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Kälter als die Nacht

Über dieses Buch

Als Josefina Rivera in einer regnerischen Nacht in den Wagen von Gary Heidnik steigt, ahnt sie nicht, dass sie sich damit einem Psychopathen ausliefert. Heidnik überwältigt die junge Frau und kettet sie in seinem Keller an. Doch Josefina soll nicht die letzte sein. Nach und nach bringt Heidnik weitere Mädchen in das von ihm geschaffene Verlies, wo sie Hunger, Folter und Missbrauch erleiden. Mit der Zeit wird ihr Peiniger immer brutaler – er hängt sie mit den Armen an der Decke auf und zwingt sie in ein Erdloch, das er mit Wasser füllt und danach mit Holzplatten abdeckt. Mit einem Kabel versetzt er den Mädchen Stromschläge. Zwei von den fünf Frauen überleben die Torturen nicht. Doch Josefina gibt die Hoffnung auf Freiheit nicht auf: Schritt für Schritt erlangt sie das Vertrauen Heidniks – und ihr gelingt das Unmögliche. Mit einer riskanten Aktion kann sie sich und ihre Mitgefangenen befreien.

Über die Autorin

Monate nachdem Josefina Rivera durch Gary Heidnik entführt wurde, gelang ihr endlich die Flucht. Ihre Erlebnisse und schrecklichen Erinnerungen haben sie noch lange beherrscht. Erst Jahre später findet Josefina die Kraft, sich wieder ein normales Leben aufzubauen. Heute lebt sie glücklich mit ihrem Mann in Atlantic City.

Josefina Rivera

Kälter als die Nacht

TRUE CRIME

Echte Fälle – Wahre Verbrechen

Gefangen im Keller eines Serienmörders

Aus dem amerikanischen Englisch von
Veronika Dünninger

Dieses Buch ist Florence Patterson gewidmet,
meiner Mom, für ihre ganze Kraft, Ermutigung und
Disziplin, die mir geholfen haben, durchzuhalten.
Und Chris Lyle, der in der schweren Zeit danach
nicht vor oder hinter, sondern neben mir gestanden hat.
Und Gott, der mich durch all das hindurchgebracht hat.

Ich werde nicht zulassen, dass mich das, was ich sehe,
an dem hindert, was ich glaube.

(Anonym)

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. Prolog
  8. 1. Verschleppt
  9. 2. Das Loch
  10. 3. Gary
  11. 4. Flucht
  12. 5. Sandra
  13. 6. Schraubenzieher
  14. 7. Lisa
  15. 8. Weihnachten
  16. 9. Deborah
  17. 10. Jacqueline
  18. 11. Wir verlieren Sandra
  19. 12. Alpo
  20. 13. Schlaflos
  21. 14. Wir verlieren Deborah
  22. 15. Oben
  23. 16. Die Pine Barrens
  24. 17. Draußen
  25. 18. Poker
  26. 19. Freiheit
  27. 20. Eine neue Wirklichkeit
  28. 21. In der Schwebe
  29. 22. Der Prozess
  30. 23. Heidniks Verstand
  31. 24. Das Urteil
  32. 25. Nach vorne blicken
  33. 26. Genesung
  34. 27. Wieder vereint
  35. Epilog
  36. Danksagung

Prolog

Ich schlendere an der Küste entlang und lasse meinen Blick über den Strand schweifen. Ich suche nach Meerglas. In meiner Tasche sind drei Stück, die ich bereits gefunden habe: eines ist klein und grün, ein anderes ist eine gebogene weiße Scherbe mit abgerundeten Kanten, und das dritte, eine runde, dicke blaue Scheibe, hat Einbuchtungen auf einer Seite, wie der Boden einer Flasche. Ich reibe mit den Fingern über das matte Glas in meiner Tasche, während die stürmische Meeresbrise an meinen Haaren zerrt und gegen meine Wangen peitscht. Ich atme tief ein – die Salzluft füllt meine Lungen, trägt all meine Gedanken fort und lässt mich weitergehen, frei, um den Strand abzusuchen.

Die Glasstücke stammen von alten Schiffen. Schiffen, die einst über den Atlantischen Ozean segelten, Schiffen, die zerbarsten und allerlei Dinge über Bord warfen: Wein, Krüge, Teller, Gläser und Flaschen. Das Glas sank hinunter auf den Grund des Ozeans, und während der Gezeiten wurde es immer wieder auf dem Meeresboden herumgestoßen und -gerollt, bis die scharfkantigen Fragmente zu glatten, abgerundeten Teilen geschliffen worden waren. Und mit der Flut bringt das Meer diese kleinen Juwelen an Land, diese Fragmente von einem anderen Ort, aus einer anderen Zeit. Je milchiger, je undurchsichtiger das Glas aussieht, desto älter ist es.

Ich begann vor drei Jahren, Meerglas zu sammeln, als ich nach Atlantic City gezogen bin, an den Ort, den ich jetzt mein Zuhause nenne. Ich bin schon immer gern am Strand spazieren gegangen, mit dem gewaltigen Ozean neben mir, der über meine Füße strich. Die Beständigkeit der Flut, die ich dort fand, entspannte mich, besänftigte mich. In welcher Stimmung ich auch war, das Meer trug sie stets wie ein Echo zu mir zurück, egal, ob ich mich gut oder schlecht fühlte, traurig oder wütend war. Ich konnte stundenlang am Strand spazieren gehen, selbst in heftigen Stürmen, wenn der Regen aus allen Richtungen auf mich einhieb, angetrieben von einem erbarmungslosen Wind, der mir im Gesicht und auf den Beinen brannte, während das Meer zu einer tosenden, schaumigen Masse aufgewühlt wurde. Doch als ich das erste Meerglas erblickte, fühlte ich mich gezwungen, es vom Boden aufzuheben, zu retten und mit nach Hause zu nehmen. Mittlerweile habe ich ganze Krüge voller Glas. Es sind die winzigen Überreste eines anderen Lebens, die mich daran erinnern, wer ich bin.

Genau wie ich ist das Meerglas im Laufe der Zeit abgeschliffen worden, seine rauen Kanten sind von den stürmischen Meeren und dem sich bewegenden Sand geglättet, geformt und gestaltet worden. Und genau die Tatsache, dass sie so herumgestoßen und -geschubst wurden, hat diese winzigen, weggeworfenen Glasscherben so wunderschön gemacht. Sie haben überlebt, haben das Schlimmste ausgehalten, was Mutter Natur ihnen antun konnte, und es dennoch geschafft, an Land zu kommen. Eine Erinnerung daran, dass das Leben weitergeht. Ich suche nach ihnen, und ich lese sie auf wie einen kostbaren Schatz. Eine Fülle gebrochener Schönheit, die nur ich wirklich zu schätzen weiß.

Hier draußen, in der Nähe des Ozeans, fühle ich mich friedlich, verankert. Und ich bin endlich stark genug, um meine Geschichte zu erzählen. Die echte Geschichte, die ganze Geschichte, die wahre Geschichte. Viele Jahre lang habe ich versucht zu vergessen, habe versucht, all die Monate, die ich angekettet in jenem Keller in der North Marshall Street verbrachte, aus meinen Gedanken zu verbannen. Aber man vergisst nicht, man vergisst nie. In gewisser Hinsicht beneide ich Gary Heidnik, den Mann, der mich und fünf andere Mädchen vergewaltigt, geschlagen und gefoltert und zwei von ihnen getötet hat. Heidnik darf in Frieden ruhen.

