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Killer’s Creek

Über das Buch

Der US-Soldat Arthur Reynolds ist aus dem Irak-Krieg zurück in seiner Heimat. Eines Abends steht seine Schwester Diana vollkommen aufgelöst in seiner Wohnung. Sie befürchtet, dass ihr Freund Hal sie betrügt – genau jetzt, in diesem Moment.

Arthur will seiner Schwester helfen und seinen besten Kumpel zur Rede stellen. Doch auf der Suche nach Hal stolpert er über Leichen und stößt auf das blutige Geheimnis einer ganzen Stadt – vollkommen ahnungslos, dass er damit mitten in ein Wespennest sticht!

Psycho-Thriller voller »Hochspannung« – die neue Reihe von Bastei Entertainment!

Über den Autor

Christian Endres lebt als freier Autor in der Nähe von Würzburg und schreibt regelmäßig für die Zitty Berlin, den Tagesspiegel, phantastisch!, deadline, Geek!, diezukunft.de und viele mehr. Im Comic-Bereich betreut er als Redakteur u. a. die deutschen Ausgaben von Spider-Man, Batman, den Avengers, Hellboy und Conan. Seine Kurzgeschichtensammlung Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes wurde ebenso wie seine Kurzgeschichte Feuerteufel mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seine Storys finden sich in zahlreichen Anthologien und Magazinen und in englischer Übersetzung sogar in Weird Tales und im Sherlock Holmes Mystery Magazine. Bei Bastei Lübbe erschienen seine Horror-Thriller Crazy Wolf – Die Bestie in mir, Crazy Wolf – Bestien auf der Flucht und Rachegeist. Mehr über den Autor: www.christianendres.de

Dies hier ist ein Ort des Todes.

Ein kleines irakisches Dorf, das aus einem halben Dutzend Hütten und Verschlägen besteht und dessen Name trotz eines ausführlichen Missions-Briefings nie hängen geblieben ist.

Doch selbst wenn dieses Dorf keinen Namen hätte, es wäre unverkennbar ein Ort des Todes.

Man spürt es mit jedem Schritt.

Ich bin mir nicht sicher, ob es am Wissen um die Männer liegt, die sich hier verstecken und ihre Bomben und Minen bauen, oder an der Wirkung des Nachtsichtgeräts, durch das jeder Fels und jeder Strauch aussehen, als kämen sie geradewegs aus der Hölle. Selbst die Ziegen, die uns begegnen, während wir uns lautlos einem der länglichen, einstöckigen Gebäude im kargen Nirgendwo nähern, sehen in dem grünen Glühen wie Dämonen aus.

Unsere Aufgabe ist klar definiert: Ziel bestätigen, markieren und schleunigst zurückziehen, damit die Drohne, die in der Nähe bereits lautlos ihre Kreise in der kühlen Nachtluft zieht, den Rest erledigen kann.

Auf einmal zerreißt Maschinengewehrfeuer die Stille und die Dunkelheit. Von einer Sekunde auf die nächste herrscht Chaos zwischen den Felsen und Hütten. Es geht nicht mehr um Bestätigung, Markierung, Rückzug, nur noch ums nackte Überleben.

Die Ziegen preschen auseinander. Ihr aufgeregtes Meckern geht im Rattern des Dauerfeuers unter. Ein Tier, das in wilder Panik in die Nacht davonspringt, streift mich, bevor es getroffen und zerfetzt wird. Ich kriege es kaum mit, denn trotz meiner Ausbildung und Kampferfahrung bin ich wie gelähmt. Passiert mir zum ersten Mal, seit ich im Irak bin. Kann mich einfach nicht mehr bewegen. Hab nur noch Augen für die Lichtexplosion auf meinem Visier.

Die langgezogene Leuchtspur der tödlichen Geschosse rast genau auf mich zu, als wären sie allein für mich bestimmt. Am Rande meines künstlich erhellten Sichtfelds bekomme ich mit, wie mein bester Freund Hal aus seiner Deckung hinter einem Felsblock auf mich zu hechtet und mich mit einem wuchtigen Tackling wie beim Football von den Beinen holt.

Wir gehen zu Boden, rollen durch den Dreck.

Einen Herzschlag später wird die Welt an der Stelle, an der ich eben noch gestanden habe, ausgelöscht. Staub, Sand und Steine spritzen in alle Richtungen.

Könnten auch mein Blut und mein Hirn sein.

