Logo weiterlesen.de
Kick it in Kabul

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Anmerkung der Autorin
  7. Anmerkungen für den Leser
  8. Zitat
  9. Traum
  10. Prolog
  11. 1. Neugeboren
  12. 2. Rückkehr nach Kabul
  13. 3. Komm zurück, komm zurück
  14. 4. Schöner Schuss, schlechtes Ziel
  15. 5. Dass ich Fußball spielen kann
  16. 6. Die stille Anführerin
  17. 7. Zwischen zwei Welten
  18. 8. Schwestern
  19. 9. Die Zusammenkunft der Mädchen
  20. 10. Weit entfernt
  21. 11. Ihr eigenes Team
  22. 12. Unterwegs
  23. 13. Sterne
  24. 14. Das Leben kann auch anders sein
  25. 15. Siegen
  26. 16. Fortfliegen
  27. 17. Die Reise nach Hause
  28. 18. Auf das Ziel zu
  29. Epilog
  30. Danksagung

Meinen Eltern

Mohammad Hassan Ayub und Bibi Aissa Ayub (Gulalai),

der Mädchenfußballmannschaft von Afghanistan

und den acht Mädchen, mit denen alles begann.

Anmerkung der Autorin

Wie die Mädchenfußballmannschaft von Afghanistan ist dieses Buch das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung. Ich möchte zwei Menschen danken, ohne die dieses Buch nicht entstanden wäre, Veronica Golos und Sophia Hollander.

Als Dichterin und Lektorin hat Veronica Golos dieses Buch mit leidenschaftlichem Blick redigiert und ist dank umfangreicher Recherchen zu Afghanistan mit tiefem Verständnis an den Text herangegangen. Durch ihre Achtsamkeit für die Sprache und ihre Nuancen – und ihre außerordentliche Geduld – hat sie dazu beigetragen, diesem Buch eine literarische Komponente zu geben.

Die Schriftstellerin Sophia Hollander war maßgeblich am ersten Entwurf dieses Buches beteiligt. Sie reiste mit mir nach Kabul und lernte nicht nur die Mädchen kennen, sondern auch die Kultur Afghanistans verstehen. Nach all den intensiven Stunden, die wir mit Interviews und Recherchen verbracht haben, hätten die Geschichten der Mädchen ohne ihren Beitrag nicht so wahrhaftig wiedergegeben werden können.

Und den Mädchen bin ich am meisten dankbar.

Anmerkungen für den Leser

Heutzutage ringt Afghanistan heftig um die grundlegende Frage, was für ein Land es werden will. Angesichts der Auswirkungen von drei Jahrzehnten Krieg bringt diese vernünftige Selbstbefragung Konflikte und Debatten über den Erhalt der Tradition gegenüber der Moderne mit sich, und sie hat bisweilen zu harten Anschuldigungen und Auseinandersetzungen geführt.

Um die Mädchen zu schützen, sind Teile ihrer Geschichten verändert worden – inklusive der Namen und bestimmter, identifizierbarer Details.

Die Erzählungen in der Ich-Form basieren auf meinen Erinnerungen, und ich stütze mich auf Interviews, die ich mit jenen geführt habe, die dabei gewesen sind – darunter (aber nicht ausschließlich) die Mädchen, Trainer, das Schulpersonal, afghanische Funktionäre und meine eigene Familie. Die Kapitel über die Mädchen beruhen auf ausführlichen Interviews mit jedem der Mädchen und ihrer Familie. Diese Geschichten sind so genau, wie Erinnerungen – und meine Kenntnisse ihres Lebens und ihrer Lebensumstände – es sein können.

Dennoch war es hin und wieder eine Herausforderung, die genauen Daten oder die Chronologie festzulegen, da der lang anhaltende Krieg Aufzeichnungen ebenso zerstört hat wie das Schulsystem des Landes.

Während des Schreibens war ich das ganze Buch hindurch darauf bedacht, jeden einzelnen Lebenslauf so wahrheitsgemäß wie möglich einzufangen wie wiederzugeben und dennoch die Privatsphäre, Sicherheit und den persönlichen Frieden zu wahren.

Wie hoch der Berg auch sein mag, es gibt immer

einen Weg hinüber.

Afghanisches Sprichwort

Nach seiner Erbauung 1923 wurde das Ghazi-Stadion in Kabul zum Schauplatz zahlreicher Herrenfußballspiele und Nationalfeiern. Aber zwischen 1996 und 2001, während der Herrschaft der Taliban, wurden diejenigen, die wegen Diebstahls, ehebrecherischer Handlungen oder aufgrund noch geringerer Anschuldigungen gefasst worden waren, öffentlich auf dem Feld dieses Stadions bestraft. Männer und Frauen wurden vor dort versammelten Massen brutal hingerichtet, als Mahnung, welches Schicksal jedem bevorstünde, der es wagen sollte, dieselben Fehler zu begehen.

