Buch gliedert sich dazu in ein grosses Hauptkapitel mit drei Modulen zum eigenen selbstkonzeptfördernden Bewegungs- und Sportunterricht und in einen abschliessenden Rück- und Ausblick. Die Module des Hauptkapitels haben folgende Inhalte:

Im Modul 1, Das Selbstkonzept von Kindern im Sport, erfolgt ein Überblick über die wichtigsten Aspekte des Selbstkonzepts. Zunächst werden die zentralen Begriffe geklärt, und ein Modell zur Struktur und zum Aufbau des Selbstkonzepts wird vorgestellt. Anschliessend wird die Entwicklung des Selbstkonzepts im Kindes- und Jugendalter näher beschrieben, und es wird aufgezeigt, wie das Selbstkonzept beeinflusst werden kann. Anhand erster, einfacher selbstkonzeptfördernder Praxissequenzen wird zudem aufgezeigt, wie Sie die gewonnenen Erkenntnisse in Ihren Unterricht einbauen können.

Bewegungs- und Sportunterricht, der zum Ziel hat, das Selbstkonzept der Schülerinnen und Schüler zu fördern, bedarf einer spezifischen Art des Unterrichtens. Im Modul 2, Die didaktisch-methodischen Grundsätze, werden die didaktischen Besonderheiten eines selbstkonzeptfördernden Unterrichts und deren Umsetzungsmöglichkeiten anhand konkreter Praxissequenzen vorgestellt.

Im Modul 3, Wirksame und nachhaltige Umsetzung, werden Sie angeregt, den eigenen selbstkonzeptfördernden Unterricht unter die Lupe zu nehmen. Dabei geht es um einen differenzierten Blick auf den eigenen Bewegungs- und Sportunterricht. Es werden Strategien im Umgang mit Aspekten, die eine nachhaltige selbstkonzeptfördernde Unterrichtsinszenierung behindern können, aufgezeigt. Zudem wird dazu angeregt, die erlernten didaktisch-methodischen Prinzipien auch in anderen Schulfächern anzuwenden.

Da die Inhalte dieses Buches in Form eines Leitfadens aufeinander aufbauen, lohnt es sich, das Buch in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Die dargestellten Praxissequenzen passen jeweils zu den Kapitelschwerpunkten und ermöglichen in wiederkehrender Form Schritt für Schritt eine vertiefte Auseinandersetzung mit selbstkonzeptfördernden Unterrichtsinszenierungen im Bewegungs- und Sportunterricht. Da die praktische Umsetzung von Selbstkonzeptförderung im Unterricht ganzheitlich geschieht, sind die Praxissequenzen ab Beginn umfassend beschrieben (und beziehen sich beispielsweise auf mehrere didaktische Aspekte), auch wenn die theoretischen Inputs in den Kapiteln jeweils einzelne Themen fokussieren.

Es gilt zu berücksichtigen, dass die Förderung des Selbstkonzepts im Sport meist nur über die gleichzeitige Förderung sportmotorischer Fertigkeiten realisierbar ist. Entsprechend dem im Lehrplan 21 vorherrschenden Verständnis von Kompetenz, haben die dargestellten Praxissequenzen deshalb auch die Förderung der sportmotorischen Fertigkeiten bzw. der körperlichen Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler im Blick.

1Zum Hintergrund der Fallbeispiele vgl. Infoblock «Fallgeschichten als Werkzeug zur Analyse von Unterricht» in Kapitel 2.3.4.

2Martin ist von der Situation stark beängstigt und vor den anderen Schülerinnen und Schülern blossgestellt. Es ist belastend für ihn, dass die Mitschülerinnen und Mitschüler unten lachen, während er in Gefahr ist. Dazu kommt, dass auch die Lehrerin ungeduldig auf sein Verhalten reagiert, das Gelächter der Mitschülerinnen und Mitschüler nicht kommentiert und die Situation schliesslich auch nicht auflösen kann. Martin fühlt sich wenig kompetent und schätzt seine eigenen Fertigkeiten zur Überwindung der Sprossenwand als äusserst gering ein. Sein sportbezogenes Selbstkonzept ist entsprechend negativ ausgeprägt. Er wird beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation grosse Angst vor einer Blamage haben und versuchen, die Situation zu umgehen. Die Lehrerin könnte einen Parcours mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden oder entsprechenden Hilfestellungen vorbereiten, der für alle Kinder überwindbare Herausforderungen bietet.

2Mein selbstkonzeptfördernder Bewegungs- und Sportunterricht

Damit Lehrpersonen den Bewegungs- und Sportunterricht selbstkonzeptfördernd gestalten können, brauchen sie Kenntnisse zu Fragen wie «Was ist das Selbstkonzept? Was zeichnet das Selbstkonzept im Kindes- und Jugendalter aus? Was kann eine Lehrperson tun, um das Selbstkonzept der Schülerinnen und Schüler zu fördern? Wie gelingt dies im eigenen Unterricht?». In diesem Kapitel werden Antworten zu diesen Fragen anhand von theoretischen Inputs, Fallbeispielen und konkreten Praxissequenzen für die Sporthalle vorgestellt.

2.1Modul 1: Das Selbstkonzept von Kindern im Sport

Die Persönlichkeit eines Menschen hat viele verschiedene Facetten.

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