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Käufliche Liebe 3

Käufliche Liebe Band 3

Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig.

 

Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus.

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

 

 

Ebooks sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie. Danke!

Text: Sissi Kaipurgay

Foto von shutterstock 45180700

Covergestaltung: Lars Rogmann

Das Einzige, was mich hier noch hält, ist die Erdanziehung


Enrico. Ein spanischer Hengst der Luxusklasse mit locker 400 PS unter der Haube. Ausgerechnet in diesen Mann verliebe ich mich und nicht nur das: Ich versuche ihn für mich zu gewinnen. Spinner gibt es überall, warum sollte ich nicht träumen dürfen?

 

 

Was für ein Idiot schreibt so einen Spruch mit Zuckerschrift auf ein Lebkuchenherz? Ungläubig starre ich das Machwerk an, während die Verkäuferin ein Geschäft wittert und sich auf mich zubewegt. Das Herz ist entsprechend groß, damit der Satz überhaupt in Gänze darauf Platz findet und man könnte damit ein Kleinkind locker erschlagen.

„Hat der Herr etwas gefunden?“, fragt die Zuckerwarenfrau mit einem süßlichen Lächeln.

„Ja, ich nehme das da.“ Ich zeige auf ein kleines Herz mit der Aufschrift ‚Herzensbrecher‘.

„Gute Wahl. Das passt zu Ihnen“, flötet die Frau, reicht mir den Lebkuchen und kassiert den Preis.

Ich hänge mir das Ding um den Hals. Eigentlich würde das Schild ‚Verlierer‘ besser zu mir passen, aber es gibt kein Herz mit dieser Aufschrift. Außerdem bin ich mit Sarkasmus gesegnet, etwas, was mich wenigstens ein bisschen aus der Menge hervorhebt. Ansonsten bin ich für einen Mann zu klein, zu unscheinbar und vor allem … schwul.


Ich trotte über den Frühlingsdom, allein und nur deshalb, weil ich immer über diesen Jahrmarkt gehe. Es ist eines von vielen Ritualen, die ich einfach deshalb einhalte, um meinem Leben einen Sinn zu verleihen. Genau wie der Spaziergang um die Alster im Sommer, der Besuch des Stadtparks nebst Planetarium und hin und wieder ein Rockkonzert. Das alles formt mein Dasein zu einer Art Existenz, die ich selbst nicht richtig spüre. Ich bin taub. Nein, ich kann hören, doch ich selbst fühle mich wie taub an. Mein Tastsinn, meine Emotionen und selbst mein Geruchssinn laufen auf Sparflamme. Ich bin nur halb auf dieser Erde und wo der Rest ist, weiß ich nicht.

Schuld an diesem Zustand ist sicher mein soziales Umfeld. Meine Eltern sind zwar nicht bösartig, aber kaltherzig. Sie werfen mit Geld um sich, Liebe ist ihnen aber fremd. Meine Freunde, wenn ich sie denn so bezeichnen würde, sind fast alle inzwischen verheiratet oder fest liiert. Als Single ist man das fünfte Rad am Wagen, daher verfolge ich diese Kontakte nicht weiter.

Hinzu kommt, dass ich ausgesprochen schüchtern bin. Der Besuch von einschlägigen Clubs ist mir ein Gräuel und meine sexuelle Erfahrung daher fast Null. Ab und zu habe ich mir schon mal einen Callboy gegönnt, doch es hat mir nicht besonders gefallen. Auch wenn das dumm klingen mag, aber ich glaube an die große Liebe. Ich bin eben ein absoluter Romantiker, ohne dass ich damit je Erfahrungen gemacht habe. Träume werden aber wohl noch erlaubt sein.


Ich habe den Ausgangspunkt am Riesenrad erreicht, bleibe dort stehen und überlege, was ich mit dem restlichen Tag anfangen soll. Meine Wohnung ist schön, jedoch leer. Eine weitere Runde um den Dom wäre eine Option, reizt mich aber auch nicht. Schließlich schlage ich den Weg in Richtung der U-Bahnstation ein, gönne mir an einem Stand noch eine Tüte gebrannter Mandeln, dann ist der Dombesuch für dieses Jahr abgehakt.


Während ich von der Bahn meinem Zuhause entgegengeschaukelt werde, fällt mein Blick auf eine Zeitung, die wohl jemand auf dem Sitz gegenüber vergessen haben muss. Ich lese dieses Blatt sonst nicht, schnappe es mir aber allein aus Langeweile und blättere ein wenig darin herum. Es handelt sich um ein kostenloses Stadtmagazin, speziell für Homosexuelle. Mäßig interessiert lese ich ein paar Kontaktanzeigen, studiere dann die Inserate von Professionellen und dabei springt mir eine besonders ins Auge.

‚Enrico del Ingles – dein spanischer Traum. Lass dich von mir verwöhnen‘, steht da und das Foto zeigt einen Adonis, der meinen feuchten Wichsfantasien entstiegen sein muss. Dunkle Augen mit langen Wimpern, eine grade Nase, schwarze Locken bis zu den Schultern. Mir wird warm.


Ich stecke das Magazin ein, verlasse das Abteil und trabe nachdenklich nach Hause. Geld steht mir reichlich zur Verfügung, also könnte ich mir diesen spanischen Traum leisten. Es ist nur so … Ich traue mich nicht, bei dem Mann anzurufen. Was, wenn meine Stimme versagt? Oder wenn er mich so abstoßend findet, dass er mich wegschickt?

Das sind natürlich Hirngespinste, denn meine bisherigen Kontakte haben mich sogar als sexy bezeichnet. Für Geld tut man eben alles, sogar einen spiddeligen Twink wie mich als scharfen Typ bezeichnen. Gefallen haben mir die Komplimente schon, aber an meinen Minderwertigkeitskomplexen ändert das leider nichts.

Seufzend schließe ich die Tür zu meiner Wohnung auf, werfe die Zeitung auf die Kommode vor dem Spiegel und streife die Schuhe von den Füssen. In der Luft hängt noch der Duft vom Mittagessen. Ich koche gern, selbst für mich allein. Nun allerdings stört mich der Bratkartoffelgeruch, sodass ich in der Küche das Fenster öffne und frische Luft hereinlasse. Für einen Moment stehe ich da, sauge tief den milden Frühlingsduft in mich auf, dann lockt es mich zurück in den Flur.

Wieder nehme ich das Magazin hoch, blättere zu der Anzeige dieses Enricos und vergleiche sein Foto mit meinem Spiegelbild. Uah! Das ist keine gute Idee! Nun komme ich mir noch mickriger, noch hässlicher vor. Blond, blaue, kurzsichtige Augen hinter dicken Brillengläsern, dünn und gerade mal eins siebzig. Ich bin das genaue Gegenteil von dem spanischen Hengst. Entmutigt lege ich die Zeitung zurück und strecke mir in einem kindlichen Anfall die Zunge heraus.

Siebenundzwanzig und noch Jungfrau. Was bin ich doch für ein Waschlappen! Das mit der Jungfrau gilt natürlich nur für meinen Hintern. Keiner meiner bisherigen Sexpartner hat bei mir den Wunsch geweckt, diese Spielart ausprobieren zu wollen, doch insgeheim reizt es mich schon. Ich bin da sehr empfindlich und habe mir gelegentlich mal ein Spielzeug eingeführt, dazu mich selbst gestreichelt. Das mit einem anderen Mann zu erleben, muss wahnsinnig geil sein.

Der Gedanke erregt mich. Eine Gänsehaut läuft über meinen Körper, mein Schwanz wird hart. Erneut wandert mein Blick zu der verdammten Annonce. Scheiß drauf! Ich will Sex, ich will diesen Spanier. Wo ist das Telefon?


„Del Ingles“, sagt eine tiefe Stimme.

Mein Glied zuckt, ein Schauer überläuft mich.

„Ich bin Jonas Walther“, flüstere ich. „Ich hätte gern einen Termin vereinbart.“

„Hä? Ich kann dich kaum verstehen.“

Mist-Mist-Mist! Ich nehme allen Mut zusammen und räuspere mich.

„Ich würde dich … Sie gern buchen.“

Der Mann lacht leise. „Okay. Wann und wo?“

„Gleich und bei … dir?“, frage ich unsicher, da die anderen Callboys stets zu mir gekommen sind.

„Gib mir eine Stunde. Irgendwelche Vorlieben?“, meint Enrico und wieder bewegt sich mein Ständer bei dem tiefen Timbre.

„Äh. Nein. Doch. Ich bin aktiv.“

Nachdem er mir seine Adresse verraten hat, legt er auf. Mir stehen Schweißperlen auf der Stirn, so sehr hat mich dieser Anruf mitgenommen. Eine Stunde. Ich könnte platzen vor Erregung, gleichzeitig muss ich dringend aufs Klo, wie immer, wenn ich aufgeregt bin.


Neunundfünfzig Minuten später stehe ich vor dem Wohnblock, in dem der wilde Spanier sein Appartement hat. Bevor ich auf den Klingelknopf drücke schaue ich auf die Uhr, warte, bis die letzte Minute verstrichen ist. Erst dann presse ich einen Finger auf den Knopf. Sofort ertönt das Summen des Türöffners.

Im zweiten Stock ist eine Wohnungstür nur angelehnt. Vorsichtig spähe ich durch den Spalt, da wird sie auch schon aufgerissen. Enrico lächelt mich an und fragt: „Jonas Walther?“

Ich kann nur nicken, denn in Natura ist der Kerl noch attraktiver als auf dem Foto. Seine schneeweißen Zähne schimmern, lassen die bronzefarbene Haut noch dunkler erscheinen und das Funkeln seiner Augen löst ein Ziepen in meiner Magengrube aus.

„Komm rein“, fordert mich Enrico auf, dabei unterzieht er mich einer Musterung, die aber keineswegs unangenehm ist.

Im Gegenteil: Der Blick seiner Augen kribbelt auf meinem Körper und es fühlt sich an, als wäre ich nackt. Meine kurz abgeflaute Erregung brandet erneut auf.

„Da links rein“, sagt Enrico, zeigt auf eine offenstehende Tür und wartet, bis ich in das Zimmer gegangen bin, bevor er mir folgt.

Vorher habe ich noch schnell einen Blick auf den geradeaus liegenden Raum erhaschen können. Diese Wohnung muss echt groß sein. Verdient ein Callboy so gut?

Ich bleibe vor dem riesigen Bett stehen und registriere, dass es frisch bezogen ist. Ein weiterer Pluspunkt für den Spanier, denn Sauberkeit schätze ich sehr. Auch sonst wirkt alles überaus reinlich. Auf dem Nachtschrank steht eine Schale mit Kondomen, daneben ein Gleitgelspender und einige Spielzeuge. Ich werde rot, da ich an die Momente denken muss, in denen ich selbst so etwas in mir stecken hatte.

„Dein erstes Mal mit einem Profi?“, fragt Enrico, wobei er sein Hemd abstreift.

„Nein. Ja. Also, ich hab schon mal, aber noch nie mit so einem …“, stammele ich, plumpse ungeschickt auf die Bettkante und schaue zu ihm hoch.

„Mit SO einem?“, wiederholt er amüsiert, seine Zähne blitzen.

„Na ja, mit so einem …“ Ich hebe die Achseln und meine Wangen werden immer heißer.

„Gutaussehenden, sexy Kerl?“, vollendet Enrico meinen Satz, beugt sich über mich und zwingt mich damit auf den Rücken, da ich es nicht wage, ihn zu berühren.

„Ja. So in etwa“, flüstere ich und starre in seine dunklen Glutaugen.

„Du bist sicher aktiv?“, fragt er leise.

„Ja. Nein. Bisher schon.“

„Nimm doch mal diese fürchterliche Brille ab.“ Er klaubt sie mir einfach von der Nase und packt sie achtlos auf den Nachtschrank. „Hübsche Augen“, murmelt er, dabei kommt sein Gesicht immer näher.

Warme, feste Lippen legen sich erfahren auf meine. Da ich keine Ahnung habe, was ich darf und was nicht, bleibe ich passiv. Erst als sich eine Zunge beharrlich in meinen Mund drängt, öffne ich meine Lippen und beteilige mich eifrig an dem folgenden, erregenden Spiel. Enricos Geschmack ist sensationell, so wie auch sein Duft. Er muss gerade unter der Dusche gewesen sein, denn seine Haare sind noch feucht.

Seife und irgendein Rasierwasser, daneben noch eine herbe, männliche Duftnote. Es ist berauschend und alle meine Sinne springen auf ihn an. Noch nie hat mich ein Mann schon beim Küssen derart erregt. Enricos Präsenz erschlägt mich, raubt mir den Verstand und sogar meine Scheu ist vergessen.

„Dann lass doch mal sehen.“ Er kniet sich mit einem Bein auf das Bett und rollt mein T-Shirt hoch. Ich hebe die Arme, damit er es mir abstreifen kann, dann guckt er einem Moment und eine rosa Zungenspitze erscheint kurz, als wenn er sich die Lippen lecken will. Schnell ist sie wieder verschwunden und Finger machen sich an meiner Jeans zu schaffen.

Ich streife die Schuhe ab, hebe das Becken an und bin gleich darauf nackt. Enrico streckt die Hand aus, fährt neckisch mit den Fingern über meine Brust und lächelt dabei.

„Nett“, sagt er leise. „Nett und sehr sexy.“

Seine Worte schmeicheln mir, auch wenn eine kleine Stimme in meinem Kopf flüstert, dass sie nicht wahr sein können. Enrico ist gekauft. Es ist seine Aufgabe, den Kunden in Stimmung zu versetzen. Dennoch räkele ich mich, hoffentlich verführerisch, und ziehe die Mundwinkel hoch. Er lacht leise.

„Na also. Du kannst also auch lockerlassen.“

Mit einer geschmeidigen Bewegung steht er auf und streift sich die Hose gekonnt von den Beinen. Kein ungeschicktes Rumgehopse, einfach perfekt. Alles an ihm ist perfekt. Seine Haut schimmert golden, jeder Muskel ist definiert, jedoch nicht übertrieben. Die schwarzen Locken wallen über seine Schultern und sein Schwanz … sein Schwanz steht prall und groß von ihm ab. Wow! Jonas im Schlaraffenland.

„Wie hättest du es gern?“, fragt er und seine dunkle, weiche Stimme nimmt der Frage jede Schärfe.

Am liebsten in jeder Position, doch plötzlich ist die Scheu wieder da und ich finde keine Worte. Enrico tritt an den Nachtschrank, drückt sich Gel auf zwei Finger und während er sich selbst das Zeug in die Ritze schmiert, wirft er mir einen fragenden Blick zu. Schließlich seufzt er, da ich ihn nur aus großen Augen anstarre und krabbelt aufs Bett.

„Dann entscheide ich“, meint er nüchtern, schwingt sich über mich, verharrt über meinen Schenkeln und rollt ein Gummi über mein Glied.

Anschließend massiert er es ein wenig, bis es ihm hart genug erscheint, dann rutscht er höher und dirigiert es in seinen Hintern. Meine Eichel wird zusammengedrückt, gleich darauf mein ganzer Schwanz. Enrico ist wahnsinnig eng oder aber mein Schwanz größer als die, die er sonst gewohnt ist. Seine Miene ist beherrscht, nur ein zuckender Muskel in seiner Wange verrät ein wenig von dem, was in ihm vorgeht. Er wirft mir einen prüfenden Blick zu.

„Alles okay?“

DAS fragt er mich? Ich nicke, starre mit aufgerissenen Augen zu ihm hoch. Mein ganzer Körper steht unter Strom, ich schwitze und wir haben noch nicht einmal richtig begonnen. Das ändert Enrico aber sogleich, indem er sein Becken hebt, bis ich fast aus ihm rausrutsche, und sich dann wieder auf mich senkt. Die beeindruckenden Muskeln seiner Schenkel arbeiten, während er mich geradewegs in den Himmel reitet.

Ich habe keine Chance mich zurückzuhalten, kann mich nur hilflos seiner Kraft ergeben. Alles verschwimmt, bis unser keuchender Atem und mein donnernder Herzschlag meine ganze Wahrnehmung ausfüllen. Es fühlt sich an, als würde das Sperma direkt durchs Rückenmark, durch meinen Schwanz ins Gummi schießen. Für einen Moment umgibt mich tiefe Schwärze, dann holt mich die Gegenwart in Form von auslaufenden Wellen und tiefer Erlösung wieder ein.

„Wow“, ächze ich voller Begeisterung und funkle Enrico an.

Dieser lächelt, steigt von mir ab und nimmt gleich das Gummi mit. Seine Erektion ragt prall vor seinem Bauch auf, womit die Frage geklärt ist, ob er auch …

„Freut mich“, meint er, setzt sich auf seine Fersen und wirft das Kondom in den Mülleimer neben dem Bett.

„Und … du?“, frage ich, dabei starre ich auf seinen Schwanz.

„Was?“ Irritiert folgt er meinem Blick, dann grinst er. „Ach das? Willst du zugucken? Das kostet aber extra.“

Für einen winzigen Moment habe ich tatsächlich verdrängt, dass dies hier ein geschäftliches Arrangement ist. Beschämt senke ich die Wimpern, glotze aber weiterhin auf sein steifes Glied.

„Ja“, antworte ich schließlich, dabei huscht mein Blick zu seinem Gesicht und ich schaue mutig in seine Augen, als ich hinzusetze: „Ich möchte es aber tun.“

Stumm hebt Enrico die Brauen, woraufhin ich murmele: „Schon klar, das kostet auch extra.“

Er prustet los, dabei legt er eine Hand auf meinen Bauch, wie unabsichtlich. Sicher merkt er auch nicht, dass seine Finger mich sachte streicheln. Das ist mehr Zärtlichkeit, als ich je nach einem Fick bekommen habe. Alle meine Härchen stellen sich auf, ein wohliger Schauer läuft über meinen Rücken.

„Ooookay“, meint Enrico. „Wie hättest du mich gern?“

Langsam komme ich mir vor wie in einem dieser beknackten Läden, in denen ich mir von der Brotsorte bis hin zum Belag alles selbst aussuchen muss. Ich bin kein entschlussfreudiger Typ, daher zucke ich mit den Achseln, außerdem ist das hier doch für ihn.

„Dann entscheide ich mich für die bequeme Rückenlage.“

Enrico wirft sich neben mich aufs Laken und streckt sich aus. Sein Schwanz wippt schräg hoch und scheint mich direkt anzusehen, dabei weint er. Noch nie habe ich einen Penis geschmeckt und bisher das Bedürfnis auch nicht gespürt, doch nun juckt es mich förmlich, Enrico zu kosten. Nur die erneute Preisverhandlung, die unweigerlich folgen würde, hält mich davon ab, aufs Ganze zu gehen. Ich empfinde sie als Stimmungskiller und bin schon so mehr als genug abgetörnt von dem ganzen Gerede über Geld.

Enrico wirft mir einen auffordernden Blick zu, gleichzeitig packt er seine Erektion und schiebt die Vorhaut einmal vor und zurück. Die Träne fängt an zu fließen, bevor sie jedoch fallen kann, habe ich beherzt zugepackt und verreibe sie über den ganzen Schaft. Enrico schließt genießerisch die Augen und stöhnt leise. So gefällt er mir noch besser. Ich beobachte sein Gesicht, während ich seinen Schwanz pumpe und von hinten nach seinen Eiern lange. Halt! Kostet das auch extra? Ich halte kurz inne, warte darauf, dass er einen Betrag nennt, doch Enrico seufzt nur und spreizt die Schenkel.

Wow! Was für ein geiler Anblick! Der schöne Spanier in hingebungsvoller Pose. Ich wünsche mir zwei Hände mehr und zusätzlich zwei Paar Augen. Weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll und würde ihn am liebsten überall anfassen. Seine flachen Brustwarzen geraten in meinen Fokus. Was mag das Lecken dort kosten? Vielleicht sollte er überall an seinem Körper Preisschilder anbringen. Ich senke den Kopf, fahre erst mit der Zunge über den hellbraunen Nippel und als Enrico entzückt seufzt, klemme ich mir vorsichtig eines der kleinen Knöpfchen zwischen die Zähne. Er jault auf, bebt und sein Unterleib hebt sich von der Matratze.

Enricos Reaktion stachelt meine Lust erneut an. Sein Stöhnen hallt in meinem Kopf und wenn meine Hände nicht schon schwer beschäftigt wären, würde ich mir selbst im Schritt herumspielen. Ich bin im Moment ein echtes Multitasking-Talent. Gleichzeitig Eier kraulen, Schwanz massieren und die harten Nippelchen lutschen erfordert harte Konzentration, doch das Ergebnis zählt.

Enrico seufzt, ächzt, windet sich und sein Schwanz schwillt noch einmal an, dann krümmt er sich zusammen und kommt. Klebriges Nass läuft über meine Finger, seine Miene ist vor Lust verzerrt und er hat die Zähne zusammengebissen. Wie er wohl ist, wenn er sich ganz fallenlässt? Bei diesem Gedanken schlägt Sehnsucht nach wahren Gefühlen ihre giftigen Krallen in mein Herz.


„Also: Die vereinbarten 120 Euro zuzüglich dem Handjob. Wären dann … Okay. Ich nehme von dir nur 15 Euro dafür“, rechnet Enrico mir vor, nachlässig in einen seidenen Morgenmantel gehüllt.

Ich bin wieder angezogen, habe die Brille auf der Nase und stehe vor ihm im Flur.

„Ach? Was ist mit Eier anfassen dürfen und Nippel lecken? Ist das umsonst?“, kontere ich erstaunlich frech.

Die Krallen halten mein Herz fest umklammert und machen aus mir einen hirnlosen Idioten. Ich bin irgendwie sauer, zugleich traurig, auf jeden Fall bin ich auf Krawall gebürstet. Enrico hebt die Augenbrauen und guckt irritiert.

„Dafür müsste ich dir eher Rabatt geben“, meint er trocken und seufzt. „Okay. Ich erlasse dir die 15. Dann bleibt es bei dem abgesprochenen Preis.“

Dieser Kerl ist eine laufende Rechenmaschine. Ich fummele ein paar Scheine aus der Brieftasche und halte sie ihm hin. Gelassen schnappt er sich die Noten und knüllt sie in die Tasche des Seidenteils. Dabei fällt ihm nicht auf, dass er viel zu viel bekommen hat. Erst macht er den Erbsenzähler, dann ist er zu dämlich, um den Betrag zu kontrollieren. Ich schnaube verächtlich, wende mich zur Tür und lass sie hinter mir offen stehen.

„Bis bald mal wieder“, ruft mir Enrico hinterher.


Bis bald … Die Worte hallen in meinem Kopf wieder, während ich mein tristes Leben weiterführe. Es ist ausgeschlossen, dass dieser Mann mich damit gemeint hat. Er meint mein Geld, was sonst, aber ist das nicht egal? Ist es nicht, sagt die mahnende Stimme in meinem Kopf. Ach, Scheiß drauf, sagt die diabolische Stimme und letztendlich ist sie es, die mich auf eine wahrhaft närrische Idee bringt.

Was wäre, wenn ich Enrico verführe? Wenn ich ihn nach allen Regeln der Kunst verwöhne? Müsste ich mich damit nicht in sein Herz schleichen können? Sex ist nicht alles, ertönt es mahnend, während der Teufel keck kichert. Sex kann eine Brücke sein, flüstert er mir zu und zwinkert.

Nein, ich bin nicht verrückt. Die Stimmen höre ich zwar, doch die kennt wohl jeder. In mir streiten eben zwei Seelen und am Ende gewinnt die, die verführerischerer klingt. Natürlich ist meine Idee von vorherein zum Scheitern verurteilt. Blasser Twink verführt geilen spanischen Stier und gewinnt damit sein Herz. Ha-ha! Welcher Romanautor denkt sich denn – bitteschön – derartigen Blödsinn aus? Das ist Kitsch! Aber schöner Kitsch.


Also: Ein Plan muss her. Was mag Enrico? Was würde ich mögen? Oh, da fällt mir eine Menge ein. Eine Woche ist ins Land gegangen und ich platze vor Verlangen. Jegliche Scheu gerät vor meiner Libido in den Hintergrund. Ich greife zum Telefon.


„Del Ingles“, brummt Enrico und es fährt mir direkt in den Unterbauch.

„Jonas hier“, nuschele ich aufgeregt. „Ich will dich buchen.“

„Ha-ha. Sehe ich aus wie ein Urlaubsflieger?“, witzelt Enrico und das kribbelnde Gefühl weicht einer Tonne Eis.

„Ich … Du willst nicht, dass ich …?“, stammele ich erschrocken.

„Jooonas. Nun mach dir nicht gleich in die Hose. Klar will ich. Wann?“, kommt es in schönsten Basston aus dem Hörer.

„Oh. Äh. Geht es heute noch?“ Erleichterung schmilzt den Eisbrocken, Hoffnung keimt bei Enricos vertraulichem Tonfall.

„Hm. Okay. In drei Stunden wäre ich frei. Oder ist das zu spät für dich?“

Dann ist es schon zehn und ich muss morgen arbeiten, doch in Gedanken reiche ich schon Urlaub ein. Für Enrico würde ich meinen rechten Arm, mein Augenlicht … nein, das auf keinen Fall, aber auf jeden Fall noch eine Niere hergeben.

„Nein. Das passt wunderbar“, erwidere ich atemlos und will schon auflegen, da sagt er etwas. „Hä?“, frage ich.

„Jo-ho-honas! Mensch! Worauf muss ich mich diesmal einstellen? Willst du mich wieder toppen oder was?“ Enrico lacht leise, ein wundervoller Klang.

„Nein. Ich will … Ich möchte diesmal … Also, wenn du nichts dagegen hast, will ich dich massieren und anschließend dir … einen … Dich …“ Ah! Es will mir einfach nicht über die Lippen.

„Du willst mir einen Blowjob verpassen? Oookay.“ Wieder dieses tiefe Lachen. “Dann bis nachher.”

Mein Herz rast. Ich drücke den Telefonhörer an meine Brust, kuschle ein wenig mit dem kalten Plastik und werfe es, als ich das merke, angeekelt auf den Couchtisch. Drei Stunden. Ich werde sterben in dieser ewig langen Zeitspanne.


Der dicke Strauß dunkelroter Baccararosen gibt mir ein wenig Schutz, fast wie ein Schild, gleichzeitig kommt er einem Kniefall gleich. Ich ignoriere das einfach mal und als Enrico öffnet, ich ihm die Blumen überreiche und er sie annimmt, achtlos auf eine Kommode wirft und nach links nickt, ist klar, dass er es auch ignoriert. Oder es schlicht übersieht. Scheiß drauf, sagt eine Stimme in meinem Kopf, auch wenn mein Herz blutet.

Enrico trägt wieder diesen geilen Seidenkimono. Betont lässig lässt er ihn von den Schultern gleiten und tritt nackt auf mich zu. Seine Finger packen den Saum meines T-Shirts, ziehen es über meinen Kopf und die Hose fällt seinen Händen als nächstes zum Opfer. Innerhalb von Sekunden stehen wir uns im Adamskostüm gegenüber. Das nenne ich mal effektiv, aber wahrscheinlich hat er es eilig. Wer weiß, wie viele Kunden heute schon durch sein Bett … Moment!

Ich schaue über die Schulter. Frisch bezogen. Der Mann muss eine Wäscherei beauftragt haben, wenn ich mir ausrechne, dass er … Haaaalt! Kopf aus, Libido an.

„Du willst mich massieren?“, murmelt Enrico, setzt sich aufs Bett und lehnt sich nach hinten. „Na, dann mal los.“

Ich starre verständnislos auf den Schwanz, der sich als weicher Wurm an seinen Schenkel schmiegt. Enrico beobachtet mich unter halbgesenkten Lidern, seine Lippen kräuseln sich erst und dann lacht er laut auf.

„Hey! Willst du nun doch nicht? Sorry, ich kann ihn hart machen, wenn es das ist, was dich stört. Ich hatte nur schon …“ Enrico stockt und beißt sich auf die Lippe. „Mist! Entschuldige. Das ist unprofessionell und unfair dir gegenüber. Warte, ich kümmere mich darum.“

Er langt nach unten, doch ich fange seinen Arm ab und schüttele den Kopf. Mein Blick muss wohl etwas irre wirken, denn er guckt mich mit großen Augen an.

„Ich will dich massieren. Also … äh. DICH. Ich hab auch Massageöl dabei.“

„Mich?“ Enricos Augen werden kreisrund.

„Ja. Ist das … schlimm?“

„Nö.“ Er beginnt zu grinsen, robbt ganz aufs Bett und dreht sich auf den Bauch. „Nur ungewöhnlich“, nuschelt er leise.

Interessiert verfolgt er, wie ich mich nach meiner Jacke bücke, ein Fläschchen aus einer Tasche pfriemele und die Brille auf den Nachtschrank lege. Ich steige zu ihm auf die Matratze, klettere über seine Schenkel und lass etwas von dem Öl auf seinen Rücken träufeln.

„Uoh!“, macht Enrico und zuckt zusammen.

Das Zeug ist kalt, aber unter meinen Händen wird seine Haut schnell wärmer. Ich bin kein erfahrener Masseur, vertraue nur meiner Intuition und knete einfach drauflos. Enricos Muskeln sind hart, sein Nacken verspannt. Ich darf ihn endlich anfassen und dieses Hochgefühl verleiht mir ungeahnte Kräfte. Er stöhnt unter meiner Behandlung, ächzt manchmal wohlig auf und als ich irgendwann seinen festen Hintern erreiche, ist er so weit, kleine, genussvolle Laute von sich zu geben.

Ich widme mich den straffen Backen mit besonderer Sorgfalt. Enrico windet sich, reckt sogar den Arsch leicht hoch und es überkommt mich mit einem Mal. Ich ziehe die Halbkugeln auseinander, senke den Kopf und meine Zunge fährt über die rosa Öffnung. Enrico zuckt, kneift die Backen zusammen und flüstert ein verstörtes ‚Hey‘, als ich auch schon murmele: „Schooon klar. DAS kostet extra.“

Er bricht in haltloses Kichern aus, in das ich sofort einfalle. Ich kann mich vor Lachen nicht mehr halten, falle auf den Rücken und halte mir den Bauch. Nach einer Weile dreht Enrico sich um und mustert mich schmunzelnd. Ich wische mir die Lachtränen von den Wangen und beruhige mich langsam.

„Hey, Kichererbse. Du hast beide Seiten gebucht. Weiterhin Interesse?“, brummt er und präsentiert mir dabei seine Vorderseite.

„Klaaaar“, antworte ich und bringe mich mühsam in eine sitzende Position. „Es geht weiter.“

„Wunderbar“, murmelt Enrico und streckt die Arme seitlich aus.

Das entlockt mir ein erneutes Prusten.

„Hey, bist du nun doch der Urlaubsflieger?“

Enrico krümmt sich und sein lautes Lachen erschüttert auch mein Zwerchfell. Wir gackern und kriegen uns kaum wieder ein.

„Oh Scheiße“, wimmert er. „Das hier gerät außer Kontrolle.“

„Inwiefern“, frage ich und ringe nach Atem, dabei halte ich meine vom Lachen schmerzenden Seiten.

„Ich hab noch ein Date in …“ Enrico schaut auf den Wecker, während mein Herz zu Eis gefriert. „ … in einer Stunde. Wenn du also noch blasen willst, sollten wir zur Sache kommen.“

„Das sollten wir dann wohl“, flüstere ich, nachdem ich ihn sekundenlang ausdruckslos angestarrt habe.


Es gerät zum Kampf. Weder er noch ich sind eine Spur erregt, dennoch lecke ich an seinem Schwanz herum, dabei immer wieder seine Worte im Kopf wiederholend. Ich bin nur ein Date von vielen, wahrscheinlich sogar sein Miesestes. Ich bin nur eine Nummer, ein Geldschein. Wahrscheinlich streifen wegen dieser Ablenkung meine Zähne unbeabsichtigt schmerzhaft über Enricos Eichel und er keucht auf.

„Du machst das wohl nicht oft?“, ächzt er und zerrt mich an den Haaren hoch zu seinem Gesicht. „Mensch, ich brauche meine Schwanz noch. Bitte, lass uns das hier abbrechen, bevor du ihn mir abbeißt.“

Ein Eimer mit kaltem Wasser hätte nicht effektiver sein können. Ich rutsche zur Bettkante, schlucke an meinem Stolz, an meinem verletzten Gefühl und wünsche mir, dass sich der Boden auftut und mich verschlingt. Natürlich passiert das nicht, stattdessen krampft mein Magen, sodass ich mich krümmen muss und mit beiden Armen meine schmächtigen Körper umschlinge, damit es aufhört.

„Hey, Jonas, Kleiner. Was ist?“, raunt Enrico an meinem Ohr und dann werde ich überraschend in starke Arme gezogen. „Ist doch nicht so schlimm.“

„Ich … Das war mein erster Versuch und ich bin wohl ein Stümper“, flüstere ich, von seiner Nähe beseelt.

„Hey, dafür war das echt klasse“, murmelt Enrico und wuschelt durch mein Haar. „Ich bin nur abgespannt. Wenn es für dich okay ist, wiederholen wir das und ich bringe dir bei, wie man es besser macht. Ist das ein Vorschlag?“

Er hebt mein Kinn und strahlt mich an, als wäre er der Nikolaus mit einem vorzeitigen Geschenk. Mann! Kann mal einer vorbeikommen und dieser Dumpfbacke die Fresse polieren? Hätte ich doch nur einen großen Bruder.

„Na danke“, sage ich leise, befreie mich von seinen Armen, stehe auf und bücke mich nach meinen Klamotten.

„Bist du jetzt sauer?“

Ich steige in meine Jeans, schließe den Knopf und drehe mich zu ihm. Enrico hockt auf der Bettkante, kaut auf seiner Unterlippe und seine Miene ist so zerknirscht, dass mein Herz sofort wild herumhopst. Scheiße! Wieso nur er? Kann ich mich nicht in einen … normalen Mann verlieben? Oh ja, ich habe mich in Enrico verknallt und auch wenn dieser Arsch wahrscheinlich kein Fünkchen Verstand, geschweige denn Gefühl oder Feinsinn in sich hat … ich willl ihn! Nur ihn!

„Ziemlich“, gebe ich trocken zurück, streife mein T-Shirt über, hebe die Jacke auf und hole die Börse heraus. „Wieviel?“

Ein Lächeln stiehlt sich auf Enricos Gesicht.

„Du schuldest mir … einen Kuss.“

Arschloch!


Den Kuss hat er natürlich nicht bekommen! Das tut mir sicher mehr weh als ihm, aber ich habe doch noch ein Fünkchen Stolz. Wenn ich mir das lange genug einrede, werde ich es irgendwann auch glauben. Ich sitze im Büro, glotze auf den Monitor und sehe statt der Zahlen … Enricos Gesicht.

Wah! Rette mich doch mal jemand. Ich bin in einen Luxuscallboy verschossen und mein Leben, das bisher, jedenfalls in der Erinnerung, in normalen Bahnen verlief, trudelt im Strudel der Gefühle dahin. Ich bin echt verloren!


Natürlich halte ich es kaum eine Woche aus, bis ich mit Enrico erneut einen Termin vereinbare. Er will mir beibringen, wie man bläst und beharrt starrsinnig auf dieser Idee. Großartig. Dann kann ich mich ja auch bald als Escort verdingen, überlege ich bitter, stimme aber schließlich zu.


Das Bündel Rosen landet diesmal nicht auf der Kommode, sondern in der Küche im Waschbecken. Das bietet mir Gelegenheit, ein wenig mehr von Enricos Wohnung zu sehen. Im Schlafzimmer ist alles sehr edel, die Möbel offensichtlich teuer. In den restlichen Räumen entdecke ich jedoch den Schick eines schwedischen Möbelhauses, allerdings dezent in Szene gesetzt. Enrico hat Geschmack und verschwenderisch ist er somit nicht.

„Dann lass uns mal die Lehrstunde beginnen“, meint Enrico, reibt sich doch tatsächlich die Hände und vermittelt so den Eindruck, als würde die Sache ihm diebische Freude bereiten.

I

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