Ohne dass die Erinnerungen an die Exekutionen ausgelöscht wären, ist das Ghazi-Stadion heute zu seinem Glanz als Austragungsort der Nationalparaden zurückgekehrt, doch die Massen versammeln sich auch zur Unterstützung von Afghanistans erster Damenfußballnationalmannschaft. Auch wenn die Kämpfe noch andauern, gibt es einen Schimmer der Hoffnung auf der Grünfläche innerhalb der Ghazimauern.

Traum

Der weiße Ball hüpft den kargen, holprigen Hang in Kabuls Altstadt hinab, Staub steigt in einer kleinen Wolke auf, als er jenseits des Brunnens auftrifft, der von einer Schar Kinder umgeben ist, deren Wassereimer in der sengenden Sonne glitzern. Der Ball kullert über eine Reihe Stufen, die von Menschenhand, der Natur oder der letzten Explosion hinterlassen wurden. Jenseits der Plastikscheiben, die den Lehmziegelhäusern als Fenster dienen, die dort so gewagt am Hang thronen, verfolgen neugierige Blicke die fallende Kugel.

Staubrot kommt der Ball schließlich unten auf der belebten Schotterstraße zum Stillstand. Drei lachende, magere Jungs bleiben ebenfalls stehen und bestaunen ihn, als sei er geradewegs vom Himmel gefallen.

»Ein Fußball«, ruft einer aus.

»Wem gehört der?«, fragt ein anderer.

Die Jungen schauen sich um, blinzeln den Hügel hinauf.

»Lasst uns spielen!«, schreit der Dritte.

Etwa zehn Meter über ihnen beobachtet ein Mädchen die Jungen amüsiert. Sie nippt an ihrer Tasse Tee. »Ich hole ihn mir später wieder«, sagt sie sich. »Und zeige ihnen, wie man richtig spielt.«

Prolog

Am Morgen des 27. Aprils 1978 wachte mein Vater mit folgenden Radionachrichten auf: »Die bisherige Regierung wurde durch die neue Revolutionsregierung abgelöst, die nun das Volk von Afghanistan repräsentiert.« Die marxistische Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) hatte gegen die Regierung von Mohammed Daoud Khan einen Staatsstreich durchgeführt und ihn sowie die meisten seiner Angehörigen im Präsidentenpalast erschossen.

Über Nacht hatte sich das Leben von Millionen Afghanen verändert. Der Putsch teilte das Land; er riss Familien auseinander und zerstörte Freundschaften.

Innerhalb einer Woche verlor mein Vater seinen Posten als Ingenieur.

Bald darauf wurde er von seinem früheren Kollege aus dem Ministerium für Wasser und Energie auf dem Basar gewarnt: »Ihr Leben ist in Gefahr«, sagte er zu meinem Vater. »Sie hätten sich dem Regime gegenüber ›loyaler‹ zeigen sollen.«

Mein Vater wollte nicht einfach abwarten, was passieren würde: Er ging sofort zu seinem Schwiegervater Iss-haq Babai, der sich weigerte, die neue Regierung oder die geplante Umverteilung seiner 200 Hektar Land anzuerkennen.

»Die Lage verschlimmert sich«, drängte mein Vater. »Wir müssen unser Leben retten. Lass uns nach Pakistan flie-

hen.«

»Was? Du willst, dass ich mein Haus, meine Heimatstadt, mein Land zurücklasse, um dort zu leben? Niemals!«

»Aber ich werde gehen, und meine Familie nehme ich mit mir.«

Mein Großvater, der nicht bereit gewesen war, seinen Grund und Boden zurückzulassen, wurde wenige Monate, nachdem mein Vater das Land verlassen hatte, vor seinem Haus in Kandahar getötet.

Mein Vater brach von Kandahar aus nach Pakistan auf. Er fuhr auf dem Rücksitz eines Motorrades, dessen Fahrer er dafür bezahlt hatte, ihm über die Grenze zu helfen. Sie vermieden es, die Hauptstraßen zu benutzen, um die Kontrollpunkte des Militärs zu umgehen. Stattdessen fuhren sie die etwa 200 Kilometer nach Quetta in Pakistan über holperige Nebenstraßen. Im Grenzgebiet kreisten über ihnen ständig patrouillierende Hubschrauber.

Als sie Pakistan erreicht hatten, ging mein Vater zur US-Botschaft in Islamabad und gesellte sich zu den Tausenden anderer Afghanen, die dort dichtgedrängt darauf hofften, in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Er hatte gut daran getan, allein zu reisen. Es wäre nahezu unmöglich gewesen, im Chaos all derer, die lautstark die Einreise verlangten, Frau und drei kleine Kinder bei sich zu haben. Zwei Wochen lang wartete er mitten im Geschiebe und Gedränge vor den Toren von früh bis spät darauf, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkte. Schließlich gelang es ihm, einen Termin zu bekommen.

In der Annahme, es könnte von Nutzen sein, hatte er seine Teilnahmebestätigung für eine Fortbildung in Bewässerungstechnik an der Universität von Hawaii mitgenommen. Diese Referenz erwies sich als ausreichend. Die Botschaft erteilte unserer Familie die Einwanderungserlaubnis.

