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Kampf um Aganor

Das Bradley Haus

Hier in Crownville ist eigentlich nicht viel los. In unserem Dorf leben nur dreihundertzweiundfünfzig Menschen, die alle total langweilig sind. Ein Tag ist wie der andere und nur selten passierte etwas Aufregendes. Doch an diesem Tag sollte alles anders werden, denn ich wollte mich mit meiner Freundin Lisa treffen, um ein altes verlassenes Haus zu erforschen. Für die meisten Leute hieß das Haus, in das wir wollten, einfach nur: „Das Bradley Haus.“ Eigentlich war es schon fast eine Villa, die allerdings schon ziemlich marode und baufällig aussah, da seit Jahrzehnten kein Mensch mehr darin wohnte. Auf dem riesigen Grundstück wucherte das Unkraut aus jedem Winkel hervor und man konnte sehen, dass an diesem Anwesen seit einer Ewigkeit nichts mehr gemacht wurde. Über die Bradleys erzählte man sich hier im Ort nicht viel. Nur dass zuletzt eine Frau mit ihrem Sohn darin gewohnt haben soll, war bekannt. Dies musste allerdings schon eine Ewigkeit her sein, denn nicht einmal meine Mutter konnte sich an die Bradleys erinnern, obwohl sie in Crownville aufgewachsen ist. Lisa allerdings war der festen Meinung, dass dies alles nur Horrorgeschichten waren, um Fremde von dem Haus fern zu halten. Weiterhin erzählte man sich hier im Dorf, dass die Bradleys auch sehr böse Menschen gewesen sind, zumindest hatten sich damals alle vor ihnen gefürchtet. Etwas mulmig war mir schon, als ich mich auf den Weg machte, um meine Freundin vor dem Haus zu treffen.

 Lisa war dreizehn Jahre alt und ihre blauen Augen leuchten wunderschön in ihrem Gesicht. Auch ist sie gertenschlank und hat eine sportliche Figur. Am schönsten finde ich ihre langen blonden Haare, die sie meistens zum Pferdeschwanz zusammengebunden hat. Wenn ich meine Freundin so betrachte, war ich das volle Gegenteil von ihr. Lisa ist bildhübsch, ich dagegen finde mich total hässlich. Da ich etwas molliger bin, hänseln mich auch öfters die anderen Kinder. Doch am schlimmsten finde ich meine roten, lockigen Haare, denen ich auch meinen Spitznamen „Kupferdeckel“ zu verdanken habe. Zu allem Überfluss habe ich auch noch Tausende von Sommersprossen im Gesicht, das von meiner braunen Hornbrille, mit übergroßen dicken Gläsern geschmückt wird. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass ich noch nie eine feste Beziehung mit einem Mädchen hatte, denn wer will schon mit so einem Jungen wie mir zu tun haben? Da bin ich eigentlich schon richtig froh, dass Lisa zu mir hält und meine beste Freundin ist. Eigentlich ist sie auch meine einzige Freundin, denn alle anderen finden mich total uncool und meiden mich eher. Auch dass Lisa zwei Jahre jünger ist wie ich, stört uns beide nicht, da wir schon immer gute Freunde waren. Nun musste ich mich allerdings sputen, denn es war schon kurz nach zwölf und eigentlich sollte ich schon längst am Bradleyhaus sein. Lisa war bestimmt schon wieder stinksauer auf mich, weil ich wieder mal zu spät kam. Doch heute konnte ich wirklich nichts dafür, denn meine Mutter bestand darauf, dass ich noch mein Zimmer aufräume, bevor ich gehe. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du dein Zimmer ordentlich hinterlassen sollst“, diesen Spruch durfte ich mir heute zum wiederholten Mal von ihr anhören.  Eigentlich finde ich mein Zimmer voll in Ordnung, so wie es ist, nur meine Mutter, hat da leider eine andere Meinung. 