In meinem Inneren gibt es sehr wenig Frieden. Nur diese stillen Momente, in denen ich am Strand spazieren gehe. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese vier Monate Hölle denke, die ich in Gary Heidniks Gewalt erlitten habe. Ich werde überall daran erinnert. Kleine, scheinbar harmlose Dinge können einen Gedanken in meinem Kopf auslösen und mich wieder dorthin zurückversetzen.

Ich kann aus dem Haus gehen, und ein zuckender Blitz erschreckt mich so sehr, dass ich Schutz suchend wieder zurück ins Haus flüchte. Oder ich überquere eine Straße und sehe ein paar Bauarbeiter, die ein Loch in der Straße ausheben, und mir stockt das Herz.

Diese Dinge sind für die meisten Leute bedeutungslos. Aber sie reichen aus, um mir zahlreiche schlaflose Nächte zu bereiten, eine Panikattacke oder schlimmstenfalls eine monatelange Depression auszulösen, während der ich nicht einmal das Bett verlassen kann.

Ich mag frei sein, aber in vieler Hinsicht bin ich noch immer an Heidnik gekettet; und an die düsteren, schlimmen Erinnerungen an das, was in jenem Keller geschah, während der Rest der Welt seinen gewohnten Gang ging.

Seitdem war natürlich nichts mehr in meinem Leben normal, und jeder Aspekt von Heidniks entsetzlichen Verbrechen wurde von unzähligen Fremden ans Licht gezerrt und eingehend betrachtet. Tausende von Worten wurden über das geschrieben, was passiert ist – teils wahr, teils nicht.

Jetzt möchte ich die Fakten richtigstellen, damit die Leute selbst beurteilen können, was ich in diesem Keller getan habe und was ich, wie ich glaubte, tun musste, um zu überleben und die anderen Mädchen dort herauszuholen.

Bei allem, was ich tat, hatte ich nur ein Ziel vor Augen: Überleben. Mein eigenes und das der anderen. Soweit ich sehen konnte, gab es keine Wahl, nur Notwendigkeit. Und in jeder einzelnen Minute jedes Tages, den ich dort unten verbrachte, wusste ich, dass er mein letzter auf dieser Erde sein könnte.

Und auch wenn mir die Flucht gelang, weiß ich doch, dass ich Heidnik niemals entkommen werde. Nicht wirklich.

Wenigstens bin ich überhaupt hier, um diese Qualen zu spüren, sage ich mir. Wenigstens habe ich meine Gesundheit, meinen Glauben, meine Familie und eine Million anderer Gründe, dankbar zu sein. Wie meine Glasstücke wurde ich von der Welt, in die ich geworfen wurde, verändert und geformt.

Und so bin ich nun bereit, mich dem zu stellen, was passiert ist – ich bin bereit, zu jenem Keller zurückzukehren, zu dem Loch zurückzukehren und jeden Moment der Folter, durch den dieser Mann mich geschickt hat, noch einmal zu durchleben.

Hätten Sie in meiner Situation dasselbe getan? Hätten Sie tun können, was ich getan habe? Ich glaube, keiner von uns kann wissen, wie wir unter solch extremen Umständen reagieren, bis wir uns in dieser Situation befinden und sie selbst durchleben.

Daher bitte ich Sie auch nicht, mich nicht zu verurteilen. Ich weiß, dass ich bis ans Ende meiner Tage mit dem Urteil anderer Leute werde leben müssen. Damit habe ich kein Problem, da ich weiß, dass letztendlich nur Gott über mich urteilen wird und ich mich nie für das geschämt habe, was ich getan habe.

Gehen Sie jetzt mit mir diese düsteren, unheilverkündenden Stufen hinunter, gehen Sie hinüber in eine andere Wirklichkeit, in der nichts mehr Sinn ergibt und die Regeln des normalen Lebens einfach nicht gelten.

Begeben Sie sich jetzt mit mir auf eine Reise in die tiefsten Tiefen der Hölle.

Und fragen Sie sich dann: Was hätten Sie getan?

1

Verschleppt

Ich hielt meinen winzigen Jungen in meinen Armen, strich ihm über den Kopf und flüsterte ihm zu: »Wie geht’s dir, mein kleiner Mann? Geht’s dir heute gut?«

Er schlief tief und fest in meiner Umarmung. Ich berührte mit der Spitze meines Zeigefingers zärtlich seine Stupsnase und umkreiste dann langsam seine Lippen, die genauso voll waren wie meine.

Er sah in seinem himmelblauen Strampelanzug vollkommen aus, einfach vollkommen. Ich seufzte. Erst eine Stunde zuvor war ich zur Neugeborenenintensivstation des Pennsylvania Hospital im Stadtzentrum von Philadelphia gekommen, wo er bleiben sollte, bis er etwas zu Kräften gekommen war. Er war ein Frühchen genau wie meine anderen Kinder und daher winzig wie eine kleine Puppe. Ich hatte ihn gebadet und ihm die Windeln gewechselt, während er sich unruhig in meinen Armen wand.

Als er rundum sauber und trocken war, gab ich ihm ein Fläschchen, und nachdem er es zur Hälfte geleert hatte, schlief er ein. Ich legte ihn behutsam in sein durchsichtiges Plastik-Babybett, und er streckte die Beine in völliger Glückseligkeit. Ich deckte ihn mit seiner weichen Baumwolldecke zu und blickte ihn einfach nur an.

Jetzt, in der fünften Lebenswoche, wurden Rickys dünne Ärmchen allmählich fülliger, und seine kleinen, vertrauensvollen Finger legten sich unbewusst um meine eigenen.

Ricky war mein drittes Kind, aber ich wusste, dass die Entscheidung, ob ich ihn nach Hause würde nehmen können, nicht länger bei mir lag. Ich würde dem Jugendamt beweisen müssen, dass ich eine gute Mom war, eine Frau, die bereit war, die Bedürfnisse ihrer Kinder über ihre eigenen zu stellen.

Sie müssen wissen, dass Ricky mit Drogen in seinem Organismus zur Welt gekommen war.

Tränen traten mir jetzt in die Augen, als ich meinem schlafenden Kind ein tief empfundenes, stilles Versprechen gab.

Ich werde das Richtige für dich tun, Ricky. Ich werde mich bessern. Ich werde meine anderen Kinder zurückbekommen. Wir werden alle eine Familie sein. Versprochen. Momma wird alles wiedergutmachen. Du wirst sehen.

Er war so zufrieden, so unschuldig, dass ich unwillkürlich von Schuldgefühlen und Schmerz über die Art und Weise, auf die ich ihn in diese Welt gebracht hatte, überwältigt wurde.

Er hatte nicht darum gebeten, so geboren zu werden – es war meine Schuld. Das wusste ich.

Noch vor einem Jahr lief alles so gut: Ich war seit einer Weile clean, hatte meine beiden Mädchen bei mir, und ich lebte mit dem Mann zusammen, den ich liebte.

