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Kater Brown und die Kämpfer des Ostens

Inhalt

  1. Cover
  2. Kater Brown – Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Die Hauptfiguren
  5. Über den Autor
  6. Kater Brown und die Kämpfer des Ostens
  7. Impressum
  8. Prolog
  9. 1. Kapitel
  10. 2. Kapitel
  11. 3. Kapitel
  12. 4. Kapitel
  13. 5. Kapitel
  14. 6. Kapitel
  15. 7. Kapitel
  16. 8. Kapitel
  17. 9. Kapitel
  18. 10. Kapitel

Kater Brown – Die Serie

Kater Brown, der Kater mit der Spürnase, merkt schnell, wenn etwas faul ist – aber die Menschen verstehen seine Hinweise einfach nicht! Bis auf Alexandra Berger. Seit sie gemeinsam ihren ersten Mordfall gelöst haben, weicht Kater Brown der Reisejournalistin nicht mehr von der Seite. Und zusammen können sie Morde aufklären, die auf den ersten Blick gar nicht nach einem Verbrechen aussehen.

Über diese Folge

Kater Brown steigt in den Ring

Die Reisejournalistin Alexandra Berger will über ein Japan-Fest auf Schloss Duckrath bei Düsseldorf berichten. Höhepunkt ist ein Turnier berühmter japanischer Sumokämpfer, die im Rahmen ihrer Welttournee dort Station machen. Doch noch bevor die ersten Kämpfer in den Ring steigen, wird einer von ihnen im Trainingsraum tot aufgefunden. Diagnose: Herzversagen durch übermäßige Fettleibigkeit. Oder steckt doch mehr dahinter?
Dank Kater Brown finden Alexandra und ihr Kollege Tobias, der als Sportreporter ebenfalls über den Kampf berichten wollte, deutliche Hinweise auf ein Verbrechen. Bei ihren Nachforschungen geraten sie in ein fatales Netz aus Zurückweisung, Gier und Ehrgefühl.

Die Hauptfiguren

Kater Brown erinnert mit seinem schwarzen Fell und dem weißen Fleck am Hals an einen Geistlichen – daher, in Anlehnung an Pater Brown, der Name. Er hat einen „siebten Sinn“, wenn es um Verbrechen geht und nimmt mit seiner Spürnase Dinge wahr, die den Menschen entgehen. Seit den Klostermorden in der Eifel hat er entschieden, bei Alexandra zu leben und weicht ihr nicht mehr von der Seite.

Alexandra Berger ist Reisejournalistin und berichtet gerne aus entlegenen, landschaftlich dafür umso schöneren Gegenden. Seit ihrem ersten Mordfall in einem Kloster findet sie großen Gefallen am Ermitteln und am Lösen von Kriminalfällen. Mit ihrer Neugier bringt sie sich allerdings auch öfter mal in Gefahr…

Tobias Rombach ist ein Kollege von Alexandra und stets bereit, sie als Hobby-Detektiv zu unterstützen. Er hat eine Schwäche für Alexandra, aber auch immer eine flapsige Bemerkung auf Lager – und bekommt deshalb regelmäßig einen Korb. Doch Tobias gibt nicht so schnell auf und ist sich ziemlich sicher, dass seine Gefühle irgendwann erwidert werden.

Über den Autor

Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche erfolgreiche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis erschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sanderschen Familienkater Paulchen Panther.

Ralph Sander

Kater Brown und die Kämpfer des Ostens

Lupe

Kurzkrimi

Prolog

Lupe Zielstrebig, aber gemächlich schritt Kater Brown durch den langen Flur. Dank der hohen Decke und der kleinen Fenster, die nur wenig Sonnenlicht in den Korridor fallen ließen, war es hier angenehm kühl. Kater Brown mochte diese Kühle, aber er mochte auch Hitze, nur eben alles in Maßen. Heute war ein warmer Tag, und er hatte draußen im Park schon eine Weile in der Sonne gesessen; daher empfand er es hier umso angenehmer.

