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Keiner flirtet so wie du

1. KAPITEL

Charli hasste Babysitten.

Nichts gegen Kinder, aber den Enkelsohn ihres Chefs auf die Comeback-Tournee von Storm Varth mitzunehmen war ein Fehler.

Ein Riesenfehler.

Jetzt musste sie sich nicht nur um einen flippigen Rockstar kümmern, sondern hatte auch noch Luca Petrelli am Hals.

So ein Mist.

Während sie auf den Fahrstuhl wartete, blickte sie sich in der Lobby von Melbournes Crown Towers Hotel um. Das gedämpfte Gold und die warmen Brauntöne der Einrichtung strahlten Klasse und Luxus aus.

Charli lebte praktisch in diesem Hotel, in dem viele Musiker und Rockstars abstiegen. Und wo die Stars von Landry Records waren, war auch sie zur Stelle, um ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Das war ihre Spezialität: Rockstars auf der Durchreise verhätscheln, ausgefallene Wünsche erfüllen, dafür sorgen, dass alles lief wie geschmiert.

Sie liebte ihren Job: die Aufregung, die Hektik, den Stress.

Nichts konnte sie erschüttern. Nicht mehr.

Als sie den Fahrstuhl betrat, blickte sie auf die Uhr und verzog das Gesicht. Hoffentlich war Luca Petrelli fertig, wenn sie an seine Tür klopfte.

Sie hatte den Weg von hier nach Ballarat auf die Sekunde genau kalkuliert. Storms Tourbus war gerade losgefahren, und obwohl der mürrische Rockstar sich jede Störung bis zum nächsten Morgen verbeten hatte, musste sie sich vergewissern, dass seine Ankunft bei der ersten Station seiner Tournee reibungslos verlief.

Es gab viel zu tun, und niemand, auch nicht dieser Taugenichts von einem Playboy, würde sie aufhalten.

Als sich die Fahrstuhltür lautlos öffnete, strich sie ihren auberginefarbenen Lieblingsrock glatt, zupfte ihr Jackett zurecht und wandte sich nach einem flüchtigen Blick auf die Zimmernummern nach rechts.

Mit wachsender Ungeduld folgte Charli dem langen Korridor.

Für Hector Landry, Boss von Australiens größtem Plattenlabel, hätte sie alles getan, doch als er sie vor wenigen Stunden mit der Neuigkeit überraschte, dass Luca sie auf die Tournee begleiten würde, hatte sie protestiert.

Offenbar hatte der berühmt-berüchtigte Luca Petrelli sich von der französischen Riviera und den Partys in Rio de Janeiro losgeeist – Hector zuliebe, der gerade seinen Finanzmanager gefeuert hatte und dringend einen Nachfolger brauchte.

Und da kam besagter Playboy ins Spiel, der seinen Charme über den ganzen Globus versprühte. Dass er seinen Bekanntheitsgrad nutzte, um Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln, machte Charli umso skeptischer.

Was wollte er hier, nachdem er seinen Großvater in den letzten zehn Jahren kaum zu Gesicht bekommen hatte?

Vor der Suite blieb sie stehen und klopfte, um einen neutralen Gesichtsausdruck bemüht. Es war nur ein Job wie jeder andere, den sie für Hector erledigte, und es stand ihr nicht zu, ihren Boss oder die Beweggründe für den Besuch seines flatterhaften Enkels anzuzweifeln.

Doch als die Tür aufging und sie Luca Petrelli zum ersten Mal gegenüberstand, wusste sie sofort, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Job handelte.

„Sie wirken enttäuscht“, begrüßte er sie, lässig an den Türrahmen gelehnt – und von der Hüfte aufwärts nackt.

Charli wagte nicht, nach unten zu sehen, und obwohl die verschiedensten Gefühle über sie hereinstürzten, Enttäuschung gehörte nicht dazu.