Wie schnell das alles auseinanderbrach. Da ich tagsüber arbeitete, ließ ich die Kinder in der Obhut meiner Schwester Iris. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass sie die meiste Zeit irgendwo außer Haus war und high wurde. Als die Nachbarn sahen, wie Iris’ Kinder unbeaufsichtigt durch die Straßen liefen, hielten sie den ältesten Jungen an und fragten ihn, wo seine Mom sei.

»Ich weiß nicht«, kam seine aufrichtige Antwort. Das war der Moment, in dem die Kinderschutzbehörde aktiv wurde. Sie nahmen Iris ihre drei Kinder und mir meine jüngste, erst ein Jahr alte Tochter Zornae weg, und ich musste mir eine neue Bleibe suchen.

Zum Glück ließen sie mir LaToya, meine fünfjährige Tochter aus einer früheren Beziehung. Aber Monate später wurde Toya, oder Bookie, wie ich sie nannte, von ihrem Vater entführt. Zu dieser Zeit war meine Beziehung zu Zornaes Vater ebenfalls dabei, in die Brüche zu gehen, und ich war mit Ricky schwanger. Alles war irre chaotisch. Zu meiner ewigen Schande verfiel ich wieder in die alten Gewohnheiten, die mich schon während meiner Teenagerzeit geplagt hatten: Crack rauchen und auf den Strich gehen.

Ich werde später noch in allen Einzelheiten darauf eingehen, wie es zu diesem traurigen Durcheinander kam, aber vorläufig müssen Sie nur wissen, dass ich ein verletzliches Kind war, das in einer Umgebung lebte, in der Drogen an der Tagesordnung waren. Ich hatte in ihnen etwas gefunden, womit sich die ganze Schlechtigkeit der Welt ausblenden ließ, und ich war süchtig danach. So süchtig, dass es mich davon abhielt, die Mutter zu sein, die ich sein wollte. Meine Sucht war mir wichtiger als alles andere. Könnte ich die Uhr zurückdrehen, würde ich Crack niemals auch nur anrühren. Es hat mein Leben ruiniert – auf die schlimmstmögliche Weise.

Jetzt sah ich auf Ricky hinunter und sagte mir: Du wirst das hinkriegen, Josefina. Du musst das hinkriegen.

An jenem Tag verließ ich das Krankenhaus und kehrte zurück zu meiner neuen Wohnung. Diese Wohnung bedeutete mir alles. Sie würde der Ort sein, an dem ich meine Familie wieder zusammenbringen konnte. Ich hatte sie wirklich schön hergerichtet, mit Etagenbetten für die Mädchen und einem Gitterbett für Ricky. Das Gericht hatte einen Termin festgesetzt, zu dem mir die Kinderschutzbehörde einen Besuch abstatten würde, um mein neues Zuhause zu genehmigen.

Jetzt brauchte ich nur noch ein bisschen Zeit, um von den Drogen loszukommen, und alles würde gut werden. Ich machte mir ein Schinken-Käse-Sandwich, und dann nahm ich ein Bad.

Es war der 26. November 1986, der Tag vor Thanksgiving. Mir fehlte bloß noch ein bisschen Bargeld, um über die Feiertage zu kommen und um mir über die Runden zu helfen, damit ich nicht zappelig würde. Ich schaltete also den Fernseher und das Licht aus und verließ die Wohnung.

»Gehst du anschaffen?«, fragte der Mann.

Es war gegen neun Uhr abends, und ich ging auf der Suche nach einem Kunden die Straßen auf und ab, also ja: Ich ging anschaffen.

Ich trug wie üblich meine schwarze Jeans, Lederjacke, ein schwarzes T-Shirt und Turnschuhe. Ich musste mich nie in Schale werfen, um Typen aufzugabeln. Von Natur aus schlank, mit vollen Lippen und ausgeprägten Wangenknochen, fiel es mir immer leicht, Arbeit zu kriegen. An diesem Abend hatte ich mir eine toupierte Perücke über meinen Pferdeschwanz gezogen und meine Jacke fest um mich gewickelt, um mich vor der frühwinterlichen Kälte zu schützen.

Dieser Abend unterschied sich in nichts von irgendeinem anderen Abend der Woche, abgesehen davon, dass es der Abend vor Thanksgiving war und daher nicht viele Autos die Front Street in Philadelphia auf und ab fuhren. Trotzdem konnten nicht mehr als zehn Minuten verstrichen sein, bevor ich einen Wagen an mir vorbeifahren und dann am Ende der Straße umkehren sah.

Das ist gut, dachte ich, vermutlich kam er zurück, um mich anzuheuern. Mir gefiel die Vorstellung nicht, noch lange hier draußen in der Kälte zu sein.

Ein hellbrauner Cadillac Seville hielt neben mir an – ein schöner Wagen, ein teurer Wagen.

Dann ging das Fenster herunter, und der Typ fragte mich, ob ich anschaffen ginge.

Es war mein allererster Blick auf Gary Heidnik.

Und das Einzige, was ich bemerkte, war ein Paar helle, sehr durchdringende blaue Augen – so blass und durchschimmernd, dass man das Gefühl hatte, genau durch sie hindurch und in seinen Schädel sehen zu können. Nur dass man selber nicht der war, der Heidnik ansah. Er hatte dich in seinem starren Blick.

Abgesehen von diesen Augen war an diesem Typen nichts Ungewöhnliches. Überhaupt nichts.

Er war ein Weißer, mit einem gewöhnlichen Gesicht – gerade Nase, kantiger Kiefer, gewelltes braunes Haar und ein gestutzter Bart. Er war schlank und trug eine braune Rindslederjacke mit Fransen an den Ärmeln. Ein ganz normaler Typ.

»Ja?«, fragte ich.

»Ich will ein bisschen Spaß haben. Kommst du mit zu mir?«

»Ich gehe nicht zu anderen Leuten nach Hause«, sagte ich. Ich musste ein paar Grundregeln haben, und das war eine davon.

»Na ja, ich bin eins achtzig groß, da ist es für mich irgendwie schwer, im Auto rumzumachen«, sagte er, und ich äugte in den Wagen. Ledersitze, und es roch sauber und frisch. Es stimmte, er hatte lange Beine, aber es widerstrebte mir trotzdem. Ich hatte nicht viele Regeln in meiner Branche, aber das war eine, an die ich mich im Allgemeinen streng hielt. Schließlich will man keine Zeit damit verschwenden, zu jemandem nach Hause und wieder zurück zu fahren, wenn man ihnen das, was sie wollten, auf einem Parkplatz geben und in zehn Minuten wieder draußen bei der Arbeit sein konnte.

Aber ich konnte spüren, wie die Temperatur um mich herum abfiel.

»Na los«, drängte er mich. »Ich gebe dir fünfzig Dollar.«

»Wie weit ist es?«, fragte ich.

»Nur etwa eine Viertelstunde mit dem Auto. Komm schon, wir sind in einer halben Stunde fertig, und dann setze ich dich wieder hier ab.«

»Okay.«

Fünfzig Dollar – damit hätte sich mein Abend bereits gelohnt, und dann konnte ich wieder zurück in meine warme Wohnung. Ein bisschen Crack rauchen, high werden und mich entspannen. Und am Morgen darüber nachdenken, meine Kinder zurückzubekommen. Hätte ich das bloß nicht getan. Hätte ich doch bloß versucht, an diesem Abend clean zu werden. Es wäre für uns alle besser gewesen.

