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Kater Brown und die tote Weinkönigin

Inhalt

  1. Cover
  2. Kater Brown – Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Die Hauptfiguren
  5. Über den Autor
  6. Titel
  7. Impressum
  8. Prolog
  9. 1. Kapitel
  10. 2. Kapitel
  11. 3. Kapitel
  12. 4. Kapitel
  13. 5. Kapitel
  14. 6. Kapitel
  15. 7. Kapitel
  16. 8. Kapitel
  17. Epilog
  18. In der nächsten Folge

Kater Brown – Die Serie

Kater Brown, der Kater mit der Spürnase, merkt schnell, wenn etwas faul ist – aber die Menschen verstehen seine Hinweise einfach nicht! Bis auf Alexandra Berger. Seit sie gemeinsam ihren ersten Mordfall gelöst haben, weicht Kater Brown der Reisejournalistin nicht mehr von der Seite. Und zusammen können sie Morde aufklären, die auf den ersten Blick gar nicht nach einem Verbrechen aussehen.

Über diese Folge

Ein neuer Fall für Kater Brown und Alexandra Berger!

Mitten in ihrer Rede bricht Weinkönigin Monika I. bei einem Weinfest im badischen Irthingen tot zusammen. Alles deutet auf einen tragischen Tod aufgrund eines angeborenen Herzfehlers hin. Doch Alexandra Berger, die gerade eine Reisereportage über die beschauliche Weingegend schreiben will, kommt an den Umständen von Monikas Tod einiges merkwürdig vor.

Gemeinsam mit Kater Brown und ihrem Kollegen Tobias, die ihr auch schon bei der Aufklärung der Klostermorde in der Eifel tatkräftig geholfen haben, fängt sie an, sich umzuhören. Bei seinen Nachforschungen stößt das Trio auf eine jahrzehntelange Fehde zwischen zwei benachbarten Weindörfern, jede Menge Lügen, Intrigen und Vorurteile. Und wer ist der geheimnisvolle Freund, dessen Namen Monika nicht verraten wollte?

Die Hauptfiguren

Kater Brown erinnert mit seinem schwarzen Fell und dem weißen Fleck am Hals an einen Geistlichen – daher, in Anlehnung an Pater Brown, der Name. Er hat einen „siebten Sinn“, wenn es um Verbrechen geht und nimmt mit seiner Spürnase Dinge wahr, die den Menschen entgehen. Seit den Klostermorden in der Eifel hat er entschieden, bei Alexandra zu leben und weicht ihr nicht mehr von der Seite.

Alexandra Berger ist Reisejournalistin und berichtet gerne aus entlegenen, landschaftlich dafür umso schöneren Gegenden. Seit ihrem ersten Mordfall in einem Kloster findet sie großen Gefallen am Ermitteln und am Lösen von Kriminalfällen. Mit ihrer Neugier bringt sie sich allerdings auch öfter mal in Gefahr…

Tobias Rombach ist ein Kollege von Alexandra und stets bereit, sie als Hobby-Detektiv zu unterstützen. Er hat eine Schwäche für Alexandra, aber auch immer eine flapsige Bemerkung auf Lager – und bekommt deshalb regelmäßig einen Korb. Doch Tobias gibt nicht so schnell auf und ist sich ziemlich sicher, dass seine Gefühle irgendwann erwidert werden.

Über den Autor

Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche erfolgreiche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis erschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sanderschen Familienkater Paulchen Panther.

Ralph Sander

Kater Brown und die tote Weinkönigin

Lupe

Kurzkrimi

Prolog

Lupe Kater Brown musste nicht lange warten, bis er die Gestalt entdeckte, deren Ankunft er gespürt hatte. Gut, dass die Frau, die ihm Futter gab und ihn streichelte, seine Aufforderung verstanden hatte, das Fenster zu öffnen und ihn nach draußen zu lassen. Er hatte etwas Böses wahrgenommen, etwas, das Verderben brachte, und er wollte wissen, wer oder was es war. Er kannte diese unangenehme, bedrohliche Wahrnehmung, denn er hatte sie schon einmal in seinem alten Zuhause gespürt. Damals hatte er anschließend Blut und Tod gerochen, und er wollte wissen, ob es diesmal wieder so sein würde.

