Logo weiterlesen.de
Kinder sind etwas wunderbares, man muss es sich nur immer wieder sagen

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Kapitel 1 - Fegen, Saufen, Einhorn kaufen – oder: Wie das Nassfutter für die Katze ins Playmobil kam
  7. Kapitel 2 - Lucky, Shorty, Pferdeäpfel – oder: Was humorlose Rumänen im Sauerland zu tun haben
  8. Kapitel 3 - Moslems, Yoga, Dummibärchen – oder: Warum man Squash nicht mit dem Mund spielt, weshalb dürftige Witze nicht besser werden, wenn man sie dürftig erzählt, und was Hitler mit all dem zu tun hat
  9. Kapitel 4 - Yoga, Clara, Mozzarella – oder: Wieso die Katze I-A macht
  10. Kapitel 5 - Quallen, Pisse, Humanismus – oder: Weshalb Dachs und Lachs keine gemeinsame Zukunft haben
  11. Kapitel 6 - Basteln, Pricken, Kinderarbeit – oder: Oh Schreck, oh Schreck, die Frau fährt weg
  12. Kapitel 7 - Nelken, Zimt und Calvados – oder: Wieso Bio-Tannen nichts für Vegetarier sind
  13. Kapitel 8 - Bratwurst, Kölsch und Seifenblasen – oder: Wie man das Glück erkennt, bevor es zerplatzt
  14. Nachwort

Johann König

Kinder sind was
wunderbares

s03.jpg

Für euch

kapitel_1.jpg

Montag, 10. Februar

Schiebe den Dreck des Tages in die eine und das Spielzeug des Tages in die andere Ecke, greife anschließend zum Kehrblech, fege die Kuchenkrümel, zerdrückten Erbsen, Salzstangenreste, Bockwursthälften, getrockneten Dattelstückchen, Erdklumpen, Fritten, Steinchen, Fruchtriegelbrösel, Plastikteile und Batteriefach-Schräubchen darauf und betrachte die Mischung. Kurz überlege ich, die einzelnen Dinge irgendwie zu sortieren. Diesen Gedanken verwerfe ich aber schnell wieder und schleudere stattdessen das volle Kehrblech wie einen Brautstrauß hinter mich in die Spielzeugecke. Dann schalte ich das Licht aus und verlasse den Raum. Gehe in die Küche. Im Kühlschrank ist noch Licht. Ein Bier strahlt mich an.

Es gibt eine Grundregel, die einem überbordenden Kindergeburtstag Einhalt gebieten soll: pro Lebensjahr ein Kind einladen.

In diesem Fall: sechster Geburtstag, sechs Kinder. Dazu die drei, die eh hier wohnen, macht neun. Plus ich. Ja, herzlichen Glückwunsch.

Das mit dem Kehrblech war nicht in Ordnung, denke ich bei der zweiten Flasche Bier. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings anmerken, dass meine Zurechnungsfähigkeit durch ein paar Ouzos beeinträchtigt war. Schuld daran war unter anderem mein Vorsatz, Deutschlands weltweiten Spitzenplatz im Bereich der Nahrungsmittelvernichtung nicht weiter zu unterstützen. Was hier im Land an Essen weggeworfen wird, ist ein absolutes Armutszeugnis, hatte ich vor Kurzem gelesen. Aus diesem Grund wurden nun bei allen angebissenen Kuchenstücken, Würstchen und Fritten die Anbissstellen abgeschnitten, auf den Katzenteller geworfen und der Rest in bunte Aufbewahrungsboxen geschüttet. Und um die übrig gebliebenen Getränkereste nicht komplett wegzuschütten, hatte ich die Idee, alle exquisiten Mischungen aus den Tassen und Gläsern der kleinen Gourmets auf ex auszutrinken. Diese Erfahrung war bereits nach dem ersten Schluck derart eindringlich, dass nur ein guter Tropfen vom Griechen das Geschmackserlebnis zur kulinarischen Vollendung führen konnte.