Ich rutschte neben ihn auf den Beifahrersitz, und als wir losfuhren, fragte er mich, ob ich Kinder hätte.

»Na klar«, sagte ich. »Deshalb kann ich nicht lange wegbleiben – die Babysitterin passt bei mir zu Hause auf meine Kinder auf, und wenn ich mich verspäte, flippt sie aus.«

Das stimmte zwar nicht, aber ich wollte von Anfang an klarstellen, dass ich danach nicht noch bei ihm herumhängen würde.

»Wie heißt du?«, fragte ich, während wir durch die dunklen, leeren Straßen schossen.

»Gary«, sagte er. »Und du?«

»Ich bin Nicole«, antwortete ich. Das war mein Arbeitsname – ich verwendete meinen richtigen Namen, Josefina Rivera, nur ungern, wenn ich auf den Strich ging. Aus irgendeinem Grund war es mir unangenehm, also nannte ich mich, wenn ich anschaffen ging, Nicole.

Wir fuhren ins Slumviertel von Philadelphia und bogen bald durch einen hüfthohen Maschendrahtzaun in einen Hof ein. Wir hatten sein Zuhause erreicht – 3520 North Marshall Street.

Gary führte mich über die Veranda ins Haus. Draußen war es stockfinster und im Haus ebenfalls. Das hier war keine gute Gegend – viele Drogendealer, Herumtreiber und ausgebrannte Autos. In letzter Zeit hatte es sich aufgrund einer Schießerei zwischen Gangs einen Ruf als das »O.K. Corral von Philadelphia« erworben. Trotzdem, ich hatte kein Problem damit. Ich war schon so ziemlich überall gewesen, und aufgrund meiner eigenen Drogensucht war ich es gewohnt, die schäbigeren Seiten des Lebens zu sehen.

Meine Droge war Crack – immer Aufputschmittel, nie Beruhigungsmittel. Ursprünglich hatte es als ein bisschen Spaß begonnen. Wenn man jung ist, hält man sich für unbesiegbar, man kann sich nicht vorstellen, so süchtig nach etwas zu werden, dass es das Einzige ist, woran man denken kann. Du hast keine Ahnung, wie extrem weit du gehen würdest, um einen Schuss zu kriegen. Oder dass dir die Drogen wichtiger sein könnten als ein Leben, das in dir heranwächst. Und bei mir hatte irgendwann das Crack die Kontrolle übernommen. Ich hatte keine Wahl mehr. Crack war für mich die einzige Möglichkeit geworden, den Tag zu überstehen. Morgens brauchte ich als Allererstes eine Pfeife, sonst kam ich überhaupt nicht in die Gänge. Es spielte keine Rolle, wie viel Geld ich verdiente, ich gab immer alles aus. Egal, ob ich fünfzig Dollar einnahm oder 500, in einem Punkt konnte ich mir immer sicher sein: am nächsten Tag würde das Geld weg sein und ich wieder auf dem Straßenstrich stehen.

Gary ging voran ins Haus, und ich sah mich kurz um. Wir waren in einem Wohnzimmer mit einer Couch, einem Fernseher und ein paar Teppichen auf dem Boden. Wir gingen weiter in ein dunkles Esszimmer mit einem Flipperautomaten, Essstühlen und einem Esstisch. Es war, soweit ich sehen konnte, ein ganz normales, gewöhnliches Haus. Das Einzige, was mir seltsam erschien, war die Tatsache, dass er anstelle von Tapeten etwas Ungewöhnliches an den Wänden befestigt hatte: Geld.

Er hatte dort überall Fünf-, Zehn- und Fünfundzwanzigcentstücke an die Wände des Esszimmers geklebt. Und in der Küche waren die Wände mit Pennys übersät. Mein Gott, warum sollte jemand so etwas tun? Es sah aus, als hätte er Stunden dafür gebraucht.

Er führte mich nach oben zu seinem Schlafzimmer, und an den Wänden neben der Treppe und im oberen Flur klebten Dollarscheine. Hin und wieder war auch ein Zwanzigdollarschein darunter – ich nehme an, um es ein bisschen interessanter zu machen. Vielleicht war er ein Angeber. Wollte die Welt wissen lassen, dass er genug Kohle hatte, um sein Haus damit zu tapezieren.

Gary führte mich in sein Schlafzimmer, und ich begann mich auszuziehen. Er gab mir meine fünfzig Dollar, und als ich mich auf das Bett legte, fiel mir auf, dass es so aufgestellt war, dass mein Kopf nach unten zeigte. Er erklärte, er habe eine Lungenerkrankung, und das würde ihm beim Schlafen helfen. Er wartete, bis ich auf dem Bett lag, zog dann seine Jeans und Unterhose aus, behielt sein Holzfällerhemd aber an und legte sich auf mich.

Wortlos drang er in mich ein und begann, sich rhythmisch zu bewegen. Er sagte kein Wort, sondern stieß nur immer wieder und immer schneller in mich hinein, bis er fertig war. Für mich war es das Übliche. Je schneller, desto besser. So sah ich die Sache.

Ich stand auf, um mich wieder anzuziehen, und in diesem Augenblick, als ich eben in meine Unterhose schlüpfen wollte, spürte ich, wie er von hinten den Arm um meine Kehle legte und mich würgte.

Oh mein Gott!

Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht. Ich konnte nicht einmal atmen. Der Kerl quetschte alle Luft aus mir heraus, und kein Sauerstoff konnte mehr in meine Lungen gelangen.

Ich brach in Panik aus. Bilder meines Lebens schossen mir durch den Kopf, wirbelten an meinen Augen vorbei und gestatteten mir einen letzten, flüchtigen Blick auf das Leben, das ich gleich hinter mir lassen würde. Meine Mom, meine Kinder, die Männer, die ich geliebt und verloren hatte …

Ich hatte das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden, aber ich hatte Angst, dass ich, wenn ich einmal das Bewusstsein verlor, es nie wiedererlangen würde. Ich setzte mich so gut ich konnte gegen Gary zur Wehr und versuchte ihn abzuschütteln.

Auf einmal spürte ich, wie er den Griff ein klein wenig lockerte, und ich schnappte nach Luft.

Heidnik riss einen meiner Arme nach hinten, und ich hörte ein Klicken, als er eine Handschelle an meinem Handgelenk befestigte. Ich begann wieder verzweifelt, meinen Körper zu winden, um von ihm wegzukommen. Was immer der Typ vorhatte, es konnte nichts Gutes sein.

»Hör schon auf, dich zu wehren, sonst muss ich dich wieder würgen«, sagte er. »Leg einfach deinen anderen Arm auf den Rücken.«

Sein Tonfall war ruhig, nüchtern – in seiner Stimme lag keine Wut oder Verärgerung. Es war, als würde er mir Anweisungen dazu erteilen, wie ich Wasser aufsetzen sollte. Dieser Tonfall war erst recht beängstigend. Was sollte das alles? Eine Million albtraumhafter Szenarien schossen mir durch den Kopf.