Die Gestalt war ein Mensch. Was auch sonst? Nur von ihnen ging dieses Unheilvolle aus, nie von seinesgleichen oder von diesen anderen Wesen, die von den Menschen als Hunde bezeichnet wurden. Der Mensch, der sich jetzt dem Haus näherte, war in der Dunkelheit unterwegs und hielt in einer Hand eines von diesen seltsamen kleinen Dingen, die so hell wie Sonnenstrahlen, jedoch nicht so angenehm warm wie diese waren.

Kater Brown saß ganz ruhig da und wartete. Als der Mensch nur noch ein Dutzend Katzenlängen von ihm entfernt war, bog er in die Richtung ab, die von Kater Brown wegführte. Er erhob sich und folgte dem Menschen, der um ein Haus herumging und dann auf ein anderes Gebäude zuhielt. An einem Fenster blieb der Mensch stehen und hantierte mit irgendetwas. Dann ging das Fenster auf, und er kletterte hindurch. Als er ins Innere des Hauses stieg, folgte ihm der Geruch des Bösen, aber Kater Brown bemerkte bei ihm noch die Duftspur einer anderen Regung. Er wusste nicht, was sie bei Menschen zu bedeuten hatte, aber er selbst empfand so, wenn er die Frau, die ihm Futter gab und ihn streichelte, mit beharrlichen Kommandos endlich dazu gebracht hatte, seinen leeren Napf aufzufüllen.

Nach drinnen folgen konnte Kater Brown ihm nicht, da der Mensch das Fenster hinter sich zudrückte. Er wartete, bis der Mensch wieder auftauchte und das Fenster öffnete, um nach draußen zu klettern. Kater Brown wollte sich drinnen umsehen, ob er herausfinden konnte, was der Mensch da gemacht hatte.

Mit einem energischen Laut, der dem Menschen klarmachen sollte, dass er noch warten musste, sprang Kater Brown auf den Fenstersims – gerade in dem Moment, als der Mann sich dort mit einer Hand aufstützte. Er gab irgendwelche Geräusche von sich, die Kater Brown bekannt vorkamen. Sie klangen so ähnlich wie das, was die Frau, die ihm Futter gab und ihn streichelte, verlauten ließ, wenn er etwas von ihrem Essen zu probieren versuchte.

Im nächsten Augenblick kam eine Faust herangeschossen, die genau auf seinen Kopf zielte und die ziemlich schnell war, jedenfalls für einen Menschen. „Ziemlich schnell“ hieß für Kater Brown aber noch lange nicht „zu schnell“. Eine kurze Bewegung zu einer Seite genügte, und der Mensch verfehlte sein Ziel.

Kater Brown ließ jedoch niemanden nach ihm schlagen, ohne dass er sich wehrte, weshalb er noch im selben Augenblick alle Krallen seiner Vorderpfoten ausfuhr und sie in den menschlichen Arm bohrte, als der an ihm vorbeisauste. Der Mensch gab einen Schmerzenslaut von sich; doch die Krallen waren lediglich der Auftakt zu Kater Browns Gegenattacke. Nur einen Sekundenbruchteil später bohrte er seine Eckzähne in das weiche Fleisch des Arms und riss den Kopf nach hinten. Er roch Blut, und er schmeckte Blut, während er die seltsam gedämpften Schmerzensschreie des Menschen hörte, der durch seinen eigenen Schwung und die unerwarteten Verletzungen den Halt verlor und durch das Fenster nach draußen geschleudert wurde.

Kater Brown verkrallte und verbiss sich in den Arm, solange er konnte, aber als er bemerkte, dass der Mensch sich auf dem Boden um sich selbst drehen und ihn unter sich begraben würde, ließ er sein Opfer blitzschnell los und eilte in großen Sprüngen davon. In sicherer Entfernung blieb er stehen und sah sich um. Der Mensch hatte sich inzwischen aufgerappelt und gab ächzende Laute von sich, während er das Fenster wieder zumachte, durch das er geklettert war. Danach lief er in Richtung des freien Felds davon, über das er hergekommen war.