Hal und ich kommen hinter einer niedrigen Steinmauer zum Liegen. Ich spüre das Gewicht von Hals Körper und das seiner Ausrüstung auf mir und bekomme kaum Luft.

Aber ich weiß ohnehin nicht, wann ich zuletzt einen Atemzug getan habe.

Hal klopft mit den Fingerknöcheln fest gegen die Seite meines Helms. »Was ist los mit dir, Mann? Reiß dich zusammen!«

Das Klopfen hört nicht auf, obwohl Hal mich nur noch anstarrt und der Beschuss stärker wird. Dennoch wird das Klopfen immer lauter, bis es das Maschinengewehrfeuer in der irakischen Nacht übertönt und mich zurückholt in die Realität meines kleinen New Yorker Apartments.

*

Ich öffne die Augen, fahre mir über das verschwitzte Gesicht und schaue leise stöhnend auf die Uhr.

Kurz vor acht.

Die Pizzareste in der fettigen Schachtel sind kalt, die Cola im Glas ist warm und abgestanden. Bin mal wieder auf dem Sofa eingepennt, und wie so oft haben mich die Träume schnell gefunden.

Ich richte mich auf, reibe mir die Augen. Erst da wird mir klar, dass ich das Klopfen noch immer höre.

Jemand ist an der Wohnungstür.

Ich springe von der Couch, stolpere über eine Hantel und durchquere mit schmerzenden Zehen und leisem Gefluche das Wohnzimmer.

Selbst durch den Türspion kann ich die Tränen und die zerlaufene Mascara auf dem Gesicht meiner Schwester erkennen.

Ich reiße die Wohnungstür auf.

»Artie …«, schluchzt Diana und fällt mir entgegen, als hätte bis gerade nur die Tür sie davor bewahrt, umzukippen.

Seit dem Tod unserer Eltern ist Di die Einzige, die mich noch Artie nennt, nicht Art oder Arthur. Alles andere würde aus ihrem Mund auch falsch klingen.

Ich drücke sie an mich und halte sie. Genau das scheint sie zu brauchen – zwei starke Arme, die sich beschützend um sie legen. Nach einiger Zeit löse ich mich vorsichtig von ihr, und wir gehen zur Couch. Doch keiner von uns setzt sich, und ich merke, dass mich der Zustand meiner Schwester in höchste Anspannung versetzt.

»Was ist los, Di?«, frage ich. »Was hat Hal diesmal für Scheiße gebaut?«

Meine Schwester ist zwei Jahre älter als ich, aber das spielt schon lange keine Rolle mehr. Sobald du einen Kopf größer bist als deine ältere Schwester, verschiebt sich das geschwisterliche Gefüge. Die Streitereien der frühen Jahre, die schon als obligatorisch betrachtet wurden, verblassen, und das Letzte, was du von nun an sehen möchtest, sind Tränen wegen irgendeines Scheißkerls, der deiner Schwester das Herz bricht. Erst recht, wenn der Scheißkerl dein bester Freund ist, mit dem du im Irak durch die Hölle gegangen bist und der dir mehr als einmal den Hintern gerettet hat.

Di zieht die Nase hoch, was sie unter normalen Umständen niemals tun würde. Auf einmal ist sie wieder sechzehn und von ihrem Freund Stan Ditko abserviert worden – für Janine Kirby, eine blonde Cheerleaderin ohne Zahnspange und Grips.

»Hal betrügt mich«, sagt Di verrotzt.

»Was?« Ich habe mit einem heftigen Streit gerechnet, wie ihn die beiden alle paar Wochen haben, aber nicht damit. »Wie kommst du denn darauf? Er liebt dich.«

»Er trifft sich mit einer anderen, Artie.« Wieder das Schniefen, das mühelos ganze Jahrzehnte und Lebensphasen überbrückt, besser als jede Videokassette oder jedes Fotoalbum. »Er ist mit ihr zusammen. Jetzt. In diesem Moment.«

Ich verschränke die Arme vor der Brust und weiß nicht, was ich denken soll.

»Und woher weißt du das so genau?«

Sie beißt sich auf die Unterlippe. Diesen Tick kenne ich noch länger als ihr Schniefen. »Er hat sich schon die ganze Woche komisch benommen.«

»Komisch?«

»Ja. Komisch.« Di fuchtelt mit den Händen, deren Nägel schwarz lackiert sind, und streicht sich hektisch eine ebenso schwarze Locke aus dem Gesicht hinters Ohr. »Selbst nach Hal-Maßstäben, und das will was heißen. Er wirkte ständig irgendwie … abwesend. Als ob er in Gedanken ganz woanders wäre.«

»So was kommt vor.« Ich denke an Abende wie diesen oder an Tage, an denen ich morgens aufwache und die Realität hier in New York trotzdem nie ganz erreiche.