Er hielt meinen Arm fest, und ich wusste, dass er es ernst meinte. Also legte ich gehorsam die andere Hand auf den Rücken, und er steckte sie ebenfalls in die Handschellen.

Nackt und in Handschellen wurde ich hinunter ins Wohnzimmer gebracht, durchs Esszimmer und weiter zu einer Tür, die ein paar Stufen hinunter in seinen Keller führte.

Kein Mann war mir gegenüber je gewalttätig geworden. Etwas Derartiges hatte ich noch nie erlebt. Ich hatte Angst. Große Angst.

Gary drückte mir die Arme fest auf den Rücken und stieß mich unsanft die Treppe hinunter. Das grelle Licht einer nackten Glühbirne, die von der Decke hing, erhellte einen schlichten, kargen Raum. Dort unten standen eine große Gefriertruhe, ein Radio, aus dem Musik dröhnte, und noch ein Flipperautomat. Dann sah ich, dass er inmitten dieser ganzen Normalität ein Loch in den Boden gegraben hatte.

Als ich das Loch sah, begann mein Herz, noch wilder zu hämmern, und mein Körper verkrampfte sich vor Angst. Wofür war dieses Loch da? Würde er mich töten? War das hier mein Grab?

Ich war völlig schockiert und verängstigt, ich fror und schnappte nach Luft, während ich betete, diese Sekunden mögen nicht meine letzten auf dieser Erde sein.

Als ich dort stand, begann Gary, dicke Metallringe um meine Fußknöcheln herum zu befestigen. Die Ringe sahen aus wie diese Schellen, mit denen man den Auspuff am Boden eines Wagens anbringt – eine gerade Seite, die an einem Halbkreis befestigt ist.

Er schraubte die Auspuffschellen zu, dann trug er etwas Krazy Glue, einen stark haftenden Superkleber, auf die Schrauben auf und zog sie noch einmal nach. Er arbeitete methodisch und sorgfältig, und er schien ganz genau zu wissen, was er da gerade tat. An seinen Bewegungen war nichts Panisches oder Überstürztes. Schließlich nahm er einen Föhn und trocknete den Klebstoff damit.

Es war ein bizarrer Anblick, wie dieses gewöhnliche Gerät zu einem solch kranken, perversen Zweck verwendet wurde.

Ich stand da, nackt, die Hände auf dem Rücken gefesselt, völlig unter Schock.

Als er damit fertig war, brachte er die Auspuffschellen an einer langen Kette an, die er mit einem Vorhängeschloss an einem Abwasserrohr an der Kellerwand befestigte.

Schließlich nahm er mir die Handschellen ab und stieß mich in das Loch.

Das Loch war zu klein für meinen eins achtundsechzig großen Körper, und ich passte nicht hinein, sodass er immer wieder meinen Kopf nach unten drückte. Irgendwann muss meine Perücke heruntergefallen sein, denn auf einmal zog er mich unsanft an meinem Pferdeschwanz nach unten. Ich wurde gegen die kalte, bloße Erde gedrückt, und meine Beine waren unter mir zusammengefaltet, sodass mein Kinn auf meinen Knien lag, ein Arm war um meinen Kopf geschlungen, während der andere seitlich eingeklemmt war. Ich schrie vor Schmerzen und protestierte, aber Gary machte einfach weiter, als könne ihn nichts in der Welt aufhalten. Er machte sich nicht einmal die Mühe, mir zu sagen, ich solle den Mund halten. Das Radio lief so laut, dass es meine Schreie völlig übertönte.

Sobald ich in dem Loch war, legte Gary eine schwere Platte darüber. Ich sah entsetzt zu, wie er sie langsam, Zentimeter für Zentimeter, über das Loch schob, bis ich auf einmal völlig im Dunkeln war, allein und so verängstigt wie noch nie zuvor im Leben.

Ich roch den harten, erdigen Boden um mich herum, und ich tat mein Bestes, um eine Position zu finden, in der mein Körper nicht allzu schlimm eingezwängt war, aber Gary musste irgendetwas Schweres auf die Platte gelegt haben, denn so sehr ich auch versuchte, mich dagegenzustemmen, sie lag unverrückbar auf dem Loch, wie ein Deckel.

Das Nächste, was ich hörte, war das Geräusch schwerer Schritte auf den hölzernen Stufen, die vom Keller hoch ins Erdgeschoss führten. Er ging wieder nach oben. Er ließ mich hier unten zurück. Ich wurde von Panik übermannt. Was, wenn er mich hier liegen ließ, damit ich verrottete? Was, wenn er mich für immer hier ließ? Was, wenn die Luft ausging?

Ich war vor Angst wie gelähmt, und ich begann zu weinen und zu wimmern.

Oh Gott. Oh Gott – was wird jetzt aus mir?

Ich musste hier herauskommen. Ich musste!

Ich begann zu schreien: »Lass mich raus! Lass mich raus! Hilfe! Holt mich hier aus! Jemand muss die Polizei rufen. Ich werde gefangen gehalten!«

Ich brüllte und brüllte und brüllte stundenlang. Aber nichts geschah, niemand kam, und ich steckte die ganze Zeit in derselben verrenkten Position fest und kreischte und schrie um mein Leben. Nach einer Weile schlief mir der Arm ein, und die Kälte der Erde drang mir in die Knochen.

Von Zeit zu Zeit hielt ich inne und lauschte nach einem Hinweis darauf, dass irgendjemand mich hören konnte, doch in diesen Augenblicken spürte ich wieder, wie mich das Entsetzen packte, und ich begann aufs Neue zu schluchzen. Dann fing ich wieder an zu schreien. Ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte.

2

Das Loch

Musik. Ich konnte Musik hören.

Ich hörte sie aus weiter Ferne, und ich erkannte das Lied – es war Anita Bakers Caught up in the Rapture. Sie hatten dieses Lied im Radio über Stunden immer wieder gespielt.

Meine Arme und Beine waren so steif, dass ich sie kaum noch spüren konnte; das Einzige, was ich spüren konnte, war die Kälte der feuchten, groben Erde an meiner Haut.

Mein Verstand war wie benebelt – wo war ich?

Ich war in einer Welt aufgewacht, die ich nicht wiedererkannte – meine Arme und Beine waren unbequem um meinen Körper gewickelt, alles war dunkel, und in meinem ausgedörrten Mund war der bittere Eisengeschmack von Blut.

Der Boden hatte mich völlig verschluckt – er war unter mir, um mich herum, an jeder Seite, und der Geruch war wie der von Erde, wenn es geregnet hat, nur näher. Viel näher.

Ich konnte spüren, dass meine Wangen feucht waren – hatte ich im Schlaf geweint? Ich konnte es nicht sagen. Vielleicht sickerte auch irgendetwas aus meinem Auge – es fühlte sich etwas wund an.

Ich blinzelte, um wach zu werden, und versuchte mich auf meine Umgebung zu konzentrieren, aber meine Augen konnten keinerlei Bilder oder Reize wahrnehmen. Es gab kein Licht, nur Dunkelheit.

Ich war lebendig begraben worden.