Aber er war nicht hergekommen, weil es hier so schön kühl war, sondern weil er sich von etwas überzeugen wollte. Er hatte den Tod gespürt. Und er hatte Angst gerochen. Panische Angst. Er kannte das Gefühl. Die Frau, die ihm regelmäßig Futter gab und ihn streichelte, sperrte ihn manchmal in das winzige Haus, das sich bewegte, und fuhr mit ihm dorthin, wo die vielen Menschen in Weiß waren. Die fassten ihn an und hielten ihn fest, sahen ihm in die Ohren und in die Augen, kratzten an seinen Zähnen rum und stachen ihn mit spitzen Dingen. Ja, er kannte diese Angst. Aber die legte sich spätestens dann, wenn die Frau, die ihm regelmäßig Futter gab und ihn streichelte, ihn vor diesen Leuten in Weiß rettete. Sie sperrte ihn wieder in das winzige Haus und fuhr zurück nach Hause. Dann gab sie ihm jedes Mal noch mehr Futter und streichelte ihn noch länger. Zugegeben, er war ihr jedes Mal eine Weile böse, weil sie nicht sofort diese gemeinen Leute in Weiß vertrieb oder mit ihm zusammen vor ihnen davonlief. Aber letztlich rettete sie ihn ja doch noch vor denen, bevor sie ihm noch mehr antun konnten.

Ja, er kannte diese Angst, und je näher er seinem Ziel kam, umso intensiver wurde das Gefühl.

Von irgendwoher hörte er Schritte. Schwere Schritte, die sich aber in eine andere Richtung entfernten – weg von der, aus der er gerade kam. Er blieb stehen, legte den Kopf ein wenig schräg und bewegte die Ohren hin und her, um sich zu vergewissern. Ja, die Schritte wurden leiser. Dann hörte er irgendwo eine Tür zufallen. Als im Gang wieder Ruhe herrschte, ging er weiter. Die einzigen anderen Geräusche kamen von draußen, aber auf sie achtete er nicht weiter.

Kater Brown erreichte eine Treppe, die nach unten führte. Die Luft, die von dort nach oben wehte, war noch etwas kühler. Ja, da musste er lang. Langsam stieg er die Stufen hinunter. Am Fuß der Treppe angekommen, ging er durch einen weiteren Korridor, vorbei an ein paar Schränken. Das einzige Licht gelangte durch winzige Fenster über den Schränken in den ansonsten düsteren Gang. Er blieb stehen, als er die Tür erreichte, hinter der sich das Gesuchte befand. Irgendwie musste er es schaffen, in den Raum hineinzukommen. Er hob eine Pfote und setzte die Krallen an der Türkante an, dann zog er, aber nichts geschah. Er nahm die Pfote runter und drückte den Kopf gegen die Tür, doch auch das führte zu nichts. Sein Blick fiel auf den Schrank gleich neben der Tür. Dort oben an der Wand war ein Fenster, das auch noch offen stand.

Gut, dachte er und nahm Maß. Dann spannte er die Muskeln an und sprang aus dem Stand auf den Schrank, auf dem eine dicke Staubschicht lag. Er spähte durch die nach oben schräg gestellte, längliche Fensterscheibe. Im Raum dahinter waren genau an dieser Wand Kartons so aufeinandergestapelt worden, dass er dort mit einigen kleinen Sprüngen bis nach unten gelangen konnte. Von hier oben sah er auch schon den Menschen, wegen dem er hergekommen war. Er lag mitten im Zimmer und rührte sich nicht – ganz so, wie Kater Brown es erwartet hatte. Genau deshalb hatte es auch keinen Grund für ihn gegeben, sich zu beeilen.

Nachdem er die „Treppe“ aus aufeinandergestapelten Kartons hinter sich gebracht hatte, durchquerte er den Raum, vorbei an sonderbar aussehenden Gegenständen, von denen merkwürdige Stangen in alle Richtungen abstanden.