Kater Brown kannte ähnliche Schmerzenslaute von der Frau, die ihm Futter gab und ihn streichelte. Sie hatte sie zuletzt von sich gegeben, nachdem sie von einem Ding gefallen war, das wohl Leiter hieß. Es war von ihr vor das hohe Regal gestellt worden, auf dem er es sich bequem gemacht hatte, aber er hatte nicht ganz verstanden, warum sie zu ihm hatte hochkommen wollen...

Er hob nun den Kopf und schnupperte in der Luft. Der widerliche Hauch des Bösen war zusammen mit dem Menschen verschwunden, dessen Blut an seinem Fell klebte. Der andere Geruch war immer noch da – der von Tod und Verderben. Er kam aus dem Fenster, durch das der Mensch gestiegen war. Was sich im Innern des Hauses befand, wusste Kater Brown nicht. Aber das war auch nicht wichtig. Er würde es sicher bald in Erfahrung bringen.

Sehr bald sogar.

1. Kapitel

Lupe „Und der kleine Kerl hat einen Mörder überführt?“, staunte Stephanie und beugte sich vor, um den Kater am Hals zu streicheln, der auf dem Holztisch saß und es sichtlich genoss, im Mittelpunkt zu stehen.

Bevor Alexandra darauf antwortete, warf sie noch einmal einen Blick auf die malerische Landschaft, die sich unterhalb der Terrasse talwärts erstreckte. Tief unten schlängelte sich ein schmaler Fluss, den manche auch als Bach bezeichnet hätten. Die Berghänge der einen Talhälfte, die bei schönem Wetter fast den ganzen Tag Sonne abbekam, waren mit Tausenden von Reben bestanden. Jedes Fleckchen wurde genutzt, um noch ein paar Trauben mehr ernten zu können. Die andere Talseite war in zweifacher Hinsicht benachteiligt, da sie von der Sonne nicht annähernd so verwöhnt wurde und der steilere und größtenteils felsige Untergrund Weinanbau gar nicht erst möglich machte. Der Fluss wurde von Wohnhäusern gesäumt, in einiger Entfernung war ein Campingplatz zu erkennen. Alles in allem hätte Alexandra es kaum idyllischer und friedlicher antreffen können als hier – mitten in einer oft übersehenen Landschaft, die nur ein Stück abseits der badischen Weinstraße lag. Die Region war wie geschaffen, um sie in ihrer Zeitschrift Land & Wein näher vorzustellen, aber auch sie selbst war nur durch Zufall auf diesen Landstrich gestoßen, weil ihre alte Schulfreundin Stephanie inzwischen hier lebte. Allerdings hatte Alexandra unwissentlich einen Termin gewählt, der genau mit dem jährlichen Weinfest in Irthingen zusammenfiel. Der Trubel hielt sich in diesem Moment zwar in Grenzen, aber sie hätte mit größerer Hingabe und Überzeugung die himmlische Ruhe beschreiben können, wenn die auch tatsächlich geherrscht hätte.

„Oh ja, er hat tatsächlich einen Mordfall gelöst“, bestätigte Alexandra schließlich, wandte den Blick von der malerischen Landschaft ab und strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht. Sie blinzelte in die Sonne, die an diesem Junitag für angenehme Temperaturen sorgte. „Und als ich mich von ihm verabschieden wollte, war er spurlos verschwunden. Ich war wirklich traurig, als er nicht auftauchte … bis ich zu Hause ankam und feststellen durfte, dass er sich hinter dem Rücksitz versteckt und während der Fahrt tief und fest geschlafen hatte.“

„Wie hat er das denn angestellt?“, wollte Stephanie wissen. „Das mit dem Mörder, meine ich. Er kann ja schließlich nicht reden. Und wo war das überhaupt?“