 Da sah ich auch schon Lisa, wie sie ungeduldig vor dem Haus auf mich wartete. „Hallo Lisa , ich bin schon da," rief ich ihr hechelnd zu, während ich ihr so schnell ich konnte, entgegenlief. Als ich bei ihr ankam, schnaufte ich wie ein Walross und versuchte langsam wieder Luft zu bekommen. Mit meinen Händen stützte ich mich auf die Oberschenkel ab und hatte das Gefühl, dass es meine Lunge jeden Augenblick zerreißen würde.

„Das wurde ja auch Zeit“, bekam ich von meiner Freundin ziemlich gereizt als Antwort. „So langsam stehe ich mir hier die Füße in den Bauch, wo warst du denn so lange?“ Innerlich platzte Lisa fast, denn ich wusste genau, wie sie es hasste, wenn man zu spät kam.

„Tut mir leid..., meine Mutter..., ich kann wirklich nichts dafür...“, versuchte ich mich bei Lisa zu verteidigen, wobei ich mich ziemlich schuldig fühlte und auch gleich meinen Kopf hängen ließ.

„Was soll´s, nun bist du ja endlich da, also Schwamm drüber“, versuchte mich meine Freundin wieder aufzumuntern, als sie sah, wie deprimiert ich war. Dabei kam sie mir entgegen und flüsterte mir ein - nicht böse sein, war nicht so gemeint - ins Ohr. Nun konnte auch ich wieder lachen und freute mich, dass sie mir verziehen hatte. Lisa war eben die beste Freundin die man haben konnte. Jetzt war es so weit, Lisa und ich wollen uns ins Bradley Haus schleichen, um uns dort etwas umzusehen. Wir fühlten uns wie Schatzjäger und waren beide so aufgeregt, wie schon lange nicht mehr. Die Idee in das Haus zu gehen, hatte meine Freundin ja schon lange, aber irgendwie traute ich mich nicht so richtig. Schließlich hat man ja schon genug Schauergeschichten von diesem Ort gehört. Gestern Nachmittag allerdings, hatte sie mich so bearbeitet, bis ich schließlich doch noch zustimmte. Über eine Stunde hatte Lisa versucht, mich herum zu bekommen. Man hörte am Ende nur noch von ihr:

„Nun komm schon, stell dich nicht so an - oder - was bist du denn für ein Kerl“ Schließlich gab ich doch nach und willigte ein, mit ihr das Bradley Haus zu erforschen...

„Jetzt beeile dich doch endlich mal Andrew, schlaf nicht ein und steig schon über die Mauer“, ermutigte mich meine Freundin, die es kaum noch erwarten konnte, ins Innere des Hauses zu kommen.

Zögernd sprang ich an der Mauer hoch und versuchte mich krampfhaft fest zu halten, während Lisa alles tat, um mich nach oben zu schieben. Die Mauer war kaum größer als ich. Doch da ich nicht gerade als toller Sportler galt, und noch dazu viel zu schwer war, kamen einige Schwierigkeiten auf mich zu Lisa ächzte als sie mich mit ihren Händen nach oben drückte, und ich versuchte alles, um so schnell wie möglich, dieses Hindernis zu erklimmen. Schließlich schaffte ich es doch noch die Mauer zu bezwingen und schaute stolz zu meiner Freundin runter. Mit einer Leichtigkeit sprang nun Lisa hoch und saß in Sekundenschnelle neben mir auf der Mauer.

„War doch gar nicht so schwer, oder“, fragte mich Lisa und schaute mich lächelnd an.

„Ich bin ja doch noch, - dank Deiner Hilfe - hoch gekommen“, erwiderte ich ihr und schaukelte dabei mit meinen Füßen. Am liebsten würde ich unseren verrückten Plan wieder aufgeben, doch ich wollte bei Lisa nicht als Feigling da stehen, deshalb sprang ich mit einem Satz in den Garten. Das Unkraut reichte mir bis über den Bauch und ich hatte das Gefühl, dass jeder mein Herz schlagen hörte, so feste hämmerte es in meiner Brust. Man sah vor lauter Gras und Unkraut überhaupt nicht wo hin man trat und so kam es immer wieder vor, dass man in einige Löcher hineinstolperte.