Heute war Thanksgiving. Das wusste ich, da ich die Radiosprecher fröhlich verkünden hörte, es sei sechs Uhr morgens, dann sieben Uhr, dann acht Uhr. Und so weiter, bis es jetzt neun Uhr abends war. Ich hockte bereits seit vierundzwanzig Stunden hier unten – ein ganzer Tag war vergangen, seit Gary mich in Handschellen hier heruntergeführt hatte.

Wie in aller Welt war ich an diesem gottverlassenen Ort gelandet, ohne zu wissen, ob ich im nächsten Augenblick noch leben würde?

Ich sollte zu Hause sein. Warum war ich hier?

Ich dachte an meine Mom, Florence Patterson – sie würde erwarten, dass ich sie heute anrief. Täte ich das nicht, würde sie sich Sorgen machen, so wie jede andere Mutter auch.

Florence war nicht meine leibliche Mutter, aber sie war in jeder anderen Hinsicht meine Mom. Sie hatte mich aufgenommen, nachdem meine leiblichen Eltern mich und meine beiden älteren Geschwister zum Sterben in einer Wohnung zurückgelassen hatten.

Sie gingen einfach weg und ließen uns zurück, als ich sechs Wochen alt war.

Wir wurden nur deshalb gerettet, weil die Nachbarn mich schreien hörten und die Polizei riefen. Hätten sie nicht die Polizei verständigt, hätte uns niemand gefunden.

Als die Beamten die Tür einschlugen, fanden sie mich, meine zweijährige Schwester Iris und meinen einjährigen Bruder Freddy in einem erbärmlichen Zustand: frierend, unterkühlt und hungrig.

Später, als die Polizei versuchte, meine Eltern ausfindig zu machen, sagten die Nachbarn, sie hätten sie schon ziemlich lange nicht mehr gesehen. Wer wusste schon, wie lange wir bereits dort waren? Oder wie oft wir so zurückgelassen worden waren?

Wir wurden zunächst in Kinderheimen untergebracht, bevor ich im Alter von vier Monaten zu meinen wundervollen neuen Eltern kam. Und dort blieb ich, bis ich Anfang zwanzig war.

Unten in dem Loch begann ich zu schluchzen. Mom! Werde ich meine Mom je wiedersehen?

Ich liebte sie so sehr, dass ich nie von ihr getrennt sein wollte. Als ich in ihr Zuhause kam, hatten Florence und Augustus bereits acht ihrer eigenen Kinder großgezogen, sodass ich und meine andere Pflegeschwester, Althea, völlig verzogen wurden. Dank einer Fülle abgelegter Kleidungsstücke und anderer Dinge bekamen wir alles, was wir uns je hätten wünschen können, und noch mehr: Spielsachen, Kleider, Ausflüge und Vergnügungen.

Wir hatten ein Wohnzimmer, das sich über eine ganze Etage des Hauses erstreckte, und es war randvoll mit Spielsachen. Ich bekam einen Wutanfall, wenn ich ein vermisstes Spielzeug suchte, wohingegen die meisten Kinder in meinem Alter froh gewesen wären, überhaupt nur eines der Spielzeuge zu haben, die ich hatte!

Mom und ich sahen uns überhaupt nicht ähnlich: Sie war klein und schwarz, während meine leibliche Mutter Mexikanerin und mein leiblicher Vater Puerto-Ricaner war. Damals achtete die Kinderschutzbehörde nicht darauf, ob wir dieselbe Hautfarbe hatten wie unsere Pflegefamilie. Wichtig war es nur, in ein liebevolles Zuhause zu kommen, und in dieser Hinsicht hatte ich großes Glück.

Mom war kräftig, aber sie war nicht dick. Sie drehte sich an den meisten Tagen Locken, trug eine Brille und achtete stets darauf, dass sie hübsch aussah. Aber vor allem war sie sehr wohlerzogen und höflich und ließ sich von mir nichts bieten! Da sie bereits acht Kinder großgezogen hatte, bevor ich überhaupt geboren wurde, kannte sie sich in Sachen Kindererziehung bestens aus.

Nicht vorbereitet war sie lediglich darauf, wie krank ich als Kind war. Aufgrund meines schlechten Starts ins Leben hatte ich als Baby eine Lungenentzündung, und das war etwas wirklich Ernstes.

Als ich erst ein paar Monate alt war, bekam ich so hohes Fieber, dass ich ins Krankenhaus musste.

Es war schwer für Mom – ein paarmal bestellte man sie ins Krankenhaus und sagte ihr, dass ich die Nacht nicht überstehen würde, aber irgendwie … irgendwie kam ich jedes Mal durch.

»Du bist eine kleine Kämpferin!«, sagte meine Mom oft lachend, als ich älter wurde.

Lungenentzündungen machten mir während meiner ganzen Kindheit zu schaffen, bis das Krankenhaus mich irgendwann nicht mehr aufnehmen wollte und meiner Mom einfach die Medikamente mitgab, die sie mir zu Hause verabreichen sollte.

Mom war immer mit einer tröstlichen Schale Suppe zur Stelle, wenn ich im Bett lag, unter die Decken gekuschelt, während das Fieber durch meinen Körper brannte.

Noch heute leide ich an Asthma, Atemschwäche und einer ganzen Reihe von Allergien.

Wir wuchsen in einer guten Gegend von Philadelphia auf, dem Museum District, und meine Eltern waren gottesfürchtige Leute, weshalb wir jeden Morgen zur Messe gingen. Als kleines Kind war mir dort so langweilig, dass ich nicht still sitzen konnte. Ich krabbelte zwischen den Kirchenbänken herum, machte Ärger und benahm mich allgemein ziemlich schlecht.

Und jedes Mal, wenn wir von der Kirche nach Hause kamen und ich dort Unfug getrieben hatte, verpasste Mom mir ein paar Ohrfeigen.

Ja, Mom war streng – sie sorgte dafür, dass wir alle lesen und schreiben konnten, bevor wir in die Schule kamen, und wir konnten alle kochen, putzen und hinter uns sauber machen, auch wenn sie es uns die meiste Zeit abnahm. Wir hatten Aufgaben im Haushalt wie zum Beispiel, unsere Betten zu machen, und nach den Mahlzeiten spülte meine Schwester das Geschirr, und ich trocknete ab. Es gab nicht viel Zeit, um herumzusitzen und die Hände in den Schoß zu legen.

In der ganzen Zeit, während der ich zu Hause war, sagte ich nur ein einziges Mal, mir sei langweilig, und daraufhin erwiderte meine Mom unvermittelt: »Ach ja? Dir ist langweilig? Na, das ist gut, denn ich habe einen Haufen Dinge, mit denen du gleich anfangen kannst, zum Beispiel, diesen Boden hier zu schrubben!«

Ich sah auf den riesigen Küchenboden und machte mich daran, ihn zu schrubben. Sobald ich dachte, ich hätte ihn hübsch sauber, rief ich sie wieder herein und platzte vor Stolz. Aber Mom setzte hohe Maßstäbe, und sie gab sich mit nichts Geringerem zufrieden.

»Sieh dir das an!«, rief sie mit einem stählernen Funkeln in den Augen. »Jetzt, wo du den ganzen Dreck schön gleichmäßig verteilt hast, kannst du anfangen, ihn wegzuputzen!«

An jenem Tag schrubbte ich den verdammten Boden stundenlang!