»Außerdem hab ich seinen Kalender gecheckt«, sagt Di. »Auf seinem Mac. Da ist ein Eintrag. Für heute. Samantha. Acht Uhr.« Den Namen und die Uhrzeit spuckt sie geradezu aus. »Kommt so was auch einfach so vor, Artie?«

Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll.

»Als ich ihn gefragt hab, wer diese Samantha ist und was das Ganze soll, murmelte er irgendwas von der Tochter eines ehemaligen Kameraden und ist gegangen. Direkt zur Tür raus. Obwohl ich geschrien hab. Hat sich nicht mal mehr umgedreht, der Wichser.«

Di schafft es, trotz ihres Schluchzens und Schniefens stocksauer zu klingen und ungeachtet ihres verschmierten Gesichts für einen Augenblick stinkwütend auszusehen. »Kennst du diese Schlampe?«, fragt sie angriffslustig. »Oder jemanden mit einer Tochter, die so heißt? Aus eurer Zeit bei der Truppe?«

»Nein. Aber Hal und ich waren nicht von Anfang an bei derselben Einheit. Es könnte auch jemand aus seiner Ausbildungszeit sein.«

»Das glaubst du doch selbst nicht!«

Ich zucke hilflos mit den Schultern. »Wie bist du überhaupt an seinen Kalender gekommen, Di?«

»Echt jetzt?« Di wirft mir einen giftigen Schwesternblick zu. »Dein Marines-Kumpel tritt anderthalb Jahre Beziehung in die Tonne und geht mit irgendeiner Nutte fremd, und du sorgst dich um seine beschissene Privatsphäre?«

Ich schaue Di schweigend an.

»Jetzt guck nicht so. Verdammt, Artie! Ich kenne sein Passwort. Er hat es mir vor ein paar Monaten verraten, als er unterwegs zu einem Bewerbungsgespräch war und zu Hause angerufen hat, damit ich in seinen Unterlagen was für ihn nachschaue. Bisher hab ich das Passwort nie benutzt, um ihm hinterherzuschnüffeln, aber in letzter Zeit war er wirklich seltsam, und ich hab mir Sorgen gemacht. Also hab ich mir seinen Rechner geschnappt, als er unter der Dusche stand und mir nicht sagen wollte, wo er heute noch hin will. Und dann hab ich eben in seinen Kalender geschaut.«

»Und in seine Mails gleich mit, nehme ich an, wo du schon dabei warst.«

Dis Schniefen wird aggressiver, und auch das kommt mir äußerst vertraut vor. Immerhin: Sauer ist sie mir lieber als am Boden zerstört.

»In seinen Mails war nichts. Jedenfalls nichts in den Postfächern, die er über das Mailprogramm abruft. Nur der Kalendereintrag. Der Hurensohn betrügt mich!«

»Das weißt du doch gar nicht mit Sicherheit …«

»Samantha. Acht Uhr.«

Ich überlege kurz. »Hast du ihn angerufen?«

»Er geht nicht ran.«

»SMS?«

»Keine Antwort.«

»WhatsApp?«

»Nichts.«

»Facebook?«

»Also bitte.«

»Okay. Lass mich mal versuchen.« Ich fische mein iPhone von der Kommode und wische übers Display, bis Hals Gesicht mir entgegenlacht. Blau verspiegelte Sonnenbrille, ein altes Shirt mit Flecktarn – das Foto stammt von unserem Abreisetag im Irak.

Ich halte mir das Handy ans Ohr. Nach dem zehnten Klingeln höre ich die Mailboxansage.

Okay, ich geb’s zu, es sieht nicht gut aus für Hal. Die Fakten sprechen deutlich gegen ihn. Allerdings kenne ich bisher auch nur Dis Seite der Geschichte.

Ich lege das Handy zurück und richte es mit den Fingern nach den Kanten der Schrankoberfläche aus, während ich meine Gedanken ordne.