Da es in Afghanistan damals kein Telefonnetz, keine Faxgeräte oder funktionierende Postzustellung gab, suchte er sich einen jungen Mann, der nach Kabul fuhr. Es war zu der Zeit nichts Ungewöhnliches, jemanden zu fragen, Nachrichten und Briefe persönlich zu überbringen.

»Kannst du diesen Brief hier meinem Bruder geben?«, fragte er.

Der junge Mann erklärte sich einverstanden.

*

Meine Mutter lebte in der Zwischenzeit mit ihren drei kleinen Kindern vorübergehend bei ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwager im Kabuler Bezirk Karte Se. Als sie den Brief meines Vaters erhielt, packte sie uns warm ein, suchte ein paar Kleidungsstücke zusammen und lud uns in einen Bus zurück nach Kandahar, wo ihre Mutter und ihre Schwester zurückgeblieben waren. Sie verbrachte eine verzweifelte Woche damit, eine Möglichkeit der Grenzüberquerung zu finden.

In einem Dorf in der Nähe trieb sie schließlich eine andere Familie auf, die ebenfalls gerade bei den Vorbereitungen war, das Land zu verlassen. Wir würden alle gemeinsam im Fuhrwerk eines Bauern fliehen. Um die 1000 Afghanis (200 Dollar) bezahlen zu können, die der Bauer dafür verlangte, kratzte meine Mutter ihre gesamten Ersparnisse von ihrem Lohn als Lehrerin zusammen und verkaufte ihren Schmuck.

Bei Sonnenuntergang brachen wir auf. Meine Mutter, meine Geschwister, meine Tante und ich lagen gekrümmt und zusammengepfercht auf dem metallenen Boden der Fahrzeugpritsche. Meine Großmutter hatte sich entschieden, gemeinsam mit zwei anderen Familien in Afghanistan zu bleiben.

Wir wagten nicht, Licht anzumachen, und so tastete sich das Fahrzeug langsam in der Dunkelheit voran. Es war kalt. Die Straßen vor uns waren stark vermint; zwei Männer fuhren auf Motorrädern im Schleichtempo voraus, um nach Stolperdrähten Ausschau zu halten, die uns alle hätten töten kön-

nen.

Die Hubschrauber dröhnten über uns, ihre Suchscheinwerfer huschten über die dunklen Landstraßen. Über der Landschaft waren die blendenden, Furcht einflößend hellen Lichtblitze von Detonationen zu sehen.

Unter der Plane erwartete meine Mutter jeden Augenblick den Einschlag einer Bombe von oben oder den unmittelbaren Tod durch eine Tretmine von unten. Sie bedeckte uns mit ihrem Körper, hielt die Augen geschlossen und stellte sich vor, die Plane könnte jeden Augenblick weggezogen werden und uns den Blicken der Soldaten aussetzen.

Wir fuhren die ganze Nacht hindurch. Am nächsten Morgen überquerten wir die Grenze nach Quetta, Pakistan, und trafen dort meinen Vater. Nach Wochen des Wartens floh unsere Familie nach Amerika, unserer neuen »vorübergehenden« Heimat.

*

Doch die Kämpfe dauerten an. Aus vorübergehend wurde dauerhaft. Für meine Eltern war das Dauerhafte verbunden mit der Sehnsucht, in das Land ihrer Erinnerungen zurückzukehren. Meine ganze Kindheit hindurch reiste ich nach Afghanistan –

in meiner Vorstellung.

Dann, über Nacht, veränderte sich meine Welt: 2001 marschierten die Vereinigten Staaten in Afghanistan ein und stürzten die Taliban.

Plötzlich schien es für mich möglich zu sein, dorthin zu fahren. Ein bloßer Besuch jedoch erschien mir als zu belanglos. Ich wollte keine Touristin in meinem Heimatland sein. Ich wollte für das Land, in dem ich geboren worden war, einen sinnvollen Beitrag leisten.

Aus diesem Bedürfnis heraus entstand eine Idee und in der Folge dieses Buch.

Auf den nächsten Seiten werden Sie acht mutige afghanische Mädchen auf ihrer Reise nach Amerika und zurück kennenlernen. Dieses Buch aber handelt ebenso von meiner eigenen Reise. Davon, Afghani-Amerikanerin zu sein, und davon, wie dieser Bindestrich gleichermaßen verbindet und trennt. Sie werden die in allen Kulturen tief verwurzelte Überzeugung verstehen lernen, dass wir jenseits unserer unendlich vielen Unterschiede alle eins sind.

Dieses Buch handelt auch von der Hoffnung. Hoffnung in ihrer zutiefst tatkräftigen Bedeutung. Denn wie hoch der Berg auch sein mag, es gibt immer einen Weg hinüber.

1
Neugeboren

Amerika, Juni 2004

An diesem Sommerabend war der Himmel wolkenlos, die Sterne funkelten, und es war schwül. Als ich über den Rasen vor dem Vorstadthäuschen meiner Freundin Barbara Goodno in Washington D. C. ging, fragte ich mich: Sind sie bereit?