Als ich jetzt in diesem Loch war, schluchzte ich bei dem Gedanken an die Liebe meiner Mom zu mir, und daran, wie sie immer nur das Beste für mich wollte.

Eines Tages, als ich drei Jahre alt war, tauchte mein leiblicher Vater auf.

Es muss alles arrangiert gewesen sein, denn als ich an jenem Morgen aufstand, sagte Mom: »Du bekommst heute Besuch. Was willst du anziehen?«

Ich entschied mich für mein Lieblingskleid: ein rotes mit einer weißen Spitzenborte.

Mom zog mir das Kleid an und machte mir die Haare hübsch zurecht.

Wenig später tauchte ein seltsam aussehender Mann bei uns auf. Er setzte sich auf die Couch, meine Mom nahm ihm gegenüber in einem Sessel Platz, und ich stand an ihrer Schulter und drückte mich an sie, zu schüchtern, um zu sprechen oder diesen Kerl auch nur anzusehen.

»Warum redest du nicht mit ihm?«, fragte Mom immer wieder. »Das ist dein Dad.«

Ich schüttelte den Kopf. Wer war dieser Mann? Er war nicht mein Dad. Er hatte rein gar nichts mit mir zu tun. Ich wollte nur, dass er ging, damit wir endlich wieder wir selbst sein und spielen konnten.

Schließlich, nachdem er vergeblich versucht hatte, mich zum Reden zu bringen, wandte sich der seltsam aussehende Mann an meine Mom. »Diesem Mädchen gehört der Hosenboden gründlich versohlt, denn sie hört auf nichts, was irgendjemand ihr sagt.«

Mom kniff die Lippen zusammen und sagte mit einer leichten Kopfbewegung: »Nun, in diesem Haus wird das nicht passieren.«

Wenig später ging er, und Mom nahm mich mit in die Küche und stellte mich auf einen Stuhl, damit sie mir mein gutes Kleid ausziehen und mir meine Spielkleidung anziehen konnte.

Als sie mir das hübsche rote Kleid über den Kopf zog, fand ich meine Stimme wieder: »Ich liebe dich, Mommy!«

Sie sah mich mit aufgewühlt an, sagte jedoch nichts.

Und dann meinte sie: »Weißt du, du hast irgendwo dort draußen noch eine andere Mommy.«

»Nein, habe ich nicht. Ich liebe dich.«

»Ich dich auch. Und jetzt geh zum Spielen nach draußen.«

Danach kam mein Dad an einem anderen Tag noch einmal wieder, um mich zu sehen, aber ich hatte Mumps, sodass er nicht in mein Zimmer kommen konnte. Später, als Teenager, machten meine leibliche Schwester Iris und ich uns auf die Suche nach meinem Vater, in dem Bemühen, unsere leibliche Mutter ausfindig zu machen.

Mom verschwieg mir nicht, dass ich ein Pflegekind war – sie wollte, dass ich die Wahrheit wusste, damit ich vorbereitet war, falls meine Eltern mich eines Tages wieder in ihrem Leben haben wollten.

Das war Mom – sie beschönigte nichts. Sie war klar und direkt, sagte, was gesagt werden musste, und ging dann zum nächsten Punkt über. Bei ihr wurde nicht um den heißen Brei herumgeredet. Sie sagte immer, was sie dachte.

Aber selbst sie wäre wohl um Worte verlegen, wenn sie wüsste, was mir jetzt gerade passierte. Ich wusste, sie wäre beunruhigt, weil ich sie an Thanksgiving nicht angerufen hatte, und dieses Wissen, dass sie sich meinetwegen Sorgen machte, ließ mich noch heftiger schluchzen.

Da wir aus einer katholischen Kinderschutzeinrichtung kamen und meine Pflegeeltern gottesfürchtige Leute waren, wurde ich auf die örtliche katholische Schule geschickt, eine kostenpflichtige Schule.

Es war das erste Mal, dass St. Francis Xavier an der Ecke 24th und Green schwarze und hispanische Schüler aufgenommen hatte, weshalb ich dort auffiel wie ein bunter Hund.

Dieses erste Jahr war hart für mich. Ich war es gewohnt, die ganze Zeit bei meiner Mom zu sein, und wo immer sie war, wollte ich auch sein – nirgends sonst.

Im Unterricht hob ich oft die Hand und bat darum, auf die Toilette gehen zu dürfen, und dann lief ich zu Fuß nach Hause und klingelte an der Tür.

Ich erwartete allen Ernstes, dass meine Mom sich darüber freuen würde, dass ich es geschafft hatte, den ganzen langen Weg allein zurückzulegen.

»Was tust du denn hier?«, rief sie jedes Mal, wenn ich lächelnd vor der Tür stand.

»Mom, du hast mich vermisst!«, beharrte ich dann. »Du brauchst mich bei dir zu Hause.«

Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass mich meine Mom jedes Mal, wenn ich von der Schule nach Hause gelaufen kam, sofort wieder zurückbringen würde, während sie mir mit einer Tracht Prügel drohte, für den Fall, dass ich mir so etwas je wieder erlauben sollte.

Die Schule war groß – mit Hunderten von Schülern –, aber dennoch gab es insgesamt nur sechs schwarze und hispanische Kinder. Bis heute kann ich mich an jeden einzelnen ihrer Namen erinnern.

Die weißen Kinder waren zunächst misstrauisch, und sie verstanden meine rassische Herkunft überhaupt nicht.

»Du bist ein schwarzes Mädchen«, sagten sie zu mir.

»Oh nein«, sagte ich dann kopfschüttelnd. »Ich bin hispanisch – meine leibliche Mom ist Mexikanerin, und mein leiblicher Dad ist Puerto-Ricaner.«

»Aber deine Eltern sind schwarz. Ich habe sie gesehen!«

»Das sind meine Pflegeeltern«, erklärte ich dann erschöpft. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie oft ich diese alte Leier wiederholen musste.

»Na ja, egal. Deine Mom ist schwarz, und damit bist du ein Nigger!«, hänselten sie.

Ich hätte ihnen am liebsten mit der Faust in ihre selbstgefälligen kleinen Gesichter geschlagen – und ich glaube, genau das wollten sie auch herausfordern. Doch ich beherrschte mich jedes Mal. Ich wollte mir keinen Ärger einhandeln. Abends jedoch kam ich deprimiert nach Hause und berichtete meiner Mom von dieser neuen, traurigen Seite meines Lebens.

Sie hatte keine Zeit für mein Selbstmitleid. »Das gehört eben dazu«, erklärte sie ernst. »Damit wirst du dein Leben lang zu tun haben, daher solltest du dich besser jetzt daran gewöhnen und deine Denkweise ändern, sonst wirst du nie damit klarkommen. Erwidere nicht auf alles, was irgendjemand sagt, etwas zurück, nur weil die Leute irgendetwas daherreden. Es ist egal, was jemand anders denkt oder sagt. Du gehst aus einem einzigen und bestimmten Grund zur Schule: um etwas zu lernen. Das sollte bei dir an erster Stelle stehen. Ignoriere alles andere. Und dann, wenn du doch einmal kämpfen musst, dann gehst du an den Start, machst so und so und bringst es hinter dich.«

Ich kicherte, als Mom einem imaginären Gegner einen Faustschlag verpasste, aber sie machte keinen Witz.