Der Geruch der Angst war noch sehr intensiv in diesem Raum, stärker noch als der sehr eindringliche Schweißgeruch, der von dem am Boden liegenden Mann ausging. Beim Näherkommen stutzte Kater Brown einen Moment lang, da ihm auffiel, dass dieser Mann sehr groß war – größer als jeder andere Mann, den er je gesehen hatte, und obendrein sogar größer in alle Richtungen. Als Kater Brown neben dem Mann stand, konnte er nicht über dessen Bauch hinweg die andere Seite des Raums sehen. So etwas hatte er noch nie erlebt.

Er schritt noch etwas näher heran und schnupperte. Ja, genau, unter dem Gestank nach Angst und Schweiß breitete sich allmählich ein weiterer Geruch aus … der des Todes. Dieser unangenehme, widerliche Duft war noch sehr schwach, also konnte der Mann noch nicht lange tot sein.

Kater Brown musste sich nicht beeilen, um die Frau zu holen, die ihn regelmäßig fütterte und ihn streichelte. Er konnte sie später immer noch hierherführen, wenn der Tote gefunden worden war. Das dauerte eigentlich nie sehr lange. Und in der Zwischenzeit würde er wieder nach draußen gehen und dort an einem schönen Plätzchen verweilen, um weiter die Sonne und die Wärme zu genießen.

Als er sich wegdrehte, bemerkte er, dass etwas unter seiner Pfote klebte. Er schüttelte die Pfote, ein Fetzen Papier löste sich von ihr ab. Er schnupperte daran und roch ganz deutlich den Geruch der Angst, der in das Papier eingezogen war. Den würde er der Frau mitbringen, die ihn regelmäßig fütterte und ihn streichelte.

Vorsichtig nahm er das Stück Papier zwischen die Zähne und ging zu den Kartons zurück, um auf diesem Weg den Raum zu verlassen. Der Geruch von Schweiß, Angst und Tod wurde schwächer, je weiter er sich von dem Toten entfernte, aber er verschwand nicht vollständig.

1. Kapitel

Einige Stunden zuvor

Lupe„Aha, eine Reisejournalistin sind Sie also“, hob der ältere Mann hervor, der sich vor Alexandra hingehockt hatte, um Kater Brown zu streicheln. „Und woher kommen Sie, wenn ich fragen darf?“

„Aus Düsseldorf.“

Der Mann stutzte. „Aber … wir sind doch hier in Düsseldorf“, entgegnete er. „Wäre das Japanfest dann nicht … ähm … ein Thema für die Lokalberichterstattung?“

Alexandra lachte und strich sich ein paar rötliche Strähnen hinters Ohr, die der leichte Wind ihr ins Gesicht geweht hatte. „Na ja, genau genommen bin ich nicht hier, um über das Fest zu berichten. Ich will mich nur ein wenig mehr mit der Kultur des Landes beschäftigen, weil ich darauf hoffe, vielleicht noch in diesem Jahr den Auftrag zu bekommen, nach Japan zu fliegen. Da will ich halt vorbereitet sein, auch wenn die Veranstaltungen hier mich bestimmt nicht auf eine Stadt wie Tokio vorbereiten können.“

Der Mann richtete sich auf, während Kater Brown um Alexandras Beine strich. „Nein, darauf können Sie sich nicht mal vorbereiten, wenn Sie sich drei Wochen lang Filme über das Land ansehen. Sie wissen dann zwar etwas besser Bescheid, aber selbst mitten in Tokio an einer Kreuzung zu stehen – das kann man damit überhaupt nicht vergleichen. Da stürzen tausend Geräusche und Gerüche auf Sie ein, es wimmelt um Sie herum von Menschen. Und Sie wissen vor lauter Leuchtreklamen gar nicht, wohin Sie blicken sollen.“

„Klingt so, als wären Sie schon mal da gewesen.“

Er nickte. „Ja, aber viel kürzer als geplant. Ich habe tatsächlich eine Panikattacke bekommen, als ich nur vom Bahnsteig aus zugesehen habe, wie die Leute in die U-Bahn-Waggons hineingequetscht wurden. Danach war ich ein paar Tage im Krankenhaus, und dann bin ich sofort nach Hause geflogen und habe eine Woche Urlaub an der Nordsee gebucht: und zwar Mitte Dezember, als dort wirklich kein anderer Tourist aufgekreuzt ist.“ Er schüttelte den Kopf. „Es war einfach zu viel für mich.“