Acht Monate zuvor war ich auf die Idee gekommen, einer Gruppe von acht Mädchen aus Afghanistan die Teilnahme an einem Trainingslager für Fußball und Führungsqualitäten in den Vereinigten Staaten zu ermöglichen. Nun waren sie für sechs Wochen hier; zwei Wochen würden sie in Washington verbringen, die übrigen Wochen in Connecticut, wo ich ebenfalls ein Fußballcamp organisiert hatte, und schließlich würden sie nach Cleveland, Ohio, reisen, um Afghanistan bei den International Children’s Games zu vertreten.

Zunächst würden die acht Mädchen aus Afghanistan nach nur zwei Wochen in Amerika und nur einigen wenigen Trainingseinheiten ihr allererstes öffentliches Fußballspiel bestreiten.

Laila. Freshta. Samira. Miriam.

Deena. Nadia. Ariana. Robina.

Zuvor hatten die Mädchen ihre Trikots zurechtgelegt. Jede hatte ihr rotes Trikothemd so zusammengefaltet, dass die weiße Zahl darauf zu sehen war. Unter den Hemden hatten sie die roten Socken, die schwarzen Shorts und die Stollenschuhe verstaut. Dann wurden die ordentlichen Stapel im Flur vor ihren Zimmern aufgereiht.

Am nächsten Tag würden die Mädchen beim siebten jährlichen afghanisch-amerikanischen Fußballcup-Turnier zum Nationalfeiertag antreten, gesponsort und organisiert vom Afghanisch-Amerikanischen Sportverband. Seit ihrer Gründung 1997 zieht diese dreitägige Veranstaltung mitunter sogar Afghani-Amerikaner von weit her an; sie kommen nicht nur wegen der Wettkämpfe in Fußball und Volleyball aus Kalifornien oder Kanada angereist, sondern auch wegen des afghanischen Essens und der Musik.

Aber es würde das erste Mal sein, dass ein Fußballspiel für reine Mädchenmannschaften ausgetragen wurde.

*

Ich fuhr die Mädchen zum South Run Park in Springfield, Virginia. Am Morgen hatte es geregnet. Das Spielfeld war noch nass, der Himmel bedeckt. Die Mädchen waren schweigsam. Sie schwärmten aus, um das weite, grüne Spielfeld in Augenschein zu nehmen.

Der Sportplatz war gesäumt von bunten Verkaufsständen. Afghanische Kebabs aus mariniertem Lamm, Hühnchen oder Rindfleisch, gut gewürzt mit Paprika und Knoblauch und mit Tomaten, Zwiebeln und Paprikaschoten bestückt, drehten sich langsam auf ihren Spießen. Ich freute mich schon auf eine Schale Shar-nakhud, kleingeschnittene, gekochte Kartoffeln und Bohnen mit Essig, Knoblauch und Gewürzen.

Einige Leute bauten sich in Fünfer- und Sechserreihen an einem Spielfeld auf, wo gerade ein Spiel beginnen sollte. Andere Familien machten grüppchenweise Picknicks, saßen auf Gartenstühlen oder bunten Quilts, die auf dem Boden ausgebreitet waren. Ältere afghanische Frauen mit ihren weiten Hosen und Hijabs, den Kopftüchern, übernahmen die Aufgabe, das Essen auszuteilen.

Paschtu und Dari, die beiden Hauptsprachen Afghanistans, waren überall zu hören, genauso wie der arabische Friedensgruß Salam aleikum! Friede sei mit dir.

U aleikum assalam! Und der Friede mit dir!

Stari me shey – ein Gruß auf Paschtu

Che hal dared? – Wie geht’s? Einige Mädchen antworteten mit der vertrauteren Wendung auf Dari.

Khub astom taschakor. Danke, gut.

Die afghanischen Mädchen zogen neugierige Blicke auf sich, als wir auf dem Sportplatz herumliefen. Sie trugen bereits ihre Trikots, die Ärmel bis über die Ellenbogen, lange Shorts, die bis über die Knie gingen und Strümpfe, die bis zu den Shorts hochgezogen waren.

Ich denke, sie wurden nicht nur angestarrt, weil sie Spieler aus Afghanistan waren, sondern eben auch, weil sie eine reine Mädchenmannschaft waren.

Miriam und Deena hatten einander den Arm um die Hüfte gelegt, und die anderen Mädchen drehten sich ständig nach ihnen um, während wir weiterschlenderten, als seien sie unsicher, wie sie darauf reagieren sollten.

Sich der Aufmerksamkeit bewusst und dennoch vorgebend, sie zu ignorieren, stießen alle einander leicht an, während sie sich durch die Menge bewegten – erwartungsvoll, aufgeregt und wahrscheinlich auch ein bisschen ängstlich. Durch ihre leuchtend roten und schwarzen Trikots waren sie miteinander verbunden und sahen aus wie ein Team.

Wie weit sie als Team kommen würden, würden wir im Laufe des Tages sehen.