Sie sah mich streng an. »Josefina, schluck es einfach runter! Und wenn du das nicht kannst, dann kämpfe, bring es hinter dich und vergiss es. Verstanden?«

Ich nickte entschieden.

Sie dachte, ich müsse härter werden. Und daher wurde ich es. Ich geriet in ein paar Schlägereien, nichts Ernstes, und binnen eines Jahres hatte ich mehr oder weniger gelernt, mich zu behaupten.

Wenn ich, so wie alle Mädchen, über die anderen Mädchen in der Schule jammerte oder stöhnte, redete Mom ein ernstes Wort mit mir. Es war ihr egal, was andere Leute sagten – solange ich gute Noten bekam.

»Was sitzt du herum und machst dir Gedanken darüber, was andere Leute sagen, wenn du hier nur eine Drei in deinem Aufsatz hast? Du brauchst abends drei Stunden für deine Hausaufgaben, weil du dir so viele Gedanken über die Meinung anderer machst. Du musst dich nur um das kümmern, wofür du dort bist, und das ist, etwas zu lernen.«

Mom musste jeden Abend auf meinen Hausaufgaben unterschreiben.

Einmal sah sie, dass ich einen Aufsatz geschrieben hatte und auf einer Seite etwas durchgestrichen hatte, wo ich ein paar Fehler gemacht hatte.

»Was ist das?«

»Ich musste es nur ändern. Es ist schon gut so.«

»Nein, es ist nicht gut so. Du machst es noch einmal, und diesmal richtig.«

Es war ein fünfseitiger Aufsatz!

»Ich kann diese Seite einfach herausnehmen und sie ersetzen«, schlug ich vor.

»Nein. Du musst lernen, es von Anfang an richtig zu machen. Du hast es immer so eilig damit, fertig zu werden, dass du diese ganzen Fehler machst. Nimm dir Zeit und konzentrier dich auf das, was du tust, dann wird das nicht wieder vorkommen. Und jetzt machst du es noch einmal.«

Und so musste ich meinen Aufsatz noch einmal von vorn anfangen. Von da an lernte ich, genau zu überlegen, was ich tat, mich zu konzentrieren und es von Anfang an richtig zu machen.

Glauben Sie mir, es passierte nicht mehr allzu oft, denn ich hatte nicht vor, meine Hausaufgaben ständig noch einmal von vorn zu machen.

In der ersten Zeit durfte ich meinen leiblichen Bruder Freddy und meine leibliche Schwester Iris noch sehen, weil wir alle bei Pflegeeltern aufwuchsen, die demselben katholischen Kriegsveteranenverein angehörten. So kam meine Mom ursprünglich auf die Idee, Pflegekinder aufzunehmen – als eine andere Dame in der Gruppe begonnen hatte, Kinder in Pflege zu nehmen. Sobald Moms Kinder alle erwachsen waren und sie in diesem großen Achtzimmerhaus allein mit meinem Dad war, dachte sie, es könnte nett sein, einem Kind, das weniger Glück im Leben gehabt hatte, ihr Zuhause zu öffnen. Sie wollte gern ein Baby haben, und als die Kinderschutzbehörde ihr mich anbot, war sie begeistert. Ich freute mich immer sehr, meine Geschwister im katholischen Kriegsveteranenverein zu treffen, aber einmal, als wir draußen spielten, hielt Freddy mich an meinem Kleid fest, und es zerriss. Es war ein Unfall, aber die Erwachsenen regten sich furchtbar auf und meinten, wir dürften uns nicht mehr sehen, da wir »handgreiflich« gegeneinander würden. Doch das stimmte nicht.

Ich war ziemlich gut in der Schule und bekam ständig Einsen und Zweien – aber nur, weil meine Mom nichts Anderes akzeptiert hätte. Außerdem fiel mir das Lernen leicht. Aber die Schule war streng: Wenn man aus der Reihe tanzte, wurde man mit einem Lineal auf die Hand geschlagen. Ich war eine Alleskönnerin. Ich lernte Saxophon und Klavier, ich liebte tanzen – modernen Tanz, Jazz, Stepptanz und Ballett. Ich war sogar Cheerleader. Und ich war beliebt – andere Kinder waren gern mit mir zusammen.

Das Problem war, mir wurde schnell langweilig. Ich hatte eine rasche Auffassungsgabe, und ich war ständig auf der Suche nach etwas Neuem. Und das Neue, das kam, waren Drogen. Ich nehme an, ich war nicht anders als die meisten Teenager, die gern ein bisschen herumexperimentieren, und so begann ich mit dreizehn, Gras zu rauchen. Viele Jugendliche in meinem Viertel rauchten, daher war für mich nicht viel dabei. Aber ich war ständig auf der Suche nach mehr, nach etwas, das mich noch higher werden ließ. Deshalb probierte ich Koks aus, und es dauerte nicht lange, bis mich ein paar ältere Jugendliche mit Crack bekannt machten.

Eines Tages hing ich bei einer Freundin zu Hause herum, als ich mitbekam, wie sie einen Crackstein aufkochte. Und ich war fasziniert. Ich fragte sie, ob ich etwas probieren könne, und sie sagte: »Na klar.«

Crack war anders als alles, was ich bis dahin ausprobiert hatte. Mit dieser Droge war ich unbesiegbar und stark. Genau so fühlt sich Crack an – als wäre man zu den unglaublichsten Dingen imstande. Da haben Sie den Grund, warum es so süchtig machen kann.

Aber ich glaubte nicht, dass ich süchtig werden würde. Ich dachte, ich würde nur ein bisschen herumexperimentieren. Ich dachte, ich könnte es ausprobieren und dann wieder sein lassen. Ich war erst vierzehn, und in diesem Alter fühlt man sich unzerstörbar. Niemand sagt dir, dass du, wenn du anfängst, Crack zu rauchen, binnen weniger Monate süchtig sein wirst. Außerdem waren dort, wo ich lebte, Drogen an der Tagesordnung. Ja, und dann gab es da auch Gruppendruck. Wie den meisten Jugendlichen – vor allem wenn sie diese Phase durchmachen, in der sie versuchen, sich von ihren Eltern abzunabeln – war mir das, was meine Freunde von mir hielten, wichtiger als das, was meine Eltern dachten oder sagten. Grenzen auszutesten ist in jedermanns Entwicklung eine wichtige Phase, aber erst heute ist mir klar, dass es auch eine gefährliche ist, vor allem wenn man dort lebte, wo ich aufwuchs, wo es überall Drogen gab und es als ganz normal und alltäglich galt, sie zu nehmen.

Ich muss zugeben, ich hatte damals das Gefühl, viel Spaß zu haben. Ich war ein ganz gewöhnlicher Teenager, und ich war gern high. Das Seltsame war, dass es meine schulischen Leistungen nicht beeinträchtigte. Ich kam noch immer jeden Abend nach Hause und ging am nächsten Tag zur Schule. Ich heimste noch immer meine ganzen Einsen und Zweien ein und machte all meine Zusatzkurse.

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