Sie kannte Luca von Fotos in Zeitschriften, und gelegentlich zeigte Hector ihr irgendwelche Schnappschüsse, die sie sich höflich ansah. Den Stolz in Hectors Stimme hatte sie nie nachvollziehen können. Wie konnte er auf diesen Taugenichts von einem Enkel stolz sein, der ihn nie besuchte oder sonst irgendwie von ihm Kenntnis nahm?

Doch hatte sie nie richtig hingesehen, hatte stets nur einen flüchtigen Eindruck von einem großen Mann gewonnen, mit zu langem Haar, zu vielen Bartstoppeln und zu vielen Affären.

Die Realität sah anders aus.

Sein Haar war kürzer. Schwarze Locken standen in alle Richtungen ab. Er hatte sich rasiert, und es war auch keine vollbusige Botox-Blondine in Sicht.

„Enttäuscht?“, brachte sie schließlich hervor, als er wissend lächelte. Ein laszives, verführerisches Lächeln …

„Dass ich kein Rockstar bin“, fügte er erklärend hinzu.

„Niemand würde Sie für einen Rockstar halten.“

Widerstrebend ließ sie den Blick zu seiner Brust wandern. Mit seinem breiten gebräunten, wie gemeißelt wirkenden Oberkörper unterschied er sich deutlich von den schmächtigen blassen Männern, mit denen sie normalerweise zu tun hatte.

Rockstars waren Nachtmenschen, die in der Dunkelheit verqualmter Klubs zu Hause waren und gegen ihr Lampenfieber Kette rauchten oder Schlimmeres.

Während Luca Petrelli lächelnd im Türrahmen lehnte, wurde ihr abwechselnd heiß und kalt.

„Wieso das? Sehe ich nicht so aus?“, wollte er wissen.

Obwohl eine innere Stimme sie davor warnte, ließ sie den Blick an seiner Brust hinabgleiten. Erleichtert stellte sie fest, dass er ein Handtuch um die Hüften geknotet hatte – unter dem sie eine Bewegung wahrzunehmen meinte.

Hitze stieg ihr in die Wangen, als sie sich wieder seinem Gesicht zuwandte.

„Stimmt etwas nicht?“, fragte er scheinheilig.

Den Impuls unterdrückend, sich umzudrehen und die Flucht zu ergreifen, runzelte sie die Stirn. „Sie sind noch nicht angezogen.“

„Es ist Ihnen also aufgefallen.“

Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie das verführerische Funkeln in seinen Augen sah.

„Falls das Handtuch Sie stört, könnte ich …“, begann er.

„Ich gebe Ihnen fünf Minuten.“

„Sonst was?“

Als er sich vorbeugte, wurde sie von einer betörenden Duftwolke aus teurem Rasierwasser und frisch geduschtem Mann überwältigt.

Der Mann war ein Profi. Mit Flirten verdiente er seinen Lebensunterhalt. Dennoch verspürte sie unwillkürlich den Drang, den Abstand zwischen ihnen zu überwinden, ihre Nase an seinen Hals zu schmiegen und tief einzuatmen.

„Ziehen Sie sich einfach an.“ Zu ihrem Ärger war ein leichtes Beben in ihrer Stimme zu hören. „Wir müssen los.“

„Pech für Sie.“

Achselzuckend wandte er sich ab und ließ sie mit offenem Mund stehen. Was sie nicht davon abhielt, ihm nachzusehen, wie er das Zimmer durchquerte, das dicke weiße Handtuch so tief auf den Hüften, dass es bei jedem Schritt herunterzurutschen drohte.

Der Mann war eine Gefahr.

Mit allem hatte sie gerechnet, aber nicht damit.

In natura war Luca Petrelli viel charmanter als erwartet. Und dass sie seit Ewigkeiten nicht mit einem Mann ausgegangen war, machte sie besonders anfällig.