Ein Ordner sagte mir, dass wir auf dem Hauptfeld spielen würden, unmittelbar vor Beginn der Fußball-Meisterschaftsspiele der Herren.

»Dadurch werdet ihr ein großes Publikum haben«, meinte er grinsend. »Das macht euer Spiel aufregender, was?«

Ich stimmte lächelnd zu.

Größeren Druck macht es auch.

Da wir bis zu unserem Spiel noch etwas Zeit hatten, bewegten wir uns in Richtung des Spielfelds, um uns einzuspielen. Der Trainer der Mädchen, Ali Zaka, ein ansässiger Afghani-Amerikaner, ließ sie zur Aufwärmung ein paar Runden laufen und dann den Ball um das Feld dribbeln.

Auf der anderen Seite machten sich die Spielerinnen der Gegenmannschaft ebenfalls warm.

Die Mädchen riskierten verstohlen rasche, nervöse Blicke.

Dann zog Samira ihre Torwart-Handschuhe an und nahm ihren Platz im Tor ein. Nachdem ihm während der Woche ihre ruhige, zähe Entschlossenheit aufgefallen war, hatte Ali ihr diese entscheidende Position zugewiesen.

»Sie erinnert mich an den Torwart aus meinem Team«, hatte er mir geantwortet, als ich ihn fragte, warum. »Sie sieht einfach aus wie ein Torwart.«

Ich beobachtete Samira. Ali hatte recht. Ihre Bewegungen waren präzise, beständig; sie war unerschrocken – und kaltblütig genug, um einen Ball sicher zu halten.

Ihre Teamkolleginnen stellten sich auf, um Bälle auf sie zu schießen. Lailas Schuss war geradlinig und kräftig. Sie konnte damit durchaus Überraschungseffekte erzielen, aber Samira behielt ihren festen Stand, sie war hellwach und immer be-

reit.

*

Zwanzig Minuten vergingen. Aus dem Lautsprecher kam es wie Geräusper: »Das Mädchenfußballteam aus Afghanistan wird gleich in einem Schaukampf gegen eine gemischte afghani-amerikanische Mannschaft antreten. Darauf folgt das Finale der Herren, ebenfalls auf dem Hauptfeld.«

Es kam Leben in die Menge: Die Nachricht wurde mit einer Mischung aus Gemurmel und Ausrufen aufgenommen.

»Aus Afghanistan?«

»Sagte er Mädchen aus Afghanistan?«

Ja, dachte ich. Mädchen aus der Heimat.

Und sie sind hier, um Fußball zu spielen.

Ali stieß in die Trillerpfeife, und wir steckten in der Mitte des Spielfeldes die Köpfe zusammen. Dieser Schlüsselmoment war hart für mich, denn ich konnte nicht verstehen, was Ali zu ihnen sagte. Ich kam als kleines Kind in die Vereinigten Staaten, und Englisch konnte ich demnach am besten. Dazu sprach und verstand ich Paschtu, weil meine Familie aus Kandahar stammte. Aber in Kabul, woher die Mädchen kamen, wurde hauptsächlich Dari gesprochen. Das war die Sprache, die ihnen allen gemeinsam war. Auch Ali sprach Dari.

Ich war neidisch. Auf die Übersetzung warten zu müssen hieß, etwas Wesentliches nicht zum richtigen Zeitpunkt mitzubekommen, in etwa so, als sähe ich einen Film mit schlechter Synchronisation.

Zumindest war klar, wer auf welcher Position spielen würde. Ali hatte Robina, vierzehn, als Stürmerin aufgestellt. Sie war schnell und ihr Schuss sicher. Und sie hatte sich als geborener Mannschaftskapitän erwiesen: als Erste auf dem Feld und die Letzte, die es verließ. Sie hatte oft das letzte Wort, gerade, weil sie nicht darum wetteiferte. Sie vermittelte den jüngeren Mädchen Alis Anweisungen.

Ali machte Freshta, ebenfalls vierzehn, zur anderen Stürmerin. Ihr Stil war sowohl mutig wie auch ungestüm. Sie war immer zum Schuss bereit, wenngleich oft nicht genügend konzentriert und zielgerichtet. Dessen ungeachtet machten ihre Kampfbereitschaft und ihr Talent sie zu einer geborenen Torschützin.

Ali stellte Ariana, Miriam und Laila, Freshtas Schwester, als Verteidigerinnen auf. Mit sechzehn war Ariana die älteste und größte der Mädchen, und ihre Größe und Stärke machten sie zu einem Schutzwall. Lailas Gelassenheit und rasche Auffassungsgabe befähigten sie, in den kritischen Situationen in Tornähe Ruhe zu bewahren, und das beständige, umsichtige Spiel der vierzehnjährigen Miriam war gut geeignet, einen kleinen, überschaubaren Raum zu erobern und zu verteidigen.

Ali wählte gut. Er setzte Nadia, zwölf, und Deena, elf, als Mittelfeldspielerinnen ein, wo sie dem Ball hinterherflitzen konnten, wann immer sie ihn erwischten.