„In einem ehemaligen Kloster in der Eifel, das man aus Geldnot in ein Hotel umfunktioniert hat.“ Alexandra winkte ab. „Die Details muss ich dir ein anderes Mal erzählen. Da ist so viel passiert, da könnte ich einen ganzen Roman drüber schreiben.“ Sie dachte einen Moment lang nach. „Was vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre. Na, egal, auf jeden Fall war Kater Brown der große Held, und seitdem weicht er nicht mehr von meiner Seite.“

„Kater Brown“, wiederholte Stephanie und musterte ihn. Der Kater reckte nun genießerisch den Kopf hoch, weil sie begonnen hatte, ihn am Kinn zu kraulen. „Hast du ihm den Namen gegeben?“

„Nein, das waren die Mönche. Aber ich glaube, bei einem Kater, der unter Geistlichen lebt, drängt sich dieser Name förmlich auf – neben ‚Don Camillo‘„, sagte Alexandra und musste lachen.

„Stimmt. So ganz in Schwarz und mit diesem weißen Kragen – er sieht ja selbst wie ein Geistlicher aus“, meinte ihre Freundin und stutzte. „Schneeweiß ist das Fell am Hals aber nicht. Das wirkt … irgendwie rosafarben.“

„Eigentlich ist das Rosa ausgewaschenes Rot“, erklärte Alexandra. „Als ich mich gestern Abend hier im Gästezimmer schlafen gelegt habe, da hat er ein schreckliches Theater veranstaltet, weil er unbedingt noch mal aus dem Haus wollte. Ich habe ihm das Fenster aufgemacht, er ist raus, und vielleicht eine halbe Stunde später ist er wieder zurückgekommen. Ich habe ihn auf den Arm genommen und zu spät bemerkt, dass sein Fell mit Blut verschmiert war. Das meiste davon hatte ich da schon an meinem T-Shirt, den Rest habe ich mit einem nassen Lappen abgewischt. Aber aus dem weißen Halsfell ist das Blut nicht komplett rausgegangen.“

„Blut? Hatte er sich verletzt?“, fragte Stephanie besorgt, während Kater Brown anfing zu schnurren und mit jeder Bewegung ihrer Finger lauter wurde.

Dabei führte er in Sachen Lautstärke allerdings einen aussichtslosen Kampf gegen die Schlagermusik, die aus den aufgestellten Boxen plärrte. Doch die Besucher des Weinfests schienen sich daran nicht zu stören. Sie drängten sich an den Ständen, an denen Wein oder Spezialitäten von Bäckern und Metzgern der Region verkauft wurden. Sogar ein Stand mit rein veganen Gerichten wurde von zahlreichen Besuchern belagert. Und anscheinend hatten alle seit Tagen nichts mehr gegessen – der Geschwindigkeit nach zu schließen, mit der das verspeist wurde, was man ihnen auf Papptabletts oder Plastiktellern servierte.

„Das hatte ich auch befürchtet, aber zum Glück ist mit ihm alles in Ordnung.“ Alexandra verzog den Mund. „Er hat sich wahrscheinlich auf ein Kaninchen oder eine große Ratte gestürzt. Ich habe keine Ahnung, wie viel Blut bei so was fließt, doch an seinem Fell klebte eine ganze Menge.“ Sie beugte sich vor und tätschelte den Rücken des inzwischen ziemlich schief dasitzenden Katers, der sich immer stärker gegen Stephanies Finger drückte. „Es tut mir zwar um das andere Tier leid, weil mein kleiner Fellträger hier genug Selbstgekochtes und Tatar bekommt, aber ich bin froh, dass ich hier nicht auch noch zum Tierarzt fahren muss.“

„Ah, da kommt der Bürgermeister“, sagte ihre Freundin und deutete mit einer Kopfbewegung auf einen kleinen, rundlichen Mann mit rotem Gesicht, der ein unvorteilhaftes Toupet trug. Er bahnte sich seinen Weg durch die Reihen der Besucher, die zum jährlichen Weinfest auf Gut Philipps zusammengekommen waren. Dabei schüttelte er jede Hand, die ihm hingehalten wurde, nickte nach links und rechts und sprach mit dem einen oder anderen ein paar Worte.