Als er an der Badezimmertür innehielt, blickte sie rasch wieder auf. Nicht rasch genug offenbar, denn er lächelte zufrieden. „Sie schätzen mich völlig falsch ein.“

„Inwiefern?“

„Sie glauben, ich hätte nicht das Zeug zum Rockstar?“ Lachend deutete er auf das Handtuch. „Dann sollten Sie mein Tattoo sehen.“

In ihrer Fantasie konnte sie ihm das Handtuch gar nicht schnell genug vom Leib reißen. In der Realität wandte sie ihm den Rücken zu und wünschte inständig, gegen den jungenhaften Charme dieses Playboys immun zu sein.

2. KAPITEL

Pfeifend schloss Luca den Reißverschluss seiner ältesten Jeans, schlüpfte in einen schwarzen Kaschmirpullover und lächelte seinem Spiegelbild zu.

Nach seiner Einschätzung blieben ihm noch drei Minuten, bevor die energische Blondine, die ungeduldig in seiner Suite auf und ab lief, ihn holen kam.

Sie hatte ihm fünf Minuten gegeben, um sich anzuziehen.

Er hatte sich bewusst zehn Minuten Zeit gelassen.

Charli Chambers war ganz anders, als er sich die persönliche Assistentin seines Großvaters vorgestellt hatte.

Zwar war er eine Weile fort gewesen – fast zehn Jahre, um genau zu sein –, aber früher hatte sein Großvater sich stets mit stoischen, dienstbeflissenen Frauen in schlichten grauen Hosenanzügen und konservativen Blusen umgeben. Fleißige Arbeitsbienen, die sich nicht trauten, den Mund aufzumachen.

Charlie Chambers war anders.

Ihr knielanger lila Rock umschmeichelte den appetitlichen Hintern, das enge Jackett betonte die schmale Taille, und der tiefe V-Ausschnitt ihrer weißen Bluse entblößte ein äußerst ansprechendes Dekolleté.

Und die nackten langen Beine … feste Waden, wohlgeformte Fesseln, manikürte silberne Nägel in Designersandaletten … Ja, er liebte schöne Beine und schämte sich dessen nicht.

Doch mehr als ihre Designerkleider oder die scharfen Schuhe überraschte ihn ihr unverschämtes Auftreten. Schlimmer noch als ihr herablassender Tonfall war ihr misstrauischer Blick. Ein Blick, den er gut kannte und den er selbst geschickt verbarg. Denn er hatte schon in jungen Jahren begriffen, dass man niemandem trauen konnte, nicht einmal der eigenen Familie.

Auch Charli begegnete er mit Misstrauen. Er hatte den Schützling seines Großvaters gegoogelt und war auf eine Vielzahl von Fotos gestoßen: Charli am Arm seines Großvaters bei irgendwelchen Benefizveranstaltungen, Charli neben seinem Großvater bei irgendwelchen Galadiners, Charli, die seinen Großvater bei seinen Reisen nach Übersee begleitete. Wo immer sein Großvater auch war, folgte ihm Charli wie ein Schatten.

Sofort fingen seine Alarmglocken an zu schrillen. Er wusste, wie es war, von Leuten umgeben zu sein, die es nur auf sein Geld abgesehen hatten, und wenn Charli glaubte, sie könnte seinen Großvater ausnutzen …

Sein Lächeln erstarb, und er strich sich gedankenverloren über den Magen, der sich unwillkürlich zusammengezogen hatte. Zwar stand er seinem Großvater nicht besonders nah, aber er schuldete ihm etwas, und wenn er eines gelernt hatte, dann, seine Schulden zu bezahlen. Auch wenn das bedeutete, dass er seinen Großvater vor Erbschleichern in Designerklamotten beschützen musste.

Er hatte seinem Großvater vierzehn Tage gegeben. Zwei Wochen, um sich um die Finanzen eines abgehalfterten Landry-Records-Stars zu kümmern, bevor er nach London zurückkehrte.

Aber vorher würde er der kleinen Miss Etepetete auf den Zahn fühlen.

Er stieß sich vom Waschbecken ab und öffnete die Tür.

Charli blickte zum fünften Mal in ebenso vielen Minuten auf die goldene TAG Heuer, die Hector ihr zu ihrem einundzwanzigsten Geburtstag geschenkt hatte, unterdrückte einen Fluch und fixierte die Badezimmertür, bereit, sie einzutreten.