Roya war Alis jüngste Schwester; als Afghani-Amerikanerin stieß sie als neuntes Mitglied zum afghanischen Team, nachdem die Mädchen in den Vereinigten Staaten angekommen waren. Ali besetzte sie als Mittelstürmerin.

»Bleibt als Team zusammen«, wies er sie an. »Rennt nicht alle bloß dem Ball hinterher. Strengt euch an!«

Soviel verstand ich von dem, was Ali sagte, und ich hoffte, die Mädchen würden es beherzigen.

*

Das Spiel wurde auf einem Platz von verringerter Größe ausgetragen, aber für diese Mädchen war er immer noch reichlich groß. Es war ein Match sechs gegen sechs, und das bedeutete, dass nicht alle Mädchen gleichzeitig auf dem Feld waren. Fußball wird ja üblicherweise mit elf Spielern auf beiden Seiten gespielt, aber auf Jugend- und Amateurebene darf man auch weniger Spieler einsetzen.

Die ersten sechs – Robina und Freshta als Stürmerinnen, Ariana und Laila in der Verteidigung, Roya im Mittelfeld und natürlich Samira im Tor – liefen unter dem Jubel der Menge auf das Spielfeld.

Nadia mit ihren unglaublich großen grünen Augen grinste mir von der Seitenlinie aus zu. Deena hüpfte an der Seitenlinie auf und ab, als wäre sie auf einem Trampolin. Miriam stand mit angestrengter Aufmerksamkeit da. Wir waren ein eigenes kleines Team. Da kam der Anpfiff: es ging los!

Ich betete um zumindest ein Unentschieden. Was, wenn sie verlieren würden? Wäre ich in der Lage, sie wieder aufzubauen und zu trösten? Stolz ist eine anfällige Angelegenheit und der Teamgeist der Mädchen war noch in der Entwicklungsphase. Würden sie sich, wenn sie nicht gewinnen würden, gegenseitig Vorwürfe machen oder den Frust aneinander auslassen?

Da wurde mir plötzlich klar, dass ich davon ausging, dass die Mädchen verlieren würden.

Robina und Freshta durchbrachen die Verteidigung auf der gegnerischen Hälfte und ballerten immer wieder aufs Tor, sobald sie in seine Nähe kamen. Freshta landete starke Schüsse, die hoch und weit flogen – wenngleich direkt in die Hände des Torwarts. Aber sie schüttelte jeden Fehlschuss unbeeindruckt ab.

Laila hingegen war von jedem verpassten Treffer genervt und ärgerlich, dass der Spielfehler ihrer Schwester die Mannschaft ein wertvolles Tor gekostet hatte.

Ariana trieb sich beim Netz herum und trat den Ball mit schon fast gelangweilter Lässigkeit. Samira blieb fokussiert und wartete auf ihre Herausforderung.

Die andere Verteidigerposition hatte nun Miriam, die für Laila eingewechselt worden war. Sie warf einen kurzen Blick auf das Gedrängel, das ihre Teamkolleginnen um den Ball veranstalteten. Sie bündelte lieber ihre Energie, als auf der Jagd nach Torchancen herumzurennen.

Miriam schrie ihnen auf Dari zu: »Gib ab, spiel den Ball zu mir!« Als keine sie beachtete, rannte sie geradewegs zum entsetzten Ali an der Seitenlinie.

»Was machst du da? Sofort zurück ins Spiel!«, schrie er und scheuchte sie wieder aufs Feld.

Miriam sagte etwas zu Ali und trottete dann auf ihre Position zurück. Sie versuchte, Alis Anweisungen zu befolgen, aber keine spielte ihr einen Pass zu. Selbst mit den Armen zu wedeln und Zurufe führten zu nichts. Sie stand allein auf der linken Seite des Spielfeldes.

Ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt, Miriam besser kennenzulernen. Auf dem Spielfeld jedenfalls geriet sie rasch in Rage, doch wenn sie dann so richtig sauer war, meinte ich dazu auch eine gewisse Traurigkeit in ihrem Gesicht zu sehen.

Nadia wurde ebenfalls eingewechselt. Der Stress des Spiels machte ihr nicht besonders zu schaffen, und ihre Lust am Spiel hatte etwas Unkompliziertes. Ihr genügte es, mit ihren neuen Freundinnen auf dem Spielfeld zu sein. Aber dennoch nahm sie es ernst. Wenn auch nicht ganz so ernst wie die elfjährige Deena, die jüngste und kleinste von allen, mutige 1,37 Meter groß. Abseits des Spielfeldes fand jeder, dass sie aussah wie eine Puppe, mit ihrem sonnigen Wesen, ovalen Gesicht und niedlichen Knopfaugen. Wenn sie jedoch Fußball spielte, wurde sie hartnäckig, setzte jedem Ball nach und scheute sich auch nicht, andere Spieler – die natürlich allesamt größer waren als sie – anzurempeln und zu schubsen.