Di versucht, sich die nächste Runde Tränen zu verkneifen, indem sie abermals ihre Unterlippe mit den Zähnen malträtiert. Hilft nichts. Ihre Aggression wird letztlich doch von einem neuerlichen Heulkrampf und einer weiteren Woge der Verzweiflung fortgespült.

»Wieso tut er mir das an, Artie?«

Meine Schwester so zu sehen, macht es nicht leichter, Hal gegenüber loyal zu bleiben und an seine Unschuld oder ein Missverständnis zu glauben. Andererseits klingt das alles so gar nicht nach Hal – bis auf die Sache mit dem Passwort.

»Vielleicht ist alles total harmlos«, sage ich aufgeräumt. »Komm schon, Di. Hal ist einer von den Guten. Sonst hätte ich ihn dir doch nie vorgestellt.«

Die Antwort besteht aus noch mehr Tränen.

Ich atme tief durch. »Pass auf. Ich geh jetzt los, such Hal und bring ihn zu dir, damit ihr die Sache klären könnt. Wie hört sich das an?«

»Ich komm mit«, sagt Di sofort und zieht energisch die Nase hoch.

»Vergiss es. Du bist viel zu aufgewühlt. Das gibt bloß ’ne Szene.«

»Die hat der Penner auch verdient, wenn er mich betrügt! Ich komme mit, ob du willst oder nicht.«

»Nein. So nicht. Ich such ihn und bring ihn zu dir. Ihr redet. So oder gar nicht, Di. Sonst kannst du ihn selbst suchen. Und wir wissen beide, dass ich mir besser ausrechnen kann, wo Hal mit einer Frau hingehen würde.«

Das erwischt sie kalt. »Du glaubst also, er trifft sich wirklich mit einer anderen?«

Scheiße.

Sie klingt ehrlich erschüttert. Ich verfluche mich für meinen unachtsamen Spruch und versuche, sie zu beruhigen.

»Nein. Ich denke, dass hier ein dummes Missverständnis vorliegt, das dringend aus der Welt geschafft werden muss. Und dafür brauchen wir Hal. Deshalb ziehe ich jetzt los und such ihn.«

»Versprichst du mir, dass du ihn zu mir bringst?«

»Ja, Di. Ich versprech’s.«

Meine große Schwester fällt mir erneut um den Hals. Ich kann ihre Tränen an meinem Kinn spüren und hoffe inständig, dass Hal eine gute Erklärung parat hat.

»Bring den Scheißkerl nach Hause, damit ich ihn erwürgen kann«, sagt Di leise an meinem Ohr. Der Schmerz in ihrer Stimme, den sie mit ihren taffen Worten zu kaschieren versucht, tut echt weh.

»Willst du nicht lieber hier warten? Du siehst ziemlich fertig aus. Ich kann Hal auch hierherbringen.«

Di schüttelt den Kopf. »Du hast vermutlich kein Eis hier, wie ich dich kenne.«

»Exactamundo.« Ich tätschle meinen flachen Bauch unter dem Shirt. »Dieser Body braucht Training und Disziplin, kein Eis.«

»Aber ich brauch jetzt Eis. Unanständig viel Eis. Wenn du Hal zu spät zu mir bringst, platz ich vermutlich. Wie eine lebende Eisbombe.«

Ich drücke Di ein letztes Mal fest an mich.

»Alles klar, Schwesterherz. Ich beeil mich.«

*

Der Taxifahrer ist ein bäriger Typ mit Tentakel-Tätowierungen entlang der Arme. Er wirft mir einen finsteren Blick zu, als ich meine schniefende, lädiert aussehende Schwester in sein Taxi setze. Ich hoffe, er spricht Di unterwegs darauf an, und dass sie ihm erklärt, dass ich ihr Bruder bin und nicht ihr Freund, der schuld an ihrem Zustand ist.

Schon komisch, worüber man sich manchmal Gedanken macht.

Ich kann noch die Rückleuchten des Taxis sehen, das mit Di um die nächste Ecke biegt, da klemme ich mir auch schon das Handy ans Ohr und versuche erneut, Hal zu erreichen.

»Geh ran, Mann«, flüstere ich angespannt, doch wieder springt lediglich die Mailbox an.

»Verdammt.« Ich schiebe das Handy in die Innentasche meiner Jacke und ziehe den Reißverschluss hoch. Meine Gedanken und Gefühle wissen nicht, welche Richtung sie einschlagen sollen. Bin ich noch bereit, an eine harmlose Erklärung zu glauben? Eines ist sicher: Das alles passt kein bisschen zu Hal. So etwas würde er Di nicht antun – und unserer Freundschaft auch nicht.