Es überraschte sie nicht, dass ein verhätschelter Playboy im Bad etwas länger brauchte, aber er war jetzt schon seit zehn Minuten da drin! Was trieb er? Zupfte er sich die Augenbrauen?

Dass Luca Petrelli mit auf die Tournee kam, war schon eine Zumutung. Aber sein dreister Auftritt im Handtuch war wirklich die Krönung.

Der Mann war eine echte Nervensäge.

Und sexy, flüsterte eine leise Stimme in ihrem Kopf.

Charli knirschte mit den Zähnen. Als ob sie daran erinnert werden müsste. Das Bild seiner breiten gebräunten Brust war ihr ins Hirn gebrannt wie die Passwörter für Hectors sämtliche Konten.

Und genau das machte sie so wütend. Seine Unpünktlichkeit war eine Zumutung. Aber vor allem ärgerte sie, dass ihre Haut jedes Mal heiß prickelte, wenn sie die Augen schloss und seinen nackten Oberkörper vor sich sah.

Mit geballten Fäusten ging sie auf die Badezimmertür zu, um zu klopfen, als die Tür sich öffnete und Charli an genau die Brust stolperte, von der sie noch vor fünf Sekunden geträumt hatte.

„Haben Sie mich so sehr vermisst?“

Lucas dunkle Stimme war direkt an ihrem Ohr, doch das war nicht der Grund, warum sie weiche Knie bekam. Nein, es lag daran, dass er ihre Handgelenke packte und die Handflächen an seine Brust drückte. „Ich fühle mich geschmeichelt, aber sollten wir uns nicht erst etwas besser kennenlernen?“

„Träumen Sie weiter.“ Sie versuchte, sich zu befreien, und er ließ sie los. Doch statt Erleichterung verspürte sie eher so etwas wie Enttäuschung, und als ihre Blicke sich trafen, las sie in seinen Augen ebenfalls Bedauern.

Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem lasziven Lächeln, dem unzählige Frauen in aller Welt verfallen waren, wenn man den Hochglanzmagazinen glaubte.

„Wenn Sie wüssten, wovon ich träume, Goldi.“

„Ich heiße Charli“, fauchte sie, wütend auf sich selbst, weil sie sich ihm so nah fühlte, weil sie das Geplänkel genoss, weil sie von seinem Lächeln weiche Knie bekam. „Wie kommen Sie auf Goldi?“

Als er ihr gönnerhaft die Wange tätschelte, hätte sie ihm am liebsten eine gescheuert. „Das ist eine Abkürzung.“

Verwirrt sah sie ihn an. „Wofür?“

„Für Goldgräber.“

Verdutzt öffnete sie den Mund, während er seine Vuitton-Reisetasche über die Schulter warf und zur Tür hinausging.

Charli holte Luca beim Fahrstuhl ein und hielt ihn an der Tasche fest, sodass er stehen bleiben musste. „Wie haben Sie mich gerade genannt?“

Sein Lächeln war verschwunden, seine Augen funkelten misstrauisch. „Sie haben gehört, was ich gesagt habe.“

Charli atmete tief durch und zählte still bis fünf, eine Technik, die Hector ihr beigebracht hatte, als sie frisch von der Straße kam und bei jeder Kleinigkeit in die Luft ging. Das war lange her, doch dass ausgerechnet Luca Petrelli so tat, als hätte sie es auf seine Rolex abgesehen, war eine Herausforderung für ihre Selbstbeherrschung. „Sie irren sich gewaltig. Ich bin nicht freiwillig hier. Ich mache nur meinen Job.“

Einen Moment lang wirkte er verwirrt, dann lachte er. „Sie glauben, ich denke, dass Sie hinter meinem Geld her sind?“

Jetzt war es an ihr, verwirrt zu sein. „Haben Sie das denn nicht gemeint?“

„Nettes Ablenkungsmanöver, Goldi. Leider falle ich nicht darauf herein.“

„Hören Sie auf, mich so zu nennen!“

„Wenn der Louboutin passt.“ Er ließ den Blick zu ihren Schuhen wandern, und sie wusste nicht, was sie mehr irritierte. Dass er die Handschrift ihres Lieblingsschuhdesigners erkannte oder dass er seinen Blick in aller Seelenruhe an ihrem Bein hinaufwandern ließ.

„Wenn ich nicht hinter Ihrem Geld her bin, worauf …?“ Sie verstummte, als ihr ein hässlicher Gedanke durch den Kopf schoss.

Statt einer Antwort zog er nur eine Augenbraue hoch, als wüsste sie genau, was er meinte.

Empört straffte sie die Schultern und machte zwei Schritte auf ihn zu, sodass sie ihm Auge in Auge gegenüberstand. „Nicht, dass ich Ihnen eine Erklärung schulde, aber Hector ist mein Boss. Ich bin seine Assistentin. Wir sind befreundet, und ich würde diese Freundschaft nie ausnutzen. Also, stecken Sie sich Ihre voreiligen Schlüsse sonst wohin.“

Seine Augen weiteten sich vor Überraschung, dann blinzelte er und blickte ihr forschend ins Gesicht, als suchte er nach einer Antwort. „Dann gehört es also zu Ihrem Job, ihn auf Empfänge zu begleiten? Und auf Reisen?“

Die Kränkung brachte ihr Blut in Wallung. Der gerechte Zorn trieb Hitze in ihre Wangen. „Was zu meinen Aufgaben gehört, geht Sie gar nichts an.“

Man hatte Charli schon viel vorgeworfen. Doch ihr war egal, was die Leute dachten. Die Gerüchte über ihre Beziehung zu Hector interessierten sie nicht. Im Lauf der Jahre hatte sie sich notgedrungen ein dickes Fell zugelegt. Nichts und niemand konnte ihr wehtun. Warum also verspürte sie diese unbändige Wut auf Luca?

„Da haben Sie recht.“ Sein Lächeln war mindestens so unverschämt wie der unausgesprochene Vorwurf wenige Augenblicke zuvor. Sein Finger schwebte über dem Fahrstuhlknopf. „Kommen Sie?“

„Erst, wenn Sie sich für Ihr abscheuliches Benehmen entschuldigen.“

Sein Lächeln wurde noch breiter, und ihre Hände ballten sich zu Fäusten.

„Wir wissen doch beide, dass das eine Lüge ist.“

Sie runzelte die Stirn. „Wovon reden Sie?“

„Sie finden mich gar nicht abscheulich.“ Er beugte sich ganz nah an ihr Ohr, so nah, dass eine Wolke seines teuren Aftershaves sie umhüllte, so nah, dass sie seine Körperwärme spürte und den Impuls unterdrücken musste, sich an ihn zu lehnen.

„Sonst hätten Sie mich vorhin nicht so angesehen, als ich nur ein Handtuch anhatte“, murmelte er.

Damit brachte er die Seifenblase zum Platzen, die sie beide einen Moment lang umhüllt hatte, und Charli stieß ihn von sich weg.

Fehler Nummer zwei: Erneut die Handflächen an seine starke Brust zu legen.

Fehler Nummer eins war, dass sie sich überhaupt dazu bereit erklärt hatte, ihn mit auf diese Tournee zu nehmen.

Sie atmete tief durch, um sich zu beruhigen, dann bedachte sie ihn mit einem vernichtenden Blick. „Ich habe es mir anders überlegt. Sie können sich ihre Entschuldigung und ihr verführerisches Lächeln sparen. Gehen wir.“

Sie drückte den Fahrstuhlknopf so energisch, dass ihr ein Fingernagel abbrach.

Glücklicherweise hielt er den Mund – bis sie im Fahrstuhl standen und die Tür sich lautlos schloss. „Sie finden mein Lächeln also verführerisch, hm?“

Charli fluchte innerlich und presste statt einer Antwort die Lippen aufeinander.

Luca konnte sich nicht helfen. Er hatte eine Schwäche für Frauen, die seinem Charme widerstanden. Die Liebschaften mit jungen Oscargewinnerinnen und europäischen Prinzessinnen verloren allmählich ihren Reiz.

Natürlich war er sich seiner Beweggründe bewusst. Jedes Paparazzi-Foto, jede Erwähnung in einer Klatschkolumne bestätigten ihn in seinem Tun. Vielleicht war es kindisch, aber jedes Mal, wenn er sich selbst in der Presse sah, hoffte er, es damit all jenen zu zeigen, die sich für etwas Besseres hielten.

Als der Hotelangestellte den tief liegenden knallroten Sportwagen vorfuhr, pfiff Luca durch die Zähne. „Schöner Wagen.“

Erneut warf Charli ihm einen vernichtenden Blick zu, umrundete die Kühlerhaube und nahm den Autoschlüssel entgegen.

Der Ferrari gehörte ihr? Herrje, und er hatte ihr fast abgenommen, dass sie seinen Großvater nicht ausnutzte. Nie im Leben konnte sich jemand wie sie ein solches Auto leisten.

Sie schenkte dem Hotelangestellten ein strahlendes Lächeln und stieg in den Wagen. Dabei rutschte ihr Rock die Schenkel hoch, und Luca kam unwillkürlich der Gedanken, dass es für diese schönen, langen Beine eine bessere Verwendung gab, als nur das Gaspedal zu treten.

Er stellte seine Reisetasche auf die Rückbank, setzte sich auf den Beifahrersitz und bewunderte ihre Fahrkünste, während sie den Wagen durch den dichten Verkehr steuerte.

Als sie auch nach sechs Blocks immer noch schwieg, bemerkte er: „Netter Schlitten.“

„Ich mag schnelle Autos.“ Ihre Stimme war kalt wie ein Eisberg.

„Gehört er Ihnen?“

„Was denken Sie denn?“ Für eine Sekunde nahm sie den Blick von der Straße, und er sprach Bände.

Okay, ihre erste Begegnung war vielleicht nicht ganz glücklich verlaufen. Immerhin hatte er sie praktisch beschuldigt, nur für seinen Großvater zu arbeiten, weil sie es auf sein Geld abgesehen hatte. Und obwohl das Auto seinen Verdacht erhärtete, würde er mehr erreichen, wenn er nett zu ihr war, statt sie noch weiter vor den Kopf zu stoßen. Was ihm nicht leichtfiel. Es machte ihm Spaß, sie aufzuziehen, bis ihre großen grünen Augen wütend funkelten und sich ihre Lippen zu einem verführerischen Schmollmund verzogen.

„Da wir uns die nächsten vierzehn Tage nicht aus dem Weg gehen können: Was halten Sie von einem Waffenstillstand? Ich werde Sie nicht mehr wüst beschuldigen, wenn Sie mich nicht mehr ansehen wie einen Hundehaufen, in den Sie getreten sind. Und ab jetzt duzen wir uns. Ich bin Luca.“

Ihre Mundwinkel zuckten, und als das Auto an einer roten Ampel zum Stehen kam, bedachte sie ihn mit einem schmalen Lächeln. „Ich kann nichts versprechen, aber ich werde mich bemühen. Abgemacht?“

Er konnte ihr nicht die Hand darauf geben, weil sie die eine am Lenkrad, die andere am Steuerknüppel hatte, also tat er das Nächstbeste – getrieben von dem kleinen Teufel, der ihn regelmäßig ritt. Er lehnte sie zu ihr hinüber und küsste sie.

„Abgemacht“, murmelte er an ihren Lippen und nutzte den Überraschungseffekt, um sie erneut zu küssen. Diesmal ließ er sich Zeit, verstärkte den Druck seiner Lippen, um ihn bei der kleinsten Gelegenheit zu vertiefen.

Hinter ihnen hupte es zweimal scharf. Fluchend stieß sie ihn fort und schaltete in den ersten Gang.