Gleichsam eine kleine Dampflok im Dauerbetrieb, war Deena mit ihrem zierlichen Körper ein ausgemachtes athletisches Naturtalent. Sie hatte Gaben, die man nicht erlernen kann: Vertrauen, Rauflust, Herz, und dazu die Fähigkeit, in diesen ganz besonderen Zustand zu gelangen – in dem nichts zählt als der Spieler und das Spiel.

Der Ballbesitz wechselte zwischen den Mannschaften, und die Torhüterinnen sahen sich mit einigen Schüssen konfrontiert, die sie allesamt hielten. Nach fünfzehn Minuten ertönte der Pfiff zur Halbzeit, und Sekunden später fing sich Samira ein Tor ein.

Es war nach dem Abpfiff gefallen. Dennoch brachten Ali und ich die meiste Zeit der Pause damit zu, zu erklären, warum es nicht zählte. Die Mädchen waren unruhig. Sie starrten wütend zum anderen Team hinüber und hörten uns skeptisch zu. Robina und Samira waren besonders aufgebracht, fuchtelten mit ihren Händen und redeten eindringlich auf ihre Teamkolleginnen ein, die mit gesenkten Köpfen dastanden. Abermals konnte ich ihrem Dari nicht unmittelbar folgen, aber über die Sprachbarriere hinweg hatte ich Mitgefühl für Samira. Als Torhüter hat man es schwer, sich von den anderen nicht zu entfremden und sich hilflos zu fühlen. Du bist allein jenseits der Spielfeldlinie, den wachsamen Blick ständig darauf gerichtet, ob das andere Team die Verteidigungslinie durchbricht und auf dich zuhält.

Schließlich konnten Ali und ich sie überzeugen: Sie waren noch im Rennen.

Die zweite Halbzeit begann. Samira hielt die Hände erhoben und balancierte auf dem Ballen, den Klettverschluss ihrer Handschuhe fest um die Handgelenke gezurrt. Ihre Körpersprache sagte: Bei mir kriegt ihr keinen mehr rein.

Aus irgendeinem Grund sann ich darüber nach, wie penibel Samira ihre Haare zurückgekämmt und zum Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, sodass jede Strähne an ihrem Platz war. Diese Sorgfalt bis ins kleinste Detail mochte ihr auch als Torwart nützlich sein. Samira wies in verschiedene Richtungen und schrie ihren Mannschaftskameradinnen Anweisungen zu: »Bleib da! Schieß, schieß! Ich krieg ihn!«

Dennoch fragte ich mich, ob sie diesem Druck wirklich würde standhalten können, so unerfahren wie sie auf dieser Position war.

Das Spiel ging am Ende unentschieden aus.

2
Rückkehr nach Kabul

Samira, Kabul, August 2004

Meine Sehnsucht, nach Kabul zurückzukehren, ist unaussprechlich. Wie könnte seine Herrlichkeit jemals aus meinem Herzen gelöscht werden?

König Barbur, 16. Jahrhundert

Samira taucht aus dem Flugzeug auf und blinzelt in die Sonne. Es ist Anfang August 2004, und sie und das Team sind gerade wieder in Kabul angekommen. Sie nimmt ihre Kameradinnen, die hinter ihr die metallenen Stufen hinabklettern, kaum wahr. Sie sammeln sich auf der internationalen Landebahn, einer groben, löchrigen Asphaltdecke.

Daheim.

Die anderen Passagiere marschieren davon. Samira ist schweigsam. Ihre Teamkolleginnen folgen Jennifer, einer Englischlehrerin vom Afghan Center, die sie in Dubai getroffen haben und die sie nun zum einige hundert Meter entfernten Terminalgebäude führt. Samira schaut kurz in Richtung des Gebäudes – einem einstöckigen Klotz aus fleckigem Beton. Ein staubiges Schild »Ba Kabul Khush Amadin« heißt sie mit verwischtem blauem Aufdruck willkommen. Sie beginnt zu schwitzen. Die Berge in der Ferne sind in Dunst gehüllt und gesprenkelt von den Schatten der farblosen Lehmziegelhäuser, die sich an den Berghängen drängeln.

Weniger als achtundvierzig Stunden zuvor war sie am Flughafen von Dubai, einem modernen Gebäude mit Klimaanlage, mit gewölbten Decken in den Gängen, voller Girlanden glitzernden Lichtes, Wänden ganz aus Glas und Palmen. Dort mischten sich Reisende in ärmellosen T-Shirts unter Frauen in Hijabs und Männer in langen, weißen Gewändern.

Sie verbrachten die Nacht in einem Hotel, mit der Absicht, am nächsten Morgen den Flug nach Kabul zu nehmen. Auf halbem Weg zum Flughafen schlug sich Freshta plötzlich mit der Hand gegen die Stirn.

»Meine Medaille!«

In der Hektik des Packens und der Aufregung nach Hause zu fahren, hatte sie die Goldmedaille vergessen, die jedem Mädchen beim Nationalfeiertagswettkampf in Virginia verliehen worden war. Freshta weigerte sich, ohne sie an Bord zu gehen.