Okay, kann sein, dass er und Di nicht dazu bestimmt sind, bis ans Ende aller Tage ein Paar zu sein – dass es für sie keine Märchenhochzeit und keinen Sonnenuntergang gibt und irgendwann ein Streit zu viel kommt, der sich nicht mehr hinbiegen lässt. Aber Hal würde es mit Sicherheit anders anstellen, sollte es zwischen ihm und meiner Schwester zu Ende sein oder er tatsächlich eine andere kennengelernt haben.

So eine Nummer, wie Di vermutet, würde er jedenfalls nicht abziehen. Schon gar nicht mit meiner Schwester, davon bin ich überzeugt. Du lernst einen Menschen verdammt gut kennen, wenn du am anderen Ende der Welt rund um die Uhr auf engstem Raum mit ihm zusammenlebst – wenn ihr einander jeden Tag blind vertrauen und euch gegenseitig den Rücken freihalten müsst, damit ihr überlebt und in einem Stück nach Hause kommt.

Nein, Hal Summers ist kein Scheißkerl.

Dafür leg ich meine Hand ins Feuer.

Irgendwas an dieser Sache ist dennoch faul – und ich werde verdammt noch mal herauszufinden, was es ist.

Mal angenommen, Hal trifft sich wirklich mit dieser Samantha, aus welchen Gründen auch immer. Dann war es nicht gelogen, was ich gesagt habe, um Di davon abzubringen, mit mir loszuziehen: Ich kenne Hal und seine Gewohnheiten wirklich gut genug, um zu wissen, welche Restaurants oder Bars für dieses mysteriöse Treffen infrage kommen.

Ich werde ihn finden, bevor meine Schwester ins Schoko-Eis-Koma fällt.

Hastig schlängle ich mich zwischen den Autos hindurch, die vor einer Ampel stehen, und mache mich auf den Weg zur ersten von Hals bevorzugten Locations auf meiner geistigen Liste.

*

Als Di mich zwei indische Lokale, ein Thai-Restaurant, eine Sushi-Bar, einen pseudo-irischen Pub und eine kleine Pizzeria später anruft, habe ich von Hal noch immer keine Spur, und mir gehen allmählich die Läden aus, in denen ich es mit einer gewissen Erfolgsaussicht versuchen könnte.

Das Foto auf dem leuchtenden Display zeigt meine Schwester mit einem strahlenden Lachen. Ich erinnere mich an den Tag, an dem das Bild entstanden ist, als Di, Hal und ich einen ganzen Tag im Central Park waren und eine Menge Spaß hatten.

Ich gebe mir Mühe, nicht so frustriert und hoffnungslos zu klingen, wie ich mich fühle.

»Was macht das Eis, Di? Schon alles weggefuttert?«

»Du hast ihn also noch nicht gefunden«, folgert Di niedergeschlagen und geht erst gar nicht auf meine Frage ein.

»Hey, New York ist ’ne verdammt große Stadt, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist. Und mein Sherlock-Holmes-Modus läuft noch nicht auf vollen Touren. Mach dir keine Sorgen, Schwesterherz. Ich finde Hal in null Komma nichts, und dann klären wir die Sache, und alles wird gut. Du wirst sehen.«

»Nicht, wenn er und diese Samantha-Schlampe das Essen hinter sich haben und inzwischen auf den Weg zum Dessert sind.«

Am Telefon klingt Dis Schluchzen noch trauriger. Ich balle die freie Hand zur Faust und beiße die Zähne so fest aufeinander, dass es wehtut.

»Komm schon, Di, steiger dich nicht noch mehr rein.«

Stille.

»Hast du gehört? Hey, Di, ich rede mit mir.«

Doch alles, was von ihr kommt, ist ein weiterer Schluchzer, dann unterbricht sie ohne ein Wort die Verbindung.

»Scheiße.« Ich stehe mit versteinertem Gesicht und hängenden Schultern mitten auf dem Gehweg im East Village und werde zu einem unbeweglichen Hindernis für die bunt gemischten Passanten, die auf dem Weg nach Hause, zur Arbeit oder in die nächste Bar sind.

Ratlos lasse ich den Blick über die mehrstöckigen Häuser mit ihren vielfältigen Multikulti-Ladenfronten, ihrem Dekor aus steinernen Simsen und den metallenen Feuerleitern in den ...

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