„Willst du mir nicht erklären, was das eben sollte?“ Ihr Tonfall war unverändert frostig, während er sein Lächeln nicht abschalten konnte.

„Normalerweise muss ich nicht erklären, warum ich eine schöne Frau küsse, aber für dich mache ich eine Ausnahme. Ich wollte unsere Abmachung irgendwie besiegeln, und da ich dir nicht die Hand geben konnte … Bin ich dir zu nahe getreten?“

Sein einschmeichelnder Tonfall erntete ein empörtes Schnauben. „Eilmeldung. Dieser unangebrachte Kuss macht die Abmachung null und nichtig. Neue Abmachung. Wir werden uns die nächsten vierzehn Tage aus dem Weg gehen. Kapiert?“

„Wo bleibt denn da der Spaß?“

„Du bist hier, um die Finanzen zu managen, nicht, um Spaß zu haben.“

„Das eine muss das andere doch nicht ausschließen.“

Mit quietschenden Reifen bog sie in eine Seitenstraße ein, sodass er fast ein Schleudertrauma bekam, bevor sie den Motor abwürgte und Luca ins Gesicht sah.

„Gerade kommt eine neue Eilmeldung herein: Ich bin keins von deinen Betthäschen. Ich arbeite für deinen Großvater. Ich nehme meinen Job sehr ernst. Und das Letzte, was ich brauche, ist irgendein Nichtsnutz, der mir das Leben schwer macht. Ist das klar?“

Fehlte nur noch, dass sie ihm mit dem Zeigefinger in die Brust stach.

„Klar und deutlich.“

Erleichtert ließ sie die Schultern sinken, bevor er hinzufügte: „Aber das bedeutet nicht, dass ich brav bin.“

„Du bist wirklich …“

„So viel wie du arbeitest, bleibt dir sicher kaum Zeit, ein bisschen Spaß zu haben, oder?“

„Ich habe jede Menge Spaß.“

Ihre Miene verfinsterte sich, als er verächtlich schnaubte. „Wann war das letzte Mal, dass du ausgegangen bist?“

Sie presste die Lippen aufeinander.

„Und das letzte Mal, dass du Sex hattest?“

Diesmal presste sie die Beine zusammen, und er lachte. „Hör mal, wir können uns gegenseitig das Leben schwer machen, oder wir nehmen es mit Humor. Mein Mund führt ein Eigenleben. Ich werde dir ständig Komplimente machen. Ich werde dich ununterbrochen ärgern. Gelegentlich werde ich dich vielleicht sogar küssen, aber eigentlich bin ich ganz harmlos.“

Jetzt war sie es, die verächtlich schnaubte, doch er hatte das Funkeln in ihren Augen gesehen.

„Keine Küsse“, verlangte sie.

Er zögerte kurz und tat, als würde er nachdenken. „Tut mir leid, das kann ich nicht versprechen.“

„Du bist unmöglich!“

„Aber du magst mich trotzdem.“

Ihre Blicke trafen sich, und im Auto schien es noch enger zu werden. Er konnte ihr leichtes, blumiges Parfum riechen, konnte die Unentschlossenheit in ihren Augen sehen, die Erregung, konnte spüren, wie sie kapitulierte, als ihre Schultern sich entspannten und sie sich einen Tick vorbeugte.

Dieses eine Mal hielt er sein großes Mundwerk und genoss das Knistern zwischen ihnen, das Versprechen von Wortgefechten, erotischer Spannung und Sex.

Nicht eine Sekunde zweifelte er daran, dass sie am Ende im Bett landen würden. Die Chemie zwischen ihnen war einfach zu stark.

Wenn man dann noch bedachte, dass sie rund um die Uhr zusammen sein würden, war Sex unvermeidlich.

Er konnte es kaum erwarten.

„Dann gibt es nichts, was ich tun kann, damit du mich in Ruhe lässt?“, fragte sie resigniert.

„Nein.“

Seufzend schüttelte sie den Kopf. „Du bist wirklich eine Zumutung.“

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