„Na, jetzt komme ich wirklich ins Grübeln, ob ich überhaupt noch da hinfliegen will“, dachte Alexandra laut nach. „Ich meine, ich habe an sich kein Problem mit großen Menschenmengen, aber … ich habe schon mal Aufnahmen von den U-Bahnen und Zügen in Japan gesehen. Und das war nicht gerade angenehm für mich.“

„Ach, lassen Sie sich Ihr Vorhaben nur nicht von mir vermiesen, Frau …“

„… Berger, Alexandra Berger“, ergänzte sie.

„Angenehm. Gregor Kalkowski.“ Er schüttelte ihre Hand. „Vielleicht kann ich Sie ja zu einem Gläschen Sake einladen? Quasi als Wiedergutmachung dafür, dass ich Ihnen die Lust auf Ihre Japanreise ein wenig genommen habe.“

„Lieber etwas später“, antwortete sie ausweichend. „Ich möchte mich erst mal überall umsehen.“ Dieser Kalkowski hatte eigentlich ganz harmlos eine Unterhaltung mit ihr begonnen, aber so langsam bekam sie das Gefühl, dass er nach ein oder zwei Gläschen Sake zudringlich werden könnte. Da war es besser, ihn frühzeitig abzuwimmeln, bevor er noch glaubte, bei ihr Chancen zu haben. Es mochte ja sein, dass er ganz harmlos und einfach nur freundlich war, aber sie musste es auch nicht erst darauf ankommen lassen.

„Dann schlage ich doch vor, dass wir hier vorne bei den …“, begann Kalkowski, der den Wink mit dem Zaunpfahl nicht bemerkt hatte – oder nicht bemerken wollte.

Weiter kam er aber nicht, da in diesem Moment eine Stimme hinter Alexandra ertönte und jemand eine Hand auf ihre Schulter legte.

„Du sollst dich doch nicht mit fremden Männern unterhalten“, hörte sie diesen Jemand so laut sagen, dass auch Kalkowski auf ihn aufmerksam wurde und zunächst verstummte. „Und schon gar nicht freitagmorgens um kurz nach zehn.“

Alexandra konnte sich nicht daran erinnern, dass sie jemals zuvor gleichzeitig vor Schreck zusammengezuckt war und frustriert gestöhnt hatte, weil sie noch im selben Moment erkannte, wer sie da gerade hinterrücks überraschte.

„Oh Gott!“, seufzte sie gedehnt. „Was machst du denn hier?“

Tobias, der inzwischen neben sie getreten war, winkte ab und zwinkerte ihr zu. „Du weißt doch, du kannst ruhig Tobias zu mir sagen.“ Er grinste noch breiter, als sie bei diesem abgedroschenen Witz die Augen verdrehte.

Alexandra verkniff sich aber einen Kommentar dazu, denn auch wenn er das nicht wissen musste, war sie sehr erleichtert darüber, dass er aufgetaucht war.

Kalkowski setzte nämlich bei dem vertrauten Geplänkel zwischen ihr und Tobias ein leicht gequältes Lächeln auf und verabschiedete sich. „Wir sehen uns bestimmt später noch“, meinte er, doch es klang nicht so, als ob er davon wirklich überzeugt war.

„Hab ich jetzt etwa deinen neuen Freund vergrault?“, fragte Tobias, nachdem der ältere Mann sich zurückgezogen hatte.

„Nein, nein“, wehrte sie sofort ab, damit er gar nicht erst auf den Gedanken kam, sie müsste ihm für sein zufälliges Einschreiten dankbar sein. „Wir sind nur über Kater Brown kurz ins Gespräch gekommen. Weiter nichts.“ Sie kniff die Augen ein wenig zusammen. „Du hast mir immer noch nicht gesagt, was du hier machst.“

„Ja, stimmt.“

Sie sah ihn an und wartete. „Also?“

„Was ‚also‘?“

„Was machst du hier? Du berichtest nicht über ferne Länder und auch nicht über kulinarische Spezialitäten aus aller Welt. Du missbrauchst doch bloß deinen Presseausweis, um dich mit Snacks auf Kosten anderer vollzustopfen“, hielt sie ihm vor. „Das kannst du ruhig zugeben.“