„Ist bei euch bald Bürgermeisterwahl?“, fragte Alexandra beim Anblick von so viel Bürgernähe.

Stephanie grinste sie an. „Ist das so offensichtlich?“

„So offensichtlich, dass er auch ein Plakat mit der Aufschrift ‚Bin auf Stimmenfang‘ mit sich herumtragen könnte.“

Der Mann war ein paar Schritte von Alexandra entfernt, als sein Blick auf sie fiel. Sein Lächeln wurde sogleich noch strahlender. „Sie müssen Alexandra Berger sein“, sagte er und kam zielstrebig auf sie zu, um ihr die Hand zu geben. „Von der Zeitschrift … warten Sie … Land & Wein, richtig? Ich bin Werner Wiedemann, Bürgermeister hier im malerischen Irthingen. Ich bin schon auf Ihren Artikel gespannt. Ich hoffe, Sie haben nichts als Lob für uns übrig.“

„Herr Wiedemann, es freut mich, Sie kennenzulernen“, sagte Alexandra, die ein wenig irritiert darüber war, dass er ihre Hand nicht losließ. „Ich werde sicherlich viel Gutes über Irthingen und dieses Weinfest berichten. Wir wollen unseren Lesern schließlich den Mund wässrig machen, dorthin zu fahren, wo der Wein herkommt.“

„Das weiß ich zu schätzen, Frau Berger.“ Noch immer hielt er ihre Hand fest. „Lassen Sie mich Ihnen sagen, dass Sie noch viel schöner sind als auf dem Foto, das Ihre Redaktion ins Internet gestellt hat.“

Sie schüttelte amüsiert den Kopf und sagte so leise, dass nur Wiedemann sie hören konnte: „Ich bin hier nicht wahlberechtigt.“

„Das macht nichts“, erwiderte er. „Es macht sich immer gut, wenn der Bürgermeister mit einer schönen Frau an seiner Seite gesehen wird – und noch besser, wenn dann ein Foto von beiden geschossen und veröffentlicht wird.“ Er zwinkerte ihr zu und ergänzte verschwörerisch: „Außer natürlich, es handelt sich um eine leicht bekleidete Dame. Das kann dann zu Problemen führen.“

Als Antwort darauf begnügte sich Alexandra mit einem kühlen, höflichen Lächeln, da sie nicht wusste, was sie von dieser letzten Bemerkung halten sollte. Jedenfalls zog sie ihre Hand mit einem kleinen Ruck aus seinem Griff. „Politiker und Tiere machen sich auch immer gut“, sagte sie anschließend und ging zur Seite, damit der Bürgermeister Kater Brown sehen konnte. „Darf ich vorstellen? Kater Brown, mein Begleiter.“

Kater Brown saß wieder kerzengerade auf dem Tisch und ließ sich von dem Trubel um ihn herum nicht beeindrucken. Er hatte die Augen zu schmalen Schlitzen verengt und sah ein wenig schläfrig aus, sodass es wirkte, als würde ihn das Weinfest einfach nur langweilen, was vermutlich sogar der Fall war.

„Oh, was für ein schöner Kater!“, rief Wiedemann, blieb aber auf Abstand. „Leider reagiere ich sehr allergisch auf Tierhaare, von Hunden über Katzen bis hin zu Kaninchen und Hamstern. Ein Niesanfall ist das Mindeste, und den kann ich mir momentan nicht erlauben. Schließlich muss ich gleich die Eröffnungsansprache halten.“ Nach einer kurzen Pause fügte er an: „Aber bevor ich hier weggehe, werde ich es wagen, ihn zu streicheln. Sofern er damit einverstanden ist.“

„Kater Brown ist lammfromm“, versicherte Alexandra ihm. „Er beißt und kratzt nur Schurken.“

Wiedemann musste lachen. „Na, dann werde ich ja bald wissen, ob wir Politiker wenigstens von den Katzen noch für anständige Leute gehalten werden.“ Er zwinkerte Alexandra ein weiteres Mal zu und ging weiter.