„Hier könnte man auch mal wieder mähen“, bemerkte ich scherzhaft, als ich zum vierten Mal, mit meinem Fuß im Boden stecken blieb.

„Das kannst du ja Morgen machen, wenn du Zeit hast“, hörte ich Lisa hinter mir lästern.

Der Garten war in einem elendigen Zustand. Nicht dass nur Unkraut und Disteln uns den Weg versperrten, es lagen auch Steine, kaputte Stühle und Farbeimer herum, über die wir regelmäßig stolperten. Schließlich schafften wir es doch noch und erreichten das Haus von den Bradleys. Stolz standen wir auf einem Bretterverschlag, der einmal vor langer Zeit einmal, die Terrasse gewesen sein musste. So langsam bereute ich die Idee, das Haus zu erforschen, doch nun hatte ich es meiner Freundin schon versprochen und wollte auch keinen Rückzieher mehr machen.

„Gehen wir rein, oder hast du es dir anders überlegt“, wollte Lisa von mir wissen, da sie merkte wie unsicher ich war.

„Bin ich vielleicht ein ängstliches kleines Mädchen“, mit diesen Worten griff ich nach der Türklinke und drückte sie langsam nach unten. „Die ist verschlossen“, flüsterte ich Lisa zu und war irgendwie auch ein wenig froh darüber. „Na ja Pech gehabt, wenigstens haben wir es versucht“ Schnell drehte ich mich um und machte mich langsam wieder auf den Rückweg. Innerlich freute ich mich schon. Denn nun konnte Lisa mir nicht vorwerfen, dass ich zu feige war. Was konnte ich denn dafür, wenn die Türe abgeschlossen war?

„Warte mal“, rief mir Lisa zu. „Da vorne ist ein kaputtes Fenster, da kommen wir sicher rein.“

Zögernd drehte ich mich um und sah ein Fenster, das nur noch zur Hälfte vorhanden war.

„Nun komm doch endlich her“, trieb mich Lisa an und war auch schon dabei die restlichen Bruchstücke der Fensterscheibe zu entfernen.

Noch bevor ich bei ihr war, verschwand meine Freundin auch schon im Haus und ich merkte wie viel Spaß es ihr machte, auf Entdeckertour zu gehen. Mit einem unguten Gefühl, folgte ich ihr durch das kaputte Fenster und hatte Mühe, mich nicht an den herumliegenden Glasscherben zu verletzen, die überall verstreut waren. Vorsichtig stieg ich auf den Fenstersims und landete mit einem Sprung, sicher neben Lisa.

„Das muss das Wohnzimmer gewesen sein“, flüsterte meine Freundin vor sich hin und ging bedächtig weiter.

Es war komisch, doch hier war alles noch möbliert. Da war ein alter Schrank, der langsam in sich zusammenfiel. Auch ein Sofa und mehrere alte Kommoden waren vorhanden. An der Ecke stand noch ein großer Schreibtisch, der auch schon bessere Tage gesehen hatte. Natürlich war alles voller Dreck und Laub, das sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte. Doch das alles störte uns nicht, denn mittlerweile fand es sogar ich irgendwie aufregend, hier herum zu wühlen. Lisa untersuchte gleich eine Vitrine, die neben dem Fenster in sich zusammengefallen war. Dort lagen drei Porzellanpuppen herum, die allerdings fast nur noch aus Scherben bestanden. Vielleicht hatten wir ja auch Glück und fanden doch noch irgendetwas Brauchbares, das wir verwerten konnten.

„Schau mal in die Schränke nach Andrew, vielleicht findest du dort etwas Interessantes!“ Lisas Stimme zitterte vor Aufregung, und ich bemerkte, wie nervös sie war. Zögernd öffnete ich eine alte Kommode, die von Spinnweben überdeckt war. In Gedanken hoffte ich, dass mir keine Spinne entgegen kam, denn vor diesen Tieren hatte ich eine Riesenangst. Zwar wusste ich, dass es hier in Schottland keine giftigen Spinnen gab, doch wenn ich an die - haarigen, langen Füße - von den Krabbeltieren dachte, war es aus bei mir. Ein muffiger Geruch schlug mir entgegen, der von den alten, löchrigen Decken stammte, die in dem Schubfach lagen. Angewidert schob ich die Schublade sofort wieder zu und öffnete die beiden unteren Schranktüren. Hier waren auch keine Schätze versteckt gewesen. Es lagen nur ein paar alte Kerzen und ein Stapel zerfledderte Zeitschriften verstreut herum.

„Hier sind nur alte Decken und Kerzen drinnen, ich werde es mal am Schreibtisch versuchen“, rief ich Lisa zu, und machte mich weiter auf die Schatzsuche...

Da meine Freundin und ich nichts Interessantes im Wohnzimmer fanden, wollten wir weiter gehen, um die anderen Räume zu durchsuchen. Flugs öffnete meine Freundin die Tür und betrat das nächste Zimmer. Weil ich nicht alleine bleiben wollte, folgte ich ihr auf den Tritt und war gespannt, was wir dort alles vorfinden würden. Leider waren wir nur in der Küche, wo überall Töpfe, Pfannen und anderes Geschirr herumstanden. Auch diese Schränke waren zum Teil schon eingestürzt und man konnte Porzellan und Gläser, durch die kaputte Türen erkennen.

„Hier werden wir mit Sicherheit nichts interessantes finden“, stellte meine Freundin enttäuscht fest und öffnete auch gleich die nächste Tür. „Das war bestimmt der Speisesaal“, meinte Lisa und forderte mich auf, die linke Seite des Zimmers zu durchsuchen.

In der Mitte vom Raum stand ein großer Tisch, an dem sicherlich zwölf Leute bequem sitzen konnten. Ein wuchtiger, gläserner Kronleuchter lag kaputt auf dem Tisch, der bestimmt schon vor längerer Zeit hinunter gefallen war. An der Wand standen mehrere Kommoden, die wir alle durchsuchen wollten. Dieses Mal fanden wir vom Besteck, Servietten und verschiedenen Vasen, so ziemlich alles, nur eben keine wirklichen Schätze.

„Alles nur Schrott hier bei mir“, rief ich Lisa enttäuscht zu, nachdem ich meine dritte Durchsuchung beendet hatte.

„Bei mir ist auch nichts Brauchbares dabei, dann schauen wir eben in den nächsten Raum, es sind ja schließlich genug da.“

Nun waren wir in der Eingangshalle, die größer war, als die Wohnung in der ich lebte. Mit großen Augen und offenem Mund schauten wir die Kunstvollen Stuckarbeiten an der Decke an. Auch der Boden war ein kleines Kunstwerk. Er bestand aus Tausenden von kleinen bunten Mosaiksteinchen, die einen Drachen auf einem Felsen darstellten. Eine riesige Treppe führte in das obere Stockwerk, wobei diese eine Kurve nach rechts machte. Auf der Treppe lag ein rötlicher Teppich, der sich langsam in seine Bestandteile auflöste. Natürlich waren im ersten Stock wie auch im Untergeschoß noch viele Türen, deren Räume wir noch erforschen wollten. Weiter oben, wo die Treppe eine Kurve machte, hing noch ein alter riesiger Wandteppich, der allerdings schon ziemlich löchrig war. Hierauf war eine Art Landkarte zu sehen, worauf man Wälder, Seen und Berge gut erkennen konnte. Außerdem stand noch etwas über dem Motiv geschrieben, dass ich leider nicht entziffern konnte, da diese Worte in einer fremden Sprache geschrieben waren.

„Wo wollen wir es als nächstes versuchen Andrew“, hörte ich Lisa zu mir sagen. „Diesmal darfst du entscheiden wo es hin geht, vielleicht hast du ja mehr Glück als ich.“

„Keine Ahnung, wir könnten ja einmal in die oberen Stockwerken schauen, vielleicht ist da mehr zu holen.“

 Gerade als mir Lisa antworten wollte, hörten wir zwei fremde Stimmen, die immer lauter wurden. Nun war sie da, die Panik. Was, wenn man uns bei diesem Einbruch erwischen würde? Hektisch schauten wir uns nach einem geeigneten Versteck um. Da nahm mich auch schon Lisa an die Hand und rannte mit den Worten „zum Wandteppich“ mit mir auf die Treppen zu. Fast wäre ich noch über den Teppich gestolpert, da wir immer gleich zwei Stufen auf einmal hoch rannten. Doch zum Glück hatte Lisa mich abgefangen und wir konnten uns noch rechtzeitig, hinter den löchrigen Wandteppich verstecken. Vor Aufregung konnte ich kaum noch atmen und wollte gerade etwas zu Lisa sagen, doch da kamen auch schon die beiden Fremden die Treppe hinunter. Mit großen Augen schauten wir die beiden Gestalten an und konnten nicht glauben was wir sahen. Da waren zwei Tiere oder so etwas, die nicht von dieser Welt sein konnten, denn solche Gestalten haben wir noch nie gesehen. Beide hatten eine dunkelgrüne Haut die mit Hunderten von Warzen übersät waren, spitze haarige Ohren und jeweils zwei große schwarze Augen, die etwas aus dem Gesicht hervorragten. Der linke von den beiden, hatte eine braune kurze Hose und eine beige zerschlissene Jacke an. Während der andere, nur eine lange rote Hose trug, die unten herum schon ausgerissen war. Die zwei Gestalten hatten keine Schuhe an und sehr große Füße und Hände, mit langen schwarzen Nägeln. Obwohl mir die beiden gerade bis zur Brust reichten, hatte ich einen Heidenrespekt vor diesen Kreaturen. Am schlimmsten allerdings war, dass die Gestalt mit der braunen Hose eine Art Keule bei sich trug, während der andere eine Axt in seinen Händen hielt. Lisa und ich trauten uns kaum noch zu atmen und wir hofften beide, dass sie uns nicht entdeckten. Da die Kreaturen die Treppe hinunter kamen, wurde unsere Angst immer größer, denn sie mussten genau an uns vorbei. Vorsichtig beobachteten wir die beiden durch die Löcher im Teppich und waren erleichtert, als diese unbemerkt an uns vorbei gingen. Diese fremdartigen Wesen erzählten sich etwas über einen Gegenstand, den sie leider nicht gefunden hatten, wobei der mit der roten Hose schreckliche Angst hatte, bestraft zu werden. Unten in der Eingangshalle stellten sich die beiden auf das Mosaik des Drachens, wobei einer von ihnen einen kleinen Zettel aus seiner Tasche hervorkramte. Danach las er vor, was darauf stand: „Nexis Lamura Entall Kalun“ Kaum hatte er ausgesprochen, da umgab die beiden ein grelles blaues Licht, und kurz darauf waren die Gestalten auch schon verschwunden.

„Hast du das gesehen Lisa?“

„Ja klar, ich dachte schon ich träume.“

Meine Knie zitterten immer noch und ich hatte das Gefühl auf Pudding zu stehen.

„Was das wohl für Typen waren?“, sprach mich Lisa leise an und schaute sich dabei noch um, ob nicht doch noch so einer Gestalt in der Nähe war.

„Keine Ahnung, aber die schauten schon komisch aus, oder? Zumindest bin ich froh, dass sie uns nicht entdeckt haben.“

Mit einem leichten Kopfnicken stimmte mir meine Freundin zu und nahm fest meine Hand in die ihre.  Noch etwas ängstlich trauten wir uns nun hinter den Wandteppich hervor und erschraken fürchterlich als etwas Schweres laut auf den Boden krachte.

„Was war das denn?“, wollte Lisa von mir wissen und drückte sich sofort an mir vorbei. Ich dagegen blieb wie angewurzelt stehen und wagte es kaum, zu atmen.

„Da liegt eine Kette am Boden, wie kommt die denn da hin“, fragte mich Lisa.

„Keine Ahnung, aber langsam hab ich heute genug von der Aufregung“, antwortete ich ihr mit zittriger Stimme.

„Da sind auch noch Klebestreifen auf der Kette, die muss irgendjemand, hinten am Teppich fest gemacht haben“, stellte meine Freundin fest und hob das Schmuckstück auf, damit sie es näher betrachten konnte.

Die Kette schien aus Silber zu bestehen und hatte einen großen runden Anhänger, auf dem eine Schlange war, die ein großes S machte und oben und unten jeweils einen Kopf hatte. Weiterhin waren noch, uns unverständliche Schriftzeichen, sowie ein roter und ein blauer Stein eingearbeitet. An der Außenseite des Amuletts stand: „Nexis Lamura Entalla Kalun.“

„Eine Schlange mit zwei Köpfen, so was verrücktes“, murmelte ich vor mich hin.

„Find ich auch Andrew, doch die Kette ist ganz schön schwer und - bestimmt viel wert - oder was meinst du?“

Auf einmal begannen die Augen von meiner Freundin zu leuchten, denn dieses Schmuckstück könnte wirklich etwas wertvolles sein.

„Das will ich hoffen, zumindest schaut es sehr teuer aus“, grinste ich ihr entgegen,

„Hast du auch gelesen was da steht“, wollte meine Freundin nun von mir wissen, wobei sie die Augen zusammen kniff um die Worte noch einmal zu lesen.

Nun schaute ich mir die komischen Worte etwas genauer an und wusste worauf sie hinaus wollte.

„War das nicht der Satz, den die beiden Gestalten da unten gesprochen haben“, fragte mich meine Freundin und fuhr dabei mit ihren Fingern über die beiden bunten Steine.

„Das könnte schon sein, doch so sicher bin ich mir da nicht mehr“, bekam Lisa zur Antwort.

Da mir meine Freundin die Kette entgegen reichte, nahm ich sie zögernd an mich und bemerkte erst jetzt wie schwer sie war.

„Weißt du was Lisa, das ist keine Kette sondern ein Amulett“, sprach ich mehr vor mich hin und schaute mir nochmals die Schlange etwas genauer an.

„Ist doch egal ob Kette oder Amulett, aber wertvoll ist sie bestimmt.“

„Das könnte durchaus sein“, mit diesen Worten wollte ich das Amulett, meiner Freundin wieder zurückgeben und streckte es ihr entgegen.

„Behalte du das Teil, mir ist es zu schwer“, winkte Lisa ab und zog mich hinter sich her.

Zögernd und Hand in Hand gingen wir die Treppe hinunter und blieben auf dem Mosaik des Drachens stehen.

„Wo sind die beiden nur geblieben“, wollte ich von Lisa wissen, wobei ich genau wusste dass sie mir keine Antwort auf die Frage geben konnte.

„Keine Ahnung Andrew, nur so etwas erlebt man bestimmt nicht jeden Tag, oder?“

„Kann man wohl sagen, mir schlottern jetzt noch die Knie, das glaubt uns sicherlich keiner.“

Mit starrem Blick schauten wir auf den Boden und suchten nach Antworten auf unsere Fragen.

„Zeig mir noch mal das Amulett“, bat mich Lisa aufgeregt und schnippte mit ihren Fingern.

Vorsichtig legte ich das Schmuckstück auf meine Handfläche und hielt es meiner Freundin vor ihr Gesicht.

„Nexis Lamura Entalla Kalun“, las Lisa den Satz bedächtig von dem Amulett ab.

Plötzlich umhüllte uns ein grelles blaues Licht und unsere Hände krallten sich fest in einander. Doch schon bald hörte das Leuchten auf, und wir beide standen inmitten einer großen Wiese auf einen schwarzen Stein, bei dem der gleiche Drachen eingemeißelt war, wie bei dem Mosaik in der Eingangshalle.

Ankunft in Aganor

„Was ist denn passiert?“, wollte ich von Lisa wissen und schaute mich neugierig in der neuen Umgebung um.

„Weiß ich auch nicht Andrew, vielleicht war dies so eine Art Portal in eine andere Welt.“

Da ich dies nicht glauben konnte, schaute ich meine Freundin an, als wäre sie nicht ganz dicht.

"Wenn wir schon mal hier sind, können wir uns auch genauso gut ein wenig umschauen“, sprach mich Lisa an und zog mich hinter sich her.

Wir schlenderten eine Weile über die Wiese und bemerkten schnell, dass keiner von uns diese Gegend kannte.

„Sieh doch, hier am Himmel scheinen sogar zwei Sonnen“, stellte Lisa aufgeregt fest.

Sie hatte Recht, da waren wirklich zwei Sonnen am Himmel und nun wusste ich, dass wir nicht mehr in Crownville waren. Irritiert hob ich meinen Kopf und schaute die beiden Sonnen an, die über uns leuchteten, wobei eine etwas kleiner war als die andere. Auch standen die Sonnen nicht nebeneinander, sondern eine war vor uns und die andere hinter unserem Rücken.

„Hast du schon einmal so etwas verrücktes gesehen?“, wollte ich von Lisa wissen, die es noch immer nicht fassen konnte.

„Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass es so etwas gibt. - Zwei Sonnen am Himmel - das ist nicht zu fassen.“

„Was sollen wir nun tun, ich will wieder zurück“, jammerte ich Lisa an und hatte langsam Angst, nicht mehr nach Crownville zurück zu finden.

„Das weiß ich auch nicht, doch lass uns mal zu dem großen Baum dort vorne hingehen, vielleicht wissen wir dann mehr.“

Bevor ich noch etwas dagegen sagen konnte, nahm sie mich auch schon an die Hand und zog mich hinter sich her, um einen riesigen Baum anzusteuern.

„Dort können wir hochklettern und uns einen besseren Überblick verschaffen“, klärte mich Lisa selbstsicher auf und ich hatte das Gefühl, dass sie diese Situation, wesentlich besser unter Kontrolle hatte als ich.

Gemeinsam gingen wir über eine Wiese, die mit einer Vielzahl von verschiedenen Blumen bestückt war. Das Gras war so hoch, dass es uns bis an die Knie reichte und uns beiden machte es langsam Spaß durch die Wiese zu schlürfen. Auch mehrere Schmetterlinge waren zu sehen, die überall herumflogen. In der Ferne sahen wir auch ein paar kleine Berge, die allerdings nicht sehr hoch sein konnten. Es dauerte nicht lange, dann hatten wir den Baum erreicht, der mit seinen wuchtigen Zweigen zum klettern einlud.

„Mach mal eine Räuberleiter damit ich besser in die Äste komme“, befahl mir Lisa in einem energischen Ton.  Schnell lehnte ich mich an den Baum und faltete meine Hände zusammen, so wie es bei einer Räuberleiter üblich war. Lisa stieg über meine Hände in die sperrigen Äste hinein und ich bewunderte meine Freundin, wie leicht sie das schaffte. Oft habe ich davon geträumt auch in Bäume zu klettern, oder ab und zu Fußball zu spielen. Doch leider habe ich nicht die Figur dazu, von der Kondition ganz zu schweigen. Früher war ich öfters mal beim Fußball dabei, doch ich war immer der letzte, der von einem Team gewählt wurde. - Falls ich überhaupt genommen wurde - Meistens saß ich nur auf der Bank und schaute den anderen beim Fußballspielen zu. Eigentlich durfte ich nur mitmachen, wenn ein anderer ausfiel. Doch selbst dann bekam ich selten einen Ball ab, da ich angeblich viel zu langsam war. Nachdem ich einige Male mitspielen durfte, brachen sie das Spiel lieber ab, (wenn einer ausfiel) als mich noch einmal in die Mannschaft zu holen. „Da können wir ja gleich mit einem Mann weniger spielen, bevor wir Andrew nehmen müssen!“ Solche und andere Sprüche durfte ich mir dann anhören. Das war echt frustrierend, doch nicht jeder kann eben eine Sportskanone sein.

„Was sucht ihr denn hier?“, ertönte auf einmal eine angenehme und zarte Stimme.

Erschrocken blickte ich mich um, doch niemand war zu sehen.

„Lisa komm schnell wieder runter, hier ist irgendjemand“, bat ich meine Freundin um Hilfe.

Gekonnt sprang meine Freundin vom Baum und landete sicher neben mir, genau auf ihren Füßen.

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