„In der japanischen Kultur ist die Rolle des Mannes immer noch eine tragende“, erklärte er in einem Tonfall, als würde er einen Vortrag halten. „Also ist unser Magazin für das Thema Japan sehr wohl das richtige.“

„Aha! Mit anderen Worten: Der Machoreporter berichtet über Machotraditionen in einer Machokultur“, spottete sie. „Passt irgendwie gut zusammen, das muss ich schon sagen.“

Tobias ließ die Bemerkung erstaunlich gelassen an sich abgleiten, so als hätte er mittlerweile gemerkt, dass manche ihrer Spitzen gar nicht so gegen ihn gerichtet waren, wie man es hätte meinen können. Was sie davon halten sollte, wusste sie nicht so recht. Einerseits war das natürlich ein Beweis dafür, dass er keineswegs so eindimensional veranlagt war, wie er sich manchmal selbst gerne hinstellte – speziell dann, wenn er in seinen Artikeln zu den schlimmsten Klischees griff. Andererseits bedeutete es auch, dass er wissentlich auf ihr Spiel einging und es ihm nichts ausmachte, sondern er in passender Weise auf ihre Äußerungen reagierte. Unwillkürlich kam ihr ein alter Spruch in den Sinn, der mit „… das neckt sich“ endete, aber den verscheuchte sie ganz schnell wieder aus ihrem Kopf.

„Seit wann hast du rote Haare?“, wechselte er abrupt das Thema. „Seit ich dich kenne, bist du stets blond gewesen.“

„Und wie kommt es, dass du mich überhaupt erkannt hast?“, konterte sie.

„Das ist keine Antwort auf meine Frage“, machte er ihr klar. „Trotzdem werde ich dir deine Frage zuerst beantworten. Ich …“ Er unterbrach sich und grinste sie an: „Willst du die Machoantwort hören oder –“

„Die andere Antwort“, unterbrach sie ihn.

Tobias nickte. „Also gut. Die Machoantwort lautet, dass ich deinen knackigen Hintern unter Tausenden wiedererkenne, ob du nun rothaarig, blond oder wie auch immer gefärbt durch die Gegend läufst.“

„Hast du mich eigentlich nicht gehört?“, knurrte sie ihn an und schlug ihm mit der Faust auf den Arm.

„Doch, das schon. Aber dann hättest du dich für den Rest deines Lebens gefragt, wie wohl meine Machoantwort ausgefallen wäre, und das konnte ich dir einfach nicht antun.“

„Du bist und bleibst ein herzensguter Mensch“, kommentierte sie spöttisch seine Erklärung, dann fügte sie energisch an: „Und jetzt bitte die wahre Antwort.“

„Okay, wenn du die deprimierende Wahrheit hören willst: Ich habe dich eigentlich gar nicht erkannt. Erkannt habe ich nur meinen kleinen schwarzen Kumpel. Und da es in der ganzen Stadt meines Wissens keine andere Frau gibt, die mit einer schwarzen Katze unterwegs ist, die ganz ohne Leine bei Fuß geht, war mir klar, dass du es bist, die neben meinem tierischen Freund steht.“ Er bückte sich und kraulte Kater Brown, der sich gegen seine Hand stemmte, damit Tobias ja nicht aufhörte. „Und was hat das nun mit den roten Haaren auf sich?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, ich probiere einfach mal was Neues aus. Vielleicht färbe ich sie mir nächste Woche schwarz. Mal sehen.“

„Also keine Undercover-Mission, die dich nach Irland führen wird?“, hakte er nach und zwinkerte ihr zu; dann richtete er sich wieder auf. „Und? Wie ist dieses Japanfest so?“

„Kann ich dir nicht sagen, ich bin selbst erst seit zehn Minuten hier“, erwiderte sie. „Auf jeden Fall herrscht nicht das gleiche Gedränge wie am Japan-Tag.“

„Na ja, es soll ja auch nicht so ein riesiges Spektakel sein. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat sich die Werbung dafür auch nur auf Düsseldorf und die Stadtumgebung beschränkt, damit hier nicht der ganze Schlosspark überrannt wird.“

Alexandra nickte zustimmend. „Und vergiss nicht den Hinweis auf den Plakaten, dass Besucher in Manga-Kostümen unerwünscht sind. Das dürfte schon achtzig Prozent der potenziellen Interessenten abgeschreckt haben, hierher nach Schloss Duckrath zu kommen. In den letzten Jahren haben diese Manga-Fans ja die Stadt regelrecht überschwemmt.“

„Schloss Duckrath“, wiederholte er kopfschüttelnd und musste leise lachen. „Das könnte glatt in Entenhausen stehen, findest du nicht auch?“

Sie ließ den Blick über die weite Rasenfläche vor dem Bauwerk aus dem späten achtzehnten Jahrhundert wandern, das mit seinem einfachen dunkelgrauen Satteldach ohne Türme oder Zinnen und der dezent in Blassgelb gestrichenen Fassade für ein Schloss vergleichsweise schlicht wirkte. Aber anstatt zu protzen, bestach es durch seine fast schon gelassene Eleganz, als wollte es sagen: Jeder weiß, dass ich ein Schloss bin. Warum sollte ich damit noch angeben?

„Findest du nicht auch?“, wiederholte Tobias, nachdem Alexandra mehrere Sekunden lang nur stumm zur Seite geblickt hatte.

„Was?“, fragte sie geistesabwesend, da sie aus ihren Überlegungen gerissen worden war.

„Nicht so wichtig“, sagte er und hob Kater Brown hoch.

Gemeinsam gingen sie weiter. Sie folgten den Schildern, die den Weg zum Eingang des Schlosses anzeigten, obwohl nicht zu übersehen war, dass man nur über die breite Marmortreppe dorthin gelangen konnte. An den asphaltierten Wegen links und rechts vom Gebäude waren rote Seile gespannt, die allen Besuchern zu verstehen gaben, dass sie jenseits dieser Absperrung nichts zu suchen hatten. Trotzdem gingen immer wieder Leute auf die Mitarbeiter des Wachdienstes zu, die dann auf die Treppe zeigten, als wäre nicht offensichtlich, auf welchem Weg man nach drinnen gelangte.

„Du wirst also über japanische Traditionen berichten?“, fragte Alexandra ein wenig spöttisch.

„Eigentlich nur über das Sumo-Turnier, das hier bis Sonntag stattfindet“, antwortete Tobias.

„Sumo? Du meinst die dicken Männer, die sich gegenseitig umzustoßen versuchen, bevor sie sich vor Übergewicht selbst nicht mehr auf den Beinen halten können? Raaasend interessant“, sagte sie und verdrehte wieder die Augen.

An Eingang zum Schloss hielt eine junge Frau in einem dunkelblauen Anzug sie auf. Die fast schwarzen Haare trug sie streng nach hinten gekämmt und hochgesteckt. „Herzlich willkommen auf Schloss Duckrath! Falls Sie den Eintritt online bezahlt haben, muss ich bitte den Beleg sehen, um ihn zu scannen“, erklärte sie mit einem höflichen Lächeln. „Falls nicht, bekomme ich bitte jeweils fünfzehn Euro. Und ich bedaure, aber die Katze kann nicht mit reingenommen werden.“

„Wir sind akkreditiert“, erwiderte Tobias und zog seinen Presseausweis aus der Jackentasche, während er den Kater mit einem Arm an sich gedrückt hielt.

„Und der Kater gehört zu mir, und ich möchte mich keinesfalls von ihm trennen“, sagte Alexandra, während sie ihre Handtasche nach dem Ausweis durchsuchte.

„Tut mir leid, aber wir haben hier unsere Vorschriften. Die Katze können Sie nicht mit reinnehmen“, beharrte die junge Frau.

„Die Katze ist ein Kater, und ob Sie es glauben wollen oder nicht – er unterstützt mich bei der Arbeit.“

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