Sie sah Stephanie an. „Ein Politiker mit einem Schuss Selbstironie?“, fragte sie erstaunt. „Den würde ich ja fast noch wählen.“

Während Wiedemann sich auf die Bühne begab und mit seiner Rede begann, kam eine junge Frau in einem Trachtenkleid zu ihnen, die in einer Hand ein Weinglas und in der anderen einen Unterteller mit einem kleinen Krapfen hielt, der in Puderzucker gewälzt worden war. Ihre blonden Haare waren zu einem Kranz geflochten, der wie eine kleine Krone auf ihrem Kopf lag. Sie trug ein silbernes Diadem, dem man etwas zu deutlich ansehen konnte, dass es nicht annähernd so wertvoll war, wie es erscheinen sollte. Das hübsche, schmale Gesicht der Frau wies ein wenig zu viel Rouge auf, so als wollte sie eine unnatürliche Blässe kaschieren.

„Moni, da bist du ja!“, rief Stephanie und klopfte mit der flachen Hand auf den Platz gleich neben ihr. „Dann kann ich dir schon mal Alexandra vorstellen.“ Sie deutete auf ihr Gegenüber. „Alexandra Berger, Monika Philipps. Und damit das klar ist: Ihr seid sofort per Du. Ich habe nämlich keine Lust auf eine von diesen Unterhaltungen, bei denen sich parallel geduzt und gesiezt wird.“

„Von mir aus gern“, sagte Alexandra und hielt Monika die Hand hin. Stephanies Freundin stellte ihr volles Weinglas ab und begrüßte Alexandra.

„Ich glaube, ich habe Sie … dich gestern Abend bei der Weinprobe gesehen“, erwiderte Monika. „Kann das sein?“

„Ja, richtig“, bestätigte Alexandra. „Aber dich habe ich nicht gesehen, wenn ich mich nicht irre.“

„Ich bin nur mal kurz durch den Raum gehuscht und habe mich früh schlafen gelegt.“ Sie sah Stephanie an. „Ich bin immer noch durch den Wind – wegen dieses verdammten Telefonats vor ein paar Tagen.“

„Oh“, Stephanie sah auf einmal besorgt aus. „Dein geheimnisvoller Liebhaber?“

Monika nickte.

„Und? Was war los?“, erkundigte sich Stephanie und ergänzte leise: „Falls du darüber reden willst.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Er fing wieder mit der gleichen Geschichte an, dass er sich in seiner Position keinen Skandal leisten kann.“

„Also will er seine Frau jetzt doch nicht verlassen?“

„Er sagt, das wäre jetzt der falsche Zeitpunkt. So etwas würde ihm eher schaden als nutzen.“

„Mit anderen Worten: Er vertröstet dich weiter.“

Monika seufzte frustriert. „Ganz genau. Und daraufhin habe ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt.“

Stephanie riss erschrocken die Augen auf. „Sag jetzt nicht, du hast ihm wirklich diese Lüge aufgetischt …“

Monika sah betreten zu Boden. „Ich wollte doch nur seine Reaktion sehen.“

„Du kannst doch einen Mann nicht zu einer Reaktion provozieren, indem du ihm erzählst, dass du schwanger bist, wenn das gar nicht stimmt“, schimpfte Stephanie leise. „Stell dir vor, er verlässt daraufhin tatsächlich seine Frau, und dann erfährt er, dass du gar kein Kind von ihm erwartest.“ Sie schüttelte verärgert den Kopf. „Und? Hast du wenigstens die Antwort bekommen, die du hören wolltest?“

Monika zuckte mit den Schultern. „Nein, zumindest bislang noch nicht. Er hat gesagt, wir unterhalten uns später, und dann hat er aufgelegt, ohne sich zu verabschieden. Heute ist schon der vierte Tag, an dem ich nichts von ihm gehört habe.

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