Also ließ sie das Taxi umkehren und sich durch den dichten Rush-Hour-Verkehr zum Hotel zurückkämpfen. Als sie wieder am Flughafen ankamen, hatten sie ihren Flug verpasst.

Für Samira fühlte sich ein weiterer Tag fern von zu Hause an wie ein Sack Steine auf der Brust.

*

Als sie am nächsten Morgen endlich das Flugzeug der Kam Air bestiegen, kam es ihr wie ein Bruchteil der Emirates Maschine vor, die sie von New York nach Dubai gebracht hatte.

In dem riesigen Flugzeug hatte es kleine Waschräume gegeben, darin Toiletten mit Spülung und Wasserhähnen, woraus das Wasser beim geringsten Aufdrehen hervorsprudelte. Zu Hause ging Samira zum Brunnen, um Wasser zu holen. Kleine Fernseher, die in jedem Sitz eingebaut waren, zeigten alles von Cartoons bis zu Musikvideos und Bollywood Filmen. Während ihres Vierzehnstunden-Fluges gab es richtige warme Mahlzeiten mit Reis, mariniertem Fleisch und gedünstetem Gemüse.

Auf der letzten Etappe ihrer Heimreise starrte Samira nur aus dem Fenster der Kam Air Maschine als sie über die Gipfel der Berge von Kabul glitt – den zerklüfteten, alten Kieferknochen, der die Stadt umgab. Als es die Bergkämme überflog, war die einzige Farbe, die sie in der staubbraunen Landschaft der Stadt ausmachte, die der schwärzlichen Skelette ausgebombter Flugzeuge, die entlang der Piste verrotteten.

Jetzt, wo sie auf dieser Rollbahn steht, sieht Samira diese Flugzeuge von Nahem. Ihr Rumpf ist unnatürlich schief, die Tragflächen sind nach hinten gebogen wie ein gebrochener Ellenbogen.

Das Team betritt den Terminal und wird in einen Nebenraum geleitet, wo ein Angestellter der Airline ihnen ihr Gepäck bringt. Samira schnappt nach Luft. Ihre drei prall gefüllten Taschen sind schmutzig und böse zugerichtet. Von einer ist der Reißverschluss abgerissen, und dadurch ist die Einfassung zerfetzt und steht offen. Ihre Kleider quellen aus dem Spalt und legen die Geschenke für ihre Geschwister, Jeans und Fußballsachen frei, die in jede Ritze gestopft waren. Jemand hatte womöglich versucht, etwas herauszuzerren. Einige Taschen der anderen fehlen ganz. Samira schleppt das zerschrammte, kaputte Gepäck nach draußen auf den ungepflasterten Parkplatz.

Duaine vom Afghan Center hat Fahrzeuge organisiert, um alle Mädchen nach Hause zu bringen. Samira lebt mit acht Geschwistern und ihren Eltern in einem Drei-Zimmer-Lehmziegelhaus fast am Fuße der Hügel in Kabuls Bezirk Karte Parwan. Sie wird gemeinsam mit Ariana fahren, die in einer ruhigen Straße in Khair Kahana lebt und mit Miriam, deren Familie etwas höher gelegen in den felsigen Hügeln der Altstadt wohnt.

Die drei Mädchen klettern in den Toyota SUV und ziehen die Türen zu. Samira sitzt am Fenster. Der Sitz fühlt sich heiß an ihrem Rücken, den Armen und Oberschenkeln an. Die Luft im Wagen ist staubig. Samira wird auf unangenehme Weise bewusst, dass die Türen und Fenster geschlossen sind. Sie hat Mühe, zu atmen.

Der Wagen folgt der flachen Strecke der Airport Road ins Stadtzentrum. Samira starrt auf die Stadt vor ihr, ein Amalgam jahrtausendelang konkurrierender Kulturen. Manche nehmen an, Kabul sei von den verfeindeten Brüdern Kain und Abel gegründet worden. Wechselnde Allianzen und Blutvergießen sollten seine Geschichte prägen, als eine Zivilisation nach der anderen über die Stadt kam. Sie wurde nacheinander von den Griechen, den Skythen, Kuschanen und Persern erobert und eingenommen, und der Islam wurde im neunten Jahrhundert eingeführt. Später folgten sukzessive Invasionen der Mongolen, Perser und Briten.

Das Völkergemisch erzeugte eine eklektische Kultur, die auch heute noch das kollektive Bewusstsein der Stadt formt. Viele Völker haben hier ihre Heimat. Afghanistans vorherrschende Ethnien – Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken – bilden in den Straßen ein buntes Farbengemisch. Mädchen mit rotem Haar und Sommersprossen, blonde, blauäugige Kinder, Männer mit asiatischen Zügen, Frauen mit dunkler Haut, schwarzem Haar und Mandelaugen.

Durch diese Melange sich kreuzender Kulturen, aus Hochkultur, extravaganter Geschichte, fortgesetzten Kriegen und deprimierender Armut bietet sich Samira eine faszinierende wie ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Kick It in Kabul" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen