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Känguru im Osternest

Adora Belle

Känguru im Osternest


Personen und Handlung sind Fantasieprodukte der Autorin, Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen und tatsächlichen Ereignissen daher vollkommen unbeabsichtigt und zufällig. Respektieren Sie bitte die Arbeit die in jedem Buch steckt und erwerben Sie eine legale Kopie. Vielen Dank!


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Freitag, 1. April, 8 Uhr morgens

Heute ist es also soweit - unsere australischen Austauschschüler kommen.

Irgendwann nachmittags, per Bus vom Flughafen aus und nach einer Reise von insgesamt fast eineinhalb Tagen. Vermutlich sind sie also erst mal ganz schön platt und es wird wohl nicht mehr sehr viel mit ihnen anzufangen sein, wenn sie da sind. Naja, ist ja verständlich.

Wenn unser Kurs im Herbst nach Melbourne fliegt, sieht das schätzungsweise auch nicht anders aus.

Aber so weit sind wir noch nicht. Jetzt sind die Aussies erst mal für vier Wochen hier und ich bin echt ganz schön aufgeregt.

Ach so, vielleicht sollte ich erst mal erklären, wer ich überhaupt bin? Also, ich heiße Milan, werde im Sommer siebzehn und gehe in die elfte Klasse des Morgenstern-Gymnasiums in Marberg. Ich bin knapp 1,80m groß, wenig muskulös, habe braune Augen und schulterlange Haare von undefinierbarer Farbe. Meine Mutter sagt, sie wären „straßenköterblond“, was immer das heißen mag, Fakt ist, je nach Lichteinfall gehe ich als dunkelblond ebenso durch wie als rothaarig oder brünett.

Meine Hobbies und Schuhgröße interessieren hier sicher eh níemanden, also behalte ich die erst mal für mich, tut ja auch eigentlich nichts zur Sache.

Das Ding mit den Australiern hat letztes Jahr im Herbst seinen Anfang genommen. Unser Englischlehrer, Herr Karstedt mischt da kräftig mit und nach einigem Hin und Her habe ich meine Eltern dazu bringen können, dass sie einverstanden waren.

Eigentlich wollten wir nämlich niemanden mehr aufnehmen, seit einem mittelschweren Reinfall im letzten Jahr. Da hätten wir eigentlich einen jungen Spanier für drei Wochen zu Gast haben sollen, aber der war letztlich nur knapp zwei Stunden bei uns im Haus, bevor er per Handy seine Eltern wild gemacht hat, von wegen, er fühle sich hier nicht willkommen und so. Die haben dann Druck gemacht und dafür gesorgt, dass er in eine andere Familie gebracht wurde. Fast hätte man meinen können, wir seien Aussätzige, oder so und natürlich waren meine alten Herrschaften hinterher reichlich angepisst. Das hat auch Frau Rodriguez verstanden, die zuständige Spanischlehrerin an meiner Schule und sich wortreich entschuldigt. Naja, dass die nichts dafür konnte, war uns schon klar, trotzdem war es nichts, was man gerne wiederholt.

Ich hab` echt keine Ahnung, was dem Kerl hier nicht gepasst hat, wenn man`s genau nimmt, hatten wir ja eigentlich gar keine Gelegenheit irgendwas großartig falsch zu machen – er hat nämlich keine drei Worte mit uns gewechselt. Ich habe ihm lediglich das Haus gezeigt, dann haben wir alle gemeinsam zu Abend gegessen und danach ist er in seinem Zimmer verschwunden. Tja, und das nächste was wir dann von Julio – so hieß er – gehört haben war, dass mein Lehrer bei uns zuhause angerufen und uns mitgeteilt hat, dass unser Gast nicht bei uns bleiben wollte. Eine halbe Stunde später ist er dann abgeholt worden.

Und nach dieser Pleite hatten meine Eltern eigentlich die Nase gestrichen voll von Austausch und so, aber ich will nun mal unbedingt im Herbst mit nach Australien! Und die oberste Bedingung dafür ist die Aufnahme eines Gastschülers.

Kurz vor Weihnachten im letzten Jahr wurden die Kontaktdaten verteilt und ich habe eine erste Mail mit John ausgetauscht. Sehr mitteilsam scheint er aber nicht zu sein – zumindest nicht per E-mail. Oder er ist schüchtern, keine Ahnung, jedenfalls habe ich nach diesem ersten kurzen Austausch lange nichts mehr von ihm gehört. Er hat mir zwar übers Fratzenbuch eine Freundschaftsanfrage geschickt, aber das war`s dann auch.

Naja, so konnte ich mir aber wenigstens schon mal ein paar Bilder von ihm anschauen. Wobei es nicht sehr viele sind, die er da eingestellt hat und ich glaube, aktuell sind die auch nicht. Er sieht darauf aus, als wäre er, ich weiß nicht, zwölf oder so, auf jeden Fall nicht wie sechzehndreiviertel, was sein wahres Alter ist.

Dementsprechend gespannt bin ich jetzt natürlich. Ich habe keine Vorstellung was mich da heute Nachmittag erwartet und kann nur hoffen, dass er kein arroganter Blödmann ist oder so. Aber selbst wenn – da muss ich jetzt wohl durch.

Nervös bin ich allerdings auch noch aus einem anderen Grund.

Es ist nämlich so, dass ich mir im Lauf des letzten halben Jahres eingestehen musste, dass mir Jungs besser gefallen als Mädchen. Ich hab` noch niemandem davon erzählt und das auch so bald nicht vor, denn um die Wahrheit zu sagen – ich bin nicht gerade der beliebteste Schüler in meinem Tutorenkurs. So richtig hab ich nie dazu gepasst und gelegentlich werde ich auch ziemlich gemobbt. Ich versuche das zwar zu ignorieren und komme auch einigermaßen zurecht, aber was ich bestimmt nicht tun werde ist, diesen Arschlöchern, die sich nur dann cool vorkommen, wenn sie jemanden fertigmachen können, neue Munition zu liefern, indem ich mich auch noch als schwul oute! Und außerdem - vielleicht gibt sich das ja auch wieder, wer weiß?

Aber ich hab` natürlich echt Schiss, dass John was davon merkt und was dann?

Ich meine, wir werden die nächsten drei Wochen zusammen in meinem Zimmer schlafen und gemeinsam zur Schule gehen, dürften also ziemlich viel Zeit zusammen verbringen. Ich passe zwar immer auf, wen ich ansehe und wie und für wie lange und so, hab` auch keine Bilder von nackten Kerlen an meinen Wänden hängen – nicht mal angezogene um genau zu sein - aber was, wenn er trotzdem was merkt? Keine Ahnung … irgendwie halt?

Dabei bräuchte er wirklich keine Angst zu haben, dass ich was von ihm will, ich steh` nämlich echt nicht auf Rothaarige – rote Haare hab` ich selbst genug.

Aber das ist eben auch alles noch so furchtbar neu und ungewohnt für mich und fühlt sich manchmal so an, als könnten es mir alle am Gesicht ablesen. Ich weiß natürlich dass das Unsinn ist, aber was soll ich machen? Schätze mal, ich muss eben noch mehr aufpassen als ohnehin schon.

16.30 Uhr

Scheiße, Mann – ist das arschkalt hier!

Ich stehe jetzt seit einer geschlagenen Dreiviertelstunde auf diesem beknackten Großparkplatz mitten in Marberg, zusammen mit meiner Mutter und einer Gruppe anderer Abholer und warte auf diesen bescheuerten Bus! Aber der kommt einfach nicht.

Laut der Website vom Flughafen ist der Flieger aus Abu Dhabi mit rund vierzig Minuten Verspätung gelandet, aber da keiner eine entsprechende Wasserstandsmeldung rausgegeben hat, sind wir natürlich brav zur angegebenen Zeit hergekommen, stehen jetzt im Regen rum und warten wie bestellt und nicht abgeholt. Die Hosenbeine meiner Jeans sind mittlerweile trotz Schirm klitschnass, kleben unangenehm auf der Haut und im kalten Aprilwind kann ich ein Zittern nicht mehr unterdrücken. Eigentlich möchte ich nur nach Hause und ins Warme, aber unsere Aussies sind halt immer noch nicht da.

Meine Mutter schnattert die ganze Zeit mit den anderen Eltern, ein deutliches Zeichen, dass sie genauso aufgeregt ist wie ich, denn normalerweise geht sie ziemlich abgeklärt durchs Leben. Kein Wunder bei drei pubertären Kindern, schätze ich. Ich habe nämlich noch zwei jüngere Geschwister. Einen Bruder und eine Schwester, wobei Letztere die Jüngste und eindeutig die Nervigste von uns Dreien ist.

Echt jetzt mal – Mädchen sind gruselig, wenn sie in ein gewisses Alter kommen! Die Kurze ist zwölf, aber man könnte manchmal wirklich denken, sie wäre fünfzehn oder sechzehn! (In Zynismusjahren kommt sie sogar locker auf dreißig!) Sie bemalt sich die Fingernägel alle paar Tage in einer anderen Farbe, chattet stundenlang mit ihren Freundinnen oder wandert mit dem gleichaltrigen Nachbarsmädel durch den Garten, als wäre sie einem Edelmann hinten rausgefallen. Und wenn sie dabei einem von uns Jungs über den Weg laufen, rollen sie mit den Augen, als wäre unsere bloße Existenz schon eine Zumutung für ihre sensiblen Gemüter! Meine Güte!

Da ist mir mein Bruder ja fast noch lieber, auch wenn der dabei ist, sich zu einem waschechten Nerd zu entwickeln. Hockt tagein, tagaus vor seinem Computer und zockt, anstatt mal seine Miefbude aufzuräumen. Okay, mein Zimmer ist normalerweise auch kein Beispiel für „Schöner wohnen“, aber so wie bei ihm schaut`s da echt nicht aus!

Unsere Mutter hat es, glaube ich, inzwischen aufgegeben, ihn zum Aufräumen bewegen zu wollen. Sie beschränkt sich drauf, die Tür zu schließen, damit sie das Elend nicht sehen muss und fiebert dem Tag entgegen, wo er die Schule abschließt und endlich auszieht.

Und was für die Ordnung in seinen vier Wänden gilt, gilt für seine persönliche Hygiene gleich doppelt! Uaaah!

Es kommt Bewegung in die Gruppe der Wartenden und ich hebe unterm Regenschirm den Kopf.

Ah! Endlich! Ein großer, rot-blau gestreifter Bus biegt in den Parkplatz und man merkt, wie die Anspannung um uns herum noch einmal ansteigt. Ein paar Mädels hibbeln aufgeregt und meine Mutter zieht fröstelnd die Schultern hoch.

„Na, das wird aber auch Zeit!“, sagt sie und spricht damit aus, was mir durch den Kopf geht, dann stellt sie sich neben mich und legt mir die Hand ins Kreuz. „Jetzt wird`s ernst!“

Ich nicke und schiebe die freie Hand in meine Hosentasche, während ich mich langsam mit dem Pulk der übrigen Abholer ein Stück nach vorn bewege. Der Bus hält inzwischen, die Türen öffnen sich und da sind sie – endlich! Mein warmes, trockenes Zuhause ist in greifbare Nähe gerückt!

Die ersten, müde aussehenden jungen Leute quellen ins Freie, dazwischen drei grauhaarige Lehrkräfte, zwei die als Begleiter dabei sind und Herr Karstedt, der die Aussies im Namen unserer Schule am Flughafen in Empfang genommen hat.

Angesichts der Tatsache, dass er auf deutscher Seite der Hauptorganisator der ganzen Angelegenheit ist, muss man vermutlich schon froh sein, dass die ganze Gruppe überhaupt wohlbehalten hier eingetrudelt ist, so verpeilt wie der Mann öfters mal ist. Er gehört eindeutig der Fraktion „Komm` ich heut` nicht, komm` ich morgen!“ an und ist ernsthaft schon mal mit zwei verschiedenen Schuhen an den Füßen in der Schule aufgelaufen!

Aber sonst ist er echt in Ordnung und ich mag seinen Unterricht wirklich sehr.

Jetzt steht er mit ausgebreiteten Armen in der Bustür, wie der Nikolaus und erklärt den Wartenden, dass sie bitte noch nicht gleich verschwinden sollen, nachdem sie ihre Gäste eingesackt haben, denn man wolle ja erst noch ein Foto machen.

Natürlich ist das ein Stichwort. Die gesamte Gruppe stellt sich in Positur, deutsche und australische Schüler zusammen und alles was kann, zückt mindestens ein Fotohandy, wenn nicht gleich eine Digitalkamera.

Ich hasse sowas.

Überhaupt lasse ich mich nicht gerne fotografieren, weil ich mich auf Fotos nicht ansehen mag. Ich finde mich darauf hässlich, oder zumindest unansehnlich und halte es für komplett unnötig, die Beweise dafür der Nachwelt zu erhalten, aber so wie die Dinge liegen, bleibt mir hier wohl nichts anderes übrig. Na schön, mach` ich halt einmal kurz 'Cheese', das wird mich schon nicht umbringen. Und wenn ich weit genug hinten stehe, bin ich ja vielleicht gar nicht zu sehen!

Anschließend geht`s endlich ans Verteilen der Australier. Einige Partner haben sich bereits gefunden und fallen sich gegenseitig um den Hals. Mädels vor allem. Klar, die haben sich vermutlich schon ihre kompletten Lebensgeschichten per Mail erzählt. Mädels sind halt so, denen steckt dieses Gesülze im Blut, Verzeihung, ich meinte natürlich soziale Kompetenz.

Ich recke den Hals und lasse den Blick über die aussteigenden Jungs gleiten, auf der Suche nach jemandem, der zumindest entfernte Ähnlichkeit mit John hat, aber die schiere Menge an Gesichtern verwirrt mich und ich weiß ja auch eigentlich gar nicht, wie er heute aussieht.

Da löst sich Einer aus der Gruppe und kommt ein bisschen zögernd auf uns zu. Ich schaue ihn an und denke prompt: „Wow!“, denn der Typ sieht wirklich gut aus, auch wenn er natürlich ebenso müde zu sein scheint, wie alle anderen. Seine Haare sind mahagonifarben im düsteren Nachmittagslicht und stehen ein bisschen verstrubbelt in alle Richtungen, aber das passt irgendwie zu ihm. Seine Schultern wirken sehr männlich in dem Muscleshirt mit den breiten Armausschnitten, das er trägt, die Hüften sind schmal und – Junge! - seine Oberarme weisen genau den richtigen Grad an Muskeln auf, geben meiner pubertär überschießenden Libido nochmal richtig die Sporen!

Und erst jetzt beschleicht mich so langsam der Gedanke, dass das da tatsächlich John sein könnte.

Allerdings ein John der deutlich männlicher aussieht als auf den Fotos bei Facebook!

Mir wird heiß und ein bisschen schwindlig – habe ich echt gedacht, ich stehe nicht auf Rothaarige?

„Ist er das?“, flüstert meine Mutter mir zu und ich hebe die Schultern.

„Kann schon sein“, gebe ich ziemlich lahm und ein bisschen heiser zurück und bin unfähig meine Augen von dem anderen Jungen zu lösen.

Meine Mutter sieht ein, dass von mir nichts Konstruktives zu erwarten ist und ergreift die Initiative. „John?“, fragt sie lächelnd und er nickt, lächelt dabei zurück und in meinem Bauch macht sich ein seltsam schwirrendes Gefühl breit.

Halleluja – ich bin gestorben und im Himmel! DAS ist wirklich John?

Ich kann mein Glück nicht fassen und stehe immer noch etwas dümmlich glotzend da, starre ihn wortlos an und muss aufpassen, dass ich nicht anfange zu sabbern. Ein bisschen fühle ich mich, als wäre mir soeben ein Baum ins Zelt gekracht, ach was red` ich – ein Baum? Das war mindestens eine hundertjährige Eiche!

„Nun begrüß` doch mal deinen Gast, Milan!“, schubst mich meine Mutter an und ich erwache aus meiner Erstarrung.

„Ja. Klar. Äh – Hi, John!“, sage ich wenig geistreich und reiche ihm die Hand. Er lächelt wieder leicht und ich möchte am liebsten auf der Stelle tot umfallen oder so.

Mit diesem Traumkerl soll ich die nächsten drei Wochen in einem Zimmer schlafen? Das kann ja heiter werden!

22:30 Uhr

Ich kann`s nicht fassen! Seit einer halben Stunde liege ich im Bett und keine drei Meter entfernt von mir träumt John selig und süß seinen ersten Traum in Deutschland.

Er hat überraschend gut durchgehalten, finde ich, dafür dass er so lange unterwegs und so kaputt war. Er hat noch mit meinen Eltern geplaudert und Gastgeschenke überreicht, mit uns zu Abend gegessen und vor allem gelächelt. Wahnsinnig viel gelächelt, so richtig breit und offen, dass seine schönen, geraden Zähne nur so geblitzt haben.

Mann, ich bekomme jetzt noch Herzrasen wenn ich nur an sein Lächeln denke! Er hat Grübchen in den Wangen wenn er das tut und am liebsten hätte ich ihn angefasst, einfach um mich zu vergewissern, dass er wirklich echt ist. Ich meine – so ein Kerl, den kann`s doch eigentlich gar nicht wirklich geben, oder? So … perfekt und so … naja, so eben!

Ich drehe den Kopf und schaue in meinem dunklen Zimmer zu ihm rüber. Viel sehe ich ja nicht, obwohl die Zahlen meines Radioweckers ein schwaches, grünliches Glühen verbreiten. Es reicht gerade aus, um Umrisse erkennen zu können. Er hat seine Bettdecke locker über die schlanken Hüften gebreitet, mir den Rücken zugewandt und schläft offenbar tief und fest.

Irgendwie kann ich es immer noch kaum glauben – so ein Traumtyp in meinem Zimmer!

Naja, nun bleib mal auf dem Teppich! ermahne ich mich selbst. Das Dümmste was dir jetzt passieren könnte, wäre, dich in ihn zu verknallen! Er ist nur vier Wochen hier und abgesehen davon – wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet er schwul ist UND auch noch ausgerechnet an dir Interesse zeigt?

Das ernüchtert mich wieder etwas und mit einem leisen Seufzer drehe ich mich auf die andere Seite. Aber es stimmt ja. Wie ich die Mädels an meiner Schule kenne, werden sie sowieso kopfstehen, wenn ich am Montag mit ihm ankomme.

Oder vielleicht sollte ich besser sagen – wenn er im Unterricht auftaucht. Ob ich dabei bin oder nicht, interessiert eh keine Sau. Nicht dass ich sonderlich scharf auf die Aufmerksamkeit irgendwelcher spätpubertärer, durchgedrehter Hühner wäre, Gott bewahre! Mir ist nur einfach jetzt schon klar, wie das laufen wird. Die Meute wird sich auf John stürzen und ihn hechelnd anhimmeln und ob ich dann auch noch irgendwo in der Nähe bin oder nicht, ist so schnurz wie ein Fliegenschiss auf einem Kuhfladen.

Ich sollte also einfach aufpassen, wo ich hinschaue und mir ansonsten nicht zu große Hoffnungen irgendwelcher Art machen. In vier Wochen ist er eh wieder weg.

Montag, 4. April 9:15 Uhr

Als ob ich`s nicht gewusst hätte! Es ist alles haargenau so gekommen, wie ich es mir Freitag Abend ausgemalt habe.

Das Wochenende war noch soweit okay – wir sind essen gegangen und haben John ein bisschen die Stadt gezeigt, alles ganz easy, immerhin musste er ja erst mal aus dem Jetlag raus. Und eigentlich haben er und ich uns auch prima verstanden. Fand ich zumindest. Selbst meine Geschwister haben sich von einer ganz anderen Seite gezeigt als sonst. Meine Schwester war plötzlich das süße Mädchen, das kein Wässerchen trüben kann und mein nerdiger Bruder hat seine Höhle sogar freiwillig verlassen und sich der frischen Luft ausgesetzt, ohne dass meine Eltern mit Sanktionen drohen mussten.

John war zu uns allen total nett und hatte auch überhaupt kein Problem damit, dass unser aller Englisch stellenweise nicht so das Gelbe vom Ei ist. Ich meine, ich bin zwar normalerweise immer im vorderen Drittel meines Englischkurses, so notentechnisch gesehen, aber wenn ich mit John rede, fällt es mir ziemlich schwer, meine Gedanken auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich brauche nur einen Blick in seine blauen Augen und auf seine Grübchen zu werfen und alles rauscht nur noch an mir vorbei!

Naja, ich hoffe mal, er hat nichts gemerkt und denkt einfach nur, ich wäre eben nicht so gut in seiner Sprache oder schüchtern.

Sein Deutsch ist übrigens auch niedlich. Die Aussprache ist soweit in Ordnung und besser, als ich erwartet hätte, aber wenn er was nicht versteht – und das ist häufiger der Fall - verzieht er das Gesicht zu einer so komischen Grimasse, dass ich einfach lachen muss.

Überhaupt hat er einen tollen Humor und wir haben die letzten zwei Tage viel zusammen gelacht.

Tja, bis heute Morgen.

Kaum waren wir in der Schule angekommen, ist er erst mal zu seinen Kumpels verschwunden, die sich alle im Foyer zusammengefunden hatten. Dagegen wäre ja auch überhaupt nichts zu sagen, aber einige der deutschen Austauschpartner standen auch dabei und als die gesehen haben, wie John in meinem Schlepptau durch die Tür kam, wurden natürlich sofort die Köpfe zusammengesteckt. Ein paar haben gegrinst und mit dem Finger gedeutet und ich konnte mir schon vorstellen, was da gleich abgehen würde. Vermutlich haben sie John dann erst mal aufgeklärt, mit was für einer Art Freak er es zu tun hat und ich kann mich glücklich schätzen, wenn er ab sofort überhaupt noch mit mir redet.

Ich bin dann selber lieber auch gleich abgedampft, rüber zu meinen Freunden Momo und Benni. Wir sind in einem Tutorkurs, aber die beiden nehmen an dem Austauschprogramm nicht teil, haben also keinen Aussie zu Gast.

„Hey, Alter!“ Benni hatte die Hand erhoben und normalerweise schlage ich ein, wenn wir uns begrüßen, aber in dem Moment war mir nicht danach. Ich bin ihm ausgewichen, habe meine Tasche hingestellt und versucht, mir nichts anmerken zu lassen, denn irgendwie war ich kurz vorm Losheulen.

Nicht so sehr, weil die Anderen in genau diesem Augenblick wahrscheinlich schon wieder über mich herzogen, das war ich schließlich gewohnt. Auch nicht wegen John. Es war einfach irgendwie der Gedanke: Warum? Warum schon wieder? Wieso können sie es nicht endlich mal gut sein und mich einfach in Ruhe lassen? Was habe ich ihnen getan? Ich habe niemals einen von ihnen beleidigt oder angegriffen oder sonst irgendwas. Und trotzdem sieht es nicht so aus, als wäre irgendwann mal Schluss damit.

Das Wochenende mit John ist auf seine Weise schlicht perfekt gewesen und ich hätte beinah glauben können, ich wäre wie alle anderen auch. Und nun? - Fühlte es sich an, als hätte jemand einen Eimer Schmutz darüber gekippt, es noch nachträglich besudelt und verdorben.

Aber klar, solange man zu den Coolen und Beliebten gehört, macht man sich halt keine großartigen Gedanken darum, wie sich das Kroppzeug da unten am Boden fühlt, auf dem man tagtäglich rumtrampelt ...

„Was`n los?“, wollte Benni wissen, aber ich konnte ihm seine Frage nicht beantworten. Was hätte ich denn auch sagen sollen?

Ich bin schlecht drauf, weil ich so Scheiße bin und die anderen Flachpfeifen gerade nichts Besseres zu tun haben, als es meinem Australier brühwarm unter die Nase zu reiben. Der wird mir deshalb von jetzt an vermutlich aus dem Weg gehen, als hätte ich die Krätze, aber sonst ist alles bestens?

Wohl kaum. Es reicht schließlich, wenn ich das denke.

Benni und Momo sind wie ich. Freaks, die sich gefunden haben und aneinander festhalten, könnte man sagen. Wir verstehen uns gut, oft genug wortlos und das ist auch kein Wunder. Unsere Geschichten ähneln sich, obwohl wir eigentlich völlig verschieden sind – Außenseiterstories halt.

Momos Vater ist Mathematikprofessor und seine Mutter Psychologin. Keine Ahnung, ob ihm das einen Knacks verpasst hat oder so, manche würden es jedenfalls sicher so sehen. Zugegeben – mit seinen langen, pechschwarz gefärbten Haaren, den schwarzen Klamotten und den Piercings in Nase, Augenbraue und Lippen sieht er auf den ersten Blick schon ein bisschen merkwürdig aus, aber er ist längst nicht so emomäßig drauf, wie es den Anschein hat. Im Gegenteil, hat er eigentlich immer einen lockeren Spruch auf der Pfanne – allerdings nur, wenn er einen gut kennt und mag. Überhaupt ist er der beste Freund, den ich je hatte und wir würden füreinander so gut wie alles tun.

Benni ist das genaue Gegenstück zu ihm. Seine Eltern sind echte Spießer, Vater Beamter, Mutter Hausfrau und dementsprechend ist er auch immer adrett und sauber gekleidet. Im Sommer trägt er Poloshirts, im Winter karierte Pullunder und Bügelfalten in der Jeans. Dazu eine Brille mit Goldrand und die blonden, kurzgeschnittenen Haare brav auf der rechten Seite gescheitelt. Schwiegermamis Liebling eben.

Aber nur äußerlich – innerlich ist er wohl so ziemlich das versauteste Aas, das ich kenne. Ich glaube, es gibt keine Pornoseite im Internet, die er nicht schon mal besucht hatund in der Theorie gibt es unter Garantie nichts, was er nicht über all die Dinge weiß, die zwei Menschen miteinander anstellen können. In der Praxis ist er dagegen so jungfräulich wie eine minderjährige Nonne und die Chancen dass sich das in absehbarer Zeit ändert stehen auch nicht wirklich gut, so schüchtern und gehemmt wie er in der Gegenwart von weiblichen Wesen immer ist.

Und zwischen diesen beiden Extremen stecke ich, farblos, unscheinbar und gewöhnlich. Ohne besondere Talente und mit einer – relativ - stinknormalen Familie.

Was hab` ich mir bloß dabei gedacht, mich bei diesem Austauschprogramm anzumelden?

Mir hätte doch klar sein müssen, dass das in die Hose geht. Und zwar so richtig.

„Nix“, habe ich dementsprechend kurzangebunden gebrummt und Benni kennt mich gut genug, um nicht nachzubohren. Wir sind dann ziemlich bald in Richtung Klassenraum verschwunden und jetzt sitze ich hier im Unterricht und kann mich kaum konzentrieren, denn meine Gedanken kreisen immer nur um die dämliche Szene im Foyer.

John ist seitdem nicht mehr bei mir aufgetaucht und das ist ja eigentlich schon deutlich genug. Normalerweise ist es nämlich so gedacht, dass die Australier mit ihren jeweiligen Gastgebern zusammen die Schulbank drücken. Aber schätzungsweise will John halt nicht mit einem Loser wie mir zusammen gesehen werden. Er scheint ziemlich beliebt zu sein unter seinen Mitschülern und das wundert mich ehrlich gesagt nicht. Er sieht gut aus, er ist lustig und sympathisch, da kann ich nun mal nicht mithalten.

12:45 Uhr

Der Schultag ist nur so an mir und meiner depressiven Stimmung vorbei gerauscht und plötzlich ist es schon Mittag, ohne dass ich John auch nur ein Mal gesehen hätte, zumindest nicht aus der Nähe. In der ersten großen Pause entdecke ich ihn draußen auf dem Hof, wo er mit einer ganzen Gruppe – Aussies und Deutsche gemischt – herumalbert und dann gehe ich im Foyer noch einmal an ihm vorbei, als ich mich zusammen mit Momo und Benni zum Mittagessen in die Cafeteria begebe.

Und natürlich – Bernadette, diese bescheuerte Tussi, macht laut und deutlich „Muuuuuh!“, als wir an der Gruppe vorüberkommen und sofort bricht der ganze Trupp in brüllendes Gelächter aus. Ich werde rot, ziehe einfach den Kopf ein und beschleunige meine Schritte, aber Momo ist da ein bisschen anders gestrickt als ich.

Zwar rangiert auch er auf der Beliebtheitsskala der Schule irgendwo in Bodennähe, aber ihn umgibt dabei immer so eine Aura des „Ihr könnt mich alle mal!“. Nie im Leben würde er sich von dem Gelächter und Gespött wirklich fertigmachen lassen. Er schüttelt das mühelos ab, wie ein nasser Hund das Wasser aus seinem Fell. Jedenfalls scheint es mir immer so.

Jetzt bleibt er kurz stehen, setzt eine scheinbar betroffene Miene auf und macht ein paar Schritte auf Bernadette zu. Die glotzt ihn verdutzt an und wehrt sich dementsprechend auch nicht, als Momo ihre Hand nimmt und mitfühlend erklärt: „Ach, Bernie – mach dir nichts draus! Es gibt heutzutage so viele gute Therapeuten – da ist bestimmt auch einer dabei, der dir deine innere Kuh austreiben kann! Du musst nur lange genug suchen!“

Bernie blinzelt ratlos und prompt fangen wieder ein paar an zu lachen, aber es klingt nervös und unsicher, so als wüssten sie nicht, was sie nun von Momos Spruch halten sollen.

Einzig Bastian baut sich vor ihm auf und faucht böse: „Nimm deine beschissenen Griffel von meiner Freundin, du Freak! Sonst knallt`s!“

Aber Momo wäre nicht Momo, wenn er sich davon einschüchtern ließe – und das, obwohl Bastian locker einen Kopf größer ist als er und beinah doppelt so breit. Mit salbungsvollem Ausdruck legt mein Kumpel ihm die freie Hand auf den Arm und seufzt: „Basti, Basti! Du solltest wirklich lernen, dein Aggressionsproblem in den Griff zu bekommen! Siehst du denn nicht, was du davon hast: kein normales Mädchen will was mit dir zu tun haben und du musst dich mit blöden Kühen begnügen! Und nun mal ehrlich – das kann doch keinen Spaß machen – immer nur fressen, glotzen und ficken? Oder stehst du auf sowas?“

Und dann taucht er blitzschnell ab, sodass Bastians Faust in die leere Luft drischt, lacht sich kaputt und wir sprinten zur Abwechslung mal lieber in die Cafeteria rüber. Über die Schulter ruft Momo noch einen Abschiedsgruß zurück und obwohl mir bei seiner Aktion gerade fast das Herz stehengeblieben wäre, muss ich wider Willen nun doch grinsen.

„Haltet euch lieber von der Küche fern, Leute! Heute gibt`s Rindergulasch und wir wollen doch nicht, dass sämtliche Hornochsen der Schule auf einmal im Kochtopf landen?“

Die Gesichter der Zurückbleibenden sind unbezahlbar.

Bastian macht zwar Anstalten uns wutschnaubend zu folgen, aber die Anderen halten ihn zurück. Klar, die wissen auch, dass es megablöd wäre, ausgerechnet in der Cafeteria Zoff zu machen. Da sitzen schließlich auch immer irgendwelche Lehrer beim Essen.

Wir stellen uns in die Schlange vor der Ausgabe und rücken langsam vor, während Momo noch leise vor sich hin kichert.

„Ey, habt ihr gesehen, wie die doofe Kuh geguckt hat?“, stößt er mich an und ich nicke.

„Ja, klar. Aber dir ist schon klar, dass Bastian das nicht auf sich und seiner Ische sitzen lassen wird, oder?“

Er zuckt die Achseln. „Und wenn schon. Das war`s wert! Diese bescheuerten Arschgeigen! Was sollte denn das überhaupt mit dem 'Muuh'? Sind wir hier im Kindergarten, oder was? Das ist doch Jahre her!“

Ich lasse schweigend den Kopf hängen, denn ich weiß genauso gut wie meine Freunde, was der Ursprung dieser und ähnlich fieser Attacken ist. Als ich in der sechsten Klasse war, mussten wir auf einer Klassenfahrt einen Öko-Bauernhof besichtigen.

Ich bin nun mal ein Stadtkind und einer Kuh, einem Schwein oder irgendwelchem anderen Viehzeug nie näher gekommen als dem, was als Schnitzel auf meinem Teller gelandet ist. Und als wir dann im Schlepptau des Bauern über eine der Weiden gestiefelt sind, hat sich eine der dort grasenden Kühe wohl spontan in mich verknallt oder so. Jedenfalls ist sie mir nachgelaufen, was ich aber überhaupt nicht witzig fand. Das Vieh war in meinen Augen riesig, es hatte zwei spitze Hörner auf dem Kopf und es stank nach Mist.

Aber wenn ich das blöd fand, gefiel es meinen Klassenkameraden dafür umso besser. Ich war schon damals nicht unbedingt der Prototyp des Mr. Fantastic und sie lachten sich allesamt kaputt über meine immer panischeren Versuche, dem Biest zu entkommen.

Selbst der Bauer grinste, als er mich schließlich von meinem Elend erlöste, indem er die Kuh am Halsband packte und von mir weg führte. Tja und seitdem kommt immer mal wieder irgendein Arschloch auf den glorreichen Gedanken, mich mit dieser uralten Geschichte so richtig durch den Kakao zu ziehen, damit ich nicht zu übermütig werde und womöglich denke, ich dürfte die Loser-Ecke allmählich mal verlassen.

Aber am schlimmsten ist immer noch das Bild, das sich in mein blödes, dummes Herz gebrannt hat, wie ein glühendes Eisen, nämlich John, der dasteht und mitlacht ...

15:30 Uhr

Ich stehe mit John zusammen an der Bushaltestelle und will nur noch nach Hause. Er hat nach Ende des Unterrichts vor der Tür auf mich gewartet und ist mit mir hierher gelaufen. Ich habe dabei kein Wort mit ihm gewechselt, außer einem flüchtigen „Hi!“, wobei er mich angegrinst hat, als wäre die ganze Szene heute Mittag nie passiert. Aber sie ist passiert und ich brauche nicht mal die Augen zumachen, um vor mir zu sehen, wie sie alle lachen und John dabei mitmacht.

Natürlich ist er mir gegenüber zu rein gar nichts verpflichtet, ich meine, wir kennen uns ja praktisch überhaupt nicht, aber trotzdem wäre es schön gewesen, wenn er auf meiner Seite gewesen wäre, oder sich zumindest rausgehalten hätte! Ich nehme ihm sein Verhalten übel und strafe ihn auf dem gesamten Heimweg mit Nichtbeachtung, oder versuche es zumindest. Aber das ist gar nicht so einfach. Er kann sich allein keine Fahrkarte kaufen, also muss ich einspringen und ihm soufflieren, wofür er mich dankbar anlächelt.

Und wenn ich ihn so lächeln sehe, dann möchte ich nur zu gerne glauben, dass er sich überhaupt nicht über mich lustig machen wollte, dass er – was weiß ich – nur mitgelacht hat, weil die Anderen alle gelacht haben, oder so, aber ich bin einfach schon zu lange in diesem Mobbingzirkus gefangen, als dass ich es ihm – und vor allem mir selbst! - so einfach machen könnte oder wollte.

Und wenn es eins gibt, was ich auf keinen Fall tun werde, dann ist es klein beizugeben. Ich werde mich vor ihm nicht völlig zur Minna machen, indem ich ihm jetzt so tue, als hätte ich nicht geschnallt, was da heute los war. Ich bin ein Mensch, ich habe Gefühle und auch wenn es mich bei all den anderen Vollpfosten eigentlich schon kaum noch kratzt, wenn sie blöde Sprüche klopfen – bei John stört es mich gewaltig, wenn er sich da mit reinziehen lässt! Wenn er also so tun will, als wäre nichts gewesen, bitte sehr, aber ich für meinen Teil bin auf jemanden wie ihn nicht angewiesen! Und wenn er noch so niedliche Grübchen hat beim Lächeln …

Kaum ist der Bus an meiner Haltestelle angekommen, steige ich aus und kümmere mich dabei bewusst nicht darum, ob John mir folgt oder nicht. Ich schlinge den Tragegurt meiner Tasche über meine Schulter und marschiere zügig los, so entschlossen wie einst Blücher vor Troja. Grimmig stoße ich die Hände in meine Hosentaschen und sehe auch nicht auf, als rasche Schritte hinter mir ertönen und John zu mir aufschließt.

„Die mögen dich nicht sehr“, sagt er plötzlich auf Englisch in die Stille zwischen uns. Überrascht sehe ich ihn nun doch an. Sinnlos das Offensichtliche zu leugnen.

„Nein. Tun sie nicht“, erwidere ich und drehe den Kopf wieder nach vorn.

„Es tut mir leid, dass ick mitgelackt habe, Milan“, kommt es von ihm. Diesmal sogar auf Deutsch.

Ich bleibe stehen und sehe ihn an, als wäre er ein Alien, das soeben vor meinen Augen vom Himmel gefallen ist.

Meint er das jetzt ernst, oder sagt er das nur so?

Eigentlich wüsste ich schon ganz gerne, warum er dann überhaupt gelacht hat, wenn es ihm jetzt angeblich leid tut, aber ich traue mich nicht zu fragen.

„Schon okay“, brumme ich deshalb als Antwort, ärgere mich über meine Feigheit und zusammen trotten wir nach Hause.

20:00 Uhr

John hat sich entschuldigt, aber trotzdem ist die Atmosphäre zwischen uns angespannt. Ich denke, meine Eltern und Geschwister haben nichts weiter bemerkt, aber ich spüre es dafür ganz deutlich. Die Lockerheit und das angenehme Gefühl von gegenseitiger Sympathie ist verschwunden, hat sich in Luft aufgelöst, als wäre es nie dagewesen. Keine Ahnung, ob er es genauso empfindet, aber ich für mein Teil kann jedenfalls nicht einfach so wieder zur Tagesordnung übergehen.

Beim Abendessen starre ich konzentriert in meinen Teller und überlasse meiner Mutter die Unterhaltung, brumme nur gelegentlich irgendwas, wenn sie versucht mich mit einzubeziehen und vermeide den Blickkontakt mit meinem Gast.

Von jetzt an ist Abstand halten angesagt! Schon aus reinem Selbstschutz!

Aus diesem Grund verziehe ich mich auch, als John sich mit meiner Familie im Wohnzimmer niederlässt, um einen Film zu schauen, in mein Zimmer und vergrabe die Nase in einem Buch. Von unten höre ich bald Gelächter, die Geräusche eines Actionstreifens und gelegentlich Fetzen einer auf Englisch geführten, lautstarken Unterhaltung, aber ich schere mich nicht drum.

Was soll es denn bringen, wenn ich mich dazusetze und so tue, als wäre alles in bester Ordnung? Morgen ist wieder Schule und ich bilde mir nicht ein, dass es da anders läuft als heute, Entschuldigung hin oder her.

Nachdem ich ungefähr eine halbe Stunde lang erfolglos den immer gleichen Abschnitt zu lesen versucht habe, klappe ich das Buch zu, schnappe mir frische Wäsche und gehe stattdessen duschen. Anschließend krieche ich in mein Bett und ziehe mir die Decke über die Ohren. Ich hoffe, ich schlafe ein, bevor John nach oben kommt, aber stattdessen wälze ich mich herum und erlebe die demütigende Szene von heute Mittag immer wieder von vorne.

Irgendwann höre ich dann die Schritte von John auf der Treppe und mache schnell die Augen zu, damit er denkt, ich schlafe schon.

Ich will nicht mit ihm reden, ihn nicht ansehen und daran denken müssen, was für ein erbärmlicher Loser ich bin im Vergleich zu ihm. Es tut auch so schon weh genug.

Leise kommt er ins Zimmer, schließt die Tür hinter sich und ich höre Stoff rascheln, als er sich auszieht. Kurz darauf knarzt das Gästebett, das mein Vater extra für ihn aufgestellt hat und dann herrscht Ruhe.

Johns Atemzüge sind in der Stille deutlich zu hören und es dauert nicht lange, bis sie tief und regelmäßig werden.

Er schläft. Ein schlechtes Gewissen scheint er also schon mal nicht zu haben. Und wieso sollte er auch? Er hat nur das getan, was alle Anderen auch gemacht haben und eh keinen Grund, sich über Freaks wie mich, Momo und Benni den Kopf zu zerbrechen.

Seufzend drehe ich ihm den Rücken zu, schließe die Augen und versuche endlich einzuschlafen. Aber es dauert lange.

Wieso bin ich eigentlich verdammt noch mal ich? Hätte man mich nicht mal vorher fragen können, wer ich sein möchte?

Dienstag, 5. April 21:30Uhr

Scheint, als wäre meine Vorsicht berechtigt gewesen. John hat sich mir zwar heute Morgen, auf dem Weg zur Schule, mit seinem üblichen offenen Lächeln angeschlossen und sogar ein paar Worte mit mir gewechselt, ohne sich von meiner Einsilbigkeit beeindrucken zu lassen, aber kaum waren wir da, ist er wieder verschwunden. Vermutlich zu seinen Freunden, wie gestern auch schon.

Na, von mir aus. Ich hatte ohnehin schon damit gerechnet und so war es dann auch keine besondere Überraschung mehr, als ich ungefähr zur Essenszeit eine SMS von ihm bekam, dass er nach der Schule mit einer Gruppe von Leutenin die Stadt“ gehen wolle und ob man ihn dann später vielleicht abholen könnte, wenn er sich meldet.

Kein Problem“, habe ich zurückgeschrieben und das schmerzhafte Ziehen in meiner Brust standhaft ignoriert. Was hatte ich denn erwartet? Dass nach seiner – aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso gefaketen - Entschuldigung alles in Butter ist? Dass ich nicht lache! Dafür weiß ich doch längst zu gut, wie der Hase läuft!

Meine Mutter hat sich natürlich gewundert, als ich allein zuhause aufgekreuzt bin, aber ich habe es mit einem Schulterzucken abgetan und gesagt: „Er möchte halt gern mit seinen Freunden was unternehmen. Ist doch in Ordnung!“ Darauf hat sie mich skeptisch gemustert, schließlich aber genickt.

Ja, natürlich! - Sind das denn lauter Australier, die da mit in die Stadt gegangen sind?“, wollte sie dann noch wissen und natürlich war das Salz in meinen Wunden, denn ich wusste – dank Bernadette und Co. - mittlerweile, dass auch die jeweiligen deutschen Austauschpartner dabei sei würden. Vor allem aber hatte ich die Frage, die dahinter lauerte nur zu gut verstanden: „Warum bist du nicht dabei?“

Tja, Mom – warum wohl?

Keine Ahnung! Spielt das denn eine Rolle?“ Ich wurde ein bisschen laut, worauf sie eine Braue hochzog, auf diese nur ihr eigene, typische Art, die einem schon genau sagt, was sie denkt und schwieg.

Sie kennt mich eben und weiß auch von der ganzen Mobbingsache in der Schule, hat sich sogar schon mal mit meinem Tutor angelegt deshalb, als ein paar der Blödmänner aus meinem Kurs meinten, sie müssten mich unbedingt im Internet dissen. Anonym natürlich, denn den Arsch in der Hose das unter dem eigenen Namen zu machen, haben sie dann doch nicht, diese feigen Flitzpiepen.

Wie dem auch sei, meine Mutter hat das jedenfalls irgendwann spitzgekriegt und ist augenblicklich an die Decke gegangen. Sie hat darauf bestanden, dass ich das Zeug ausdrucke und ist damit in die Schule gefahren. Leider konnte mein Tutor aber nicht wirklich was machen, allein schon weil ich mich hartnäckig geweigert habe, irgendwelche Namen zu nennen, obwohl ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte, wer das im Einzelnen gewesen ist.

Aber so blöd bin ich nun auch nicht. Ich meine, okay, ich finde es nicht toll, wenn ich im Netz öffentlich runtergemacht werde, aber was soll sich schon ändern, wenn ich sage wer da alles meiner Meinung nach sein Geltungsbedürfnis befriedigt hat? Das Einzige was dann vermutlich passiert wäre ist, dass das Mobbing in der Schule noch schlimmer wird und darauf verwette ich sogar meinen Allerwertesten!

Also habe ich geschwiegen und am Ende musste meine Mutter dann leider aufgeben.

Ihr Abgang war allerdings filmreif! Sie hat dem Tutor die ausgedruckten Blätter auf den Tisch geknallt und gesagt, er könne das gerne behalten und seinem Kurs ausrichten, Internet-Mobbing sei immer noch eine Straftat. Beim nächsten derartigen Vorfall werde sie Anzeige erstatten und die Mobber bräuchten auch nicht glauben, sie seien unangreifbar, nur weil sie sich als anonym eingeloggt hätten. IP-Adressen ließen sich im Bedarfsfall auch so auslesen.

Dann ist sie abgerauscht und ich hinterher. Fast hat es mir in dem Moment wieder leid getan, dass ich nichts gesagt habe, aber es ging eben einfach nicht. Mit Angst hatte das nichts zu tun, zumindest nicht ausschließlich. Viel wichtiger war da der Gedanke, dass bei einer Strafaktion seitens der Schule gegen die Mobber, anschließend eben nicht mehr nur mein Kurs, bzw. mein Jahrgang mich disst, sondern dass ja die gesamte Schülerschaft des Morgenstern-Gymnasiums mitkriegt was Sache ist und fleißig ins gleiche Horn stößt. Ich wollte einfach nur meine Ruhe und das will ich heute noch!

Mein Vater war schon zwei Mal bei mir im Zimmer und hat gefragt, ob ich was von John gehört hätte, aber ich habe nur stumm den Kopf geschüttelt und so getan, als müsste ich noch jede Menge Hausaufgaben erledigen. Bei seiner zweiten Nachfrage hat er gemeint, wenn wir bis 22 Uhr nichts gehört hätten, sollte ich ihn per SMS anschreiben und ihn fragen, wo er denn steckt, damit er ihn abholen kann.

Insgeheim hoffe ich natürlich, dass John sich noch vorher meldet, aber natürlich bleibt mir nichts erspart und um Punkt 22 Uhr tippe ich die Kurznachricht für ihn in mein Handy.

Es dauert eine knappe Viertelstunde, ehe er antwortet und ich male mir aus, wie sie in der Zwischenzeit alle um John herumstehen und sich kaputtlachen über mich, den Freak und Loser, der wie eine besorgte Glucke nachfragt: Wo bist du?

Als mein Vater sich mit dem Wagen auf den Weg macht, gehe ich wie am Vorabend duschen und ins Bett, damit ich John heute nicht mehr begegnen muss.

Mann, ich habe noch nie in meinem Leben irgendwas so sehr bereut wie meine Anmeldung zu diesem beschissenen Austauschprogramm!

Mittwoch, 6. April

 

 

 

 

Heute läuft erst mal alles ähnlich wie die beiden Tage davor, frei nach dem Motto: Same procedure as everyday!, mal abgesehen davon, dass Momo diesmal wutschnaubend zu der Gruppe aus Aussies und Deutschen rüberstampft, als ich pünktlich zur Mittagszeit wieder eine SMS von John bekomme, wo er mir mitteilt, er sei für den Nachmittag zum Barbecue eingeladen. Ich sehe mit Entsetzen, wie mein Kumpel sich vor den Jungs und Mädels aufbaut, die keine zehn Meter von uns entfernt stehen, mit in die Seiten gestemmten Fäusten und meinen Austauschpartner wütend anblafft.

„Er steht da drüben, Arschloch! Wenn du ihm was sagen willst, dann geh gefälligst hin und schick ihm keine gottverdammte SMS! Oder denkst du, er springt dich an?“

Ich hab keinen Schimmer, ob John das überhaupt alles versteht, so gut ist sein Deutsch wahrscheinlich nicht, aber jedenfalls schaut er ziemlich verblüfft, zuerst aus der Wäsche und dann zu mir rüber.

Momo!“, versuche ich es reichlich kläglich, aber mit einem wütenden Winken brint er mich zum Schweigen.

„Ist doch wahr, Mann! Was bist du? Der Fußabtreter für diese Blödmänner?“

Daraufhin löst sich Bastian aus der Gruppe und stellt sich dicht vor Momo. Ach du Scheiße! Der Typ ist doch ohnehin noch sauer auf meinen Kumpel, wegen der Aktion am Montag und in dem Moment habe ich echt Schiss, dass er Momo gleich eine reinhaut.

Was willst du, du Freak? Verpiss dich! Mit sowas wie dir wollen wir nichts zu tun haben! Und das kannst du auch gleich deinem gehirnkranken Kumpel da drüben ausrichten! Sowas wie ihr gehört nicht an diese Schule! Ihr gehört an überhaupt keine Schule, sondern in die Klapse und in eine Zwangsjacke!“ Man kannbuchstäblich sehen, wie es in ihm kocht und brodelt, aber Momo grinst nur frech und meint: „Wieso? Fühlst du dich etwa einsam, Bastilein?“

Und diesmal ist er nicht schnell genug, denn im nächsten Augenblick kracht Bastians Faust mitten in sein Gesicht!

Ein paar der Mädels aus der Clique kreischen, als zwischen Momos Fingern, die er reflexartig auf die Nase gepresst hat, Blut hervorsprudelt wie aus einem Springbrunnen und Benni und ich bekommen auch einen Riesenschrecken. Ich renne sofort zu Momo hin und bis ich da bin, hat sich schon eine Traube aus Zuschauern gebildet. Kein Wunder, um die Mittagszeit ist das Foyer immer ziemlich voll, denn so gut wie alle gehen dann zum Essen in die Cafeteria.

„Momo!?“ Unsicher lege ich ihm die Hand auf den Rücken. Was tut man in so einem Fall am besten? Zwar habe ich auch schon mal einen Kurs in Erster Hilfe absolviert, aber plötzlich ist mein Hirn wie leergefegt. Kein Verlass auf das Mistding, wenn man`s mal dringend bracht!

Er schaut zu mir hoch, die untere Gesichtshälfte immer noch mit der Hand abgedeckt und löst dann die Finger vorsichtig von der blutenden Nase.

Oh, Mann – ich glaub` der Typ hat mir die Nase gebrochen“, nuschelt er dumpf und da teilt sich plötzlich die Menge um uns, wie weiland das rote Meer. Zwei Lehrer, die ich nur vom Sehen kenne, treten zu uns und wie nicht anders erwartet kommt als erste Frage: „Was ist hier los?“

Ich schweige und Momo ebenfalls, aber unter den Umstehenden gibt es natürlich auch so genügend Zeugen, die sich jetzt melden und den Hergang schildern. Während der eine Lehrer zuhört, hat der zweite ein Handy gezückt und damit den Schulsanitätsdienst alarmiert. Nur Minuten später tauchen zwei der Schulsanitäter auf und nehmen Momo in die Mitte, führen ihn davon und ich denke mir, das wäre eine gute Gelegenheit, mich ebenfalls zu verdrücken, doch ich habe kaum die ersten Schritte gemacht, als ich schon aufgehalten werde.

Sie warten bitte! An Sie haben wir erst noch ein paar Fragen“, heißt es und ich ergebe mich in mein Schicksal. War doch eh klar, dass das jetzt alles an mir hängenbleiben würde. Die eigentlichen Verursacher, Bastian und Co., haben sich natürlich längst aus dem Staub gemacht, schließlich ist absehbar, dass so eine Aktion Ärger nach sich ziehen würde.

Kurz drauf sitze ich im Sekretariat den beiden Lehrern von eben, meinem Tutor und vor allem Herrn Karstedt gegenüber und komme mir vor, als wäre ich der Angeklagte bei einem Tribunal. Dabei hätte dieser Ehrenplatz doch wohl viel eher Bastian und den anderen Vollpfosten gebührt!

„Also, Milan – was ist denn da eben genau passiert?“, fragt Herr Karstedt und ich presse die Lippen fest zusammen.

Als ob ich mir jetzt hier die Blöße geben würde?

Er seufzt und kratzt sich den Kinnbart. „Wissen Sie, ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie nichts damit zu tun haben. Sie sind nicht der Typ für sowas. Aber Ihnen muss doch klar sein, dass hier auch der Ruf unserer Schule auf dem Spiel steht – vor allem unseren australischen Gästen gegenüber! – und damit letztlich auch die Zukunft des gesamten Austauschprogramms! Sollte unsere Partnerschule zu dem Schluss kommen, dass es für ihre Schüler zu gefährlich ist herzukommen ...“ Er lässt das Satzende offen, aber was er meint, ist natürlich klar. An der Stelle kann ich mir ein kleines Schnauben nicht verkneifen und Herr Karstedt hebt erstaunt die Brauen.

„Finden Sie das witzig?“, will er wissen und nach einem kurzen Blick in sein Gesicht schüttele ich stumm den Kopf.

Nein“, platze ich dann aber doch noch raus. „Ich finde hier gar nichts mehr witzig. Kann ich jetzt gehen?“

Er tauscht einen Blick mit den anderen Lehrkräften, dann nickt er mir zu.

„Ja, Sie können gehen. Aber Milan?“, hält er mich zurück, als ich schon wie ein geölter Blitz zur Tür hinaus will, „Wenn es Probleme gibt, mit John, meine ich – dann kommen Sie damit zu mir, ja?“

Ich nicke flüchtig und weg bin ich.

Während ich mich auf den Weg zurück in den Unterricht mache – Ade, Mittagessen! - brüte ich grimmig vor mich hin. The story of my life! Irgendein Arschloch findet es lustig, mich oder meine Freunde aufzumischen und wer bekommt den Ärger? Na? - Logisch! Der Kandidat hat tausend Punkte!

Umso erstaunter bin ich, als ich in den Klassenraum komme und John an meinem Tisch vorfinde. Was soll das denn jetzt? Wieso ist er nicht bei seinen coolen Freunden, wo er die übrigen Tage verbracht hat?

Er sieht mir entgegen, aber ich bemühe mich nach Kräften, ihn zu ignorieren, packe meine Hefte und Bücher aus und konzentriere mich völlig auf den Unterricht.

Naja, ich tue zumindest so. Lasse Frau Banzer nicht aus den Augen, wie sie vor der Tafel hin und her schreitet und über Goethe schwadroniert.

Aber natürlich bekomme ich nicht die Hälfte von dem mit, was sie von sich gibt, sind doch alle meine Sinne mit Johns Anwesenheit beschäftigt. Ich spüre ganz genau, wie er mich immer wieder anschaut, als wollte er etwas sagen, traue sich dann aber doch nicht, rieche sein Duschgel und den feinen, kaum merklichen Schweißgeruch, der von ihm ausgeht.

Das und die Anstrengung, meinen Kopf daran zu hindern, sich doch noch in seine Richtung zu drehen, lässt mich selber schwitzen und als die Doppelstunde endlich zu Ende ist, raffe ich so schnell wie möglich meine Sachen zusammen und verlasse fluchtartig den Raum.

Klar habe ich noch gehört, wie er „Milan?“ gesagt hat, aber es istsicher besser, wenn ich das ignorierte.

Stattdessen trabe ich zügig durch die Schulflure, ins Foyer und nach draußen, will nur noch so schnell wie möglich zur Bushaltestelle und nach Hause. Wenn John dann wirklich zu seinem Barbecue geht, muss ich ihm, wenigstens fürs Erste, nicht mehr gegenübertreten.

Ausnahmsweise mal scheint das Glück auf meiner Seite zu sein, denn kaum erreiche ich die Haltestelle, fährt der Bus überpünktlich ein und erleichtert sinke ich kurz drauf in einen der Sitze.

Als die Fahrt losgeht, fällt mein Blick noch einmal kurz auf eine Gruppe junger Leute, die auf der anderen Straßenseite unterwegs sind und als würde mein Blick magisch von ihm angezogen, entdecke ich John mitten darunter. Die Anderen lachen und schwatzen gut gelaunt, er dagegen wirkt ungewohnt ernst.

Ich zucke die Schultern. Na und? Kann mir doch schnurz sein, ob er nun gut drauf ist, oder nicht! Ihn interessiert meine Gemütsverfassung ja auch nicht!

Zwanzig Minuten später bin ich zuhause und verkrieche mich umgehend in mein Zimmer. Als meine Mutter bald darauf wissen will, wo John denn diesmal steckt und ich ihr berichtete, dass er zu einem Barbecue eingeladen worden ist, verzog sie missbilligend den Mund.

„Ich frage dich ja nur ungern, aber kann es sein, dass da wieder irgendwas im Busch ist – oder wieso bist du nicht auch dabei? Immerhin ist John doch DEIN Gast und wenn ich dich richtig verstanden habe, sind die übrigen Gastgeber auch eingeladen!?“, bohrt sie nach und obwohl ich mir fest vorgenommen habe, ihr nichts zu erzählen, hat sie innerhalb von zehn Minuten die gesamte Story aus mir herausgeholt. Mit gerunzelter Stirn verschränkt sie die Arme vor der Brust und überlegte.

„Vielleicht sollte ich mal mit ihm reden?“, schlägt sie dann vor und entsetzt schaue ich sie an.

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